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As mod pund walts auf fünf Jahre Buchthaus hörte, ging er aus bem Saal und entleibte fich.

Das Luftschiff. 6 ftteg gestern abend 7,15 Uhr mit fünf Passagieren, darunter zwet Damen, auf. Es machte eine längere Rundfahrt über der Stadt und fuhr dann über Barmen und Elberfeld nach Laichlin­gen, wo es glatt landete. Heute soll P. 6 nach Düssel­dorf, Crefeld und Duisburg fahren. Für Mittwoch ist bie Rückfehr nach Essen geplant.

Einen schrecklichen Tod erlitt in der Nacht zum Sonntag der Bahnwärter Berz in Egelsbach( Hessen). Auf bisher unaufgeklärte Weise entstand in seiner Wellblechbude eine Explosion, durch die die Einrichtung der Bude in Brand gerief. Hierbei erlitt Berz am gan­zen Körper schwere Brandwunden und starb auf dem Transport zum Krankenhaus.

Die Erderschütterungen in der ungarischen Stadt Recstemet haben sich auch gestern schwächer wiederholt, Viele Familien verlassen die Stadt. Der größte Teil der Bevölkerung famptert in Höfen oder im Freien, da er die Wohnung nicht zu betreten wagt. Viele Hun= derte liegen fnteend vor den Kirchen.

Im Kontor einer Stockholmer Bant wurde gestern mittag ein Patet mit 31 000 Rubelscheinen gestohlen. Das Geld lag auf einem Tisch, der zweit Meter vom Bublifum entfernt stand. Vom Täter fehlt jede Spur.

Gestrandet und wrack geworden ist der Dampfer Elbing 8", der Reederet Schichau in Elbing gehörig, beim Bortúmer Feuerschiff. Drei Mann der Besazung wurden geborgen. Der Rest der Bemannung, 8 Ber­sonen, sind erfrunten. Die Leichen der Frau des Ka­pitäne und zweier Matrosen wurden bereits an Land gespült.

Aus den Gerichtssälen.

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Wie man sich gegen Dauertläger" schützt. Leute, die Prozeßlust mit Vermögenslosigkeit verbinden, können ihrem Gegner durch die von ihrer Seite angestrengten Prozesse auf alle Fälle Schaden zufügen, ob sie siegen oder abgewiesen werden. Denn der Prozeßgegner wird, auch wenn er im Prozeßverfahren gewonnen hat, nur sehr sel­ten seine berauslagten Anwaltskosten und Prozeßgebühren jemals wiedersehen. Ein sehr wirksames, wohl wenig be­fanntes Mittel gegen derartige ,, Dauerkläger" wurde fürz lich von einem verklagten Kaufmann vor der zweiten Sam­mer des Berliner Kaufmannsgerichts angewandt. Der Klä­ger hatte bereits vorher gegen den Beklagten einen Prozeß beim Landgericht angestrengt und war dort rechtskräftig abgewiesen worden. Noch ehe der Beklagte seine veraus­lagten Kosten erstattet erhielt, bekam er eine neue Slage vom Kaufmannsgericht zugestellt. Der Beklagte erhob nun­mehr vor Eintritt in die materielle Verhandlung den Ein­wand der prozeßhindernden Einrede, indem er geltend machte, daß die Kosten des Landgerichtsprozesses vom Klä­ger noch nicht bezahlt seien. Der Kläger meinte zwar, daß der Prozeß vor dem Landgericht mit dem jezigen Rechts­Streit gar nichts zu tun habe, da das jeßige Klageobjekt ein ganz anderes sei, das Kaufmannsgericht hielt die Ein­rede aber dennoch für durchgreifend. Der Beklagte braucht sich solange auf diesen Prozeß nicht einzulassen, bis der Kläger nachgewiesen hat, daß er die Kosten des Vorprozes ses vor dem Landgericht bezahlt hat. Der Vorsißende hob noch hervor, daß unvermögende Leute, die ihren Gegner schifanieren wollen, unaufhörlich Klagen anstrengen könn­ten und der Gegner auf alle Fälle Kosten zahlen müßte, wenn eben nicht die hier angewandte Bestimmung einen wirksamen Schuß dagegen böte.

