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Die Miffion des Kronprinzen in London. te der Kreuzer, der allerdings unter deutscher Flagge fuhr,

da er bis zur Uebernahme und Bezahlung durch die Re­gterung von Haiti mein Eigentum ist, Las Palmas anlau­fen, um Proviant und Kohlen zu nehmen. In Las Palmas wohnte Expräsident Castro, vielleicht wohnt er auch jetzt noch da; dies entzieht sich aber meiner Kenntnis. Das Anlaufen in Las Palmas gab zu dem Gerücht Anlaß, ich habe das Schiff an Venezuela verkauft und Castro befinde sich an Bord, um von dort aus einen Putsch in Szene zu setzen. Diese ganze Mär ist ebenso lächerlich wie absurd, und, um das Ganze zu frönen, verwechselte man meinen Proku= risten Jakobi, eine guten Deutschen, mit Castro. Heute nacht erhilet ich ein Telegramm, daß das Schiff gestern Abend in Port- au- Prince eingelaufen und von den dorti­gen Behörden feterlich empfangen worden set. Heute im Laufe des Tages wird die Uebernahme des Schiffes und die Bezahlung durch die haitianische Regierung erfolgen. Im übrigen besteht die ganze Besatzung des Schiffs vom Ka­pitän bis zum letzten Mann hinunter aus Deutschen, die sämtlich früher bei der Kaiserlichen Marine dienten."

Der Kronprinz des Deutschen Reichs und von Preußen, Her fich am Sonntag mit seiner Gattin in Vlissingen an Bord begibt, um in offizieller Mission zur Krönung des englischen Königspaares nach London zu fahren, stattete vor seiner Abreise dem Reichskanzler in Berlin ei­nen längeren Besuch ab. Wenn der Aufenthalt des Kron­prinzen am britischen Königshofe auch keineswegs mit der Behandlung politischer Fragen verknüpft ist, so wird sein persönlicher Verkehr mit dem König Georg und seine Be tanntschaft mit den englischen Staatsmännern doch der Förderung des guten Einvernehmens zwischen den beiden mächtigen Staaten Deutschland und England dienen. Nach Jahren fühler Korrektheit" im diplomatischen und fami­Hären Verkehr und nach manchen trüben Erscheinungen, die den Sturm auf der Nordsee" zu entfesseln drohten, ha­ben sich seit dem Regierungsantritte des Königs Georg die Beziehungen zwischen den Auswärtigen Aemtern und den Herrscherhäusern wieder freundlicher und herzlicher ge­staltet, so daß die Gefahr eines Krieges, von dessen Not­wendigkeit viele bedeutende Führer des englischen Welt­reichs durchdrungen waren, als beseitigt zu betrachten ist. Eine Hauptaufgabe, deren Lösung sid, Reichskanzler v. Bethmann- Hollweg gestellt hat, besteht in der Schaffung eines festen, vertraulichen Verhältnisses unter den beiden durch Stammesverwandtschaft verbundenen Völkern, so daß eine gemeinsame Wirtschafts- und Kulturarbeit angebahnt wird, die dem Weltfrieden eine sichere Unterlage gibt. In solchem Sinne haben sich unfraglich auch die Erörte rungen bewegt, die der Kanzler mit dem Kronprinzen pflog. Blut ist dicker als Wasser" schrieb Kaiser Wilhelm zur Bezeichnung der Norm seines Denkens in ein goldenes Buch, und so wird auch jetzt der Thronerbe im Deutschen Reiche in dem Geiste einer rückhaltlosen und großzügigen Verständigung wirken.

