Ausgabe 
18.4.1911 Erstes Blatt
 
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Keine Sonderzüge im Kaisermanöver mehr.

sonen des Beurlaubtenstandes die Erfüllung ihrer milt­tärischen Pflichten erschwerten durch Androhen der Ent­lassung oder durch Auferlegung der Bedingung, binnen Jahresfrist nicht zu üben oder sich nicht zum Reserveofft= zier wählen zu lassen. Es set nicht zu verkennen, daß bei den heutigen scharfen Wettbewerbsverhältnissen der zeit­weilige Ausfall einer Arbeitskraft für den Arbeitgeber empfindliche Nachteile haben könne. Anderseits werde aber von vielen Firmen den Angestellten und Arbeitern der erforderliche Urlaub, auch unter Fortgewährung des Ge­halts, gern erteilt. Doch fände sich bei manchen Firmen ein zu weit gehendes Bestreben, sich den Unzuträglichkeiten zu entziehen, die ihnen aus der Erfüllung gesetzlicher Pflich­ten durch ihre Angestellten und Arbeiter entstehen könnten. Im Interesse des Staatswohles sei es unerläßlich, auch die schwer abkömmlichen militärpflichtigen Personen mög­lichst häufig zu Uebungen heranzuziehen. Der Reichstanz­ler wendet sich deshalb an die stets befundete vaterländi­sche Gesinnung der Mitglieder des Deutschen Handelstags und bittet den Vorstand, seinen weitreichenden Einfluß ir dieser wichtigen Frage geltend machen zu wollen.

Eine Mahnung an Montenegro. Mehrere Großmächte, darunter Rußland, unternahmen gemeinsame Schritte in Cetinje, um Montenegro, mit Rücksicht auf die Situation in Albanien, an seine internationalen Verpflichtungen zu erinnern.

Wie der Korrespondenz Seer und Politik" von militä­rischer Seite mitgeteilt wird, ist eine Bestimmung des Kai­fers in Anbetracht der diesjährigen Kaisermanöver ergan= gen, daß in Zukunft die Sonderzüge in den Kaisermanövern wegfallen sollen. Sie werden von jetzt an nur noch durch Automobile ersetzt werden. Dadurch erhalten die Kai­fermanöver auch in dieser Beztehung eine völlig kriegs­mäßige Ausgestaltung. Bisher war es Gewohnheit, die Gäste und das Gefolge des Monarchen in Sonderzügen in die Nähe des Manöverfeldes zu bringen, von wo die wei-= tere Beförderung auf das Gelände selbst zumteil durch Pferde, zumteil durch Automobile erfolgte. Im vorigen Jahr wurden 8 Automobile von der kaiserlichen Hofverwal­tung angekauft, mit denen versuchsweise zum ersten Mal die Beförderung des faiserlichen Gefolges auss Manöver­feld vorgenommen wurde. Die Beförderung durch einen Sonderzug war öfters dadurch besonders schwierig, daß sich in der Nähe des Manöverfeldes fein geeigneter Bahnhof befand, von dem aus die notwendige Zeitung des Zuges und die fahrplanmäßigen Bestimmungen erfolgen konnten. Es wurde darum vor einigen Jahren ein transportabler Bahnhof zum Gebrauche des Kaisers im Kaisermanöver er­baut, der sehr schnell dort aufgebaut werden konnte, wo thn die Lage des Manövergeländes erforderlich machte. Na­turgemäß bildete dieses transportable Gebäude eine große Belastung, die besonders im Kriege nicht sehr vorteilhaft sein konnte. Andererseits bildete das notwendige Fest­halten am Schienenstrange eine starke Einschränkung bet der Bestimmung des Manöverfeldes, so daß sich die Son­derzüge als eine große Behinderung erwiesen. Ausschlag­gebend für den Wegfall dieser Züge war aber der Umstand, daß die früheren verhältnismäßig fleinen Schlachtfelder, bei denen jede Stellung und jeder Punkt sehr schnell zu Pferde zu erreichen war, jetzt ganz anderen Umfang ange­nommen haben. Besonders die Schlacht Hei Mukden hat erwiesen, daß die bisherige Beförderungsart, die auch schon bei den beiden letzten Kaisermanövern nicht ausgereicht hatte, als veraltet anzusehen ist. Es wäre heute bei einer Schlacht, die sich über viele Mellen ausdehnt, nicht mehr möglich, die Offiziere usw. aus der Umgebung des Kaisers in der bisherigen Art an Ort und Stelle zu bringen. Da aber das Manöver das Abbild einer Schlacht ist und sein soll, so ist die Ausdehnung des Manövergeländes heutzu­tage auch bereits sehr bedeutend. Die Automobile, die bis­her nur versuchsweise angewendet wurden, werden von nun an bei allen Kaisermanövern eine ständige Einrichtung bilden.