Vermischtes.

Konfirmation des jüngsten Bismarck. Die Ein­segnung des Grafen Nikolaus von Bismarck fand am Sonntag in der Kapelle des Schlosses Varzin statt. Graf Nikolaus ist der einzige Sohn des verstorbenen Grasen Wilhelm Bismarck und der jüngste Sproß des Geschlechts derer von Bismarck. Pastor Jäckel( Wus­sow) vollzog die Einsegnung. Außer den gräflichen Beamten nahmen noch zahlreiche Gäste an der Feier teil. Viele kostbare Geschenke trafen für den jungen Grafen ein, darunter auch ein Geschenk des Kaisers, seines Paten.

Ein Fuhrwerk vom Zuge überfahren. Der Rendant Schütter vom Königlichen Gestüt Neustadt bet Rathe­now befand sich mit Frau, Kind und Kutscher auf einer Wagenfahrt. Als das Führwerk unweit der Molkerei Rhinow den Eisenbahndamm überfuhr, wurde der Wa­gen von der Maschine des Rathenower Personenzuges erfaßt und völlig zertrümmert. Die Insassen des Wa­gens stürzten heraus und trugen schwere Verlegungen davon. Schütter, dessen Frau und der Kutscher erlit­ten erhebliche Kopf- und Beinwunden, dem sechsfährt­gen Knaben wurde der rechte Arm abgefahren, ein Pferd auf der Stelle getötet.

Todesstürze in den Schweizer Alpen. Im Laufe des vorgestrigen Tages sind in den Schweizer Bergen nicht weniger als sieben Personen zu Tode gestürzt. Am Großen Mythen bei Schwyz stürzten innerhalb ei­ner Stunde drei Personen aus einer Höhe von fast 2000 Meterit ab. Man nimmt an, daß alle dret beint Pflücken vom Wege abgekommen und über die stellen Wände abgestürzt sind. Zwei Leichen wurden furcht­bar verstümmelt aufgefunden, nach der dritten wird noch gesucht. Als viertes Opfer hat der Große Mythen einen Züricher Seminaristen gefordert. Gegenstände, die ihm gehörten, wurden bereits gefunden. Von ihm selbst hat man noch keine Spur. Auch im Säntisge= btet sind zwet tödliche Unglücksfälle vorgekommen. Dort stürzten zwei Touristen beim Edelweißpflücken bis zum Fachlensee ab. Die Bergungsarbeiten dauerten bis int die Nacht hinein. Im Kanton Waadt stürzte beim Auf­stteg zum Dent de Morcles ein Soldat der Forstwache ab und war sofort tot.

Furchtbarer Selbstmord eines Nervenkranken. In einer Berliner Laubenkolonie wurde Sonntag morgen ein Mann angetroffen, der vom Kopf bis zu den Füßen lichterloh brannte. Er hatte sich nicht nur ganz und gar mit Petroleum begossen und dann seine Kleider ange­steckt, auch das Haar und den Mund hatte er mit Pet= roleum getränkt, sodaß thm, als man ihn auffand, eine Flamme aus dem Munde schoß. Es handelt sich um einen Nervenkranken, der aus der Charitee entlassen worden war. Weil er sein Leiden für unheilbar hielt, beschloß er, feinem Leben ein Ende zu machen. Er starb bald nach seiner Aufnahme im Krankenhaus.

Eine gefahrvolle Fahrt im Luftballon hatte am Sonnabend die Luftschifferin Käte Paulus zu bestehen, dte abends 8 Uhr vom Lunapark in Berlin zu einer Freifahrt aufgestiegen war. Wegen des Sturmes wollte die Ballonführerin nahe dem Orte Neustettin nieder­gehen. Der Ballonkorb. überschlug sich bet der Lan­dung mit solcher Heftigkeit, daß einer der Mitfahren­den aus dem Korb geschleudert wurde, ohne jedoch er­hebliche Verlegungen zu erhalten. Der Ballon wurde, halb geleert, durch den Ballastverlust wieder in die

Höhe gerissen und landete unwett der Ortschaft Freten­brück nachts in den Kiefern eines halbstämmigen Wal­des, wo die Balloninsassen an Stricken heruntergelas= sen werden konnten. Die Hülle selbst war durch den Sturm fast völlig vernichtet.

