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Weblarer Zeitung
( Wetzlarer Tageblatt) Nationale Tageszeitung für die schaffenden Stände in Stadt und Land.
Bezugspreis 50 pfg. monatlich vierteljährlich 1,50 Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweigausgabestellen vierteljährlich 1,20 Mt.- Erscheint jeden Werktag. Die ,, Illustrierte Welt- Rundschau" liegt alle 14 Tage einmal gratis bei. Redaktionsschluß früh 8 Uhr. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der ,, Wetzlarer Zeitung" G. m. b. H.
Nr. 89.
( 2. Blatt.)
Frübling.
Verjüngt steht vor uns die Natur
-
Wohin wir geh'n- auf allen Wegen, An Baum und Strauch in Wald und Flur Da lacht der Frühling uns entgegen. Und Vogelsang und Blütenduft Erfüllen ringsumher die Luft.
Es schmückt nach langer Winterszeit Mit Grün sich Felder und die Wiesen, Von Eis und Schnee nun ganz befreit Die Bächlein wieder munter fließen.
-
„ Das Veilchen unterm Laub versteckt So blütenreich sein Köpfchen reckt." Gezogen von dem fernen Strand Sind nun die lieben Vöglein wieder, Sie brachten Frühling mit ins Land Und singen fröhlich ihre Lieder.
„ Die Lerche trillert in der Luft, Am Waldesrand der Kuckuck ruft." Drum froh hinaus zum grünen Wald, Dort soll mein erstes Lied ertönen, Jm herrlich schönen Aufenthalt Von Frühlingsbotschaft Frühlingssehnen. „ Das Echo schallt in Berg und Tal: Frühling wird es doch einmal!"
-
Kehr bei uns ein, du schöne Zeit
Und bring' uns Frieden, Glück und Liebe, Auf allen Fluren weit und breit
Beschütze unsere zarten Triebe.
„ Hilf Armen, Kranken hier auf Erden Und laß' für alle Frühling werden." Louis Roloff.
Gießen.
Zur Charakterisierung der liberalen Unterbeamtenpolitik.
Zu der zweiten Beratung der Etats der Reichspostund Telegraphenverwaltung lag zum Kap 85, Tit. 19, 25 und 26, folgende Resolution der sozialdemokratischen Fraktion, Albrecht und Genossen, vor:
Der Reichstag wolle beschließen:
den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, eine Revision des Beamtenbesoldungsgesezes in dem Sinne vorzubereiten, daß eine angemessene Erhöhung der durchaus unzulänglichen Bezüge der Postunterbeamten eintritt."
Diese Resolution wurde am 10. März in namentlicher Abstimmung mit 164 gegen 138 Stimmen abgelehnt. Diese Ablehnung hat unter den Postunterbeamten, die die Vorgänge in der Kommission und im Plenum wohl nicht genügend kennen, um die Abstimmung und die Motive der Zustimmenden richtig zu würdigen, eine lebhafte Beunruhigung hervorgerufen.
Diese Beunruhigung wird noch dadurch erheblich verstärkt, daß sich Zeitungen der Sache bemächtigt haben, die wirklich alle Ursache hätten, über die Abstimmung zu schweigen. In der nationalliberalen Lokalpresse, ich nenne nur die„ Vaterländ. Blätter",„ Siegener Volksbl." usw., wird die Resolution Albrecht abgedruckt und da= ran folgende Bemerkung, die ich nach dem Leiborgan des nationalliberalen Herrn Abg. Vogel, dem„ Siegener Volksblatt", zitiere, geknüpft:
„ Bei der Abstimmung über diese Resolution, die mit 138 gegen 164 Stimmen abgelehnt wurde,
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Samstag den 15. April 1911
Rechtsparteien aufgehoben wäre, mit„ Die Helfer der kleinen Leute".
Weil die Ablehnung dieser Resolution im Lande unter den Unterbeamten so lebhafte Mißstimmung erweckte, ist es notwendig, darauf zurückzukommen und zu untersuchen, wie die liberalen„ Helfer der kleinen Leute" an der Hand der amtlichen Reichstags= aften aussehen.
