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Todessturz aus dem fünften Stock. Um das Luftschiff Deutschland" zu beobachten, kletterte in Essen ein Dienst­mädchen auf das Dach eines fünfstöckigen Hauses, trat fehl und stürzte in einen tiefen Lichtschacht ab, aus dem sie zer­schmettert herausgebracht wurde.

Tödlicher Wagenunfall. In einer Eisenbahnunter­führung in München scheuten die Pferde eines Fabrikfuhr­perts vor einem Eisenbahnzug und gingen durch. Die In­laffen wurden herausgeschleudert und gegen einen eisernen feiler geworfen. Der Kutscher erlitt schwere Verletzun­gen. Ein mitfahrender Geschäftsreisender wurde getötet. Ihm war der Schädel zertrümmert.

Im Zement erstickt. Ein Arbeiter in einer Zementfa­brik in Berlin stürzte in die Deffnung eines hohen Zement­flos und fiel in die Bementmasse. Der Unfall blieb zu­nächst unbemerkt. Niemand kam dem Unglücklichen zu Hil fe und er mußte einen qualvollen Erstickungstod erleiden.

Eine Tragödie in der Kasernenstube hat sich nach einer Meldung des B. T." in Cöln abgespielt. Auf einer Mann schaftsstube des 5. Rheinischen Infanterieregiments Nr. 65 war zwischen den Stubeninsassen aus geringfügiger Ursache ein Streit entstanden, der in Tätlichkeiten ausartete. Hier­bei versetzte ein älterer Soldat mit einer Kanne dem Mus­fetter Reiten einen wuchtigen Schlag auf den Kopf. Retten wurde schwer verletzt ins Lazarett geschafft, wo er nach eini­ger Zeit starb.

Im Fieberwahn stürzte sich in München ein in einem dortigen Krankenhause als Patient untergebrachter Medi­ainstudierender vom 2. Stock in den Hof und war sofort tot.

Aus den Gerichtssälen.

Aus Unvorsichtigkeit die eigene Mutter erschossen. Die Effener Straffammer verurteilte den Studenten der Kunst­wissenschaften Georg Hartmann, den Sohn des Direktors des Essener Stadttheaters, wegen fahrlässiger Tötung zu awei Monaten Gefängnis. Hartmann hatte vor einigen Wochen beim Hantieren mit einem Revolver aus Unvorsich= tigkeit seine Mutter erschossen.

Zum Tode veruteilt. Das Schwurgericht in Dortmund verurteilte den Koksarbeiter Jakubowski aus Weitmar hei Bochum, der am 14. Januar d. I. zu Dorfstfeld einen Ar­beitskollegen ermordet und beraubt hatte, wegen Raubmor­des zum Tode und zu dauerndem Verluste der bürgerlichen Ehrenrechte.

Wegen Mißhandlung Untergebener in 307 Fällen hatte sich der Sergeant Gottmann in Metz zu verantworten. Meist wurden die Mißhandlungen in der Instruktionsstun­de durch Schlagen mit dem Instruktionsbuch und der Hand verübt. Durch einen Rekruten, der an einem Ohrenleiden zur Entlassung kam, wurden die Mißhandlungen ruchbar. Die Mißhandelten stellten dem Sergeanten das Zeugnis eines zwar nervösen, aufgeregten, doch um seine Untergebe­nen besorgten Vorgesetzten aus. In der Arrestzelle erlitt Gottmann mehrere Tobsuchtsanfälle. Das Gericht ver urteilte darauf den Sergeanten wegen Mißhandlung, Be­leidigung usw. zu drei Monaten Gefängnis.

Vermischtes.

Schweres Unwetter in Berlin. Dienstag nachmittag zog über Berlin ein heftiges Gewitter herauf, dem mehrere Menschen zum Opfer gefallen sind. In einer Laubenkolo­nte wurde ein 12jähriger Schüler vom Blizz getroffen und auf der Stelle getötet. Ein anderer Knabe, der dicht neben thm stand, erlitt eine Lähmung der rechten Körperhälfte. Eine Frau, die sich mit vier Kindern in einer noch im Bau befindlichen Laube befand, wurde vom Blizz getroffen und war sofort tot. Die vier Kinder wurden dadurch geschüßt, daß sie sich unter Kisten versteckt hatten. Auch eine Ge= richtsverhandlung erlitt eine Störung durch das Gewitter. Während des Plädoyers eines Rechtsanwalts bei einer Schöffengerichtverhandlung erschütterte plötzlich ein Bliz­strahl das Gerichtsgebäude bis in die Grundmauern. Zu­gleich sprang in den Kronleuchter ein heller Funke unter lautem Knistern und Knallen über. Wie es sich herausstellte, hatte der Blitz in einen Turm des Gerichtsgebäudes einge= schlagen.

