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Die Kartenlegerin.
Die Kartenlegerin.
leich nach Tisch kam Berta, mein Stubenmädchen, und sagte, daß eine Kartenlegerin da sei, ob ich vielleicht Soll hereinkommen, Berta!"
Berta zog grinsend ab; und dafür erschien eine kleine rundliche Frau mit einem verschwommenen Gesicht und sehr schmutzigen Fingernägeln. Überhaupt, unsauber schien alles an ihr: Bluse, Rock, Jackett, sogar der zerknitterte Strohhut mit den beiden Veilchenbuketts.
Ich schiebe ihr einen Stuhl an den Tisch:" Also los, Madame!" und setze mich ihr gegenüber. Während ich die abgegriffenen Karten mische, überfällt mich Reue, diese Frau in mein Zimmer gelassen zu haben. Ihre ganze Erscheinung Todsicher hat sie Flöhe. Ich überlege, wie viele dieser Geschöpfe sie innerhalb einer Viertelstunde zurücklassen kann. Dann während sie die Karten in Reih' und Glied vor sich hinlegt bete ich, daß sie nicht noch andere Tiere bei sich haben möge. Und mitten in dieses Gebet tönt plötzlich die Stimme der Wahrsagerin, ruhig und fachlich:" Haben Sie ein Verhältnis?"
eine
Im ersten Moment bin ich völlig starr. Diese Frage Unverschämtheit! Dann aber sage ich mir, daß es wahrscheinlich zu ihrem Beruf gehöre, antworte kühl: Nein" und konstatiere innerlich, daß die Kartendeuterei keine so ungeheure Kunst sei, wenn man mit so einfach direkten Fragen im Handumdrehen Dinge zu seiner Kenntnis bringen kann, Dinge, nach denen man sich in guter Gesellschaft höchstens bei Dritten erkundigt
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" Jedenfalls liegt Ihnen ein junger Mann zu," beginnt sie jetzt zu deuten und tippt auf einen verblichenen Cceurbuben. " Aber da ist viel Ärger dabei. Die alte Dame( Pikdame erhält einen Stoß ins Gesicht) seine Mutter will von der Geschichte nichts wissen." Sie hält inne und sieht mich fragend an. Freundlich, aber durchaus schweigend gebe ich den Blick zurück. „ Er ist wohl Beamter?" erkundigte sie sich nun. Ich sage, daß ich das ja noch nicht wüßte. " Aber den kennen Sie doch," entgegnete sie eifrig;„ da," sie fährt über ein paar rote und schwarze Karten, es ist doch deutlich ersichtbar, mein liebes Fräulein, er kommt ins Haus."
Ich erwidere, es täte mir leid, aber bei mir wäre er noch nicht gewesen.
Die Kartenlegerin scheint darob etwas verstimmt. Sie prophezeit mir einen Brief mit unangenehmen Nachrichten, sagt, daß ich schon manchen Ärger gehabt hätte und voraussichtlich noch mehr erleben würde schließlich streut sie aber ein wenig Zucker über all das Bittere und verheißt mir eine Erbschaft. Ich bin angenehm überrascht. Ob ich wüßte, woher?
Ich verneine. Vielleicht, daß sie mir sagen könnte Sie wiegt den Sut mit den Veilchenbuketts und erklärt mit Gönnermiene:" Von auswärts, meine Dame, von auswärts."
Dann schiebt sie mit rascher Sandbewegung die Karten beiseite und reicht mir ein zweites Spiel zum Mischen: schmale Blätter mit allerhand Bildern wie aus einem Kinderlotto: da ist eine Rose, ein Ring, eine Wiege, ein Grab, ein weinender junger Mann und anderes. Eine Dame im Kostüm der siebziger Jahre soll mich vorstellen. Zwischen ihr und dem weinenden Manne liegt ein großer gelber Schlüssel, und daraus wird mir nun auseinandergesetzt:" Sie sehen, der junge Beamte ist jedenfalls vorhanden, und" sie atmet schwer, wie bekümmert ,, ich muß Ihnen sagen, meine Dame, da sind Sie die Untreue gewesen." Das letzte wird von einem vorwurfsvollen Blick begleitet.
Jch wage nicht, zu widersprechen, ich habe zu große Angst, daß der schwarze Fingernagel dann plößlich auf die Karte mit dem Grab springen und mir kurzerhand erklärt würde:„ Es ist schmerzlich, meine Dame, aber lange machen Sie es nicht mehr." vielMein Schweigen scheint ihr Wohlwollen zu erregen leicht hält sie es für Ergriffenheit. Jedenfalls verfällt sie plötzlich in einen gutmütig tröstenden Ton:" Sehen Sie, der junge Mann hängt mit allen Fasern seines Herzens und Gemüts an Ihnen aber er kann ja nicht wegen dem Petuniären. Kann's beim besten Willen nicht machen, meine Dame. Aber sonst ein hochanständiger Mensch. Und wenn er auch schweigt seien Sie geduldig die Stunde kommt, da seien Sie nur ganz ruhig, die Stunde kommt bei dem."
Jch nicke mit möglichst gläubigem Gesicht. Zu schade, daß ich den jungen Beamten nicht kenne, dem ich untreu gewesen bin, und der so an mir hängt und wegen dem Petuniären nicht kann.
Indessen hat die Wahrsagerin schon wieder das erste Kartenspiel ergriffen.
Karodame wird in die Mitte gelegt, darum in Kreuzform: „ Gedeckt, daneben, zu Füßen, was noch schwebt!" Je vier Karten aufeinander.
Gedeckt: ich lerne einen alten Herrn kennen, der glänzend situiert ist.
