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Graf Posadowsky über die Wohnungsnot. tagsabgeordneter Sübsch- Nürnberg. Nach einem Schluß­

In der Stadt Leipzig hat der Deutsche Woh­nungskongreß am Montag seine Beratungen begon­nen. Graf Posadowsky, der frühere Staatssekretär des Innern, wurde zum Ehrenvorsitzenden gewählt und hielt folgende bemerkenswerte Eröffnungsansprache:

wort des Geheimrats Rieser, in dem er darauf hinwies, daß die nächste Zeit über die Zukunft des Bürgertums ent­scheiden werde und daß deshalb jeder Angehörige des Bür­gerstandes seine Schuldigkeit tun müsse, wurde die Ver­handlung um 6 Uhr geschlossen.

Die Gründung einer großen Gewerkschaftsbank in Ber­lin soll, wie eine Berliner Korrespondenz erfährt, in sozial­demokratischen Kreisen allen Ernstes erwogen werden. Die Gewerkschaften verfügen bekanntlich über viele Millionen, die sie natürlich zinstragend anlegen müssen. Bisher ist dies bei den verschiedensten Banken geschehen. Jetzt schla­gen nun einige Gewerkschaftsführer vor, diese Gelder an einer Stelle zu sammeln und eine Bank auf genossenschaft­licher Grundlage zu errichten.

Bet den bedauerlichen Zuständen, die gegenwärtig in der Baufrage herrschen und in weitgehendstem Sinne eine Abhilfe der Wohnungsnot durch Gesetzgebung, Aufklärung und Verwaltungsmaßregeln erheischen, bin ich, so bemerkte der Redner am Eingang seiner Ausführungen, mit der Vor­nahme geeigneter Schritte durchaus einverstanden. Wenn man der sozialen Frage näher treten will, um die Wohnungsfrage zu fördern, um unserer minderbe= mittelten Bevölkerung die Möglichkeit einer angemessenen Wohnung zu schaffen, so muß man auf die inneren Ursachen der vorhandenen Mißstände zurückgehen, um ihnen recht­zettig zu begegnen. Der Bevölkerungszuwa ch brängt immer lebhafter nach den großen Städten, so gewaltig, daß ießt im Deutschen Reich auf je fünf Bewohner ein Großstädter kommt, und die Entfremdung von der Na­tur immer mehr zu wachsen beginnt. Bis zu dem großen wirtschaftlichen Umschwung hat die Regierung alle Kraft angestrengt, um sich von den Schäden der napoleonischen Kriege zu erholen. Erst durch die deutsche Sozialpolitik Ist sie gezwungen worden, sich eingehend mit den Lebensbe­bingungen der minderbemittelten Bevölkerung zu befassen. An Beispielen aus Berlin hob dabei der Redner dte Miß­stände hervor, wie sie aus den alten Bauzuständen hervorge= gangen sind. Nun gemahnt weiter der stete Rückgang der Tauglichkeit für den Heeresdienst auch bei der länd­Itchen Bevölkerung von Jahr zu Jahr, das Zuströmen fremder Arbeiter aus Rußland, Desterreich und Italien, die alljährlichen Klagen der heimischen Arbeiter und dabei die Abneigung gegen schwere törperliche Arbeit an Abhilfe allerorten. Tausende ziehen nach den Großstädten ohne et­nen notwendigen, nüßlichen Zweck, Tausende verschwinden darin, die außerhalb einen geachteten Dienst leisten könnten. So entsteht ein fortgesetzter Zuzug, eine örtliche Ueber­lastung. Bei der bestehenden Wohnungsnot würde unsere ganze Arbeit in der Bodenfrage bei dem fortgesetzten Wach­fen der Bevölkerung eine Danaidenarbeit sein, wenn wir nicht von den Behörden unterstützt werden, die Mindest­forderungen für den Bau von Wohnungen und Forderun= gen inbezug auf die Benutzung der Wohnungen aufzu stellen haben. Es muß mit einem Wohnungsgeset vorgegangen und auf die Herstellung von Kleinwohnungen Bedacht genommen werden. Wir müssen die lapidaren Vorschriften über die Erbpacht ergänzen, mit geringen Ko­sten den sicheren Besitz auf Lebensdauer anstreben und, um die Erbpacht nußbringend werden zu lassen, das Großka­pital in Erbbaubanken zu gewinnen suchen; dabei ist nicht nach finanziellen Gesichtspunkten, sondern nur nach so= ztalpolitischen Grundsäßen zu verfahren. Daß die Wertzuwachs steuer, so gut sie ist, die Grundstücks­Spekulation eingeschränkt hat, davon kann ich mich zurzeit nicht überzeugen. Die Kosten wird der Mieter zu tragen haben. Das Wort man möge mit der Sozialpolitik aufhö­ren" ist ebenso unrichtig, als ob man sagen wollte, die Han­dels- und Wirtschaftspolitik soll aufhören. Nicht mit dem Gefühl eines bequemen Beharrungsvermögens wollen wir arbeiten. so schloß der Redner, sondern mit dem lebhaften Ausspruch asset uns Gutes tun und nicht mude werdent"

