Gießener Zeitung
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Deutschland als Störentried.
In Berlin befindet sich ein Geschäft, das sich u. a. mit dem Ankauf abgelegter Kriegsschiffe befaßt, die es dann, ein wenig aufgefrischt, an irgend eine jener Regierungen weiterverkauft, denen das Geld und wohl auch die Notwendigkeit fehlt, sich eine neue Flotte zu be= schaffen. Dieses Geschäft, das einem Herrn Georg Grotstück, der im Nebenberuf noch Konsul der Republik Ecuador ist, gehört, kaufte vor einiger Zeit von der italienischen Regierung das ausrangierte Kriegsschiff„ Umbria" und gab es dann an die Republik Haiti weiter. Das Fahrzeug wurde nun durch deutsche Seeleute unter deutscher Flagge nach seinem Bestimmungsort befördert. Nun gingen dem Schiff auf seiner Reise Kohlen und Proviant aus, sodaß es den nächsten Hafen anlaufen mußte.
zu
der Großherzoglichen des Großherzoglichen Bürgermeisterei Polizei Amfes sowie vieler anderer Behörden Oberhessens Expedition: Seltersweg 83.
( Haus Brüder Schmidt.)
Montag, den 19. Juni 1911.
tet, wo Deutschland schwach wird. Und darum sind sie zugleich die Bestätigung, daß eine Abrüstungspolitik, wie sie von verschiedenen Parteien angestrebt wird, für Deutschland eine Selbstvernichtungspolitik wäre. Nur so lange wir stark sind, können wir diese fleinen Nadelstiche ertragen und, wie Caligula über die Anfeindungen lächelnd, dem Wahlspruch huldigen: Mögen sie mich hassen, wenn sie mich nur fürchten.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 19. Juni. Zum Universitätssekretär an der Landesuniversität wurde der Sekretariats- Assistent Wilhelm Erle ernannt.
Erledigte Lehrerstellen. Eine mit einem ev. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Annerod, Kr. Gießen und die erste Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Petterweil, Kr. Friedberg. Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden.
b= Die 29. allgemeine Pfarrkonferenz der evangelischen Geistlichen der Provinz Oberhessen findet hier morgen, Dienstag, den 20. d. Mts., in Steins Garten statt. Hauptgegenstand der Verhandlungen ist der Vortrag von Pfarrer Ködding- Gelnhaar: ,, Auf welche Weise kann das Missionsinteresse in weitere Streise getragen werden?" Zu den Verhandlungen sind Gäste herzlich willkommen.
soge=
Die hess. Lehrer und der Organistendienst. Nachdem die hessische Lehrerschaft wohl, als auch ein großer Teil der fortschrittlich sinnten Geistlichkeit seit Jahren bereits die Aufhebung des Artikels 50 des hessischen Volksschulgesetzes verlangt, wonach der Lehrer seither verpflichtet war, die mit seiner Stelle verbundenen kirchlichen Funktionen zu übernehmen, hat das Ministerium des Innern dem Vierten Ausschuß der Zweiten Kammer jetzt ein Schreiben zugehen lassen, wonach die Regierung nunmehr bereit ist, diesen Artikel 50 aufzuheben. Sie gibt dabei allerdings der Erwartung Ausdruck, daß die Lehrer sich bereit fänden, den Organistendienst freiwillig auch fünftighin zu übernehmen. Auch eine Umfrage bei den Kreisschulkommissionen ergab deren einmütiges Eintreten für den Wegfall des Artikels 50.
Soweit wäre nun alles noch recht harmlos gewesen, wenn nicht dieser Hafen zufällig Las Palmas hieße, derselbe Ort, wohin sich der Expräsident C a stro von Venezuela zurückgezogen hatte. Dieses merkwürdige Zusammentreffen genügte nun, um in Venezuela die furchtbarste Aufregung hervorzurufen und alle Welt zu überzeugen, daß Castro, der ruhende Löwe, erwacht und auf dem Wege sei, sich seine alte Machtstellung wieder erobern. Natürlich hat er das Kriegsschiff auf irgend eine geheimnisvolle Weise angekauft, und steht nun im Begriff, jeden Augenblick Venezuela zu überfallen und es mit seinem einen Kriegsschiffe zu erobern. Und da das Kriegsschiff unglücklicherweise noch unter deut- versität, insbesondere der städtischen Anstalten zum Staat scher Flagge fährt, so ist auch der letzte Zweifel ge= schwunden, und alle Welt hat einen neuen Beweis, mit welch heimtückischer Hinterlist Deutschland sich überall dort beteiligt, wo sich ihm nur irgendwie die Gelegenheit bietet, Unheil anzustiften! Denn sowie der Name „ Deutschland" mit einer„ Affäre" verbunden ist, klingt sie für die Welt glaubhaft, mag sie auch noch so albern und offensichtlich erfunden sein.
