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Reichspost ist doch schlauer, Als sich der und jener denkt. Mögen andre auf sie schelten, Ich weiß, fie enttäuscht nur selten, Wenn man ihr Vertrauen schenkt."

Eine genossenschaftliche Brotfabrik. Einen bemer­fenswerten Versuch auf dem Gebiete des Genossen­schaftswefens will eine rheinische Bäckerinnung machen. Sie will die Brotherstellung in einer großen Werkstatt auf gemeinsame Rechnung für alle Mitglieder einfüh­ren. Man glaubt, damik der Konkurrenz der Brot­fabriken begegnen zu können. Dadurch, daß der Ge= genstand des Unternehmens auf die Herstellung von Brot beschränkt wird, bleibt die Selbständigkeit der Meister gewahrt. Der Vorstand der Rheinischen Ge­nossenschaft zur wirtschaftlichen Förderung von Hand­wert und Gewerbe für die Rheinprovinz beschloß, das Unternehmen durch Vermittelung der erforderlichen Maschinen zu unterstützen.

Kämpfende Sänger. In Königswinter tam es am Sonntag anläßlich des Sängerwettsterites zu einer Schlägerei. Man beschuldigte den Festausschuß unlau­terer Machinationen. Schließlich mußte die Polizei ein= greifen. Da es nun auch schon auf anderen Sänger­wettstreiten zu Mißhelligkeiten gekommen ist, wird sich der rheinische Sängerbund, dem über hundert der größ­ten rheinischen Gesangvereine angehören, auf einer in den nächsten Tagen in Cöln stattfindenden Versamm­lung mit der Frage befassen, wie den Auswüchsen zu steuern ist. Es sollen Eingaben an Fürstlichkeiten und Behörden gemacht werden, die ersuchen, allen Wett­streiten die Unterstützung zu versagen, ehe ein Gutach= ten des Sängerbundes eingeholt worden ist.

Eine seltsame Millionenstiftung. Der Leipziger Universitätsprofessor Heinrict teilte in einer Sibung der evangelischen Landessynode Sachsens mit, daß ein reicher in Holland lebender deutscherMonist im Anschluß an eine Universität oder missenschaftliche Gesellschaft eine mit mehreren Millionen dotierte Stiftung ins Leben zu rit­fen beabsichtige, die der Pflege des Atheismus dienen foll. Die Universität Leipzig lehnte jedoch das Aner­bieten ab.

Eine vielfagende Anzeige steht in dem in Horb in Württemberg erscheinenden Amtsblatt. Sie lautet: Meiner werten Kundschaft aus Stadt und Land teile ich mit, daß ich von heute an nicht mehr Gerichtsvoll­zieher bin. und verbinde damit das Ersuchen, mich in Bufunft nicht mehr so scheel anschauen zu wollen. Horb, Ben 30. September. Hausmeister Kleindienst, Gerichts­vollzieher außer Dienst."

Die Küche des Schahs. Der Knabe, der heute den Titel des Schahs von Persien führt, ist zugleich der Be­fitzer der kostbarsten Küche der Welt, denn die Küchen­geräte, die Teller, Schüsseln, Deckel und Töpfe stellen fitr sich allein ein stolzes Vermögen dar und werden von Kennern auf einen Wert von rund 10 Millionen Mark geschätzt. Alle Kochtöpfe des Schahs sind in der Innenseite stark vergoldet, Löffel, Gabeln und Teller sind sogar massives Gold und die Küchenmesser sind am Schafte mit den erlesensten Juwelen und Edelsteinen ge= schmückt. Der Koch darf bet der Bereitung von Spet­fen für den Schah nur Gegenstände benußen, die zut= mindest aus reinem Silber gearbeitet sind; selbst das Salzfaß der Küche und der Ruckerbehälter find infolge­dessen aus reinem Silber. Nach den Evening News" fann ich mit dieser Küche teine andere an Kostbarkeit meffent, ca fet denn die Kücheneinrichtung im Madrider Königsschloffe, die ebenfalls kostbare silberne und ver­goldete Kochtöpfe aufweist.

