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Zahlreiche Unfälle haben sich am Sonntag in Berlin und Umgebung ereignet. Auf der Oberspree bei Fried richshagen fenterte ein mit 5 Personen besetztes Boot. Zwei Insassen ertranken, die drei anderen wurden gerettet. Bei Hirschgarten wurde ein mit drei Personen besetztes Boot von einem Dampfer angerank. 2 Insassen ertran­fen, der dritte wurde gerettet. Bei Treptow wurde bei einem Zusammenstoß eines Straßenbahnwagens mit einer Automobildroschke Kaufmann Roth aus Berlin und Frau verlegt, die Insassen des Automobils lebensgefährlich. Jm Streit erstach der in der Skalizerstraße wohnende Arbeiter Bär seinen Hausgenossen Hoffmann. Bär wurde verhaftet. Einen schweren Unfall erlitt vormittags der Hauptmann Siegert vom 3. oberelsässischen Infanterieregiment 172, der bei Beelitz Flugversuche anstellte. Dabei wurden dem Hauptmann vom Propeller drei Finger abgeschlagen. Der in der Villenkolonie Schöneich bei Friedrichshagen woh­nende Arzt Dr. A. machte gestern seinem Leben durch Er­schießen ein Ende.

12,000 Kilometer zu Pferde zurückgelegt. Jn Peters­burg traf am Sonnabend die 36jährige Witwe des Ober­Sten Kudachews zu Pferde ein. Sie war vergangenes Jahr im Mai aus Charbin ausgeritten und hat mithin 12,000 Kilometer zu Pferde zurückgelegt, und zwar auf einem flei­nen unansehnlichen Steppenpferd. Frau Kudachews wird in Sportfreisen ein begeisterter Empfang bereitet werden.

Der Berliner Zeitungsstreit. In einer gestern mittag in der ,, Neuen Welt" in Berlin stattgehabten, von mehr als 2000 Angestellten der Buchdruckereien Mosse, Ulstein und Scherl besuchten Versammlung wurde mitgeteilt, daß bereits beschlossen worden sei, die Arbeit bei den Firmen Ullstein und Mosse sofort wieder aufzunehmen. Bei diesen Firmen ist die Sache also geregelt. Die nicht entlassenen Arbeiter der Firma Scherl nehmen am Montag die Arbeit wieder auf. Die entlassenen 39 Arbeiter wählten eine aus drei Personen bestehende Deputation, die heute mit der Geschäftsleitung des Verlages Scherl zu verhandeln suchen soll. Sollte dieser Versuch scheitern, so wollen sich die Ent­lassenen sofort an die Organisationen wenden, die dann die Angelegenheit in Empfang nehmen sollen.

Im Geldschrank eingesperrt. Ein eigenartiger Vor­fall ereignete sich in einem größeren Finanzinstitut in Brüssel. Zwei Arbeiter waren mit dem Anstreichen der Innenwände eines Tresors beschäftigt, als auf noch unauf­geklärte Weise die Tür des Tresors ins Schloß fiel, so daß die beiden Anstreicher gefangen waren. Auf ihre Hilfe­rufe erschienen mehrere Bankangestellte, denen es aber nicht gelang, die Tür zu öffnen. Es mußten Geldschrank­arbeiter hebeigerufen werden, und diese konnten den Tre­for erst nach 1% stündiger Arbeit öffnen. Die beiden An­streicher lagen bewußtlos am Boden und es bedurfte län­gerer Zeit, sie wieder ins Bewußtsein zu bringen.

Der englische Seemannsstreit hat dazu geführt, daß in London 14 Schiffe feine Mannschaft bekommen konnten. Wenn der Streit länger andauert, sind Stockungen der Themse- Schiffahrt unvermeidlich. In Southampton hat der Kap- Postdampfer, der Sonnabend auslaufen sollte, noch nicht die notwendige Mannschaft beisammen. In peinliche Verlegenheit fäme die Regierung, wenn der Streif nicht bald zu Ende geht, da für die Dampfer, die ihre Gäste zur Flottenschau nach Spithead bringen soll, ebenfalls noch feine Mannschaft vorhanden ist.

