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Die Unterhaltung über Maroffo.

England als schlauer Marler.

Kronprinz, Aiderlen- Wächter und Gambon.

dig geblieben. Und zum Schluß haben wir uns noch immer leidlich vertragen." Er wurde Eugen Richter ge­recht mit den Worten: Er war der Besten einer, ein guter Redner und vor allem ein Mann, der wußte, was er wollte. Er war ein Verneiner und darum

mein Gegner, aber solche Männer wie Richter gibt es heute faum im Parlament." Es gibt heute wenig Männer," so meinte der frühere Minister, die die Sache über die Person stellen, persönlicher Ehrgeiz tſt heute das Motiv der Handlung, selten noch ist das Be­streben, dem Vaterland zu dienen."

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Das Befinden des Kaisers Franz Josef hat sich in folge der Schonung während der letzten Zeit so erheb lich gebeffert, daß der greise Monarch in seinem vor­bildlichen Pflichteifer wieder wichtige Repräsentationen persönlich übernehmen will. Ueber diesen Entschluß wird aus Wien gemeldet: Die offiziell angekündigte Reise des Kaisers zu den Manövern ruft in den dem Hofe nahestehenden Kretsen große Ueberraschung her­vor. Sie ist auf einen ganz selbständigen Entschluß des Kaisers zurückzuführen, ebenso wie seine Absicht, den Urlaub zu unterbrechen, um den Reichsrat mit einer Thronrede zu eröffnen. Es besteht kein Zweifel, daß der Hofrat Neußer bei der letzten Untersuchung vor acht Tagen den Kaiser über seinen Gesundheitszustand der­maßen beruhigt hat, daß der Monarch die Straft in sich fühlt, allen seinen Pflichten in vollstem Maße nachzu­fommen.

Staatsjefretär Hiderlen- Wächter erhielt in den lezten Tagen zwei Besuche, die, wie von diplomatischer Seite ge schrieben wird, beibe mit der Maroffoaffäre zusammen­hängen, wenn sie auch beide grundverschiedenen Charakter haben. Es ist tein Zweifel, daß der jüngste Besuch, den der Kronprinz sofort nach seiner Rüdlehr aus dem Feld­lager dem starten Leiter der Marottoangelegenheit abstattete, durch die Entfendung des Kriegsschiffes nach Agadir vet anlaßt wurde. Der Besuch war, wie es bei einem Thron­folger selbstverständlich ist, durchaus privater Natur und inoffiziell und sollte nur die warme Freundschaft zum Aus­brud bringen, die der Kronprinz für den Staatssekretär empfindet. Bei allen nationalen Angelegenheiten, die daz ganze deutsche Boll im Innersten bewegen, ſteht unser Kronprinz mit warmherziger Initiative an erster Stelle, als der erste Brivatmann Deutschlands. Es sei nur an die Begeisterung Deutschlands für den Grafen Beppelin er­innert. Auch hier war es der Kronprinz, der den Vorsitz in der Voltsipende übernahm und ber burch sein Tele gramm: Balte Ihnen die Stange" seine Stellungnahme zu Zeppelin öffentlich zum Ausbrud brachte. Der Besuch bes Kronprinzen bei Riberlen war einem Gefühl der all­gemeinen deutschen Befriedigung über die erste Tat in der Maroffojache entsprungen und wird allgemein so gewertet. Der Besuch des französischen Botschafters Gambon bei Sti berlen war höchst offiziell, trotzdem er in der Privatwoh­nung des Staatssekretärs abgestattet wurde. Es war der erste Schritt zur frieblichen Verständigung, die unzweifelhaft erfolgen wird. Man ist auf deutscher Seite durchaus geneigt, endlich die Maroffoangelegenheit jo zu regeln, daß die Spannung zwischen Deutschland und Frank­reich ein Ende nimmt, und daß beide Völker in Ruhe und Frieben leben fönnen. Die Entsendung des deutschen Kreu­zers nach Agadir hat die ganze Angelegenheit erheblich be schleunigt. Daran kann man erkennen, wie berechtigt die allgemeine Befriedigung über diesen Schritt war, denn er war das Wetterleuchten einer neuen Aera in unserer aus­wärtigen Bolitit, die jetzt unter den Zeichen steht: start, zielbewußt und friedlich.

