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zweigstelle des durch eine hohe Mauer vollständig verded­ten Fußwegs zum Hohenstein erreichte, tam ein mit 2 Kin­bern besetzter Rodelschlitten den Fußweg herabgesaust und tieß mit dem linken Vorderrade des Automobils zusam men. Ein Kind sprang auf und lief fort; das andere blieb tot liegen Die Polizeibehörde hat den Tatbestand an Ort und Stelle untersucht und dabei festgestellt, daß den Len­fer des Automobils feine Schuld trifft. Ueber einen zwei­ten schweren Rodelunfall wird aus Jlsenburg gemeldet: Beim Rodeln fuhr Sonntag nachmittag der Sohn des Gast­wirts Stünkel aus Edergrund, ein 16jähriger Gymnasiast, so unglüdlich gegen einen Baum, daß er sofort tot war. In der Nähe von Dresden ist ein achtjähriges Mäd­hen beim Rodeln tödlich verunglückt.

Der Lohn des Mutigen. In Neuyork hat sich die Tochter des Bankiers Morosini mit dem Polizisten Artur Werner verheiratet. Eines Tages waren- so lautet die romantische Geschichte, die aus Amerika telegraphiert wird

die von ihr selbst gelenkten Wagenpferde der sport­lustigen jungen Dame durchgebrannt, und sie schwebte in höchster Gefahr. Werner, ein berittener Polizist, galop= pierte hinterher, und es gelang ihm, die scheuen Tiere an­zuhalten. Miß Morosini war ohnmächtig geworden. Am nächsten Tage erschien sie in der Polizeistation, um sich per­sönlich zu bedanken. Sie veranlaßte ihren Vater, Werner zum Verwalter seines großen Landgutes und anderen Be­sitztums zu machen, und als der ehemalige Polizist dieser Tage eine Scheidung von seiner eriten Frau, von der er übrigens schon seit Jahren getrennt lebte, erlangt hatte, reichte sie ihm die Hand zum Bunde fürs Leben. Der Millionär Morosini hatte nichts dagegen einzuwenden, denn Werner hatte sich längst als ein sehr fähiger und tüchtiger Mensch erwiesen. Noch von einer zweiten ro­mantischen Heirat berichten die englischen Blätter: Jn Glasgow ist die Tochter eines der reichsten Kaufleute mit dem Instrukteur einer Rollschuhbahn durchgebrannt und hat sich in Edinburgh trauen lassen. Das junge Paar tam dann nach London, um hier seine Flitterwochen zu genießen, aber der Vater hatte sie irgendwo aufgespürt, und holte sich seine Tochter zurück.

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Wie tommt man zu neuen Kleidern? An einem der letzten Abende gegen halb 8 Uhr rief das Benehmen eines jungen Mannes auf der Marienbrücke in Wien großes Aufsehen hervor. Vorübergehende beobachteten einen Mann, der sich auf den zum Donaukanalufer führenden Stufen seiner Kleider entledigte und dann ganz nadt, trotz der empfindlichen Kälte, längs des Ufers auf und abpro­menierte. Der Wachtposten wurde verständigt. Er brach­te den Burschen aufs Polizeikommissariat. Da er seine Kleider ins Wasser geworfen hatte, und augenblicklich kein Ersatz zu finden war, mußte er im selben Zustand aufs Po­lizeikommissariat gebracht werden. Der Transport des Unbekleideten erregte viel Verwunderung und Aussehen. Es handelt sich um einen jungen obdach- und beschäfti­gungslosen Burschen, der sich auf diese Art Unterstand und neue Kleider verschaffen wollte.

Die ausgebotene Braut. Von einem merkwürdigen Vorkommnis wird aus Genf berichtet. Ein junges verlob­tes Paar in einer kleinen Stadt der Schweiz kam überein, ich wieder zu trennen, doch stellte das Mädchen die Be­dingung, daß der Bräutigam einen Ersazmann für sich fin­den sollte. Dieser erzählte nun seinen Freunden, er wolle dem, der statt seiner die Braut heimführe, 500 Frank zah­len. Es erbot sich auch sofort einer von den jungen Män­nern, das arme, aber hübsche Mädchen zu ehelichen, wenn er 750 Fr. von dem zurücktretenden Bräutigam bekomme. Bald darauf meldete sich ein anderer Bewerber, der nur 300 Frank beanspruchte, da ihm das Mädchen sehr gefiel. Dieses unerwartete Angebot ließ den die Braut ausbietenden Mann auf die Vermutung kommen, daß er sich auch ohne Geldopfer werde freimachen können. Und so wartet er die weitere Entwicklung der Sache ab. Vielleicht findet sich gar jemand, der ihm noch eine größere Summe für die Ex­braut auszahlt. Das junge Mädchen selber sieht in aller Seelenruhe dem Ausgang der seltsamen Angelegenheit ent­gegen. Es macht der Schönen nichts aus, daß in dieser Weise über ihren Wert in Geld verhandelt wird. In der Heirat erblickt sie eine Art Lotteriespiel und hofft, der Zufall werde ihr einen wirklich guten Mann bescheren.

