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Ogured wegen versuchter Aufwiegelung zu einem Jahr bret Monaten Gefängnis verurteilt. Die Tat des Ant­getlagten steht mit den Verfehlungen der übrigen Ver­urteilten in mittelbarem Zusammenhang.

Vermischtes.

Berhaftung eines langgesuchten Scheckschwindlers. Nach Jahresfrist gelang es am Montag der Cölner Kriminalpolizei, fenen Schwindler festzunehmen, der ben Schaaffhausenschen Bankverein dadurch um eine Summe von 45 000 Mart brachte, daß er einen auf die­fen Betrag lautenden Scheckt der Gasmotorenfabrik Deutz durch Stempelaufdruck und genaue Unterschrift fälschte und durch einen Boten einziehen Iteß. Es han delt sich um den Reisenden Friz Lose aus Leipzig, der vor Jahren als Bücherrevisor bei der Deuzer Gasmo­torenfabrit tätig war und die dortigen Verhältnisse ge­nau tannte. Den Stempel hat er in Leipzig anferti gen lassen. Ein anderer Bücherrevisor, der in den Ver bacht geraten war, den Scheckschwindel ausgeführt zu haben, hat längere Zeit unschuldig in Untersuchungs­haft sitzen müssen.

Eisenbahnattentate und kein Ende. Auch die letzte Nacht hat in Frankreich die gewohnte Anzahl von Te= legraphendrahtzerschneidungen und Gleisverramie lungen mit Steinen und Blöcken auf den verschiedenen Bahnnetzen gebracht. Die öffentliche Meinung fängt, allerdings etwas spät, endlich an, sich über diese An­schläge heftig aufzuregen. Die beginnende Reisezett bringt augenscheinlich dem Publikum zum Bewußtsein, daß durch das Treiben der Bahnverwüster es selbst bei Jeder Bahnfahrt schwer gefährdet wird.

Waghalsige Ausflügler stellten sich am Montag abend in Massen auf der 8 Kilometer von München ent­fernten Haltestelle Gronsdorf in das Eisenbahngleis, um den Innsbrucker Schnellzug aufzuhalten und thn zur Fahrt nach München besteigen zu können. Der Bug fuhr jedoch nur mit verminderter Geschwindigkeit durch die Station. Alsbald sprangen etwa 40 Perso nen in den Zug und fuhren mit zum Ostbahnhof in München, wo auf die Benachrichtigung hin an der Per­ronsperre sämtliche Reisenden angehalten und die unbe rechtigt Mitgefahrenen aufgeschrieben wurden. Im vo rigen Sommer ist auf derselben Station ähnliches vor gekommen, nur haben damals die Ausflügler den Schnellzug wirklich gestellt. Dret von den Zugstürmern hatten diesmal bet der Kontrolle am Münchener Ost= bahnhof nicht einmal das nötige Geld zu der geringen Nachzahlung bet sich. Gegen sie wurde ein Strafverfah­ren eingeleitet.

Ein Offiziers- Genesungsheim als Geschenk für den Kaiser. Dem Kaiser soll nach Zeitungsnachrichten ein Offizier- Genesungsheim übergeben werden, damit er liber die Verwendung des Helmes fret verfügen könne. Es handelt sich um ein Offizter- Genesungsheim, das in der Nähe des Kurhauses Oberplätttg errichtet wer­den wird. Das Genesungsheim soll nach bisherigen Bestimmungen ausschließlich für deutsche Offtztere in Betracht kommen. Die für den Bau notwendigen Mit­tel in einer Höhe von 2 Millionen Mark sind von der Frau General Isenbart zur Verfügung gestellt wor­ben und werden mit Erlaubnis des Kaisers für den oben gedachten Zweck verwendet werden.

Eine neue Schreckenstat der Maffia wird aus Taor­mina gemeldet. Als sich der Kammerdeputierte Con­sentint auf einer Wagenfahrt befand, wurde er außer­halb der Stadt von mastierten Männern, die hinter Gebüschen verborgen auf ihn gewartet hatten, ange­griffen und an der Weiterfahrt verhindert. Consentint wollte sich zur Wehr sehen, wurde jedoch durch einen Gewehrschuß niedergestreckt. Während die Verbrecher entflohen, wurde der Ueberfallene von seinem Diener in die Stadt zurückgebracht, wo er hoffnungslos dar= niederliegt.

