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Nach Neu- Guinea vor 25 Jahren.

dampfer Manila"( 1790 Tonnen) in 18 Tagen Finschhafen erreichen, so daß die Reise von Genua nach Neu- Guinea nur 40 Tage dauert. Auch kann man in derselben Zeit von Hongkong mit den Dampfern" Prinz Waldemar"," Prinz Sigismund" und" Coblenz" die Reise machen.

Im folgenden will ich eine Schilderung geben, wie man vor 25 Jahren nach Neu- Guinea reiste. Damals sandte die Neu- Guinea- Kompagnie ihre Beamten mit Schiffen der British India Lines nach Kaiser- Wilhelms­Land, und zwar liefen die Schiffe von London nach Cooktown in Queensland( Australien). Von Finschhafen, damals der Gouvernementsplatz und Haupthafen von Neu- Guinea, gingen monatlich kleine Küstendampfer der Kompagnie nach Cooktown und nahmen die europäischen Passagiere und Frachten, sowie die in Australien gekauf­ten Provisionen an Bord.

Im Jahre 1887 ging ich als Beamter der Neu­Guinea- Kompagnie mit drei deutschen Schiffszimmer­leuten in London an Bord der Waronga", eines Schiffes der British India Lines, um über Cooktown nach Neu­Guinea zu gelangen. Die Waronga" war ein kleiner Dampfer von 2000 Tonnen. Hinten befand sich die ziem­lich beschränkte 1. Kajüte, der Essalon konnte höchstens 25 Personen aufnehmen. Das über dem Eßsalon gelegene Promenadendeck hatte man durch einen Bretterzaun in zwei Hälften geteilt. Die eine Hälfte war für die Passagiere der ersten Klasse, die andere Hälfte durften hundert für Queensland bestimmte Mädchen benutzen. Diese jungen Damen waren bereits sämtlich Bräute, hatten jedoch ihren Zukünftigen, der sie in Queensland erwartete, noch nie gesehen.

Außer diesen Damen waren noch über 200 Emigranten an Bord. Da das Schiff nur 8 bis 9 Meilen per Stunde zurücklegte, dauerte die entsetzliche Reise bis Cook­town volle zwei Monate. Die Verpflegung an Bord war selbst in der 1. Ka­jüte eine miserable. Nicht die geringste Abwechslung in der Küche, jeden Tag dasselbe Menü. Solange es noch Schlachtvieh an Bord gab, war das Essen einiger maßen erträglich. Als dies aber ausgegangen war, wurden wir wochen­

lang mit australischem Konservenfleisch ge­füttert. Die Beschwerden beim Schiffsarzt, der die Kontrolle über die Küche führte, hatten feinen Erfolg.

volle Tage im Hafen. Batavia war in 18 Minuten per Eisenbahn zu erreichen. Welche Erholung wäre es für uns gewesen, wenn wir diese drei Tage in dem herr­lichen Pavillonhotel des Indes hätten zubringen können.

Von Tandjong Priok fuhren wir also durch die mit rauchenden Vulkanen besetzte Bali- Straße an Timur vorbei nach der Torres- Straße und durften endlich in Tursdy Jsland an Land gehen. Auf dieser und den um= liegenden kleinen Inseln bilden Perlensischerei und Tre­pangfang die Haupterwerbsquellen der dort ansässigen Europäer. Tursdy Jsland besitzt ein recht nettes Strand­hotel.

