Ausgabe 
15.4.1911 Erstes Blatt
 
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Wilhelm und Cecilie.

In einem Feuilleton des bekannten Wiener Schrift. stellers Ludwig Bauer, das jetzt durch viele Blätter dte Runde macht, wird der Eindruck geschildert, den das Kron­prinzenpaar auf die Wiener macht. Da heißt es n. a. vom Kronprinzen:

Im ersten Wagen, ganz rückwärts, steht ein Junger, österreichischer Husarenoberst. Natürlich weiß man, es ist der deutsche Kronprinz, aber auch, wenn man ihm zufällig in einer Wiener Straße begegnen würde, fönn te man taum glauben, er sei ein Desterreicher. Dazu sind bieses Gesicht und diese Erscheinung zu fest, zu sicher, zu hellblond. Nun dringen schon die Hochrufe zu ihm, noch bevor der Zug hält, und es ist also ganz inoffiziell, wie er bankt. Eine flitchtige Bewegung nur, ein Berühren der Rappe, ein freilich auffällig starkes Neigen des Kopfes. In bes, es ist, als ob sich darin sein ganzes Wesen verriete, und chließlich kann ein Sekundenteilchen, kann ein Blick uns ehr von einem Menschen erzählen, wenn wir nur zu hören wiffen. Diese kleine, unerwartete Huldigung vor dem Empfange, dies Unzeremonielle als Einleitung der Zere­monie, berührt ihn sichtlich, und sein Dank hat weniger von Liebenswürdigkeit als von Freundschaft. Gleichsam; er ist zuverlässiger, sein Gruß ist wie ein Händedruck"..

" Der Kronprinz hat gar nicht das übliche ver bindliche Lächeln in seinem Gesicht, eher scheint Bewegung barin, Respekt, eine aufmerkende Achtung. Man spürt: Er will mehr hören als selbst sprechen, will auf alles achten, es bemerken, es irgendwie für später nußen. Hier ist ein Wille. So fühlt man."

Ja, und dann ist es noch etwas anderes um seine hohe schlanke Gestalt, in seinen festgezogenen männlichen 3Bügen: eine innere Fröhlichkeit, ein selbstverständliches Ja- Sagen zur Welt. Er ist nicht behend und gebieterisch wie sein Vater, dessen Händedruck einer raschen Besignahme gleicht. Wie ist Kaiser Wilhelm bei einem solchen Einzuge zupackend und beweglich, von einem zum andern gehend, mit Scherzen und Worten immer bereit, wie allen zurufend

Ich bin da!" Sein Sohn ist gar nicht so schnell, scheint eher eine gewisse Sprödigkeit des Wesens zu haben, die nicht etwa Befangenheit ist, denn er nimmt sein hohes Schicksal ganz natürlich; allein er scheint sich nur völlig geben zu kön­nen, und deshalb zögert er wohl. Er will gewiß nicht fesseln, nicht bezaubern, überhaupt nicht irgend etwas schet­nen, er ist hier zu einem Besuch bei Freunden, und das ist die selbstverständlichste Sache von der Welt. Diese sichere Daseinsfreude verschwendet sich nicht in Lächeln, sie sißt viel tiefer, sein Gesichtsausdruck wechselt nur langsam, wie man dies bei geschlossenen, treuen und vor allemt bei germant­fchen Naturen, bei Deutschen, Briten und Skandinavlern oft beobachtet. Die leichte Verbindlichkeit ist seine Sache nicht, und wie er die Offiziere der Ehrenkompante anspricht und vorher die Erzherzoge, da ist es immer wie ein Zögern vor dem Händedrucke und vor dem Worte. Dies haben ja verläßliche Menschen in sich, dte es als felbstverständlich empfinden, daß sie nur sprechen, was sie fühlen. Denn in ihnen wird ein Wort zur Verpflichtung, und sie sind in threm innersten Wesen an ihre Pflichten gebunden."

Rundschau vom Cage.

Politisches.

