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flagter, Meyer, zu zweieinhalb Jahren Gefängnis und die Abrigen Angeklagten zu Gefängnisstrafen bis fünf Mona ten verurteilt.

Vermischtes.

Der Berliner Schuhmannsmörder. Die Berliner Kri­minalpolizei fonnte noch am Sonnabend abend mit Hilfe der Daktyloskopie die Persönlichkeit des bisher unbekann­ten Mannes feststellen, der, wie gemeldet, am Sonnabend mittag in der Friedrichstraße den Schuhmann Lucht vom sechsten Polizeirevier niederschoß und sich dann selbst töd­lich verlegte. Der Mörder ist der 27jährige, langgesuchte Verbrecher Frig Hugo Görmar, der sich in Berlin bisher unangemeldet aufhielt und schon vielfach mit Gefängnis und Zuchthaus vorbestraft ist. Wie vermutet wird, ist Görmar an einem der in diesem Jahre verübten und noch nicht aufgeklärten Berliner Frauenmorde be­tetligt. Durch Vergleich der Fingerabdrüde tam man auf die richtige Spur. Es stellte sich heraus, daß man es mit einem gefährlichen Verbrecher zu tun hat, dessen Bild schon dem Verbrecheralbum einverleibt ist.

Ein Menschenleben um 10,60 Mart. Aus Berlin wird gemeldet: Am Sonntag früh bemerkten zwei Herren, die einen Spaziergang durch den Wald zwischen Nieder- Schö­neweide und Spindlersfeld machten, einen jungen Men­schen, der hin und her schwankte und zunächst den Eindruc eines Betrunkenen hervorrief. Als sie näher kamen, ent­deckten sie, daß er aus einer Wunde an der linken Schläfe blutete. Sie nahmen ihn unter die Arme und gingen mit ihm der Station Oberspree zu, wo er sich nicht mehr wei­terschleppen fonnte und zusammenbrach. Die beiden Män­ner benachrichtigten Arzt und Polizei, die aber nur noch einen Toten vorfanden. Aus bei ihm vorgefundenen Pa­pieren ging hervor, daß er der 16 Jahre alte Kaufmanns­lehrling Proschwig aus Berlin ist, dem nach einer Unter­schlagung von 10,60 Mart sein Chef gekündigt hatte. Aus Furcht vor Strafe kehrte der junge Mann nicht nach Hause zurüd; er irrte die ganze Nacht umher und gab schließlich die tödliche Kugel auf sich ab.

In der Notwehr erschossen. Im föniglichen Forst zu Karthaus( Westpreußen) sammelte die Arbeiterfrau Kon­fel Brennmaterial. Als der Förster Guhse, der sie dabet ertappte, ihren Namen feststellen wollte, flüchtete Frau Ronfel und rief laut um Hilfe. Der Ehemann der Konkel, der in der Nähe Torf stach, stellte sich dem Förster in drohender Haltung mit dem Spaten entgegen. Im Mo­ment des Zuschlagens gab der Förster einen Schuß ab, der den Konkel tot niederstreckte.

Eine wüste Schlägerei spielte sich gestern früh in einem Cafee in der Richardstraße in Berlin ab. Eine Anzahl Gäste war mit dem Kellner in Strett geraten, in dessen Verlauf die renitenten Gäste mit Schlagringen und Mes­sern um sich schlugen und stachen. Das ganze Lokal wurde demoliert, Stühle, Tische und Fenster zertrümmert und mehrere Gäste, darunter ein Neger, erheblich verletzt. Meh­rere der Täter wurden festgenommen. Bei der Sistierung leistete einer, der Arbeiter Wiedede, so erheblichen Wider­stand, daß er erst durch Säbelhiebe kampfunfähig gemacht werden mußte.

Automobilverkehr für Hochzeitsreisende. Die jüngste Neuerung im amerikanischen Verkehrsleben bildet eine Automobillinie, die eine Gesellschaft zwischen Neuyork und Chicago eingerichtet hat und die zweimal in der Woche verkehrt. Das eine der den Dienst vermittelnden Auto­mobile ist auf den Namen Flitterwochenwagen" getauft, und die Gesellschaft hegt die Hoffnung, daß das mit allem Komfort ausgestattete Gefährt sich bald die Gunst der Hoch­zeitsreisenden erwerben wird. Die Reise, für die eine Tagesleistung von 240 Kilometern in Aussicht genommen ist, wird vierzehn Tage dauern. Der Fahrpreis ist auf 450 Mark normiert. Für Nachtquartier in den ersten Ho­tels sind auf Grund der von der Gesellschaft getroffenen Abmachungen von den Passagieren etwa 160 Mark zu zahlen.