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Diese Darstellung gibt neue Rätsel auf. Nach Neu­yorker Depeschen ist es gerade die Regierung von Hatti gewesen, die durch die Ankunft des Schiffes in ihren Ge­wässern sich beunruhigt fühlt und die Vermutung ausspricht, daß Castro sich an Bord befinde. Die haitische Regierung ist es gewesen, die erklärte, sie werde in diesem Falle das Schiff als Piratenschiff erklären. Offenbar auf ihre Mit­teilungen hin hat die Washingtoner Regierung beschlossen, mehrere amerikanische Kriegsschiffe auszusenden, um das Schiff Konsul Grotstück" zu überwachen. Ste will Castro, wenn er sich an Bord befindet, mit dem ersten verfügbaren Dampfer nach Europa befördern. Wie ist all das möglich, wenn Haitt selbst das Schiff gekauft hat? Und wenn es, wie Herr Grotstück sagt, das Schiff gestern übernommen hat, warum fehlt bisher die Kunde darüber, daß Castro nicht an Bord ist?" Preisfrage für alle Detektivs beider

König Georg von England, dem jetzt die Krone des britischen Reichs auf das Haupt gesetzt wird, stellt sich als eine festgefügte, von niemand abhängige Persönlichkeit dar. Er lud den deutschen Kronprinzen ein, bei den Krönungs­feierlichkeiten sein bevorzugter Gast zu sein. Wir beglet­ten die Fahrt des Kronprinzen nach London dem Wunsche, daß die englisch deutsche Annäherung dadurch eine weitere Etappe erreicht. Auf der Welt ist Raum genug für das britische Reich und die deutsche Macht. Es gibt nur zwei Nationen, die nach Abstammung, Gesin­nung und Entwickelung so geeignet sind, einander zu ver­stehen und zu unterstützen, wie Deutschland und England. Das sind deutsche Meinungen und Ueberzeugungen ange­sichts der englischen Königskrönung.

Der warze Mann von Venezuela

Welten: Wo ist Castro?"

Ueber das Entkommen Castros

Vorlage die Hauptsache. Ob sie vollkommen gelöst ist, muß die Praxis ergeben. Wenn man den Vorwurf erhebt, das Gesetz sei zu bureaukratisch gestaltet, so wird man dem doch entgegenhalten müssen, daß alle organischen Zentralisas tionen ohne einen gewissen Bureaukratismus nicht durch­führbar sind. Wir glauben, daß in der ganzen Versiche rungsordnung genügend lebendige Organismen vorhan= den sind, die bei guter Anwendung das Schablonenhafte und Bureaukratische in den richtigen Grenzen halten wer den. Es ist gewiß ein großes Paragraphenwerk, diese Reichsversicherungsordnung, aber wer sich einmal in die Gliederung des Gesetzes hineingelebt hat, wird doch bald bemerken, daß Klarheit und Uebersichtlichkeit vorhanden sind."

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Verdächtige englische Kreuzer in deutschen Gewässern. Ueber das eigenartige Verhalten eines englischen Fischerei­freuzers in deutschen Gewässern berichtet die Weserzei­tung", daß der Fischereikreuzer Stipjad" Anfang Mai in Emden und Wilhelmshaven vor Anker ging. Das Schiff hat sich immer in der Nähe der übenden deutschen Hoch­seeflotte aufgehalten und verschiedentlich das Manöver­gebiet durchquert, ist auch nicht, wie angekündigt war, nach Cuxhaven und Hamburg gefahren, sondern hat längere Zeit bei Helgoland gekreuzt, und, nachdem die Flotten­manöver beendet waren, ist es spurlos verschwunden. Fer­ner ist es Tatsache, daß sich nicht allzu selten verdächtige Fahrzeuge in der Nähe Borkums aufgehalten haben, die ihre Flagge zu zeigen vermeiden und auch einer dahin gehenden Aufforderung nicht Folge leisteten. Dieses Ver­halten des englischen Fischereikreuzers, es ist ein älteres, fleines Kanonenboot, widerspricht den elementarsten inter­nationalen Vorschriften über den Aufenthalt von Kriegs­schiffen in fremden Gewässern. Liegen die Dinge so, wie sie oben geschildert sind, so wäre es durchaus wünschenswert, wenn die deutsche Regierung eine offizielle Verwarnung nach London richtete.

