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An indischen Fürstenhöfeu,
gen die Reiter. Wird der Eber gestellt, so greift er an. Oft werden mehrere Pferde getötet, ehe es möglich ist, den Eber zu fällen. Man muß mit der Lanze tief stechen, und dabei kommt man selbst in Gefahr, mit den Hauern des Ebers Bekanntschaft zu machen.
Man ahnt nicht, wie die Eingeborenen unter sich und alle gegen die Europäer intriguieren. Man kann sich keinen Begriff machen von den Schwierigkeiten, die einem weißen Manne am Hofe eines Raja in den Weg gelegt werden. Man scheut kein Mittel, ihn zu beseitigen. Die britische Regierung nimmt sich übrigens der Weißen an.
Kein Fürst darf ohne Erlaubnis der Regierung einen Weißen oder einen Nichtangehörigen seines Staates engagieren. Der Raja muß die Erlaubnis des Distriktskommissärs einholen und diese muß, vom Lt.- Gouverneur bestätigt, an den Vizekönig zur Unterschrift geschickt werden.
Es ist nicht leicht für einen Fürsten, nach Simla, der Sommerresidenz, zu kommen, außer für die höch= sten Rajas, welche sogar vom Vizekönig eingeladen werden. Die Regierung sieht dort die übrigen Herren nicht gerne, und es ist sehr selten, daß einer die Erlaubnis erhält, und dann darf er höchstens vierzehn Tage bleiben. Man kann es der Regierung nicht verargen, denn sonst würden manche Fürsten gar selten in ihrem Lande sein, und es wäre in Simla und den Sommerplätzen im Himalaya nicht mehr auszuhalten, da die Fürsten und besonders ihr Gefolge nicht im Zaum zu halten wären. Kein indischer Fürst darf in britischem Gebiete Grundbesitz erwerben.
Viele der älteren Fürsten halten sehr viel von sich, aber die jüngeren erhalten jetzt alle englische Erziehung, und da lernen sie Bescheidenheit. Die Tage, da ein Raja nach Calcutta kam und ein ganzes Ge
Ein Tiger- Aberfall.
schäft auskaufte, weil er glaubte, es passe sich nicht, daß nach ihm ein anderer noch das Geschäft betrete, sind vorbei.
Im Sommer langweilt sich der Raja in Rapurthala, er geht daher auf sein herrliches Schloß in Massuri im Himalaya. Dort schreibt sich gleich alles in sein Visitenbuch, um Einladungen zu seinen Festlichkeiten zu erhalten, aber er selbst wird nie eingeladen. Sollte er zufällig in einem Hotel bei einem Tanzvergnügen erscheinen, würden sich die Damen hüten, mit ihm zu tanzen, obgleich er ein famoser Tänzer ist. Man spricht ihn auch selten mit dem ihm zukommenden Titel„ Hoheit" an, sondern nennt ihn kurzweg Raja.
Im Winter, wenn es in Kapurthala schön kühl ist, hat der Majordomus viel zu tun, denn dann hält der Raja offenes Haus. Die meisten distinguierten Weltreisenden werden von ihm eingeladen, nach Kapurthala zu kommen.
Es gibt Diners, Tänze, Konzerte, der Raja zeigt
den Gästen seine Schäße, geht mit ihnen spazieren, macht Autofahrten und spielt Polo mit ihnen. Der Fürst singt auch manchmal selbst französische und eng
lische Lieder.
Der Raja hätte es gerne gesehen, daß seine Damen sich um die Küche kümmerten, aber die europäischen tun es nicht, weil es ihnen nicht standesgemäß erscheint, und die Eingeborenen halten zu sehr an ihrer Religion fest, als daß sie auf europäische Art kochen würden. Sie halten sich als Rajputs für die Höchsten in Indien, und wenn sie speisen, darf niemand geringerer als ihre Raste zugegen sein. Ein Diener dürfte nicht einmal seinen Schatten auf das Essen fallen lassen.
Ein Tiger- Überfall.
Eine Fremdenlegiongeschichte aus Tonkin.
Die Patrouille tam zurück. Der Kapitän nahm erwar= tungsvoll die Meldung des Führers entgegen und befahl dann kurz:„ Antreten!" Die Legionäre und die tonkinesischen Schützen, die sich schußbereit auf dem Boden gelagert hatten, sprangen empor und stellten sich in Reih' und Glied. Der Kapitän ließ seine Blicke über die Front gleiten und sagte dann:„ Die Patrouille hat nirgends Piraten bemerkt; wir wollen es also riskieren, heute nacht Feuer anzuzünden. Ich erwarte aber die größte Ruhe und Vorsicht und von den Posten die doppelte Wachsamkeit, weil die Patrouille frische Tigerspuren gefunden hat. Die Posten haben sich durch fortgesetzte Anrufe wach und auf dem laufenden zu er= halten."