Schwerer Unglüdsfall auf einem Ausflug. Die Schü­ler der Realschule von Leibnik in Desterreich unternahmen In Begleitung ihrer Lehrer und vielen Angehörigen einen Ausflug nach der Ruine Holstein. Dabei mußte ein Steg überschritten werden, der über einen tiefen Graben führte. Hierbei drängten sich zu viele Personen auf dem Stege zu­sammen, so daß er unter der Last zusammenbrach. Zahl­reiche Ausflügler stürzten in die Tiefe. Acht der Verun­glückten trugen schwere, 30 leichtere Verlegungen davon.

Das Recht auf den Regenschirm. Vor kurzem erschien vor dem guten Richter" Heap, der in Chicago Recht oder was er dafür hält spricht, ein armer Teufel na­mens Jearney unter der Anklage, einen Regenschirm ge­stohlen zu haben. Der Richter erkundigte sich zunächst ge­nau, unter welchen besonderen Umständen der Diebstahl erfolgt war, und Jearney beteuerte, daß es an jenem Tage in Strömen regnete, daß er trotz des Regens in einer wichtigen Angelegenheit auf die Straße gehen mußte, und daß er, da er sich aus Mangel an Geld feinen Regenschirm habe kaufen können, in seiner Not den Regenschirm eines anderen genommen habe. Nach diesem Geständnis sprach Richter Heap den Delinquenten frei. Ein Mensch", so sagte er in der Urteilsbegründung ,,, hat ein gewisses Recht einen Regenschirm zu stehlen, wenn es start regnet und er teinen Schirm faufen kann." Er schränkte allerdings den Wert dieses humanen Urteils ein wenig ein, indem er, zu Jearney gewandt, hinzufügte: Hüten Sie sich aber, rück­fällig zu werden!" Das will jedoch nicht viel bedeuten, da Immerhin festgestellt ist, daß man bei Regenwetter sich den ersten besten Regenschirm nehmen kann, wenn man nur ben Beweis erbringt, daß man kein Geld in der Tasche hatte, und sich infolgedessen keinen neuen kaufen konnte. Das gilt aber vorläufig nur für Chicago.

Eine brennende Erdgasquelle in Schlesien. Wie ober­schlesische Blätter melden, hat sich in der Nähe der Ge­meinde Hruschau an einer Berglehne eine brennende Erd­gasquelle gebildet. Die aus der Berglehne mit großer Intensität entströmenden Gasmengen haben sich durch Selbstentzündung in Brand gesetzt und hüllen die Berg­lehne in ein förmliches Flammenmeer ein. Auch aus einem in der Berglehne befindlichen Wassertümpel strömt in heftigen Stößen das Gas heraus und setzt Flammen an. Durchstechereien städtischer Beamten. Aus Barmen wird gemeldet: Wegen Durchstechereten, die schon seit Jah­ren datteren, sind die städtischen Straßenmeister Luther und Fröschke verhaftet worden. Die auf Veranlassung der tädtischen Verwaltung betriebene Untersuchung ist schon feit langer Zeit im Gange und hat bisher so viel belasten­bes Material zutage gefördert, daß jezt die Verhaftung erfolgen mußte. Ueber den Umfang der Durchstechereien und über die weiteren Personen, die in die Angelegenheit

verwidelt sind, wird erst die Untersuchung Klarheit schaf fen. Luther ist eine stadtbekannte Persönlichkeit und seit langen Jahren im Dienste der Stadt Barmen. Seine Ver­haftung erfolgte in der Sommerfrische.

