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Umrisse

Paezha.

Eine indianische Liebesgeschichte.

Wir waren von der Jagd zurückgekehrt und saßen nun in Mechahpes Wigwam und rauchten unsere Pfeifen. Mein roter Freund starrte ernst und nachdenklich vor sich hin. Ver­geblich versuchte ich ein Gespräch in Fluß zu bringen- ich erhielt nur kurze und einsilbige Antworten.

"

, What's the matter with you to- day?" fragte ich Mechahpe endlich. Er antwortete nicht sogleich, sondern rauchte ruhig weiter. Dann aber legte er die Pfeife neben sich, sah mich fest an und fragte: Sat mein we ßer Freund schon einmal einen Feind so glühend gehaßt, daß ihm sein Todeskampf die größte Freude bereiten würde?"

Unsinn, Mechahpe!" erwiderte ich. Wie kann ein ver­nünftiger Mensch sich an den letzten Zügen eines anderen Menschen ergötzen!" Dann aber fielen mir plötzlich die teuflischen Grausam­feiten ein, mit welchen die Indianer früher ihre weißen Gefangenen zu Tode zu martern pflegten, und ich fragte meinen Gastfreund: " Sprichst du eiwa aus eigener Erfahrung?"-" Ja!" antwortete duster Mechahpe, und da es mir vielleicht das Herz etwas er­leichtert, so will ich dir meine Geschichte erzählen."-" Steckt eine Frau dahinter vielleicht gar eine weiße?" fragte ich scherzhaft. " Eine weiße?" wiederholte Mechahpe lächelnd. Nein! es war Paezha, die einzige Tochter des Häuptlings Estamaza." Also doch eine Liebesgeschichte", dachte ich. Das kann ja interessant werden."

Mechahpe zog seine Knie unter das Kinn und begann: Ich sehe sie wieder vor mir. Paezha war nicht so groß wie die anderen Squaws. Sie konnte auch nicht so groß sein, denn sie war nicht zum Teepee- Bau und Holz- oder Wassertragen ge­schaffen. Sie war hübsch und nett wie ein weißes Mädchen und die Schönste im Stamme. Ich schaute so lange in ihr Gesicht, bis ich überhaupt nichts mehr anderes sah- weder den Sonnen­untergang und aufgang noch den Mond und die Sterne. Aber Paezhas Vater war ein Säuptling, und er besaß viele, viele Ponys. Jay dagegen war ein armer Krieger und nannte nur ein Pferdchen mein eigen. Doch ich war jung und stark und hoffte auf die Zukunft. Ich beschloß daber, Paezha zu ent­führen. Eines Abends, als das Fleisch über dem Feuer geröstet wurde, schlich ich mich zur Quelle und erwartete sie dort, im Gras verborgen. Paezha fam. Sie beugte sich nieder, um Wasser zu schöpfen. Da sah ich auf einmal zwei Daezbas. Das bestärkte meinen Entschluß, ich sprang auf und wollte sie ergreifen. Aber Paezha hatte mich bemerkt und ergriff die Flucht. Schnell wie ein Reh flog sie über den Boden dahin, ich holte sie ja doch bald ein und hielt sie fest. Da sah sie mich mit einem so flehenden und angsterfüllten Blick an, daß ich entmutigt die Arme sinken ließ, mich auf den Boden warf, und heulte wie ein Kind auf dem Rücken einer Squaw. Als ich mich wieder beruhigt hatte, war Paezha verschwunden.- Es kam die Zeit, wo die Sonnen­blumen sterben und die Büffeljagd ihren Anfang nimmt. Der ganze Stamm bereitete sich zur Jagd vor, und eines Morgens ritten wir los. Einer hinter dem anderen. Wir waren so viele, daß die Ersten schon hinter dem Hügel verschwanden, als die Letzten das Lager verließen. Tagelang zogen wir dahin. Ich hielt mich immer in der Nähe von Paezha, die als Hauptlings­tochter in einer Decke ruhte, die an einer Stange zwischen zwei Ponys befestigt war. Oft flüsterte ich ihr heiße Liebesworte zu und pflückte die schönsten Blumen für sie. Sie lächelte darüber, aber sie sagte nichts. Ich war trotzdem überglücklich. Aber eines Tages bemerkte ich den Weißen Schwan" an ihrer Seite. Der Weiße Schwan" galt für den tapfersten Krieger und den besten Jäger. Mit meiner Ruhe war es vorbei, und es be­mächtigte sich meiner eine rasende Eifersucht. Ich bezähmte mich jedoch und sprach freundliche Worte zu dem Weißen Schwan". Wir befanden uns bereits zwei Wochen auf der Suche und hatten die Büffelspur immer noch nicht gefunden. Der Proviant wurde knapp, und es drohte uns eine Hungersnot. Die Kinder begannen zu kränkeln, und auch die Squaws waren erschöpft und mißmutig. Als die Nahrungssorgen größer wurden, ver­sammelten sich die weisen Väter in dem Teepee des Häupt­lings, um den Gott Wakanda zu bitten, uns aus der Not zu erretten. Ich hörte ihre Gebete und Gesänge und das brachte mich auf einen Gedanken. Ich ging zu Paezha, und sagte zu ihr:" Paezha, Blume meines Herzens, du soust nicht hungern, ich werde die Büffel finden." Dann begab ich mich in das Häuptlingszelt und rief: Gebt mir den schnellsten Pony und etwas Fleisch, und ich werde die Büffel finden!" Die weisen Väter schüttelten die Köpfe, aber Estamaza sagte: Gebf's ihm, und wenn er sie findet, so soll er Paezha und viele Ponys haben." Am nächsten Morgen brach ich auf. Zwei Tage ritt ich singend und träumend dahin. Den Abend des dritten Tages rastete ich hungrig und ermüdet auf einer Anhöhe. Bald war

