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Tagung des Evangelischen Bundes.

Gefeße nicht nur zeitgemäß, sondern auch in einem Geist und Sinne zur Geltung zu bringen, der dem Be­wußtsein des Voltes entspreche. Dazu bedürfe man ge­schulter und zugleich mit den Interessen des Lebens ver­trauter Männer. Dahin müsse auch das Hauptbestreben der Rechtspflege gehen.

Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion brachte dret Interpellationen ein, eine wegen des Standes der Verhandlungen in der Marokkofrage, eine zweite wegen der Teuerung der notwendigen Lebensmittel und eine dritte wegen angeblicher Verstöße seitens der Behörden gegen den Wortlaut des Vereins- und Versammlungs­gesetzes.

Kleine Nachrichten.

Der deutsche Botschafter bei der hohen Pforte, Wirtliche Geheime Rat Freiherr Adolf Marschall von Bieberstein feiert am Donnerstag seinen 69. Geburts­tag.

Der frühere Staatssekretär Dernburg wird in dem Winterkursus der Vereinigung für staatswissense ft­liche Fortbildung im Dezember Vorträge über seine Reiseerfahrungen in Japan, Korea und China halten.

Das nächste Gordon- Bennett- Fliegen, das bekannt­lich infolge des Sieges eines deutschen Ballons in Deutschland stattzufinden hat, soll mit Rücksicht auf die Nähe des Meeres nicht in Berlin, sondern in einer Stadt Süd- oder Mitteldeutschlands, voraussichtlich Stuttgart, gestartet werden.

Die 24. Hauptversammlung des Evangelischen Bun­des wurde am 6. Oktober in Dortmund eröffnet. Der Tagung des Bundes gingen Stzungen des Zen­tralvorstandes und verschiedener Ausschüsse voraus. Der Bund zählt gegenwärtig in 3009 Vereinen insge­famt 468 435 Mitglieder. Nach einem feierlichen Eröff­nungsgottesdienst fand am Abend die Begrüßungsver­sammlung statt, die zahlreich besucht war. Am Sonn­abend sprach in der Mitgliederversammlung des Bun­des der geschäftsführende Vorsitzende Reichstagsabge­ordneter Etc. Everling über die Zeitlage und die Jahresarbeit des Evangelischen Bundes. Professor Wolf( Düsseldorf) hielt einen Vortrag über das pro­testantische und das ultramontane Schultdeal. In einer Volksversammlung, die am Abend stattfand, sprach Prof. v. Wenckstern( Breslau) über das Thema: Der Protestantismus und die deutschen Volksschichten; Stadtpfarrer& tkenscher( Nürnberg) hielt eine Rede über Protestantismus und deutsche Voltsstämme. Beide Redner fanden stürmischen Beifall bet der Versamm­lung. In der Hauptversammlung am Sonntag über­reichte nach einem warmen Nachruf auf den perstor benen Bundesführer Kirchenrat Meyer( 3wickau) Pfar­rer Schnapp als Vorsitzender der Dortmunder Orts­gruppe einen Betrag von 31 000 Mart, der zu einer Mener- Stiftung Verwendung finden soll. Darauf hielt Landtagsabgeordneter Amtsgerichtsrat Lohmann ( Weilburg) einen Vortrag über die Vorbedingungen eines wahren fonfefftonellen Friedens". Sonntag nach­mittag fand ein est zug statt, an dem sich etwa 15 000 den evangelischen Arbeitervereinen, den Gewerk­schaften, den Knappschaften, den evangelischen Jung­lings- und Männervereinen angehörende Mitglieder beteiligten, die sich unter dem Vorantritt vieler Musik­und Bläserchöre, sowie 226 Bannern und Fahnen durch die Straßen der Stadt bewegten. Der Zug endete am Fredenbaum, wo in dem größten Saale der Stadt und etnem etwa 6000 Personen fassenden Zelt gleichzeitig zwei Volksversammlungen stattfanden. Eine dritte Volksversammlung mußte für etwa 2000 Personen, die feinen Platz gefunden hatten, improvisiert werden. Am Montag fand die Versammlung ihren Abschluß durch einen Ausflug nach Hohensyburg, an dem etwa 250 Abgeordnete teilnahmen. Am Kaiser- Wilhelm- Denkmal fand eine einfache Feier statt, bei der der Amtsgerichts­rat Heppe aus Gütersloh eine Rede auf das Vater­land hielt. Der Kaiser ließ der Versammlung folgen­des Antworttelegramm zugehen: Seine Ma­testät laffen für die übersandten freundlichen Grüße und Wünsche bestens danken. Der Geh. Kabinettsrat von Valentini."