Wofür die Jugend Interesse hat. Bemerkenswerte Versuche, die die Verschiedenartigkeit der weiblichen von der männlichen Binche in helles Licht rücken, hat jüngst Professor Johannes Ditck in Innsbruck angestellt. Er feate 26 jungen Leuten von 18 bis 22 Jahren und 25 jungen Damen von 16 bis 20 Jahren die Frage vor: " Was aus dem Gesamtgeblet der Geschichte hat mich am meisten interessiert und warum?" Bemerkenswert ist nun, daß sich 40 Prozent der Mädchen für die Kriegs­geschichte begeisterten, während nur 34 Prozent der Knaben an der Kriegsgeschichte Gefallen finden fonn­ten. Interessant ist es auch, zu sehen, wie die Mädchen nicht recht die Person von der Sache zu trennen wußten: Fast alle äußerten sich dahin, daß für sie die tapferen Männer, die Helden" der Grund sind, warum ihnen das Gebiet der Geschichte am meisten gefällt.

Wahres Geschichtchen. Die stets tränkelnde Gräfin X. wird seit 25 Fahren von ihrer Zofe M. treu gepflegt. Die Gräfin wil thre 3ofe fitr so lange, hingebungsvolle Dienstleistung belohnen und sagt thr: Wenn Sie ein= mal sterben, liebe M., werden Sie neben mir in meiner Gruft beerdiot."" Ich dank schön für die Gnade," antwortet die M., da fann ich bei der Auferstehung gleich der Frau Gräfin behilflich sein."

Buschur, Mossjö..." In der Straßburger Post" erzählt ein Offizier aus Mülhausen folgendes Geschicht­chen: Ich ritt dieser Tage gegen 5 Uhr durch das Mühl­hausen benachbarte Dörfchen Riedisheim, und zwar in flottem Trabe, da es sehr nach Regen aussah und Pferd und Reiter Heimwärts drängten. Ein Dienstmädchen oder Bauernmädchen, das es anscheinend auch sehr eilig hatte, stürzte aus einem kleinen Bauernhäuschen auf

Dies hier ist das Wartezimmer," berichtete ste, auf einen kleinen, ziemlich kahlen Raum weisend, und da neben ist das Sprechzimmer des Herrn Doktors. Da hinten ist noch ein Wohnzimmer, sein Schlafzimmer und neben der Küche eine kleine Stube für mich."

Das Sprechzimmer schten die Herren am metsten zu interessieren. Wie lange wohnt der Herr Doktor hier?" fragte Herr von Bardekow.

" Seit einem Jahr. Ich habe ihm aber schon vorher die Wirtschaft geführt, als er zwei Jahre lang Assistenz­arzt in Berlin war."

" Hat er eine ausgedehnte Prarts?"

Ach, das kann man leider nicht sagen. Ich sage Ihnen, Herr Kommissar, es tst schwer für einen Arzt heutzutage. Die Konkurrenz ist zu groß. Da hat nun so ein armer Mensch viele Jahre lang studiert und ge= lernt, und nachher hat er kaum satt zu essen." tor?"

Stand es wirklich so schlecht mit dem Herrn Dok­

Nun, das heißt, früher war es beinahe so. In dem letzten halben Jahr war's fa beffer geworden. Da tst das Geschäft ganz gut gegangen, und er konnte auch viel besser für Küche und Keller sorgen. Du mein Gott, Sorgen hat er fa genug gehabt! Er hat mir's mal in einer weichen Stunde gestanden, daß er von früher her, ich weiß nicht wodurch, gehörige Schulden hätte und nun daran zu beißen habe. Erst gestern war ein dicker Herr mit einem grauen Zylinderhut auf dem Kopfe hier, Ich glaube, das war auch so ein Blutfanger, denn mein Serr hat tüchtig über ihn geschimpft. Ach, wenn er doch nur bald kommen wollte!"