Die Vorbereitungen für die Reichstagswahlen. Wie die ,, Deutsche Industrie- Korr." erfährt, wird in den Krei­sen der freikonservativen Partei beabsichtigt, den Vorsitzen­den des Zentralverbandes Deutscher Industrieller, Land­rat a. D. Roetger, als Kandidaten der konservativen und freifonservativen Partei im Wahlkreise Merseburg- Quer­furt aufzustellen. Der Wahlkreis wird gegenwärtig von dem deutschkonservativen Abgeordneten Winkler vertreten, der bei den letzten Wahlen in der Stichwahl gegen den Sozialdemokraten mit 17 045 gegen 9389 sozialdemokratische Stimmen gewählt wurde. Roetger ist gleichzeitig Präst­dent des Hansabundes.

Und von der Kronprinzessin heißt es it. a.: Da steht die Kronprinzessin Cecilie, man hat so viel von ihrer Liebenswürdigkeit und Schönheit gehört, und sich nach übler Menschenart wohl gedacht: Nun ja, bei Prinzessinnen, das fennt man!" Und dann sieht man sie, mit ihrem frohen, noch kindlichen Lächeln, das fast zu jubeln scheint, daß alles so wunderschön sei und das Leben eine solche Freude und da hilft nichts, man hat sie beim ersten Blicke einfach Iteb. Es ist schlechthin unmöglich, einen zeremoniöseren Ausdruck zu finden. Ganz wohl, man kann natürlich auch von Hoheit" sprechen, wenn man weiß, dies ist die deutsche Kronprinzessin. Aber es ist wirklich nur die Hoheit, die um eine junge, schöne und glückliche Frau ist. Auch unt eine kluge Frau. Sie hat eine entzückend geistreiche Art zu lächeln, man darf beruhigt sein, es ist nicht eine Spur von Majestät darin, sondern die Unbefangenheit der Sonn­tagskinder, deren Leben ein Festtag ist und die deshalb im Lächeln leben"....

1115 Arbeiteraussperrungen, die sich über 10 834 Be­triebe verbreiteten und 214 129 Arbeiter betrafen, wurden nach amtlicher Feststellung im Jahre 1910 in Deutschland beendet. Gegenüber dem Vorjahre mit seinen 115 been= deten Aussperrungen ist eine fast zehnfache Vermehrung der Aussperrungen zu beobachten, die jedoch ausschließ= lich auf den 1016 Aussperrungen im Baugewerbe beruht. Von den Aussperrungen hatten nach der amtlichen Quelle 7,3 v. H. vollen Erfolg, 90 v. H. teilweisen und 2,1 v. H. feinen Erfolg. Wegen unerlaubter Märzfeter erfolgte in drei Fällen eine dreitägige Ausschließung von der Arbeit, von der im ganzen 3208 Arbeiter, unter ihnen 440 im Alter unter 21 Jahren, betroffen wurden. Aussperrungen wegen Beteiligung an der Maifeier sind nicht bekannt ge= worden. Eine süddeutsche Staatslotteriegemeinschaft? Nach einer Münchener Meldung hat Bayern an Baden, Würt­temberg und Elsaß- Lothringen Vorschläge zur Schaffung einer süddeutschen Lotteriegemeinschaft gelangen lassen. Es erwartet zunächst die Rückäußerung dieser Staaten oder ihre Gegenvorschläge. An den bayerischen Landtag soll bestimmt eine Lotterievorlage, eventuell zur Schaffung einer selbständigen bayerischen Lotterie kommen. Die Elsaß- Lothringen gemachten Vorschläge sind wohl deshalb aussichtslos, weil das Reichsland sich bereits der preußi­schen Staatslotterie angeschlossen hat.

... Eigentlich ist doch für diese junge Frau, die aus th= rey stillen Residenz kommt, die Staatsaktion hier gar nicht so angenehm. Sie hat sich mißtrauischen, prüfenden, nicht zu wohlwollenden Blicken bei Aelteren, bei weniger Reizen­den und weniger Erhöhten auszusetzen. Heute wird ste dem Wiener Hofe vorgestellt, und sie muß fürchten, mit ir­gend einem winzigen Versehen anzustoßen und zu ver lezen. Aber sie tut das Klügste, sie nimmt den Augenblick gar nicht feierlich, bleibt nach ein paar begrüßenden Schrit­ten und Bewegungen bei ihrem Waggon, plaudert dort mit den Damen des Erzhauses, und folgt dabei mit den Augen äußerst fröhlich ihrem Wilhelm, der mit Kaiser Franz Jo­fef die Ehrenkompanie abschreitet und unentwegt Hände­drücke austellt. Man darf sicher sein, daß sie alles steht und beobachtet, aber nie scheint sie auszuforschen, sie bleibt in ihrem fanftrosa samtenen Reisekleide eine charmante, etne sehr lustige und sehr glückliche junge Frau, die eben einmal im Expreßzuge nach Wien gereist ist, natürlich mit ihrem Männchen. Und dank ihr stellt sich sofort heraus, daß solche Dinge ganz ohne Feierlichkeit gehen, und dabet sogar viel angenehmer gehen."

