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beide in Gießen

Gießener Zeitung

( Neneste Nachrichten)

Bezugspreis 50 pfg. monatlich Enthält alle amfl. Bekanntmachungen

oierteljährlich 1,50 Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig­ausgabestellen vierteljährlich 1,20 Mr. Erscheint Mittags 3 Uhr. Die Illustr. Weltrundschau" Redaktion: liegt alle 14 Tage einmal gratis bei. Seltersweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H.

Nr. 115.

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Telephon: Nr. 362.

Eine deutsche Anfrage?

Ein französisches Blatt, die Liberte", hat sich vor wenigen Tagen aus Petersburg und aus London be­richten lassen, die deutsche Regierung habe dort ange= fragt, wie man sich zu dem Vorgehen Frankreichs in Marokko zu stellen beabsichtige. Von beiden Seiten sei, freilich in sehr höflicher Form, die Antwort gekommen, gegen das französische Vorgehen sei durchaus nichts ein­zuwenden und Großbritannien und Rußland seien durch aus der gleichen Ansicht,

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der Großherzoglichen Bürgermeisterei

des Großherzoglichen Polizei Amfes sowie vieler anderer Behörden Oberhessens Erpedition: Seltersweg 83.

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( Haus Brüder Schmidt.)

Mittwoch, den 17. Mai 1911.

Ein­

Zuschuß zur Pension zu gewähren. Ulrich- Offenbach( S.) meinte, die Pensionierung wäre zu Unrecht auf Veran­lassung des Kreisschulinspektors zu Friedberg erfolgt und beantragte neue Prüfung der Pensionsgründe. Abg. Schmitt- Mainz( 3.) beantragte die Rückverweisung der Angelegenheit an den Finanzausschuß. Dieser Antrag wurde angenommen. Sodann wurde über eine gabe aus Bad Nauheim wegen des Quellen= monopols durch den geplanten Neubau eines Riesen= gen den Hotelneubau und gegen ein Wassermonopol hotels referiert. Verschiedene Redner sprachen sich ge­aus. Von Seiten der Regierung wird jedoch behaup tet, daß von einem Wassermonopol nicht die Rede sein fönne. Die sämtlichen Hotels seien in der Lage, für 12 Mark pro Kubikmeter Soole beziehen zu können.

Wir können zurzeit nicht kontrollieren, ob jene Mit­teilung der Wahrheit entspricht. Möglich ist es, für wahrscheinlich möchten wir es aber nicht halten, und zwar aus folgenden Gründen: Eine unmittelbare Ent­scheidung steht augenblicklich in der marokkanischen An­gelegenheit nicht bevor. Deutschland hat sich in der Def- ſten Dienstag, vormittags 10 Uhr, zur Abhaltung meh­fentlichkeit halbamtlich und amtlich wahrscheinlich auf diplomatischem Wege auf den Standpunkt gestellt, daß das Vorgehen der Franzosen im Verein mit der Versicherung der französischen Regierung an und für sich feine Verletzung der Algecirasakte bedeutet. Für gewisse Eventualitäten ist allerdings eine Aenderung der deut­schen Haltung mit der Bemerkung in Aussicht gestellt, daß nach einer Verletzung der Algecirasakte diejenigen Mächte, welche sie unterzeichnet hätten, ihre volle Frei­heit des Handels wieder gewonnen haben würden.

In einem solchen Stadium der Dinge und nach sol­cher Stellungnahme wäre es eigentlich nicht sehr folge­richtig gewesen, sich mit den erwähnten Fragen nach Pe­tersburg und London zu wenden. Auf der anderen Seite ist aber beachtenswert, daß schon seit Wochen ge­rade in der englischen Presse verschiedentlich sehr deut­liche Warnungen an Frankreich gerichtet werden. Ja, in einer bekannten und vielgelesenen Monatsschrift wird ge­rade herausgesagt, daß das französische Marokkounter­nehmen lediglich dazu führen könne, die gerade jetzt sich bessernden Beziehungen zwischen England und dem deutschen Reiche wieder zu stören und in Frage zu stel­len. Man habe von Deutschland im Orient jetzt gerade so wertvolle Konzessionen erhalten, daß es nur im höch sten Grade peinlich wirken müßte, wenn England jetzt in einer Frage sich aus Frankreichs Seite stelle, wo die französische Politik offenbar im Unrechte sei, und trotz aller schönen Versprechungen nichts anderes beabsichtige,

als Marokko vollständig, und zwar ebenso wirtschaftlich wie politisch, in seine Gewalt zu bringen.