Hat der Herr Doktor keine Angehörigen?" " Er war, soviel ich weiß, der einzige Sohn ganz armer Leute, die vor einigen Jahren gestorben sind. Er hat sich fast ganz allein durch seinen Fleiß so weit gebracht."

Der Kommissar Wetde hatte während dieser Mit­

die Straße, einen großen Eimer in der einen Hand, und wäre fast gegen mein Pferd gelaufen. Halb erschrocken, halb beluffigt, sah sie zu mir herauf, als ich sofort mein Pferd parierte und dann, gleichsam entschuldigend we­gen des eingejagten Schreckens, ebenfalls lachend sagte: "' n Abend Fräulein!" Die holde Bauernfee antwortete fofort lebhaft: Buschur Mossjö!" Darauf, da ich gerne mit meiner Beherrschung zahlreicher Sprachen zu re­nommieren die untugend habe: Vous ne savez pas l'allemand, Mademoiselle?" Das Lächeln wich einem verständnislosen Erstaunen, und die Antwort?" überraschte mich einigermaßen. Ich fragte aber nun: " Ja, verstehn Se te Franzeesch?" Ich Mossjö, na- t fe Wörtle!" Na, warum sage Se denn" bonjour Monsieur?"" Ha, m'r sagt doch hier so,' s isch halt de Mod hier!"" Ab'r des tsch doch Franzeesch." " Des to Franzeesch? Des han ich nit gewißt, Mossjö!" Buschur, " Na, denn guten Abend, Fräulein!"

Mossiö!"

Mißverständnis. Dame:... Glauben Sie denn, daß der Kommerztenrat Ihnen seine Tochter ohne wet­teres geben wird?" Start verschuldeter Lebemann: " Nee, Gnädigste, ohne weiteres nehme ich sie gar nicht!" Zu anspruchsvoll. Dame:" Ich wüßte eine gute Partie für Ste, Herr Assessor: dreihunderttausend Mark Mitgift!" Herr:" Na, das wäre was! Kann ich die Dame' mal vorher sehen?"- Dame: Was, bei dieser Mitgift wollen Sie auch noch vorher sehen?!"

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Die Gewalt des Pulvers.

Die Gewalt, welche das Pulver besitzt, läßt sich am besten dadurch kennzeichnen, daß man die Gewalt eines Kanonenschusses näher um­schreibt. Die Arbeitsleistung des Geschosses einer mo­bernen Kanene beträgt rund 28 000 Metertonnen, d. h. mit ihrer Kraft tönnte das Gewicht von einer Tonne 28 000 Meter in die Höhe geschleudert werden. Wir stüt= zen uns hierbet auf die Untersuchungen des bekannten Schießtechnifers, Generalleutnants z. D. Rohne, der über die Wirkung der Geschosse und über thre Leistun­gen umfassende Versuche angestellt hat. Die gleiche Let= ftung, die durch das Pulver eines Kanonenschusses her­vorgerufen wird, könnte nur durch eine Kraft von 11 Millionen Pferdestärken hervorgerufen werden.

Vergleicht man nun damit die Kraft, mit der un­sere Linienschiffe vorwärts bewegt werden, dann erhält man erst einen richtigen Ueberblick über die furchtbare Gewalt eines Kanonenschusses. Die stärksten Linien­schiffe der deutschen Flotte haben Maschinen von 20 000 Pferdekräften. Um die Gewalt von 11 Millionen Pfer­destärfen eines Kanonenschusses herauszubekommen, mitßten die Maschinen von 550 deutschen Lintenschiffen zusammenwirken, da erst ihre gesamte Anzahl diejenige Kraft vereinigt, die in einem einzigen Kanonenschuß enthalten ist. Eine Kanone von der oben genannten Größe, nämlich 30,5 Zentimeter- Kaliber, hält ungefähr 150 Schüsse aus. Diese 150 Schüsse verbrauchen eine Kraft von rund 4 Millionen Metertonnen. Wie groß ist aber diese Arbeit? Von derartigen ungeheuren Zahlen kann man sich nur einen Begriff machen, wenn man ganz konkrete Fälle anführt. Das Gewicht eines Dreadnought beträgt 20 000 Tonnen. Mit der Gesamt­anzahl der Schüsse eines einzigen deutschen Kanonen­rohres könnte man also einen Dreadnought mit voller Ausrüstung 200 Meter in die Höhe heben. Das ist eine Leistung, die man sich kaum vorstellen kann.