Eine Fremdenlegionsaffäre. In Paris macht eine Sensationsaffäre in der Fremdenlegion einiges Auf­sehen, zumal es sich um zwet Deutsche handelt. Ein ge= wisser Benit Mered nahm in Algter zwet Leute feſt, die sich für Reisende einer deutschen Kinematographen­firma ausgaben. Sie wurden jedoch als Deserteure des 2. Regiments der Fremdenlegion festgestellt. Der eine von ihnen nennt sich Dr. Friz Artenbach und gab an, Doktor der Medizin und seit mehreren Jahren im Dienste der Fremdenlegion zu sein. Sein Genosse, der sich Moritz Wagner nennt, tst erst seit kurzer Zeit bet der Fremdenlegion eingestellt. Artenbach erklärte, in Ttared, wo er in Garnison lag, hätte ihm eine Persön= Itchkeit Geld gegeben, damit er sich Zivilkleider anschaf­fen und nach Agter reisen könne, um von dort die Heimreise nach Deutschland anzutreten. Wagner hält man für einen dentschen Offizier, der sich als Agent et­ner deutschen Deſertionsagentur für die Fremdenlegion habe anwerben lassen(?). Beide werden voraussicht­Itch wegen Desertion vor das Kriegsgericht gestellt

werden.

Die Sieger im Deutschen Rundflug. Das Klaffe= ment für den B.- 3.- Preis der Lüfte von 100 000 Mart tst folgendes: König 1882,5 m. 40 000 M, Vollmöller 1837,5 m. 25 000 M, Büchner 1363,75 m. 10 000 M. Die Preise von 7000 bis 3000 M entfallen auf Lind­paintner, Wittenstein, Wincziers, Schauenburg, Laitsch, Thelen, Müller und Jahnow. Falls Lattsch bis heute abend das Ziel nicht mehr erreichen sollte, würde der Preis an Thelen fallen. König erhält als Steger im Rundflug ferner den ersten Ehrenpreis des Kronprin­zen und den ersten Ehrenpreis der Stadt Berlin. Der zweite Ehrenpreis Berlins für den schnellsten Flug auf der letzten Etappe fällt an Büchner, der zweite Brets des Kronprinzen für die gestrigen Abendflüge voraus­sichtlich an Eyring oder Hirth.

Die Rothäute vor dem Grammophon. Das mit der Genehmigung der französischen Regierung in Paris ge­gründete Sprachenmuseum, das mit Hilfe des Gram­mophons der Nachwelt ein genaues Bild der Welt­sprachen des 20. Jahrhunderts hinterlassen will, fann fich fett rühmen, späteren Geschlechtern auch eine indi­anische Beschwörung des bösen Getstes überliefern zut tönnen, für Zeiten, in denen die letzte Rothaut der Welt wahrscheinlich längst im Grabe ruhen wird. Denn in Paris weilt gegenwärtig eine Siourtruppe, deren Häuptlinge nach vielen Mühen endlich bewogen worden find, eine Probe threr Sprache dem Grammophon an­zuvertrauen. Als man den roten Kriegern erklärte, daß der trompetenförmige Apparat nach 200 Jahren fer­neren Geschlechtern thre Worte wiederholen würde, wollten die Häuptlinge nichts mit dieser Zauberge­schichte zu tun haben. Erst nach langen Verhandlungen erklärten sie sich berett, nachdem sie vorsichtigerwetse eine ganze Reihe von Bedingungen gestellt hatten. Ehe sie an das Grammophon herantraten, um den Teufe! zu beschwören, behängten sie sich über und über mit Amuletten und Fettschen, doch sie machten zur Beding­ung, während der Aufnahme einen geladenen Revolver in der Rechten halten zu dürfen. Bei dem ersten Er­periment war der eine der Häuptlinge von dem knar­renden Geräusche des Grammophons so erschrocken, daß er glaubte, der Böse sei schon im Kommen: hastig rich­tete er den Revolver auf den Apparat und gab blizz= schnell sechs Schüsse in die Schalltrompete ab, die das Grammophon natürlich vollständig zerstörten. Man brachte einen neuen Apparat und nun endlich konnte die indianische Teufelsbeschwörung ordnungsmäßig auf­genommen werden.