Daneben: der Beamte mit dem guten Herzen, der bösen Mutter und gar keinem Geld.
Zu Füßen: nächtliche Zusammenkunft auf Stube.
Hier macht die Kartenlegerin eine Pause und beginnt dann sehr feierlich und dringend:" Sehen Sie, auch hier wieder der alte Herr. Ich kann Ihnen nur raten: greifen Sie zu.( Für den Beamten scheint sie gar kein Mitgefühl mehr zu haben.) Greifen Sie zu, vielleicht kann das wie in der Königgrätzer Straße werden."
Zögernd frage ich, wie es in der Königgrätzer Straße geworden ist.
" Nun," meint sie wichtig, da war eine Dame, da hat, er innerhalb weniger Tage alles bezahlt, was sie stehen hatte."
Ich blicke die Wahrsagerin an; groß, ruhig, dann sehe ich langsam, prüfend an mir selbst hinunter: Siehst du denn heute so heruntergekommen aus oder so elegant?
Die Kartenlegerin studiert indessen schon:" Was noch schwebt." Ihre Stirn ist in Falten gezogen, der Mund zuſammengekniffen. Teufel, jetzt wird es tragisch, denke ich. Und da kommt's auch schon.
„ Es wird mir schwer, meine Dame, aber der Storch liegt Ihnen zu."
Ich bin eigentlich gar nicht sehr verwundert, nach dem Vorangegangenen kommt mir das nicht mehr überraschend. Ruhig greife ich nach meinem Portemonnaie, da ich der Meinung bin, daß mit dem Storch die Geschichte zu Ende ist. Die Kartenlegerin ist meiner Sandbewegung gefolgt, ihr Gesicht erhellt sich plötzlich zusehends, und mit einem furzen Blick auf" Was noch schwebt" setzt sie hinzu:„ Regen Sie sich nicht auf, meine gute Dame, es geht vorüber auf jeden Fall kommt es nicht zum Ausbruch."
Ich danke ihr. Sie verlangt fünfzig Pfennig und entschwindet. Eine Stunde ist seitdem vergangen. Flöhe haben sich noch nicht bemerkbar gemacht. Allerdings, die hatte sie auch nicht prophezeit- obwohl gerade das das einzige gewesen wäre, was ich ihr geglaubt hätte.
A. K.
Jslandreisen.
Szenen von einer vom Norddeutschen Lloyd ver
anstalteten Polarfahrt.
Isländische Sänger und Sängerinnen an Bord des " Großen Kurfürsten."
Auf
dem Marktplatz in Reykjavik.
ihn erfassen, Sehnsucht nach dem schönen Lande mit seinen jungfräulichen Eisbergen und seinen rauchenden Quellen, den glitzernden Seen, grünen Matten und einfachen Menschen. Unauslöschliche Reiseeindrücke nimmt er mit heim, und sein Mund wird nicht müde werden, zu erzählen von den geheimnisvollen Schönheiten der Feuer- und Sageninsel.
Zum Schluß noch etwas Allgemeines über Island. Außer den Pony, die zum eigenen Bedarf wie auch zur Ausfuhr( vor allem nach Schottland) gezüchtet werden, werden vor allem Schafe gezüchtet, während Rindvich, Schweine und Ziegen auf der Insel selten sind. Nur etwa 27% der Einwohnerschaft beschäftigt sich mit der Fischerei. Der Handel Islands ist seit neuerem im Aufblühen begriffen. Zu rechter
D
3
Entwickelung ist er aber noch nie gekommen, denn im Mittelalter hatten die Hanseaten zusammen mit den Engländern den isländischen Handel, der fast ausschließlich Tauschhandel war, monopolisiert, und als Anfang des 17. Jahrhunderts durch ein Machtgebot des dänischen Königs die Hanseaten verdrängt waren, wurde der isländische Handel von den dänischen Kaufleuten monopolisiert. So kam es, daß sich in Island der Eigenhandel nicht recht entwickeln wollte. Auch daß die Insel nicht zu wirklichem Wohlstande gelangte, hängt damit zusammen. Daraus vor allem ist auch zu erklären, daß der Isländer nur wenig Sympathie für Dänemark hat und sich möglichst ganz von ihm losreißen möchte.
Die Umrisse der weiten Bucht von Reykjavik zeichnen sich scharf von dem grünlich- blauen Gimmel und Wasser ab. Die Stadt selbst liegt zwischen zwei flachen Hügeln; ihre weißgrauen kleinen Häuser mit den mennigroten Wellblechdächern zeigen alle Linien so hart und deutlich, als wäre das Bild von Kinderhand gemalt. Zu beiden Seiten sieht man Wiesen, dahinter erhebt sich niederes, zum Teil mit Schneerinnen und-flecken bedecktes Hügelland. Der Hafen wird von Kleinen
Inseln fast abgeschlossen.
Nacht am Meer.
Das sind so die schönsten Stunden Wenn der Tag sich ausgeglüht, Und die Nacht ihren schwarzen Mantel Über Meer und Eiland zieht.
Dann rauschen die schwarzen Wogen Viel lauter wohl als am Tag, Dann kommt die Sehnsucht gezogen Ins Herz mit wildem Schlag
Wer könnte das Meer vergessen, Der es einmal zur Nacht geschaut Und dem Liede der großen Sehnsucht,
Dem Meereslied, gelauscht?
O herrliche Nacht am Meere
Bei rauschender, singender See, Erinnerung deiner Wunder Füllt mir das Herz mit Weh.
Agi Rogge.
ཀར་ ཁ་ ་ ད་ དར ། །
Pangherde, bereit zum Ausflug nach dem Tröllafos im Esjagebirge.