Die Todesanzeige vor dem Tode. Ein tragikomisches Vorkommnis wird seit einigen Tagen in der ganzen We­sergegend lebhaft besprochen. Fräulein Anna M., etne Dame im reiferen Alter in einem Städtchen bei Rinteln, war des Lebens überdrüssig geworden, und beschloß des= halb, sich zu vergiften. Es lag dem Mädchen aber nun noch fehr viel daran, daß es die ihm zusagende Todesanzeige ge= widmet erhielt. Deshalb sette es sich vorher hin und ver faßte den Wortlaut der Todesanzeige. Es hieß darin wört­Itch wie folgt:" Heute abend starb plötzlich und unerwartet meine innigst geliebte Tochter und Schwester, meine unver­geßliche Braut Anna M. im heute vollendeten 31. Lebens­fahre. Es folgten dann die Unterschriften, darunter auch ein Herr als Bräutigam. Weiter hieß es: Die Beerdigung findet am Montag nachmittag vom Trauerhause aus( folg­Darauf legte sich ten Straße und Hausnummer) statt." Jungfer Anna in thr Schlafzimmer, öffnete den Gashahn und wollte sich mit Leuchtgas ins Jenseits befördern. Die Todesanzeige hatte sie vorher, mit der Adresse der Zeitung versehen, dem Briefkasten anvertraut. Am andern Mor­gen stand die Todesanzeige auch prompt mit dickem Trauer­rande in der Zeitung und erregte beträchtliches Aufsehen, namentlich bei dem angeblichen Bräutigam, der von der ganzen Liebschaft und dem Brautstande nichts wußte; aber nicht minder bei den eigenen Angehörigen und den anderen Leuten, denn aus dem beabsichtigten Selbstmorde war nichts geworden, man hatte Jungfer Anna bei dem Einschlafen gestört, sie wieder wachgerüttelt und in die rauhe, liebe­feere Wirklichkeit zurückgerufen. Und so lebt sie heute noch.

Selbststellung eines Defraudanten. Selbst gestellt hat fich am Dienstag in Berlin der 32 Jahre alte Buchhalter Erich von Selzer, der, wie seinerzeit berichtet, am 1. v. M. mit 12 000 Mark durchbrannte. v. Selzer entstammt einer Offiziersfamilie, ist aber auf die schiefe Ebene geraten und wegen Diebstahls, Unterschlagung und Betruges schon wie­derholt bestraft. Seine Frau schneiderte und erwarb für den Lebensunterhalt mit. v. Selzer führte aber ein Dop­pelleben. Durch Spielen erwarb er sich die Mittel, seinen Lebemannsneigungen fröhnen zu können. Als diese Mit­tel versagten, griff er in die Geschäftskasse. Eine Prüfung der Bücher und Kasse deckte jetzt die Unterschleife auf. Un­terdessen war v. Selzer schon verschwunden. Er ließ Frau und Kind im Stich, fuhr mit der Beute nach Cöln und ver­geudete dort in Weiberkreisen einige tausend Mark. Dann fuhr er nach Paris, wo er es ebenso trieb. Von Paris be­gab er sich nach London. Endlich besaß er noch gerade so­viel, um nach Berlin zurückfahren zu können.

Im Hotel

Eine Schreckensfahrt in einem Hotellift. " Royal" in Budapest wollten der bekannte Abgeordnete Ed­mund Barta und seine Gattin den Aufzug benutzen, um pom ersten Stock ins Parterre zu gelangen. Kaum hatten fte jedoch den Lift betreten, als der selbe infolge Versagens der Maschinerie bis in das fünfte Stock emporschnellte, wo er mit Wucht an den Schachtplafond anstieß. Dann sauste her Lift wieder in die Tiefe, schnellte hier abermals in die öhe des fünften Stockes, von wo die tolle Fahrt in die tefe fich wiederholte. Endlich blieb der Lift im ersten Stockwerk stehen, was die beiden Insassen benutzten, um rasch auf den Gang des ersten Stockwerkes zu springen. Wenige Sekunden später fuhr der Ltft wieder in die Höhe und zerschellte. Polternd stürzten die Trümmer in die tefe. Barta erlitt einen Nervenchoc, während seine Gat= Hn mit dem Schrecken davonkam.