So deutlich hat man sich zwar, soweit uns bekannt ist, in der sonstigen englischen Presse nicht ausgesprochen, aber wie gesagt sind Andeutungen häufig gemacht wor den, und das Unbehagen auf großbritannischer Seite gegenüber dem französischen Vorgehen tritt überall her­vor. In Frankreich ist begreiflicherweise das Unbehagen über jenes Unbehagen nicht gering, und daraus allein ließe sich möglicherweise jene eingangs erwähnte Mit­teilung des französischen Blattes erklären. Meldungen sind leicht gemacht und an Erfindungsgabe hat es derartigen Fällen, wenn das eigene Interesse es zu ver­langen scheint, sicherlich niemals gefehlt. Eine Bedeu­tung für die politische Lage haben jene Mitteilungen also sicherlich nicht, würden sie auch dann nicht haben, wenn sie nicht vollständig aus der Luft gegriffen wären, denn dann wäre so gut wie sicher, daß man ihren Sinn in der Deffentlichkeit sehr stark verdreht hätte.

Hessischer Landtag.

in

Die zweite Ständekammer befaßte sich in der gestrigen Sitzung mit der Petition der Diener der hessischen Staatsbehörden um Regelung ihrer Ge­haltsverhältnisse. Der Berichterstatter, Abg. Molthan, trat in warmer Weise für die Petenten ein und erkannt die dringende Notwendigkeit einer Revision der Besol­dungsordnung an. Er beantragfte die Vorstellung der Regierung als Material zur Besoldungs- Ord= nung zu überweisen und forderte von der Regierung, daß auf dem nächsten Landtage eine neue Besoldungs­ordnung vorgelegt würde. Das Haus stimmte diesem An, rag zu. Ueber die Vorstellung des Volksbundes zur betr. Bekämpfung des Schmutzes in Wort und Bild liche Auslagen, Schaufenster, Kinematographen 2c. ferierte Abg. Stöpler. Er empfahl die Unterstützung der in der Vorstellung ausgesprochenen Wünsche. Die Kam­mer beschloß, die Vorstellung vorerst für erledigt zu er­flären.

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Zu der Pensionierung des Lehrers Hillebrandt in Bad- Nauheim, beantragte der Abg. Leun( Bauern­bund) dem Petenten aus dem Dispositionsfonds einen

Die Erste Kammer der Stände wird näch rerer Plenarsitzungen zusammentreten. Auf der Tages­ordnung steht die Schlußberatung über die Wahl rechtsvorlage und über die vier Vorlagen zur beordnung, Verwaltungsrechtspflege und die Kreis- und Verwaltungsgesetzrevision, Städteordnung, Landgemein­Provinzialordnung, sowie eine Anzahl kleinerer,

von

der Zweiten Kammer fertiggestellter Vorlagen. In der Zwischenzeit dürfte sich auch der Finanzausschuß der Er­schlüssen des anderen Ausschusses über die Gemeinde sten Kammer nochmals mit den jetzt vorliegenden Be­umlagenreform näher beschäftigen. Da auf allen Seiten der dringende Wunsch besteht, diese für alle Kommu­nen des Landes so wichtige Gesetzesmaterie nun endlich zum Abschluß zu bringen, herrscht in den maßgebenden Kreisen die feste Zuversicht, daß es, wenn auch erst nach mühevoller Arbeit, doch geling! n wird, auf Grund der Beschlüsse des Finanzausschusses Zweiter Kammer, zu einer Verständigung zu gelangen.

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Hus Stadt und Land.

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( Gießener Tageblatt)

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Telephon: Nr. 362.