Rundschau vom Cage.

Politisches.

Wien und Sofia. Gleichzeitig mit mehreren Mitglie= dern des österreichischen und ungarischen Hochadels erhielt König Ferdinand von Bulgarien vom Kaiser Franz Josef das goldene Vlies. Die Ordensauszeichnung wird als Zei­chen dafür angesehen, daß die Wiederannäherung zwischen dem König und dem Wiener Hof vollständig vollzogen ist.

Der Kronprinz geht doch nach Danzig. Die Nachricht, daß das Kommando des Kronprinzen nach Danzig in Frage gestellt sei, weil die Räumlichkeiten für die Unterkunft des Hofhalts nicht ausreichen, verdient keine große Glaubwür­digkeit. Im Gegenteil; in unterrichteten Kreisen wird mit aller Bestimmtheit daran festgehalten, daß der Kron­prinz am 1. Oktober sein Kommando bei den Leibhusaren antritt.

Wechsel in der amerikanischen Botschaft in Berlin. Nach einer Washingtoner Meldung ist Botschafter Dr. Hill von seinem Berliner Posten zurückgetreten. Präsident Taft hat sein Rücktrittsgesuch angenommen.

Volkswirtschaftliches.

Die Zentralauskunftsstelle für Auswanderer in Bers lin W 35, Am Karlsbad 10 hat im ersten Vierteljahr 1911 in 5214 Fällen Auskunft an Auswanderungslustige erteilt. Beantwortet wurden insgesamt 7698 Anfragen über die verschiedenen Auswanderungsgebiete. Davon bezogen sich 4031 auf die Deutschen Kolonien, und zwar auf Deutsch­Südwestafrika 1562, Deutsch- Ostafrika 844, Kamerun 328, Togo 277, Samoa 83, Deutsch- Neuguinea 57, die Karolinen, Palau und Marianen 24, Riautschou 37 usw. Unter den fremden Auswanderungsgebieten steht Argentinien mit 768 Anfragen an der Spitze. Es gibt aber kaum ein Gebiet der Erde, über das nicht Anfragen eingelaufen und beantwortet wären. Von den 3307 Anfragenden, die ihr Alter angaben, waren 426 weniger als 20 Jahre, 2184 zwischen 20 und 30, 546 zwischen 30 und 40, 177 zwischen 40 und 50, und 24 über 50 Jahre alt, und von den 3994 Fragestellern, die Angaben über ihren Personenstand machten, waren 2937 ledig, 1036 verheiratet und 21 verwitwet. Nach dem Berufe waren unter den Anfragenden am stärksten die Kaufleute, Hand­werker und Landwirte vertreten. Von den Anfragen kamen aus Preußen 3232. An der Spitze der übrigen Bundes­staaten steht das Königreich Sachsen mit 387, es folgen Bayern mit 330, Baden mit 209, Württemberg mit 176, Hamburg mit 166, Hessen mit 68 usw. Die Zentralauskunfts­stelle für Auswanderer erteilt kostenlos schriftliche und mündliche Auskunft.

Die Wehrsteuer in Ruhland. Der russische Finanzmi­nister unterbreitete dem Ministerrat eine Gesetzesvorlage, wonach alle Nichtwehrpflichtigen während eines Zeit­raums von vier Jahren nach ihrer Befreiung von der Wehrpflicht eine Abgabe von jährlich sechs Rubel zu ent­richten haben.