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Papst Leo und Leo Papst. Herrn Leone Papa, dem Gatten einer bekannten italienischen Schauspielerin, ist vor einiger Zeit eine amüsante Geschichte passiert. Ein einflußreicher Freund und Gönner schenkte vor mehreren Jahren dem Künstlerpaar eine Gratisfahrkarte für eine Rundreise durch Italien. Die Fahrkarte sollte zu einer be­stimmten Zeit eintreffen, tam aber nicht an. Das Ehepaar hatte die Sache längst vergessen, nachdem es damals zu seinem Bedauern auf die schöne Reise hatte Verzicht lei= sten müssen. Da geschah es, daß Herr Leone Papa eines Tages in Rom auf das Generalpostamt zitiert wurde. Hier entspann sich zwischen ihm und einem hohen Beamten nach­stehende Unterhaltung: Sie sind doch Herr Leone Papa?" Jawohl, der bin ich!" ,, Dann habe ich Ihnen eine Mitteilung zu machen"( bei diesen Worten nahm der Be­amte aus einem Schubfach einen vergilbten Brief heraus). ,, Es tut mir leid, daß dieser Brief so spät in Ihre Hände gelangt.... Er ging irrtümlich an einen anderen Papa, der auch Leo heißt. ,, Wer ist das denn?" fragte Leone Papa neugierig. An den Papa Leo im Vatikan wurde der Brief geschickt. , Aber der ist doch schon längst tot!" ,, Das ist richtig, aber es tommen trotzdem fast täglich aus allen Weltteilen, wahrscheinlich von Leu­ten, die sich um das, was in der Welt vorgeht, wenig füm­mern, Briefe, die an den verstorbenen Papst Leo XIII. adressiert sind. Ihr Brief, Herr Papa, wurde wie alle Briefe dieser Art dem Papst Pius X. zugestellt. Er wurde uns leider erst heute vom Vatikan zurückgegeben; ich über­gebe Ihnen hiermit den Brief und bitte im Namen der Postverwaltung um Entschuldigung." Leone Papa riß, nicht wenig überrascht, den Brief auf und fand darin die Rundreisefahrkarten, die man ihm vor Jahren versprochen hatte, und die jetzt natürlich längst verfallen waren. Die letzte Bitte einer Neunzigjährigen. In dem eng­lischen Städtchen Hanley starb vor wenigen Tagen ein wohlhabendes greises Fräulein, das ungeachtet des hohen Alters von fast 93 Jahren den einzigen kurzen Liebestraum ihres Lebens noch nicht vergessen hatte. Kurz vor ihrem Tode bat sie, man möge ein Bündelchen Briefe, das in ihrem Schreibtisch verwahrt liege, ihr mit in den Garg ge­ben. Ein Blick auf die mit fast verblaßten Schriftzügen be­deckten, vergilbten Blätter, die das Datum der Jahre 1835 bis 1837 trugen, ließ die Angehörigen erkennen, daß es sich um Liebesbriefe handelte. Pietätvoll erfüllte man den letz­ten Wunsch der Toten, die vordem nie von ihrem verlorenen Glück gesprochen hatte.

Ein hübsches Geschichtchen wird der Chemn. Allgem. Zeitung" aus einer Chemniker Knabenschule mitgeteilt.

Die kleinen Schüler werden vom Lehrer nach dem Ruf­namen ihrer Väter gefragt. Alle geben, ohne sich lange zu besinnen, die gewünschte Antwort, nur ein sonst gut begabter Junge wird verlegen und bleibt die Antwort schil dig. Auf Zureden des Lehrers flüstert er endlich jenem ins Ohr: Ich schäme mich ja so sehr. Mein Papa hat einen recht dummen Rufnamen, Mama ruft ihn ,, Dicer."