23. Jahrg.

Mitgliedern. Im abgelaufenen Jahre wurden rund 4800 Personen unterrichtet, davon 2700 Schüler. Am Sonntag war Festversammlung im Kaufm. Vereins hause, in der Stadtrat Dr. Ziehen der Versammlung die Grüße des Magistrats überbrachte. Er betonte, daß die städtischen Behörden den stenographischen Bestrebungen mit wärmstem Interesse gegenüberstehen und wünschte der Sache weiteres Gedeihen. Professor Dr. Voigt be­glückwünschte den Bund als Vertreter der Akademie für Bildungswesen und die kaufmännische Praxis hervor. Sozial- und Handelswissenschaften. Er hob besonders die Verdienste der Stenographie für das kaufmännische Verbandsvorsitzender Max Bäckler- Berlin dankte dem Bundesvorstand für seine rege Tätigkeit in den 25 Jah­ren. Das Gebiet des Mittelwestdeutschen Bundes sei durch die Konkurrenz mit den anderen Systemen ein schwerer Kampfplatz gewesen, deshalb könne man be= sonders stolz auf die Leistungen und Errungenschaften sein. Darauf sprach Ferdinand Schrey- Berlin über Die Zukunft der Stenographie". Der Redner gab der Hoff­nung Ausdruck, daß dasjenige System aus dem Wett­fampf als Einheitssystem hervorgehen möge, das allen Anforderungen an Einfachheit, Deutlichkeit und prakti­sche Leistungsfähigkeit gerecht werde. Die Herren Bäck­ler- Berlin, Schrey Berlin und Fabrikant Schäfer- Mar­burg wurden zu Ehrenmitgliedern ernannt. An dem wurde, beteiligten sich 630 Personen, abgeliefert Wettschreiben, das gelegentlich der Tagung abgehalten fert wurden 565 Arbeiten, mit Preisen ausgezeichnet 479. Die höchste Leistung( 380 Silben in der Minute) er­zielten Schmitz- Wiesbaden und Mager- Wiesbaden. Herrn Schmitz wurde neben einem Ehrenpreis die vom Ver= band für die höchste Leistung gestiftete Stolze- Denkmünze überreicht.

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* Marburg, 16. Mai. Für die Errichtung eines Kreiskriegerdenkmals in Marburg haben die Kriegerver­eine bereits 8412 Mark gesammelt. Jm ganzen stehen 12.000 Mt. 3 zur Verfügung. Der Kreisfriegerverband hat sich mit der Stadtverwaltung ins Einvernehmen ge­setzt und sich dahin geeinigt, daß das Denkmal Mitte Sommer 1912 fertiggestellt und eingeweiht werden soll.

* Vom Vogelsberg. In vollem Umfange ist jetzt der Frühling im Gebirge eingezogen. Die Wäl­der, bis auf die des Oberwaldes", die aber bald fol­gen werden, sind in neues Grün gehüllt. Die Bäume haben größtenteils schon abgeblüht. Die Wiesen lassen im Grasansaze noch zu wünschen übrig. Viele Korn­und Weizenäcker mußten umgepflügt und neu bestellt werden. Schlechte Aussichten eröffnen sich für die am 1. d. Mts. aufgegangene Rehjagd. Viele Tiere sind an einer Seuche und den Folgen des schneereichen Win­ters, an Nahrungsmangel, eingegangen.

Erhaltung der Kundschaft" Ein wunder­* Wattweiler( Rheinpfalz), 16. Mai. 3 ur schöner" Brauch ist im hiesigen Orte eben wieder geübt worden. Es war Impstermin. Nachdem alle Säug= linge geimpft waren, zogen der althergebrachten Sitte gemäß sämtliche beteiligten Frauen ins nächste Wirts­haus, wo die Hebamme ein Faß Bier aufstellen ließ.