Kleine Nachrichten.

Prinz Heinrich von Preußen unternahm am Donners­tag auf dem Darmstädter Truppenübungsplatz zwei Flüge auf einer Euler- Flugmaschine, die der Prinz, trotzdem er seit seiner Pilotenprüfung vor& Monaten nicht mehr ge­flogen war, mit großer Sicherheit ausführte. Die betreffen­de Maschine wurde von dem Einjährig- Freiwilligen Rei­charōt bei seinem Fluge von Darmstadt nach Frankfurt a. M. zur Begleitung des Zeppelin- Luftschiffes benutzt.

Das Luftschiff Deutschland" stieß Freitag nachmittag beim Herausbringen aus der Düsseldorfer Halle durch ein Versehen der Bedienungsmannschaften mit dem hinteren Propeller und einem Seitensteuer gegen die Ecken der Halle. Propeller und Steuer wurden erheblich beschädigt, sodaß fie ausgewechselt werden müssen. Bis die Ersatzteile aus Friedrichshafen eingetroffen und montiert sein werden, dürften mehrere Tage vergehen.

Aus dem Reiche der Technik.

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Die größten Schiffahrtsschlensen der Welt bekommt nach feiner Erweiterung der Kaiser- Wilhelm- Kanal( Nord- Ost­seekanal). Sie werden noch größer als die Schleusen am Panamakanal und reichen voraussichtlich auch bet stärker anwachsenden Schiffsabmessungen noch auf lange Jahre ht­naus. Nach Fertigstellung werden die Schleusen eine Länge von 330 Metern, eine Tiefe von 14 Metern und eine Breite von 45 Metern haben, gegenüber 305, 12, und 33,5 Metern für die entsprechenden Maße der Schleusen am Panama­kanal.

Die Gefahren der Aviatik. Der Aviatiker Rost in Har­burg unternahm mit seinem neuerbauten Apparat einen Flugversuch. In einer Höhe von 15 Metern flog der Pro­peller, der anscheinend zu schwach gebaut war, auseinander, und der Apparat stürzte in die Tiefe. Er wurde gänzlich zertrümmert. Rost erlitt eine Verletzung am Kopf und verstauchte sich beide Beine.

Das Konsistorium der Rheinprovinz hat dem Pfarrer Radecke in Cöln wegen seiner Berliner Jathorede eine Zurechtweisung erteilt. Die Kirchenbehörde spricht ihm thr ernstes Mißfallen darüber aus, daß er in einer agita­torischen Versammlung mitgewirkt habe und bedauert dies umsomehr, als es sich dabei um eine in einem gesetzlich geordneten Verfahren schwebende Angelegenheit handelt. Die Stellung der Konservativen zur Reichsversiche rungsordnung wird auch durch eine Notiz der Deutschen Tagesztg." beleuchtet, worin sie für deren Erledigung noch durch diesen Reichstag eintritt. Was wird fragt das Blatt wenn der Entwurf jetzt scheitert?" Und sie gibt darauf folgende Antwort: Er würde sicher wiederkommen, ja wahrscheinlich dem nächsten Reichstage sofort wieder vor­gelegt werden. Ob sich dann vom Standpunkte der rechts­stehender Parteien auch nur das erreichen lassen würde, was jetzt erreicht wird, ob eine Mehrheit sich wieder zu­sammenfindet wie jetzt, das ist mindestens fraglich. Dess halb muß man trotz aller Bedenken vom Standpunkte des nüchternen abwägenden Realpolitikers wünschen, daß die Reichsversicherungsordnung nicht scheitere, sondern vom Jezigen Reichstage in zweckmäßiger und erträglicher Weise erledigt werde.

Urlaub zur Erfüllung militärischer Pflichten. Der Reichstanzler hat an den Deutschen Handelstag ein Schreis ben gerichtet, worin es heißt, von militärischer Seite sei darauf hingewiesen worden, daß einzelne kaufmännische und industrielle Firmen dienst- und übungspflichtigen Per­

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Des Rätsels Lösung.

