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Deutscher Reichstag.

mächtigste amerikanische Trust, als eine Verabredung und ein Monopol im Sinne des Antitrustgesetzes anzusehen set, daß mithin die Auflösung der Gesellschaft verfügt werden müsse. Indessen ändert das Gericht das Urteil der unte: ren Instanz dahin, daß den in genannter Gesellschaft zu: sammengefaßten einzelnen Unternehmungen sechs Monate Zeit gelassen werde, um ihre Geschäftsgebarung in Ueber. einstimmung mit dem Gesetze zu bringen, und daß ihnen der Geschäftsbetrieb im zwischenstaatlichen Handel während dieser sechs Monate nicht verboten wird.

Alles das warf er dem Präsidenten Madero vor und setzte ihm einen geladenen Revolver auf die Brust, aber sanft stellte der Große den Felsenmut entgegen der stürmenden Flut" und versicherte ihm, daß er sich täusche. Dann zog er ihn auf den Balkon des Rathauses, außerhalb dessen die Rebellen- Armee versammelt war. Die Soldaten schrien: Viva Madero!", aber einige riefen auch:" Viva Orosco!" Madero heischte Schweigen. Merikaner," redete er sie an, ich habe über die Wiege eurer Freiheit gewacht, und zu= sammen haben wir den Anbruch hellerer, schönerer Tage erlebt. Wir haben zusammen gekämpft und viele Siege erfochten. Ich werte mein Leben nur insofern, als ich es auf dem Altare des Vaterlandes opfern kann. Wenn thr glaubt, daß die Tage meiner Nützlichkeit vorüber sind, so ich test mich nieder, wo ich stehe. Aber so lange ich stehe, bin ich euer Führer. Deshalb fordere ich von euch. Kameraden, zu sagen, wen ihr wollt: Orosco oder Ma­dero?" Madero! Madero! Viva Madero!" war die Antwort. General Orosco machte ein recht dummes Ge­ficht, dann aber, wie unter einer plötzlichen, von dem Ge­setz der Selbsterhaltung erzeugten Eingebung, schlang er seinen Arm um Madero und rief: Auch ich bin für Ma­dero, laßt uns wieder Brüder sein!" General Villa, auch ein Führer der Rebellen, war nicht so leicht befriedigt. Diesen biederen Freiheitshelden, der noch vor wenigen Monaten ein Räuberhauptmann war, wurmte es, daß Ma­dero ihm nicht den gefangenen General der Regierungs­truppen von Juarez Navarro ausliefern wollte, den er gerne abgemurfst hätte, weil er persönlich ein Hühnchen mit ihm zu pflücken hatte. Nach der Szene im Rathause begann General Orosco einen neuen Streit mit Madero, dem dieser dadurch ein Ende machte, daß er sich in sein großes, starkes Automobil setzte und fortfuhr. Er holte General Navarro aus dem Gefängnis und brachte ihn bis zum Fluß Rio Grande. Navarro schwamm über den Fluß nach El Paso hinüber und stellte sich unter den Schutz der hier lagernden amerikanischen Truppen. So ist die Sache recht harmlos verlaufen.

