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Gießener Zeitung

( Neueste Nachrichten)

Bezugspreis 50 pfg. monatlich Enthält alle amfl. Bekanntmachungen

vierteljährlich 1,50 Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig­ausgabestellen vierteljährlich 1,20 Mt. Erscheint jeden Werktag früh.- Die Humoristischen Blätter" liegen wöchentlich einmal gratis bei. Redaktion: Seltersweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Herausgeber: Albin Klein& Otto Fischer.

Nr. 17.

Probenummern

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Telephon: Nr. 362.

der Gießener Zeitung" stehen unseren Lesern in beliebiger Anzahl jederzeit kostenlos und portofrei zur Verfügung. Wir bitten unsere Leser und alle Freunde unseres Blattes wo nur möglich für dasselbe zu werben, solches in Bekannten- und Freundeskreisen zu empfehlen und uns freundl. Adressen aufzugeben, welche sich für unsere Zeit­ung interessieren dürften.

Aus dem Reichstag. ( Spezialbericht der Gießener Zeitung".)

der Großherzoglichen Bürgermeisterei sowie vieler anderer

Seit letzten Montag und Dienstag wogt im Plenum der Kampf um die Zuwachs steuer in zweiter Lesung. Die Generaldebatte brachte eine Fülle von Re­den und Abänderungsanträgen, so daß die Anträge bei­nahe schon eine Gefahr für das Zustandekommen des Ge­setzes bilden. Günstiger sind die Aussichten für das Ge­setz nicht geworden. Auf den Tribünen des Reichstages und in den Wandelhallen schwirren die Terrain- Spesu­lanten, Interessenten und Kommunal- Vertreter, die dem Kampfe um die Besteuerung des unverdienten, nicht erarbeiteten Wertzuwach ses verfol gen und ihre Abgeordneten" bearbeiten. Bezeichnend war, daß der sozialdemokratische Ab gk Göhre die Besteuerung der kleinen und kleinsten Grundbesitzer,( also der Kleinbauern und grund­besitzende Arbeiter) sehr energisch verlangte. Er wolle keine Ausnahme zugunsten der kleinen Leute. ( Hört, hört! D. Red.) Für die Wirtschaftliche Ver­einigung sprach der Abg. Ra ab mit großer Wärme für diese gerechteste Besitzsteuer, die vor allen den spekulativen Gewinn und Vermögen treffen solle. Am Mittwoch beginnen die Abstimmungen über das Gesetz. Unterdessen hat die Budgettkommission den M a- rineetat und den Etat des Reichsamt des Innern erledigt. Die Gewerbeordnungs= fommission, deren Mitglied der Abg. Behrens ist, nahm ihre Arbeiten am Dienstag auf und beschloß die Einführung von Lohnbücher und Arbeitszettel für Heimarbeiter, um der Lohndrückerei entgegenzuwirken.

In der Reichsversicherungskommission, deren Mitglied ebenfalls der Abg. Behrens ist, wird seit Dienstag über die Verfassung der Landkrankenkassen ge­kämpft. Die Regierung erklärte, daß das ganze Gesetz unannehmbar würde, wenn die Grundsätze der Regier­undsvorlage in diesem Punkt nicht wieder hergestellt würden. Die Abstimmung ergab die Einführung der Drittelung, für die auch der Abg. Behrens stimmte; fer­ner die Annahme eines Kompromißantrages, durch den die Regierungsvorlage im Prinzip( Wahlrecht) wieder­hergestellt würde. Die Verfassung der Ortsfran­kenkassen wurde nach den Beschlüssen der ersten Lesung angenommen.

des Großherzoglichen Polizei- Amtes Behörden Oberhessens

Expedition: Seltersweg 83. ( Haus Brüder Schmidt.)