Eine originelle Feier des Krönungstages. Eine ori­ginelle und gemeinnützige Art, den Krönungstag König Georgs von England zu feiern, hat der Stadtrat von Montreal in Kanada gewählt. Er hat der Nationalzei­tung" zufolge beschlossen, das Geld, welches sonst bei der­artigen Gelegenheiten auf Feuerwerk und Illumination verwendet wird, zur Stiftung einer Anzahl Milchdepots zu gebrauchen, wo an die Armen der Stadt regelmäßig Freimilch verteilt werden soll. In Montreal, wie in so vielen großen Städten, war es bisher für die Armen sehr schwierig, gute Milch für ihre Kinder zu erhalten. Der Stadtrat ist der Ansicht, daß er durch diese soziale Tat im Namen des Königs den Monarchen besser ehrt als durch eine kostspielige Illumination auf Kosten der Stadt.

Schönheitspflege für Hunde. In Frankreich, dem Lande der Schönheit, ist man uns in der Behandlung des Aeußern der Hunde weit voraus. Uns liegt der Prospekt eines fosmetischen Instituts für Hunde vor, das von einem ehemaligen diplomierten Mitgliede der Tierarzneischule in Toulouse geleitet wird; diesem Prospekt entnehmen wir folgendes interessante und recht amüsante Preisverzeich= nis: Veränderung der Schnauzenform 40 M. Fältelung des Antlitzes einer Bulldogge 75 M. Veränderung der Ausziehen Schwanzlänge( Stugen oder Strecken) 16 M. der überflüssigen Haare: die Stunde 4 M. Färben des Felles 24 M. Umbildung eines herabhängenden Ohres in ein aufrecht stehendes und umgekehrt 16 M.- Krüm mung der Vorderpfoten einer Bulldogge 80 M.

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Die Zigeuner und die Pest. In England geht man letzt mit strengeren Maßregeln gegen die Zigeuner vor, weil man glaubt, daß durch sie die ja vor einigen Mona­ten dem Lande drohende Pestgefahr verursacht oder zum mindesten gesteigert worden sei. Während Deutschland dank der Maßnahmen, die hier getroffen worden sind, nur gegen 2000 wandernde Zigeuner aufweist, halten sich in England zwischen 10- und 12 000 auf. Die Zahl der in Frankreich, Dänemark und Holland wellenden Zigeuner beträgt etwa je 5000. In England besteht seit mehreren Jahren ein Herd von pestkranken Ratten in Ipswich, von dem aus auch Pestratten nach London verschleppt sind. Bei Ipswich befinden sich aber große Zigeunerlager, in denen ein schrecklicher Schmutz herrscht, wodurch die Ausbreitung der pestkranken Ratten, ja sogar die Uebertragung der Reime auf Menschen möglich gemacht wird. Die Auswei­fung der Zigeuner aus der Umgegend von Ipswich hat also ihre gewichtigen sanitären Gründe.

Ein furchtbares Vorkommnis berichten ungarische Blät ter. Der Landwirt Juon Vlad aus Bilek fehrte vor fur­zem des Abends vout Markte heim, wo er durch Verkauf von Ochsen 500 Kronen erhalten hatte. Das Geld trug sein junger Sohn Togner, der ihn begleitete, bei sich. Auf der Ein Mann Landstraße wurden sie plötzlich angefallen. sprang mit geschwungener Art auf den alten Vlad zu, spal­tete ihm den Stopf und ging dann auf den Jungen los, der aber die Flucht ergriff und dem Verfolger auch entfam. Abgehetzt und totmüde trat er in ein Haus an der Straße ein, wo ihm eine alte Frau Unterkunft gewährte. Togyer fchlief bald ein und erwachte erst, als die Tür sich öffnete und ein Mann eintrat in dem er mit Schrecken den Mörder feines Vaters erfaunte. Er troch still von seinem Lager am Ofen fort und versteckte sich in einem Winkel. Da hörte er, wie der Mann seiner Frau, es der Alten, erzählte, der Raubmord set nicht gelungen, Geld beim jungen Blad fei. Nun teilte die Frau ime mit, daß der

junge Vlad in ihrem eigenen Hause weile und neben dem Ofen zwischen den Söhnen des Mörders Itege. Der Mann, ein Landwirt namens Togyer Sturm, ergriff nun einen Strid, näherte sich dem Ofen, an dem der junge Vlad kurz vorher geruht hatte, und erdrosselte den schlafenden Knaben, der an der Stelle lag, die von der Frau angegeben worden war. Als er die Taschen des Toten leer fand, warf er die Leiche in den Backofen. Mittlerweile gelang es dem jungen Vlad fich aus dem Hause zu schleichen; er lief zur ersten Gendarmeriestation und fam mit Gendarmen wieder. Ein furchtbarere Geruch drang aus dem Backofen, in dem der Ermordete verbrannte. Das Verbrecherpaar wurde ge­fesselt und der Backofen geöffnet. Erst als der Gendarm die Leiche aus dem Ofen zog, nahm Sturm wahr, daß er in der Dunkelheit den eigenen Sohn ermordet hatte.

