Ausgabe 
14.10.1911 Zweites Blatt
 
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Nummer 21.

Welt

Illustrierte

11. Oktober 1911.

-Rundschau

Verlag der Gießener Verlagsdruckerei Klein& Fischer, Gießen.

Illustrierter Stadt- Anzeiger

Manila.

ine alte Stadt liegt zwischen Osten und Westen, ein Märchen, das die Jahrhunderte vergessen haben. Ob wohl es kaum drei Tagereisen von einer Hochburg inter­nationalen Handels und Verkehrs entfernt ist, schläft das Märchen für die große Welt den alten Schlaf, und nur wenige Wissende singen sein Lob. Vor nun etwa 13 Jahren ist ein etwas wilder Prinz in die Dornröschenhecke gedrungen der Amerikaner. Aber auch er hat nicht viel über die Stille vermocht. Zwar hat er durch die alten Straßen elektrische Schnellbahnen ge= legt, die nach New Yorker Muster weit ins flache Land hinaussausen, hat ein Kana­lisationssystem, Hafenbauten, eine famose Trinkwasserver­sorgung, Schulen und öffent­liche Gebäude, Parks und alles mögliche andere gebaut

die finstere Intramuros­Stadt aber liegt unbemerkt wie einst, da die spanischen Padres über Leben und Tod geboten und die meterdicken

Klostermauern schaurige Ge­heimnisse raunten.

-

Manila

ist eine Gründung der Spanier.

-

es

Jahren 1863 und 1880 eingestellt. Das ist der Grund für eine oftmals seltsame Ausführung mancher Gebäude. So gibt es eine große Kirche, die ein Unikum auf Erden ganz und gar aus Gußeisen konstruiert ist, um den irdischen Senkungen besser widerstehen zu können. Im Jahre 1762 fielen die Inseln war zur Zeit des Französisch- Eng­lischen Kolonialkrieges, in den auch Spanien verwickelt worden war ohne Wider­stand in die Hände der eng­lischen Flottenoffiziere. Nach zwei Jahren wurden die Philippinen an die alten Besitzer zurückgegeben. Die neue Zeit hat dann nach einer endlosen Reihe blutiger Revolutionen und Schild­erhebungen der Filippinos gegen die Spanier 1898 begonnen. Die tiefen Mauer­tore von Intramuros öffneten sich nach der Seeschlacht von Cavite dem Amerikaner. Diese Tore sind meter­tief. Sie durchbrechen die langen Mauerzüge, die den Stadtteil der Altstadt" umwallen. Heute errichtet man auf ihrer Krone breite Promenaden­wege und verbirgt die Kugelspuren unter üppigen Anpflanzungen von Grün. Es gibt nichts Schöneres, als aus dem Lärm der jüngeren Geschäftsstadt in die kalte, steinerne Ruhe dieser engen Gassen zu tauchen, die mit einem Schlag die Erinnerung nach Spanien, dem Mutterlande, führen. Die Fronten der Häuser sind finster und verschlossen. Kaum, daß sich schwer vergitterte Fenster öffnen, hinter denen ab und zu leiſes Lachen von Frauen oder ein weißer Schimmer von einem Mädchenantlig ist. Ganz eng sind diese Gassen, so daß die Sonne nur wenige Stunden am Tage sie wärmen

Eine Manila- Schönheit.

Ein halbes Jahrhundert nach der Ent­deckung der Inseln durch Magellan, der auf einer der südlicheren Inseln ermordet wurde und begraben liegt, sechs Jahre nach der Annexion der Philippinen durch die spanische Krone sind hier die Steine zu dem dreihundert­jährigen Zentrum spanischer Macht im fernen Osten gelegt worden. Die Stadt hat eine ganze Reihe von Heim­suchungen zu erdulden gehabt. 1645 wurde sie fast ganz durch ein furchtbares Erdbeben zerstört. Ähnliche Katastrophen haben sich dann wenn auch im kleineren Umfang, in den

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