Der Reichstag hat am Montag den ersten Rekord in Er­Redigung von Paragraphen der Reichsversicherungsordnung aufgestellt, dem in nächster Zeit wohl noch manche Reforde folgen werden. Während bisher die höchste Zahl der an einem Tage angenommenen Paragraphen 91 betrug, Iam man am Montag auf 112. Sie handelten von der Auf­ficht und den Bestimmungen für besondere Berufszweige, wie die Landwirtschaft, die Dienstboten, die Unständigen, das sind Versicherte, deren Beschäftigung weniger als eine Woche beträgt, das Wander- und Hausgewerbe. Die Kom­missionsbeschlüsse wurden unter Ablehnung sozialdemokra­Einen längeren ttscher Anträge fast durchweg bestätigt. Aufenthalt gab es nur bei Paragraph 447, der die Beibe­baltung der Naturallöhne sichern will. Die Arbeit­geber in der Landwirtschaft können danach von der Ver­ficherungspflicht befreit bleiben, wenn sie sich bereit erklä= ren, ihren Arbeitern eine gleichwertige Krankenunter­stützung zu gewähren. Dagegen fämpfte besonders scharf die fortschrittliche Volkspartei an, die darin eine ungerecht­fertigte Bevorzugung der ländlichen Großbetriebe erblickte, die damit aus der allgemeinen Krankenversicherung heraus­genommen würden. Auch die Sozialdemokraten beantrag­ten die Streichung dieser Bestimmungen, weil sie darin eine Begünstigung des Großgrundbesitzes auf Kosten der Land­arbeiter und Kleinbauern sehen. Die namentliche Abstim= mung ergab indessen die Annahme des Paragraphen mit 181 gegen 86 Stimmen. Dagegen stimmten die Sozialde­mokraten, die Freisinnigen und vereinzelte Nationallibe­rale. Am Dienstag hofft man mit dem Buch über die Krankenversicherung zu Ende zu kommen.

Die Duelle im deutschen Heere.

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Kriegsgerüchte aus dem fernen Often. Die Peters­burger Blätter fahren fort, sehr beunruhigende Nachrich ten aus dem fernen Osten zu bringen, namentlich aus Wladiwostok, wo man einen Krieg mit Rußland angeb­lich für unvermeidlich ansieht. So meldet Rußtoje Slowo", daß die Kriegsgerüchte durch die Reise des Kriegsmini sters nach Ostasten neue Nahrung erhalten hätten. Für den Juli wird die Ankunft eines chinesischen Prinzen in Petersburg erwartet, dessen Aufgabe darin bestehen soll, den russisch- chinesischen Konflikt ein für alle mal beizu­Tegen.

Das deutsche Kronprinzenpaar hat am Dienstag die Reise nach Petersburg zum Besuche des Zarenpaares an­getreten. Der Kronprinz begibt sich mit dem Nordexpreß­zug von Berlin nach Posen; die Kronprinzessin fährt einen Zug später gleichfalls nach Posen, um sich dort mit dem Kronprinzen zur Reise nach Petersburg zu vereinigen. Dem Kronprinzenpaar ist ein russischer Hofzug bis zur Grenze entgegengefahren.

Das jüngste Duell der beiden früheren Offiziere von Gaffron und von Richthofen hat allgemein wegen des tragi­schen Ausganges und der eigenartigen Vorgeschichte gro= Bes Aufsehen erregt. Die Annahme, die sich hier und da zeigte, daß die Duelle im deutschen Heere eine besonders große Verbreitung haben, ist aber nach der amtlichen Sta­Histik falsch. Wenn man die Größe unseres Offizierkorps in Betracht zieht, dann muß man sogar sagen, daß die An­zahl der Duelle in unserem Heere in den letzten Jahren äußerst gering war. Im Jahre 1908 gab es im deutschen Heere insgesamt nur 82 Duelle, von denen nur 21 von schweren Folgen begleitet waren. Für alle diese Duelle tra­ten Bestrafungen ein. Es können noch einige andere Duelle vorgekommen sein, von denen in der Oeffentlichkeit nichts bekannt geworden ist, und für die darum eine Be­strafung nicht eintreten konnte. Ihre Anzahl ist aber na­turgemäß, da alle schweren Fälle sofort bekannt werden, so gering, daß das Gesamtergebnis dadurch eine bedeutende Menderung nicht erleiden kann. Im Jahre 1909 wurden 78 Duelle verzeichnet, von denen nur überhaupt 45 mit Ver­wundungen endeten und nur 3 den Tod eines Duellanten zur Folge hatten. Im Jahre 1910 kamen im ganzen deut­fchen Heere nur 32 Zweifämpfe zum Austrag. Bei allen diesen Duellen ist auch die Zahl der von Reserveoffizieren durchgeführten Zweikämpfe mit einbezogen, sodaß das Bild ein völlig richtiges wird. Vergleicht man dagegen die früheren Zahlen, z. B. das Jahr 1900, in dem 212 Duelle verzeichnet wurden, dann wird man zugeben, daß ein ganz bedeutender und erfreulicher Rückgang auf diesem Gebiete zu verzeichnen ist. Als Ursachen hierfür kann man das ftrenge Vorgehen der maßgebenden Stellen gegen alle 8wetkämpfe ansehen. De fast jeder Zweikampf für die Be­teiligten von schweren Folgen begleitet ist, so wird der Bweikampf nur in solchen Fällen als lezte Entscheidung gewählt, in denen ein anderer Ausweg nicht mehr gangbar erscheint. Wenn man mit diesen Zahlen die Zahlen ande­rer Heere vergleicht, wird man das deutsche Heer als sehr wenig duellfreundlich ansehen müssen. In Frankreich gab es im Jahre 1909 862 Duelle mit 7 schweren Verwundun­gen, da hier für jede Kleinigkeit, für jeden privaten Streit pder Meinungsaustausch ein Duell als Sühne angesetzt wird. Im Jahre 1908 wurden im französischen Heer 617 Duelle verzeichnet, von denen 15 ernste Folgen für Ge­sundheit und Leben der Beteiligten hatten.