Ein russischer Oberst als Giftmörder. Der ehemalige Kommandant von Kurst. Oberst von Malzeff, ein Mitglied der südrussischen Aristokratie, wurde unter dem Verdacht verhaftet, seine Frau vergiftet zu haben, um ihre Millionen zu erben. Er heiratete die junge, millionenreiche Generals­tochter Jarosch, die bald darauf frank wurde, und nach ei­nigen Monaten starb. Das vorgefundene Testament setzte Malzeff zum Universalerben des Nachlaffes ein. Infolge einer anonymen Anzeige wurde beim Obersten eine Haus­suchung vorgenommen, die sehr belastendes Material zu­tage förderte. Er wurde verhaftet und dem Gericht über­liefert. Für seine Haftentlassung bot er eine Raution von 50 000 Mart, die das Gericht jedoch ablehnte.

Eine städtische Kazenstener wurde, wie bereits gemeldet, vom Münchener Gemeindekollegium im Prinzip beschlossen. Bei Verlesung des Antrages entstand zuerst große Heiter­keit, die sich aber in wohlwollenden Ernst und zum Schluß in fast allgemeine Zustimmung verwandelte, als der Referent auf Grund ärztlicher Erfahrungen in sachlicher Weise er= läuterte, wie die Katzen nicht nur sämtliche hygienischen Schattenseiten der Hunde besäßen, sondern außerdem noch die Vernichtung der Singvögel und damit der natürlichen Gesundheitspolizei, welche die städtischen Anlagen vor Rau­penfraß und Blattkrankheiten schütze, auf dem Gewissen hätten. Nicht wenige Katzenfreunde aus seinem Patienten­freise hätten ihm ihr Einverständnis mit einer Katzensteuer erklärt, denn eine versteuerte Kaze werde besser gepflegt als eine herrenlos herumlaufende. Ste habe auch Auß­sicht, ihr Geschlecht in veredeiter Rasse fortzupflanzen, wäh­rend durch wilde Kater" mancherlet Verschlechterung der Rasse bedingt werde. Die einzige Schwierigkett set nur die Identifizierung und die Anbringung der Steuermarke. Da man aber heute selbst das Wild in Wald und Flur, ja so­gar die nach Südafrika fliegenden Zugvögel durch Ringe und dergleichen markiere, so brauche man sich nicht auf Mar­fen an Halsbändern zu versteifen, die sa den kletternden Katzen unbequem und gefährlich seien. Jedenfalls werde eine sozialpolitische Verwendung der eingehenden Gelder auch diejenigen versöhnen, die vielleicht im ersten Augen­blick aus sentimentalen Empfindungen heraus dagegen seien. Mit großer Majorität wurde beschlossen, den Ma­gistrat zu ersuchen, in Paris und anderen französischen Städten, die dieser Frage praktisch bereits näher traten, Erkundigungen einzuziehen und von den städtischen Tier­ärzten die humanste Art der Anbringung einer Marke be­gutachten lassen. Allerdings wird es noch der Zustimmung der Regierung bedürfen, ehe sich diese Steuer wird in die Tat umsetzen lassen.