Gute Abfuhr. Die Hamburger Nachrichten" entneh­men einer englischen Zeitung folgendes nette Geschichtchen: In Gesellschaft unterhielt sich Lord Roberts einmal gerade mit einigen Freunden, als ein hochgewachsener Mann auf die Gruppe zutrat und bat, dem berühmten Feldherrn vor­gestellt zu werden. Als er seinen Wunsch erfüllt sah, glaub­te er sich offenbar überaus geistvoll zu geben, indem er die Hand in Form eines Fernglases vor das Auge hielt, als tönne er den an Körpermaß fleinen General sonst nicht sehen. Ich habe schon oft von Ihnen gehört", bemerkte er dann ,,, aber ich habe Sie noch nicht gesehen." Wohl mög­lich", erwiderte Lord Roberts schnell gefaßt, denn ich habe Ste schon schon oft gesehen, aber noch nie von Ihnen ge­hört!"

14 000 Gallensteine. Einen Reford, der kaum ein Gegenstand des Neides sein wird, hat ein Patient des Chirurgen Schachner erreicht, der durch eine Operation gleichzeitig von 14 000 Gallensteinen befreit wurde. Da­raufhin hat sich ein Mitarbeiter der Gazette des Hospi­teaur" die Mühe gemacht, aus der ärztlichen Literatur die Zahlen zusammenzustellen, die bisher als die stärksten An­sammlungen von Gallensteinen gegolten haben. Mehr als 500 Steine auf einmal scheinen sehr häufig zu sein, Zahlen von mehr als 1000 nicht allzu selten. Der berühmte Mor­gagni befreite einen Kranten enimal von 3000 Gallen­steinen, und deutsche Chirurgen haben später von Opera­tionen berichtet, die zwischen 4000 und 7000 Steine zu­tage förderten. Selbstverständlich hängt die Zahl sehr von der Größe ab und kann nur bei winzigen Steinen so hoch anwachsen. In milderen Formen ist das Gallensteinleiden bekanntlich leider außerordentlich verbreitet. Im Min­destfall wiegen die einzelnen Steinchen nur einige Mini­gramm, aber ihr Gewicht steigt bis zu 30 Gramm. Sie sind eiförmig, so lange sie sich einzeln entwickeln, und neh­men eine edige Gestalt nur an, wenn sie sich dicht zusam­mendrängen. Bei großem Wachstum schwanken sie zwi­schen der Größe eines Reisfornes und etwa der doppelten Größe einer Erbse. Wenn man alle winzigen Gallensteine mitrechnet, so gibt es vielleicht nur wenige alte Leute, namentlich beim weiblichen Geschlecht, die von ihnen ganz frei sind. Bei diesen geringen Größen bereiten sie aber so gut wie feine Unannehmlichkeiten, während sie sonst durch Verstopfung des Gallengangs zu furchtbaren Schmerz­anfällen führen, die in der sogenannten Gallensteinkolik gipfeln.

Der Kampf der Königin mit der Modegöttin. Wäh rend König Eduard ein Faible für elegante Toiletten hatte und die neuesten Pariser Moden auch gern unter seinen getreuen Londonerinnen auftauchen sah, ist König Georg ein Gegner von Toilettenertravaganzen und soll sogar von der Liste der Damen, die zu Hofe eingeladen waren, die Namen einiger eleganten aus Amerika stammenden Mode föniginnen gestrichen haben, die in der vorigen Saison mit ihren fapriziösen Neuheiten das ruhig feierliche Bild der englischen Hofgesellschaft störten. Die eigentliche Ruferin in bem nunmehr entbrannten Streit gegen die Modegöttin ist aber Königin Mary, der nichts verhaßter ist als eitler Lurus und Verschwendung und die Sensationen einiger Mondänen, die in der Londoner Gesellschaft mit ihren ero­tischen Toiletten Furore gemacht haben, mit allerhöchstem Ingrimm verfolgt. Ihr Jdeal ist die gute Hausfrau, die sich ihrer Familie widmet und auch in der Kleidung eine vornehme Zurückhaltung bewahrt, und sie ermangelt nicht, dies Ideal den Töchtern Albions mit größter Deutlichkeit zur Nachahmung zu empfehlen. Ihren Kreuzzug gegen Toilettenlurus und Frivolität hat sie nun vor kurzem in einer kleinen Rede offiziell eröffnet, die sie, wie berichtet wird, auf einem Diner beim Earl von Granard hielt. Die Königin ging von den engen Röden aus, die jetzt Mode sind, und erklärte ein Kleidungsstüd für finnwidrig, das feine freie Bewegung gestatte. Für sie sei es direkt pein­lich, wenn sie auf den Gesichtern der Damen, die sie mit einer Reverenz begrüßen wollten, das angstvolle Gefühl ausgedrückt sehe, ob nicht vielleicht der Rod bei dieser Ver­beugung mitten durchreißen werde. Das scharfe Hervor tretenlassen der Formen, das durch den engen Rod begün­stigt werde, müsse einer anständigen Frau peinlich sein, eine Dame in einer sehr dekolletierten Abendrobe, einge­schnürt in einen ganz engen Rock, sei ja beinahe nadt. Aber nicht nur gegen die ultramodernen Toiletten wandte sich die Herrscherin, sondern überhaupt gegen die Extravaganz der Lebensführung, die in solch kostbaren und bizarren Tot­letten zum Ausdruck komme. Doch Königin Mary, die selbst sehr einfach gekleidet geht und nur selten viel Juwelen trägt, hat mit ihren Reformbestrebungen nur bei den Hof­damen Glück, die wohl oder übel, Trauer im Herzen, sich zu einfachen und unmodernen Toiletten bequemen müssen; die vornehme Gesellschaft spottet ihrer wohlgemeinten Rat­Schläge und folgt dem verführerischen Locken der schönen Mrs. Ava Astor, die sich gleichsam zur Gegenfönigin im Reiche der Mode erklärt hat und im ganz engen Rod nebst all seinen extravaganten Zutaten immer mehr Anhänge­rinnen gewinnt.