Die Operettenrevolution in Juarez.

Kaiser und Kanzler. Wie dem Bayr. Kurier" aus Berlin angeblich aus authentischer Quelle mitgeteilt wird, soll der Kaiser in Wiesbaden den Reichskanzler in be­stimmter Form seines huldvollen Vertrauens versichert und seine besondere Billigung zu der Stellungnahme des Reichskanzlers in den schwebenden innerpolitischen Fragen ausgesprochen haben.

Telegramme von Juarez und anderen mexikanischen Grenzorten laffen die Ereignisse der letzten Tage auf dem Kriegsschauplate fast wie den zweiten Akt einer Operette erscheinen. In der neuen Hauptstadt Juarez gerieten der Gegenpräsident Madero und der Rebellengeneral Orosco aneinander, und einer erklärte den anderen für gefangen, aber keiner von beiden hatte den Mut, zur Tat überzu­gehen. Orosco beschuldigte Madero und seine Freunde der Schlemmeret, während seine braven Krieger nichts zu na gen und nichts zu beißen hätten. Die Wahrheit aber ist, daß Madero dem Oberst Garibaldi, einem Verwandten des bekannten italienischen Freiheitshelden, den Ruhm der Einnahme von Juarez zuerteilt hat, den Orosco jedoch für sich beansprucht. Außerdem ist der tapfere Rebellen­general wütend darüber, daß man ihn nicht zum Kriegs minister des revolutionären Kabinetts ernannt hat.

3wei Kirschen an einem Stengel.

Roman von A. von Liliencron. ( Nachdruck verboten.)

Kleine Nachrichten.

Der 8. Verbandstag des deutschen Eisenbahnassistentens verbandes hat am Sonntag in Mainz begonnen. Den Ver­handlungen wohnte ein Vertreter der Eisenbahndtrektion bei. Zum Hauptpunkt der Tagesordnung: Standesfra gen" liegen zahlreiche Anträge der Bezirks- und Ortsver­cine vor. Die wichtigsten hiervon verlangen Normierung des Gehalts der Eisenbahnassistenten auf 1800 bis 3600 M, erreichbar in 18 Jahren, höhere Bewertung des Nachtdien= stes sowie Gewährung eines Erholungsurlaubes von dret Wochen vom 45. Lebensjahre an. Diese Anträge sollen in einer Denkschrift dem Minister zur Kenntnis gebracht werden.

Der Heilige Krieg" gegen die Franzosen gepredigt. Der Madrider Liberal" erhält aus Marokko eine Mel­dung, von der man allerdings vorläufig noch nicht weiß, ob sie nicht etwas absichtlich gefärbt ist. Darnach wird im ganzen Rifgebiet der Heilige Krieg" gegen die Franzosen gepredigt. Auf allen Marktplägen fordern die Propheten die Bevölkerung unter Anführung von Koransprüchen auf, Gut und Blut einzusetzen, um den Vormarsch der Fran­zosen aufzuhalten. Die Volksführer bezeichnen Frankreich als den größten Feind des Islams. Die Gesamtzahl der französischen Truppen in Marokko übersteigt jetzt schon 30 000 Mann. Der Einzug der Franzosen in Fez gilt als sicher.

