Die Zuwachssteuer im Reichstage.
Die ersten zehn Paragraphen angenommen.
In der Sizung am 18. Januar gedachte zunächst der Präsident Graf v. Schwerin- Löwitz des 40jährigen Bestehens des Reiches und machte im Anschluß daran Mitteilung davon, daß bei dem Unglück in Kiel drei Menschenleben zu= grunde gegangen sind. Er verlas ein Telegramm der Torpedoinspektion an die Marineverwaltung über den Hergang bcs Unglücks. Das Haus hörte diese Mitteilung stehend an und begleitete die teilnahmsvollen Worte des Präsidenten mit allseitiger Zustimmung.
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Die Reichsversicherungstommission setzte am Mittwoch die Beratung des§ 343, Bestellung des Vorstandes und Borsitzenden der Landkrankenkassen, fort. In der ersten Lesung war dieser Paragraph, der die Wahl des Vorstandes durch den Gemeindeverband vollziehen lassen will, abgelehnt worden. Die Wahl wäre demnach durch die Versicherten selbst, wie bei den Ortstassen, vorzunehmen. Am Dienstag hatten die Verbündeten Regierungen erklärt, daß sie bei Aufrechterhaltung dieses Beschlusses die ganze Reichsversicherungsordnung scheitern lassen müßten. In der langen und teilweise sehr heftigen Debatte erklärte der Regierungsvertreter, im Einführungsgesetz werde dafür gesorgt werden, daß die bisherigen Mitglieder von Ortskassen auch bei Errichtung von Landkassen in den Ortskassen bleiben können und in ihren Bezügen nicht geschädigt würden. Schließlich wurde§ 343 nach der Regierungsvorlage wiederhergestellt. Dafür stimmten vier Mitglieder de szentrums, die Konservativen und die Nationalliberalen, im ganzen 15 Abgeordnete, dagegen 11 Mitglieder, dabei wurde aber statt der Hälftelung die Drittelung beschlossen.
Dann wurde die zweite Lesung des ReichswertzuwachsSteuergesetzes fortgesetzt. Sie sollte nach dem allgemeinen Geschäftsplan noch am Mittwoch zu Ende gehen, aber die Aussichten dafür sind nicht allzugünstig. Etwa 90 Anträge, die nebeneinander und gegeneinander laufen, lagen vor, und wenn sie auch zum Teil schon in der Kommission gestellt waren und dort Ablehnung erfahren hatten, so wurden sie jetzt doch wieder begründet und zum Teil mit ziemlichem Zeitverlust erörtert. Und selbst zu den Paragraphen, zu denen solche Anträge nicht vorlagen, wurden Ausführungen gemacht, die Rede und Gegenrede hervorriesen. In der Debatte über die Paragraphen 1 bis 1c handelt es sich im wesentlichen um einen Zentrumsantrag, der verhindern wollte, daß Spekulanten durch Zerlegung ihres Eigentums kleine Parzellen die Steuer umgehen. Der Antrag, der so= wohl bei der Regierung wie bei den Nationalliberalen auf Widerspruch wegseiner schweren Durchführbarkeit stieß, wurde abgelehnt, ebenso wie alle anderen Anträge, so daß die grundlegenden Paragraphen nach den Kommissionsbeschlüssen unverändert blieben. Beim Paragraph 4 erhob sich eine ziemlich langwierige Debatte über die Steuerbefretungen. Hier suchte man Vergünstigungen zu erreichen für die Zusammenlegung von Bergwerken und für die Rentengutsbildung. Aber auch hier blieben die Antragsteller in einer zum Teil geringen Minderheit. Mit unwesentlichen redaktionellen Aenderungen gelangte der umfangreiche Paragraph 4 in der Kommissionsfassung zur Annahme. Späterhin bereitete die den Landesregierungen durch Paragraph 8a eingeräumte Befugnis, Einheitswerte für Grundstücke in bestimmten Bezirken festzusetzen, eine ziemlich zeitrau= bende Aussprache, an der sich der Staatssekretär Wermuth wiederholt beteiligte. Sie endigte mit der Streichung des ganzen Paragraphen. Auch zu Paragraph 10, der bestimmt, was dem Erwerbspreise hinzuzurechnen ist, lag eine Reihe von Abänderungsanträgen vor. Die Abstimmung hierüber ergab schließlich im allgemeinen die Bestätigung der Kommissionsbeschlüsse, doch wurden erweiterte Abzüge gestattet, wenn der Veräußerer als Baugewerbetreibender oder Bauhandwerker eigene Arbeit geleistet hat. Paragraph 10a, der eine Ausnahmebestimmung zu Gunsten der Moor- und Dedländereifultur enthält, wurde angenommen. Dann wurde die Weiterberatung auf Donnerstag vertagt.
