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Die Kriege werden humaner.

Rundschau vom Cage.

Politisches.

Der Rücktritt des preußischen Instizministers Be­seler soll nach der Nationalztg." nur noch eine Frage der Zeit sein. Als Nachfolger fomme in erster Linie der Breslauer Landgerichtspräsident Vierhaus in Be­tracht, daneben aber auch der Ministerialdirektor Bour­wig. Herr Vierhaus ist übrigens schon wiederholt für diesen Posten genannt worden.

Für den Bosten des Oberpräsidenten in Bosen, der durch die Versetzung des bisherigen Oberpräsidenten von Waldow nach Stettin vakant ist, soll, wie das B. T." behauptet, auch der Unterstaatssekretär im Kultus= ministerium, D. Schwarzkopff in Betracht kommen. Man darf hinter diese Nachricht wohl ein großes Fragezeichen setzen.

Allgemein ist die Anschauung verbreitet, daß durch die modernen Schießwaffen, Schnellfeuergeschütze, Ma­schinengewehre u. a. die Striege in Zukunft viel blutiger und verlustreicher werden, als sie früher gewesen sind. Es wird darum interessieren, zu erfahren, daß die Striege in den letzten 150 Jahren bedeutend weniger verlust­reich geworden sind, als sie früher waren. Sogar der lette russisch- japanische Strieg stellt gegen die Striege Friedrich des Großen einen ungeheuren Fort= schritt dar. In der Schlacht bei Borndorf z. B. ver­loren die Russen rund 40 Prozent thres gesamten an der Schlacht beteiligten Soldatenmaterials. Die Preußen verloren bei Torgau 37,5 Proz. Die Kriege Napoleons I. waren nicht weniger blutig und verlustreich. In der Schlacht bet Aspern verloren die Franzosen 38,3 Broz., bet Br.- Eylau verloren die Breußen 30 Broz., die Rus= ſen 35 Broz. und die Franzosen 40 Broz. der an der Schlacht beteiligten Soldaten und Offiziere. Vergleicht man damit die modernen Kriege wie den z. B. 1866 und den Strieg 1870/71, so ergeben sich folgende Bahlen: Bei Königgräz verloren die Preußen 4,6 Proz. und die Desterreicher nur 8,7 Proz. ihres Menschen­materials. Die Verluste betrugen also im Verhältnis zu den anwesenden Soldaten faum ein Siebentel, manchmal sogar faum ein Behntel der Verluste in den früheren Kriegen. Bet Gravelotte verloren die Deut­fchen 10,1 Proz. und die Franzosen 11,4 Proz. threr Mannschaften. Nur einige Heldentämpfe wie z. B. der bet Mars- la- Tour, machen davon eine Ausnahme, da hter 55 Broz. verloren wurden. Der modernste Krieg, der russisch- tapanische, der mit den großartig­sten Waffen geführt wurde, zeigt dasselbe Resultat, trotzdem die Schlachten manchmal acht Tage dauerten. In der heißesten Schlacht verloren die Russen 3. B. nur 11,1 Prozent und die Japaner 14,6 Prozent ihres Gesamtbestandes. Die Ursachen für die geringer werdenden Verluste sind darin zu sehen, daß dte Schüßenrethen sehr dünn und Ianggestreckt sind, und daß der Kampf über ungeheure Entfernungen geht, so daß selbst die mörderischsten Waf­fen nur geringe Vorteile an einem Tage bringen fön­nen. Je mörderischer die Waffe ist, desto größer wird der Schutz, den die Menschheit sich selbst schafft. Es tommen lebt noch dazu, daß die Felduniformen eine weltere inftcherbett des Bieles bringen wer den, so daß die Treffsicherheit sicherlich noch bedeutend heruntergehen wird. Auch andere Schutzmaßnahmen, wie z. B. das Aufwerfen von Sandhügeln usw. tragen dazu bei, daß die Schlachten wirklich humaner werden.