Kinematographen auf Bahnhöfen. Eine Neuerung will, wie aus Pittsburg gemeldet wird, die Pennsylvanische Bahn einführen. Auf den großen Bahnhöfen dieser Bahn sollen nämlich fünftighin Kinematographenbilder gezeigt werden zur Unterhaltung derjenigen Passagiere, die dort lange auf ihre Züge zu warten haben. Gleichzeitig wird angefündigt, daß die Abfahrt der Züge und alle anderen für die Reisen­den wichtigen Ankündigungen alle paar Minuten ebenfalls durch den Projektionsapparat bekannt ge eben werden sol­len, so daß die Reisenden in aller Ruhe in dem Theater bleiben können, bis sie zum Zug eilen müssen.

Das Wachstum von Goethes Schädel. Unter diesem Titel veröffentlicht der Professor der Physiologie an der Wiener Universität, Hofrat Dr. Sigmund Erner, in dem soeben erschienenen zweiten Dezemberheft der Desterreichi­schen Rundschau" das Ergebnis einer interessanten Unterfu­chung. Durch Messungen an Bildnissen aus verschiedenen Lebensjahren Goethes fand Exner, daß Goethes Schädel bis in das späte Greiſenalter des Dichters gewachsen ist, im Gegensatze zum Durchschnittsmenschen, dessen Schädel mit dem fünfzigsten Jahre zu wachsen aufhört. Aus dieser Erkenntnis fommt Erner zu folgendem Schlusse: Hat das. Wachstum von Goethes Schädel um Jahrzehnte länger ge= währt als das bei einem gewöhnlichen Menschen, so- bildet dies eine vortreffliche Illustration des mächtigen Einflus ses geistigen Strebens auf den Körper, speziell auf den Träger der physischen Funktionen, das Gehirn. Denn wir werden uns faum vorstellen, daß der Schädel allein und nicht auch das Gehirn gewachsen ist. Das Gehäuse des Ge­hirns kann nur wachsen, solange die sogenannten Nähte nicht durch Berknöcherung geschwunden sind. Es wäre des­halb die Verwirklichung der theoretisch gegebenen Möglich­feit, den Schädel Goethes auf den Zustand seiner Nähte zu untersuchen, von größtem Interesse."

Eine Republik in der Wiege.

Im Januarheft von Velhagen& Klasings Monatshef­ten erzählt Otto von Gottberg von seinem jüngsten Aufent­halt in Portugal und kommt zu einem eben nicht schmet­chelhaften Urteil über diese jüngste Republik.

Verschwenderische Freigebigkeit der Natur hat das von südlicher Sonne gewärmte aber auch vom Hauch des Meeres gekühlte Portugal zu einem Paradies gemacht. Freilich wankt die Scholle unter Stößen der grollenden Erde, wie unter politischen Umwälzungen der Staat eines Bastard­volfes eitler, prahlsüchtiger, unmännlicher Kinder. Achtzig von Hundert sind Analphabeten und abergläubisch wie die Geisteraubeter von Haiti. Noch heute lassen sie sich einre= den, daß die Jesuiten Säuglinge schlachten, um aus ihrem Blut heilfräftige Tränkchen zu gewinnen. Das ist das Volk, das sich in der Oktoberrevolution mündig erklärte, um Eu= ropa das Schauspiel einer Tragikomödie zu bieten, bis es unter englischem Protektorat seine Selbständigkeit verlie­ren wird.

Das Unglück des Portugiesen ist, daß die Natur ihn nicht an Kampf gewöhnte. Ein mildes Klima hat ihn ver­weichlicht. Um sich zu sättigen, braucht er kaum die Hand zu rühren. Kein Fischmarkt der Welt bietet mehr als der von Lissabon. Trauben faulen in Portugal auf der Rebe, obwohl auch der Bettler täglich Wein trinkt. Des Landes Kornkammern am Minho und Duero, im westlichen Est­remadura und Alemtejo können nicht nur der Nation, son­dern auch dem benachbarten Spanien Brot liefern. Aber ei­gentlich nur Verwalter aus der Fremde verstehen mit mo­dernem Gerät den Acker auszubeuten. Der Portugiese furcht ihn oft noch mit hölzerner Pflugschar. Brach tegen frucht­bare Landstriche, über deren weite Hänge der Hirt seine Schafe durch ein Rankenmeer blühender Rosen treibt. Der Täler Blütenpracht ist unvergleichlich. Und doch ist das Land verschuldet durch die Trägheit und politische Miß­wirtschaft der Bewohner.