Rundschau vom Cage.
Politisches.
Die Budgetkommission des Reichstages beschäftigte sich am Mittwoch in sehr eingehender Aussprache mit den Kanzleiverhältnissen im Reichsamt des Innern, an der sich die Staatssekretäre Delbrück und Wermuth beteiligten. Sie führte zur einstimmigen Annahme eines Antrags, im Etat von allen Kanzleibeamten 10 Prozent als„, fünftig wegfallend" zu bezeichnen und in gleicher Weise die Zahl der Diätare zu beschränken.
Ein schweres Brandunglück ereignete fich in vergange ner Nacht in Cöln. Bei der Humboldtkolonie geriet ein Strohschober in Brand. Die Feuerwehr fand, nachdem sie den Brand gelöscht hatte, einen Kürassier des Kürassierregtments in Deuß mit tödlichen Brandwunden in der Asche. Der Soldat erklärte, daß er desertiert set und dort genäch tigt be. Mit ihm sei noch ein anderer Kürassier desertiert. Man nimmt an, daß der Mann verbrannt ist.
Im Cölner Schwurgerichtssaale verhaftet wurde ein lange gesuchter Verbrecher namens Wilhelm Schröder, der als Mitglied einer Falschmünzerbande in den Großstäden West- und Norddeutschlands falsche Hundert- und Tausendmarkscheine absetzte und lange von den Behörden gesucht wird. Als er in Göln aufrat, erfolgte seine Verhaftung.
Ein neues russisches Panama. In Sebastopol wurden enorme Betrügereien bei der Kohlenlieferung für die Kriegsschiffe entdeckt. Bei allen Lieferanten wurden Haussuchungen vorgenommen.
Der Ausschuß des Reichsverbandes gegen die Sozialdemokratie hat soeben in Berlin getagt. Der wichtigste Gegenstand der Tagesordnung betraf das Verhalten und die Taktik des Reichsverbandes bei den nächsten Reichstagswahlen. Es wurde beschlossen, daß der Verband wie 1907 mit allen Kräften gegen die Sozialdemokratie Stellung nehmen solle. Er wird also 1. schon bei der Hauptwahl diejenigen aufs tatkräftigste unterstützen, die als einzige bürgerliche Kandidaten der Sozialdemokratie gegenüberstehen; 2. ebenfalls schon in der Hauptwahl denjenigen Kandidaten seine Unterstützung gewähren, die bereit sind, sich zu verpflichten, ihre Wähler in einer unzweideutigen Erklärung zur Wahl des in der Stichwahl verbleibenden bürgerlichen Kandidaten aufzufordern; 3. in der Stichwahl zwischen einem bürgerlichen Kandidaten und einem Sozialdemokraten jenem Wahlhilfe leisten. Sollte eine bürgerliche Partei ein offizielles Wahlbündnis mit der Sozialdemokratie eingehen, dann wird der Reichsverband 4. den Kandidaten einer solchen Partei in dem betreffenden Wahlkreise ebenso bekämpfen wie einen Sozialdemo fraten.