Die Maroffoangelegenheit scheint den normalen Berlauf zu nehmen. Die erste Unterhaltung" zwischen dem Botschafter Gambon und dem Staatssekretär v. Riberlen- 23 achter hat stattgefunden, und wenn man auch die spärlichen Nachrichten, die darüber vor­Itegen, mit großer Vorsicht aufnehmen muß, so steht doch so viel fest, daß der Verlauf der Unterredung zu feinerlei Beunruhigung Anlaß gibt. Es werden freilich noch manche Unterhaltungen stattfinden müssen, bis man erfährt, auf welcher Basis die Einigung stattfinden foll. Wenn Diplomaten unterhandeln, so geht das nie sehr schnell. In diesem Falle wird aber der Gang der Verhandlungen noch dadurch erschwert, daß gleichzeitig an zwei Stellen verhandelt wird: in Berlin und in Paris. Der Botschafter Cambon besitzt nur eine be­schränkte Bollmacht und muß sich vor jedem weiteren Schritt erst mit Barts verständigen, so heißt es. In Wahrheit dürfte die Sache allerdings umgefehrt liegen. Der französische Minister des Aeußeren de Selves fühlt fich in der Maroffoangelegenheit durch feinerlei Sach­fenntnis beschwert. Dies tit für ihn umso mißlicher, als ihm in der Person des Frhrn. v. Schoen ein besonders genauer Renner der gesamten Maroffomaterie gegen­abersteht. Der franzöfifche Minister hat deshalb offen­bar das Bedürfnis, sich fortlaufend von Herrn Cambon der von der Sache weit mehr versteht als er felbst, In­formationen zu holen, damit die Verhandlungen in Berlin und Paris stets parallel laufen. Für Herrn Cambon hat der Mangel einer weitgehenden Vollmacht überdies den großen Vorteil, daß er auf fritische Fra­gen die Antwort schuldig bleiben kann.

Jedenfalls scheint schon dieser Anfang der Ver­handlungen die Franzosen überzeugt zu haben, daß es nicht allzu schwierig ist, sich mit Deutschland über Ma­roffo zu einigen, und daß es vielleicht überellt war, in der ersten Bestürzung in London Himmel und Hölle in Bewegung zu sehen. Es wäre von Anfang an weit richtiger gewesen, wenn sich Frankreich auf den Stand­puntt gestellt hätte, daß der ganze Marottohandel eine Interne deutsch- französische Angelegenheit sei. England hatte seinerzeit gegen den Verzicht Franfreis auf Ae­gypten allen seinen maroffanischen Aspirationen ent fagt. Obwohl eigentlich Frankreich bei diesem Handel der Betrogene war, well seinen maroffanischen Gelft­ften in Algeciras ein Riegel vorgeschoben wurde, so tönnen doch die Engländer den Gedanken nicht los wer­den, Maroffo zu wohlfeil verschachert zu haben. Na­mentlich fönnen sie es nicht verschmerzen, daß ihnen burch ihren Beratcht die Hoffmung geraubt ist, in Tan­ger einmal ein hübsches Gegenstück zu Gibraltar zu erhalten.

Die Art, wie man jetzt in Paris alles Heil von England erwartete, mußte natürlich der britischen Eigenliebe mächtig schmeicheln, und damit stieg auch wieder die Hoffnung der Engländer, in Marotto doch noch ein Geschäft machen zu fönnen. Diese Gelegen­helf, wieder einmal den lachenden Dritten spielen zu fönnen, ist zu verlockend, und so ist John Bull natür lich gern berett, den Streit um die marottanische Nuß schlichten zu helfen: Frankreich soll die eine Schalen­hälfte bekommen, Spanten und Deutschland zusammen die andere. Den süßen Kern aber fordert England für fich als Vermittlungsgebühr. Frankreich hat aber durch die Anrufung Englands bte Gefahr heraufbeschworen, daß es nun außer den Konzessionen, die es Deutsch= land machen muß, auch noch England die Maklerpro­vision zu zahlen hat.

Was die Franzosen über die Unterredung zu wissen glauben.

Rundschau vom Cage.

Politisches.

Kaiser Wilhelm hat zwet französischen Of= ftzteren Ordensauszeichnungen verliehen, und zwar bem Genieoberstleutnant Vignal vom französischen Großen Generalstab den Kronenorden zweiter Klasse und dem Rittmeister Cornu de la Fontaine den Roten Adlerorden dritter Klasse. Der Anlaß zu dieser Deko­rierung ist nicht bekannt.