Rundschau vom Cage.

Politisches

Der Kommandant der Hohenzollern", Kapitän zur See, Graf von Platen- Hallermünde, wurde behufs Uebertritts in den Hofdtenst, unter Verleihung des Cha­rafters eines Kontreadmirals, zur Disposition gestellt. Kapitän zur See Karpf wurde zum Kommandanten der " Hohenzollern" ernannt.

Ein größerer Garnisonwechsel solcher Offiziere, die längere Zett in kleineren, namentlich in Grenzgarni­sonen, gelebt hatten, hat auf Befehl des Kaisers in die­sem Jahre stattgefunden. Viele Offiziere find, um ihre Dienstfreudigkeit zu heben, in größere Garnisonen ver= setzt worden.

516 800 für Jugendpflege bewilligten die Stadt­verordnete. zu Halle. Es soll ein Jugendheim, ein Knaben- und Mädchenhort, Kindergarten, Kinderkrippe und eine Spielwiese errichtet werden.

Der Komplize eines Defraudanten. Bei einem auf dem Cölner Hauptbahnhof verhafteten Manne namens Ahrens wurden 10 000 Mark vorgefunden und beschlag­nahmt. Ahrens wird als Mitschuldiger des Banklehr­lings Renner angesehen, der einer Bankfirma in Saar­brücken 125 000 Mart unterschlagen hatte.

Vermischtes.

226 000 Berliner Schulkinder. Die Berliner Ges meindeschulen werden zurzeit von rund 226 000 Kindern, darunter rund 114 000 Mädchen und 112 000 Knaben be­sucht. Von diesen sind 196 700 evangelisch, 24 000 fatho= lisch und 4000 jüdisch, ferner 2400 ungetauft, 535 Difft­denten, 500 fretreligiös, 150 Baptisten, 100 apaftolisch, 80 reformiert, 100 Tuthertsch beziehungsweise altluthe­risch, 22 Methotsten, 20 Adventisten je 10 altkatholisch, altreformiert und Mennoniten. Außerdem wurden dret Kinder von Mormonen unterrichtet. Die Kosten für die Berliner Gemeindeschulen sind in den letzten Jahren außerordentlich gestiegen. Im Jahre 1890 betrugen dte Gesamtausgaben 8,3 Millionen M. oder 48 M. pro Kind. Zehn Jahre später mußten schon rund 13% Millionen M oder 65 für jedes Kind aufgewendet werden, und dann stiegen die Ausgaben fast regelmäßig um eine Million Mart. Im letzten Jahre sind nicht weniger als 25 Min. Mark oder 110% Mark für jedes Kind in den Volks­schulen verausgabt worden. Seit 1890 haben sich also diese Ausgaben verdreifacht, obgleich die Frequenz in der letzten Zeit etwas zurückgegangen ist.

Mit Zaunfählen erschlagen wurde in Helmbrecht in Oberfranken eine 17iährige Schuhmacherstochter, die mit ihrem Bruder vom Tanze heimkehrte. Sowohl der Bru­der, mit dem die Arbeiter zuerst Händel anfingen, als auch die auf das Hilfegeschret herbetellenden Eltern wurden in roher Weise mißhandelt.

Dentsche Militärpflichtige im Auslande. Von zu­ständiger Stelle wird wiederholt darauf hingewiesen, daß mittellose Deutsche, die sich im Auslande befinden, Unterstützungen aus dem dazu bestimmten Fonds des Auswärtigen Amts erhalten, um ihnen die Erfül­lung der Militär- und Wehrpflicht zu erleichtern. Pflichtmäßigem Ermessen der Kaiserlichen Vertreter im Auslande ist es überlassen, welche Unterlagen sie im Einzelfall als Nachweis der Mittellosigkeit für ausret­chend erachten.

Beim Einsturz einer Mauer beim Bau eines Thea­ters in Reval sind 15 Personen unter den Trümmern verschüttet worden. Bisher sind ein Toter und fünf Verwundete geborgen worden.

Gewaltige Ueberschwemmungen werden aus dem Süden des nordamerikanischen Staates Colorado ge= meldet. Viele Personen sollen umgekommen sein, die entstandenen Verluste sollen sich auf fünf Millionen Dollars belaufen. Die Lage ist ernst, da es an Lebens­mitteln mangelt.