Eine nationale Kundgebung des bayerischen Prinzregenten. Die ,, Münchener Neuesten Nachrichten" melden: Die vom Prinzregenten Luitpold anläßlich des 40. Jahrestages der Gründung des Deutschen Reichs an die höchsten Reichsbeamten verliehenen Ordensauszeichnungen haben beim Kaiser ganz besondere Freude hervorgerufen. Der Kaiser hat den preußischen Gesandten durch den Reichstanzler beauftragen lassen, dem Prinzregenten für dieses neue Zeichen seiner vaterländischen Empfindung in einer zu erbittenden Audienz seinen wärmsten Dank zu übermitteln.
Generalfeldmarschall Graf v. Haeseler, der in ganz Deutschland populäre hohe Offizier, der so lange Zeit auf der Wacht in Deutschlands Westen gestanden hat, begeht am 19. Januar seinen 75. Geburtstag. Trotz seines hohen Alters ist der alte Herr noch heute Soldat vom Scheitel bis zur Sohle und wenn er es auch liebt, dann und wann in die ländliche Einsamkeit seines märkischen Gutes Harnekop unterzutauchen, ist er doch stets zur Stelle, wenn es gilt, seine militärischen Erfahrungen zu Rat und Tat zu verr enden.
Steuerfreiheit für Kriegsveteranen. Wie aus Koburg gemeldet wird, verfügte ein Ministerialerlaß der dortigen Regierung, daß alle Teilnehmer der Feldzüge von 1849, 1864, 1866 und 1870/71, die nicht mehr als 1200 M Einkommen haben, von der Staatssteuer befreit sein sollen.
Aus den Gerichtssälen.
In der Schwurgerichtsverhandlung wegen der Moabitet Vorgänge wurde nach etwa 14tägiger Verhandlung am Mittwoch die Bewetsaufnahme geschlossen, nachdem die Staatsanwaltschaft und die Verteidiger auf die Vernehmung wetterer Zengen verzichtet hatten. Die Plädoyers werden am Freitag beginnen. Der Donnerstag bleibt sißungsfrei.
Ein Sohn von seiner Mutter erschlagen. Ein trauriges Verhältnis zwischen Mutter und Sohn fand vor dem Münchener Schwurgericht jetzt seinen traurigen Abschluß. Angeflagt war die 60 Jahre alte Witwe Oping aus Borghorst wegen Körperverletzung mit Todeserfolg. Vor 18 Jahren war ihr Mann gestorben, sie mußte für ihre 6 Kinder mit ihrer Hände Arbeit sorgen und tat das redlich. Mit den beiden jüngsten, Paula und Wilhelm führte sie in den letzten Jahren einen gemeinschaftlichen Haushalt, Wilhelm aber war ein arbeitsscheuer und dem Trunke ergebener Bursche, weshalb er häufig mit seiner Mutter in Streit geriet. Das war wieder einmal am 27.November v. J. der Fall gewesen, an welchem Tage ihr Sohn von ihrem geringen Verdienst 5 M entwendet hatte. Schwer bezecht kam er in der Nacht nach Hause und klopfte seine Mutter aus dem Bette, dami sie ihm öffne. Die Frau, erbittert über den Diebstahl, nahm ein schweres Holzscheit und schlug ihn damit fünf, sechsmal kräftig auf den Kopf. Der junge Mensch sank alsbald um und starb noch in derselben Nacht. Die Witwe Oping wurde infolgedessen in Anklagezustand versetzt und vor die Geschworenen gestellt. Sie war geständig und fand milde Richter. Selbst der Staatsanwalt hob alle mildernden Umstände hervor, und so sprach das Gericht nur eine Gefängnisstrafe von zwei Jahren aus, auf welche zwei Monate der erlittenen Untersuchungshaft angerechnet wurden.
Das anarchistische Komplott gegen die japanische Raiserfamilie hat jetzt seine Sühne gefunden. Von 26 Personen, die beschuldigt waren, dem Kaiser und anderen Mitgliedern der kaiserlAhen Familie nach dem Leben getrachtet zu haben, wurden gestern 24 Angeklagte zum Tode verurteilt, zwei Angeklagte wurden zu acht bezw. elf Jahren Gefängnis verurteilt. Man glaubt allgemein, daß der Kaiser die zum Toae verurteilten Anarchisten zu längeren Zuchthausstrafen begnadigen wird.