Als wir nach Cooktown gelangten, kam der Gouverne­mentsarzt Dr. C., der auch gleichzeitig deutscher Konsui war, an Bord, um die Passagiere zu untersuchen. Die Emigranten des Zwischendecks beschwerten sich bei ihm über die schlechte Behandlung und Verpflegung an Bord und baten ihn, bei der Queensländer Regierung Be= schwerde zu führen. Auch wir Kajütenpassagiere erklär= ten Dr. C., daß während der langen Reise unglaubliche Zustände an Bord geherrscht hätten und daß die Ver­pflegung quantitativ wie qualitativ eine ganz erbärm­liche gewesen sei. Dr. C. versprach, eine Beschwerde ein­zureichen, teilte uns jedoch mit, daß derartige Beschwerden mit jedem Schiffe dieser Linie ein­liefen und daß die Queensländer Regierung bisher eine bessere Behandlung der Passagiere nicht hat erzielen können. Erst nach achttägigem Aufenthalt in Cooktown fonnte ich meine Reise fortsetzen. Cooktown bestand da­mals aus mit Wellblech ge­deckten Holzhäusern. Das Hotel" war nur eine Bretter­bude. In dem kleinen fenster­losen Zimmer, das ich da­mals bewohnte, befand sich ein schmales eisernes Bett, ein eiserner Wasch­ständer, ein Stuhl und

ein Tisch. Dafür und für eine elende Verpfleg­ung mußte ich ein Pfund ( 20 Mark) pro Tag zahlen.**) Glücklicherweise lag das Kanonenboot" Adler" im Hafen. Der Verkehr mit den liebens­würdigen Offizieren bot eine an­genehme Abwechslung in dem sonst öden Neste. Die, Samoa", ein klei­ner Küstendampfer der Neu- Guinea­Kompagnie, die mich nach Finschhafen brachte, war ein schrecklicher Kasten. Die Beamten der Kompagnie nannten. ihn den Appelkahn mit der Kaffeemühle" Die einzige Kajüte lag hinten am Heck. Sie bestand aus einem kleinen Salon, der nur für sechs Menschen Platz bot. An den Seiten des Salons be­fanden sich vier enge Rojen. Ein Promenadendeck gab es überhaupt nicht, sondern nur einen ungefähr sechs Quadratmeter großen Raum am Heck vor der Kajüte, der bei bewegter See meistens unter Wasser stand. Bei stürmischem Wetter konnte man die Kajüte überhaupt nicht verlassen. Um das Unglück voll zu machen, platzte auch noch ein Kesselrohr, so daß wir bei Killerton Island acht Stunden festlagen, um die Maschine zu reparieren. Nach viertägiger Reise erreichten wir endlich Finsch­hafen. Die ganze Reise von London nach Neu- Guinea hatte also, den achttägigen Aufenthalt in Cooktown ein­gerechnet, 72 Tage gedauert.

Eingeborener von Neu- Guinea.

Die, Waronga" ging ohne Aufenthalt von Lon­don bis Port Said, wo Kohlen und kleines Schlachtvieh eingenommen wurden. Dann ging es durch den Suez­fanal nach Aden, wo wir drei Tage auf die indische Post für Australien warten mußten. Dann dampften wir nach Colombo. In Aden war der deutsche Marineoberarzt Dr. T. an Bord gekommen, der sich nach Cooktown be­gab, um dort den an Bord des Kanonenbootes Adler"*) gestorbenen Kameraden zu ersetzen. Ich war hocherfreut, für die noch so lange Reise einen deutschen Leidens­gefährten gefunden zu haben, denn mit der indolenten englischen Gesellschaft konnte man sich wenig unterhalten.

In Colombo gingen wir außerhalb des Hasens in der Nähe des Leuchtturms vor Anker. Keiner durfte an Land gehen, trotzdem wir über acht Stunden im Hafen lagen und Eis, Wasser und einige frische Provisionen einnahmen. Wir hatten uns schon sehr darauf gefreut, uns im Grand- Hotel mit Genuß einmal ordentlich satt essen zu können. Unsere Freude wurde aber zu Wasser. Nachmittags stachen wir wieder in See und steuerten der Sundastraße zu. Nach zehntägiger Reise erreichten wir Tandjong Priok, den Hafen von Batavia, und gingen auch hier außerhalb des Hafens vor Anker. Das Schiff hatte die gelbe Quarantäneflagge gehißt und niemand burfte an Land gehen. Wir lagen wie in Aden drei

Man wird mir wohl Recht geben, wenn ich behaupte, daß vor 25 Jahren eine Reise nach Neu- Guinea, wie ich sie gemacht habe, kein Vergnügen war. während heute mit einem Schiffe des Norddeutschen Lloyd eine solche Reise als Vergnügungsreise im wahrsten Sinne des Wortes betrachtet werden kann.

