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und erstattete, um den fortlaufenden Erpressungen endlich einen Damm entgegenzusehen, Anzeige bei der Staatsan­waltschaft. Gestern wurde die Erpresserin von der Straf­fammer zu 18 Monaten Buchthaus, 150 M Geldstrafe und 3 Jahren Ehrverlust, ihre Dienstmagd, die Mitwisserin war und die Briefe dem Wirt ins Haus gebracht hatte, wegen Bethilfe zur Erpressung zu 1 Jahr Gefängnis verurteilt.

Bernrteilung eines Bahnassistenten. Von der Straf­tammer in Darmstadt wurde der 51 Jahre alte Oberbahn­assistent Johann Barchfeld zu einer Woche Gefängnis ver­urteilt. Er war angeklagt, den Tod eines Arbeiters vor etniger Zeit dadurch veranlaßt zu haben, daß er durch ein Versehen diesen Arbeiter noch die Bahngleise überschreiten ließ, obwohl ein D- 3ug in Sicht war.

Eine jugendliche Giftmischerin. Ein 14jähriges Dienst­mädchen, daß, um eine Anzeige wegen Diebstahls zu ver­hindern, seine Herrin mit Gas vergiften wollte, ist von ber Straffammer zu Frankfurt a. D. zu zwei Jahren Ge­fängnis verurteilt worden.

Ein ruffischer Fürst wegen Unterschlagung verurteilt. In Moskau wurde der Fürst Wolkonski wegen Unterschla gung von Wohltätigkeitsgeldern zu fünf Monaten Festung, brei Mitschuldige zu acht, bezw. sechzehn Monaten Festung und Einreihung in die Arrestantenkompanie verurteilt.

Vermischtes.

Schwere Gewitter, teilweise mit wolfenbruchartigem Regen und Hagelschauern, gingen am Sonntag und Montag in Hamburg und dem angrenzenden Schleswig- Hol­stein, Oldenburg und Mecklenburg nieder. Ueber Ham­burg allein entluden sich vier Gewitter in der Zeit von Sonntag nachmittag bis Montag früh. Die Straßen der Stadt waren teilweise überflutet, viele Kellerwohnungen standen unter Wasser. In Altona trat eine längere Stö­rung des Straßenbahnbetriebes ein, da alles überflutet war. An verschiedenen Stellen hat der Blizz gezündet. Als auf der Bahrenfelder Rennbahn die Rennen während des Ge­witters beendet waren, und die dichten Menschenmengen hinausdrängten, schlug der Blitz in die neue, am Eingange befindliche Telephonleitung, wodurch eine große Panit un­ter den Maffen entstand. Viele Personen erlitten mehr oder weniger heftige Erschütterungen, eine Anzahl Frauen und Kinder fielen in Ohnmacht, erholten sich später aber wieder, ein berittener Polizeisergeant indes wurde durch den Wetterschlag völlig gelähmt, und mußte vom Pferde ge­hoben werden, ein anderer berittener Sergeant wur­be aus dem Sattel geschleudert.

Der Däne und die Kornblume. Aus Wiesbaden teilt ein Leser der Frtf. 8tg." folgende Beobachtung mit: Als bei Gelegenheit des Kornblumentages eine jugendliche Wiesbadnerin einem die Wilhelmsstraße passierenden Herrn eine ihrer Kornblumen zum Kaufe anbot, lehnte dies der Angeredete in höflicher Form mit folgenden Worten ab: Mein Fräulein, ich bin Däne und kann deshalb eine Kornblume nicht annehmen, aber für die Veteranen sollen Ste doch etwas haben." Darauf händigte er der Dame seinen Obolus ein.

Ein neuentbedtes Genie". In London hat der steb­zigjährige Maler Walter Greaves durch eine Ausstellung feiner Gemälde in der neueröffneten Goupil Gallwey einen plöglichen Erfolg errungen. Greaves lebte das be­fcheidene Dasein eines Malers, der sich eben nur so durch­fchlägt, bis er nun auf einmal im biblischen Alter das Glud herannahen sieht. Mit einem Schlage erkannten Publitum und Kritit seine Qualitäten an, man feiert ihn In allen Tonarten, und am ersten Abend der Ausstellung hatte Greaves nicht weniger als fünfzehn Delgemälde zu Preisen von etwa 2400 bis 3000 Mart per Bild abgesetzt.