7) Rasch hüpfte sie hinein, der Better folgte, und der Adlerwirt mit dem Käppchen in der Hand machte seine Schönsten Komplimente. Kathi meinte, so ehrerbietig habe fie thn noch nie grüßen sehen, und der geschmeichelte Ju­lius schmunzelte zu der Bemerkung.

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Ein Selbstmordversuch Abdul Hamids. Aus Salonikt tommt die Nachricht, daß das Befinden des ehemaligen Sul­tans sich verschlimmert habe. Der Sultan versuchte sich aus dem Fenster zu stürzen. Man glaubt, daß die bevorstehende Ankunft seines Bruders thn in große Erregung versetzt habe. Die Aerzte hoffen, daß der Zustand Abdul Hamids nur vorübergehender Natur ist, trotzdem sich Anzeichen von Delirium bemerkbar machen.

Seltene Auszeichnung eines deutschen Professors. Der Kaiser von Japan hat dem ordentlichen Professor und Dt­rektor des Hygienischen Instituts in Halle Geh. Medizinal­rat Fränkel den Orden des heiligen Schatzes verliehen, eine außerordentlich seltene Auszeichnung.

Die Genickstarre ist in der Gemeinde Höhscheid bei So­lingen ausgebrochen. Es sind sechs Personen in das Kran kenhaus eingeliefert worden. Einer der Erkrankten, ein 18jähriger Mann, ist bereits gestorben.

Ein angeblicher Referendar, der in lezter Zeit mit gro­ßem Eifer verschiedenen Gerichtsverhandlungen beiwohnte und mehrere Gerichtspersonen anborgte, wurde in Berlin als ein schon mehrfach vorbestrafter Schwindler verhaftet. Massenaussperrung in Kopenhagen. Die in Kopen­hagen zwischen den ausständigen Klempnern und den Ar­beitgebern schwebenden Verhandlungen wurden gestern als aussichtslos abgebrochen. Daher tritt heute die von den Arbeitgebern angekündigte erweiterte Aussperrung von 40 000 Arbeitern in Kraft.

Eine Carnegiefeier der Deutschamerikaner. In Car­negies Neuyorker Palais erfolgte am Sonntag die Ueber­gabe der von den Deutschen im ganzen Lande unterzeich neten Prunkadresse, in der Carnegie der Dank für die Stif­tung des deutschen Heldenfonds ausgesprochen wird. Car­negie übernahm das kostbare Geschenk, tüßte den goldver zierten Deckel und sprach seine hohe Freude über die Gabe so vieler Mitbürger aus, die er, wie er sagte, noch höher schäze als die ihm von den südamerikanischen Republiken verliehene Goldmedaille. Er sprach die Hoffnung aus, alle Völker teutonischer Abstammung noch einmal vereinigt zu sehen, womit dann jede Kriegsgefahr verschwunden sein werde. Ebenso hoffe er den deutschen Kaiser für seine Lieblingsidee: Vereinigung der teutonischen Völker Ame­rifa, Deutschland und England gewinnen zu können. Sehr zu bedauern set, wie Carnegie hinzufügte, die Abnahme her deutschen Auswanderung, welche die wertvollsten und zuverlässigsten Elemente nach Amerika gebracht habe.

Das Mädchen war so benommen von den Eindrücken der letzten halben Stunde, war so ganz beschäftigt gewesen mit dem, was um sie her vorging, daß sie übersehen hatte, wie eine hochgewachsene Gestalt im Arbeitsanzuge seitwärts die Stufen zum Gasthause betrat, just in demselben Augen­blick, als der Better sie nötigte, einzusteigen. Hans Ru­land war es, der mit dem Wirte noch eine Verabredung wegen des Kirmestages treffen wollte. Er kam gerade­wegs von der Arbeit, bestaubt und beschmutzt, und wie er nun so in seiner groben Drelljace neben dem feinen Stadt­herrn stand, wurde er sich des Unterschiedes mit einer ge­wissen Bitterfeit bewußt und blickte finster auf den Wa­gen, der sich langsam in Bewegung setzte.