Der Tod durch Sitzschlag. Die Hißwelle, welche so­eben die Vereinigten Staaten überflutete, hat viele hundert Menschen hinweggerafft: fie erlagen dem Hib­schlag. Er ist nicht zu verwechseln mit dem Sonnenstich. Von diesem spricht man, wenn z. B. der Schädel den Son­nenstrahlen ausgesezt ist; es braucht dabei die Außentem­peratur gar nicht hoch zu sein. Der bei hoher Außentem­peratur eintretende Hißschlag beruht auf einer Ueber­hibung des gesamten Organismus. Dabei kann die Wär­mebildung vermehrt oder die Wärmeabgabe vermindert sein; meistens wirken beide Faktoren zusammen. Sie er­zeugen die plößliche Erkrankung des Körpers, wobei das Zentralnervensystem die Hauptrolle spielt. Nach den neue­sten Forschungen ist der Hißschlag eine durch Ueberhitung erzeugte Selbstvergiftung. Es entstehen im Körper, wahr­scheinlich infolge Berseßung des roten Blutfarbstoffes, Gift­stoffe, die je nach Menge mehr oder weniger intensiv die einzelnen lebenswichtigen Organe, insbesondere das Ge­hirn, beeinflussen. Der plöbliche Tod ist also, populär gesprochen, fast durchweg als ein Gehirnschlag aufzufas­sen. In ersten Linie entsteht der Hibschlag bei Menschen und Tieren, die sich in schwüler, heißer Luft an windge­schüßten Orten aufhalten, bewegen oder arbeiten. Wie bie Lufthize im Freien, wirkt auch künstliche Htze in geschlos­senen Räumen, z. B. fallen Kesselhetzer auf Schiffen, Bie­gelarbeiter in den Trockenkammern auch durch Hißschlag. Dafür disponiert sind von vornherein schwache und fett­reiche Personen und Alkoholiker. Alle Umstände, die die natürliche Hiẞe noch erhöhen, steigern auch die Gefahr, bom Hizschlag betroffen zu werden. Die Erkrankung tommt bekanntlich beim Militär während der Uebungen und Manöver am häufigsten zum Ausbruch. Das Mar­schieren in engen Kolonnen, die dichte Kleidung verhin­dern größtenteils die natürliche Wärmeausstrahlung des Körpers; es erfolgt keine Hibabgabe, dafür aber bei ho­her Außentemperatur immer mehr eine Sibsteigerung des Innern; explosionsartig äußert sich dann, allerdings in­dividuell sehr verschieden, die Ueberhibung in der Form des Hitzschlages.

Eine Segelfahrt auf zwei Weltmeeren. Vor einigen Tagen sah man im Hafen von Neuhork einer flet­nen leichten Segeliacht zwei sonnengebräunte Männer ent­steigen, struppige, bärtige Gesellen, denen das Haupthaar bis weit über die Schulter hinabhing. Der eine der Frem­den war groß und start und schien in der Mitte der Vier­ziger zu stehen, der andere erschien auch nicht jünger, aber seine Gestalt war fast zart, flein und schmiegsam. Das waren die vielleicht fühnsten Seefahrer der Gegenwart: der Große, Peter Arapati, ist ein griechischer Seemann, der Kleine ist ein Engländer aus Coventry und heißt John Blythe. Sie können sich rühmen, eine der verwegenſten Seefahrten seit den Tagen des Kolumbus hinter sich zu haben, denn in ihrer kaum 12 Meter langen Segeljacht Pandora" haben sie am 3. Mai 1910 die Ausreise von Bunbury in Australien angetreten und sind jeßt nach der Umseglung des Kap Horn glücklich in Neuhork gelandet, Sie haben bei dieser Fahrt auf den beiden Weltmeeren 122 000 Seemeilen zurückgelegt.

Die Furcht vor dem Blinddarm.