Der Hund am Telephon. Den merkwürdigen Fall einer Lebensrettung durch einen Hund am Telephon berichten in ausführlicher Schilderung die Neuyorker Blätter. Eine Telephonistin im Hauptamt von East Orleans in New Jer­sey sah in einer der letzten Nächte das Lämpchen aufflam­men, das mit dem Apparat des italienischen Schuhmachers Michele Belotti zusammenhing. Sie antwortete in der üb­lichen Weise, aber obwohl sie wiederholt hallo, hallo", rief, meldete sich der Teilnehmer nicht. Wohl aber hörte die Te­lephonistin einen Hund heftig bellen und unterschied auch undeutliche Geräusche, die von gewaltsamen Bewegungen herzurühren schienen, und ein fernes Stöhnen. Man tele­phonierte zur Polizei, und mehrere Beamte eilten zur Werk­statt Belottis. Sie drangen durch ein Fenster ein und fan­den einen Hund, der sich wie wahnsinnig gebärdete. Eine Tür wurde eingebrochen und, geführt von dem Hunde, ka­men die Beamten in ein Zimmer, wo Belotti röchelnd am Boden lag. Nur mit letter Kraft fonnte er durch Zeichen verständlich machen, daß er einen Selbstmord versucht hatte. Um ruhig zu sterben, hatte er den Hund in ein kleines Bimmer gesperrt, wo sich das Telephon befand. Als das brave Tier nun das Jammern seines Herrn hörte, ver­suchte es, thm Hilfe zu bringen, aber die Tür war verschlos= sen, und als es verzweifelt hin und hersprang, hatte es den auf dem Tisch stehenden Apparat heruntergeworfen, so daß der Hörer abfiel und die Glühlampe auf dem Amt aufleuchtete.

Ausschreitungen beim Rundflug Berlin.

Aus Berlin wird dem Hann. Cour." gemeldet: So etwas hatie Berlin noch nicht erlebt. Die B. 3.". die mit

ihrem 100 000 Mark- Preis den Anstoß und Hauptteil oaza gegeben hatte, hat dieses sportliche Unternehmen mit außer ordentlichem Geschick schon seit Monaten in Berlin pro­pagiert und t: Szene gesetzt. In den Abendstunden des Sonnabend warf die Zeitung ganze Ballen einer Ertraaus­gabe, durch Straßenverkäufer gratis verteilend, in sämtliche Straßen Berlins, sodaß man buchstäblich in den Zeitungen watete. Erwachsene und Kinder, die überall auf das Stras ßenpflaster Flugfahrzeuge zeichneten, unterhielten sich merk­lich erregt mit diesem Ereignis. Zu dem Start Sonntag früh 5 Uhr im Vorort Johannisthal hatten die Verkehrsan­stalten ganz außerordentliche Vorkehrungen getroffen. Die Stadtbahn der Nord- und Südring, der Görlitzer Bahn­hof, die östlichen Vorortbahnen ließen von nachts 3 Uhr an Extrazug un Extrazug laufen, auch die Hoch- und Unter­grundbahn verkehrte von drei Uhr nachts au wieder, die Straßenbahnen unterhielten auf den Hauptlinien unun terbrochenen Nachtbetrieb, ebenso liefen drei Nachtomnibus Iinien.