Die Krönungstoilette der Königin von England. Die Krönungstoilette der Königin von England ist jetzt fertig­gestellt. Sie ist in allen Teilen englische Arbeit und besteht aus dem Krönungskleide und einer darüber fallenden Robe. Die Robe hat eine Schleppe von sechs Metern und bedeckt ein Prinzeßkleid aus elfenbeinfarbenem Duchesse- Satin. Der Stoff wurde nach den Angaben der Königin in der Grafschaft Essex gewebt. Eine Londoner Firma stellte das Kleid nach den von der Königin genehmigten Entwürfen her. Die Stickerei stammt von den Damen der Handarbeits­schule der Prinzessin Luise. In die Stickerei sind die Sinn­bilder der einzelnen Teile des vereinigten Königreichs ein geführt: die englische Rose, die schottische Mistel, der irische Klee und der Stern von Indien mit der Lotosblume, ferner englische Ahorn- und Eichenblätter. Diese wiederum sind alle mit feinsten Goldfiligranfäden durchästelt. Ein außer gewöhnlich breiter Saum von Goldstickerei umzieht das Kleid unten. Er soll das Wasser darstellen, von dem das vereinigte Königreich umspült wird. Der Leib ist ziemlich furz geschnitten und mit goldenem Klee eingefaßt. Die Aermel reichen kaum bis zum Ellbogen und haben V- artige Deffnungen. In der Mitte des Nockes ist mit der Krone darüber der Buchstabe M eingestickt. Der Mantel besteht aus mehreren Hundert Hermelinfellen. Die Schuhe sind aus weißem Ziegenleder und mit Goldborten eingefaßt.

Rundflüge und Fliegerkatastrophen.

Vom Deutschen Rundflug.

Die Teilnehmer am Deutschen Rundflug sind, wie ge­meldet, jetzt bis Kiel gekommen, dem 3tel der vierten Etappe. Im Anschluß an den Streckenflug Hamburg­Kiel begann noch am Sonnabend unter dem Protektorate des Prinzen Heinrich von Preußen das mit reichlichen Geld- und Ehrenpreisen ausgestattete Nationale Wettfliegen Kiel 1911. um 6 Uhr 14 Minuten abends startete Schall auf einem Grade- Eindecker und er­reichte alsbald eine Höhe von 980 Meter. Die Landung erfolgte sicher nach 37 Minuten Fahrt. Ferner führten Thelen mit einem Passagier und Wittenstein ohne Para­gier wohlgelungene Flüge aus. Auf dem von zahlreichen Schaulustigen besetzten Flugplatz waren auch Prinz und Prinzessin Heinrich mit dem Prinzen Waldemar von Pren­ßen anwesend.

Der europäische Rundflug,

der bekanntlich in Frankreich seinen Ausgang nimmt, hat Eine ungeheure am Sonntag in Vincennes begonnen. Menschenmenge wohnte dem: Abflug für die erste Strede Paris- Lüttich bei. Anwesend waren auch der Justiz- und der Marineminister sowie der Sohn des Ministerpräsiden­ten Monis. Es stiegen nach und nach 41 Flieger auf. Der Ordnungsdienst versagte gegenüber der großen Menschen­menge, die sich über das ganze Flugfeld ergoß. Von den 41 Fliegern, die Paris verlassen haben, sind 26 in Reims angekommen. 15 haben den Weiterflug nach Lüttich gewagt, von denen 7 ihr Ziel bis mittags 1 Uhr erreichten. Im Laufe des Nachmittags konnten in Lüttich keine neuen An­fünfte verzeichnet werden, obwohl von Reims noch vier weitere Flieger die Fahrt angetreten hatten. Von letzteren soll Prevost in den belgischen Ardennen verunglückt sein. Genauere Nachrichten hierüber fehlen noch.

Neue Fliegerkatastrophen.

Der Flieger Lemartin stieß in Vincennes beim Starten zum europäischen Rundflug mit seinem Flugzeug gegen einen Baum und stürzte ab. Er ist seinen schweren Verlegungen erlegen. Der Flieger Dalger, der zu dem europäischen Rundflug gestartet war, ist bei Villers Cot­terets abgestürzt. Er trug schwere Verlegungen am Kopf davon. Auch ein französischer Militäraviatiker ist am Sonntag tödlich verunglückt. Der Flieger Leutnant Prin ceteau ist auf dem Militärflugplatz bet Paris tödlich abgestürzt. Sein Leichnam wurde mit Brandwunden bedeckt unter dem in Brand geratenen Aeroplan hervor­gezogen. Der Absturz war schrecklich. Princeteau machte friend übermenschliche Anstrengungen, sich aus den Trüm­mern des brennenden Apparates zu befreien. Doch seine Kräfte versagten und er sant ohnmächtig in die Flammen, die eine Annäherung der Retter unmöglich machten. Prin­ceteau war 36 Jahre alt, sein Bruder war Augenzeuge

des Unfalles. Der Flieger Lendron, ein Teilnehmer an dem europäischen Rundflug, tft unwett Reims infolge Er­plosion des Benzinbehälters abgestürzt. Der Flieger ver brannte vollständig.