Roman von Ludwig Blüm ck e. ( Nachdruck verboten.)

Das Opfer seiner Unvorsichtigkeit wurde in Kottbus ein Ackerbürger. Er wollte einem seiner Kinder, dem ein Glas Medizin zum allmählichen Einnehmen( mehrstündlich einen Teelöffel voll) verordnet war, dadurch Mut zum Trinken machen, daß er den größeren Teil auf einmal aus­trank. Er starb nach kurzer Bett an den Folgen seiner Un­vorsichtigkeit.

Die Desinfektion der Eisenbahnwagen. Ein interessan. ter Riesenapparat ist fürzlich von der Potsdamer Eisen= bahnhauptwerkstätte in Betrieb genommen worden. Er dient zur Desinfektion von Eisenbahnwagen. Bisher war die Säuberung der Wagen von Krankheitsfeimen und Unge­ziefer sehr schwierig, fostete viel Zeit und Geld und wurde niemals gründlich durchgeführt. Jetzt wird der zu desinfi­zierende Wagen, der etwa 1200 Bentner wiegt, mit geöff­neten Fenstern einfach in einen Riesenkessel geschoben, und aus 250 Röhren strömt fünf Stunden lang heißer Dampf durch alle Abteilungen. Dann wird die Luft herausgepumpt und alle Keime in den Polstern und Riten sind getötet.

Vom elektrischen Starkstrom getötet. Beim Gut Quarn­bet bet Kiel brachen in schwerem Sturm vier Masten der Starkstromlettung ber Gutszentrale. 3wet vom Felbe heimkehrende pointsche Arbeiter und eine polnische Arbet­terin wurden beim Passieren der Unfallstelle durch Berüh­rung der Stromlettung sofort getötet.

Sardi war höchlichst überrascht und wußte im Augen­blich nicht, ob die schöne Komtesse im Scherz oder im Ernst zu ihm sprach. Wie ste ihre Frage aber recht nachdrücklich wiederholte, da verbeugte er sich und antwortete:

Eine förmliche Gesundbeterepidemie ist in Ispringen ( Baden) ausgebrochen. Die Kranken wurden in die Het­delberger Jrrenklinik gebracht. Der leitende Arzt der Kli­nik bestätigte in einer Unterredung, daß die Geistesfrank­hett tatsächlich mit den intensiv betriebenen Gebetübungen zusammenhänge.

Aus den Gerichtssälen.

Die Folgen einer Urlaubsüberschreitung. Der Unter­offizier Grueßner vom 63. Infanterieregiment in Oppeln war am 28. Februar d. J. bis nach 12 Uhr ohne Urlaub aus­geblieben und wollte dann über die Maner in die Kaserne. Der auf Posten stehende Musketier Winkler hielt ihn fe­doch fest. Grueßner riß sich aber los und versetzte dem Bo­ften mehrere Schläge auf den Helm und die Hände. Das Kriegsgericht der 12. Division in Neiße verurteilte den Unteroffizier zu zwei Jahren drei Tagen Gefängnis und Degradation.

Ein entsetzliches Brandunglück hat sich in Essen a. d. Ruhr zugetragen. Dort spielten in einer Arbeiterwoh­nung die Kinder in Abwesenheit der Eltern mit Streich­hölzern. Dabet brach Jeuer aus, und die drei Kinder im Alter von sechs Monaten, zwet und vier Jahren sind töölich verbrannt.

Aus einer brennenden Seifenfabrik gerettet wurden in Neuvork 50 Mädchen durch die Geistesgegenwart der Werk­führerin, die nach der letzten Katastrophe am Washington­plab Feuerdrill einübte, dessen Ausführung beim Ausbruch des Feuers trotz der Panik durchsetzte und alle Mädchen die Notlettern hinunterführte.