Die fünftige Maroffopolitik faßt eine Pariser Per­sönlichkeit, die Beziehungen zu den amtlichen Stellen unterhält, folgendermaßen auf: Für den Augenblick wird Frankreich sich aus Fez und Mekinez zurückziehen. Wahrscheinlich ist es auch, daß es das Schaujagebiet räumen wird, um sich in Casablanca niederzulassen. Deutschland wird keine Truppen in Agadir landen. Was Spanten anbetrifft, so wird es dem Beispiele Frank­reichs folgen und sich aus Elfsar zurückziehen, um sich in Larrasch festzusetzen und sich darauf beschränken, die marokkanische Polizei zu organisieren.

Sensationsmeldungen französischer Blätter über Deutschlands Vorgehen in Agadir sind jetzt an der Ta­gesordnung. Am Sonntag haben Pariser Blätter aller­lei wilde Meldungen über eine angebliche Landung ei­nes deutschen Expeditionsforps in Agadir verbreitet. Dazu wird dem B. T." von maßgebender Stelle mit­geteilt, daß die Landung eines deutschen Expeditions­torps nicht stattgefunden hat und daß weder Offtztere noch Mannschaften der Berlin" oder des Panther" an Land beurlaubt wurden. Auch von angeblichen Zwi schenfällen, die zur Abgabe von Schüssen geführt haben, tst weder auf dem Auswärtigen Amt, beim Admiralstab der Marine, noch beim Reichsmarineamt etwas bekannt.

Als Ersatz für den verbrannten Parseval 5 hat Die Luftverkehrsgesellschaft von der Luftfahrzeuggesell schaft in Bitterfeld den Parseval 9( 1700 Stubifmeter Inhalt mit 50pferdigem Motor) erworben. Das neue Luftschiff wird im Auguft fahrbereit ſein.

Das

Einen Sirtenbrief hat Erzbischof Kardinal Dr. Fl­scher in Cöln erlassen, nach dem die Kinder im 7. Jahre zur ersten Kommunion geführt werden sollen. Sirtenschreiben wendet sich auch gegen das Ueberhand­nehmen des Kleiderlurus bei der Kommunion.

Ein großer Juwelendiebstahl, bei dem fitr 20,000 Mark Pretiosen gestohlen wurden, tst gestern bei dem Juwelier Wingberg in der Potsdamer Straße in Ber­fin entdeckt worden. Der Einbruch dürfte von densel ben Spizzbuben verübt worden sein, die fürzlich bet dem Juwelier Nevis in der Potsdamer Straße für 100 000 Mart Juwelen raubten.

Die Eröffnung des österreichischen Parlaments fand Montag vormittag 11 Uhr in der üblichen Weise unter sehr starker Beteiligung nicht nur der Abgeordneten, die das Haus bis auf den letzten Platz füllten, sondern auch des Publikums statt, das lebhaftes Interesse für das neue Haus an den Tag legte, welches durch den neuen Ministerpräsidenten empfangen wurde. Nach den ein­leitenden Worten des Ministerpräsidenten übernahm der Alterspräsident Freiherr von Fuchs das Präsidium, um die Konstituterung des Hauses einzuleiten. Bet dem Kaiserhoch, in das seine Rede ausklang, entfernten sich nur die tschechischen Sozialdemokraten, während alle anderen, also auch die Deutsch- Radikalen und die deut­schen Sozialdemokraten, sich von thren Sitzen erhoben.