Der erste Petroleumimporteur Deutschlands, Edmund J. A. Stemers, dem seine Vaterstadt Hamburg das Ge­schent des neuen Vorlesungsgebäudes wie auch die Errish­tung der dicht bei Hamburg belegenen Lungenheilstätte Edmundstal bantt, beging am 15. Mai das hundertjäh­rige Jubiläum der von seinem Großvater gegründeten, jekt von ihm und seinem Sohn geleiteten Reederi und Warenfirma G. J. H. Siemers. Edmund Siemers, des fezt Siebzigjährigen, oft im Leben bewiesenen tatkräftigen Entschließungen verdankt die Verbreitung des amerikani­schen Erdöls einen überaus gewichtigen und folgenreichen Anstoß. Als nämlich im Anfang der 60er Jahre die er­sten 16 Fässer des neuen Handelsartikels nach Hamburg gekommen waren und niemand sich mit ihrem Verkauf be­fassen wollte, unternahm er kurz entschlossen die Einfüh­tung des neuen Leuchtmaterials, dessen Verwertung vor allem die Schwierigkeit entgegenstand, daß das amerika­nische Produkt auf keiner der damals im Gebrauch stehen= ben Dellampen brennen wollte. Erst nachedm der junge Siemers eine größere Sendung von Petroleumlampen hatte kommen lassen, und an ihnen die Verwendbarkeit des dann sehr rasch zu einem Welthandelsartikel gewor= denen Erzeugnisses vor Augen geführt hatte, gelang ihm mit vieler Mühe die Einführung des Petroleums, von dem sich dann bald herausstellte, auf wie mannigfachen Ge­bieten es sich höchst nutzbar gebrauchen ließ.

Als ein Opfer seines Berufes ist in Frankfurt a. M. Der Arzt Dr. Otto Scheven gestorben. Vor ungefähr sechs Wochen operierte er einen Syphiliskranken, und beim Ein­schnitt in das Geschwür traf heraussprizender Eiter das Gesicht des Operierenden. Dr. Scheven hatte an der Nase eine kaum wahrnehmbare Wunde und durch diese muß die verhängnisvolle Infektion stattgefunden haben, trotz­dem sofort Gegenmaßregeln angewendet wurden. Als eine von berufener Seite vorgenommene Blutuntersuchung fet­nen Zweifel mehr darüber bestehen ließ, daß eine An­steckung tatsächlich erfolgt sei, wurde im späteren Laufe der Behandlung eine Salvarsaneinspritzung direkt in die Ve­nen gemacht. Eine spätere Wiederholung dieser Ein­sprigung fand statt und hatte Lähmungserscheinungen der Sinne sowie der Bewegungsorgane zur Folge. Jetzt ist er der Vergiftung erlegen.

Die Hungersnot in China. Bischof Henninghaus, der apostolische Vikar von Süd- Schantung, feilt der Kölni­schen Volkszeitung" über die Hungersnot in Südchina mit, daß selbst Begüterte nichts mehr zu essen haben. Eine der reichsten christlichen Familien in Hsien, die 300 bis 400 Morgen Land besitzt, kann sich z. B. am Tage nur eine armselige Mahlzeit leisten. Die meisten Familien haben überhaupt nichts zu essen, so daß ste des Hungertodes ster­ben. Die Kinder seht man aus. Junge Frauen und Mäd­chen werden verkauft. Die Häuser werden stellenweise eingerissen, um aus dem Erlös des verkauften Materials das nackte Leben zu retten. Zum Unglück treten im Ge­folge der Hungersnot Typhus und andere Krankheiten auf. Man hofft, daß die Weizenernte, die in etwa anderthalb Monaten beginnt, Linderung bringen werde.