Nach dem amtlichen Bericht der 82. Sitzung der Budget- Kommission legten die Sozialdemokraten der Kommission eine Resolution gleichen Sinnes, ja fast gleichen Wortlautes vor.
Der Staatssekretär des Reichsschazzamtes Wermuth führte dazu u. a. aus:
,, Soweit ihm die Absicht der verbündeten Regierungen bekannt sei, und er glaube sie genau zu kennen, könne an eine Revision der Besoldungsordnung zur Zeit nicht gedacht werden."
Von der Fortschrittlichen Volkspartei ( Abg. Dr. Dohrn) wird folgende Resolution der Kommission unterbreitet:
,, Der Reichstag wolle beschließen, die verbündeten Regierungen zu ersuchen, die unbeabsichtigten Härten, die durch die Regelung der Bezüge der Postunterbeamten in der Besoldungsordnung geschaffen sind, durch geeignete Maßregeln auszugleichen."
Diese Resolution legte die Fortschrittliche Volkspartei nach ihrer Ablehnung in der Kommission dem Plenum des Reichstages wieder vor und sie wurde mit gro= Ber Mehrheit angenommen. Auch die Wirtschftl. Vereinigung stimmte wie in der Kommission auch im Plenum einmütig dafür. Zu der sozialdemokratischen Resolution führte in der Kommission ein Mitglied der Fortschrittlichen Volks= partei( Abg. Dr. Heckscher) aus:
„ Er verkenne auch nicht die Schwierigkeiten und trete mit einem gewissen 3agen an die Behandlung der aufgeworfenen Frage heran."„ Der Geist der Resolution sei durchaus sympatisch."„ Eine Revision der Besoldungsreform lasse sich nicht umgehen." Auf die Feststellung eines Mitgliedes des Zentrums ( Erzberger), daß von den Landbriefträgern fein Wunsch nach einer Besserstellung geltend gemacht sei und daher eine Verallgemeinerung unzutreffend sei, erklärte ein Sozialdemokrat ( Eichhorn):
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,, Was die Landbriefträger anbetreffe, so gebe zu, daß hier eine Differenzierung stattfinden könne." Ein anderes Mitglied der Fortsch. Volksp. ( Eickhoff) bemerkt dazu:
„ Er habe gestern schon anerkannt, daß nicht alle Unterbeamten mit der Neuregelung unzufrieden seien." -Seine Freunde würden eventuell für die sozialdemokratische Resolution stimmen."
Ein drittes Mitglied der Fortsch. Volkspartei( Dr. Dohrn) meint:
„ Er habe gegen die Resolution Nr. 96 der Kommission, Drucksachen gestimmt, da es seiner Ansicht nach gefährlich sein würde, an der Besoldungsord= nung zu rütteln."„ Er glaube deshalb, daß die von ihm eingebrachte Resolution der Allgemeinheit besser Rechnung trage als die Resolutionen der sozialdemokratischen und der Zentrumspartei."
Das erste Mitglied der Fortschr. Volksp.( Dr. Heckscher) bemerkt noch:
„ Er gebe gern zu, daß durch die Besoldungsordnung den Landbriefträgern wesentliche Vorteile zugekommen seien."
-
Der Fortschr. Volksp. kann man in dieser Angelestimmte der Abg. Vogel mit" Ja", die christlich- so- genheit sagen:„ O, daß ihr falt oder warm wäret!" zialen Abg. Burckhardt und Behrens aber Interessant ist, daß die vier fortschrittlichen beide mit„ Nein". Nach einer Zusammenstellung des genannten Organs der Postunterbeamten selber stimm- Kommissionsmitglieder nicht mal alle für ihre ten geschlossen gegen die Revision der Besoldungs- eigene Resolution stimmten. Ordnung zu Gunsten der unteren Beamten Konservative, Reichspartei, Wirtsch. Vereinigung sowie das Zentrum mit drei Ausnahmen. Dagegen stimmten geschlossen dafür Nationalliberale, Freisinnige, Polen, Reformpartei und Sozialdemokraten."