Des Rätsels Lösung.

Roman von Ludwig Blümde.

( Nachdruck verboten.)

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Eine amtliche Statistik über die Schülerselbstmorde, die sich über die letzten 31 Jahre erstreckt, weist nach, daß eine regelmäßige Zunahme von Schülerselbstmorden nicht vorliegt, sondern daß im Laufe der Jahre wiederholt auf ein Sinken der Zahl ein schnelles Aufsteigen folgte. In den durch die Statistik umfaßten 31 Jahren sind insgesamt 463 Fälle von Schülerselbstmorden vorgekommen, was ei­nen jährlichen Durchschnitt von 15 Fällen ergibt. In den legten dret Jahren waren zu verzeichnen 1908-28, 1909 24, und 1910 23 Fälle. Dabei ist noch die große Zunahme der Schüler an den höheren Lehranstalten zu berücksichtigen. Auf 100 000 Schüler entfallen in den letzten drei Jahren im Durchschnitt je 11 Fälle. Die Mehrzahl solcher Selbst­morde ist in den großen Städten vorgekommen.

15) In der Tat paßte dem in seiner Denkungsart rohen und sinnlichen Inspektor dieses zurückhaltende und zurück­gezogene Benehmen seiner Braut ganz und gar nicht. Hätte er nur einen Weg gewußt, der ihn außer diesem noch zum ahelßersehnten Ziel, Rentmeister auf Schloß Wedelstein zu wwerden, führen könnte, er würde auf Erna ohne weiteres verzichtet haben.

In der Residenz hatte er eine junge Witwe kennen gelernt, die für recht vermögend galt und ihm sehr zuge­fan war. Schon dachte er daran, diese zu heiraten.

Jahre Untersuchungen über England, Deutschland, Frants reich und Belgien. Während die Resultate des Handels­amts bisher für die Freihändler sprachen, zeigen sich in dem Bericht über Amerika Ergebnisse, die der Tarifreform­partei günstiger sind. Man hat 28 Städte mit 15% Mil­lionen Einwohnern aus dem östlichen Drittel der Union herangezogen. Als Gesamtresultat ergab sich, daß der ame= rikanische Lohn sich zum englischen verhält, wie 230 zu 100, während die kombinierten Ausgaben für Lebensmittel und Miete gegenüber England 152 zu 100 stehen, so daß der amerikanische Arbetter absolut einen erheblichen Vor­Sprung hat.

In dem Disziplinarverfahren gegen den Oberlehrer Mirus in Dortmund wegen seiner Haltung als Führer der Impfgegnerbewegung, in der er gegen seine amtliche Stel­lung sich verfehlt haben sollte, hat das Provinzial- Schul­follegium in Münster i. M. dem Oberlehrer Mirus mit­teilen lassen, daß die Schulbehörde in seinem Auftreten als Jmpfgegner feine Veranlassung zum Einschreiten gegen ihn sehe.

Die großen Vieh, Woll- und Kornmärkte führten ihn Sehr häufig nach der Hauptstadt. Er hatte dort viele Freunde und Freundinnen und war diesen durchaus nicht atals der solide, spießbürgerliche Philister bekannt, für den mman ihn in Wedelstein hielt.

6. Kapitel.

Ein Ende des merikanischen Bürgerkrieges ist noch ims mer nicht abzusehen. Der Führer der Aufständischen Mas dero hat seine Truppen aus ihren bisherigen Stellungen im Norden Merifos zusammengezogen. Die Bewegung deutet die Fortsetzung der Feindseligkeiten an. Man be fürchtet den Zusammenbruch der Geschäftstätigkeit im Mi­nendistrikt, wodurch die Aufständischen neuen Zuzug ers halten würden.