So lange man so handelt, um uns als den bösen schwarzen Mann" zu gebrauchen, mit dem man die politischen Kinderchen erschreckt, kann es uns ziemlich gleichgiltig sein. Zu Bedenken gibt es aber Anlaß,
wenn
ein System daraus gemacht wird, uns in jeder Situation zu beschuldigen, die entweder nicht ganz einwandfrei, oder aber geeignet ist, irgendwo politische Verwickelungen hervorzurufen. Und das ist jetzt allmählich der Fall geworden. In Marokko sollen wir die Spanier aufgestachelt, im Winzerstreik in der Champagne die Aufständischen zum Aushängen deutscher Fahnen veranlaßt haben, und was dergleichen Schandtaten mehr sind kurz, wo etwas geschieht, Deutschland muß dabei sein, und eine wahre Freude ist es zu sehen, mit welcher Wollust die„ guten Freunde" dann über uns herfallen; und schmunzelnd wird auch jetzt wieder in der Kriegsschiff- Angelegenheit von amerikanischer Seite erklärt, daß das Schiff, das augenblicklich scheinbar keinem Staate gehöre, als Piratenschiff behandelt und Deutschland weggenommen werden könne. Nun, diesem Freundschaftlichen Rate bis zur praktischen Ausführung ist ja noch ein weiter Weg, den zu gehen sich glücklicherweise eine jede Macht scheut. Aber jedenfalls sind diese fortwährenden Anrempelungen ein warnender Beweis, daß Deutschland in der Welt alles andere eher als beliebt ist, und daß, trotz aller Friedens- und Abrüstungsvorschläge, alles nur auf den Augenblick war
von
* Die Universität Frankfurt. Am Mittwoch erfolgte die einstimmige Annahme des Kom= missionsberichts, der jetzt der Oeffentlichkeit bekannt gegeben wird. Auf 36 Seiten enthält das wichtige Schriftstück Mitteilungen und Bestimmungen über den Charakter der Stiftung als Universität, über Allgemeine Organisation und Fakultätsverfassung, über das Recht der Besetzung der Lehrstühle und Verhältnis der Uniüber den Vertragsabschluß mit den in Betracht kommenden Stiftungen und Vereinen, über die finanziellen Grundlagen. Weiter verfolgen vergleichende Aufstellun gen mit den Budgets der Universitäten Gießen und Tübingen. Dann spricht der Bericht über die Ausgestaltungen der Kliniken und Institute. Ferner werden die Bedürfnisse einer medizinischen Fakultät im Allgemeinen erörtert, wobei man mit einem Besuche von 3- bis 5000 Studierenden rechnet. Schließlich bringt der Bericht eine Veranschlagung der Universitätseinnahmen aus Gebühren, die 47 000 Mark vorsehen, dann die Regelung der Pensionsverhältnisse und endlich eine Reihe von Anträgen. Der sehr gründlich und sachlich ge= haltene Bericht wird nunmehr am 29. Juni der Stadtverordnetenversammlung zur Beratung vorgelegt.
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( Gießener Tageblatt)
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23. Jahrg.
sel- Frankfurt im Laufe der Jahre immer schlechter ge= worden sei. Die Eilgüterzüge brauchten heute etwa 5 Stunden mehr als zur Zeit ihrer Einführung. Die Folge davon sei, daß das Transportvich viel länger unter= wegs sein müßte und darunter leide. Nachdem die Handelskammer festgestellt hatte, daß auch in Viehhändlerkreisen des Handelskammerbezirks Gießen über langsame Viehbeförderung geklagt wird, ist sie gemeinsam mit der Handelskammer Friedberg wegen Einführung eines Viehexpreßzuges, der in Hamburg abgehen, in Hannover die Viehtransporte von Bremen, Oldenburg und Leer, in Kreiensen das Vich von Berlin aufnehmen und in Frankfurt- Sachsenhausen einmünden soll, vorstellig geworden.
Ruppertenrod, 19. Juni. Ein Kampf zwischen einem Hühnerhabicht und mehreren Raben wurde in nächster Nähe unseres Dorfes beobachtet. Der Habicht stieß auf ein in den Wiesen gehendes Huhn und suchte es fortzutragen. Die Raben stürzten sich wütend auf den Räuber, der die Beute fahren ließ. In dem Stampf mit den Raben ermattete der starke Habicht so, daß er sich am Bachesrand niedersetzte und nicht bemerkte, daß sich jemand von hinten ihm näherte. Der Mann griff tapfer zu und fing den Habicht. Das schöne Exemplar wanderte zum Präparator.
Dienstzeit tritt der Kreisrat, Geheimer Regierungsrat Schönfeld, am 1. Oktober in den Ruhestand. Aus diesem Anlaß wurde ihm vom Großherzog die Krone zum Komturkreuz 2. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. Als Nachfolger wurde der Vorstand des Polizeiamts Darmstadt, Regierungsrat Dr. Eugen Kranzbühler ernannt.
*) Schotten, 19. Juni. Nach mehr als 50jähr.