weiß die Voss. Rtg." folgendes mitzuteilen: Daß der neuen Verschwörung Castros gegen die venezolanische Regierung ein wohlüberlegter Plan zu Grunde liegt, beweist der Um­stand, daß Castro trotz der sorgfältigsten Ueberwachung un­bemerkt von Teneriffa entkommen ist. Venezolanische Ge­heimagenten bewachten Castro auf Schritt und Tritt, aber eines morgens war er spurlos verschwunden. Die venezo= lanische Regierung hatte sogar einen besonderen Inspektor nach Europa entsandt, um die Geheimagenten zu überwa= chen. Bemerkenswert ist auch, daß Castros frühere Anhän= ger, die in Paris oder anderwo im Exil lebten, gleichfalls verschwunden sind und sich mit Castro an Bord eines Dampfers befinden sollen. Castros Versuch, zu landen, wird schon heute oder morgen erwartet.

ist wieder aufgetaucht, und wenn die einlaufenden Nach­richten korrekt sind, dann ist Präsident Castros Rückkehr von Elba" vielleicht nicht weltpolitisch so beden­tend, aber mindestens so wildromantisch, wie die des ersten Napoleon. Da figuriert etn italienisches Kriegsschiff Um­bria", das unter merkwürdigen Umständen durch einen süd­amerikanischen Konsul in Hamburg an die Republik Haiti verkauft worden ist. Da kommt irgendwie Herr Castro, be­mächtigt fich, wohl noch in Europa, des Schiffes, das jetzt als haitischer Kreuzer Präsident Antoine Simon" heißt, und belädt es mit Waffen und Kriegsmaterial. Nun taucht er plöglich an der Nordküste Haitis auf, das Schiff scheint Inzwischen in Konsul Grotstück" umgetauft worden zu sein und trägt die deutsche Flagge. Castro als fliegender Holländer ist für den, der sich des Expräsidenten Vorgeschich­te erinnert, fein allzu phantastisches Bild. Aud daß er es versteht, ein eben von Haiti angekauftes Kriegsschtff, durch Bestechung etwa, in die Hand zu bekommen, wird man dem geborenen Piraten gerne zutrauen. Aber zu dieser schönen Geschichte will gar nicht passen, daß er mit dem gekaperten Schiffe einen hatttschen Hafen anlaufen soll. Wie, wenn die Regierung der kleinen Negerrepublik mit ihm im Bunde wäre? Aber aus welchem Grunde könnte sie wagen, den großen Bruder in Washington so dreist vor den Kopf zu stoßen? Das sind lauter Möglichkeiten, die sich vorerst nicht zusammenreimen lassen. Fest steht nur, daß Castro natür­Itch nicht das geringe Recht hat, die deutsche Flagge zu führen. Was nun weiter wird, das hängt wohl ganz da= von ab, ob die ausgesandten amerikanischen Kriegsschiffe das Piratenschiff kriegen oder nicht.

Rundschau vom Cage.

Politisches.

Der gegenwärtige Präsident des preußischen Abgeord­netenhauses, Herr v. Kröcher, hat, wie die N. pol. Korr." aus zuverlässiger Quelle mitteilt, mit aller Bestimmtheit erklärt, daß er in der nächsten Session des Landtages eine Wiederwahl als Präsident des Abgeordnetenhauses nicht mehr annehmen werde.

Die Romantik ist aber noch nicht zu Ende. Der In­haber der Firma George Grotstück, Konsul Grotst it ck, im Adreßbuch aufgeführt als Armeelieferant, Kriegsmas terial, Waffen, Munition, Artilleriematerial, Kriegsschiffe, Militärausrüstungen, W. 64, Behrenstr. 47" erklärt den Ber­Itner Blättern: Ich kaufte seinerzeit den von der italient­schen Regierung ausrangierten Kreuzer Umbria" und vers faufte ihn, nachdem ich ihn modernisieren Iteß, später an die haitianische Regierung. Vor einigen Tagen muß­

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Wad bennoch.

Novelle von Ernst Busolt. ( Nachdruck verboten.)