Die Reihe der Katastrophen ist hiermit leider noch nicht erschöpft. Auf dem Rakofer Flugfelde bei Budapest, wo am Sonnabend in den Abendstunden ein zahlreiches Publikum die angekündigte Ankunft des Wiener Oberleut nants Bier erwartete, unternahmen mehrere Flieger, nachdem bekannt geworden war, daß Bier nicht eintrifft, Flugversuche. Dabei geriet ein Flugzeug beim Ab­stieg in die Menge, die erschreckt auseinanderstob. Ein Mädchen rannte in panischer Verwirrung gerade in den Apparat und wurde von einem Propeller erfaßt, der ihm den Kopf buchstäblich vom Leibe riß.

Gedenkfeier für den Turuvater Jahn.

Die Reihe der festlichen Veranstaltungen anläßlich der Hundertjahrfeier des Turnplates in der Hasenheide bet Berlin wurde am Sonnabend vormittag eingeleitet durch die Bismardspiele der höheren Schulen auf dem Tempelhofer Felde, auf dessen östlichem Teile zwischen den Tribünen und dem Wäldchen am Rande des Feldes ein großer Platz abgesteckt war. Gegen 9 Uhr morgens waren etwa 10 000 Schüler mit ihren Lehrern versammelt. Ge­meldet hatten im ganzen 32 Gymnasien, Realgymnasien, Realschulen und andere Anstalten. De Spiele bestanden in Weit- und Hochspringen, Barlauf, Pferd- und Bock­springen, Reck- und anderen Geräteübungen. Nachmittags zeigten 12 000 Knaber und Mädchen der Gemeindeschulen Groß- Berlins ihre Fertigkeit in Freiübungen und Geräte­turnen. Den Höhepunkt des Tages bildete

die Feier am Jahndenkmal.

Der erste Vorsitzende der Deutschen Turnerschaft, Ge heimrat Dr. Göß, war von Leipzig gekommen. Der Kaiser hatte den Prinzen Oskar entsandt. Vom Kultusminis fterium waren erschienen Unterstaatssekretär Schwarzkopff und Geheimrat Hinze. Nachdem das Lied Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre" verklungen war, betrat Exzellenz Schwarzkopff die Tribüne zu einer Begrüßungsan­sprache, die in einem dreifachen Hurra auf den Kaiser aus­flang. Darauf überreichte er dem alten Getz den Roten Adlerorden 3. Klaffe. Der greise Turnvater Götz hielt eine Ansprache, die mit einem Gut Heil!" auf das deutsche Vaterland, das deutsche Volkstum und das Andenken Jahns schloß.

Die Feier am Sonntag.