Das Bedeutsamste ist, daß Mittel und Wege gefunt= den worden sind, um die furchtbare Wucht dieser Kraft­entfaltung in Fesseln zu schlagen und sich dienstbar zu machen. Die Kanonenrohre, die diesen gewaltigen Druck aushalten müssen, werden trotz Verwendung be­sten Materials dadurch natürlich sehr schnell abgenutzt. Endlich feten noch einige Mitteilungen über die Pulver­maffe hinzugefügt, die heutzutage auf einem modernen Kriegsschiff vorhanden ist und die zur Katastrophe des französischen Kriegsschiffes geführt hat. Die S- Patrone des Gewehres Modell 98 enthält 3,2 Gramm Pulver. Eine Patrone der 35,5 Zentimeter- Kanone enthält un­gefähr 250 Ka. Pulver. Es sind also nach den Fest­stellungen des Generalleutnants Rohne zur Füllung et­ner einzigen 35,5 Zentimeter- Patrone ebensolche große Bulvermassen nötig wie fitr 80 000 S- Patronen, d. h. man fönnte mit der gesamten Munition etnes friegs­starten Bataillons nur zwet 35,5 Zentimeter- Patronen füllen. Die Munitionsmasse eines gesamten Schiffes, das mit 10 35,5 Rentimeter- Kanonen ausgerüstet ist, ent­spricht also der Taschenmunition von nicht weniger als 20 deutschen Armeeforps, wenn fitr fedes Geschütz des Kriegsschiffes nur hundert Schüsse vorgesehen sind.

Man kann sich schon aus diesen Zahlen eine Vor­stellung von der unglaublichen Wucht und Masse des Pulvers machen, die ein modernes Kriegsschiff birgt.

Ernste Nachrichten aus China.

Der Aufstand in China, der bereits mehr als 10 000 Menschenopfer gefordert hat, ist noch immer nicht unter­

tellungen der Alten den Schreibtisch geöffnet, der un­verschlossen war. Auf der großen Platte befanden sich außer Schreibgegenständen ein Stethoskop und ein Kassenbuch, das in musterhafter Ordnung zu sein schten. Der Kommissar zog die Kästen auf, die allerhand Hefte, Manuskripte, Briefe und Kleinigkeiten enthielten. In dem einen Fache lag ein Pistolenkasten; als ihn der Be­amte aufklappte, zetgte es sich, daß er leer war.

Sein Revolver fehlt?" rief die Wirtschafterin ent­setzt. Ach Gott, ach Gott! Dann hat er ihn mitge­nommen. Was wird er denn damit anfangen? Er wird sich doch kein Leid antun wollen?"

Pflegte der Herr Doktor den Revolver sonst nicht bet sich zu tragen, wenn er ausging?"

Niemals! Er hatte ihn sich nur angeschafft, well die Wohnung parterre Itegt und da immerhin einmal etwas vorkommen kann. Aber ich habe es mehr fitr etne Spielerei gehalten, er nahm ja den Revolver nicht einmal mit in sein Schlafzimmer."

Hatte der Herr Doktor sonst noch Waffen?" Pistolen? Nein!"

" Ich meine, einen Dolch oder dergleichen?" ,, Nein, nein, gar nicht!"

Die Beamten suchten weiter. Ein großes ärztliches Besteck, das auf einem kleinen Seitentisch lag, wurde auch untersucht. Es war voll blinkender Instrumente.