Eine ministerielle Verfügung gegen die sozialdemo kratische Jugendorganisation. Nach dem Berl. Lokal­anzeiger" hat der preußische Kultusminister unter Hin­weis auf die verheßende Wirkung der von der Zentral­stelle für die arbettende Jugend Deutschlands in Ber­In herausgegebene Zeitung Arbetterjugend" dte Kreisschulinspektoren beauftragt, die ihnen unterstellten Lehrer darauf achten zu lassen, ob etwa diese Zeitung schon in den oberen Klassen der Volksschulen vertrieben wird, und ihrer Verbreitung mit allem Nachdruck ent­gegenzuwirken. Die Schulleiter haben über besondere Beobachtungen auf diesem Gebiete Bericht zu erstatten.

Der preußische Justizminister über den Zweck der Juftiz. Wie aus Cöln berichtet wird, hielt dort bei dem Festessen anläßlich der Einweihung des neuen Justiz­gebäudes der preußische Justizminister Beseler etne Rede, in der er über die Reform der Rechts­pflege folgendes ausführte: Man set sich darüber el­ntg, daß es die wichtigste Aufgabe der Justiz set, die

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Aus Eifersucht:

Roman von Mar Hoffmann.

( Nachdruck verboten.)

Aus den Gerichtssälen.

Auch eine Folge der neuen Stenern. Unter donner­ähnlichem Krachen ist fürzlich in den Nachmittagsstun= den die Decke des Gewerbebureaus im Rathause zu Hof eingestürzt, zrei Steuerbeamte und ein Schutzmann unt= ter sich begrabend. Während der Sekretariatsassistent Gipser mit leichten Hautabschürfungen davonkam, wur­den der Assistent Strunz und der Schußmann Klier er­heblich verletzt; beide müßten durch die freiwillige Sant­tätskolonne sofort in das Krankenhaus gebracht werden. Der Einsturz soll durch eine ungeheure Menge von Steuerformularen usw. verursacht worden sein, die in einem Raume oberhalb des Gewerbebureaus aufgesta­pelt waren, deren Gewicht jedoch die morsche Decke nicht zu tragen vermochte.

Wolff Metternich- Prozeß. In der Dienstag- Ver­handlung des Berliner Metternich- Prozesses, in der die Bemetsaufnahme beendet wurde, kam es zu mehreren scharfen Zusammenstößen zwischen den Barteien. Der erste spielte sich zwischen dem Staatsanwalt und dem Angeklagten ab, als ein Zeuge über die Beziehungen der Gattin des Angeklagten zu einem anderen Manne aussagen sollte. Der Angeklagte rief dem Staatsanwalt zu: Das ist eire Lüge von Ihnen; Sie haben gelogen; das ist eine ganz gemeine Lüge!" Der Angeklagte wurde deswegen vom Gericht auf die Dauer von 48 Stunden mit der Entziehung des warmen Essens be­straft. Der zwette Zusammenstoß erfolgte zwischen dem Staatsanwalt und dem Generalmator von Pauly, als der Staatsanwalt ihn als Ordensschacherer und Het= ratsvermittler bezeichnete. Dieser bezichtigte ihn eben­falls der Lüge und wurde zu einer Haftstrafe von 24 Stunden verurteilt.

Nicht immer, Herr Grultch. Besonders nicht in unserem Falle. Wer zur Ergreifung des Täters bet­trägt, hat teil an der Belohnung von tausend Mark, dte darauf gesetzt ist."

Tell? Aber ich bitte Ste, ich kenne doch den Täter nicht!"

Kommen wir endlich zur Sache! Sie müssen es fagen, Herr Grulich, wer Ihnen die Scheine gegeben hat, es hilft nichts. Ihr Essen wird außerdem kalt werden, wenn Sie dieses Gespräch solange hinziehen."

Aus dem Reiche der Technik.

Die annullierte Abgangsprüfung. Ein in der Ge­schichte deutscher höherer Lehranstalten gewiß sehr selten vorkommender Fall ereignete sich füngst am Lehrer­seminar in Brühl a. Rh. Im August ds. Js. waren die Abiturienten der Oberklasse genannter Anstalt nach stattgehabter Schlußprüfung entlassen und auch sofort im Schuldienste verwendet worden. Später stellte es sich heraus, daß bei der Prüfung Unregelmäßigkeiten in größerem Maßstabe vorgkommen waren, sodaß die ganze Brüfung annulliert werden mußte. So mußten nun alle bereits im Dienste befindlichen jungen Lehrer sich zur nochmaligen Abgangsprüfung am Seminar ein­finden. Die Brüfung wurde dann von allen bestanden.