Trotzdem spottete das Schauspiel des Massentransports fedes Begriffes. Der erste Zug, der von Charlottenburg über Savignyplaz abgelassen wurde, war schon im Bahn­hof Zoologischer Garten überfüllt, im Coupee Ihres Korre spondenten waren 17 Menschen, sodaß die einfichtigere Menschheit des westlichen Berlins zum Teil zurückblieb Leider ließ die Bahnverwaltung die überfüllten Züge trotz­dem auf den nächsten Stationen halten. Auf Bahnhof Frie drichstraße staute fich das Volk unter furchtbarem Gejohle auf dem Perron. Trotz der verzweifelten Gegenwehr der fast erdrückten Coupeeinsasser gelang es noch acht Männern, unter den rohesten Exzessen in das Abteil Ihres Korrespon denten zu kommen; mit den Fäusten schlug man den Passa­gieren ins Gesicht, Augengläser wurden zertrümmert, Hüte zerrissen, Kleider ruiniert; endlich machte die Abfahrt des Buges der Gefahr ein Ende.

Auf der nächsten Station, Bahnhof Börse, drohte das gleiche Schauspiel. das unter solchen Umständen zur Kata­strophe führen mußte. Man beschloß, in den Coupees die Fenster zu schließen und mit vereinten Kräften die Türen zuzuhalten. Bei der Einfahrt erscholl allseitiges Gebrüll vom überfüllten Perron Trotzdem man durch die Zugfen­fter die gepfeichten Massen sah, versuchten erwachsene und ergraute Männer mit ihren Frauen in die Abteile einzu­dringen, und als sie die Türen nicht aufbrachten, zerschlu­gen ste die Fensterscheiben, sodaß Insassen verletzt wurden, und rafter: vor den Abteils. Sie erstiegen die Dächer der Waggons, und als auch die ganz besetzt waren, setzte sich endlich der Zug in Bewegung. Die Menschen in den Stra ßen schlugen die Hände überm Kopf zusammen über das in Berlin ungeschaute Bild der Passagiere auf den Dächern der Waggons. Glücklicherweise fuhr der Zug ohne Anhalten durch die nächsten Stationen an einer brennenden großen Fabrik vorbet nach Johannisthal. Der kleine Föhrenwald zwischen Bahnhof und Flugplatz war eine rote Staubwolfe, durch die die Strahlen der Morgensonne zwischen die Stämme, die ellenden Menschen und die noch schlafenden oder erwachenden Gruppen der im Wald vor dem Flug­feld nächtigenden Zuschauer schienen. Das Leben und Vild des Flugplatzes und der Start der Flieger bei der wundervollsten Frühmorgenstimmung entschädigte reichlich für die gefährlichen Unannehmlichkeiten der Anfahrt.

Drabtnachrichten und neuestes.

Schwerer Unfall beim Rundflug.

Magdeburg. 13. Junt. Der Flieger Müller, der heute morgen 5.05 Uhr aufgestiegen war, stürzte etwa 300 Meter vom Start aus 60 Metern Höhe ab und wurde schwer verletzt. Anscheinend hat er einen Schädelbruch er­Iitten. Er wurde nach hier ins Krankenhaus gebracht.

Kälte im Riesengebirge.

Hirschberg, 13. Junt. In der vergangenen Nacht herrschte im ganzen Riesengebirge ungewöhnliche Kälte. Auch in den Tälern fiel das Thermometer unter 0 Grad. Die Vegetation bat unter der Kälte stark gelitten. Im Hochgebirge trat Schneefall ein.

Tödlicher Jagdunfall.

Mülheim( Ruhr), 13. Junt. Der Brauereibesitzer Meckel strauchelte auf der Jagd. Das Gewehr entlud sich und Medel wurde sofort getötet.