Wer sind die reichsten Leute der Welt? Die märchenhaften Schilderungen von dem Reich­fum der amerikanischen Milliardäre können mit der Bett den Eindruck erwecken, als ob die apalanhäu­fungen der berühmten Dollarfönige Amerikas die enro= pätschen Vermögen längst hinter sich gelassen haben. Daß das Gegenteil der Fall ist, beweist ein englischer Na­tionalökonom in einer fesselnden Untersuchung, die sich mit den Kapitalanhäufungen in den Händen einzelner Familien beschäftigt. Weber Carnegie noch Pierpont Morgan ja selbst nicht Rockefeller der Petroleumfő­nig, fönnen mit dem Reichtum wetfelfern, den das Haus Rothschild fein eigen nennt. Trotz der ame­rikanischen Milliardenvermögen sind die Rothschilds immer noch die reichste Familie der Welt, ja ihr Ver­mögen beläuft sich auf rund 8 Milliarden Mart, ist also viermal so groß, als der Reichtum, den man Rockefeller auschreibt, und sechsmal so groß als das Vermögen der Famille Astor. Wenn man eine Verzinsung von nur 4 Prozent annimmt, würde die Familie Rothschild eine Jahresrente von 320 Millionen Mark beziehen, aber diese Zahlen sind viel zu niedrig gegriffen, weil weit­aus der größte Teil des Sapitals arbettet und eine viel höhere Berzinsung bringt. Keine andere millio­nengesegnete Familie Europas kann auch nur entfernt einen Vergleich mit diesen Zahlen aufnehmen. Dabet ist es ein Irrtum, anzunehmen, daß die Rothschilds nur oder in erster Linie Bankiers find. In Wirklich­feit zählen sie zit den mächtigsten Großkaufleuten und Industriellen der Welt. In Lancashire besitzen die Rothschilds gewaltige Baumwollspinnereien, in Shef­field Stahlfabriken, die jährlich Millionen von Messern hervorbringen. In Jamaifa verfügen sie über große Blantagen, aus ihren eigenen riesigen Wäldern in Bra­filten gewinnen sie Gummi, in Persien sind große Ta­petenfabriken, Seiden- und Damastwebereten ihr Et­gentum, und in Spanien gehören ihnen ausgedehnte Blelbergwerke. Aber die Zahl der industriellen und großen faufmännischen Unternehmungen ist damit noch feineswegs erschöpft, denn in dem ausgedehnten Holz­handel Sibiriens spielen die Rothschilds eine Haupt­rolle, in Sitdafrika betreiben sie Goldminen, in At­stralien sind sie die Eigentümer ganzer Städte, und in einem Dutzend von anderen Großstädten Europas nens nen sie eine Menge von Häusern und ausgedehnten Grundbesitz ihr eigen.

Jugendfreundschaft.

Roman von G. v. Schlippenbach.

18) ( Nachdruck verboten.) Karla hatte ihrer Mutter aus Rußland einen langen Brief geschrieben, er lautete folgendermaßen: " Kaporinoff, 6. Julf.

Meine teure Mutter!

Das Leben Richters gefährdet? In Elassona wur den zwei Hirten verhaftet, welche zwei Briefe von den Räubern des Ingenieurs Richter überbrachten. Die Briefe enthalten eine letzte Drohung der Räuber, Rich­ter unwiderruflich zu töten, falls bis morgen feine be friedigende Antwort auf thre erste Aufforderung ein­träfe.

Dem ungarischen Abgeordnetenhanse wurde von der Regierung eine Gesezesvorlage unterbreitet, durch die die Lizenzgebühr für die Einfuhr ausländischer Tabak­fabrikate erhöht wird, und zwar für Bigaretten von 30 auf 60 Kronen, für Zigarren von 26 auf 35 Kronen, für Tabak von 20 auf 30 Kronen per Kilogramm.

Einen furchtbaren Selbstmord verübte gestern der Grenadier Büttner aus Karlsruhe. Er reiste nach Mannheim, schlich sich in eine Badeanstalt und ver fuchte, die Kabinen zu plündern. Er wurde aber dabet ertappt und zur Schloßwache gebracht. Ster stitrate er fich in sein eigenes Seitengewehr, das ihm auf dem Rücken wieder heraustrat.

Die schwierige Lage in Albanien hat nunmehr die Türkei veranlaßt, die Einberufung aller mohammeda­nischen Reservisten bis zum 45. Lebensjahre anzuord­nen. Sie läßt bereits auch Listen der noch älteren Jahr­gänge aufstellen. Die Bevölkerung legt demgegenüber eine ablehnende Haltung an den Tag, da die Anord­nung noch nicht die gesetzliche Sanktion der Kammer ge­funden hat.