Am Sonntag nahm die Feier ihren glänzenden Fort­gang. Bereits in aller Frühe begann eine wahre Völker­wanderung zu Fuß, auf der Elektrischen, in Omnibussen, Kremsern usw. nach dem Tempelhofer Felde, wo das Pro­gramm mit dem Einzelwetturnen der Mitglieder höherer Schulen seinen Anfang nahm. Den Höhepunkt bildete der großartige Festzug, der sich um 12 Uhr mittags vom Brandenburger Tor in Bewegung setzte und fast dret Stunden gebrauchte, bis der letzte Mann auf dem von Behntausenden von Menschen umlagerten hunderttausend Quadratmeter großen abgesteckten Platz eintraf. Die Spitze der historischen Gruppe führten zwet Herolde, dann folg­ten 24 berittene Spielleute, Retter, Jußtruppen, Turner, Studenten und Bürger in den Trachten des Jahres 1811. In drei Wagen hatten Ausschußmitglieder der deutschen Turnerschaft, darunter der alte Göz, der Schriftführer Schulrat Dr. Rühl- Stettin, der Schahmeister Rechnungs rat Agrott- Steglitz Platz genommen. Ihnen schlossen sich an sechs Wagen mit Turnern aus dem Jahre 1861, zwei Wagen der Schüßenabordnung, vierhundert Schüler der höheren Lehranstalten, von der Studentenschaft achtzig be rittene Chargierte, achtzig Wagen mit Fahnenmannschaften, hundert deutsche Turner vom Auslande( aus Desterreich, Belgien und England), 1600 Turner vom Havelländischen Gau, 800 Turner vom Spreegau, Ostbahngau, Südbarnim und Bauch- Belzig, 1000 Mitglieder des Verbandes der Ber Itner Athletikvereine. Von kaufmännischen, städtischen Fortbildungsschulen, firchlichen und Jünglingsvereinen waren etwa 2500 Personen erschienen und von den vier Berliner Gauen rund 5000 Mann. 3ahllose Fahnen und Banner erhöhten die Mannigfaltigkeit des prächtigen Bil­des und neun Musikchöre sorgten mit Märschen und Marsch­liedern für gleichen Schritt und Tritt". Nachdem der Vor­beimarsch an der Tribüne mit klingendem Spiel beendet war, trafen Prinz Ettel Friedrich und sein Adju tant, ferner der Kommandierende General von Loewen= feld und zahlreiche Offiziere ein. Der Prinz Iteß sich alle Herren des Ausschusses durch Professor Reinhardt vor­stellen und unterhielt sich besonders eingehend mit dem Vertreter der etwa zehntausend Mann zählenden deutsch­österreichischen Turnerschaft, Josef Müller- Prag. Auch Po­lizeipräsident von Jagow war wieder anwesend. Auf ein Zeichen des Oberstleutnants von Hülsen begannen die Turn- und Festübungen des Militärs. Da= ran schlossen sich an allgemeine Freiübungen mit etwa zwölftausend Teilnehmern, Kürturnen, Sondervorführun­gen, Vorführungen der Jugendturner, Massenspringen der Männer, Turnen der Frauen- und Mädchenabteilungen, Vorführungen des Verbandes Berliner Athletikvereine usw. Wie am Sonnabend in der Neuen Welt", so gaben fich am Sonntag die Turner mit ihren Gästen ein ge­mütliches Stelldichein in den Kammersälen.

Das Telegramm des Ausschusses der Deutschen Turnerschaft an den Kaiser hat folgenden Wortlaut: ,, Euer Majestät danken alleruntertänigst Turner Deutsch­lands, Groß- Berlins und der Mark Brandenburg für die Entsendung Seiner Königlichen Hoheit, des Prinzen D3­far zur Hundertfahrfeier des Turnplates in der Hasen­heide und bitten, das Gelöbnis unwandelbarer Treue aller­gnädigst entgegenzunehmen."

Drabtnachrichten und neuestes.

Im Streite erstochen.

Berlin, 19. Juni. Ein Kohlenhändler, der mit einem Portier aus geringfügiger Ursache in Strett ge­raten war,'ete diesen durch zwei Messerstiche. Der Täter wurde verhaftet.

Tödliches Automobilunglück.

Bern, 19. Juni. Bet Rolle am Genfer See stürzte gestern ein Automobil eine steile Böschung hinab. Von den Insassen des Fahrzeugs wurden eine Frau getötet, ein Mann schwer verletzt.

Brandkatastrophe in einer holländischen Ortschaft. Amsterdam, 19. Junt. In der Ortschaft Binnen­wyzend in Nordholland sind die Kirche, vierzehn Wohn­häuser und eine große Molkerei durch eine Feuersbrunst zerstört worden. Zahlreiche Personen find obdachlos. Der Schaden ist sehr groß.

Drama in einer Pariser Jrrenanstalt. Paris. 19. Juni. In der Frrenanstalt von Ville Evrard bei Paris tötete eine Krankenwärterin den Aſſt­stenzarzt Cottus aus Eifersucht durch mehrere Messerstiche. Ein Pestfall in Odessa.

Odessa, 19. Juni. Hier ist ein Bestfall bakteriolo gisch festgestellt worden. Es sind die umfassendsten Vorsichts­maßregeln getroffen.

Handel und Verkebr.

Caffel, 17. Juni. Weizen( 100 Kilogramm) 19,50 bis 20,50 M, Roggen( 100 Kilogramm) 17,50 bis 18,00 M, Gerste ( 100 Kilogramm) 17,00 bis 18,00 M, Safer( 100 Kilogramm), 19,00 bis 20,50 M. Heu( Zentner) 2,50 bis 8.75 M, Strob ( Bentner) 1,80 bis 3,00 M.