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Aus dem neuen Bulgarien.

akademischen Berufen zuführt, während die praktischen Be dürfnisse, die eine eingehendere Pflege der Industrie und, nicht zu vergessen, der Landwirtschaft fordern, meist außer Acht gelassen werden. Aber auch eine große Menge solcher, die teine besondere Berechtigung aufweisen können, drängt nach Sofia und den anderen städtischen Zentren, um auf irgendwelche Weise einen Platz am Tische des Staates zu finden; selbst mancher Bauernsohn verläßt den väter­lichen Acker, um vielleicht als Diener in einem Ministerium oder gar, wenn es ihm nicht gelingt, ein Ämtchen zu erhaschen, als Parteiläufer die Be­friedigung zu haben, am Mittelpunkte des politischen Lebens zu sein.

Die Zunft der Stellenjäger hat wesentlichen Anteil an dem hochgesteigerten Partei- und Cli­quenwesen mit dem entsprechen­den Journalismus, das gelegent lich eine durchaus amerita. nische Höhe erreicht. Das ganze Bolt in allen seinen Schichten nimmt in Bulgarien regen Anteil an der Politit. Mag man in ein elegantes Wiener Café in Sofia treten oder in ein Gast. haus auf dem Lande, das noch ganz orientalischen Charakter trägt, oder mag man das Gespräch der Fuhrleute belauschen, wenn sie Rast halten am Abend und rauchend und plaudernd im Kreise um das Feuer sitzen und das seine flackernden rötlichen Lichter auf ihre bunten, kraftvollen Gestalten wirft, während hinter ihnen die Wagen mit den abgeschirrten Büffeln schatten­haft im Dunkel verschwinden, überall hört man von Politit sprechen.

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der Haiduken mit den Türken, oder schlichte Weisen, aus den ewig gleichen Leiden und Freuden des Tages geboren, und vielfach in ihnen noch immer den vollen und rechten Aus­druck seines Fühlens findet, das sorgt bis in die entlegensten Dörfer für die Errichtung und Unterhaltung von Schulen und hält sich Lesehallen, in denen es die neuesten Zeitungen liest und die politischen Ereignisse bespricht. Entsprechend der volkstümlichen Richtung unter der russischen Jugend, halten es viele aus der bulgarischen Intelligenz für ihre patriotische Pflicht, ,, unter das Volk zu gehen". Sie werden die Lehrer und Lehrerinnen auf dem Dorfe und widmen sich mit jugend­lichem Eifer nicht nur der Erziehung der Jugend, sondern auch der Alten; sie sind die Gründer und Leiter der Lesehallen, in denen neben einer kleinen Bibliothek Zeitungen und Zeitschriften aus­liegen, sie veranstalten Theater. vorstellungen mit ihren Bau­ern, wobei Schillers, Räuber" sich besonderer Beliebtheit erfreuen, und betätigen sich natürlich auch lebhaft als poli­tische Agitatoren. So verfügt das bulgarische Volt über eine namentlich für den Osten Europas verhältnismäßig hohe Durch­schnittsbildung. Messen wir das Wesen des bulgarischen Volkes an dem der großen russischen Bruder. nation, die seinem Herzen am nächsten steht, so finden wir die Bulgaren vor allem an Unabhängigkeitssinn und an innerer geistiger Triebkraft den Russen überlegen. Auch das russische Volt ist im Grunde demokratisch, wie alle Slawen; aber während der Russe erfüllt ist von heißem Sehnen nach Freiheit, ja, in ihm sich verzehrt, trägt der Bulgare die Freiheit in sich.

Das Fürstliche Palais in Sofia.

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So häßliche Formen das Parteiwesen aber auch oft annehmen mag, nach außen vereint ein starkes nationales Bewußtsein alle Bulgaren, von den Ufern der stillen, weißen Donau", den stolzen Bergen des ewigen Balkan bis zu den sonnigen Ebenen Rumeliens. noch immer bestehenden Notwendigkeit, die nationale Selbständigteit vor allem auch nach außen darzutun und zu kräftigen, liegt es begründet, daß im gesamten bulgarischen Leben die Politik die vorherrschende Rolle spielt, und daß allgemein die Anschauung verbreitet ist, daß jeder, der seinem Volte wesentlich nützen will, in politischer Betätigung seine vor. nehmste Aufgabe zu sehen habe. Die schädlichen Wirkungen dieser Erscheinung treten nur Wertvolie deutlich zutage. Kräfte werden vielen anderen wichtigen Gebieten, zu denen ihr innerer Beruf sie eigentlich führen sollte, gerade durch die Politik entzogen. Gewiß hängt der bulgarische Bauer mit der seinen Genossen in aller Welt eigenen Zähigkeit am Serge. brachten. Noch an vielen Orten, namentlich in Südbulgarien, pflügt er seinen Acker mit Groß­vater Adams Pflug", schneidet sein Korn mit der Sichel, wie es die Väter getan haben; wie in alten Zeiten durch­ziehen Karawanen mit schwarzstruppigen, finster blickenden Büffeln oder mit grauen spitzgehörnten Ochsen bespannten Wagen das Land anderswo allerdings sieht man bereits moderne landwirtschaftliche Maschinen, zu deren Anschaffung sich vielleicht eine ganze Gemeinde zusammengetan hat. Im Maße seiner Kräfte strebt der Bauer, der schon in seinem Kreise mit scharfem Blicke das Praktische zu erfassen weiß, auch nach neuen Kenntnissen, zu erfahren, was da draußen vor sich geht, und was davon ihm von Nutzen sein könnte; was aber ihm verschlossen bleibt, das will er doch seinen Kindern zugute kommen lassen. Dasselbe Volk, das bei der Arbeit, am werde, bei Spiel und Fest seine durch die Jahrhunderte vererbten Lieder fingt, von den Sagenhelden der Vorzeit, von den Kämpfen