Vorbereitungen zur Stichwahl in Desterreich. Nachdem feine Aussicht vorhanden, daß die Wiener Freisinnigen das unter Führung des Ministerpräsidenten v. Bienerth zwischen den Führern des deutschnationalen Verbandes und der christlich- sozialen Parteileitung abgeschlossene Wahl­kompromiß akzeptieren, hat nunmehr die christlich- soziale Wahlleitung ihrerseits das Wahlkompromiß dem deutsch­nationalen Verband gekündigt. Diese Wendung wird durchweg den Sozialdemokraten zugute kommen. In Ober­österreich haben die Christlich- Sozialen ein Wahlkompro miß mit der Sozialdemokratie gegen den deutschnationalen Verband abgeschlossen.

Neue Wahlrechtsdebatten im preußischen Abgeordneten­hause? Das Berl. Tagebl." deutet an, daß die Fort­schrittliche Volkspartet noch indiesem Sommer in dem preu­ßischen Abgeordnetenhause eine Wahlrechtsdebatte herbei­führen werde. Bekanntlich hat jede Partei das Recht, denjenigen Initiativantrag zu bezeichnen, den sie an erster Stelle erledigt sehen möchte. Das Blatt meint, man würde dann sehen, ob und inwieweit der preußische Ministerprä­sident v. Bethmann Hollweg konform gehe mit dem deut­schen Reichskanzler v. Bethmann Hollweg, der Elsaß­Lothringen vor wenigen Wochen ein allgemeines, gleiches, direktes Wahlrecht bescherte.

Ein Gesegentwurf über die Aufsuchung und Gewinnung von Steinkohle wird dem preußischen Landtag in der näch­sten Session zugehen. Dieser Entwurf ist eine Folgeer­scheinung des allgemeinen Berggesetzes vom Jahre 1907, und wird neue Bestimmungen über Mutungsrecht usw. enthalten.

Saub ging 1 Jahren und versta Einen Petersburg vergiftet zu erlangen, t

Der türkische Sultan seht seine Reise durch das Land fort und ist am Freitag in Prishtina eingetroffen. Die Bahnstrecke wurde streng bewacht. Der Einzug des Sul­tans vollzog sich in großer Ordnung. Die Bewohner aller serbischen Dörfer hatten sich mit Fahnen und Musik zu einem Festzug vereinigt und brachten dem Sultan und dem Kriegsminister Huldigungen dar.

Herrenhaus und Feuerbestattungsgesetz in Preußen. Aus dem soeben ersichenen Bericht der Justizkomission des Herrenhauses geht hervor, daß die Zustimmung zu dem Feuerbestattungsgesetz mit allen gegen zwei Stimmen er­folgt ist.

In seinem Herzensgrunde lag tiefe, unbegrenzte Sehnsucht nach allem Schönen, Erhabenen, Großen. Wenn er um die Mittagsstunde durch die stillen Hallen der Mu­seen schritt und auf die goldigen Lichtschimmer auf dem Bo­den blickte, war es ihm, als seien diese die leuchtenden Fußspuren der Götter, die hier vorübergewandelt; wenn er in seinem Studierzimmer saß und die Worte der großen Geister der Vorzeit an sein geistiges Ohr tönten, fühlte er sich auf dem Fittich der Begeisterung emporgehoben über alles Enge, Kleinliche, Niedere, und das Herz klopfte ihm in seiner Einsamkeit. Ueberdies stand Adrian damals in jenem Alter, in dem man zu ahnen beginnt, wie schön das Leben sein kann. Bald nachdenklich, bald betrübt, schien es ihm von Tag zu Tag mehr, als müsse irgend etwas Frohes, Freudiges, Unerwartetes in sein Leben treten.