300 Menschen durch Geistesgegenwart gerettet. Durch Die Geistesgegenwart des Kapitäns eines Schiffes, das von Taganrogt nach Asow fuhr, wurden 300 Menschen von ei­nem schrecklichen Tode errettet. Die Passagiere des Lust­hampfers wurden eines Nachts plöglich von einem furcht­baren Lärm geweckt, und als sie sich erhoben und dem Lärm nachgingen, sahen sie, wie der Kapitän mit einem

Passagier rang, den sie unter einem hochfeudalen Namen auf dem Schiff fennen gelernt hatten. Der Graf versuchte, dem Schiffsführer das Messer, das er in der Hand hielt, in das Herz zu stoßen, jedoch gelang es den Matroser und Passagieren, den hertulisch gebauten Mann zu überwälti­gen und ihm das Messer zu entreißen. In der Nacht hatte der Kapitän, wie er erzählte, plötzlich gemerkt, daß der Graf sich ihm lautlos nähere. Zuerst wollte er aufsprin gen, dann aber sah er das Messer in der Hand blitzen, und so verhielt er sich ganz ruhig und tat, als ob er schliefe, bis zu dem Augenblick, da der angebliche Graf zum Stich ausholte. Da sprang er auf, ergriff den Arm des Man­nes, entriß ihm die Waffe und verlegte ihn. Trotz der großen Wunde bemächtigte sich der angebliche Graf des Messers, um erst den Kapitän und dann die 300 Passagiere zu töten und zu berauben(?) Er hatte jedoch nicht mit den Riesenkräften des Schiffsführers gerechnet, und es ge lang dem geistesgegenwärtigen Manne, den Räuber und Mörder festzuhalten, bis ihm Hilfe tam. Der Kapitän hatte durch seine fühne Geistesgegenwart das Leben von 300 Menschen gerettet, und begeisterte Ovationen lohnten thm seinen Mut.

Seiterteit für vier Mart. In Paris ist vor furzem ein Wert erschienen, das den Titel Das Leben beim Theater" führt. Der Verfasser teilt darin die sehr inter­essanten Preislisten der Pariser Claque mit. Es tosten danach: eine einfache Beifallssalve 4 Mark; doppelte Salve 16 Mart; dreifache Salve 20 Mart. Einfaches Lärmen 20 Mart; unbegrenzter Lärm 40 Mark; Beifallsklatschen, dieses zuerst niedergezischt, dann erneuert und gesteigert, wie wenn der intelligentere Teil des Publikums über die Unzufriedenheit siege: 25 Mart; Heiterkeit 4 Mark; Ge­lächter 4 Mark; schallendes Gelächter 8 Mark; leidenschaft­liche Ausrufe 16 Mark. Der Verfasser fügt hinzu, daß natürlich oft auch über die Formen der Bewunderungsrufe, die mitten unter dem Publikum im Zuschauerraum mehr oder weniger häufig ausgestoßen werden sollen, Verein­barungen getroffen werden; der Preis hierfür unterliegt aber besonderen Verabredungen zwischen dem Theaterdi­rektor und dem Führer der Claque, der sich in den Ver­dienst mit seiner Schar teilt.

Der Engel des Kindes auf der Lokomotive. Der D- 3ug, der abends in Manchester eintrifft, hatte vor eini gen Tagen ein eigenartiges Erlebnis, das vielleicht auch nichtabergläubische Menschen mit frommer Rührung hören werden. Ungefähr eine Stunde vor Manchester merkte der Heizer der Lokomotive des Expreßzuges, daß irgend et­was an dem Kessel nicht in Ordnung sein müsse, da die verlangte Geschwindigkeit nicht von ihm erreicht werden fonnte Da der Heizer eine Verspätung des Zuges befürch tete, so feuerte er ordentlich an, um die Geschwindigkeit des Zuges zu erhöhen. Aber ohne Erfolg! Die Lokomo­tive ging nicht schneller und plöglich blieb sie wie auf Be­fehl stehen Die Passagiere stürzten aus den Wagen, um zu sehen, was es gäbe, wurden aber sofort von dem Lo­tomotivführer beruhigt, da anscheinend nur ein Ventil nicht in Ordnung war und eine Gefahr nicht vorlag. Da die Reparatur der Maschine eine halbe Stunde in Anspruch nehmen sollte, stiegen die Fahrgäste inzwischen aus. Wie erstaunten sie aber, als sie ganz dicht vor der rußigen Loko­motive dref kleine Mädchen im Alter von 2 bis 3 Jahren heiter spielen sahen, als ob nicht das Geringste vorgefallen wäre. Die Kinder wurden gefragt, wie lange ste schon hter spielten, da die Reisenden annahmen, daß ste erst nach dem Anhalten der Lokomotive hierhergekommen waren. Das älteste Mädchen versicherte aber, daß sie schon recht lange hier seien, weil ihre Mutter threm Vater in der Zwischenzeit das Essen gebracht habe. Die drei kleinen Kinder waren laum einen Meter von dem dampfenden Un­getüm entfernt. Wäre die Lokomotive auch nur um die geringste Strecke, ja selbst nur um eine Radumdrehung wet­ter gefahren, dann hätte sie die arglos spielenden Kinder zernialmt.