Ich will Dir heute einen langen Brief schreiben, der soll mir über die vielen einsamen Stunden hinweg­helfen. Mein Mann mußte zum Manöver und später ins Lager. Er langweilt sich hier in der ländlichen Stille und hat immer Abmachungen geselliger Art, Jagden oder andere Vergnitgungen; ich fühle mich nicht wohl genug, um ihn zu begleiten. Unsere Sommer­villa liegt dret Stunden von Petersburg entfernt mit­ten im schönsten Nadelwald; es ist drückend heiß hier, ich sehne mich nach der kühlen Seeluft meines geliebten Strandhof, nach dem Hafenplatz und nach Dir, Mutter.

Ich hätte nie gedacht, daß man sich mit zwanzig Jahren schon so alt fühlen kann.

In diesem Jahre habe ich viel gelernt; ich weiß, daß ich hier in der leichtlebigen russischen Gesellschaft immer eine Fremde bleiben werde, ich habe ganz andere Interesse als die Petersburgerinnen, gehe z. B. lieber ist ein schönes Konzert als in ein Varieteetheater, höre gern eine Oper und kann den französischen Stücken feinen Geschmack abgewinnen.

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Kleine Nachrichten.

Bei einem Zimmerbrande umgekommen find in dem Dorfe Nemours bei Paris vier Kinder eines Mau­rers, die in der Wohnung allein geblieben waren, wäh rend die Eltern einer Theatervorstellung beiwohnten. In einem Anfall von religiösem Wahnsinn über­schüttete sich die 37jährige Frau des Schlossers Gasteier in Dortmund mit Petroleum und zündete sich an. Ste starb an den erlittenen Verletzungen.

Prinz und Prinzessin Eitel Friedrich, die inkognito auf der englischen Insel Wight weilen, unternahmen gestern mit der Kaiserfacht Meteor eine Segelfahrt. Am Abend fuhren sie im Automobil nach Osborne, wo sie das Erholungsheim für Offiziere besichtigten.

Der frühere Präsident von Merito Diaz ist mit Familie und einem Gefolge von 21 Personen in Göln eingetroffen und hat im Excelsior- Hotel Wohnung ge­

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Verhaft Madh Fabres Kriminalpoli ben Schaaffh Summe von fen Betrag Deng durch falfchte und d belt fich um vor Jahren forenfabrit to nau tannte. gen laffen. G bacht geraten haben, hat baft fiben mi Elfenbah Nacht hat in legraphendrah lungen mit Babnnegen g allerdings et faläge heftig bringt augen daß durch da feber Bahnfa Waghalfi abend in Ma fernten Halte um den Inn aur Fahrt n Bug fuhr jed Surch die Sto men in den München, wo toniperre fam rechtigt Mitge rigen Somme gekommen, n Schnellzug wi baften diesma bahnhof nicht Nachzahlung b ren eingeleitet Ein Offizi Raiser. Dem Offizier- Genef über die Verm Es handelt si in der Nähe d den wird. Da Bestimmungen Betracht komm fel in einer S Frau General den und werd oben gedachter

Ein großer Grubenbrand wütet seit einigen Wochen auf Schacht Altenböcke der Zeche Königsborn bet Unna. Seit etwa 20 Tagen find Abdämmungsarbeiten im Gange, doch hatten diese bisher wenig Erfolg. Zwet Personen sind durch Einatmung giftiger Rauchgase be retts verunglückt.

Ein gefährlicher Brandstifter, der 1880 in Sam burg geborene Dienstfnecht Karl Schubert, der seit 2 Jahren über 20 Brandstiftungen in den Elbaemeinden verursachte, bet denen 29 Gebäude eingeäschert wur den und zwet hochbetagte Eheleute in den Flammen umfamen, wurde gestern von der Hamburger Kriminal­polizet verhaftet.