Freitag den 20. Januar 1911

Partei! Das ist nicht wahr, das bestreite ich auf das allerentschiedenste, nie und

zu feiner Zeit waren wir uneiniger als gerade jetzt, nie und zu keiner 3eit wa= ren die Meinungsverschiedenheitengrö= ßer als je t"( Lebhafte Zustimmung und Hände= flatschen") verzeichnet dazu der Bericht. Die häßlichsten Vorwürfe machten sich dort die Führer. Worte ,, Denunziation", Ehrabschneiderei", Vorwurf der Lüge", der Feigheit, Scharlatane"," Bauernfänger" 2c. wurden ausgesprochen. Schließlich rief der alte Auer dazwischen: Kinder, laßt doch genug sein des grausa­men Spiels das hält ja kein Vieh aus!" Also wird auch wohl Herr Habicht Recht haben.

*

-

Reichstagswahlvorbereitungen.

wie

20.

Gießen. Die Fortschrittliche Volks­partei und die Nationalliberalen verhan­deln unter Vermittelung des Hansabundes we­gen eines gemeinsamen Kandidaten, der weder Profes= Gießen noch Professor Biermann sein darf, wenn sor Ra de Marburg noch Professor Gise vius= es überhaupt zu einer Einigung kommen soll. Die Volks­partei hat Justizrat Wilhelm Grünewald als ge­meinsamen Kandidaten vorgeschlagen, der erklärt haben soll, die Kandidatur annehmen zu wollen, wenn sie ihm von beiden Parteien angeboten würde, so wird der Kl. Pr."- geschrieben! Die Kandidatur Grüne­wald würde auf dem Lande erst recht verneint, denn unsere Bauern wollen bekanntlich nur einen Mann, ihnen fühlt und für sie eintritt. der mit ihnen schon in enger Fühlung steht, der mit

Bensheim. Für den hiesigen Reichstagswahl­kreis stellen die Sozialdemokraten den Gemeinderat Ha­senzahl- Erbach als Kandidaten auf.

*

Immer noch niedriger hängen muß man die Oberhessische Volkszeitung", wenn man liest, wie un= wahr sie über den Verlauf der am letzten Sonntag in Dutenhofen stattgefundenen Versammlung der Christ­lich- Sozialen berichtete. Hat der Artikelschreiber der. V.- 3tg." unsaubere Ohren oder war er nicht im Saal, daß er nicht den reichen Beifall gehört hat, den der Abg. Behrens bekam, als er sein Referat beendete.

Lokal- Nachrichten.

Gießen, den 20. Januar.

* Aus Hessen. Der Landesverband der Ha u s- besitzervereine im Großherzogtum Hessen hat nunmehr das Verbandsstatut genehmigt und als Vor­ort Mainz bestimmt.

== Gießen. Der vom Evang. Arbeiterverein am Sonntag, den 22. 1. Mts., abends 8 Uhr, in der Turn­halle( Nordanlage) geplanten Aufführung des Volks= stückes in 5 Aften: Der Leiermann und sein Pflegeft n d;, bringt man allseitig großes Interesse entgegen. Die Eintrittskarten sind nahezu ausverkauft. Der Eintrittspreis von 20 Pfg. ermöglicht auch den Minderbemittelten den Besuch der Veranstaltung.

*) Lang- Göns. Das Ehrenzeichen für Mit­glieder freiwilliger Feuerwehren hat der Großherzog dem Wilhelm August Spies dahier verliehen.

*

Nieder- Ohmen. Die neue Drahtseilbahn,

die von der großen Eisensteinwäsche bei Büsfeld bis an unser Dorf führt, ist seit kurzem vollendet. Sie ist nord­östlich vom Dorf durch den neuen Verladeplatz an die Bahnstrecke Fulda- Gießen angeschlossen. Hierher soll auch unser geplanter neuer Bahnhof gelegt wer­

den.

* Engelrod. Wir haben in der Person des Post­agenten Karl Schaaf einen neuen Bürgermeister erhal­ten; er wurde mit 46 Stimmen gewählt.