Ein altrussischer Großkanfmann. Ein typischer Ver­treter des ruffischen Großkaufmanns alten Schlages, der ,, Getreidekönig" und Multimillionär N. A. Bugrow ist die= ser Tage in Nishni- Nowgorod gestorben. Dieser Mann, der ein Vermögen von 40 Min. Rubel hinterlassen hat, ge­hörte zu den Altgläubigen strengster Observanz. Trozz seines Reichtums unterschied sich seine Hauseinrichtung nur wenig von der eines besser gestellten Handwerkers. Er trug stets hohe Schaftstiefel, den herkömmlichen russischen Kaufmannskaftan und freisförmig beschnittenes Haupt­haar, das er gründlich mit Del zu falben liebte. Zu seinen Lebzeiten hat dieser so schlicht aussehende Mann Millionen für Wohltätigkeitszwecke ausgegeben. Im gewöhnlichen Leben war Bugrow jedoch mehr als sparsam. Wenn er mit der Eisenbahn in Nishnt eintraf und die Packträger feine bekannte Figur bemerkten, stoben sie davon, denn es war ihnen bekannt, daß der Millionär nie mehr als 15 bis 20 Kopeten einem Gepäckträger zahlte. Auch bei den Mi­nistern und anderen hohen Staatsbeamten, mit denen er sehr häufig zu tun hatte, erschien er stets in hohen, blank gewichsten Stiefeln und mit dem geliebten Kaftan. Die hohen Exzellenzen pflegte er nach altruffischer Sitte mit dem vertrauten" Du" anzureden. Sein Wort galt in der Geschäftswelt mehr als jeder Wechsel. Benußte er ein Fuhrwerk, so lohnte er den Kutscher gewissenhaft nach der Tage ab und war unter feinen Umständen zu bewegen, einige Kopeken mehr zu zahlen. Dieser Mann, der wegen unnütz ausgegebener fünf Kopeken seinen Angestellten die schwersten Vorwürfe machte, der bei Einkäufen um jeden Groschen feilschte, unterzeichnete jedoch Schecks von hun­derttausend Rubel, ohne mit der Wimper zu zucken, wenn es galt, ein gutes Werk zu fördern. Seine vielen Beam­ten hielt er äußerst streng, herrschte über sie in mehr als patriarchaltscher Weise und verlangte von ihnen kritiklose Ausführung seiner Anordnungen. Hatte sich aber jemand bei ihm mehrere Jahre hindurch als treu und zuverlässig bewährt, so kam es ihm nicht darauf an, ihn eines schönen Tages mit einer Anweisung auf 25 000 bis 50 000 Rubel zu überraschen, und ihm zu sagen:" Du sollst jetzt auch " Mensch" werden, ich weiß, Du wirst von dem Geld guten Gebrauch machen,"

Aus dem Reiche der Technik.

Die Elektrifierung der Berliner Stadtbahn. Wie dem ,, B. L.-A." geschrieben wird, ist der Plan der Elektrisierung der Berliner Stadtbahn und verschiedener anderer Bahnen plötzlich der Ausführung nahe gekommen. Nach den in der letzten Zeit gewonnenen Erfahrungen im Betriebe der elek­trischen Vorortbahn Blankenese- Hamburg und der elektri­schen Vollbahn Bitterfeld- Dessau sind die fachmännischen Kreise zu der Ueberzeugung gekommen, daß die Elektrisie­rung der Stadtbahn billiger und schneller dadurch zu er­reichen sei, daß man den Wagenpark und den Bahnkörper im wesentlichen unverändert läßt und lediglich vor die Stadtbahnzüge elektrische Lokomotiven spannt. Die Strom­zuführung soll nach dem Hamburger Vorbild durch Ober­leitung erfolgen. Dabei bleibt die Möglichkeit, im Notfalle auch große Kraftzüge über die Stadtbahn hinwegzuleiten. Ferner sollen auch Fernzüge mit Hilfe elektrischer Lokomo­tiven über die Stadtbahn geführt werden. Zur Erzeugung