Ein Delegiertentag der oberschlesischen Zentrumspartei hat sich, der Schlesischen Volkszeitung" zufolge, eingehend mit der Stellungnahme des Zentrums zu den Polen befaßt und energischen Protest eingelegt gegen die frivole Art und Weise, wie die gesamte polnische Presse seit einiger Zeit das Zentrum bekämpft.

Kleine Nachrichten.

Wieder ein Sommeraufenthalt des Zarenpaares in Heffen. Das Barenpaar wird auch in diesem Jahre nach Deutschland kommen, um sich wiederum einem Kurgebrauch in Nauheim zu unterziehen. Der Großherzog von Hessen hat dem Zarenpaar wieder das Schloß Friedberg zur Ver­fügung gestellt. Wegen anderweiter Dispositionen dürfte die Abreise nach Hessen wohl kaum vor Ende August zu erwarten sein.

Auf dem Magervichhof in Friedrichsfelde bei Berlin ist am Mittwoch bei einem Rind die Maul- und Klauen­seuche festgestellt worden. Infolgedessen fiel der Schweine­markt auf dem Magerviehhof aus, während der wegen des Karfreitags bereits auf Donnerstag festgesetzte Rindvleh­markt stattfand.

In Marokko gestalten sich die Dinge für den Sultan recht ungünstig. Aus Tanger wird gemeldet, daß der Sul­tan aus Furcht vor dem überraschenden Angriff den Balast in Fez verlassen und in einem Hause im Zentrum der Stadt Wohnung genommen hat. Die Soldaten, die in den letzten Kämpfen gefallen sind, wurden von den Rebellen in den Fezfluß geworfen, so daß sie in die Stadt hinab= geschwemmt wurden, um allen Bewohnern das Trinkwasser zu verekeln. Die Berberstämme, welche die Stadt belagern, haben ihre Frauen und Kinder kommen lassen und bauen ihnen Hütten in der ausgesprochenen Absicht, nicht eher zu weichen, als bis Fez gefallen ist.

Die Natur war zu neuem Leben erwacht, der Mai Hatte sich wieder eingefunden mit all seiner Lenzespracht, und die ganze Erde strahlte heute in lauterem Sonnen­gold. Wie ein Feenpalast lag das Waldschlößchen da in­mitten der fnospenden und grünenden Waldriesen, cus beren Zweigen viel tausend sangeslustige Kehlen Dankes­und Jubellieder hinausschmetterten in die weite, herrliche Frühlingswelt.

Komtesse Edelgard aber sah und hörte nichts von alle­dem, denn sie war übler, ja sehr übler Laune. Vergebens hatte thre Schwester sich bemüht, den Grund derselben zu ermitteln. Auf alle Fragen gab die Verstimmte nur kurze, geretzte Antworten. Das schien der Gräfin geradezu lä­herlich und forderte thren Spott heraus.

Kommst mir seltsam vor, Mädel," sagte sie. ,, Glaubte,

Fünf Millionen um einen Mann. Frau Käthe Elfens, die Witwe des jüngst verstorbenen vielfachen Millionärs William Elfens, hat sich mit Herrn William Delaware Neil­son, einem Rechtsanwalt in Philadelphia, verlobt. Damit opfert sie ein Vermögen von fünf Millionen, die ihr ihr Mann nur unter der Bedingung hinterließ, daß sie sich nicht wieder verheiratete.

Ueber die Löhne und die Lebenshaltung der Industrie­arbeiter in den Vereinigten Staaten veröffentlicht das eng­lische Handelsministerium ein umfangreiches Gelbbuch. Es ist dies der fünfte große Bericht des Handelsamts über die Lage der Arbeiterschaft in den wichtigsten Industrielän­dern. Vorausgegangen sind innerhalb der letzten drei

Ein Fischdampfer mit 13 Mann untergegangen. Der überfällige Fischdampfer Bürgermeister Burkhardt" aus Cuxhaven wird als verschollen erklärt. Er ist an der Küste Schottlands mit 13 Mann Besatzung untergegangen.

der heutige Tag sollte uns eine recht freudige Ueberraschung bringen, eine Verlobung. Du siehst mir nun allerdings feineswegs aus, als hättest Du Lust, mit Freuden Dein Jawort zu geben."