Rundschan vom Cage.

Politisches.

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Winterswyk wurden bet Dorsten Steine auf die Schienen gewälzt, um einen Personenzug zur Entgleisung zu brin gen. Der Staatsanwalt bat 300 Mark Belohnung auf die Ergreifuna der Täter ausgesetzt.

Tödlicher Unfall bei einem Blumentage. Während des Blumentages in der Gemeinde Niemke bet Bochum wurde ein Fabrikarbeiter von einem Wagen der elektrischen Stra­ßenbahn erfaßt und sofort getötet.

Tödlicher Jagdunfall. Ein Brauerelbefizer aus Mül­heim strauchelte auf der Jagd. Dabei entlud sich das Ge­wehr und die Ladung ging ihm in den Körper. Er starb bald an den erlittenen Verlegungen.

Selbstmord Peter Ganters? Peter Ganter, der Vers fasser der Briefe über Die doppelte Moral", soll in open­hagen Selbstmord verübt haben. Wie der Hamburger Poli­zeibehörde mitgeteilt wird, hat sich ein Herr in einem Hotel in Kopenhagen, der sich dor: als Peter Ganter eintrug, ver­giftet.

30 Personen ertrunken. Bei einem Dorf in der Nähe von Uglisch an der Wolga ist eine Fähre, die mit Menschen überlastet war, während der Ueberfahrt gesunken. 30 Per­sonen sind hierbei ertrunken.

Volkswirtschaftliches.

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Soziale Fürsorge bei Krupp. Krupp in Essen hat so­eben die Jahresberichte über den Stand seiner Pensions= fasse und seiner Krankenkasse erscheinen lassen. Beide füh­ren sie die außerordentlichen sozialen Leistungen dieses Werkes vor Augen. Die Pensionskasse für die Arbeiter bet Krupp zählte im Berichtsjahre 35 474 Mitglieder. Sie zah= len in die Kasse zusammen die gleichen Beträge wie die Firma allein, nämlich ca. Millionen Mark. Es fließen also fährlich etwa 3 Millionen Beiträge in die Kasse. Ste werden nicht ganz für Pensionen jährlich ausgegeben. In­folgedessen erhöht sich das Vermögen der Pensionskasse von Jahr zu Jahr. Zurzeit beträgt es 23 600 000 Mark. Die Folge ist die Erhöhung des Prozentsazes der Pensionen. Sie kommt natürlich den Arbeitern zugute. Man kann mit der sozialen Fürsorge bei Krupp, diesem kleinen Staate für sich, ganz zufrieden sein. Er gewährt seinen Pensionä ren mehr als dreimal so viel Rente als der Racker von Staat", durchschnittlich 687 Mart, gegen 210 Mark staat­licher Invalidenrente. Dabet sind unberücksichtigt geblie= ben die Zuschüsse, die einzelne Pensionäre zu ihrer Pension aus der Invalidenstiftung beziehen, und ferner die Fret­wohnungen, die die auf dem Altenhof" wohnenden Pen­sionäre haben. Dieser Altenhof" ist eine Idealgründung der Firma. Er ist architektonisch ein Jónll. Seine Anlage hat seinerzeit auf der Städtebau- Ausstellung in Berlin Aufsehen erregt. Er ist eine kleine Stadt für sich, denn die Zahl der Kruppschen Pensionäre beträgt 4756. Reich dottert ist auch die Krankenkasse der Gußstahlfabrik. Sie geht sehr liberal und loyal mit ihren Mitgliedern um, zahlt Sterbe­gelder und erstreckt sich selbst auf die Familienmitglieder der Arbeiter. Ste arbeitet mit 81 Aerzten, einer Heilbade­anstalt und zahlreichen auswärtigen Heilstätten. Sie hatte 1910 eine Einnahme von 2290 600 Mark und verfügt über einen Reservefonds von Millionen Mark.