des Stromes ist ein Riesenkraftwerk bei Bitterfeld in Aus­sicht genommen, dessen Anfänge schon heute für die Voll­bahn Bitterfeld- Dessau vorhanden sind. Man hat gelernt, Hochspannströme aus weiten Entfernungen betriebssicher zu leiten. Vor Bitterfeld wird daher ein starkes unterir disches Kupferkabel die nötigen elektrischen Kräfte in Stär­fe von 60 000 Volt nach Berlin leiten können, wo der Strom für den Bahnverbrauch auf besonderen Stationen umge formt wird. Nach Lage der Dinge wird angenommen, daß bereits im nächsten preußischen Etat oder im nächsten Eisen­bahnanleihegesetz die ersten Mittel für die Elektrisierung der Berliner Stadt- und Ringbahn gefordert werden.

Was kostet die englische Königsfrönung?

Die englische Königsfrönung hat neben dem ideellen auch einen großen materiellen Wert. Abgesehen von dem ungeheuren Geldzustrom, der durch die Massen der Besucher nach England fließt, sind die Kosten der Krönung selbst auch ganz außerordentlich hoch und würden einen armen Königshof in rechte Bedrängnis zu bringen imstande sein. Da die englische Königsfamilie aber über sehr bedeutende Reichtümer verfügt, so liegt eine solche Gefahr nicht vor. In erster Reihe ist der Krönungsmantel des Königs zu erwähnen, der im Waffenscal des Towers hergestellt wird. Der Krönungsmantel Georgs IV. fostete nicht weniger als 250 000 Pfund Sterling, d. h. 5 Millionen Mark. Der Krö nungsmantel Georg V. wird aber noch teurer sein, da er noch prächtiger hergestellt werden wird. Die Krone, die jedesmal neu angefertigt wird, hat an 3000 Brillanten und 297 Perlen. Unter den Brillanten ragt der Stern" von Afrika hervor, ein Teil des berühmten Cullinan- Diaman ten, der dem König Eduard von seiner Kolonie in Afrika geschenkt wurde. Der Stern" von Afrika wird an die Stelle des großen Prinzregenten- Saphirs treten. Die gol­dene Fassung für alle diese Brillanten kostet nach unserem Gelde eine runde Million Mark. Die Krönungskleidung der Königin kostet zusammen 4 Millionen Mart. Das Ga­ladiner, das der Königskrönung folgt, ist im königlichen Haushaltsetat mit 25 0000 Pfund Sterling oder einer halben Million Mark angesetzt. Die Roben der königlichen Prin­zen sind durch Vorschriften des Earl- Marschall, des Herzogs von Norfolk, genau festgesetzt und bestehen aus rotem Samt mit Hermelinbesaß. Die Kronen, die auf den Noben sind, bestehen bet den Prinzen aus reinem Golde, bei den Her zögen aus vergoldetem Silber und bei den anderen Ad­Itgen aus Silber. Die Roben für alle Prinzen und Prin­zessinnen des königlichen Hofes, die an der Königströnung teilnehmen, werden auf Kosten der königlichen Hoffasse an gefertigt. Insgesamt ist für sämtliche Roben ein Betrag von 500 000 Pfund Sterlin oder 10 Millionen Mark aus­gesetzt. Wenn man noch die Kosten für die Feierlichkeiten, Feste und Diners, für das Krönungszeremoniell und die Krönungsgeschenke, sowie die Kosten für die Roben und Kronen des gesamten Hochadels, der an der Krönung teil­nimmt, dazu rechnet, dann wird man nach den Angaben einer bekannten englischen Gesellschaftszeitschrift mindestens eine Summe von 100 bis 150 Millionen Mark als Kosten der Königskrönung annehmen müssen. Wenn auch der kö­nigliche Hof die ganzen Kosten nicht zu tragen hat, da der Adel naturgemäß selbst für seine Unkosten bei der Königs­frönung aufkommen muß, so ist doch damit zu rechnen, daß die Krönung allein dem königlichen Hofe mindestens 25 Millionen Mark kosten wird. Allerdings bekommt der Hof auch dafür einen Ersatz, da die Krönung eine Unmasse der kostbarsten Geschenke nach London bringt, die zum Teil von den regierenden Fürsten, zum Teil von dem englischen Adel, reichen englischen Bürgern und den Kolonien gestiftet werden.