Hier in der Mitte fehlt ein größeres Messer. Wo ist es geblieben?" fragte Weide.

Die Wirtschafterin wußte wieder keine Auskunft zu geben.

Plötzlich schien es wie eine Erleuchtung über sie zu tommen. Aber meine Herren," rief sie in jämmerit­chem Ton, Ste denken doch nicht etwa, daß der Dok­tor zu dem Mord da drüben in Beziehung steht? Ach fe= mine! Er wollte fa erst gar nicht hinüber und ist erst auf ausdrückliches Bitten der gnädigen Frau zum Herrn Geheimrat gegangen und hat ihn behandelt."

drückt. Die Kämpfe in der Gegend von Tschengtu dauern fort und haben zu Erfolgen der Revolutionäre geführt. Der Draht meldet uns heute:

Vefing, 11. Oftober. Die Revolutionäre haben sich der Ortschaft Wuschangs bemächtigt. Der Vizekönig ift entwichen. Der Kommandant der Truppen wurde durch eine Bombe getötet. Die Soldaten haben mit den Revolutionären gemeinsame Sache gemacht. Die euro­päischen Niederlassungen stehen alle unter Wasser. Auts­ländische Dampfer liegen bereit, Frauen und Kinder aufzunehmen.

Italien und die Türkei.

In Neapel hat am Dienstag die Einschiffung der für Tripolis bestimmten Truppen in Gegenwart des Königs stattgefunden. Die Bevölkerung bereitete dem König begeisterte Ovationen. An allen Straßen­ecken war die Bekanntmachung des Bürgermeisters von Neapel angeschlagen, in der es heißt:" Den Soldaten, die morgen abfahren werden, um im nahen Afrika, das unser Meer bespült, Italiens volle und unbestrittene Herrschaft zu bekräftigen, in jenem Lande, das den Ste­geszug römischer Standarten sah und römische Zivili­fation genoß, drückt Neapel aus der Tiefe seines Her­zens fubelnd den Wunsch erhabener leuchtender Triumphe aus!" Der Bischof von Mailand hat einen Hirtenbrief erlassen, in dem er Gott bittet, den ita­fienischen Waffen den Sieg zu verleihen. Die Mailän der Katholiken werden auf Anweisung des Bischofs eine allgemeine Wallfahrt veranstalten, um von der Heiligen Jungfrau eine Beschleunigung des endgültigen Sieges zu erflehen.

Gegenüber den neuen Versuchen der Pforte, mit Hilfe der Mächte in, Tripolis etwas zu retten, besteht die italienische Presse entschieden auf bedingungs­loser Einverleibung von Tripolis. Dagegen soll der neue türksiche Minister des Auswärtigen berett fein, bis aufs Messer mit Italien zu kämpfen. Er soll erflärt haben, Italien in Tripolis keinerlet Rugeständ­nisse machen zu können, da dies mit der Würde des titrfischen Reiches unvereinbar set. Auch eine Entschä­digungssumme fönne ihn nicht bestimmen, den Italie­nern Konzessionen in Tripolis zu machen. Dagegen wolle er mit den Balkanstaaten in ein freundschaftliches Verhältnis treten, um unter allen Umständen mit die­sen den Frieden aufrechtzuerhalten.

Ein türkischer Vorstoß in Tripolis. London, 11. Oktober. Nach Blättermeldungen aus Tripolis versuchten mehrere tausend Türken in der Nacht auf den 10. Oktober einen Angriff auf die Stadt. Sie wurden aber durch die Scheinwerfer der Kriegs­schiffe entdeckt und durch das Feuer der Besaßung, das durch Granatfeuer der Schiffsgeschütze unterstützt wurde, zurückgeworfen.

Eine Vermittlung der Mächte?