Der deutsche Privatbeamtenverein, dessen Sitz in Mag­deburg ist, hielt am Sonntag in Berlin seine Hauptver­sammlung ab. Der Verein, der für seine Angehörigen zahlreiche Unterstützungskassen geschaffen hat, zählt zurzeit 11 000 Mitglieder und besitzt ein Vermögen von 18 Mil­lionen Mark. Bei seiner Stellung zur Privatbeamtenver­sicherung geht der Privatbeamtenverein davon aus, daß seine eigenen Hilfskassen seinen Mitgliedern bereits hin­reichend Schutz gewähren. Generaldirektor Schmelzer führte aus, der Plan einer staatlichen Versicherung für die Pri­vatangestellten sei mit Dank anerkannt worden. Diese Versicherung dürfe aber den Grundsay, nur den Schutzbe­dürftigen ein Existenzminimum zu bieten, nicht außer acht lassen. Ein Versicherungszwang in einer Reichsanstalt un­tergrabe die individuelle Selbständigkeit und rufe Unzu­friedenheit bei den Bessergestellten hervor. Unter heutigen Verhältnissen müsse auch die Schußgrenze für Angestellte höhergestellt werden. Auch der Verband deutscher Beamtenvereine hat dieser Tage getagt. Ein An­trag des Stettiner Hauptvereins, der die Hauptversamm­lung auffordert, energische Maßnahmen zu ergreifen zur Bekämpfung der Tuberkulose unter den Beamtenkindern, wurde angenommen. Die Angriffe gegen die Beamtenkon­sumvereine wurden scharf kritisiert. In einem angenom­menen Antrage heißt es: Der Verband hat zu den deut­schen Regierungen und zu den deutschen Volksvertretungen das Vertrauen, daß sie alle Versuche, die Beamten in ihren Staatsbürgerlichen Rechten, insbesondere in ihrer Selb­ständigkeit weiter zu beschränken, als es das Gemeinwohl zwingend verlangt, nachdrücklich entgegentreten werden." Ein neuer französischer Uebergriff in Tanger. Die , Köln. 3tg." meldet aus Tanger: Der ehemalige türkische Offizier Tahir, der in Mulay Hafids Diensten stand, wurde vom Pascha auf Veranlassung der französischen Gesandt­schaft grundlos ins Gefängnis gesteckt, nachdem er durch eine Einladung zum Tee in das Haus des Paschas geloďt worden war. Tahir wurde auf Betrieb der Franzosen aus den marokkanischen Diensten entlassen und war dieser Tage als Korrespondent einer ägyptischen Zeitung nach Tanger zurückgekehrt. Er hatte in einer ägyptischen Zeitung die französische Marokkopolitik kritisiert.

Die Feststellung des Reichshaushaltsetats für 1912/13 wird, schreibt die ,, Germania", feine Ueberraschungen brin­gen. Die Aufnahme einer Anleihe ist, so wird wenigstens von gut unterrichteter Seite behauptet, ausgeschlossen. Es liege eine Stellungnahme des Reichskanzlers vor, wonach auch für den kommenden Etat eine Balanzierung zwischen Einnahme und Ausgabe unbedingt herbeigeführt werden soll.

Kleine Nachrichten.