,, Lasse mich in Ruhe! Was sollen diese albernen An­sptelungen? Du weißt, daß ich nicht an solchen Unsinn denke," erwiderte Edelgard heftig.

Ein ungetreuer deutscher Bankbeamter hat in Genf ein erfolgreiches Schwindelmanöver verübt. Auf bisher un­aufgeklärte Weise ist es einem jüngeren Beamten der Dresdner Bank in Berlin, Emil Kneubühler, gelungen, bei dem Crédit Lyonnais in Genf 56 000 Francs abzu= heben und über Lausanne nach Mailand weiterzureisen. Es sind die nötigen Schritte zur Festnahme Knenbühlers eingeleitet.

Zwei Präparanden in Bergneustadt im Rheinland, im Alter von 16 und 17 Jahren, die schichte Zensuren erhalten hatten, sind verschwunden. Man befürchtet, daß sie über die Grenze gegangen sind und ihr Heil in der Fremdenlegion suchen werden.

Die Gräfin lachte laut auf: Also auf einmal denkst Du wieder nicht daran? Wie ist der Mensch doch wandel­bar! Gestern so, heute das gerade Gegenteil!- In einer Stunde werden unsere Gäste unter Führung des Leutnants hier sein. Beeile Dich also wenigstens, Deine Toilette zu beendigen. Kann ja ein netter Maienausflug werden! So ein sauertöpfisches Gesicht verdirbt oft den ganzen Froh­sinn. Nun sage doch mal ehrlich, fleine Schwester, was fehlt Dir? Bist Du etwa traurig, weil der Assessor heute nicht dabei ist?"

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Traurige Familienverhältnisse enthüllte ein Vorgang, der sich in Frohnbach bei Ludwigshafen abgespielt hat. Dort mißhandelte der Schirmflicker Johann Heß seine Frau der art, daß sie an den Folgen nach einigen Stunden starb. Der Täter wurde verhaftet, als er auf dem Bürgermeister­amt die Anzeige von dem Todesfall machen wollte.

Edelgard antwortete nicht, sondern verließ das Zim­mer, die Tür hinter sich recht unsanft ins Schloß werfend.

Von ihrem Mann im Streit erstochen wurde in Ruhr­ort nach einem voraufgegangenen Streit im Geschäft die Frau des Kaufmanns Klemens. Die Frau konnte noch auf die Straße eilen, brach aber hier tot zusammen.

Im Alter son 120 Jahren gestorben ist, wie von der russischen Grenze gemeldet wird, in Kowall der Schneider­meister Pinkus Gonsiorowski. Die Zahl seiner Enkel und Urenfel beträgt 145. Gonsiorowski hat bis zu seinem Tode sein Handwerk ausgeübt.

Der letzte Aft einer Malertragödie hat sich am Mitt­woch in Nürnberg abgespielt. Der 50 Jahre alte, ziemlich bekannte Kunstmaler Fick in Nürnberg hat sich auf dem Johannisfriedhof am Grabe seiner Eltern erschossen, um die immer mehr sich geltend machende Not und Entbehrung bet seiner Familie nicht mehr mitansehen zu müssen.

Traurige Folgen eines Scherzes. In Ratingen bei Düsseldorf hatten Arbeiter scherzweise in einer Baubude den 45jährigen Arbeiter Langen festgebunden. Durch ir= gendeinen Umstand entstand in der Baubude Fener. Lan­gen verbrannte bei lebendigem Leibe.