Paris, 11. Oktober. Petit Bartsten kündigt eine Aktion der Großmächte zur Vermittlung zwischen Jta­Iten und der Türkei an. Die Großmächte haben be= gonnen, ihre Ansichten auszutauschen und haben von beiden friegführenden Parteien genaue Angaben über thre Absicht, Wünsche und Opfer verlangt.

Drahtnachrichten und neuestes.

Die französische Flagge aus Agadir verschwunden. Göln, 11. Oktober. Wie der Köln. 3tg." aus Agadir gemeldet wird, ist die französische Flagge felt dem 8. Oktober von der Bastion in Agadir verschwunden. Ein englischer Industrierat.

London, 11. Oktober. Wie amtlich bekannt ge= geben wird, hat die Regierung aus Vertretern der Ar­beitgeber und Arbeitnehmer einen Industrierat gebildet, Es gehören ihm ef sechs Vertreter der Arbeitgeber und Es gehören ihm sechs Vertreter der Arbeitgeber und bahn, an.

Ein Eisenbahnzug von mexikanischen Räubern überfallen.

Merito, 11. Oktober. In der Nähe der Stadt Axoctuapan in Merito haben Räuber einen Personen­zug überfallen. Ste hielten den Zug an und plünderten sämtliche Passagiere aus. Da fie es versäumt hatten, Flaggensignale zu geben, fuhr ein nachfolgender Schnellzug mit voller Geschwindigkeit in den ausgeplün­derten Zug hinein. Dabei wurden 15 Passagiere und zwet Zugbeamte getötet. Die Räuber sind entkommen.

Handel und Verkebr.

Die Kartoffelernteanssichten günftig. Die deutsche Kartoffelernte wird, wie die Nordd. Allgem. 8fg." schreibt, günstiger, als bisher angenommen wurde. Bet einem Ergebnis von 73 Prozent der Mittelernte schwan­ten die Preise für weiße Eßkartoffeln in Preußen ge= genwärtig zwischen 2,50 und 3,80 Mark für den Bent­ner. Die Kleinhandelspreise sind allerdings gestiegen. Das Pfund kostete in Preußen im September durch­schnittlich 5,3 Pfennig, im Westen sogar bis 7 Pfennig.

,, Sett langer Zeit?"

Scit ungefähr drei Monaten. Er war immer sehr zerstreut und aufgeregt, wenn er von dort zurückkam." Hat er sich über den Herrn Regierungsrat und seine Gemahlin zu Ihnen geäußert?"

Ich ich weiß nicht!" sagte sie zögernd. ,, Besinnen Sie sich! Es ist alles von Wichtigkeit und kann nur dazu beitragen, Ihrem Herrn Unan­nehmlichkeiten zu ersparen."

" So? Na, dann kann ich aber nur sagen, daß er von dem Herrn Regierungsrat mehrere Male zu mir im Ton des herzlichsten Bedauerns gesprochen hat. Er ist ein Todeskandidat, sagte er mir einmal, er wird nicht mehr lange machen. Alle ärztliche Kunst ist da vergebens."

Und über die Frau sagte er nichts?"

-

- das heißt nicht gerade direkt-" Wie meinen Sie das?"

" Nun, well er sich doch gar nicht um Damen Be­fümmerte, so meinte ich einmal ganz scherzhaft zu ihm, die Frau Regierungsrat wäre doch eine sehr schöne Frau. Und da erwiderte er: Liebe Frau Schulze, es fann jemand sehr schön sein und doch einen sehr an= greifbaren Charakter haben. Schönheit allein tuts nicht! Ein gutes Herz ist viel mehr wert."

Sollte sich das auf die Frau von Marleben be­ziehen?"

" Das kann ich nicht so bestimmt sagen, aber ich dachte mir's so. Er fann es auch nur ganz im allge= meinen gemeint haben, er hat dann gleich das Ge­spräch mit mir abgebrochen."

Herr von Bardekom hatte während der Zett dte Briefschaften sorgsam durchgesehen, und hielt jetzt eine Photographie in der Hand.

( Fortsetzung folgt.)