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Gießener Zeitung

Bezugspreis 40 Pfg. monatlich

( Neueste Nachrichten)

oierteljährlich 1,20 M., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig­ausgabestellen vierteljährlich 90 Pfg. Dienstags, Donnerstags, Samstags.

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Erscheint Redaktion:

Seltersweg 83.- Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H.

Nr. 209.

Telephon: Nr. 362.

Parteipolitisches.

Reichstagswahlen 1912.

Der konservative Reichstagskandidat für den Wahlkreis Wetzlar- Altenkirchen v. Eichel ist zurückgetreten; an seiner Stelle kandidiert der kon­servative Regierungspräsident v. Gescher. Es han­delt sich also nicht um eine Zurückziehung der konser= vativen Kandidatur zu gunsten der christlich- sozialen Kan­didatur Behrens.

- Treysa. Eine Vertrauensmänner- Versamm= lung des Bundes der Landwirte beschloß, den Kandi­daten der Wirtschaftlichen Vereinigung, Generalsekretär Henningsen, zu unterstützen. Außerdem beschlossen für Henningsen einzutreten die Konservativen und Bund der Handwerker.

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- Wiesbaden. Regierungspräsident Dr. von Meister hat die Sammelkandidatur im Wahlkreise Wiesbaden- Rheingau abgelehnt, mit der Begründung, daß mit einer Unterstützung dieser Kandidatur in dem von ihm vorausgesetzten Umfang nicht gerechnet werden könne.

*

Hessische Landtagswahlen 1911.

§ Der engere Ausschuß der hessischen Landesorga­nisation der Fortschrittlichen Volkspartei beriet am Samstag in Frankfurt über die Landtags­wahlen.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 12. Oktober 1911.

Neue Gesetze. Das Großh. Ministerium hat verfügt, das die Gesetze vom 8. Juli 1911 über die Stäbteordnung und die Landgemeindeordnung am 1. April 1912 in Kraft treten sollen.

Zur Warnung. Die Gießener Straffammer verurteilte einen Angestellten eines Gießener Großge-­schäftes zu 10 Mark Geldstrafe, weil er durch zu hef= tiges Drehen an der Kurbel eines Fernsprech= apparates die Verletzung einer Telegraphengehilfin her beigeführt hatte.

Auf Antrag der beteiligten Interessenten hat die preußische Staatsregierung eine bemerkenswerte Er= leichterung im Schneidergewerbe ange= ordnet. Danach ist von jetzt ab in den Städten Cas­sel, Eschwege, Frankenberg, Fulda, Hanau und Mar­burg an Sonn- und Festtagen im Schneidergewerbe sol­chen Betrieben, die Kleidungsstücke auf Maß anfertigen, die Beschäftigung eines Zuschneiders zum Zwecke Maßnehmens auf die Dauer von zwei Stunden gestat­tet. Diese Beschäftigung soll im unmittelbaren Anschluß an den Hauptgottesdienst stattfinden. Jedenfalls darf eine Beschäftigung über 2 Uhr nachmittags hinaus nicht stattfinden.

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* Die deutsche Kartoffelernte wird, wie die Nordd. Allg. 3tg." schreibt, bei günstigerer Annahme als bisher bei einem Ergebnis von 73 Prozent eine Mittelernte. Die Preise für weiße Kartoffeln in Preu­ßen schwanken gegenwärtig zwischen 2.50 bis 3.80 Mk. für den Zentner. Die kleinen Handelspreise sind aller­dings gestiegen. Das Pfund kostete im September durchschnittlich 5,4 Pfg., im Westen sogar bis 7 Psg.

* Die Ziehung der 1. Altenburger Geld­Lotterie wurde auf den 23. und 24. Oktober 1911 verlegt.

* Abhilfe der Gemüsenot. Aus landwirt­schaftlichen Kreisen wird dem Frankfurter Gen.- Anz." geschrieben: Es ist eigentlich sonderbar, daß in dieser Zeit der Gemüsenot so wenig Vorschläge zur Abhilfe gemacht werden. Ich verweise hier auf den Anbau vor Spinat als Gemüse und Ersatz für das Fehlende. Spinat fann man alle 14 Tage bis zum Dezember säen und alle Wochen zweimal( ssen, wenn man hat. Der früh gefäte Spinat gibt das Herbst, der späte das erste Frühgemüse schon zu Ostern. Spinat bietet, bekannt durch seinen großen Eisengehalt, für Bleichsucht und Blutarme ein sehr gesundes Nahrungsmittel, und sollte schon deshalb mehr gesät und gebaut werden, zudem bei der Blutarmut erzeugenden teuern Zeit. Ich säte am 26. November 1899 einen Rest Spinatsamen, nac Weizen, verkaufte im Frühjahr für 127 Mark Spinat und da ich im Haushalte sehr viel brauchte, so schätze ich den Ertrag des halben Morgens auf 160 Mat Dann wurde der Acker mit Dickwurz bestellt, die m't zu meinen schönsten zählten. Ich machte somit drei Ernten in zwei Jahren bei gleicher Pacht und Steuer.