Die Maul- und Klauensenche hat im Monat Junt eine Entwicklung in Deutschland genommen, die die schlimmsten Befürchtungen übertrifft. Am 30. Juni wurden 20 798 verseuchte Gehöfte tit 3737 Gemeindent gezählt. Im Monat Juni hat sich die Seuche gegen den Vormonat um 7295 verseuchte Gehöfte, gleich 54 Pro­zent, vermehrt.

Costja( Abkürzung von Konstantin) findet mich zu bleich und brachte mir eines Tages Schminke; er bat mich, sie zu brauchen und war erstaunt, als ich es ent­ritstet ablehnte. Er meinte, hier in Rußland geschähe es in den besten Kreisen. Ich fühle, daß ich in der Ge­sellschaft eine traurige Rolle spiele; ich fann mich nicht in den leichten, nichtssagenden Plauderton der russi­fchen Damen hineinfinden, ich glaube, sie lachen über mich und man bält mich fitr pedanttsch und langweilig.

Auf dem Totenbett verbrannt. In Viehhofen in Salzburg war eine Bäuerin gestorben, worauf ihre Leiche in einem im ersten Stockwerk gelegenen Zimmer aufgebahrt wurde. Durch die brennenden Kerzen fing der Totenschleier Feuer, das so rasch um sich griff, daß die Leiche nicht mehr geborgen werden konnte und gänz Itch verkohlte. Das aanze Anwesen. das aus Holz ge­baut war, brannte mit den Nebengebäuden nieder.

Ich war glücklich, als ich hierher ziehen konnte, während mein Mann Anfang Mai zum Manöver aus­ritckte. Das Gut Kaporinoff hat schon Costjas Groß­eltern gehört; das niedrige Holzhaus ist unschön, aber recht bequem; ich liebe es mehr als unseren Palast in Petersburg: dort habe ich stets das Gefüht zu frteren, trotz der überheizten Prachtzimmer. Ich horche so gern auf des Waldes Stimme; das Rauschen der Bäume er­innert mich an das der Wellen, ich schließe die Augen und mein Herz singt seine Weisen dazu.

Im Alter von 103 Jahren ist im Antoniusstift zut Bamberg die älteste Frau Bayerns, die Baderswitwe Magengast gestorben.

Ein ganzes Dorf eingeäschert. Das Dorf Haamrt in Ungarn ist gestern bis auf acht Häuser niederge­brannt. Eine Frau ist dabet umgekommen.

Oft pocht es so wild, als fordere es etwas,- etwas Unerreichbares, das ihm versagt bleibt. Was ist es, Mutter, kannst Du es mir deuten?

Aus den Gerichtssälen.

Ungültige Einsprüche gegen die Stenerveranlagung. Eine Entscheidung von großer Tragweite hat das preu ßische Oberverwaltungsgericht gefällt; es erklärte Ein­spritche gegen die Heranziehung zu gemeindlichen Ge­bühren, Beiträgen und Steuern für ungiltig, wenn sie nicht erkennen lassen, daß entweder die ganze Heran­ziehung angefochten wird oder daß die Steuer um einen bestimmten Betrag herabgesetzt werden soll. Diese Ents scheidung ist deshalb von so außerordentlicher Bedent­tung, weil bei einer großen Zahl von Einspritchen nur angegeben wird, die Steuer sei zu hoch. Alle diese Ein­sprüche sind ungültig. Auch wenn die Gemeinde einen folchen Einspruch gar nicht beanstandet, muß doch von Amts wegen jede daraufhin eingeleitete Klage abge­wiesen werden.