Eine Kriegskaffe mit 75 000 Francs gestohlen? Ein Pariser Telegramm aus Merada in Marokko meldet: Eine Bande Mauren brach in der Nacht im Feldlager der Franzosen am Moulouja ein und stahl aus dem Zelt des abwesenden Zahlmeisters die Feldkasse mitsamt th= rem Inhalt ron 75 000 Franken. Die Mauren ver­schwanden mit dem Raube und kehrten auf das andere Ufer des Flusses zurück. Eine Verfolgung der Räuber fonnte nicht durchgeführt werden, weil es den franzö fischen Truppen am Moulouja noch immer untersagt ist, den Fluß zu überschreiten.

Schwedische Wasserfälle als Kraftauelle für Kopen­hagen. Ein bedeutsames technisches Projekt wird zwi­schen Schweden und Dänemark geplant. Es handelt sich um die Uebertragung elektrischer Kraft von den be­rühmten schwedischen Trollhättanfällen über den Sund nach Kopenhagen. Diese Fälle stellen eine gewaltige natürliche Kraftquelle dar, die, in Elektrizität umgefeßt, einen ungemein hohen Wert repäsentiert. Die Ueber­tragung müßte durch Hochspannungsleitungen von 50 000 bis 60 000 Volt erfolgen; man beabsichtigt, die Leitungen in einer Höhe von 15 bis 20 Meter über dem Erdboden anzulegen und die Masten in einer Entfer= nung von 150 bis 200 Meter Abstand aufzustellen. Das zur Durchquerung des Sundes erforderliche Seekabel soll an der schmalsten Stelle des Dänemark von Schwe= den trennenden Wassers verlegt werden; die Anlage dürfte etwa 6000 bts 8000 Kronen pro Kilometer kosten.

Grulich lächelte schmunzelnd: Ich habe erst dte Suppe intus, mit dem andern wartet meine Haushäl­terin. Ste ist auf dergleichen Ueberfälle geeicht. Na schön, kommen wir zu den bewußten Scheinen! Ich habe sie gestern von dem Doktor Waldow in Groß- Lichter­feld erhalten."

Wie kam das?"

" Sehr einfach. Ich hatte nämlich eine Forderung an thn aus seiner Universitätszett angekauft. Die Sache ergab sich als ein großes Risiko meinersetts, und ich hatte schon alle möglichen Hebel in Bewegung gesetzt, um zu meinem Gelde zu kommen. Bisher leider im­mer vergeblich. In der letzten Zeit habe ich aber die Schraube etwas fester angezogen und mit einigen Un­annehmlichkeiten gedroht, und da habe ich endlich die Summe bekommen."

Mutige Amazonen am Telephonamie. Hunderte von Städten und Dörfern in den Staaten Wisconsin, Colorado und Pennsylvanten sind infolge der ungeheu= ren Regenfälle überflutet und von den Einwohnern verlassen worden. Berichte über die Verluste an Men­schenleben geben die Zahl auf zehn bis vierzia an. Die Stadt Black River Fall in Wisconsin ist durch den Durchbruch der Wassermassen aus dem Arbutus- See durch einen festen Damm, der fünf Meilen oberhalb der Stadt errichtet wurde und ca. 2 Millionen Mark fostete, überschwemmt worden. 3wet Menschen haben hierbet thr Leben eingebüßt. Eine Wiederholung des Austin- Unglücks war nur durch die Kaltblittigkeit der Telephonistinnen verhütet worden die rubia an ihren Schaltavparaten sitzen blieben und die einzelnen Tele­phonteilnehmer in dem Tale vor der drohenden Gefahr warnten, bis auch das Telephongebäude von dret Fuß ttefem Wasser umaeben war.

von soll sonst der Schornstein rauchen? Man will doch auch leben, nicht wahr? Und das Leben ist teuer. Aber sagen Sie mal, Ste glauben doch nicht etwa, daß der Herr zu jenem Verbrechen in Beziehung steht?"

Natürlich immer in Ehren!" warf der Kommissar mit leiser Fronie dazwischen.

" Freilich! Freilich! Aber schließlich hört doch die Gemütlichkeit auf, wenn es sich um Geld handelt. Wo­

,, Das wird sich herausstellen. Wie war sein Beneh­men, als er Ihnen die Schuld bezahlte?"