Ueberschrieben ist dieses demagogische Artikelchen, das den Eindruck erwecken soll, als wenn die Sache der Bostunterbeamten bei den Liberalen besser als bei den
Nun aber erst die Nationalliberalen in der Kommission! Ein Nationalliberaler( Beck- Heidelberg) sagt inbezug auf die Besoldungsordnung und auf die sagt inbezug auf die Besoldungsordnung und auf die sozialdemokratische Resolution:
„ Härten und Unstimmigkeiten seien zweifellos vorhanden. Deshalb sei es jedoch nicht nötig, eine Revision der ganzen Besoldungsordnung vorzunehmen." Ein anderes nationalliberales Mitglied ( Dr. Paasche) sagt:
( Weylarer Nachrichten)
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Telephon: Nr. 285.
4. Jahrg.
„ Die von den Sozialdemokraten eingebrachte Resolution fönne er nicht befürworten. Seiner Ansicht nach sei es falsch, das ganze Reich als ein gemein= schaftliches Wirtschaftsgebiet aufzufassen. Man könne nicht einen Beschluß fassen, der die Allgemeinheit berücksichtigen solle. Die Härten der Besoldungsordnung müßten auf eine andere Weise ausgeglichen werden. Er werde deshalb für die von dem Zentrum eingebrachte Resolution( diese betr. den Bundesrat soll von § 30 Gebrauch machen. Ortsklassen) stimmen. Man dürfe wegen der für manche Orte bewiesene Härten der Besoldungsordnung nicht erklären, daß sämtliche Gehälter der Unterbeamten aufbesserungsbedürftig sein. Er könne sich nicht entschließen, eine allgemeine Erhöhung der Gehälter zu befürworten."
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Ein drittes na t.- Ii b. Mitglied( Dr. Görke- Brandenburg) meint:
„ Daß die Beamten später wiederum mit neuen Forderungen gekommen seien, sei allerdings richtig; ob diese Wünsche berechtigt waren, sei eine Frage für sich. Die Richtigkeit der Darstellung vom Regierungstische müsse jedenfalls anerkannt werden. Er erkläre, daß seine politischen Freunde für die Resolution des 3entrums stimmen werden."
Die Abstimmung in der Kommission ergab für die sozialdemokratische Resolution 6 Stimmen. Dafür stimmten drei Sozialdemokraten und drei Mitglieder der Fortschrittlichen Volkspartei, während ein Mitglied der Fortschrittlichen Volkspartei, sämtliche Natio= nalliberale und die anderen Kommissionsmitglieder dagegen stimmten.
Für die Resolution der Fortschrittl. Volfs= partei stimmten sieben Stimmen, und zwar drei Sozialdemokraten, drei Mitglieder der Fortschrittlichen Volkspartei und das Mitglied der Wirtsch. Vereinigung, alle anderen wiederum auch da
gegen.
So sahen die nationalliberalen„ Freunde der kleinen Leute" in der Kommission aus.
Die Zentrums- Resolution:
,, die verbündeten Regierungen zu ersuchen, von der im§ 30 des Besoldungsgesetzes vom 15. Juni 1910 dem Bundesrat erteilten Ermächtigung der Ein= reihung einzelner Orte in eine höhere Ortsklasse zur Beseitigung hervorgetretener Härten entsprechenden Gebrauch zu machen" wurde einstimmig angenommen.
Jm Plenum des Reichstages am 8. März führte der nationalliberale Abg. Dr. Stresemann, als Hauptredner der Fraktion, nach dem Stenogramm aus:
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„ Ich will auf die Besoldungsfrage hier nicht näher eingehen, sondern nur sagen, daß meiner Anschauung nach die Postschaffner wirklich sehr schlecht bei der Sache fortgekommen sind, und daß, wenn sich ein Weg im Sinne der fortschrittlichen Resolution findet, freuen würden, wenn dieser Weg be= schritten würde. Es gibt nun aber einen Weg, der der Postverwaltung eine gewisse Möglichkeit bietet, diese Härten zu mildern oder zu beseitigen. Es fann nicht sein eine vollständig neue Besoldungsreform oder Besoldung 5- ordnung; darüber sollten wir uns ja alle einig sein, daß ein solches Reformwerk nicht dadurch in Frage gestellt werden kann und darf, daß man mit einem Male, nachdem sie kaum Ge
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