*) Der Adler" strandete bekanntlich später am 16. März 1889 bei Apia. **) Die dortigen Berhältnisse haben sich in den letzten 25 Jahren natur­lich sehr zu ihrem Vorteil verändert.

An indischen Fürstenhöfen.

Palais des Maharaja von Tanjore, Süd- Indien.

Räumen verbringen. Dabei müssen sie alle häuslichen Arbeiten verrichten, die Kühe melken und oft die Be­schäftigung des Mannes teilen.

Während die Frau das unangesehenste Geschöpf in der indischen Gesellschaft bildet, gibt es doch eine Klasse, welche nicht nur von den Sklavenfesseln frei ist, sondern sogar die anerkannte Königin der Gesell­schaft ist: die Tänzerin, das Nautch- Mädchen. Das Nautch- Mädchen ist überall hoch angesehen. Es gilt als unentbehrlich für Tempel und Heim. Sie wohnt allen Festichkeiten der Eingeborenen bei, sie schmückt die Braut am Hochzeitstage und ihr Erscheinen in einem Hause macht dasselbe rein. Alle Kasten ver­ehren sie und sie darf selbst in Gegenwart der höchsten Persönlichkeiten einen Sitz einnehmen. In vielen Gegenden wird sie wie eine Prinzessin geachtet. Manche dieser Nautch- Mädchen verdienen ein fürst­liches Vermögen.

So sehr sich der Fürst bemüht, die Sitten und Gebräuche der Hindus zu wahren, so eifrig versucht er einer der grausamsten Gepflogenheiten der Ein­geborenen entgegenzuarbeiten. Bekanntlich werden die Mädchen schon im zartesten Alter an ihre für sie bestimmten Männer verheiratet, manche schon mit 8 Jahren. Obschon die englische Regierung das Schließen der Ehe unter 12 Jahren verboten hat, ist dieses Gesetz doch fast nirgends durchgeführt worden. Der Raja von Kapurthala aber besteht strenge auf der Durchführung des Wortlauts. Bergebens aber ist sein Bemühen, das Opfern von Mädchen in den Tempeln zu verhindern, ein barbarischer, aber von

der Hindu- Religion verlangter Brauch. Die Religion verlangt ,, Bräute" für die Götzen, Devidasis genannt. In zartestem Alter werden Mädchen von den Priestern gekauft oder man schenkt sie ihnen. Sie müssen vor den Altären tanzen, Lieder singen und die Götzen unterhalten.

Der Fürst hat außerhalb der Stadt einen pracht­vollen, von englischen Architekten ausgeführten Palast. Er bewohnt diesen mit seinen Frauen und Kindern und einem kleinen Teile seiner Dienerschaft. Der Se­kretär und Majordomus wohnen ebenfalls in dem Gebäude. Entgegen der indischen Sitte ist der Balast vollständig möbliert.

In fast jedem Zimmer steht ein Piano, auch ein Phonograph ist im Zemana und die Damen lassen sich etwas von Caruso, Goritz und der Tetrazzini vorsingen.

Früher pflegte der Fürst immer im Landauer zu fahren, seit ein paar Jahren aber hat er für sich und seine Familie Automobile angeschafft.

Er hat auch viele Kamele und Elefanten und einen famosen Rennstall, denn er bedarf der besten Pferde für die Eberjagden, welche ein Hauptsport im Pundjab sind. Der Fürst ladet dazu verschiedene Würdenträger und etwa anwesende Fremde ein, mit welch letzteren er am liebsten verkehrt. Die Jagd ist aufregend und gefährlich, denn die Eber sind, wenn verwundet, oder in Wut geraten, fürchterlicher als ein Tiger. Die Jäger bewaffnen sich mit einer Lanze und reiten in die Felder, das Wild aufzujagen. Anfangs flüchtet der Eber gewöhnlich und hinter ihm drein fiie­

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