Im Dorf habe ich viele gute Freunde; ich spreche noch sehr schlecht russisch, aber die guten Leute lachen mich nicht aus. Wie liebe ich die blonden, barfüßigen Kinder, alle die Bübchen und Mägdlein, die wie die Kletten an mir hängen und mir jubelnd entgegenlaufen. Wie danke ich Dir, liebe Mutter, für das reichliche Taschengeld; ich kaufe dafür allerlei Geschenke für meine fleinen Freunde, bunte Kopftücher für die Mädchen, Spielzeug für die Knaben und für die ganz Alten im Dorf Tabak und Tee, Zucker und Weißbrot. Neulich sagte die achtzigjährige Marie, als ich ihr Enkelkind auf dem Schoß hielt, au mir: Gott wird Ihnen bald ein ebensolches Engelchen schenken."

Ach! wie freue ich mich auf dieses geliebte, kleine Wesen; ich erwarte es voll heißer Sehnsucht; dann werde ich so glücklich sein, daß ich mich nie mehr einsam fühlen werde. Und dann kommst Du, Mutter!"

Strenge Sühne für militärische Bergeben. Das Kriegsgericht des zweiten Geschwaders in Kiel verurs tellte den Matrosen Block vom Linienschiff Bommern" wegen verleumdertscher Beleidigung von Vorgesetzten, Achtungsverletzung durch Drohung und Erregung von Mißvergnügen unter Kameraden zu amei Jahren flinf Monaten Gefängnis. Der Obermatrose Frank und der Matrose Saut erhielten wegen Begünstigung je sechs Monate Gefängnis: amet weitere Matrosen wurden freigesprochen. Während der Verbandlungen und wäh rend der Urteilsperfündigung war die Oeffentlichtelf wegen Gefährduna militärischer Intereffen und der mt­Ittärischen Difaiplin ausgeschlossen. Dasselbe Kriens­gericht hat in einer späteren Sikuna, die ebenfalls unter Ausschluß der Deffentlichkeit, stattfand, den Matrosen

Ich zähle bis dahin die Tage, die Stunden." Der Brief schloß mit tausend Grüßen für alle und alles daheim.

" Ja, daheim," dachte Frau Haideck, hier ist Karlas Heimat, die Fremde dort, wo ihres Mannes Haus steht; diese Zeilen verraten es mir." Es fiel Frau Haideck sehr schwer, sich Latour gegenüber zu beherrschen; fie

verhinderte so viel sie konnte, das Alleinsein des Braut­paares, arrangierte Ausflüge und Bootpartien mit Ol­dens, die anderen Gäste hatten Strandhof bereits ver laffen. Eva war oft über das veränderte Wesen La­tours erstaunt; nach den ersten Wochen stürmischer Bärtlichkeit war er jetzt oft sehr verstimmt und wurde ungeduldig, wenn sie ihn um den Grund fragte. Es lag etwas Lauerndes in seinem Gesicht, wenn er die häufigen Gespräche Oldens und Frau Haidecks beob achtete, die bet verschlossenen Türen stattfanden.

Nach einer Woche ersuchte Olden Latour im Namen Frau Haidecks um eine Unterredung. Nichts gutes ahnend, folgte der Franzose dem alten Herrn.

,, Sie sind als Betrüger und Hochstapler entlarvt, mein Herr," sagte der Rechtsanwalt trocken. Sie beleidigen mich!" rief Latour, über dessen Ge­sicht sich fahre Blässe breitete.

Bitte, lesen Sie diesen Brief!" Und Latour Ias:

Paris, Rue de Lac. Sie haben recht, sich an mich zu wenden, nachdem Ihr erster Brief von Robert unterschlagen wurde." Das ist eine Lüge!" rief Latour und das Brief­blatt fiel aus seinen zitternden Händen zu Boden. " So," versetzte Olden, hter dieses Kuvert recht­fertigt Ihres Vetters Behauptung; das Stubenmädchen im Strandhotel fand den Zeugen Ihrer Schuld beim Putzen Ihres Rockes in der Tasche und übergab das wichtige Papier dem Gastwirt; der Gärtnerbursche, den Sie bestachen, ist außerdem geständig. Erlauben Sie, daß ich Ihnen den Brief jetzt weiter vorlese."

( Fortsetzung folgt.)

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