ich eingeschlafen. Als ich erwachte, saß der Weiße Schwan" neben mir. Er blickte mich teilnahmsvoll an und sagte: Ich bin dir im Auftrag von Paezha nachgeeilt, um über dich zu wachen und dich zu beschützen, da ich stärker bin als du." Ich schlief beruhigt wieder ein, aber als ich abermals erwachte, war der Weiße Schwan" verschwunden mit ihm mein Pony und meine Waffen. Da wurde ich stark wie ein Bär und ich eilte vorwärts, immer vorwärts. Ich mußte die Büffel finden, und dann wollte ich mich an dem Verräter rächen. Ich flog wie ein Pfeil über Hügel und durch die Täler. Die Büffel! Die Buffel! Der Gedanke ließ mir keine Ruhe und trieb mich zu einer immer größeren Eile an. Einmal fand ich den Kadaver eines Wolfes. Gierig fiel ich darüber her und verschlang das ekelhafte Fleisch. Das schmutzige Wasser eines Sumpfes mußte meinen Durst stillen. Drei Tage lang war ich so umhergeirrt, als ich gegen Abend ein fernes Donnergetöse vernahm. Der Simmel war flar, und wir befanden uns in der trockenen Zeit das konnten nur die Büffel sein. Ich eilte einen Sügel hinauf, und richtig in der Ferne fam in rasendem Tempo eine Büffel­herde dahergestürmt. Plötzlich kam die dunkle Masse zum Stillstand und begann sich langsam in der Richtung nach unserem Lager hinzuweiden. Schnell rannte ich den Sugel wieder hin. unter und eilte im Lauf den Weg zurück, den ich gekommen. Sunger, Durst und Müdigkeit waren verflogen, und mir winkte ja der höchste Preis- Paezha. Ich weiß nicht mehr, wie ich in das Lager zurückgekommen bin. Aber als ich die Be sinnung wieder erlangte, befand sich das ganze Lager in einen Freudentaumel. Über den Feuern brieten die Büffelstücke, und die Squaws führten den Eßtanz" auf. Jetzt erfuhr ich auch den schmählichen Verrat, den der Weiße Schwan" an mir begangen, um die Hand Paezhas zu gewinnen. Er erzählte, daß er mich tot in der Prärie gefunden und zum Beweise der Wahrheit meinen Pony und meine Waffen mitgebracht habe. mit einem Schlage war ich nun der Held des Stammes ge. worden, und der Weiße Schwan" der Verachtung aller preis. gegeben. Als die Jagd beendet war und wir in das heimat. liche Lager zurückkehrten, zog Paezha als meine Squaw in mein Teepee ein..." Hier hielt Mechahpe mit seiner Erzählung inne und starrte wie geistesabwesend vor sich hin.

