Ausgabe 
15.4.1911 Erstes Blatt
 
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Welt!

Weblarer Zeitung

( Weglarer Tageblatt) nationale Tageszeitung für die schaffenden Stände in Stadt und Land.

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Bezugspreis 50 pfg. monatlich vierteljährlich 1,50 Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig­ausgabestellen vierteljährlich 1,20 Mk. Erscheint jeden Werktag. Die ,, Illustrierte Welt- Rundschau" liegt alle 14 Tage einmal gratis bei. Redaktionsschluß früh 8 Uhr. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der ,, Wehlarer Zeitung" G. m. b. H.

Nr. 89.

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Probenummern

( 1. Blatt.)

der Wetzlarer Zeitung" stehen unseren Lesern in

beliebiger Anzahl jederzeit kostenlos und portofrei zur Verfügung. Wir bitten unsere Leser und alle Freunde unseres Blattes wo nur möglich für dasselbe zu werben, solches in Bekannten- und Freundeskreisen zu empfehlen und uns freundl. Adressen aufzugeben, welche sich für unsere 3eit­ung interessieren dürften.

Aus Stadt und Land.

Wetzlar, den 15. April.

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Wetzlar. Die Stadtverordnetenversammlung hat beschlossen, folgende Anleihen aufzunehmen: 250 000 Mt. zum Zwecke der Errichtung einer Elektrizi­tätsversorgungsanstalt, 100 000 Mark zum Ankaufe des Amtsgerichts und Gefängnisses und der Instandsetz ungskosten des Amtsgebäudes für Zwecke des Rathau­ses, 50 000 Mt. für den Ausgleichsfonds der Stadt­kasse. Der Antrag, es bei der bisherigen Steuerord­nung für die Wertzuwachssteuer zu belassen, ist abge lehnt worden, so daß die Reichswertzuwachssteuer Kraft tritt.

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in

h= Wetzlar, 13. April. Bei dem Anstrich eines Hauses in der Kaiserstraße ereignete sich heute nachmit­tag gegen 2 Uhr ein bedauerlicher Unfall. Durch Los­lösen eines Laufbrettes stürzte ein Gehilfe aus Aßlar aus der Höhe des zweiten Stockes zur Erde. Der Sturz wurde durch das Gerüst, an dem sich der Abstürzende anklammern konnte, gemildert. Immerhin trug der Ver­unglückte eine Quetschung eines Beines sowie nicht un­bedeutende Kopfwunden davon. In einem benachbar­ten Hause wurde dem Verletzten die erste Hilfe zuteil, wonach der Verunglückte ins Krankenhaus geschafft wurde. Glücklicherweise sind die Verletzungen nicht so schwer, so daß der Verwundete, ein lediger Mann, dem­nächst aus dem Krankenhause wieder entlassen werden kann. Wir wünschen dem Verletzten baldige, Genesung.

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*) Wetzlar. Eine sehr originelle Re­flameidee haben, wie der Gemeinnützige" mitteilt, die Hansa- Automobilwerke in Varel- Oldenburg zur Aus­führung gebracht, eine Idee, die wegen ihrer Tragweite gegenwärtig die Banken und insbesondere die Reichs­bank sehr beschäftigt. Bekanntlich haben die neuen Hundertmarkscheine an der linken Seite ein

weißes Feld, über dessen Zweck sich mancher den Kopf zerbrochen hat. Die Hansa- Automobilwerke haben den Zweck erfaßt und die freie Fläche mit einer Reklame über ihre Fabrikate bedruckt. Zuoberst ist ein eleganter Hansawagen abgebildet, darunter stehen in Faksimile­Schrift die Worte: Wer Hansa fährt, spart manchen dieser Blauen", darunter die Adresse

Abonnements Bestellungen nehmen entgegen alle Postanstalten, unsere Boten und die

Geschäftsstelle: Wetzlar, Hausergasse 32

wohin alle für die Redaktion u. die Expedition bestimmten Einsendungen zu adressieren sind.