Enthält alle amfl. Bekanntmachungen

der Großherzoglichen Bürgermeisterei

des Großherzoglichen Polizei Amtes

=

Behörden Oberhessens sowie vieler anderer Expedition: Seltersweg 83.

( Haus Brüder Schmidt.)

Donnerstag, den 12. Oftober 1911.

zahlung. Spinat leidet nicht durch Erdflöhe, Raupen, ist ziemlich sicher bei trockenem Wetter, während er bei starkem Frost erfrieren kann und ist der Verlust nicht so groß, da man mit einem Zentner Samen einen Hektar einfäen kann. Dagegen liefert er 50 bis 100 Zentner Ertrag pro Morgen.

n Der ordentliche Professor der Archäologie, Dr. Wazinger, hat einen an ihn ergangenen Ruf nach Innsbrud abgelehnt.

n Das Großh. Polizeiamt Gießen erläßt in der vor­liegenden Nummer eine Bekanntmachung betreffend Be= leuchtung der Hausflure usw., worauf wir auch an dieser Stelle hinweisen wollen.

n Zum Vorsitzenden der hessischen Anwaltskammer wurde Justizrat Cause- Mainz an Stelle des Geh. Ju­stizrates Dr. Gutfleisch gewählt.

r Das Ergebnis über die am 1. Dezember 1910

es

stattgefundene Volkszählung hat für den Kreis Wetzlar folgende Zahlen gebracht. Es wurden ge= zählt 31 105 männliche Personen und 31 007 weibliche Personen. Nach dem Religionsbekenntnis waren 58 057 Evangelische, 2797 Katholische, 255 andere Chri­sten, 623 Juden und 380 Sonstige und Unbekannte. r Die Maul- und Klauense u che ist in den Gemeinden Wagenborn- Steinberg und Kirchgöns aus­gebrochen.

r Bei den am Sonntag stattgefundenen Verbands= spielen siegten beide Wetzlarer Vereine. Der Wetzlarer Fußballflub 1905 gegen Verein für Bewegungsspiele Gießen mit 5: 3, und der Ballspielklub Wetzlar gegen Sportverein 1900" Gießen mit 1: 0.

o Butzbach. Die hiesige Realschule wird Ostern 1912 in eine Reformanstalt mit den sogenanten Meraner Reformplänen umgewandelt.

o Buzzbach. Die Butzbach- Grünberger bahn macht schlechte Geschäfte.

Eisen­

o Wieseck. Der Gemeinderat hat beschlossen, auf Grund der sog. Lex Reh, die als Art. 88 in die neue be foldeten Bürgermeister zu wählen. Das Landgemeindeordnung aufgenommen worden ist, einen dazu aufgestellte Ortsstatut wurde einstimmig genehmigt. Zum ersten besoldeten Bürgermeister wurde der bishe­rige unbesoldete Bürgermeister Schomber gewählt. Wieseck ist die dritte hessische Gemeinde( nach Alsfeld und Butzbach), die von dieser Bestimmung Gebrauch

macht.

o Jlbeshausen. In unserer Gemarkung wur­den Torflager und gleichzeitig auch Tonlager ent­deckt. Der Ton soll in Farbe und Struktur demjenigen in Klingenberg a. M. ähnlich sein und man erinnert sich, daß die Bürger von Klingenberg nicht nur keine Ge­meindesteuern bezahlen, sondern jeder Bürger noch zirka 300 Mark aus der Gemeindekasse jährlich erhält und zwar nur infolge des Gewinnes, welche die dortigen Tonlager abwerfen. Unterhalb der Rothebach an dem Abzweig nach Bermuthshain hat man Torflager gefun­den, welche von Bedeutung werden könnten.

o Bermuthshain. Schwere Kartoffeln hat der Landwirt Otto Pfannstiel geerntet. Bei seinen Jmpera­tor sind Exemplare von 2 Pfund. Die Kartoffel­ernte ist hier in der Gegend gut ausgefallen.

o Gedern. Einem zwei Jahre alten Kinde, das einen Finger durch das Drahtgeflecht eines Kaninchen= täfigs steckte, wurde das erste Glied des Zeigefingers der linken Hand von einem Kaninchen glatt abgebissen.

s Darmstadt. Der bisherige Kammerpräsident Haas läßt öffentlich erklären, daß er infolge seines leidenden Gesundheitszustandes und auf ausdrückliches Anraten des Arztes davon Abstand uehmen müsse, bei den nächsten Wahlen wiederum eine Kandidatur auzu­nehmen.