Für das Verhältnis der politischen Parteien untereinander ist folgender Vorgang bezeichnend. Der Vorsitzende des Konservativen Vereins zu Halle a. S. fragte bei dem Berein der Liberalen an, ob man wieder, wie bei der letten Wahl, unter Ernennung eines liberalen Kandidaten gemeinsam in die Wahlkampagne gegen die Sozialdemokratic eintreten wolle. Der liberale Verein lehnte dies ab, da unter den gegenwärtigen Verhältnissen jedes Paktieren mit den Konservativen die Werbekraft der liberalen Agitation schwächen würde.
Der Familienschmuck der Wallutjeffs.
Kriminalroman von Freifrau G. v. Schlippenbach. ( Nachdruck verboten.)
10)
Ruhe sanft, mein guter alter Freund," flüsterte Wallutjeff. ,, ich will Dir ein warmes Andenken bewahren, der Herr sei Deiner Seele gnädig."
Kleine Nachrichten.
Das zweite Opfer der Katastrophe des Ballons„ Hildes brandt", der Prokurist Reidel, ist gestern nachmittag ebenfalls geborgen. Die Fundstelle der Leiche liegt etwa 50 Meter von der Unfallstelle entfernt. Die Bergung geschah durch zwei Fischer, die vom frühen Morgen an mit einer mit Widerhaken versehenen Leine das Wasser abgesucht hatten.
Am andern Morgen stand in allen in Luzern erschei= nenden Seitungen folgender Aufruf:
Die Errichtung einer Zahnklinik für Volksschüler haben die Stadtverordneten in Elberfeld gestern mit großer Mehrheit beschlossen.
Das Schicksal einer Stradivariusgeige beschäftigt augenblicklich die Berliner Kriminalpolizei. Das wertvolle Instrument wurde fürzlich an einen Trödler für den Preis von 25 M verkauft. Es ist anzunehmen, daß der Verkäufer, der den Wert der Geige nicht kannte, sie irgendwo ge= stohlen hat.
,, Alle Personen, die am Abend des 24. Oftober einen Mann gesehen haben, der einen grauen schlichten Anzug und einen grünen Lodenhut trug, und einen roten struppigen Bart hat, sind gebeten, mir darüber Mitteilung zu machen. Jede sachdienliche Auskunft wird mit 300 Franten honoriert.
Henri Clairon, Haldenstraße Nr. 13." Wallutjeff schlief lange in den Tag hinein, die Müdigkeit und die Anstrengung hatten ihn übermannt. Er war faum erwacht, so ließ sich schon der Geheimpolizist melden.
Oermischtes.
Der Mädchenmord in Darmstadt. Die Obduktion der Leiche des in einem Sad tot aufgefundenen achtjährigen Töchterchens des Schreiners Traub in Darmstadt ergab, daß das Kind erdrosselt worden ist. Ob ein Sittlichfeitsverbrechen vorliegt, ist noch nicht aufgeklärt. Unter dem Verdachte, den Mord begangen zu haben, wurde der Schlosser Heinrich Heß verhaftet, der im gleichen Hause wohnt. He hat am Montag nachmittag das Kind zu einer Besorgung fortgeschickt. Er befand sich zu dieser Zeit allein im Hause, das von vier Familien bewohnt wird. Sowohl die Mutter wie der Vater des Kindes befanden sich auswärts auf der Arbeit. Der Verdacht gegen Heß wird durch die Tatsache bestärkt, daß er den Teil des Speichers, auf dem die Leiche gefunden wurde, gemietet hatte. Ver= mutlich ist das Kind noch lebend in den Sad gezwängt worden.