Samstag den 15. April 1911

an maßgebender Stelle befürchtet wird, daß diese neue Art der Reklame Schule machen könnte, soll die Ange legenheit im Reichstag zur Sprache gebracht werden und so werden wir wohl bald von einer lex Hansa berich­ten können. Immerhin die Lacher hat das Werk auf

ſeiner Seite und das weiße Feld auf den neuen Bank­

noten lädt ja geradezu zur Reklame ein.

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*) Aßlar, 14. April. Heute wurde der jäh aus dem Leben geschiedene Reinhard Severin zu Grabe ge­Verstorbenen das letzte Geleite gegeben haben, was da tragen. Es mochten wohl 1000-1200 Menschen dem rauf zurückzuführen ist, daß derselbe sich nicht allein bei seinen Gesinnungsgenossen allgemeiner Beliebtheit freute, sondern auch bei seinen Mitarbeitern und Neben­menschen ein gern gesehener Freund und Berater war. Noch steht die Todesursache im Dunkel gehüllt und wäre es als ein hohes Verdienst unserer Polizei anzusehen, wenn recht bald Licht in die mysteriöse Sache gebracht würde. Daß ein Mord vorliegt, ist doch kaum anzu­zweifeln.

*

Besichtigungsreisen hess. Land­wirte. Auch in diesem Jahre werden drei bis vier siedlungsgebiet in Posen stattfinden. Die erste diesjähr Besichtigungsreisen hessischer Landwirte nach dem An­Besichtigungsreise wird Dienstag, den 9. Mai, von Kassel aus angetreten. Es fönnen auf dieser Reise Aufbau der Gehöfte so zeitig erfolgt, daß die Ueber- Kauf- und Pachtverträge geschlossen werden, so daß der siedelung noch im Laufe dieses Jahres erfolgen kann. Die Reiseteilnehmer erhalten dieselben Vergünstigungen, wie in den Vorjahren. Näheres erfahren Interessenten bei Herrn W. Schaumburg, Kassel, Schönfelderstraße 7.

Haiger. Bei dem siebenten Jungen des Vor­arbeiters Wilhelm Geiß übernahm der Kaiser die Pa­tenstelle zugleich unter Bewilligung eines Gnadenge­schenks von 50 Mark.

*

Marburg. Das Sommersemester an der hie­sigen Universität beginnt am 15. April. Die Meldung zur Immatrikulation muß bis zum 5. Mai erfolgt sein.

* Gießen. Der Bezirk stag des Deutschen Fleischerverbandes" beider Hessen und Nassau" findet in Gießen am 14. Mai 3 Uhr in Steins Garten" statt. Am 15. Mai, an welchem Tage die neue Schlachthofan­lage in Gießen dem Betrieb übergeben wird, werden die Delegierten diese eingehend besichtigen.

wehr hat beschlossen, am 17. und 18. Juni in dem * Klein- Linden. Unsere Freiwillige Feuer­schön gelegenen, parfartigen Burggarten ein Feuer­Wehr abzuhalten. Zahlreiche Wehren des Kreises Gie­wehrfest, verbunden mit dem 16. Stiftungsfest der ßen und des Kreises Wetzlar werden daran teilnehmen. Blumentag, der in Württemberg im ganzen Land ab­== Blumentag in Württemberg. Der gehalten wurde, hat auch in den kleinsten Gemeinden einen erheblichen Erfolg gehabt. So sind in Berneck mit 371 Einwohnern 70 Mark, in den kleinen Ort Botnang bei Stuttgart 276 Mark ,,( in diesem Ort sind, wie uns bekannt ist, sehr viele Sozialdemokraten. Es haben also

der Fabrik, die damit auf eine hervorragende Eigenschaft nicht alle der Parole, von der wir in unserer letzten