Das deutsche Kaiserpaar in London.

Das Kaiserpaar traf, wie gemeldet, Montag nachmittag gegen 1 Uhr in London ein und wurde vom König und der Königin auf dem Viktoriabahnhofe abgeholt. Zur Fahrt nach dem Buckinghampalaste wurde ein längerer Umweg gewählt, um der Menge, die zu beiden Seiten die Straßen säumte, Gelegenheit zu geben, die Gäste zu sehen. Ent­sprechend dem familiären Charakter des Besuchs fehlte jede militärische Eskorte. Beide Monarchen waren bürgerlich gekleidet und im ganzen Wagenzug war keine Uniform sichtbar. Im langsam fahrenden ersten offenen Wagen sa­ßen der Kaiser, der die Grüße des Publikums mit dem By­Itnderhut erwiderte, der König und der Prinz von Wales, im zweiten Wagen folgten die Kaiserin und die Königin von England, beide in heliotropfarbenen Toiletten, sowie die Prinzessinnen Viktoria Luise und Mary. Dem Früh­stück im Buckinghampalast wohnten viele Fürstlichkeiten bet. Die deutschen Gäste verließen später den Palast im Auto­mobil, von der Menge durch lebhafte Burufe begrüßt und fuhren nach dem Königspalast, um den Tee bei der Kö­nigin Alexandra einzunehmen. Nachmittags machte ber Kaiser Besuche bei Mitgliedern der königlichen Familie und abends fand ein Diner im Buckinghampalast statt.

Das Luftschiff Deutschland zerstört.

Ein Trauertag für Zeppelin.

Das neue Passagierluftschiff Deutschland, das wie be kannt in Düsseldorf stationiert ist und in letter Beit meh­rere aufs beste verlaufene Passagierfahrten unternommen hatte, ist gleich seinem Vorgänger heute das Opfer einer Katastrophe geworden. Es sollte heute die Fahrt nach Baden- Baden antreten, die schon für Montag geplant war, der schweren Gewittec wegen aber verschoben werden mußte. Bei Antritt der Reise ist es gestrandet und zerstört worden.

Der Draht meldet über die Katastrophe, die in ganz Deutschland aufrichtige Teilnahme erweckt, folgendes:

Düsseldorf, 16. Mat. Das Luftschiff Deutschland ist heute vormittag 10 Uhr bei der Ausfahrt aus der Halle gestrandet und zerstört worden.

Ein späteres Telegramm lautet:

Düsseldorf, 16. Mai. Als das Luftschiff Deutsch­land heute früh aus der Halle gezogen werden sollte, wurde es von einem plötzlich auftretenden Windstoß gefaßt und gegen die Halle gedrückt. Mehr als 200 Personen versuch­ten vergeblich, das Luftschiff zu halten, es rissen einige Halteseile und das Luftschiff wurde aus der Halle getrie­ben. Die Beschädigungen sind sehr erheblich. Ein großer Teil des Gerüstes muß erneuert werden. Die Maschinen sind unbeschädigt. Von den acht Passagieren, die sich in der Gondel befanden, ist niemand verletzt.

Drabtnachrichten und Deuestes.

Der deutsch- schwedische Handelsvertrag. Stockholm, 16. Mai. Die Kommission für den deutsch- schwedischen Handelsvertrag hat gestern ihren Be­richt erstattet und dem Reichstage die Annahme des Ver­trages empfohlen. Nene Friedensverhandlungen in Mexiko. Neuyork, 16. Mat. Aus El Paso wird gemeldet, daß der Unterhändler der merikanischen Regierung den Auftrag erhalten hat, die Friedensverhandlungen mit den Insurgenten wieder aufzunehmen.

Massenvergiftung in einer Kaserne.

Görlig, 16. Mai. 150 Mann des hiesigen 19. In­fanterieregiments sind unter Vergiftungserscheinungen er= frankt. Ob Fleisch- oder Bletvergiftung vorliegt, ist noch ungewiß. Lebensgefahr besteht nicht.