Im Deutschen Rundflug um den B. Z.- Preis der Lüfte haben bish r außer Lindpaintner noch König und Büchner Magdeburg ereicht. Gestartet sind bisher elf Flieger. In Magdeburg selbst war zwar am Montag Ruhetag, doch wur­de auf der Strecke von Berlin nach Maadeburg geflogen. Für Dienstag ist der Flug von Magdeburg nach Schwerin ( 176 Kilometer) angesetzt.

Rund 50 000 000 Stud Briefmarken und Postkarten im Werte von 2 950 350 M wurden im vergangenen Jahre durch die postalischen Automaten an das Publikum abgegeben, und zwar 10 480 000 Stück Postkarten, 26 779 000 Fünfpfen­igmarken und 10 574 000 Zehnpfennigmarken.

Der erste allgemeine deutsche Hansatag fand am Mon­tag nachmittag im Berliner Sportpalast unter überaus zahlreicher Beteiligung statt. Um 4 Uhr eröffnete Ge­heimrat Rieser die Versammlung mit einer Begrüßung der Erschienenen. Er wies darauf hin, daß der Hansabund bestrebt sei, eine neue Zeit für Deutschland zu schaffen. Er sei innerhalb der zwei Jahre seines Bestehens eine ge­waltige und beachtenswerte Organisation geworden. Die Forderung des Tages sei, einen freundlichen Ausgleich der wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Gegensäge herbeizuführen. Alsdann sprach der Präsident des Deuts schen Handelstages Reichstagsabgeordneter Kämpf über die Notwendigkeit des Hansagedankens. Weiter hatten das Wort ergriffen u. a. der bayerische Abgeordnete Haeber­lein- Nürnberg, Marquardt- Leipzig vom Verband Deutscher Handlungsgehilfen, Dr. Stresemann, Mitglied des Reichs­tages, Sturm- Wiesbaden, Koelsch- Karlsruhe und Land­

Zwei Kirschen an einem Stengel.

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Noman von A. von Liliencron. Nachdruck verboten.)

Die diesjährige Hauptversammlung des Deutschen Gastwirte- Verbandes, dem gegen 800 Vereine mit 60 000 Gastwirten angehören, hat am Montag in Braunschweig be­gonnen. Die Verhandlungen lettete der Verbandspräsident Anton Ringel- Berlin.

Die europäische Fahrplankonferenz in Verbindung mit Wagenstellungskonferenz wird am 14. Junt in Stockholm Beginnen. 104 Eisenbahnverwaltungen von 17 Ländern ha­ben 280 Vertreter entsandt.

Was fonnte sie, die eine reiche Heirat gemacht hatte, bei dem Pfandleiher wollen? Oder war sie es gar nicht? Ihr Anzug erschien so dunkel, so auffallend einfach, gar nicht, wie es nach dem Geschmade der Kathi gewesen wäre, die sich jetzt doch das schönste leisten konnte.

Wissenschaft, Kunst und Literatur.

Der Historienmaler Professor Hermann Schaper in Hannover ist gestorben. Schaper war 1858 in Hannover ge­boren. Er studierte an der dortigen Technischen Hochschule und an der Münchener Akademie und ließ sich dann in set­ner Baterstadt nieber. Cr schuf Malereien für das alte Rathaus in Hannover und die dortige Garnisonskirche, mal­te die Marienburg aus und übernahm den bildlichen Schmuck für das Rathaus in Göttingen. In den letzten Jahren widmete er seine Tätigkeit vorzugsweise dem Mün­ster in Aachen, für das er große Glasmosaiken geschaffen hat. Ein Polytechnikum für Frauen. Das Polytechnikum für Frauen, das vor einiger Zeit in Petersburg ins Leben gerufen wurde, umfakt jetzt in Fakultäten für Architektur, Bauingenieurwesen. Chemie und Elektrotechnik 600 Hörerin­nen. Von diesen sind 500 unverheiratet. Am Polytechnt­fum wirken zurzeit etwa 100 Professoren und Hilfslehrer. Es ist beabsichtigt bei der russischen Regierung zu bean­tragen, daß den Studentinnen auf Grund von erfolgret­chen Prüfungen die Ingenieurwürde verliehen wird.