In der ersten Nummer der neuen Bettschrift Die Hygiene", die, von Dr. med. Wolff- Eisner- Berlin redt­gtert, im Verlage der Norddeutschen Verlagsgesellschaft

m. b. H. soeben zu erscheinen beginnt, richtet Professor Dr. Albu Berlin ein Mahnwort an alle jene, die von blasser Furcht vor der gegenwärtigen Modekrankheit erfüllt sind und bei jeder Erkrankung des Wurmfort­sages im Messer des Chirurgen die einzige Rettung sehen. Professor Albu führt aus, daß ohne Zweifel sehr viel Menschen von der Gefahr einer Erkrankung des Blinddarms durch die Operation gerettet worden find. Aus diesen Erfahrungstatsachen ist von Heißspor= nen, deren es naturgemäß unter den schneidigen" Chirurgen mehr gibt als unter den nach fühleren Er­wägungen handelnden Medizinmännern, die Schluß­folgerung abgelettet worden, daß grundsätzlich jede Blinddarmentzündung sofort operiert werden müsse, weil ihr Ausgang stets unsicher sei und nur die ope rative Entfernung des erfranften Darmteiles die Ge­währ für eine Genesung bildet. So gibt es heute nur wenig Aerzte, die es noch wagen, bei der Beobachtung einer Blinddarmentzündung die zuziehung eines Cht= rurgen zu umgehen oder abzuwarten.

Diese zuziehung bedeutet aber gegenwärtig fast immer die sofortige Operation; denn nur ein fleiner Teil der Chirurgen nimmt jedem einzelnen Falle ge­genüber einen fühlabwägenden und abwartenden Standpunkt etn. Professor Albu führt seit vielen Jah­ren einen fast vergeblichen Kampf gegen diese übertrie­bene Blinddarmfurcht. Er vermag die Verallgemei nerung der Operationsbedürftigkeit aller Erkrankungen dieser Art um so weniger zu billigen, je größer seine Erfahrungen auf diesem Gebiete geworden find. Nun will es scheinen, als ob nach der Hochflut des chirurgischen Vorstoßes jetzt wieder Beifen ruhigerer Erwägung kommen. Aus den Krets fen der inneren Kliniker und praktischen Aerzte wagt fich allmählich wieder eine letse Opposition gegen die Bevormundung durch die chirurgische Uebermacht her­vor. Aerzte und Publikum waren eben eingeschüchtert worden durch die immer wiederholten Schauermärchen von den Schrecken dieser Erkrankung.

Jeder erfahrene Arzt muß zugestehen, daß die Wurmfortsaßentzündung eine der furchtbarsten Krant­heiten ist. Aber doch nicht in jedem Falle! Jeder er­fahrene Arzt fennt auch noch mehr Fälle, in denen diese Erkrankung einen sehr harmlosen Charakter gehabt und behalten hat bis zu einer glatten, zuweilen recht schnel­len Hellung. Selbst wenn etwa fünfzig von hundert dieser Heilungen nach Monaten oder Jahren zu Nüd­fällen führen, was nicht geleugnet werden darf, so ist daraus noch nicht die Berechtigung abzuleiten, daß die anderen 50 von 100 unbedingt opertert werden müßten. Es kommt hinzu, daß vielfach, besonders den leichten Fällen gegenüber, die Diagnose so unsicher und schwierig ist, daß es zuweilen geradezu vermessen erscheint, auf einen geringen Verdacht hin den Bauch aufzuschneiden. Ein alter Grundsaß der wissenschaftlichen Medizin lautet dahin, daß ein Heilmittel nicht gefährlicher sein darf als die Krankheit, gegen die es angewandt wird. Denn in den Händen nicht genügend geschulter oder ge= schickter Chirurgen, zumal wenn sie nicht über die nötige Assistenz verfügen, ist jeder Bauchschnitt immer noch ge= fährlicher als eine leichte Blinddarmentzündung, die nachweislich nicht mehr als höchstens 1 Prozent Sterb­Itchkett hat. Es handelt sich also nur darum, zu erken­nen, ob eine Blinddarmentzündung als eine leichte oder eine schwere zu betrachten ist.