In ihrem Boudoir tramte sie den Brief noch einmal hervor, der ihre üble Laune verschuldet hatte. Wie konnte nur ein so ordinärer Mensch, so ein Proletarier, ein ein­facher Goldschmied, der sich Hofjuwelier aus Gnaden nen­nen durfte, es wagen, ihr, der Komtesse Edelgard von San­derhausen, einen solchen Brief zu schreiben!- Noch einmal las sie: Falls nicht wenigstens der längst fällige Betrag von 2000 Mart, dessentwegen ich nunmehr bereits zum fünftenmal mahne, binnen drei Tagen berichtigt ist, so er­folgt ohne weiteres gerichtliche Zwangsvollstreckung." So etwas ihr zu bieten! Und da sollte sie guter Laune sein? Eine ganz fatale Sache war das ja. Woher sollte sie binnen dret Tagen das Geld nehmen? Nein, binnen 24 Stunden, der Brief lag bereits seit vorgestern auf ihrem Schreibtisch ungeöffnet. Ahnen durfte auf keinen Fall je­mand etwas von ihrer Finanzlage, auch die Schwester nicht. Säke man nicht hier in dem weltentlegenen Neste, wo fe

Aus den Gerichtssälen.

Ein erdichteter Raubanfall, der vor mehreren Monaten die Bevölkerung in Aufregung versetzt hatte, führte gestern dte Frau eines städtischen Beamten vor die Strafkammer des Berliner Landgerichts. Sie hatte angegeben, auf der Treppe sei plötzlich ein Mann auf ste zugetreten, hab ihr Pfeffer in die Augen gestreut und ihr die Handtasche ent­rissen; in dieser hätten sich 1100 M befunden, die sie im Auf­trage ihres Mannes zur Post habe tragen sollen. Der

der Nachbar des anderen geheimste Geheimnisse wüßte, dann wäre ja leicht Rat zu schaffen. Irgend ein Leihamt fönnte aushelfen. Aber hier? Wirklich eine höchst fatale Sache.

Aber nun fällt ihr etwas ein! Surra, so muß es ge macht werden!" ruft sie so laut aus, daß die ihr bei der Toilette behilfliche Zofe ordentlich erschrickt.

Leutnant Bernhard von Eschenholdt, der Herr Re­gierungsrat Bolten nebst Familie, die Landrätin, die Frau Rittmeister von Döbern und noch ein paar junge und ältere Damen famen, wie verabredet, punkt zehn Uhr vormittags im Jagdschloß ,, Waldfrieden" an, um die Grä­fin und Komtesse Edelgard zum Maiausflug abzuholen. Der Graf war auf einige Tage verreist.

Staatsanwalt bea glen nur eine G ber nicht fir ang

her Verschlagen Ba8 Urteil lautet et Wochen Haft Gin gewerbe Areifel in Barme and den Behrperf on der Straffam

Ein Opfer ber der Hermann Ma per in der Nähe oldem Eifer Ra fam, auch selbst Shuberleben zu Tage verreist wa Patronen, eine 3 bringen follte, un Wald zu erreichen Während der Fah befbloß, Berlin a nem Gastwirt in nen jungen Man burzubringen. S fertig. Jetzt verf Bald darauf nahm Ans Furcht erregte es, wie daß der lange ve Profigt entded Proving Hannove is abgelegt habe and so wurden de fen werden, in de abgeprüft. Dab als Täter in Fra er Dienstzeit in die damals gar

Es herrschte die fröhlichste Laune. Edelgard mar­schierte, scheinbar auf einmal auch seelenvergnügt, an Har­dis Seite tapfer über Berg und Tal und merkte an ihres Begleiters wohlüberlegten Worten sehr gut, daß derselbe etwas besonderes im Schilde führte, daß ihre Schwester ganz recht gehabt, wenn sie die Möglichkeit einer Verlo­bung für ziemlich selbstverständlich gehalten. Und nun befanden sie beide sich plötzlich ganz allein in einer kleinen einsamen Waldschlucht.

Edelgard wollte einen Augenblid ruhen im weichen Moose. Hardi nahm auf einem Baumstumpf Plaz und glaubte, daß jetzt der günstige Moment, den er lange her­beigesehnt, gekommen wäre. Doch ehe er seine wohlein­studierte Rede beginnen konnte, sprach Edelgard, die recht wohl ahnte, was da kommen sollte: Herr Leutnant, ich halte Sie für einen Mann, dem man unbedingt vertrauen barf. Darum möchte ich Sie mit einem Anliegen belästi­gen, von dem niemals irgend ein Mensch etwas erfahren darf. Es handelt sich um eine Gefälligkeit, um die ich Sie bitten möchte. Wollen Sie mir zunächst strengste Ver­schwiegenheit zusichern?"

( Fortsetzung folgt.)

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