Der im Essener Meineidsprozeß zu dret Jahren Zucht­haus verurteilte Bergmann Becker, der im Wiederaufnah­meverfahren freigesprochen wurde, hatte einen Schadener­satz von 5488 M gefordert. Da das Ministerium des In­nern ihm nur 3000 M bewilligte, hat Becker den Fiskus auf Zahlung des Restes verklagt.

Der belgische Lenkballon entflohen. Der belgische Lenk­ballon Ville de Bruxelles", der gestern nachmittag von Brüssel eine Ausfahrt unternommen hatte und zur vor­zeitigen Landung gezwungen war, riß sich los und ver schwand ohne Bemannung in der Richtung nach Südosten.

Er stand unter den verschiedenen Menschen, die den Laden füllten, im Hintergrunde, die Augen auf Mutter und Kind gerichtet. Jeht wandte die junge Frau den Kopf, um einer hinter ihr stehenden Alten, die sie ange­redet hatte, zu antworten, und da gab es dem jungen Ula­nen einen Ruck durch den ganzen Körper, denn nun wußte er, wer Mutter und Kind waren.

Er hätte später nicht sagen können, wie lange es ge= dauert, bis die blasse Frau dem Ladenbesizer ihr Anliegen vorbringen konnte; aber als es geschah, steigerte sich bei thm die Erregung bis zur Qual.

Schwerer Eisenbahnfrevel. Auf der Strecke Wanne­

Hand das Goldstück. Sie starrte ihn an, als ob sie einen Geist sehe, ihre Lippen bewegten sich, aber sie brachte kei­nen Ton hervor. Aschfahl war sie geworden und bebte am ganzen Körper. Da nahm er ihr das Kind ab.

Er sah das wohlbekannte Kreuz in einer kleinen Hand, die oft, ach, so oft in der seinen gelegen, und hörte eine geliebte Stimme zaghaft sagen: Das Kreuzle möchte ich versezze, aberst ich möcht's hernach wieder hole-"

Kannst das Madel jetzt nit trage," sagte er, kumm, in die frische Luft wird's Di besser sin."

Der Mann, der das kleine Schmuckstück prüfend be trachtete, meinte: Besser gleich reinen Tisch machen, ich tauf's ab."

Das geschah alles in so bestimmter, selbstverständlicher Weise, unbekümmert um die verwunderten Augen, die sich auf ihn richteten, daß Kathi ihm willenlos folgte.

Da tlang wieder der Kathi ihre Stimme, und dies­mal war's, als ob sie mit den Tränen fämpfte: Nit ver­taufe, nur versetze will ich's Kreuzel ich kann's nit her­gebe! Bitt schön, geb's mir was Geld drauf."

Aus den Gerichtssälen.

Großer Diebstahls: und Betrugsprozeß. Die Cölner Straffammer hatte sich mit einem riesigen Diebstahls- und Betrugsprozeß zu befassen. Eine ganze Anzahl Gauner hatte in den letzte Jahren umfangreiche Diebstähle in Düsseldorf, Cöl und namentlich in Frankfurt a. M. ver­übt und die erbeuteten Waren in einem Partiewarenge­schäft untergebracht, von wo sie im Auslande abgesetzt wur­den. Die Diebe beschwindelten auch etwa 80 ausländische Firmen, bei denen sich die einzelnen Gauner gegenseitig als Referenz ausgaben, um auf diese Weise große Waren­posten, meistens Zigarren, Itefern zu lassen. Die erschwin delten Waren wurden dann schleunigst unter den Hammer gebracht. In der Verhandlung wurde der Hauptangeklagte, Monreal, zu vier Jahren Zuchthaus, ein zweiter Ange­

Wenige Schritte von dem Hause hielt eine Droschke, er war darauf zugegangen.

,, Steig in, Kathi, ich wüll Euch man tu Huse bringe, Du funnst allweil nit zu Fuß gahn. Wo wohnst?" fragte er anscheinend so ruhig, als ob das nichts besonderes wäre. Dadurch gewann sie ihre Fassung einigermaßen wieder, fie nannte ihm Straße und Hausnummer, nahm das Kind und stieg ein. Er setzte sich an ihre Seite, und die Kleine, gefesselt durch die blanken Knöpfe seiner Uniform, streckte verlangend die Arme nach ihm aus.