86 Tage geschlafen. Großes Aufsehen erregt in Neuvorter ärztlichen Kreisen ein eigentümlicher Fall von Schlafkrankheit, der fich in Springfield zugetragen hat. Eine Frau, die 86 Tage geschlafen hatte, wurde aufgeweckt und befindet sich augenblicklich auf dem Wege der Besserung. Sie war in den ersten Tagen des Monats März eingeschlafen, und alle Mittet, sie zum Bewußtsein zurückzubringen, blieben erfolglos. Nach 26 Tagen wurde sie wach, schlief aber kurze Zeit da= rauf wieder ein. Nachdem es jest gelungen tit, sie zu wecken, ist ihr Zustand ein durchaus normaler, jedoch ist sie nicht im Besitze der Sprache, sondern muß sich durch Zeichen verständlich machen. Die Aerzte Hoffen Jedoch, die Frau wieder völlig gesund zu machen.

Ein eigenartiger Heiratsschwindel beschäftigt zur= zeit die Berliner Strasbehörden. In der Angelegenheit wurde bereits eine Schauspielerint und Sängerin Emma van G. verhaftet, die sich wegen Betrugs und voraus­sichtlich auch wegen Meineids zu verantworten haben wird; gesucht werden noch ihr Mann Heinrich, genannt Heinz van E., und dessen Bruder Kurt. Heinz van E. lernte eines Tages eine sehr vermögende Dame kennen, die gern geheiratet hätte. Er verschwieg ihr nicht, daß er bereits verheiratet set, Iteß aber gleich durchblicken, daß er sowieso die Absicht hätte, sich fchetden zu lassen, weil seine Frau eigentlich nicht standesgemäß" set. Die Scheidung kam dann auch wirklich zu Stande. Anver­wandte der künftigen Braut aber schöpften aus man­sherlet Vorkommnissen Verdacht, beobachteten den an­gehenden Bräutigam genauer, und endlich überzeugten sich nicht nur sie, sondern auch die Dame, daß sie es mit einer Schwindlergesellschaft zu tun hatten. Aufge­fundene Briefe bestätigten den Verdacht, daß die ganze Scheidung geschoben" war. In dem Scheidungspro­zesse war es so dargestellt worden, als ob Frau van E., was sie auch beschwor, thren Mann bei einem unver­zeihlichen Fehltritt ertappt hätte. Die Folge war, daß van E. für den allein schuldigen Teil erklärt und auch verurteilt wurde, der geschiedenen Frau einen ange­messenen Lebensunterhalt zu gewähren. Frau van E. wurde dann nachträglich mit einer Summe von 50 000 Mark abgefunden, die- die künftige Braut bezahlte. Ebenso die Prozeß- und Anwaltskosten, die van E. au­Berdem viel höher angab, als sie wirklich waren. Wie aus dem aufgefundenen Briefe hervorging, machten sich van E., seine Frau und sein Bruder, die ständig mit­einander in Verbindung geblieben waren, über die spendable Braut" weidlich lustig. Als jetzt die Be­frogene Anzeige erstattete, waren van E. und sein Bru­der in Berlin nicht mehr zu finden. van E. ist vermut­Itch nach Rußland vorausgereist, wohin seine geschiedene Frau nachfahren sollte, um sich wieder mit ihr zu ver­einigen und gemeinsam mit ihm die Abfindung zu ver­zehren. Dem tam aber die Kriminalpolizet zuvor und nahm Frau van E. in einem vornehmen Hotel in der Gegend des Potsdamer Plazes fest, als sie gerade da­bet war, ihre Koffer für die Reise zu packen.

Eine furchtbare Familientragödie hat sich am Sonntag in Lemberg abgespielt. Wegen Nahrungssor­gen beschloß der Schneidermeister Taube, gemeinsam mit seiner Frau und seinen 8 Kindern im Alter von 5 bis 17 Jahren in den Tod zu gehen. Die Familie vergiftete sich mit Arsenik. Die Nachbarn, die durch das Stöhnen und Röcheln der Vergifteten aufmerksam ge= worden waren, holten die Rettungsgesellschaft herbet. Vier Personen, die Mutter und drel Kinder, ringen

mit dem Tode; die anderen sechs Personen werden viel leicht gerettet werden können. Taube hatte schon vorher etxmal mitsamt seiner Familie wegen Nahrungssorgen einen Selbstmordversuch durch Einatmen von Kohlen­dämpfen angestellt.