Die russische Kultur spielt eine hervorragende Rolle bei den Bulgaren, russische Bücher und Übersetzungen vermitteln ihnen am leichtesten und verständlichsten die Kenntnis der europäischen Werke der Wissenschaft und Literatur. Daher bildet in vielen bulgarischen Biblio­theken die russische Abteilung den größten Teil des Bestandes. Es wäre jedoch falsch, aus diesem Umstande auf eine Russifitation des bulgarischen Geisteslebens zu schließen. So könnte man neben dem russischen Einflusse mit gutem Rechte auch von einem deutschen Einflusse in Bulgarien reden. Die Zahl der jungen Bulgaren, die auf den Bildungs­anstalten Deutschlands, der deutschen Teile Österreichs und der Schweiz ihre Kenntnisse sammeln, ist ganz beträchtlich, und die deutsche Sprache iſt in den gebildeten Kreisen Bulgariens weit verbreitet. Die Bulgaren nehmen als praktische Leute das Gute, wo sie es finden, und die Entwicklung zeigt, daß, trotz Jrrungen und Entgleisungen im einzelnen, das Volt Kraft genug besitzt, um sich durch die fremden Schulen zu eigener Selbständig. keit hindurchzuringen. Das gilt im be­sonderen auch für die Literatur, diesen trefflichen Maßstab für die Kultur. fähigkeit eines Volkes. Auch hier zeigt sich, trotz ungunstiger äußerer Verhältnisse, ein frisches, verheißungsvolles Leben, ein freudiges Streben nach dem hohen Ziele, die junge Literatur des Volkes, in den Strom der allgemein europäischen Literaturbewegung einzulenken, ohne doch dabei die nationale Eigenart aufzugeben, vielmehr gerade in ihrer Ausgestaltung und Vertiefung der großen Weltgemeinde der Literatur, soweit eine kleine Nation es vermag, neue Kräfte. neue Gestalten und Farbentöne beizusteuern.

Das Parlamentsgebäude( Sobranje) in Sofia.

Auf dem Madison Square. ( Im Hintergrunde erscheinen die Umrisse des riesigen Madison- Square- Garden", dessen großer Saal früher die Zentrale der New Yorker öffentlichen Bälle bildete.)

trische Licht aufblitzt auf den Zinnen und Dächern einiger Dutzend Theater und Hotels, dann scheint sich zugleich der Verkehr plötzlich zu verzehn­fachen. Aus allen Richtungen strömen Menschen herbei, die es mehr oder weniger eilig haben. Das Wagen­gewühl steht jetzt im Zeichen der rush hour", deren Gefahren jedem, der einen Straßendamm zu kreuzen hat, die größte Umsicht und Aufmerk­samkeit zur Pflicht machen. Das tolle Treiben am frühen Abend bildet jedoch nur ein zahmes Vorspiel für das Ensemble, das sich auf dem Acre täglich einige Stunden später nach Schluß der Theater wiederholt: mit fast unglaublicher Schnelligkeit ver­teilt sich die Menge der neue Zerstreuung, Unterhaltung, Erfrischung Suchenden in die öffentlichen Lokale aller Rang­ordnungen von den Luxushotels, Moderestaurants und eleganten Chop- houses bis zu den bescheideneren Austernplätzen und Cafés. Er­rungenschaften neueren Datums sind Wirtschaften, wie der Ratskeller und die College Inn, in denen die Bohème Gelegenheit findet, ihren

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New York bei Nacht.

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Verhältnissen gemäß mitzumachen und die Illusion, als gehöre sie mit zur großen Welt des typischen New Yorker Nachtfaltertums, aufrecht zu erhalten.

Was sich zu den Berühmtheiten des anglo- ameri­tanischen Theaters zählt, besonders, soweit dabei das schöne Geschlecht mit besonders hohen Gagen in Betracht tommt, sucht mit Vorliebe, um zu soupieren, um zu sehen und gesehen zu werden, das mit verschwenderischer Opu­lenz eingerichtete Knickerbocker- Sotel auf, wo auch einige der erfolgreichsten Managers, Komponisten und Bühnen­dichter einen Stammtisch eingerichtet haben.

Eine ganz eigenartige Stellung nimmt das Hotel Astor unter den Restaurants ersten Ranges im Acre- Bezirk ein. Während das Management nämlich jeden Gast will­kommen heißt, der weiß, was sich schickt, also auch keine kleine Theaterdame in respektvoller Herrenbegleitung zurückweisen wird, vergessen diese Teile der Kundschaft keinen Augen­blick, daß der geringste Verstoß gegen den guten Ton ihnen den Zutritt zu diesem eleganten Etablissement für alle Zeit versperren würde. Die Hauptsache bleibt jedoch, daß unter dem Dache des Astor- Hauses ein echter inter­nationaler Ton herrscht, wie er in keinem amerikanisch geführten Hause des Acre sich Geltung verschaffen kann.

Noch eine andere Eigentümlichkeit des Nachtlebens auf Long Acre Square. Während die holde Weiblich­keit des Theaters einen so hervorragenden Teil daran nimmt, besonders an den Plätzen, wo die üppigkeit sich breit macht, zeigen sich die männlichen Kollegen der Schönen verhältnismäßig selten nach Schluß der Vorstellung in der Öffentlichkeit.

PACKARD

NEWYORK THEATRE

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Auf dem Long Acre Square".

MAN SUPERMAN

( Hier konzentriert sich jeden Abeud das Hauptleben des nächtlichen New York.)

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