Christliche Gewerkschaften und Reichsversicherungsord nung. Das Zentralblatt der christlichen Gewerkschaften Deutschlands würdigt die Reichsversicherungsordnung als ein Gesetz, das ein ebenso großer materieller Fortschritt sei, wie es eine bessere Organisation der Versicherungsgesetze selbst bringe, und führt in letzterer Beziehung folgendes aus: Die organisatorische Frage war ja bei der ganzen

Und da war sie ihm erschienen, und ihr fremdes, süßes Bild hatte sich vom ersten Augenblicke an mit tiefem zärt­lichen Zauber in sein Herz gedrängt. In den darauf fol­genden Tagen hatte Adrian trotz seiner scharfen Augen die Fremde nicht entdecken können. Eines Tages schlenderte er spät am Abend nach den Spielsälen. Es trieb ihn eine gewisse Unruhe hinaus. Die Spielfäle würden thn zer­streuen, nachdem ihr Vater solche ausgesprochene Abneigung gegen den grünen Tisch an den Tag gelegt.

Kleine Nachrichten.

Prinz Adalbert von Preußen ist zur Besichtigung der Kruppschen Gußstahlfabrik mit zwanzig Kapitän leutnants, die gleich ihm Hörer der Marineakademie in Kiel sind, am Freitag in Effen eingetroffen.

Im Deutschen Rundfluge hatte Freitag früh auch Kö­nig( wie vorgestern Büchner und Lindpaintner) das Ziel der dritten Flugstrecke, Hamburg, erreicht. Am Sonnabend: Flug Hamburg- Kiel, 83 Kilometer. Zugleich Beginn der Kieler Flugwoche, die bis zum 23. Juni dauert.

schien es ihm, als sähe er sie, deren Bild ihn unaufhörlich verfolgte, mit leichten Schritten vorübergleiten, das Köpf­chen ein wenig geneigt, die dunklen Augen zu Boden ge­schlagen, und da, wäre es möglich? An einem der grü­

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Die Frequenz der Berliner Universität beträgt nach dem soeben herausgegebenen Personalverzeichnis der Uni­versität in diesem Sommersemester 8039 Studierende, da­von sind männliche 7344 und weibliche 695.

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Frauenüberschuß in England. Nach weiteren, jetzt ver­öffentlichten Daten der letzten Volkszählung ist die weib­liche Bevölkerung Großbritanniens bedeutend schneller ge­wachsen als die männliche. Der Ueberschnß von Frauen beträgt jetzt 1 178 317 Röpfe.

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Das böse Gewissen. Auf dem Polizeipräsidium in Cöln meldete sich ein Maurer aus Posen mit der Angabe, er habe in Lippstadt auf der Baustelle einen Kollegen ermor­det und verscharrt, sein Gewissen lasse ihm keine Ruhe. Der Mann wurde vorläufig verhaftet.

Ein schweres Brandunglück ereignete sich in der Kame­runer Straße in Berlin. Dort wollte die Ehefrau Emma des Wächters Kapitke im Küchenherd Feuer anmachen und goß aus einer Kanne Petroleum auf die bereits brennen­den Holzscheite Die Kanne explodierte. Die Frau wurde dabei so schwer verbrannt, daß sie bald danach starb. Einen schrecklichen Selbstmord verübte in Barmen der Schießmeister Schulte, Vater von vier Kindern. Er nahm Dynamit in den Mund, zündete es an und wurde in Atome zerrissen. Der Grund zu der Tat ist in Familienzwistig­feiten zu suchen.

nen Tische saß der unheimliche alte Mann, freideweiß, mit verzerrten Zügen. Hatte Adrian sich nicht getäuscht? Nein, er ist es. Allein wo ist sie? Seine Tochter? Adrians Blickte streiften unruhig umher. Plöhlich wird er durch einen heftigen Wortwechsel des Fremden aufgeschreckt; ein häßliches Wort, vom Gegner des Alten ausgestoßen, tönt zu ihm herüber. Ein immer unangenehmer werden= der Streit zwischen dem Alten und einem beleibten blond­haarigen Manne mit einer echten Beamtenphysiognomie scheint sich zu entspinnen. Von seiten der Croupiers ist man sichtlich bemüht, Ruhe zu schaffen und den Blondhaari­gen zu besänftigen. Was weiter verhandelt wird, Adrian hat es nicht beachtet; pochenden Herzens hat er bemerkt, daß sich im Hintergrunde eine schlanke, zarte Gestalt von einem Sessel erhebt und, höchste Verwirrung und Angst in dem lieblichen Antlig, auf den alten, aufgeregten Herrn zueilen will. Ohne sich zu besinnen, ist Adrian an ihrer Seite und, ihr den Arm bietend, führt er sie ins Freie.