Zeugfeldwebel Müller.

Ein an Zwischenfällen retcher Prozeß war, wie frither bereits mitgeteilt, der Prozeß gegen den Beug­feldwebel Müller von der Pulverfabrik in Hanau. Müller hatte im Sommer vorigen Jahres seine Ge­liebte, efne 22jährige Verkäuferin, erschossen, weil sie das Verhältnis mit ihm lösen wollte. Das Kriegsge­richt hat im Dezember vorigen Jahres Müller wegen Totschlags zu 15 Jahren 8uchthaus verur­teilt. Gegen dieses Urteil legte Müller selbst Beru­fung beim Oberkriegsgericht ein mit der Begründung, daß 15 Jahre Zuchthaus teine angemessene Sühne für den Mord darstellten. Das Oberkriegsgericht verur­tellte Müller hierauf zum Tode. Ein Gnadengefuch an den Katser einzureichen, lehnte Müller ab. Sein Vater und der Pfarrer des Hetmatsdorfes dagegen reichten ein Gnadengesuch ein, das aber vom Katser ab­schläglich beschieden wurde.

Am Montag vormittag sollte die Hinrichtung auf dem Hofe der Strafanstalt in Preungesheim erfolgen. Sonntag frith 5 Uhr fuhr der Gefangenenwagen mit vter Kriminalbeamten besetzt im Hofe des Militärge­richts in Frankfurt a. M., wo Müller sich befand, ein, und einige Minuten später wurde M. aus dem Schlafe geweckt und ihm die Mitteilung gemacht, daß er sich bereit halten solle, nach Preungesheim zu fahren, da er der Zivilverwaltung nunmehr ausgeliefert fet. Müller war nicht erregt; er zog seine Militärkleider an, gab dem Wachtposten die Hand und sagte zu ihm: Adieu! Wir werden uns doch kaum mehr wiedersehen." Er bat dann noch, seine übrigen Sachen und das für thn aufbewahrte Geld ihm nach Preungesheim zuge= hen zu lassen. Eine Viertelstunde später setzte sich ber Wagen in Bewegung. Unterwegs sprach Müller nur ein paar Worte; er ersuchte einen der Beamten, das offenstehende Fenster zu schließen, da er den Zug nicht vertragen könne.

Sonntag morgen wurde Müller vom Gefängnis­direktor mitgeteilt, daß der Kaiser von seinem Begna­digungsrecht feinen Gebrauch gemacht habe und daß fich nunmehr Müller auf seinen letzten Gang für Mon­tag früh vorbereiten solle. Müller, der bis dahin sehr ruhig und kaltblüttg gewesen war, der am Freitag noch geäußert hatte:" Wenn ich mir's überlege und an die Tat denke, wahrlich, ich würde es nochmals tun", war nun sehr niedergedrückt. Er gtng andauernd in seiner im Parterre gelegenen Belle einher. Er verlangte nach Gebetbüchern und um 5 Uhr nachmittags wünschte er Papier und Tinte. Dann sette er sich hin und schrieb ein langes Gnadengesuch an den Katser.

Er betonte darin wiederholt seine Frömmigkeit und sprach mehr als ein Dußend Mal vom Heiligen Geist. Nachdem der Gefängnisdirektor das Gnadenge­such erhalten hatte, Iteß er es auf schleunigstem Wege der zuständigen Militärbehörde in Frankfurt zugehen, die sofort anordnete, daß die Hinrichtung vorläuftg zu unterbleiben habe. Das Oberkriegsgericht trat noch in später Nachtstunde zusammen, erklärte sich nach län­gerer Beratung für unzuständig und übergab die Sache felegraphisch zur Weiterbehandlung an das Retch 8= militärgericht nach Berltn. Dieses hat nunmehr darüber zu befinden, ob das Gesuch dem Katser, der sich auf einer Nordlandretse befindet, nachgeschickt wird.