,, Wir haben im Reichstag nur Hampelmänner", so charakterisierte in Dutenhofen am letzten Sonn­tag der sozialdemokratische Reichstagskandidat für Lim­burg- Diez, Herr Habicht Frankfurt a. M., die Abgeordneten und da er den in der Versammlung an­wesenden Abgeordneten Behrens ausdrücklich ausnahm ( Anwesende sind ausgeschlossen"), so kann sich das harte Urteil doch nur auf die sozialdemokra= tischen Reichstagsabgeordneten beziehen. Es liegt auch keine Ursache vor, die Behauptung des Herrn Ha­bicht, soweit sie sich auf seine Genossen bezieht, zu be­streiten. Er muß sie ja besser kennen. Im übrigen steht seine Behauptung durchaus im Einklang mit den Neu­ßerungen, die auf dem Magdeburger sozialdemokratischen Parteitag 1910 fielen. So nannte dort der sozialdemo= fratische Reichstagsabgeordnete Fischer den sozialdemo= kratischen Abg. Ledebour öffentlich einen Bajazzo", d. h. einen Hanswurst und der sozialdemokratische Abg. Dr. Frank erklärte dem sozialdemokratischen Abg. Stadthagen öffentlich seine Verachtung". Auf dem Dresdener Parteitag gings bekanntlich noch kräftiger zu. Sechs Tage lang beschimpften und zankten sich dort die sozialdemokratischen Führer in unerhörter Weise. Jm Protokoll nehmen diese lächerlichen Streitereien 26 2 eng| aus eine Stichbahn geplant war, deren Einmündung gedruckte Seiten ein, während auf alle sonstigen an der Obermühle bei Bieber gedacht war. Auch Der Verhandlungen nur ganze 27 Geiten füllen. alte Bebel stellte dort fest: Man rede doch nicht von der Einigkeit und der Einheit in der

da

*) Röthges. Uebertragen wurde am 14. Jan. dem Schulamtsaspiranten Heinrich Meckel von hier eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Lanzenhain. * Wetzlar. Das Streben nach einer Eisen­bahnverbindung zwischen Wetzlar über Gladenbach nach Biedenkopf und von weiter nach Norden, ist älter als 40 Jahre. Schon vor 1866, so schreibt der Hinterländer Anz.", diesem für das Hinterland so bedeutungsvollen Zeitpunkte, bestan­den Verhandlungen, das sogenannte hessische Hinterland durch eine Eisenbahn aufzuschließen, welche von Gie zen ausgehend ihren Kurs über Gladenbach, Bieden­kopf und Laasphe nehmen sollte, wobei von Wetzlar

eine seinerzeit projektierte Linie Wetzlar- Altenhundem sollte diese Gebietsteile erschließen. Beide Pläne erhiel­ten nicht die nötige Förderung und wurden überholt

( Gießener Tageblatt)

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die 44 mm breite Petitzeile oder deren Raum, auswärts 20 Pfg.; die 90 mm breite Petitzeile im Re flameteil 50 Pfg., auswärts 60 Pfg.; Tabellen mit 50% Aufschlag. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungs­zieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Gesamtleitung: Albin Klein.

Telephon: Nr. 362.

23. Jahrg.

durch die Eisenbahn Marburg- Laasphe, der dann ſpä­ter die Bahn Niederwalgern- Gladenbach und Herborn folgte. Durch diese beiden Bahnlinien war der Verkehr

nach Osten hin gelenkt und schien das uralte Projekt für immer verloren zu sein. Von Wetzlar aus versuchte man nun in neuerer Zeit eine Linie durch das obere Lemptal von Aẞlar ausgehend durchzusetzen, allein dieses Projekt wurde abgelehnt, da eine einigermaßen nachweisbare Rentabilität fehlte. Waren die Bewohner von Hohensolms damit auf einem toten Punkte angekommen, so begrüßte man es dort mit umso grö­ßerer Freude, als sich der Kreis Biedenkopf seit einigen Jahren von neuem regte und durch Zusammengehen mit Wetzlar einen neuen Vorschlag machte. Da eine Einigung beider Kreise nunmehr besteht, soll im Laufe der nächsten Woche eine nach Hohensolms einberufene Versammlung der Interessenten Stellung nehmen. Eine rege Beteiligung ist geboten und scheint gesichert.