Ganz wie Gnädigste befehlen! Ich werde schweigen!" Mit einem triumphierenden Lächeln in ihrem schö nen Gesicht fuhr die Komtesse nun fort: Ich brauche not­wendig Geld, nur 2000 Mark. Wozu, das muß Geheimnis bleiben. Andeuten möchte ich nur, daß es zu einem gu­ten Zwecke verwendet werden soll. Ein Telegramm an meine Mutter, an irgend eine Freundin oder Bekannte, ein Wort an meine Schwester, und ich hätte dieses Sümm­chen, um das ich gerade in Verlegenheit bin, da ich nicht darauf vorbereitet war, daß ich es so plötzlich brauchen müß­te. Aus mancherlei Gründen möchte ich mich an jene nicht wenden. Vielmehr wollte ich Sie bitten, mir das Geld binnen 24 Stunden zu beschaffen. Es wird Ihnen das ja feine große Mühe verursachen. In drei Tagen würde ich es Ihnen zurückgeben können."

Ein Heiratsschwindler, durch dessen Streich eine Hoch­zeitsgesellschaft in eine unangenehme Situation geraten war, hatte sich am Donnerstag vor dem Strafrichter zu verantworten. Wegen Betruges hatte das Schöffengericht Berlin- Mitte gegen den Schweizer Wilhelm Meyer zu ver­handeln. Der Angeklagte machte vor einiger Zeit die Be­fanntschaft einer Schneiderin, mit der er ein Liebesver­hältnis einging, welches nach seiner Versicherung zu einer Ehe führen sollte. Die Verlobung fand auch in sehr feier­Itcher Weise unter dem Weihnachtsbaum statt. Da der Bräutigam klagte, daß er kein Geld habe, sich einen Hoch­zeitsfrack zu laufen, ging die Braut mit ihm zum Schneider und ließ ihn vom Kopf bis zum Fuß nen einkleiden. Nicht genug damit, opferte sie auch noch thre Ersparnisse in Höhe von 300 M, mit welchen der zufünftige Ehemann Einrich­tungsgegenstände kaufen sollte, da die Hochzeit schon auf den 27. Februar angesetzt war. Als dieser Tag herangekommen war, hatte sich eine größere Hochzeitsgesellschaft eingefun­den. Die zukünftige junge Frau hatte schon ihren bräut­Itchen Staat angelegt und wartete nur noch auf das Erschei= nen ihres Bräutigams. Wer aber nicht kam, war der Bräu­tigam. Nach längerem vergeblichen Warten erfundigte man sich nach der von M. angegebenen Adresse nach der Ursache feines Ausbleibens. Zum allgemeinen Entsetzen stellte es sich heraus, daß die Adresse falsch und ein Mann namens Meyer dort unbekannt sei. Auf die sofortige Anzeige der Braut wurde der Angeklagte, der nach Leipzig geflüchtet war, dort verhaftet. Das Gericht verurteilte den Meyer zu einer Gefängnisstrafe von einem Monat.

ich verbindlichst und werde mich an jemand anderes wen­den. Es tut mir leid, davon gesprochen zu haben," sagte sie darauf mit blitzenden Augen, den Kopf beleidigt in den Nacken werfend.

Hardi biß sich auf die Lippen. Selbstverständlich mußte er sich bereit erklären, Edelgard diesen an sich ja geringfügigen Dienst zu erweisen. Aber, ohne ein Wort verraten zu dürfen, da würde die Sache keineswegs so einfach sein.

,, Aber ich bitte sehr," rief Sardi aus., Gnädigste Komtesse wollen mich nicht mißverstehen. Es fehlt mir ganz gewiß nicht an gutem Willen. Ich werde mit dem Nachmittagszuge nach Wedelstein fahren und hoffe dort bestimmt das Geld zu bekommen, auch ohne, daß ich es verrate, für wen es bestimmt ist."

Jedenfalls versprach er, sein Möglichstes zu tun. Weil er selber jetzt am Monatsschluß nicht bei Kasse war, so mußte er nach Wedelstein fahren, um bei seinem Vater das Geld zu leihen.