=)(= Alsfeld, 19. Juni. Schwer verletzt wurde der Knecht eines Landwirts in Reimenrod. Er war an einer abschüssigen Waldschneise so unglücklich unter die Räder des beladenen Tannenwagens geraten, daß sie ihm das Rückgrat eindrückten.
ver=
n- Darmstadt, 17. Juni. Die Hess. Handwerkskammer tagte gestern im Rathaussaal unter Vorsitz des Gewerberats Fald- Mainz. Syndikus Engelbach erstattete den Vorstandsbericht, dem wir folgendes entnehmen: Der kleine Befähigungsnachweis ursachte neben dem Anwachsen der Dienstgeschäfte auch eine erhebliche Steigerung der Gesellen- und Meister= prüfungen. Zur Abnahme der Gesellenprüfungen sind im ganzen 177 Gesellenprüfungsausschüsse errichtet. Die Zahl der Prüflinge ist in stetem Steigen begriffen. Insgesamt haben sich bis jetzt 16 574 Lehrlinge der Gefellenprüfung unterzogen. Die Meisterprüfung bestanden 1908 118 und 1909 334 Prüflinge. Die Zahl der gewerblichen Korporationen ist auf 243 gestiegen. Der Hessische Handwerkertag in Gießen und die darauf mit den Antragstellern und den Behörden gepflogenen Beratungen haben als Ergebnis den Nachtrag zum Verdingungserlaß gezeigt und eine Reihe von Handwerkerwünschen erfüllt. Petri- Gießen erstattete den Rechen= schaftsbericht für 1910, der eine Einnahme von 54 386 Mark und eine Ausgabe von 53 368 Mark aufweist. Ueber die Errichtung neuer Gesellenprüfung s- Ausschüsse berichtet Lautz- Darmstadt und die Versammlung genehmigte die Neuerrichtung solcher Ausschüsse für die Bäcker- Jnnung Ober- Ramstadt, die Fleischer- Innung Alsfeld, die Bäcker- Innung Groß- Umstadt, die Metzger- Jnnung- Michelstadt, die Dentisten- Innung für Hessen und den Ortsgewerbeverein Allendorf a. L. Ueber die Vorschriften für das Lehrlingswe= * Die Kriegerkameradschaft Hassia, sen berichtet ebenfalls Lauzz. Die Lehrzeit für weibdie 67 800 Mitglieder zählt, hält am 25. Juni in Friedliche Lehrlinge wird für Weißnäherinnen, Weißsticker= berg ihre Hauptversammlung ab. Eine reichhaltige Tagesordnung steht zur Beratung. Ein Antrag des Bezirks Vilbel wünscht die Verleihung von Denkmünzen an die Kriegsteilnehmer von 1870-71 aus Anlaß der 40jährigen Wiederkehr der Errichtung des Deutschen Reichs. Weiter wird über die Stellungnahme des Verbandes zu Vereinigungen verhandelt, die, wie der Verein ehe maliger 116 er, in einer größeren Anzahl Orte des Landes Mitglieder besitzen. Viele Vereine glauben sich dadurch in ihrer Entwickelung gestört. Der Antrag BadNauheims, betr. Kundgebung des Präsidiums bei politischen Wahlen, hat bereits lebhafte Besprechungen auf den Bezirkstagen hervorgerufen.
innen, Puhmacherinnen und Damenfriseusen auf zwei Jahre, für alle übrigen weiblichen Lehrlinge, Damenschneiderinnen 2c. auf drei Jahre festgesetzt.
Ueber
das Verdingungswesen erstattete Sommer- Darmstadt ein Referat, worin er die Wünsche näher darlegte, die von den Arbeitgeberverbänden des Baugewerbes von Darmstadt, Mainz, Offenbach, Gießen, Worms, Friedberg, Nauheim und Langen der Handelskammer vorgetragen wurden. Es handelt sich im wesentlichen um Vergütung aller derjenigen Schutz- und Sicherheitsvorrichtungen bei Bauten, die allen am Bau beschäftigten Gewerben zugute kommen und die der Einzelne nicht herstellen kann. Ueber die Fürsorge für die gewerbliche Vieh Expreßzüge Hamburg- kas- Jugend sprach Klingelschmidt- Mainz und über die Handsel Frankfurt. Die Handelskammer Friedberg werker- 3entral- Genossenschaft Rodel- Darmstadt. Das Inhat der Handelskammer Gießen mitgeteilt, es sei stitut hat sich günstig entwickelt. Das Vermögen ist von von einigen Interessenten darauf hingewiesen worden, 50 000 mt. auf 188 000 Mt. und der Umsatz von Mk. daß die Viehbeförderung auf der Strecke Hamburg- Raf- 40 000 auf über 200 000 Mt. gestiegen.
Meine Dampfmaschine.
Samals war ich noch so jung an Jahren und noch jünger an
6' Juh!" menn er den hebel herunterdrückte, aber es flang
Der fleine Pfeifer schrie aber trotzdem von Zeit zu Zeit
Stizzen aus
Marotto.
Das Pps eines Haustieres Er selbst trägt teinen Korb, denn er ist stolz. Seine Frau hat Maultiere voer fleinen Glet figend, feine Chehalfte begleitet. boch zu des Tyrannen
Flinte im Arm, auf dem einzigen, dem Umfallen