Ein Berichterstatter meldet noch, daß Scharfrichter Engelhardt aus Magdeburg mit dret Gehilfen am Sonntag abend in Preungesheim eingetroffen war. Er hat am Montag an der Kaffe fein Honorar in Empfang genommen und ist wieder nach Magdeburg zurückgeretst.

Die Katastrophe bei Müllheim.

Die Schilderung eines Zugbeamten. Ueber die Ursache der gemeldeten Entgleisung des Baseler Eilzuges in der badtschen Station Mülheim fehlen bisher noch sichere Anhaltspunkte. Nach einer Witteilung des Packmeisters Heinrich Mann aus Frankfurt, der mit dem Zugführer in dem Wagen hin­ter der Lokomotive die unglücksfahrt mitmachte und nur leichte Verlegungen davongetragen hatte, scheint das Unglück durch zu große Fahrtgeschwindigkett verursacht zu sein; denn der Zug fuhr mit einer Ge­schwindigkeit von 90 bis 95 Stilometer in die Station ein, während das vorschriftsmäßige Fabrtempo fie die Einfahrt in Haltestellen 25 Kilometer beträgt. Der Pack­meister schildert der Frankf. 3tg." den Hergang des Unglücks wie folgt: Wir waren fahrplanmäßig um 8 Uhr in Basel abgefahren und näherten uns dem Signal " Langsam fahren" an der ersten Station Mülheim a. Rh., als der Zugführer zu mir sagte: Ich weiß nicht, der Lokomotivführer fährt mir zu schnell!" Gleichzeitig zog der Zugführer die Bremse. Da war aber auch das Unglück schon geschehen. Wir wurden in unserem Wa­gen mehrmals durcheinandergeworfen. Dann stand der Wagen. Es gelang mir, zuerst hinauszukommen, und ich half dann schleunigst dem Zugführer aus dem Wa­gen, der auf der Seite lag. Dte Lokomotive hatte sich yom Zuge losgerissen und stand mehrere Meter von den ineinandergeschobenen oder umgeworfenen Wagen entfernt im Gleise. Der erste Personenwagen war um­gestürzt und versperrte das Nebengleis, während der Britte Wagen den zweiten vollständig zusam= mengedrückt hatte. Auch die folgenden Wagen waren bis auf den letzten aus den Schienen gehoben. Die getöteten Passagiere befanden sich sämtlich im zwet­ten Wagen. Ste waren durch die Gewalt des Zusam­menstoßes so zerquetscht und verstümmelt, daß sie un= tenntlich waren. Innerhalb einer Viertelstunde wurden elf Tote aus dem Zuge gezogen. Bei den Rettungsarbeiten zeichnete sich vor allem das Müllhet­mer Militär aus, das im Laufschritt aus der Kaserne an die unglücksstelle angerückt tam und mit dem Schanzzeug sofort die Rettungs- und Aufräumungsar­beiten begann. Bald traf auch ein Hilfszug mit Aerzten aus Freiburg ein. Die Schwerverletten, etwa zwanzig an der Zahl, wurden ins Müllheimer Kranken­haus gebracht. Die vorläufige Besichtigung der Unfall­stelle ergab, daß sich die Schtenen entweder durch das schnelle Fahren oder die Hitze gedehnt hatten, so daß der erste Wagen aus dem Gleis sprang.

Weitere Berichte von Angenzengen.

Der Führer des Unglückszuges, der Lokomotiv­führer Platten aus Offenbach berichtete, daß er selbst nicht genau wisse, wie sich das Unglück zugetragen habe. Er habe, als er gesehen, daß der zug auf das falsche Gleis einbog, mit aller Wacht Gegendampf gegeben, fedoch ohne Erfolg. Nach seiner Ansicht müsse die selbst­tätige Wagenbremse versagt haben. Er habe bis zum letzten Augenblick getan, was er gekonnt habe, um das Verhängnis abzuwenden. Das Bersonal ret= tete sich rechtzeitig durch Abspringen.