Der Strolch, der jetzt da mit dem Wirte spricht, wird von dem nicht so gut bedient werden, wie unsereiner," er­tlärte Herr Julius, der Ruland auf den Treppenstufen des Gasthauses bemerkt hatte und nachlässig mit dem zurück­gewandten Daumen auf ihn zeigte.

Der in Amerita geführte Kampf gegen die Trusts hat einen großen Erfolg erzielt. Das oberste Bundesgericht entschied, daß die Standard Oil Company, der größte und

Kathi steckte neugierig den Blondkopf aus dem Fen­fter, erkannte Hans, der trotz des Gesprächs mit dem Wirte ben Wagen nicht aus den Augen gelassen hatte, und nickte und winkte ihm lebhaft zu.

Todessturz aus einer Luftschankel. In einem Berliner Gartenlokal schaukelte eine 18jährige Näherin gegen das Verbot im Stehen, als sie plöglich bei einem besonders ho­hen Schwung aus der Gondel stürzte. Am Boden schlug sie mit dem Kopf auf eine eiserne Schwelle auf und erlitt hierdurch einen doppelten Schädelbruch, sodaß sie sofort tot war.

um des Mädchens Zorn zu wecken, sie wurde Feuer und Flamme. Das ist met beste Fründ, Hans Ruland, tein Strolch nit, sondern ein akkurater Brucharbeiter", blizte ste ihn an, Du wirst es schun noch sehe, daß er of gautes Tüg hätt und sich nit zu verstecke brukt."

Das versöhnte den jungen Burschen in etwas, ärgerte aber ein klein wenig den Vetter, so daß er, als Kathi wieder Platz genommen hatte, spöttisch fragte: Ist der Mann da, in dem fragwürdigen Werkeltagskleid eine Be­lanntschaft meines hübschen Cousinchens?"

Diese Ergänzung der Bezeichnung Strolch" genügte,

Ein Schüler beim Speerwerfen getötet. Eine Turner­gruppe von Gymnasiasten in Bern beschäftigte sich mit Speerwerfen. Je zwei Gymnasiasten schleuderten einander Speere zu. Hiebei drang ein Speer einem 19jährigen Gym­nasiasten in den Kopf, sodaß der junge Mann nach kurzer Zeit starb.

Schauriges Familiendrama. In Guibertes( Frankreich) hat ein gewisser Douzel seine Frau und Schwiegermutter durch Messerstiche schwer verletzt und dann seinen Schwie­gervater durch einen Stich in den Oberschenkel, der die Schlagader durchschnitt, getötet. Nach vollbrachter Tat er­hängte sich der Wüterich.

Der Vetter sah sie ordentlich erstaunt an, das war ja ein kleiner Brausekopf, aber das störte ihn nicht, gerade dieser loderdne Eifer stand ihr allerliebst. Mochte doch der lange Kerl da ihr bester Freund, meinetwegen auch ihr Schatz sein, dachte er, das Vergnügen können die zwei ja haben, mich auch später zur Hochzeit einladen. Jetzt gilf es nur, das hübsche Kind hier loszueisen, in das Gasthaus zu Friedenau zu verpflanzen und mit Hilfe ihres nied­lichen Lärvchens dort gute Geschäfte zu machen. Vorsichtig müßte man dabei zu Werke gehen, damit die Kleine nicht scheu würde und mitzubekommen wäre.

Das fuhr ihm so durch den Sinn, als Kathi ihre kleine Hand erhob und ihm drohte: ,, Gegen de Hans därfst nichts sage, sunsten häst schnurstracks mit mi ver­dorbe!"

Aus den Gerichtssälen.