*) Klein Rechtenbach. Der hiesige Förster Schüler stellte in der Nacht auf Montag zwei Leute, welche Schlingen gelegt hatten. Während er dieselben zur Rede stellte, erklangen Klagelaute eines in der Schlinge steckenden Hasen. Als der Förster auf die be­treffende Stelle zueilte, waren Hase und Schlingensteller verschwunden. Mit Hilfe des herbeigeholten Wetzlarer Polizeihundes Greif" gelang es, die Spuren festzustellen. * Darmstadt, 18. Jan. Aus Anlaß des Kin= desmordes in der Bessungerstraße wurde gestern der im Hause wohnende verheiratete Schlosser Heinrich Heß durch die Polizei fe st genommen. Er war am Montag nachmittag allein im Hause und hat sich dadurch der Tat verdächtig gemacht. Vorläufig leugnet er noch.

Darmstadt. Das Befinden des Reichs- und Landtagsabgeordneten Geh. Rat Haas hat sich in der letzten Woche sehr verschlimmert. Das Lei­den hat sich nach den Augen gezogen, so daß eine fast völlige Erblindung eingetreten ist.

Limburg, 18. Jan. Rentner Wilhelm Hammerschlag, eine in weiteren Kreisen bekannte Persönlichkeit, ist im Alter von 80 Jahren gestorben. Der Verstorbene hat 22 Jahre als Rendant die Ge= schäfte der hiesigen Ortskrankenkasse geführt und war lange Jahre Stadtverordneter. Am hiesigen städti­schen Schlachthof ist zum 1. April die Stelle des Direktors mit einem approbierten Tierarzt zu besetzen. Bingen. Herr Kommerzienrat Friedrich Vogt wurde zum ersten Vorsitzenden der Handels­tammer, Bankier Julius Landau zum stellvertre= tenden Vorsitzenden der Kammer gewählt.

*

* Frankfurt. In Bockenheim und Ginnheim ist die Maul- und Klauenseuche festgestellt worden.

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Mainz. Krieg den 3igeunern", das ist die Parole, welche der besonders in der Gegend von Mainz stark vertretene Verband der hessischen Bürger­vereine" ausgegeben hat. Der Verband verlangt stren­gere Maßnahmen zum Schutze der Bevölkerung gegen­über den unerträglichen Plagen durch das herumzieh­ende Gesindel.

(*) Sinn. Der hiesige Bahnhof entspricht schon lange nicht mehr den Ansprüchen und wird bekanntlich nun umgebaut. Die Eisenbahndirektion hat dafür schon früher 100 000 Mt. zur Verfügung bekommen und nun nochmals für 1911 als Rest 38 000 Mark.

Biedenkopf, 17. Jan. Durch die strengen Fröste der letzten Tage ist die Lahn hier fest zuge= froren, sodaß die Schuljugend bereits am Sonntag sich darauf tummeln konnte. Am nächsten Tage konn­ten die Gewerbetreibenden ihren Eisbedarf einheimſen.

* Biedenkopf, 20. Jan. Jm Bahnhofshotel fand am 18. Jan. eine Besprechung von Interessenten über die wegen Erbauung einer Eisenbahn von Biedenkopf in das Edertal Battenberg im Anschluß an die geplante Linie Wetzlar- Gladenbach- Frie­densdorf zu unternehmenden Schritte statt.

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* Ebsdorf, 18. Jan. Jm blühenden Mannes­alter ist heute der Gutsbesitzer Kaiser in der Mar­burger Klinik, wo er Heilung von einer plötzlichen Er­frankung suchte, gestorben. Der Verblichene, der als Wahlkreisvorsitzender des Bundes der Landwirte in politischen Kreisen eine bekannte Persönlichkeit war, er­freute sich großer Beliebtheit.

Worms. Hier tagte am Sonntag die Provin­zialversammlung des Bundes der Landwirte für Rhein­hessen. Reichs- und Landtagsabgeordneter Dr. Dietrich Hahn erstattete das Hauptreferat über Der Bund der Landwirte und die politische Lage nach Erledigung der Reichsfinanzreform"; seine Ausführungen wurden von der sehr zahlreich besuchten Versammlung mit großem Beifall entgegengenommen. Außer Dr. Hahn sprachen noch der Provinzialvorsitzende Brand- Gau- Odernheim, Kommerzienrat Trumpler und Wolf- Albig.