Eine Familienschlacht ist in Quedlinburg geschlagen worden. Während eines Streites warf der Steinsetzer Jordan auf seinen Kollegen Ullrich mit einer brennenden Petroleumlampe. Dieser schlug ihm hierauf mit einer Pflasterspitzhade auf den Kopf, so daß die Schädeldecke stark verletzt wurde. Währenddessen geriet die 18jährige Tochter Jordans mit Ullrichs Frau in Streit und bearbeitete diese mit einer Spithacke. In dem gleichen Augenblick kam der 8jährige Sohn Ullrich hinzu und stieß dem Mädchen ein Küchenmesser tief in den Rücken.
Sie machen ein so zufriedenes Gesicht," bemerkte der Graf, haben Sie schon Anhaltspunkte?"
„ Ja, ich will Ihnen gleich mitteilen, was ich weiß, ich freue mich, daß mein Verdacht sich bestätigt. Ich habe den Mörder am Abend des verhängnisvollen Tages, am 24. Oftober, selbst gesehen."
Ein flüchtiger Kassierer. Der Kassierer der Dresdner Geschäftsstelle der Aachen- Münchener FeuerversicherungsGesellschaft, Paul Rudolf Obst, 1871' in Annaberg i. Sa. geboren, zuletzt in Dresden wohnhaft, ist nach Unterschlagung von 35 000 flüchtig geworden. Da Obst dem Rennsport huldigte, dürfte er in Buchmacherkreisen auftreten.
,, Wie ist das möglich?" rief Wallutjeff. Clairon erzählte nun, daß er ein verdächtig aussehendes Individuum gestreift, als er in den Laden des Juweliers trat; das Spitzbubengesicht sei ihm gleich aufgefallen. Während Clairon noch sprach, erweiterten sich seine Augen. Hastig bückte er sich und hob eine Zeitung auf, die am Boden lag.
der unter dem Porträt des in Augsburg entsprungenen Gefangenen stand, den Steckbrief Albert Meyers.
,, Was ist Ihnen?" fragte Wallutjeff, erstaunt über das plögliche Abbrechen des Gesprächs.
. ,, Das ist eine schäzenswerte Neuigkeit," sagte der Detektiv befriedigt. So irrte ich mich nicht, wenn ich in dem Fremden einen Strolch vermutete, der zu allem fähig sein könnte."
Clairon hörte nicht. Er las aufmerksam den Text.
„ Ich verstehe Sie nicht," rief der Graf.
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Ueber einen Revolverkampf zwischen zwei Frauen wird aus Fort Worth im Staate Teras gemeldet: Eine Frau Brooken, Gattin eines angesehenen Rechtsanwalts, ging in ein Kaufhaus und plauderte zunächst lebhaft und freundlich mit Befannten, die sie in der ersten Etage traf; dann begab sie sich in die zweite Etage und verlangte die Verfäuferin Binford zu sprechen. Als diese erschien, zog Frau. Brooken einen Revolver aus der Tasche. Beide Frauen rangen kurze Zeit miteinander; plötzlich entlud sich der Revolver und eine Kugel drang Fräulein Binford in die Hand. Frau Brooken riß sich los und schoß aus kurzer Entfernung mehrere Kugeln nach dem Kopfe der Verkäuferin. Diese sank leblos zusammen. Frau Brooken gab auf die Tote noch einen Schuß ab, der den Schädel durchbohrte. Die Täterin ging dann unbehelligt nach dem Bureau ihres Mannes. Sie sagte hier nur:„ Es tut mir leid." Hier wurde die Frau verhaftet, aber gegen eine Kaution von 40 000 Mark wieder auf freien Fuß gesetzt. Ueber das Motiv zur Tat herrscht Ungewißheit.
,, Run, dieser steckbrieflich Verfolgte war am Abend des 24. Oktobers hier. Er hat das Gespräch Ihrer Frau Mutter mit der Zofe belauscht und der Plan des Mordes reifte in seiner Seele. Ich habe mancherlei erfahren, was darauf hinweist. Der Schuhmacher Josef Meunier wurde um 6% Uhr abends von einem Mann angeredet, der genau meiner Beschreibung entspricht; er bat ihn, ihm den Laden des Juweliers zu zeigen."