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" Nun, und?" fragte ich ihn erwartungsvoll nach einer Weile Was ist aus Paezha geworden? Seid ihr nicht glücklich geworden?" Der, Weiße Schwan' hat sie erschlagen", erwiderte Mechahpe dumps.

" Ja, erschlagen", fuhr er fort, als er meinen entsetzten Blid bemerkte... Als ich eines Morgens mein Teepee betrat, lag sie mit gespaltenem Schädel da. Das war seine Rache!". Und was geschah mit ihm?" fragte ich gespannt.

Nach den Überlieferungen unseres Stammes wurde er ge­ächtet und ausgestoßen..."

Mein roter Freund schwieg wiederum eine Weile. Dann aber hub er mit einem wilden und triumphierenden Blick von neuem an: Und dann kam meine Rache. Denn als der, Weiße Schwan das Lager verlassen mußte, herrschte ein schwerer Schneesturm und eine bittere Kälte. Unseren Gesetzen zufolge mußte er seinen Marsch zu Fuß antreten. Seine Waffen und etwas Proviant durfte er mitnehmen.

Ich folgte seinen Spuren und stahl ihm schon während der ersten Nacht seine Waffen und den Proviant. Jetzt war er rettungslos verloren, denn ohne Waffen und ohne Nahrung mußte er elend untergehen. Als der Weiße Schwan" erwachte und seinen Verlust bemerkte, wurde er von einer wilden Ver­zweiflung ergriffen, die mich mit satanischer Freude erfüllte. Dann machte er sich von neuem auf die Wanderschaft. Aber seine Haltung und seine Schritte waren schon bedeutend matter als am vorhergehenden Tage, und nachdem er einige Stunden gegen den Blizzard angekämpft hatte, setzte er sich ermattet nieder. Nach kurzer Zeit erhob der Weiße Schwan" sich wieder und setzte schwankend seinen Weg fort. Aber die Kälte begann jetzt auf den erschöpften Geächteten ibre Wirkung auszuüben, und auf einmal sant er langsam in den Schnee nieder. Da ließ ich laut unsern Kriegsruf erschallen. Der Weiße Schwan" wollte sich bei dem bekannten Geschrei noch einmal ergeben, aber die Kräfte verließen ihn, und er sant auf den Boden zurück. Nun eilte ich auf ihn zu, kniete neben ihm nieder und stimmte einen wilden Triumphgesang an. Ein tödlicher Saß sprühte aus seinen erlöschenden Augen, seine Hände ballten sich krampf­haft und er murmelte einige unverständliche Flüche; aber die Kraft des Weißen Schwans" war gebrochen, und geächtet, ver­lassen, und unter meinem wohngesang mußte er auf dem eisigen Boden seinen Verrat und seine blutige Tat mit einem Tode büßen, der einer Squaw unwürdig war.- F. B.

Gesamtansicht von Sofia.

Aus dem neuen Bulgarien.