Der Vorsitzende des Hansabundes, Geheimrat Nießer, hat, wie aus Cöln gemeldet wird, auf die näch­sten Tage eine große Anzahl von Versammlungen im Rheinland und in Westfalen, insbesondere im rhet­anberaumt. nisch- westfälischen Industriegebiet Ge­Heimrat Rießer wird in diesen Versammlungen über die Stellungnahme des Hansabundes zu seinen Geg­nern und über die letzten Vorgänge im Industriege­biet sprechen.

Eine Eingeborenenempörung in Portugiesisch­Westafrika. Am Flusse Kuanza in Portugiesisch- West­afrifa haben die Eingeborenen ein Burenlager über­fallen und deren Wagen niedergebrannt. Eine Lissa­boner Depesche sagt, daß mehrere Europäer ermordet wurden. Die Empörung soll um sich greifen, und die Lissaboner Regierung hat deshalb den Gouverneur von Angola telegraphisch angewiesen, eine Strafexpedition gegen sie auszusenden.

Der nenen venezolanischen Revolution, die der plötzlich wieder aufgetauchte Castro angezettelt hat, wird in Holland mit großer Besorgnis entgegengesehen, da weder Holland noch Amerika eine neue Präsidentschaft Castros anerkennen werden. Neue internationale Ver­wicklungen wären nach einem Siege Castros unver­meidlich. Der Korrespondent des DailyExpreß" in Neuyork meldet, daß nach Depeschen aus Venezuela Erpräsident Castro sich mit einer Fleinen Armee von 2000 Mann 700 Kilometer von Caracas entfernt be­finde. In der Hauptstadt hatte diese Nachricht große Banik hervorgerufen. Castros Soldaten sollen über Gewehre modernsten Kaltbers verfügen. Außerdem verfügt Castro, wie verlautet, über mehr als 25 M Itonen Franken. Es wird angenommen, daß er durch eine allgemeine Amnestie sich weitere Anhänger er­werben wird, wenn er wieder ans Ruder kommen sollte.

23 nene Einjährigenzeugnisse für Handwerker. Die Anzahl der an Handwerker für hervorragende gewerb­Itche Leistungen zuerteilten Zeugnisse mit der Berech­tigung zum einjährig- freiwilligen Dienst hat, wie uns mitgeteilt wird, in den letzten Tagen eine ganz unge­wöhnliche Zunahme in einem einzigen Armeekorps er­fahren. Vom Generalfommando des 9. Armeekorps find nämlich 23 junge Handwerker auf Grund des Para­graphen 89 der Deutschen Wehrordnung zum einjährig­freiwilligen Militärdienst zugelassen worden, ohne daß sie den üblichen Nachweis der wissenschaftlichen Bildung zu erbringen hatten, da ihre gewerblichen Leistungen den Ansprüchen der Gewerbekammer entsprachen. Vom Generalkommando waren der Gewerbekammer 39 Ar­beiten junger Handwerker vorgelegt worden, denen die Berechtigung zum einjährig- freiwilligen Dienst zuer­kannt werden sollte, es wurden aber nur 28 für würdig befunden. Diese Zahl stellt trotzdem einen Reford dar und beweist aufs neue das Entgegenkommen der milt­tärischen Kreise gegenüber dem Handwerk.

In Pariser unterrichteten Kretsen will man wissen, daß die Unterredung zwischen Botschafter Cambon und Riberlen- Waechter in ihrem ersten Teil einen etwas frostigen Charakter getragen habe. Gambon wies mit Nachdruck auf die unangenehme teberraschung bin, welche sich so furze Zeit nach der in Kissingen so vielversprechend eingeleiteten Verständigung der Part­fer leitenden Kreise durch die Demonftration Deutsch­lands bemächtigt habe. Freimittig babe& iderlen Waechter die Nötigung Deutschlands zu diesem Schritte gekennzeichnet, weil im Moment der Absent­dung des Panther" tatsächlich keine Autorität an der atlantischen Reitste zu bestehen schien, da fa die fran zösischen Truppen im Innern des Landes mit Arbet fen überhäuft waren. Der französische Gewährsmann fagt, daß die Konversation nicht in dieser scharfen Ton­art fortgeführt worden set. Die beiden Herren hätten sich vielmehr der Besprechung außermaroffantscher Fra­gen zugewendet. Unter den Gebietsteilen, die von Deutschland als Kompensation in Aussicht genommen werden, kommt u. a. eine Abrundung im Süden Ka meruns in Frage. Außerdem wäre es sowohl Frank­reich als Deutschland erwünscht, über thre beiderseitt gen Interessensphären in der Tschadseegegend eine Et­nigung au erzielen.