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Die findige Reichsvost. In der Stenographtestunde eines Luzeums für Höhere Töchter in einer Berliner Villenkolonie hat sich zwischen dem Unterricht erteilen= den Lehrer und den Schülerinnen ein kleiner Disput entsponnen, und zwar war der Lehrer der Ansicht, daß eine mit Stenogrammadresse versehene Karte zweifellos befördert werden würde, während die Schülerinnen dte gegenteilige Meinung vertraten. Der Lehrer schlug vor, die Probe aufs Erempel zu machen. Er werde an eine Schülerin eine Postkarte mit stenparaphischer 9dresse senden, und zwei Schülerinnen sollten das Gleiche tunt. Und siehe da, der Lehrer behielt recht, wenn auch mit einer geringen Einschränkung. Von den drei versandten Karten waren zwei zur Beförderung gelangt und sogar prompt mit ganz unbedeutender Verinätuna. Die dritte Postanstalt hatte verfoat. Der aereimte Inhalt auf der Karte des Lehrers dürfte allerdings auf den erpedie= renden Beamten einen gewissen wang ausgeübt und seiner Eitelkeit ein wenig geschmeichelt haben. Er lau­tete: Seh'n Sie, Itebes Fräulein Sauer, Unf're

Benehmen? Na ich danke, das war schon gar kein Benehmen mehr! Bisher war er immer weich wie But­ter gewesen, und hatte über seine schwache Praxis ge­flagt. Als ich aber gestern wieder sehr höflich bet thm eintrat, hat er mich einfach angeschnauzt und ist im Zimmer umhergerannt wie ein Besessener. Ich dachte, er wollte mich einschüchtern, wie das manchmal die Herren Schuldner versuchen, wenn sie ein kleines Theaterchen inSzene sezen, was mir aber noch lange nicht impontert. Und dann ist er mit einem Mal zu seinem Schreibtisch gelaufen, hat die beiden Scheine hervorgelangt, sie mir beinahe vor die Füße geschleudert und mir kaum Zett gelassen, als anständiger Mensch über den Empfang zu quittieren. Fast hinausgeworfen hat er mich. So was an Aufregung habe ich selten gesehen, das können Ste mir glauben! Na ja, es ist auch nicht gerade angenehm, so plötzlich zweitausend Emmchen hergeben zu müssen." Der Kommissar hatte bereits wieder Hut und Stock ergriffen und verabschiedete sich. Die Sache ist eilig, besten Dank, Herr Grulich!"

Bitte! Bitte! Hat nichts zu sagen!" Und der Ehrenmann machte sich gemütlich an die Fortsetzung seines Mittagessens.

v. Bardekow begab sich nach dem Polizeipräsidium und fuhr dann mit seinem Kollegen Weide und einem Kriminalbeamten in rasendem Tempo in einer Auto­mobildroschke nach Groß- Lichterfelde.

wohnte parterre. Seine Sprechstunde war bereits vors über, doch Herr v. Bardekow klingelte energisch. Sofort ging die Tür auf, und eine kleine, dürre Frau erschien mit ängstlich- fragendem Gesichtsausdruck. Ste schten etwas sagen zu wollen, aber der Kommissar fam thr zuvor.

An der Tür der kleinen Mietsvilla, vor der sie hielten, war neben einigen anderen Namen auch der des Doktor Waldow, praktischer Arzt usw. zu lesen. Er

" Ift Herr Doktor Waldow zu Hause?" " Was wünschen Ste?"

" Ich muß ihn sprechen. Er ist doch hier?" Nein, leider nicht."

,, Bitte, wo tst er?"

"

Er macht Krankenbesuche. Und ich denke, er muß feden Augenblick kommen, er ist doch sonst immer so pünktlich." Sie sah die Herren mißtrautsch an und fügte schnippisch hinzu: Die Sprechstunde ist aber jetzt vor­bet."

Wir kommen in einer privaten Angelegenheit." Mein Gott, wo er nur bletben mag! Das Essen tst auch schon lange fertig. Wahrscheinlich hat er heute einen sehr schwierigen Fall zu behandeln, er ist ja so sehr gewissenhaft. Und merkwürdig! Nicht einmal zu seiner Sprechstunde ist er heute vormittag hier geblie= ben. Es waren drei Patienten da, darunter eine sehr fetne Dame, und ich habe sie wieder fortschicken müssen. Ich begreife gar nicht-"

Die geschwäßige alte Dame hätte gewiß unentwegt weiter geplaudert, wenn Herr v. Bardekom ste nicht energisch unterbrochen hätte. Wir wünschen seine Wohnung zu besichtigen," erklärte er und stellte sich und die beiden anderen Herren vor.

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Ste schlug die Hände über dem Kopf zusammen. Himmlischer Vater, von der Polizei? Was hat er denn gemacht? Der Herr Doktor ist doch ein so ruhiger, netter Mann, der tut niemand etwas Böses!"

Die dret Herren hörten kaltblütig das Lamento an und traten ein.

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