Gediegener Bildung und großen Besitzes erfreut sich nur eine winzig kleine Oberschicht von Menschen, die mit ihren Volksgenossen wenig gemein haben und gern im Aus­land leben. So verschieden sind sie von der Masse der Por­tugiesen, daß man sie Kinder einer anderen Nation glauben fönnte. Nur das Unmännliche, Weibische haben auch fie. Mehr noch als andere Lateiner puzen, frisieren und poma­disieren sich die Männer. Sie schmücken sich mit bunten Edel­-steinen wie ihre Frauen, zierliche graziöse Dingerchen mit dem dunklen Teint und der sprühenden Lebhaftigkeit von Kreolinnen. Wie jede Rassenmischung schuf auch die, welche den Portugiesen gebar, schöne Frauen, und die verwöhn­ten Luxusacschöpfe der Oberschicht verstehen mit raffinier­tem Geschmack ihrer Grazie den Rahmen der Eleganz zu geben. Sie brauchen nicht alle schön zu sein, um zu gefallen, weil sie sich zu kleiden verstehen. Wie das von ihnen wäh­rend der Tagesstunden bevorzugte Schwarz ohne jede hell­farbige Zutat Frauen mit dunklen Augen und Haaren ver­schönen kann und wie es getragen werden muß, sieht man eigentlich erst in Lissabon. Die Portugiesinnen haben nichts von der anämischen Lässigkeit der Spanierin, sondern sind vollblütig und lebendig. Auch mehr Bewegungsfrei­heit und Verkehr mit dem Manne gönnt ihnen die Sitte eines Landes, in dessen Häfen der Seewind die Bräuche der Fremde weht. Aus gleichem Grunde wohl plappern sie in fünf Sprachen, und nicht minder sprachengewandt sind ihre Männer. Unter zwei täglichen Bädern und zwei Besuchen beim Friseur tun sie es nicht. Ueberhaupt ist Mangel an Reinlichkeit ihnen nicht vorzuwerfen. Vor einem Diner in Lissabon wurde der Fremde mit den einheimischen Gästen in einen Waschraum geführt, und die Art, wie dort jeder unmittelbar vor und nach Tisch in Riesenbecken die Hände wusch, ließ auf einen allgemeinen Brauch schließen.

Im Gegensatz dazu ist die Masse der Portugiesen schmu­Big und ungebildet. Wohl sind die für den geschäftlichen Verkehr eines so kleinen Volkes unentbehrlichen Sprach­fenntnisse auch dem Mittelstand der Kaufleute eigen, aber dafür redet sogar der Studierte in den schwülstigen Phra­sen der Halbbildung Wie in jedem unwissenden Kinder­volk hat auch im portugiesischen die Presse ungeheuere Be­deutung und verderblichen Einfluß. Der Schwachkopf, der frause Gedanken zu Papier und Druck bringen kann, gilt als Genie, und wie in Zentralamerika macht in Portugal der Besit des Titels Doktor oder Professor den Menschen nach Ansicht der Volksgenossen zur Bewältigung jeder Auf­gabe fähig. Ignoranz überschätzt stets den Wert von Bücher­wissen.

Die Halbbildung im Lehr- und Redaktionsstuhl war in Portugal angesehen und mächtig genug, um den Umsturz der Monarchie durchzuführen. Ein Professor mordete König Carlos. Wer des Toten Leichenzug durch die Straßen der Hauptstadt fahren sah, konnte unschwer das Ende der Mo­narchie prophezeien. Des langen Stehens und Wartens müde, schwatten und schmausten im Spalier schaulustige oder sonst gleichgültige Bürger. Lachende Soldaten hoben widerwillig das Gewehr zum Präsentieren.

Die Katastrophe des Ballons Hildebrandt.

Jetzt endlich, fast drei Wochen nach dem Aufstieg, wird das Dunkel gelichtet, das bis dahin über den Verbleib des am 29.Dezember 1910 inSchmargendorf bei Berlin mitRechts­anwalt Kohrs und Prokurist Keidel aufgestiegenen Ballons Hildebrandt" lag. Die Vermutung, daß die Luftschiffer in der Ostsee verunglückt feien. hat keine Bestätigung gefun=

den; sie haben, wie wir gestern schon furz mitteilten, aus Irfachen, die mit Sicherheit wohl niemals aufgeklärt wer den können, in einem See an der brandenburgisch- pommer­schen Grenze ihren Tod gefunden.