Schwere Fischvergiftung.

Zürich, 13. Juni. Beim Verlobungsmahl in einer Familie in Ostheim tamen u. a. auch Seefische auf den Tisch. Bald nachher stellten sich bei sechs Teilnehmern Ver­giftungserscheinungen ein, so daß seit gestern alle schwer frank darniederliegen. Der 74jährige Vater ist bereits ge­storben.

Schweres Unwetter in Amerika.

0 Neuyork, 13. Junt. Schwere Gewitter mit starken Regengüssen und heftigem Hagelschlag sind in den östlichen Bezirken niedergegangen. In Newport sollen fünfzehn und in der Umgegend von Philadelphia drei Personen um­gekommen sein. Die Telegraphen- und Telephonleitungen find zerstört.

Handel und Verkebr.

Die Zahl der Kontoinhaber im Postscheckverkehr ist bis Ende Mai 1911 auf 56 100 gestiegen.( 3ugang im Monat Mai über 1000). Auf diesen Postscheckouten wurden im Mat gebucht über 1.098 milliarden Mark Gutschriften und 1.094 Milliarden Mark Lastschriften. Das Gesamtguthaben der Kontoinhaber betrug Ende Mai 110 Millionen Mark, ihr durchschnittliches Gesamtguthaben während desselben Monats 123% Millionen Mark.

Frankfurt, 12. Juni. Preise für 1 Bentner: Rinder: A. Ochsen: a) vollfleischige ausgemästete höchsten Schlacht­wertes höchstens 7 Jahre alt( Lebendgewicht) M 51-56, ( Schlachtgew.) M 93-97, die noch nicht gezogen haben( un­gefocht)( Lebendgew.) M 50-54,( Schlachtgew.) 91-93, b) junge fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemä­stete( Lebendgem.) M 46-50,( Schlachtgew.) M 83-91, c) mäßig genährte junge, gut genährte ältere( Lebendgew.) M 40-45,( Schlachtgew.) M 74-83. B. Bullen: a) vollflei schige, ausgewachsene, höchsten Schlachtwertes( Lebendgew.) M 48-51,( Schlachtgew) M 80-83, 6) vollfleischige jüngere ( Lebendgew.) M 42-45,( Schlachtgew.) M 70-75. C. Färsen und Kühe: a) vollfleischige. ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwertes( Lebendgew.) M 45-50,( Schlachtgew.) M 81 bis 89, b, vollfleischige ausgemästete ühe höchsten Schlacht­wertes bis zu 7 Jahren( Lebendgew.) M 43-47,( Schlachtge­wicht) M 80-84, c) 1. wenig gut entwickelte Färsen( Lebend­gem.) M 40-43,( Schlachtgew.) M77-83, do. 2. ältere ausge­mästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere ühe( Le= bendgem.) M 37-42,( Schlachtgew.) M 69-78, d) mäßig ge­nährte Kühe und Färsen( Lebendgew.) M 30-35,( Schlacht­gew.) M 60-70 e) gering genährte Kühe und Färsen( Le­bendgew.) M 22-27,( Schlachtgew.) M 50-61. Sälber: a) feinste Mast( Vollmilch- Mast) und beste Saugfälber( Le­bendgew.) M 56-60,( Schlachtgem.) M93-100, b) mittlere Mast- und gute Saugkälber( Lebendgew.) 52-55,( Schlacht­gew.) M 88-93, c) gering. Saugfälber( Lebendgew.) M 50 bis 51,( Schlachtgem.) 85-86. Schweine: a) vollfleischige Schweine von 80 bis 100 Kilogr. Lebendgewicht( Lebendgew.) M 47-49,( Schlachtgew.) M 60-62, 6) vollfleischige Schweine unter 80 Kilogr. Lebendgewicht( Lebendgew.) M 46-47,50, ( Schlachtgew.) M 59-61, c) vollfleischige Schweine von 100 bis 120 Stilogr. Lebendgewicht( Lebendgem.) M 46-48, ( Schlachtgew.) M58-60, 5) vollfleischige Schweine von 120 bis 150 Kilogr. Lebendgewicht( Lebendgem.) M 46-48. ( Schlachtaew.) M 58-60.