Bevor der Ladenbesizer antworten konnte, war der Junge Ulan vorgetreten, hatte ein Geldstück auf den Tisch gelegt und mit eigentümlich verschleierter Stimme gesagt: Das Kreuzel fann die Frau bei mir versetze und jeden Tag zurüd friege. Die Sach ts afmatt."

Er nahm das Kreuz und drückte in Kathis zitternde

Die Mutter wollte ihr wehren, aber er meinte: ,, Lat man, se wüllt et so," und nahm die Kleine. Dann verstummten sie, ihr und ihm war das Herz zu voll, sie wagten nicht zu sprechen.

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ich dät tun wüllt. Hernach, als Du so grantig wärst, dät se mi of verspreche, se wüllt Di zurede, wenn se nach Frie­denau kummen dät. Aberst allens fäm anders." Er seufzte und sah zum Wagenfenster hinaus. Kathis Wangen brannten jetzt wie Feuer, in ihrem Kopfe wirbelten die Gedanken. Von unwiderstehlichem Drange getrieben, erzählte ste, was Lene ihr geschrieben. Jekt sah er sie wieder an. Ju, det wär all so, min Verspruch for ihre Brutmann, und ehr Verspruch von we gen Din Trugkopp. Mädel," unterbrach er sich plötzlich und vergaß dabei ganz, daß Kathi unterdessen Frau und Mutter geworden war, Du hättst doch nit glömt. Sie nichte seinem unausgesprochenen Worte zu. ju, ich häv dächt, wenns Frühjahr fummt und de Kuckuck schrit, dann süllt Din Hort sin mit de Rosemarie."

Wie fummst aflweil her?" fragte sie endlich. Und er antwortete: Morgen is hier Kindtofen bi min Fründ, da bin ich zu Pate gelade. Es is der Rose­marie ihr zweites, a Jung, und seit April sind se hierher fumme."

Wieder verstummten beide. Durch Kathis Herz aber zog ein Sturm. Erst als sie sich mühsam zur Ruhe ge­zwungen, sagte sie: Weßt, ich hab den Brief zu lese friegt, den die Rosemarie Dir dazumalen schrieben dät, Du sollst zu ihr kumme. Weßt, ich wullt doch auch, Du sollst die Tag zu uns fumme, und Du seggst, Du kunnst nit."

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Sie sagte nichts weiter, doch nun wurdge ihm auf einmal alles flar, aber er wußte nichts anderes zu er­widern als: ,, Wie kunnst de nur det glöwen!"

Er nickte. Woll, woll, dazumalen waren die Rose­marie und was jeht ihr Mann is, verknurrt, und ich füllts wieder zurecht kriege. Se hätt min Verspruch, daß

Dann sah er schweigend aus dem einen und Kathi stumm aus dem andern Fenster hinaus, nur die Kleine, die noch immer auf seinem Schoße saß, trahlte vergnügt. Nach einer langen Pause fragte er:, Wo geit et Di denn?" ,, Gaut," antwortete sie kurz und wandte sich noch wei­ter von ihm ab. Er wußte, daß sie, die so schmal und blaß aussah, jett nicht die Wahrheit sagte, aber er wollte nicht in ste dringen. ,, Und Din Mann?" erkundigte er sich weiter. He is frank west und so kämet, daß daß ich's Kreuzel." Sie hatte so gern fest bleiben wollen, aber sie mühte sich vergebens, die aufsteigenden Tränen zurück­zudrängen. Sie schnürten ihr die Kehle zu, sie konnte nicht weiter und schluchzte laut auf.

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Hans Ruland schnitt das ins Herz, er fühlte das brennende Verlangen, ihr liebes Gesicht an seine treue Brust zu ziehen und ihr zu sagen: Wein nit, ich fanns nit ertragen! Sollst nit in Not sin, ich wüll für Dich sorge. ( Fortsetzung folgt.)

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