12)

Jugendfreundschaft.

Roman von G. v. Schltppenbach.

( Nachdruck verboten.)

Wie viel ihre beiden ältesten Kinder der Mutter in diesen schweren Tagen bedeuteten, hat Frau Groten­bach dankbar erkannt, aber auch Eva und die jüngeren Kinder umgaben die Tiefgebeugte mit ihrer findlichen Liebe; so war sie reich gefegnet mitten in ihrer Trauer um den Gatten und die Tochter.

Kleine Nachrichten.

Fürst und Fürstin Bülow sind gestern abend in Norderney angekommen. Sie wurden vom Publikum herzlich begritßt.

Eine herbe Kritik der Gegenwart. Der frühere Führer der Konservativen, Staatsminister a. D. von Köller, der am Samstag seinen 70 Geburtstag feterte, empfing aus diesem Anlaß einen Vertreter der Stet­tner Neuesten Nachrichten und sprach mit ihm von der guten alten Zeit. Dabet sagte er: Mein Leben ist Ar­bett und Mühe gewesen. Viel Haß und Gegnerschaft haben auf meinem Wege gestanden, aber auch manche Freude, mancher Erfolg. Die Liberalen haben mich mein ganzes Leben hindurch bekämpft, wir sind hart an­einandergeraten, ich bin ihnen aber auch nichts schul­

Was nun? Die Frage drängte sich ihnen auf, nach­dem die erste Zeit vergangen war. Eine sehr bescheidene Pension war der Witwe von der Bank in Aussicht ge­stellt worden, aber was bedeutete das für eine große Familie? Gott wird uns nicht verlassen und uns bei­steben."

Dieser Gedanke tröstete Thekla Grotenbach wunder­bar, thr Glaube wankte nicht. Ste mußte sehen, in ir­gend einer Art fitr ihre Kinder zu arbeiten, freudig wollte sie den Kampf um die Existenz aufnehmen und nicht verzagen.

" Nach oben schaut, auf Gott vertrau', Nach Wol­fen wird der Himmel blaut."

Die Zeichnungen zur Jathospende betrugen bis zum 6. Jult insgesamt rund 130 000 Mart. In dieser Summe find fünf Beiträge zu 5000 Mark, drei zu 3000 Mart, acht zu 2000 Mart, weiter 36 bis zu 1000 Mark herab, 159 andere bis zu 100 Mark enthalten.nl

hängig werden und es nicht bedauern, meinem Vor­schlag Gehör geschenkt zu haben."

Die Entführer des Ingenieurs Richter verlangen jetzt statt 50 000 Pfund 15 000 Pfund gleich 300 000 M. Lösegeld. Diese Summe soll in fünf Tagen nach Elas­sona gebracht merden. Richter teilt in einem an das deutsche Konsulat gerichteten Brief mit, er jet fräntlich. Er beschwört die Behörden, sie möchten die Zahlung des Lösegeldes beschleunigen, weil die Räuber ihn be­drohen.

Da Lina und Alfred mit diesem Plan einverstan­den waren, beantwortete Frau Grotenbach sofort den Brief in bejahendem Sinne. Dret Wochen später war der Haushalt in Memel aufgelöst, die besseren Sachen nach Berlin geschickt.

Das blieb der Wahlspruch ihres Lebens. In dieser Bett fam ein Brief Frau Haidecks an, sie schrieb, daß die Verlobung Karlas mit Konstantin Uchatscheff nach der Prüfungszeit der Liebenden veröffentlicht sei, daß der junge Offiater bei näherer Bekanntschaft gewinne, und daß er Karla wirklich zur Iteber scheine. Zum Schluß fragte Frau Haideck ihre Freundin, ob sie geneigt wäre, nach Berlin ftberzusiedeln, es set dort eine Fremden­pension unter günstigen Bedingungen zu übernehmen. In zartfühlender Weise erbot sich die Reiche, der Ar men die erforderlichen Geldmittel vorzustrecken.

Ein folgenschweres nächtliches Renkontre hat sich in Effen abgespielt. In der Nacht zum Montag versuchte der Bergmann Maluf seinen Freund, der wegen Stan dalierens verhaftet worden war, zu befreien. Maluk schlug mit einer schweren Eisenstange auf die Beamten ein und diese zogen blant. Sie verletzten ihn durch Säbelhiebe so schwer, daß er auf dem Wege zum Kran­fenhause starb.