Aber dürfte ich Papa nicht andeuten, für wen die zweitausend Mark beſtimmt sind?" fragte er sichtlich ver=

legen.

So möchte ich Sie bitten, mir das Geld morgen ge= gen Mittag persönlich zu übergeben, und zwar hier an dieser Stelle."

,, Ach, wenn Ihnen die Ausführung einer solchen Ba= aatelle iraendwie Schwteriakeiten macht, dann Danke

Das dürfte unmöglich sein," erwiderte der Leutnant. Wir rücken morgen bereits um fünf Uhr früh zu einer Uebung aus, die sicher nicht vor Abend beendet ist. Ich müßte das Geld durch einen sicheren Boten schicken. Bei der Post käme ich weder heute in der Nacht, wenn ich von Wedelstein zurückgekehrt bin, noch morgen in aller Frühe

an.

Hätte es denn wirklich nicht bis zum Abend Zeit? Ich würde mich glücklich schätzen, wenn ich selber der Ueberbringer sein dürfte."

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Auch fürchtete er, je länger er darüber nachdachte, desto mehr, daß der Vater für so eine Ueberrumpelung durch­aus nicht zu haben sein würde. Er mußte alle Kraft zu­sammennehmen, um die Gesellschaft, die einen glückstrah­lenden Bräutigam in ihm vermutete, durch seine ernste Miene nicht allzusehr in Verwunderung zu sehen. Noch sind sie sich nicht einig geworden," flüsterte die Landrätin der Sanitätsrätin zu. Ich glaube, er ist zu schüchtern", meinte diese. Vielleicht hat sie auch etwas aus seiner Vergangenheit erfahren."

,, Unmöglich hat es so lange Zeit! Nein, bis Mittag muß es spätestens in meinen Händen sein. Nun, ma chen wir es so: Sie geben das Geld wohlverpadt im Blauen Stern" ab und sagen, daß das Paketchen für mich bestimmt wäre und von mir abgeholt werden würde. Oder haben Sie da auch Bedenken?"

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Ganz, gewiß nicht, gnädigste Komtesse! Der Vorschlag leuchtet mir ein!"

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,, Also bon! Hören Sie, man ruft mich! Wir müssen die Gesellschaft wieder aufsuchen, denn sonst könnte man uns böse sein."

Hardi war der Mut zu seiner Liebeserklärung ver= gangen.

Das schien der Landrätin nun das Wahrscheinlichere, und daran ließen sich allerlei interessante Betrachtungen und Reminiszenzen anknüpfen.

Das Ansinnen Edelgards tam ihm, mochte er es drehen und wenden, wie er wollte, doch recht absonderlich vor.

*

Es dunkelte bereits start, als Hardi auf Schloß Wedel stein anlangte. Heute schien dasselbe gänzlich ausgestor­ben. Selbst der alte Portier war nicht da, so daß man unbehindert in das Innere eindringen fonnte. Dort kam der Inspektor Woltersdorf dem unerwarteten Gast mit überraschter Miene entgegen, begrüßte ihn in gewohnter Liebenswürdigkeit und Unterwürfigkeit und eröffnete ihm auf seine etwas barsche Frage, daß Seine Exzellenz nicht anwesend wäre. Der Herr General würde, da er nach Dollberitz zur Jagd geladen, frühestens morgen im Laufe des Vormittags zurüd sein können. Da vermochte der Leutnant einen Fluch nicht zu un­terdrücken.

,, Dann kann ich nur gleich wieder zurückreiten. Lassen Sie mir ein Reitpferd satteln. Habe nicht Lust, bis zwölf Uhr, wo der letzte Zug ja erst zurückfährt, hier zu warten", rief er sehr ärgerlich aus. Woltersdorf eilte, den Befehl auszuführen. Aber Hardi rief ihn zurück und sagte in etwas leiserer Tonart er pflegte, wie sein Vater, für gewöhnlich recht laut zu reden: Oder lassen Sie es fein, Herr Woltersdorf. Sagen Sie Papa gar nichts von meinem Hiersein."

-

( Fortsetzung folgt.)

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