Als die Wachtmannschaften ausgewählt und die Posten für die erste Stunde in der tonkinesischen Finsternis verschwunden waren, begannen wir uns häuslich" einzurichten. Seit acht Tagen ging es bereits durch dick und dünn, um einer mordenden und sengenden Piratenbande die Leviten zu lesen. Aber alle unsere Bemühungen waren bisher vergeblich gewesen, und so hatte sich unser eine etwas gereizte Stimmung bemächtig. Denn ein Spaziergang im Eiltempo durch die tonkinesischen Ge= birgsschluchten und Urwälder hat mit einer Promenade im Tiergarten nicht die entfernteste ähnlichkeit.
Endlich loderten die Feuer, und es wurde abgekocht. Nach dem Essen wurde an den einzelnen Feuern noch etwas geplaudert; bald aber machten sich die Folgen der Strapazen der letzten Tage bemerkbar, und die abge= hetzten Krieger sanken einer nach dem andern in tiefen Schlaf.
Nur an dem Feuer der Vorgesetzten, wo sich auch einige bevorzugte Legionäre eingefunden hatten, wurde noch lebhaft, wenn auch in gedämpftem Ton geplaudert. Wie immer, wenn Tigerspuren entdeckt waren, bildete die Riesenkaze das Gesprächsthema. Kein Wunder, denn
Eingeborenen- Kanoe in der Blanche Bai( Gazelle- Halbinsel).
em siger- averjan.
schon so mancher Legionär ist diesen furchtbaren Bestien zum Opfer gefallen und von ihnen direkt aus dem Glied gerissen worden.
Einmal aber," erzählte der Kapitän, sind uns diese Todesengel' als Retter in der Not erschienen. Wir waren in dem berüchtigten Kai- Ringgebirge mit einer starken Piratenmacht in Kampf geraten, und die Sache begann für uns brenzlig zu werden. Ich wollte schon das Signal zum Rückzug geben, als das Feuer auf der feindlichen Seite plötzlich verstummte und unter den Piraten eine grenzenlose Verwirrung zu bemerken war. Sie ließen ihre vortreffliche Stellung auf den Höhen im Stich und ergriffen mit wildem Geschrei die Flucht. Nachdem wir uns von unserer überraschung erholt hatten, stürmten wir die verlassenen Höhen hinauf und sahen, daß die fliehenden Piraten von einigen riesigen Tigern verfolgt wurden. Die Piraten hatten in der Nähe einer Tigerhöhle gelegen, die Tiere durch die Schießerei aufgescheucht und in Wut versetzt. Dadurch war uns in den Bestien ein Bundesgenosse erschienen, wie wir ihn nicht besser wünschen konnten. Denn die Piraten liefen wie besessen davon und glaubten, der Teufel habe seine Hand im Spiel. Von unserem Standpunkt konnten wir noch bemerken, daß eine Anzahl der Fliehenden von ihren vierfüßigen Verfolgern in Stücke gerissen wurde. Es gelang uns, den Schlupfwinkel der Tigerfamilie zu entdecken und das gestreifte Ehepaar bei seiner Rückkehr in die eheliche Höhle zu erlegen. Die Felle waren allerdings kaum noch zu gebrauchen, denn meine braven Legionäre hat= ten mit ihren Kugeln die Tiere förmlich durchsiebt. So endete die Piratenjagd mit einer Tigerjagd."
Haben Sie einmal eine wirklich aufregende, d. h. gefährliche Tigerjagd mitgemacht?" fragte der Kapitän den Leutnant.„ Offen gestanden, nein!" erwiderte dieser. Sie können auch versichert sein, daß eine Tigerjagd immer als gefährlicher geschildert wird, als sie es in Wirklichkeit ist. Sonst würde ihr ja auch der Nimbus fehlen. Mit guten Treibern und von einem sicheren Schußort aus wird eine Tigerjagd nur in den seltensten Fällen gefährlich."
„ Na," meinte der Kapitän ,,, Tiger bleibt doch immer Tiger, und unseren Spanier Fernandez haben wir damals bei Hoang- Man doch gerade nur noch mit knapper Not den Klauen eines Tigers entreißen können. Wenn der Leutnant Rühl nicht so tollkühn mit einem Dolch auf die Bestie losgegangen wäre, dann hätte der Spanier sicher....
In diesem Augenblicke ertönte von der Postenkette her ein markerschütternder Schrei, dem verschiedene Schüsse und ein fürchterliches Gebrüll folgten. Die kleine Gesellschaft am Feuer saß für einen Augenblick wie versteinert da. Dann aber sprang der Kapitän auf und schrie mit Donnerstimme:„ Ein Tiger! Zu den Waffen!"