Noch ein Augenzeuge, der im dritten Wagen des Zuges fuhr, bemerkte tm Moment des Unglücks nur eine furchtbare Erschütterung und sah dann, wie sich das Wagendach sentte und die Wände fich zufammen­

schoben, awischen denen die Netfenden vor seinen Augen zerquetscht wurden, während er wie durch ein Wunder, unversehrt blieb. Der Vorgang babe fich in unglaublich furzer Zeit abgespielt. Die meisten der Toten sind unter den Passagieren 2. Klaffe. Der erste der zertrümmerten Wagen führte nur Abteile der 2. Klasse, von deren Infassen fast niemand mit dem Leben davongekommen ist. Die Rettungsarbeiten bieten enorme Schwierigkeiten, da das Material einen einzigen unentwirrbaren Klumpen bildet. Die Trümmer muß­ten durch zwei Lokomotiven auseinandergerissen wer den. Man vermutet, daß noch mehr Opfer unter ihnen liegen.

Die Opfer der Katastrophe.

Nach amtlicher Meldung wurden bis jetzt feſtge­stellt dreizehn Tote, fieben Schwerverletzte und 24 leichs ter Berlegte. Die Namen folgender Toten wurden ermittelt: Wild- Basel, Lucia Block- Chaudefonds, Theo dor Pfleiderer- Basel, neun Jahre alt, August Duthium Basel, 1870 geboren, Lydia- Geiser- Pfrondorf, Architekt Emil Müller- Schönau im Wiesentale, 40 Jahre alt, Walter Schmidt- Mithlhausen, 1897 geboren, Friedrich Sutter, Landwirt aus Hagen im Wiesentale, Johannes Geiser, 38 Jahre alt, aus Unterhausen bei Reutlingen, Karl Warthmann- Basel.- Unter den Schwerver Ietten find folgende Personen festgestellt: Rosine Frasch- Schönau, Schaffnersfrau Barthmann- Basel, Jo nas Meyer- Basel, Andreas Reinberg- Basel, Luise Burg- Pforzheim, Jakob Rumelin- Greegen, Regie­rungsbaumeister Nürnberger- Lörrach. Die Verlegun gen find zumeist komplizierter Natur: Ober- und Un­ferschenkelbruch, schwere Kopfwunden, Rippenbrüche, Unterleibsverlegungen, innere Blutungen und andere. Aus Norddeutschland sind keine Personen bei dem Zut fammenstoß verlegt worden. Nach neueren Meldun gen hat sich die Zahl der Todesopfer auf vierzehn er höht. Außer den bereits bis mittag geborgenen neun Leichen wurden nachmittags noch fünf Tote unter den Trümmern des vollständig zersplitterten Zuges hervor gezogen. Das Befinden einiger schwer Verletzten ist) fo bedenklich, daß sich die Zahl der Todesopfer noch ver­größern dürfte.

Der Materialschaden

tst erheblich. Die Lokomotive ist mit allen Rädern entgletst, der Backwagen ist umgestürzt, der folgende Wagen( 1. und 2. Klasse) vollständig zertrümmiert, der nächste( 3. Klasse) umgesetzt, dem vierten Wagen( 3. Selasse) wurde der Oberkasten vollständig zertrümmert durch den fünften Wagen, der auf den vierten aufge­schoben wurde. Der sechste und siebente Wagen sind beschädigt.

Weitere Meldungen über die Katastrophe.

Der verunglückte Zug bestand aus 8 Personen­wagen, dem Gepäck- und Postwagen. Im Augenblick des Unglücks bot sich den Augenzeugen ein faum zu beschreibender Anblic. Ein markerschüttern= des Geschret durchzitterte die Luft. Frauen und Kinder wurden aus den Wagen geschleudert und bliebent mit gebrochenen Gliedern liegen, andere wieder waren zwischen den Wagen festgeklemmt und konnten erst nach längerer Beit aus ihrer schrecklichen Lage befreit wer­den. Die Schottersteine zwischen den Gleisen wurden bis in den Warteraum der Station geschleudert. Ein­zelne Bahnarbeiter, die in der Nähe der Unglücksstelle frühstückten, wurden durch Steinwürfe an den Kopf er­heblich verlegt. Als das unglück in Müllheim bekannt wurde, alarmierte die Feuerwehr die ganze Ortschaft. Die Einwohner kamen mit Wagen, Automobilen usw. nach der Unfallstelle, um die Toten und Schwerverlez­ten zu bergen. Acht Retsende waren sofort tot, zwet starben auf dem Transport ins Hospital und dret ver­fchteden im Spital selbst. Der Oberkellner des Spetse­wagens wurde bet dem Zusammenstoß aus dem Wagen geschleudert, blteb aber unverletzt. Die Unglücksstelle ist Burch Militär abgesperrt. Von dem Eisenbahnpersonal wurde niemand verletzt. Von den Postbeamten er­Titten einige nur leichte Verletzungen. Aus einer Fa­milte befanden sich 4 Personen unter den Trümmern. Wer trägt die Schuld?