Es wird über die Katastrophe weiter gemeldet: Zwischen Bahn und Wildenbruch bei Greifenhagen in Pommern liegt an den Hoenenbergen, von Wäldern um geben, der Göhrensee. Sonntag abend wurde dort in dem teilweise vereisten See, der einen ziemlichen Umfang hat, die Hülle eines Ballons bemerkt, und man machte sich an die Arbeit, das Eis an der Stelle zu entfernen, wo die Gondel zu sehen war. Die Arbeiten mußten jedoch wegen der Dun­felheit aufgegeben werden. Am Montag vormittag wurden die Arbeiten fortgesetzt, und nun stellte sich heraus, daß es sich bei dem Funde um die leberreste des vermißten Berli ner Ballons Gildebrandt" handelte. Man hat festgestellt, daß die Ballonhülle die Gondel teilweise deckt. Letztere be­findet sich etwa 1% Meter unter dem Wasserspiegel. In der Gondel sind deutlich die Leichen der beiden Insassen zu ers fennen. Der eine Tote steht aufrecht in der Gondel, die andere Leiche ist seitlich über den Rand der Gondel geneigt. Auf der Hülle des Ballons konnte man den Namen Hilde brandt" erkennen. Der Ballon hat schon tagelang dort ge­legen, er ist bisher mit Schnee bedeckt gewesen und daher unbemerkt geblieben. Auch war der dünnen Eisdecke wegen fein menschliches Wesen über die Eisfläche gegangen. Ueber die voraussichtliche

Ursache der Katastrophe

wird dem Berl. Lokalanz." von seinem aeronautischen Mits arbeiter, Hauptmann a. D. Hildebrandt, dessen Name der verunglückte Ballon trägt, geschrieben: Meine mehrfach zum Ausdruck gebrachte Vermutung, daß der Ballon wahrschein­lich nicht in die Ostsee geraten ist, hat nunmehr Bestätigung erlangt. Das Unglück ist anscheinend bei der Landung ein­getreten, die die Luftschiffer wahrscheinlich in dunkler Nacht vorgenommen haben, um die Ostsee zu vermeiden. Im Winter, wenn die Seen zugefroren sind, sind sie nicht zu er­kennen. Wie in anderer Jahreszeit in gewissen Entfern ungen, so kann man mit Schnee bedeckte Lichtungen im Wal­de für einen See halten und umgekehrt. Namentlich bei Dunkelheit ist es außerordentlich schwierig, einen See zu er fennen. Es ist sehr gut denkbar, daß der Führer des Hil­debrandt" bei der beabsichtigten Landung in den See ge= raten ist, aus dessen eisigen Fluten er das Fahrzeug nicht mehr flott zu machen vermochte. Die Sandsäcke haben viel­leicht zu schnell Wasser gesogen und das gesamte Material ist mit den Insassen durch das damals dünne Eis gebrochen. Der Ballon war vermutlich von dem Führer mit der Reiß­leine schon aufgerissen, so daß er das Gas verloren hatte. Der 1400 bm. große, gummierte Ballon Hildebrandt" wurde vom Berliner Verein für Luftschiffahrt im Jahre 1909 angeschafft. Der Hildebrandt" stieg am 22. April 1909 zum ersten Male in die Lüfte. Am Schlusse des Jahres Hette er 26 Fahrten zurückgelegt. Die Fahrt, die Dr. Kohrs mit dem Ballon antrat, war die vierzigste, die mit dem Ballon unternommen wurde. Dr. Kohrs hatte schon vor längerer Zeit das Führereramen bestanden.

Heute meldet uns der Draht:

Stettin, 17. Januar. Um zu dem endlich gefundenen Ballon Hildebrandt zu gelangen. haben gestern nachmittag etwa 400 Menschen ihr Leben riskiert und sind auf dem nicht mehr als Zoll starken Eise bis zur Ballonhülle vorge= drungen. Während die Ballonhülle selbst auf dem Eise liegt, befindet sich neben der Hülle ein großes, von Fischern geschlagenes Voch. Man kann erkennen, daß in der Gondel cin Mann aufrechtsteht. Er hat schwarzes Haar und einen kleinen schwarzen Schnurrbart. Seine rechts und links aus­gestreckten Hände fassen frampshaft die Stricke, die Gondel und Ballon verbinden. Ueber dem Rand der Gondel scheint eine zweite Gestalt zu liegen. Die trüben, sich bewegenden Fluten verwischen die Linien derart, daß sich die Gestalt nicht erkennen läßt.