Lange fniete die Witwe am Hügel der beiden Ver­storbenen, ihre Tränen fielen auf die Blumen, die sie als letzten Gruß brachte. Am Abend verließen Gro­tenbachs die Stadt, in der sie viele Jahre gelebt hatten. Eine neue Epoche thres Lebens lag vor ihnen. Wie wird es ihnen ergehen?

Wie Du weißt, bin ich eine gute Rechnerin," hieß es, tch rate Dir, zuzugreifen, Du wirst fret und unab

Mit Gott voran, Mutter," sagte Alfred leise, als der Zug abfuhr.

Fünftes Kapitel.

Pension Grotenbach.

Eine ganze Familie bei einem Brande umgekom­men. In dem holländischen Orte Zaandam brach ein furchtbarer Brand aus. Eine Familie, bestehend aus Bater, Mutter und vier Kindern, verbrannten, neun Häuser fielen dem Brande zum Opfer.

Im Gerichtssaal erichoffen hat sich gestern mor­gen in Augsburg der Masseur Musynski aus Zürich. Seine Frau hatte sich vor dem Schwurgericht wegen eines Verbrechens wider das keimende Leben zu ver­antworten. Als ihr Mann den Antrag des Staatsan­

Wie hübsch Du bist," sagte Klara, Du bist hier ganz jung geworden."

Geb nur rubig zu Tante Anna, Mutter, das Mit­tagessen ist ja vorüber, ich werde für den Kaffee und fitr das Abendessen sorgen; unsere Pension ist ja augen­blicklich weniger besetzt, bleibe nur recht lange fort." Die Sprecherin ist ein frisches, junges Mädchen mit freundlichen blauen Augen und schlichtem Blondhaar, fie ist groß und schlank und trägt ein gut gemachtes, dunkles Kleid, darüber ein sterliches Latzschürzchen. Es tst Klara Grotenbach, jetzt ein blühendes Mädchen von achtzehn Jahren, die ihrer Schwester Lina gleicht. Sie tst die rechte Hand threr Mutter geworden und nimmt thr gern die große Arbeitslast ab.

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Mit meinen grauen Haaren? Du übertreibst Kind." " Ja, Du stellst alle Deine Töchter in den Schatten, selbst Eva, die doch unsere Schönheit ist." Fandest Du nicht, daß Evchen gestern sehr ernst aussah?" fragte Frau Grotenbach, sich die Handschuhe zuknöpfend.

Während Klara spricht, ist sie Frau Grotenbach beim Ankleiden behilflich, fie legt ihr den modischen Frühlingsumbang um die Schultern und ritckt den Ka­pothut mit den Beilchen zurecht, dann tritt sie etwas zurück und mustert mit liebevollen Auaen die stattliche Erscheinung der geltebten Mutter.

Es war gewiß nur die Ermüdung von der Reise," meinte Klara. Hoffentlich," versette Frau Grotenbach, " sage den Brüdern, wenn sie von der Turnstunde kom­men, daß sie mich abholen sollen."

Als die Mutter gegangen war, eilte Klara in die Küche, streifte die Aermel ihres Kleides bis zum Ell­bogen auf und griff tapfer zu. Flink ging thr die Ar­beit von der Hand, sie griff alles am rechten Ende an und die Dienstboten gehorchten ihr gern; der Haushalt war in tadellosester Ordung. Frau Grotenbach hatte auch dieses Kindes Anlagen erfannt, sie hielt es für besser, Klara nicht mit Musik und Sprachstunden zu quälen, von denen sie doch wenig Vorteile gehabt hätte. Statt dessen besuchte Klara wie einst Lina eine Haus­haltungsschule und in der Pension verwertete sie die dort gesammelten Kenntnisse.

Ueber alles Erwarten gut war es mit dem von Frau Grotenbach gewagten Unternehmen gegangen; die Preise für die Pension waren nicht allzu hoch und das dafür Gebotene ausgezeichnet, nie waren die sauber ein­gerichteten freundlichen Zimmer ganz leer und oft war der Zudrang so start, daß man nicht alle Gäste auf­nehmen konnte.

Thekla Grotenbach ging am Reichstagsgebäude vor­bei; thre Penfion lag am Ende der Dorotheenstraße. Wie ein zarter, lichtgrüner Schleier lag es über dem Tiergarten; Berlin war im Maienschmuck.

( Fortsetzung folgt.)

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