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ihres Fabrikates, die Sparsamkeit im Betrieb hinweist. Mit diesem Textaufdruck hat sie eine große Anzahl e ch­ter Hundertmarkscheine in den Verkehr ge­bracht. Was nicht vorauszusehen war, traf ein, echten Scheine wurden allgemein für unecht, für sogn. Blüten gehalten und nun ergaben sich für ihre Besitzer die drolligsten 3 wischenfälle. Zuerst weigerte die Reichspost, die ja anfangs die neuen Hun­dertmarkscheine überhaupt zurückwies, die Annahme der Hansascheine; am Stammtisch zerriß ein Herr, der seine Zweifel an der Echtheit des Scheines energisch dokumen­tieren wollte, die vermeintliche Blüte. Im Speisewagen des D- Zuges Wilhelmshaven- Berlin wollte ein bekann­ter Großindustrieller einen solchen Blauen" in Zahlung geben, wurde für einen Falschmünzer angesehen, nebst seinem Begleiter in Stendal aus dem Zuge heraus ver­haftet und nach kurzer Zeit, nachdem ein Bankfachmann die Echtheit bestätigt, wieder freigelassen. Bei Kempinski in Berlin setzte ein solcher Schein das ganze Lokal in Aufregung. Tatsächlich verbietet keine gesetzliche Be­stimmung derartige Reklameaufdrucke. Im Ausland fin­det man oft Banknoten, die Stempelaufdrucke, nament­lich von Hotels tragen und niemand findet etwas da­bei. Auch in Deutschland muß die Reichsbank so be­druckte Noten einlösen. Daß sie es nicht gern tut, zeigt der Umstand, daß sie die Hansawerke ersucht hat, wei­tere bedruckte Noten nicht auszugeben. Die Hansawerke haben entgegenkommend dem Wunsche entsprochen, ins­besondere auch mit Rücksicht auf die Verkehrsschwierig­feiten, die sich bei der Zirkulation ergeben haben. Da

Nummer berichteten, Folge geleistet, sich am Kauf der Blumen 2c. nicht zu beteiligen.), in Teinach, ebenfalls eine ganz kleine Gemeinde, 115 Mark, in Rötenbach 194 Mark 2c. eingegangen. Fast keine Gemeinde hat sich bei dem Blumentag ausgeschlossen. Es ist ein Zeichen dafür, daß man auch auf dem Lande für derartige Ver­anstaltungen Interesse hat. Oft wird darüber geflagt, daß zu wenig Blumen und Postkarten zur Verfügung gestanden hätten. Wir hoffen, daß der hessil che Blumentag ebenfalls ein reiches Ergebnis zeitigt. Ein gutes Omen dürfte der württembergische Blumen­tag für alle Fälle sein.

-W- Gießen. Heime für alleinstehende Damen der gebildeten Stände sind längst an vielen Plätzen ein­gerichtet, unsere Provinz besitzt noch nichts derarti­ges. Da aber auch hier schon mehrfach eine solche Ein­richtung gewünscht wurde, so sind eine Reihe von Frauen und Männern der Frage nähergetreten. Sie nahmen die Gründung eines Damenheimes für die Pro­vinz Oberhessen in Gießen in Aussicht, das wesent­lich minderbemittelten Damen die Möglichkeit geben soll, sicher eine passende Heimstätte zu finden; denn diese wird ihnen beim Alleinwohnen doch nur schwer gewährt. Da­für bestehen viele Vorbilder anderswo; besonders in­teressant sind die zwei nach der Königin Marie benann­ten Heime in Dresden, in denen 40 Damen wohnen. Sie erhielten sich von Anfang an ohne Zuschuß. Doch wäre es nicht möglich, ein solches Unternehmen in klei­nerem Maßstabe ohne Kapitalgrundlage zu beginnen. Daher wird zuerst darauf gesehen werden müssen, Gel­

( Wehlarer Nachrichten)

Anzeigenpreis 10 pfg.

die 44 mm breite Petitzeile oder deren Raum, auswärts 20 Pfg.; die 90 mm breite Petitzeile im Reklameteil 30 Pig., auswärts 50 Pfg.; Tabellen mit 50% Aufschlag. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe be­rechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungs­zieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Verlag der ,, Weklarer Zeitung" G. m. b. H.

Telephon: Nr. 285.