Schwer parfümierte, von Gas erhitzte Luft schlug ihm fast betäubend entgegen; Konzert, Musik tönte halbleise aus einem der Nebensäle herüber; buntes, geschäftiges Ge­wühl umwogte ihn. Durch die geöffneten Fenster drang dumpfe, feuchte Schwüle herein, Luft wie in einem Glas­hause, mit ihr aber auch der Duft von verblühenden Rosen, Heliotrop und Reseda.

Adrian setzte sich auf einen in einer Fensternische ste= benden Diwan und blidte in das Getümmel. Plötzlich

Beide haben kein Wort miteinander gewechselt, doch fühlt Adrian, daß dies der beseligendste Augenblick seines Lebens ist. Gedanken und Befürchtungen wirbeln wie im Sturmwind in ihm durcheinander. Aus der sie umgeben­den Finsternis und Sünde muß sie errettet werden. Beide stehen im Freien, der Alte neben ihnen. Der junge Mann stammelt einige Worte über den bedauerlichen Zufall, der die Gnädige so erschreckt.

von Blut. Hier, Ihre Tochter stände am Ende schutzlos solchen Verhältnissen gegenüber. Mein Herr, mein Name ist van der Landen. Meine Familie ist in Berlin an­sässig; ich habe noch kaum zwei Jahre vor mir, dann trete ich in den Staatsdienst." Und während seine innere Er­regung ihn fast zu übermannen drohte: Mein Herr! Es mag Ihnen sonderbar erscheinen, allein, beurteilen Sie mich nicht falsch!.. Ich liebe Ihre Tochter... Tassen Sie mich hoffen!" Der Fremde sieht den jungen Mann sehr erstaunt an, dann bricht er in ein häßliches Gelächter aus: ,, Die Dame ist meine Frau!" Ein wie um Hilfe bittender Blick aus den Augen des schönen, jungen Geschöpfes, ein Blick, den Adrian nicht mehr zu vergessen vermag, bis auf diese Stunde, und beide sind, während er wie betäubt vor sich hinstarrt, im Dunkeln verschwunden.

,, Beschimpfung!" knirschte der Alte; allein ich werde Satisfattion verlangen. Eine derartige Beleidigung kann nur durch Blut abgewaschen werden."

,, Seien Sie versichert, mein Herr," erwiderte Adrian, daß ich, obschon ich nicht die Ehre habe, Sie näher zu fennen, Sie für einen Gentleman halte. Nein, bitte, las­sen Sie mich ausreden! Sie sprachen von Satisfattion,

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Auf immer! Vergebens hat Adrian, der Mutter Spötterei nicht achtend, soweit es ihm möglich, Nachfor schungen nach ihnen angestellt, unermüdlich noch von Hei delberg aus; er vermochte sie nicht mehr zu finden. Und bis auf diese Stunde quälte ihn der Gedanke, daß diese Frau unglücklich war und seiner Hülfe bedurfte, daß er vielleicht sein ganzes Lebensglück auf immer aus den Hän­den gleiten ließ.

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Während Adrian diese Erinnerungen an sich vorüber­ziehen ließ, hatte er nicht beachtet, daß sein Vater in das Zimmer getreten war. Sinnt der Herr Konsul vielleicht auf einen neuen Handelsvertrag?" sprach der alte Herr van der Landen, indem er hinter seine Sohn trat.

Es war ein großer, breitschultriger Mann, phlegma­tisch, von muskulöser Fülle. Willensfestigkeit und zähe Anhänglichkeit an seine einmal gefaßte Ueberzeugung präg ten sich in seinen runden grauen Augen, in den harten Li­nien um seinen Mund aus. Auf Erwerb und Geld erpicht, wie die Römer auf Eroberung, war er als junger Mann mit seinem Bruder nach der deutschen Residenz gekommen. ( Fortsetzung folgt.)

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