Mülheim, 18. Jult. Der Lokomotivführer und der Hetzer des verunglückten Etlzuges sind gestern ver­haftet worden unter der Beschuldigung, daß sie durch zu schnelles Fahren vor der Station das Unglück verschul­det haben. Im Stationsgebäude hatte sich seit Bekannt­werden des Unglücks die Staatsanwaltschaft ein voll­tommenes Bureau eingerichtet. Bis zum späten Abend wurden die Beugen der Katastrophe vernommen. Haupt­sächlich handelt es sich um die Frage, ph der Einstura. der im Bau Seiblichen Unterführung die unmittelbare Ursache des Unglücks oder ob der Einsturz nur eine Folge der vorher eingetretenen Entgleifung war.

Müllheim, 18. Jult. Ueber das Eisenbahn­unglück wird wetter gemeldet: Die Spuren der Entglei­fung liegen an einer Weiche, die etwa 150 meter hinter dem Punkt liegt, wo die Lokomotive zum Halten ge= bracht wurde. Im Augenblick der Katastrophe hatte der Zug eine Geschwindigkeit von 103 Kilometern, obwohl die Baustelle nur mit 20 stilometer Geschwindigkeit be­fahren werden durfte. Nach Vernehmung des Zugper­sonals, der Passagiere und der vernehmungsfähigen Verlegten wurde der Lokomotivführer Platten auf Ver­anlassung der Staatsanwaltschaft, wie oben bereits ge­meldet, verhaftet. Dem Lokomotivführer war der Be­fehl, die Baustelle nur mit 20 Kilometer Geschwindigkeit zu befahren, in Basel auch noch schriftlich zugestellt wor= den. Er behauptet, daß die Bremse versagt habe.

Drahtnachrichten und neuestes.

Austritt einer westdeutschen Fabrikantengruppe aus dem Zentralverband der Industriellen. Remscheid, 18. Jult. Der bergische Fabrikan­tenverein, eine der machtvollsten Organisationen des westlichen Industriegebietes mit über 200 bedeutenden Mitgliedsfirmen, hat in einer Vorstandssitung beschlos= sen, aus dem Zentralverbande deutscher Industrieller auszutreten. Der Verein begründet den Austritt damit, daß er die Haltung des Zentralverbandes dem Hansa­bund gegenüber nicht billigen könne, und spricht dem Hansabund fein Vertrauen aus.

Verurteilte Krankenwärterin.

Kiel, 18. Juli. Die Straffammer verurteilte die frühere Wärterin Fischer wegen Körperverlegung im Amte zu 300 Mart Geldstrafe. Sie hatte während threr Dienstzeit in der Provinzialirrenanstalt in Neu­stadt Schwertrante mißhandelt. Der Vertreter der An­flage hatte eine Gefängnisstrafe beantragt. Das Urteil im Mosfaner Intendanturprozeß. Mosfan, 18. Juli. In dem Prozeß gegen die Militärintendanturbeamten und die Firma Thiel hat das Militärgericht die Angeklagten zu Korrektionsstra­fen von drei Jahren bis zu einem Monat verurteilt. Sieben Angeklagte wurden freigesprochen. Die Be­stechungsgelder sollen eingezogen und zu wohltätigen Zwecken verwandt werden.

Die Anarchie in Verften.

London, 18. Juli. Dem" Standard" wird aus Teheran gemeldet: Die Lage in Schiras ist äußerst ges fahrvoll. Der Gouverneur wird in seinem Palast bes lagert, sein Leben ist gefährdet. Einige Brovinzen wer den völlig vom Aufruhr beherrscht.