Wörtlich wiederholte Clairon das Gespräch zwischen Meunier und dem Fremden. Das zweite belastende Zeugnis war das der Schenkwirtin, bei der der Rotbärtige an dem betreffenden Abend gegessen und getrunken hatte.
Es fiel mir auf, daß er oft nach der gegenüberliegenden Seite der Straße sah," so erzählte die Frau.„ Ehe er in die Schenke trat, sah ich den Mann vor dem Laden Häuserlings stehen, er ging längere Zeit dort auf und ab. Jedesmal, wenn er an dem hell erleuchteten Schaufenster vorbeikam, blieb er wieder bewundernd stehen." So hatte die Wirtin, Madame Lejeune, berichtet.
Der Proviant der Verschütteten. Dicht bei dem Dorfe Venesville bei Havre stürzten zwei Erdarbeiter am vorigen Mittwoch infolge eines Erdrutsches in eine Tiefe von etwa 28 Meter ab, wo sie jedoch unversehrt liegen blieben. Auf ihre Hilferufe, die wie aus der Unterwelt hervorzudrin=
„ Ich denke, wir können ziemlich zufrieden sein", schloß Clairon. ,, Heute abend werde ich Ihnen noch mehr sagen. Es werden sich noch andere Leute finden, die Licht in das Dunkel bringen."
Wallutjeff staunte über den Scharfblick des Geheimpolizisten.
ter sollte in Walkowo in heimatlicher Erde neben ihrem Gatten ruhen.
Nun ist es wieder Abend geworden. Clairon erwartet in seiner Wohnung den Grafen Wallutjeff. Häuserling ist schon bei seinem Neffen.
Der Tag verging für Jegor in ernster Weise. Am nächsten Tage sollte Andreis Beerdigung sein. Den Metallsarg mit den idrischen Ueberresten der Mutter beabsichtigte der liekende Sohn nach Rußland mitzunehmen. Die Mut
Wie steht es jetzt?" fragte Wallutjeff, als er eintrat, ,, haben Sie neues erfahren?" „ Ja, Herr Graf! Die alte Dame, von welcher der Eisenbahnschaffner sprach, und Albert Meyer sind ein und dieselbe Person."
,, Nicht möglich! Wie können Sie das beweisen?" „ Geduld, Sie sollen es gleich hören. Meyer scheint ein geriebener Gauner zu sein. Der Friseur Alfred Dubord kam zu mir. Er sagte aus, daß er am Abend des 24. Oftober einen Mann rasiert habe, der einen großen roten Bart und die von mir erwähnte Kleidung trug. Auf der Stirn habe er das Haar sehr tief abgefämmt getragen. Dubord habe es fortgestrichen und gemeint, es sollte verschnitten werden; unter dem rötlichen Haar sei Der eine dreieckige Narbe zum Vorschein gekommen. Fremde sei ärgerlich geworden über den Friseur und habe gesagt, ei leide an Kopfgicht, deshalb müsse cr das Haar so wachsen lassen. Ferner sei es Dubord aufgefallen, daß der Mann ungemein lange, muskulöse Hände besaß, die Fingergelenke und der Rücken der Hand seien behaart ge= wesen. Dubord meinte, daß das Gesicht bartlos ganz an= ders ausgesehen habe. Weiter habe ich erfahren, daß Meyer bei einem Waffenhändler ein Jagdmesser gekauft hat. Er ließ es noch extra schärfen, da er erzählte, er sei der Gehilfe eines in Deutschland lebenden Försters, zu dem er reise. Der grüne Lodenhut ließ diese Mitteilung auch glaubhaft erscheinen." ,, Mit diesem dolchartigen Messer hat der Schuft met. nen treuen Andrei ermordet," sagte der Graf düster.
( Fortsetzung folgt.)
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