Weit bedenklicher noch ist die Forderung der grund­sätzlichen Operation aller Fälle der sog. chronischen Blinddarmentzündung gegenüber. Hier ist die Diag­nose in der überwiegenden Mehrheit der Fälle so un­sicher, daß Irrtümern Tür und Tor geöffnet sind. Die Chirurgen felbft sind in den letzten Jahren über den Begriff der chronischen Blinddarmentzündung stubig geworden. Der Lale vermag den gewaltigen Unter­schied zwischen der Diagnose einer atuten und einer chronischen Blinddarmentzündung nicht zu erkennen und nicht zu beurteilen. Das Wort Blinddarm", vom Arzt ausgesprochen, genügt meist, um in seiner Phan­taste alle Schrecken dieser gefürchteten Krankheit mach werden zu lassen. So kommt es, daß die Chirurgen oft vom Publikum zu unnötigen Operationen geradezu gedrängt werden. Die Blinddarmfurcht ist heute so groß und verbreitet wie früher die Furcht vor der Ope­ration. Die eine ist in der Allgemeinheit ebenso un­berechtigt wie die andere. In wichtigen Gesundheits­fragen soll das Publikum sein Schicksal vertrauensvoll in die Hände fritisch- geschulter, gewissenhafter und er­fahrener Aerzte legen, die im Falle der Erwägung einer Operation das Für und Wider stets in die Wagschale werfen werden.

Drahtnachrichten und neuestes.

Großer Straßeneinbruch in Budapest. Budapest, 11. Jult. In der Ecke der sehr be­lebten Arenastraße ist die Erde in einer Länge von 20 Metern und einer Tiefe von 25 Metern eingestürzt. Einige Wagen, die sich im Augenblick des Einsturzes an der Stelle befanden, verschwanden in der Tiefe. Gleichzeitig barsten die Wasserleitungsrohre, die Grube fitllte sich mit Wasser und die Pferde ertranfen. Der Feuerwehr gelang es, alle Kutscher, wenn auch schwer verlegt, zu retten. Ingenieure stellten fest, daß durch die jüngsten Erdbeben ein Kanal eingestürzt sei. Durch den großen Verkehr hat die Erde sich langsam gelockert, so daß der Einsturz erfolgte.

Schiffsfatastrophe in den nordischen Gewässern. Kopenhagen, 11. Jult. An der fütländischen Westküste bei Bolbjerg fanden gestern Schiffer ein Wrack, das als das Achterteil des Schooners Emma aus Aalborg erkannt wurde, der vor 10 Tagen nach Jütland in See gegangen war. Da von der Befaßung, bestehend aus Kapitän und 5 Mann bisher keine Nach­richt eingetroffen ist, sind sie wahrscheinlich alle er­trunken.

Verbrecherische Anschläge auf französischen Eisenbahnen.

Paris, 11. Jult. Auf der Bahnltnte Parts­Clermont wurde von unbekannt gebliebenen Tätern ein fünf Meter langer Balken über die Gleise gelegt. Der Lokomotivführer des Expreßzuges bemerkte das Hindernis und bremste, doch fuhr die Lokomotive auf den Balken und zerschnitt ihn. In Toulouse wurde ein ähnlicher Sabotageaft turz vor der Einfahrt eines Militärzuges verübt. Es gelang jedoch, das Hindernis noch rechtzeifig aus dem Wege zu räumen.

Die Prinz Heinrich- Fahrer in England. London, 11. Jult. Alle 65 Automobile der Teilnehmer an der Prinz Heinrich- Fahrt sind gestern nachmittag in Leamington eingetroffen. Abends wurde thnen ein Festmahl gegeben.

Eine neue Sizeperiode in Amerika. Renyort, 11. Jult. Die Temperatur betrug gestern nachmittag 96 Grad Fahrenheit und stand dart 17 Grad über der niedrigsten Temperatur des Vor­mittags. Es weht ein heißer Südwestwind. Die Luft­feuchtigkeit schwantte zwischen 50 und 75 Prozent. Es ereigneten sich hunderte von Hißschlägen, davon waren 20 tödlich. Die Hizwelle reicht bis weit nach Kanada hinein, von wo fogar 98 Grad Wärme gemeldet wer­den.