! Gau- Algesheim. Das im Jahre 1444 vom Erzbischof Theoderich von Mainz hier erbaute Schloß Ardeck wurde dieser Tage verkauft und ging in den Be­iz des Grafen von Bocholtz über. Früher befand sich in dem Bau eine dem hl. Bonifatius geweihte Kapelle. Von dem einst sehr stattlichen Bau ist jetzt nur noch der kleinste Teil übrig.

! Mainz. Im hiesigen Krematortum fanden im 3. Vierteljahr 1911 105 Einäscherungen statt, gegen 81 des Vorjahres. Unter den eingeäscherten Personen wa­ren 66 männlichen und 39 weiblichen Geschlechts. Der Religion nach waren 72 evangelisch, 17 katholisch, 2 altkatholisch, 3 freichristlich, 5 israelitisch und 6 Dissident.

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( Gießener Tageblatt)

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Telephon: Nr. 362.

23. Jahrg.

):( Krofdorf. Der Gesangverein Germania", welcher im Jahre 1842 gegründet wurde, beschloß in seiner letzten Generalversammlung, im Jahre 1912 sein 70jähriges Jubiläum zu feiern. Der Verein, welcher nahezu 100 Mitglieder zählt und der älteste Verein Krofdorfs ist, wird das Fest in größerem Maßstabe ver­anstalten. Auch eine beträchtliche Zahl bejahrter Ehren­mitglieder, darunter eines, das auf eine nahezu 60jähr. Mitgliedschaft zurückblickt, gehört dem Verein heute noch

an.

):( Limburg. Außerordentiich reich ist heuer die Ernte in Champignons. Es gibt hier Leute, die in wenigen Tagen 30-40 Pfd. dieser Edelpilze einge­heimst haben.

) Dillenburg, 11. Okt. Heute Nacht wurde in die Güterabfertigung eingebrochen. Der Dieb drang vom Vorsteherzimmer ein, versuchte mit einem Brecheisen das Kassenzimmer zu eröffnen, was ihm aber nicht ge= lang. Anscheinend wurde er gestört und floh unter Zu­rücklassung einer Jacke. Der hiesige Polizeihund hat zwar die Spur aufgenommen, jedoch noch kein bestimm­tes Resultat erzielt. Ob der Einbrecher viel hat stehlen können, ist noch nicht bekannt.

):( Diez. Hier wird am kommenden Sonntag im Stoll'schen Gartensaale die 29. Generalversammlung des Gesamt- Taunusklubs abgehalten werden.

):( Marburg. Nach den endgültigen Feststell­ungen hatte der Kreis Marburg bei der letzten Volks­zählung 56 954 Einwohner( gegen 53 779 im Jahre 1905).

):( Hersfeld. Mit 96 Fähnrichen hat die hie­jige Königliche Kriegsschule ihren 24. Kursus begonnen. Von den Fähnrichen gehören 56 der Infanterie, 12 der Feldartillerie, 11 der Kavallerie, 9 der Fußartillerie, 5 den Pionieren, 2 den Verkehrstruppen und 1 den Jä­gern an.

Literarisches.

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- Ein Schlagwort der Zeit. Roman v. Fedor von Zobeltitz. Illustriert von M. Barascudts. Carl Preis geheftet Mt. 3.-, gebunden Mt. 4.-. Krabbe Verlag, Erich Gußmann, Stuttgart. Der Jn­halt spielt in der Hauptsache in Künstlerkreisen und zwar in dem Berlin der achtziger Jahre. Daneben nehmen auch die Gesellschaftsbilder einen breiten Raum ein, in deren Mittelpunkt sich ein interessantes Eheproblem ent­wickelt, das des Verfassers psychologisches Verständnis mit großer Feinheit ausgestaltet hat. Mit kundiger Fe­der sind besonders die Wechselbeziehungen zwischen Kunst und Leben zur Darstellung gebracht worden. Die ungemein flotten Illustrationen von M. Barascudts sind eine reizvolle Zugabe.

Zierleben in der Heimat. Von Christ. Brüning. Mit 47 Bildern Mt. 3.-. Jnnig verwach­sen mit der Natur, groß geworden an der See und im Wald, schildert uns Brüning als sinniger, feinfühliger Beobachter das Tierleben in der Heimat. Welch hohes Interesse erwecken diese herrlichen Erzählungen, und mit welcher Liebe werden sich die Kinder in all das Gebo­tene vertiefen, das ihnen so greifbar und verständlich nahe gerückt wird.

Kathreiners Malzlaffen. Örztlich empfohlen.

Das Gehalt macht's!