Im Lager entstand eine entsetzliche Verwirrung. Die aus dem Schlaf geschreckten Leute, von denen viele nur den Ruf:„ Zu den Waffen!" vernommen hatten, glaub
ls ich vor zehn Jahren mit • dem Dampfer„ Stettin", der von Neu- Guinea kam, von Tandjong Briok auf Java nach Singapore reiste und mich dann dort auf der „ Sachsen" einschiffte, und an Bord dieses komfortablen Schiffes des Norddeutschen Lloyd mit einigen Herren der Neu- Guinea- Kompagnie meine Heimreise antrat, wurde ich sehr an meine erste Reise im Jahre 1887, die ich an Bord eines englischen Schiffes von London nach Neu- Guinea machte, erinnert. Schon an Bord der„ Stettin" war es mir, nach neunjährigem Aufenthalt in NiederländischIndien, ein Hochgenuß, auf einem deutschen Schiffe mit liebenswürdigen deutschen Passagieren und Schiffsleuten die Reise machen zu dürfen.
ten zuerst an einen Überfall durch Piraten. Es herrschte daher eine momentane Verwirrung im Lager.
Da aber erschallte die Stimme des Kapitäns wieder, der kommandierte:„ Feuerbrände ergreifen!" Die Schützen ließen den Legionären den Vorrang- weniger aus Achtung vor den Weißen als aus Furcht vor den Tigern. Ein Posten, der in atemlosem Laufe herbeigeeilt kam, meldete dem Kapitän, daß der Legionär Schmidt von einem Tiger überfallen und fortgeschleppt worden sei.
Der Kapitän befahl zwanzig Mann, ihm zu folgen. Er selbst eilte, einen Feuerbrand in der Hand, seinen Leuten voraus. Als man die Postenkette erreichte, waren die Wachen noch so erregt, daß sie kaum Rede und Antwort stehen konnten. Sie hätten nicht mehr zu schießen gewagt, um den Kameraden selbst nicht zu treffen. Auch sei der Überfall mit Blitzesschnelle vor sich gegangen. Schmidt habe noch kurz vorher den Postenruf beantwortet, dann der Angstschrei, das schnelle Ausblitzen eines unheimlich leuchtenden Augenpaares, ein Brechen von Zweigen, und alles war vorbei!
Der Kapitän leuchtete den Boden ab, eine schmale Blutspur wies den Weg, den die Bestie mit ihrem Opfer genommen hatte. Das Gewehr des überfallenen stand an einen Baumstamm gelehnt. Wahrscheinlich hatte Schmidt die Waffe aus irgendeinem Grunde einen Moment beiseite gesetzt und war in diesem Augenblick von , Stripes" oder„ His Highness", wie die englischen Tigerjäger die gestreifte Bestie nennen, überfallen worden. Während der Kapitän noch überlegte, ob er bei der tiefen Finsternis die Verfolgung des Tigers aufnehmen sollte, erscholl abermals ein fürchterliches Gebrüll diesmal von der entgegengesetzten Seite. Schaurig Klang das ,, Ah- oum, ah- oum" durch die Nacht.„ Noch ein Tiger!" riefen schreckerfüllt die Leute. Vom Lager her ertönte ein Alarmschuß. Der Kapitän kehrte mit seiner Truppe schleunigst ins Lager zurück, wo ihm der tigerkundige Adjutant aufgeregt mitteilte, daß sich unzweifelhaft mehrere Tiger in der Nachbarschaft befinden müßten, und daß es bei der herrschenden Finsternis die eigene Sicherheit erfordere, im Lager zu bleiben und Schmidt seinem Schicksal zu überlassen.
Dem Kapitän leuchtete das ein. Er ließ die Posten ganz an das Lager heranziehen, den Feuern neue Nahrung geben und befahl allen, wach und schußbereit zu bleiben.
Das schaurige Ah- oum des Tigers wurde noch mehrere Male vernommen, aber das Tier wagte sich nicht an das Lager heran. Die Nacht verlief daher ohne weiteren Zwischenfall.
Als am Morgen die Verfolgung aufgenommen wurde, führte die Fährte zu einer blutgetränkten Stelle, wo ein zerdrückter Tropenhelm, verstreute Uniformsetzen und die arg verstümmelten Überreste eines Menschen, darunter zwei noch in den Schuhen steckende Füße, das entsetzliche Ende des überfallenen Legionärs verrieten.
,, Und Tiger bleibt doch Tiger!" sagte der Kapitän bei diesem Anblick bedeutungsvoll zu dem Adjutanten. F. Baumann.
Neu- Guinea vor 25 Jahren.
Neu- Medlenburger Jugend.
Die Reise an Bord der „ Sachsen“ von Singapore nach Genua war eine meiner schönsten.
In fröhlicher Weise verlief die ganze Reise, und als dann in Neapel und Genua sich der größte Teil der Schiffsgesellschaft trennte, bedauerte jeder, daß dieses schöne Leben nun ein Ende hatte.
Heute liegen für den nach Neu- Guinea Reisenden die Verhältnisse noch günstiger. Die" Sachsen“,„ Bayern" und„ Preußen" sind durch 9000 bis 10 000- TonnenSchiffe wie„ Prinzeß Alice", „ Lützow“,„ Kleist",„ Prinz Ludwig" ,, Bülow" und" Derfflinger ersetzt. Jn 22 Tagen gelangt man von Genua nach Singapore. Man kann von dort mit dem Reichspost
Mt. 8.
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Drogis
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