Wir sind Europäer, aber- ganz find wir noch nicht so weit so schrieb vor zehn Jahren der geistvolle bulgarische Sumorist und Satiriker Al kow Konstantinow, einer der besten Kennner und Freunde seines Voltes, am Schlusse seiner spaßhaften und lehrreichen Geschichten von Baj Ganju, dem urwüchsigen Sohne des Balkan, wie er sich unter allerlei durchaus nicht immer harmlosen Dummheiten und Roheiten, mit wenig Verständnis, aber starken Schultern durch das europäische Leben hindurch­zuarbeiten sucht, auf das er doch mit dem stolzen Selbstbewußtsein des Wilden arg­wöhnisch und verächtlich hinabsieht. Die Zeit Baj Ganjus ist die jener Halb. kultur, in der Erscheinungen der Über­reife mit Unbildung und Roheit, mit Eigenschaften des befreiten Sklaven sich zu einem häßlichen, schädlichen Gemische vereinigen. Und diese Zeit ist sür Bulgarien noch nicht vorüber, noch immer ist der Gevatter Ganju", wenn auch mit einigen verfeinerten Modifika­tionen, ein bezeichnender Typus des bulgarischen Lebens. Mit rücksichtsloser Gewalt ist das moderne Leben herein­gebraust über das wenig vorbereitete Volk, und seine junge Intelligenz strebt mit hastigem Eifer, sich alles zu erwerben, was Europa" geben kann. Da aber wird gar mancher ent­wurzelt, der zu schwach ist, dem Fremden gegenüber eigenes Wesen zu bewahren, das Fremde zu neuem, eigenem Werte zu verarbeiten, und er versinkt in balbheit und Saltlosigkeit.

ESATH

frei aufragenden Witoscha mit ſeinem schneeigen Gipfel, ſeinen Wäldern und Schluchten und b rafrischen Bächen. So mancher Bauer, der seine Jugend noch unter der schwarzen Knechtschaft" verlebt hat, pilgert nach der jungen Hauptstadt, um mit seinen alten Augen sich am Anblicke des freien Bulgarien" zu laben, zu schätzen, was seine Brüder geschafft haben, da sie nun selber Herren sind in ihrem Lande. Mit stolzer Freude bewundert er da all den Glanz, der ihm so fremd und groß erscheint wie ein Zauber­werk, all das moderne städtische Treiben, in dem seine Landsleute es den Europäern" gleichtun. Wenn er aber näher zusiebt, wie manche Enttäuschung mischt sich ihm dann dazwischen. Die alte marfige Einfachheit und damit ein gut Teil Eigenart verschwindet vor einer ober­flächlichen europäisch internationalen Kultur, das Fremde macht sich breit und wird krititlos nachgeahmt, wenn auch der satirische Geist der Bulgaren den mit häufig recht zweifelhaften Zwecken aus dem Westen ins Land kommenden Gästen den Spottnamen Kulturträger" gibt.

Denkmal der Sanitätsoffiziere.

Am höchsten geht die Flut des modernen Lebens in Sofia, das aus einem Haufen elender Sütten zu einer schönen Haupt­stadt geworden ist, mit stattlichen Gebäuden, freundlichen Villen und bunt belebten breiten Straßen und Boulevards, durch welche die Wagen der elektrischen Straßenbahn eilen, bis hinaus nach dem anmutigen Dörfchen Knjazevo, das alle Anstalt macht, zum Villenvorort von Sofia zu werden, am Fuße des groß und

Eine üble Folge des überhaftigen Strebens, sich alle europäische Bildung an. zueignen, ist das überwuchern der Studierten. Wer irgendwo im Auslande eine Universität be­sucht hat die Sofianer Hochschule, an der übrigens die medizinische Fakultät noch fehlt, wird von den meisten immer noch nur als Durch. gangsstufe betrachtet fühlt sich berechtigt, mag er seine Studien zu einem Abschlusse gebracht haben oder nicht, eine Rolle im öffentlichen Leben zu spielen. Er erhebt Anspruch auf eine staatliche Anstellung, oder er geht hin und gründet eine neue Zeitschrift, ein in Bulgarien recht beliebtes Verfahren für ehrgeizige junge Leute. Dabei läßt sich die junge Intelligenz noch allzusehr von einem unklar allgemeinen Bildungsdrange leiten, der sie fast ausschließlich den

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