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Gießen, den 17. Mai. Berufskrankenpflegerinnen des Alice- Frauen- Vereins. Der Alice- Frauenver­ein für Krankenpflege hat sich seinerzeit als Mutterhaus seiner Schwesternschaft und Pflegerinnenschule das Alice­Hospital in Darmstadt geschaffen und entsendet von da mußte er Gesuche um Ueberlassung von Schwestern aus aus seine Schwestern in das ganze Land; aber oft Mangel an Pflegerinnen abschlägig bescheiden. Jede Frau, jedes Mädchen zwischen 20 und 35 Jahren, das unbescholten, geistig und förperlich gesund ist, wird zu einer Probezeit von 3 Monaten angenommen gegen Stellung einer Kaution von 100 Mk., von der aber im Falle der Vermögenslosigkeit abgesehen werden kann. Erweist sich die Probepflegerin während der Probezeit, in der sie freie Wohnung und Verköstigung im Alice= Hospital hat, als zum Schwesternberuf geeignet, so wird sie Lehrschwester, bekommt als solche schon Gehalt und fann nach einem Jahr von einer vom Staat bestimm ten Prüfungs- Kommission eine Prüfung ablegen. Nach Ablegung der Prüfung wird sie auf Antrag der Vor­steherin der Pflegerinnenschule vom Zentral- Komitee als Schwester angestellt. Die näheren Bestimmungen über ihre Rechte und Pflichten, besonders auch über Gehalt und Pensionsberechtigung sind bei der Vorsteherin der Pflegerinnenschule und des Alice- Hospitals in Darm- jährige rüstige Mann regte sich darüber so auf, daß er stadt zu erfahren. Gesuche um Aufnahme in den Schwe­sternverband sind schriftlich an die genannte Vorsteherin zu richten. Dem Gesuche ist beizufügen: a) Geburtsschein, b) selbstverfaßte und selbstgeschriebene kurze Schilderung des Lebenslaufes in Form eines Fragebogens Formular, c) ein ärztliches Zeugnis über den Besitz einer sesten Gesundheit und eines fräftigen Körperbaues in verschlossenem Umschlag, d) bei Minderjährigen die Einwilligungserklärung des gesetzlichen Vertreters( Va­ter, Mutter, Vormund), e) Zeugnisse und Empfehlun­gen oder Angaben von Stellen, bei denen Erkundigung eingezogen werden kann. Der Alice- Frauen- Verein for dert alle Frauen und Jungfrauen, die Neigung zu dem Berufe als Krankenpflegerin, dieſem edelsten aller Frau enberufe, haben, auf, sich zu melden und sich dadurch einen befriedigenden beglückenden Wirkungskreis zu schaf­fen im Dienste der leidenden Menschheit!

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* Der Mittelwestdeutsche Stenogra= phenbund Stolze- Schre y hielt am Samstag und Sonntag in Frankfurt a. M. seine 25. Hauptver­sammlung ab. Aus dem Jahresbericht ist zu ersehen, daß der Bund rund 130 Vereine mit rund 5000 Mit­gliedern zählt, darunter 22 Schülervereine mit zirka 700

Herne, 16. Mai. Ein aus Posen stammender Arbeiter erhielt von seiner Familie die. Nachricht, daß seine in der Heimat zurückgebliebene Frau im Sterben liege und ihn noch einmal zu sehen wünsche. Der 42­

von einem Herzschlage getroffen wurde. Das Telegramm mit der traurigen Nachricht trug der Tote bei sich.

Eingefandt.

Die Theologieprofessoren in Gießen haben eine Ein­gabe an den Großherzog gemacht, die sich mit ihrer Lehrtätigkeit befaßt. Aus dem Inhalt interessiert mich heute nur die Stelle, wo sie sagen, daß sie ab und zu auch auf der Kanzel predigten, daß sie durch Eid und

Pflicht im Dienste Gottes, des Vaterlandes und der Kirche Ständen. Diese Worte zwingen mich zu folgender Frage: Bei der letzten Reichstagswahl stand ein So­zialdemokrat, ein ausgesprochener Kirchen-, Religions­und Vaterlandsfeind mit einem deutsch- national gesinn­tem Manne, der wiederholt öffentlich erklärt hat, daß es das Brot allein in dieser Welt nicht tue, daß ein Gott lebe und ohne Religion ein Volk dem Untergang ent­gegenginge." Darf bei einer solchen Wahl ein Theolo­gieprofessor einen Sozialdemokraten wählen? Und wenn er es tut, wie stimmt das mit den obigen Worten der Eingabe überein?

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