Bestrafte Erpressereien. In der schamlosesten Weise wurde ein Barmer Restaurateur von einer Witwe in El­berfeld ausgebeutet. Er hatte mit ihr ein Verhältnis ange­knüpft, und die Witwe schrieb ihm von dem verhängnis­vollen Tage an Drohbriefe über Drohbriefe, die stets mit größeren Geldforderungen schlossen. Nachdem sie nach und nach etwa 1800 M erhalten hatte, forderte sie noch eine einmalige Abfindungssumme von 3000 M mit der Drohung, daß sie, wenn sie das Geld nicht bekomme, seiner Frau den Sachverhalt mitteilen werde. Der Wirt hatte schon ein Darlehn bei der Braueret, die ihm das Bier lieferte, auf­genommen, konnte nicht auch noch die 3000 Maufbringen

Nie, Cousinchen, nie!" versicherte er lachend, griff nach der noch immer erhobenen Hand des Mädchens und füßte sie.

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Kathi, auf das äußerste erschrocken, riß hastig ihre Hand aus der seinen. Jemersch! So wat dut man doch nit!" wehrte sie und rieb sich verlegen die Hand am Kleid, als wolle sie den Kuß wegwischen. Er lachte unbändig. ,, So was tut man wohl, Cousinchen, wenn man seine Hoch achtung zeigen will und höflich ist. Komme nur erst mal in die Stadt, dann wirst Du oft sehen, wie die Herren da den Damen die Hand küssen."

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Das war ein lustiger Spaß, Albert tat es doch nur, um sie zu amüsieren, dafür mußte sie durch fröhliches Kopf­niden quittieren. Als er aber jetzt, die verwetterte Müge schwenkend, rief: Hurra! det Brutpaar!" wurde ste rot und böse. Laß din dumme Schnack", rief sie heraus und zog mit einem Rucke das Fenster in die Höhe.

Sie hatte etwas davon sagen wollen, daß sie weder eine Dame set, noch daß sie in die Stadt käme, aber da sie durch das herunter gelassene Fenster eben bemerkte, wie Jochens Albert neben der Glaskutsche herlief, dazwischen Purzelbäume schlug und dann wieder sein buntes Taschen­tuch schwenkte, vergaß sie es darüber.

Auch der Better fand kein Vergnügen an diesem Spaß und tat, als hätte er nichts gehört.

Bald darauf vereinigte der Kaffeetisch im Häuschen der Witwe eine recht vergnügte Gesellschaft. Kathi han­tierte geschickt umher, schenkte ein und forderte mit ihrem allerliebsten Lächeln zum Essen und Trinken auf.

Frau Rose beobachtete sie unausgesetzt, lobte den treff­lichen Kuchen, das sauber gehaltene Häuschen, das wie ein Schmuckkästchen aussähe, und das liebe Kind, das flink wie ein Wiesel hin und her springe und die Augen über­all habe, wo es etwas zu tun gäbe.

Bei diesen Lobsprüchen verfehlte die Frau Restau­rationsbesitzerin nicht, wiederholt einen verständnisvollen Blick mit ihrem Sohne zu wechseln.

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Schwester Jettchen war gücklich über diese rückhalt­losen Lobeserhebungen, in die der Neffe in verstärkter Tonart einstimmte. Das half ihr über den Kummer hin­weg, daß Röschen durchaus jede Erinnerung an die be wußten Tassen und das Kännchen verloren hatte und statt dessen nur gnädig meinte: Ich werde Euch mal ein mo dernes Kaffeeservice aus Berlin schicken, dies hier hat sich doch wohl überlebt."

Kathi hatte bei diesen Worten der Tante ein klein wenig das Mäulchen verzogen, wie es ihre Art war, wenn ihr nicht paßte, was der andere sagte, und Vetter Julius, hatte sich beeilt, zu versichern, er würde doch allen anderen Tassen seine jezige vorziehen, denn auf all dem modernen Krimskrams stände doch nie Aus Liebe", und so schöne Vergißmeinnichts gäbe es auch nicht darauf.

( Fortsetzung folgt.)

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