Drabtnachrichten und neuestes.

In einem Waschkessel verbrüht. Berlin, 17. Januar. Der fünfjährige Sohn einer Wasch­frau spielte mit einem sechsfährigen Gefährten in der Wasch füche, in der ein Kessel mit kochender Wäsche stand. Als die Waschfrau für einige Augenblicke sich aus dem Raum entfernte, ergriff der ältere Knabe seinen Spielgefährten, rang mit ihm und warf ihn schließlich in den Kessel mit fochendem Wasser. Als die Mutter zurückkehrte und das Kind aus dem Kessel hervorzog, gab es nur noch schwache Lebenszeichen von sich.

Anhänger der Mormonensefte in Sachsen. Dresden, 17. Januar. Verschiedene Anhänger der Mormonensefte ließen sich in der Mulde bei Grimma taufen. Infolgedessen ist ein Mormonensendling aus Nordamerika als lästiger Ausländer ausgewiesen worden.

Tod auf den Eisenbahnschienen.

Mainz, 17. Januar. Unterhalb des Hauptbahnhofes an der Unterführung der Mombacher Straße wurde der 19 Jahre alte Streckenarbeiter Fren aus Heidesheim von einem Schnellzug überfahren und auf der Stelle getötet. Der junge Mann wollte einem Personenzuge ausweichen und lief di­rekt vor die Maschine des heranbrausenden Schnellzugs. Verunglückte Berglente.

Dortmund, 17. Januar. Auf Zeche Königsberg bei Oberhausen wurden drei Bergleute verschüttet. Einer war fcfort tot, zwei sind schwer verletzt.

Ein neuer Zeppelin für die Heeresverwaltung. OCöln, 17. Januar. Zwischen dem preußischen Kriegss ministerium und der Zeppelingesellschaft schweben Unter­handlungen zwecks Ankaufs eines neuen Zeppelinballons für die Luftschiffhalle bei Cöln. Nachdem das Luftschiffge= schwader in Cöln ergänzt sein wird, sollen neue Uebungen stattfinden möglichst unter Teilnahme von Aeroplanen und zwar auf Grund der neuen Flugvorschriften, die zurzeit nach den vorjährigen Erfahrungen bearbeitet werden.

Liebesdrama.

München, 17. Januar. In seiner Wohnung in det Glücksstraße hat der 26jährige Studierende der National­ökonomie Kanert aus der Schweiz gestern abend seine 18­jährige Geliebte, die Kellnerin Dertel, und sich selbst er­schossen.

Ein russisch- chinesischer Zwischenfall. Petersburg, 17. Januar. 3wischen Russen und Chines sen ist es zu einem blutigen Zusammenstoß am rechten Amurufer gegenüber von Blagoweschtschenst gekommen. Auf beiden Seiten gab es mehrere Tote Hier versucht man den Zwischenfall zu vertuschen. Wie verlautet, haben auch die chinesischen Behörden wiederholt gedroht, sie würden, wenn russische Soldaten auf chinesischem Gebiet zur Verfolgung chinesischer Räuberbanden erschienen, unter allen Umständen ihre Entwaffnung und sofortige zwangsweise Entfernung vornehmen. Auch diese Tatsache wird so gut wie gänzlich verschwiegen, um die öffentliche Meinung nicht über die zu nehmende Spannung in den Beziehungen zum ostastatischen Nachbar aufzuklären.

Im Walde überfallen und ausgeraubt.

Paris, 17. Januar. In einem Walde bei Paris wurde ein Mann gefunden, dem die Beine zusammengeschnürt wa= ren, und der mit einem Strid an einen Baum in aufrechter Haltung gebunden war, sich aber nicht zu rühren vermochte. Der Unglückliche, der halb erfroren war, sagte, daß er Ame­rikaner sei und Harry Miller heiße. Er sei von Räubern im Walde überfallen worden. Die Banditen hätten ihm seine Kleidung und tausend Dollars abgenommen und ihm Lumpen angezogen. In der Nähe des Mannes lag eine Flasche, die ein Betäubungsmittel zu enthalten schten. Die Polizei ist bemüht, die in mancher Beziehung rätselhafte Angelegenheit aufzuklären