4. Jahrg.

der durch Stiftungen, Vermächtnisse, Schenkungen und heit soll so bald als möglich eine Organisation geschaf= dergleichen zu gewinnen. Zur Förderung der Angelegen­fen werden. Hoffentlich bleibt dann dem Unternehmen, das ja die ganze Provinz terstübung aller interessierten Kreise 3u umfassen trachtet, die tatkräftige Un­

nicht versagt.

im Felde unter einem Misthaufen gefunden. Wie ver­Lich, 12. April. Eine Kindesleiche wurde stehende Dienstmagd geboren hat. Von Gießen weilte lautet, soll es das Kind sein, das eine hier in Diensten die Behörde zur Untersuchung der Angelegenheit hier. Darmstadt. Ein Tarifvertrag in dem Stein­hauergewerbe wurde auf dem Einigungsamt abge­schlossen.

hier von der Zweigstelle für Mutter- und Säuglings= * Friedberg. Eine Mutterberatungsstelle wurde fürsorge für den Kreis Friedberg eröffnet. Leiter der Stelle ist Medizinalrat Dr. Nobel.

händlern und den in der Umgegend besonders im Kreise Frankfurt a. M. Der hier zwischen Milch­Friedbeeg wohnenden Milchlieferanten entstandene ,, Milch­frieg" ist wohl zu Ungunsten der letzteren- nun bald zu Ende. Täglich läuft hier ein Waggon dänischer sich so rasch beliebt gemacht, daß es häufig vorkommt, Milch ein, der 8000 bis 11 000 Liter faßt. Diese hat daß die Hausfrauen den Milchburschen sagen: Wir wol­len nur dänische Milch haben. Es scheint, daß sich schen Milchimports herausbildet. Mannheim Frankfurt mit der Zeit zur Zentrale des däni­wird von hier aus versorgt. Wiesbaden, Mainz, Darm­stadt, ja selbst Nürnberg hat um dänische Milch gebeten. Darmstadt. Als Nachfolger des Abg. Dr. Glässing für das Darmstädter Landtagsmandat wird von der nationalliberalen Parteileitung der Direktor der Landes hypothekenbank Regierungsrat Bastian den Wahlmännern vorgeschlagen werden.

*

Hessen hat keinen Lehrermang mehr. Die Aufnahmeprüfung am Friedberger Lehrerseminar hatte ein überraschend ungünstiges Ergebnis. Von 35 Prüflingen, welche die Präpa­randenanstalt nicht besucht hatten, sondern direkt in das Seminar eintreten wollten, haben nämlich nur fünf das Aufnahmeexamen bestanden, und selbst diese fan­den

nur provisorische Aufnahme. Auch in Bens= heim, wo sich 27 gemeldet hatten, wurde gehörig ge­siebt. Man darf es wohl darauf zurückführen, daß Hes­sen momentan mit jungen Volksschullehrern über und über versehen ist. Es wartet von den über 100 Semi­narabiturienten dieses Jahres allein noch über die Hälfte auf ihre Anstellung.

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Von einer Abonnentin unserer Zeitung geht nachstehendes Gedicht zu, das allerdings die Anfängerin deutlich zeigt. Da jedoch der Gehalt des Gedichtes sehr viel tiefes Empfinden verrät und wir so herzlich um Veröffentlichung gebeten wurden, so wollen wir diese Erstlingsschöpfung der lieben Dichterin in spe unseren verehrten Lesern nicht vorenthalten.

Traurige Ostern!

Fern der Heimat, ach so fern Fort bin ich, an fremdem Strande; O, wie kehrte ich so gern

Zurück nach meinem Heimatlande.

Denn es ist ja heute Ostern,

O, wie doch die Zeit verrinnt, Heute noch vor einem Jahre Jauchht' ich fröhlich wie ein Kind. Doch, heute ist es anders, Heut' kann ich nicht fröhlich sein, Denn die Osterglocken läuten Trauer in mein Herz hinein. Hört nur, wie die Glocken klagen, Jmmer träumen möcht ich hier! Träumen von vergangnen Tagen, Dann hebt sich das Herz auch mir! O, ihr Glocken tönet weiter! Laßt erklingen euern Schall! Tragt mir Grüße nach der Heimat, Grüße zu den Lieben all! Einstens, dann kehr' ich ja wieder, Nach der lieben Heimat mein, Und vereint mit meinen Lieben Dann wird's fröhliche Ostern sein!

P. Th.