Ein geohrfeigter General. Die Zeitung ,, 19. Jahr­hundert" weiß von einem Zwischenfall zwischen dem ar

gentinischen Kriegsminister und dem Kommandanten von Buenos Aires, General Godoy, zu erzählen. Infolge einer Meinungsverschiedenheit ist es zwischen beiden Offizieren zu Tätlichkeiten gekommen, in deren Verlauf der Kriegs­minister dem General Ohrfeigen verabfolgte. Der Kriegs­minister reichte nach dem Vorfall unverzüglich seinen Ab­schied ein, der vom Präsidenten der Republik angenom­men wurde. Ein Nachfolger ist noch nicht ernannt wor= den. General Godoy hat dem Kriegsminister Velez seine Zeugen geschickt.

Ein Ballon verbrannt. Dienstag nachmittag 3 Uhr 45 Min. passierte ein Freiballon die Höhen nördlich der Stadt Göppingen, sentte sich rasch und ging unmittelbar vor dem Walde nieder. Plötzlich sah man enie Flamme aufzüngeln, dichten Rauch aufsteigen und hörte gleich­zeitig einen weithin vernehmbaren Knall. Beim Näher­tommen entdeďte man, daß der Ballon mit Ausnahme des Korbes total verbrannt war. Die drei Insassen blieben merkwürdigerweise unverletzt. Die Ursache der Katastro­phe ist noch nicht aufgeklärt. Der Ballon war Eigentum des Königl. bayerischen Automobilflubs in München. Liebestragödie zweier Siebzehnjähriger. In dem Berlin benachbarten Bernau entdeckte am Dienstag früh ein Polizeibeamter in einem Chausseegraben zwei schwer perlegte funge Menschen, den 17jährigen Handschuhmacher­lehrling Erich Schröder und die 17jährige Franziska S. Beide wurden sofort ins Krankenhaus geschafft. Inzwi­schen waren auch Briefe der beiden an die Eltern einge­troffen, in denen sie beide, da ihnen die Einwilligung zur Heirat versagt war, mitteilten, daß sie in den Tod gehen wollten. Schröder hat erst auf seine Geliebte aus einem Tesching einen Schuß in den Kopf abgegeben und dann sich selbst eine Rugel in die Schläfe geschossen.

Münchener Appetit. Die Maibodquelle im König­lichen Hofbrauhaus zu München ist am letzten Sonntag versiegt, die Münchener Kur"-Saison hat damit zum ehr­lichen Bedauern aller Kur" gäste für dieses Jahr ihr Ende erreicht. Rund 1100 Hektoliter Bock und 400 Hektoliter Bier sind in den acht Tagen dem Kurgebrauch zum Opfer gefallen, gegen 320 000 Bod, Weiß- und Bratwürste wur­den verzehrt, 230 Kälber mußten ihr junges Leben lassen, viele tausend Portionen Schweinswürstel, Nieren-, Brust­und sonstige Münchener Braten, eine Legion von Brezeln und Radi haben den Weg alles Eßbaren genommen. Die Zahl der Kurgäste" wird auf 90 000 geschätzt.

Unter einer umstürzenden Lokomotive begraben. Ein schwerer Unglücksfall am Kleinbahnbau in der Nähe von Endorf( Oberbayern) ereignete sich Dienstag nachmittag. Eine auf einem provisorischen Damm unter Dampf ste­hende Lokomotive stürzte, da das Erdreich nachgab, um und begrub vier Arbeiter unter sich. Einer derselben, ein Deutscher, war sofort tot, ein zweiter, ein Jtaliener, wurde tödlich verletzt, während die beiden anderen mit schweren Knochenbrüchen und durch das aus dem Kessel strömende heiße Wasser schwer verbrüht hervorgezogen wurden.

Ein Veteran des Berliner Verkehrs. Jahrzehntelang war der Kremfer" in Berlin ein angesehenes Gefährt. Nicht nur bet gelegentlichen Ausflügen wurde er benutzt, son­dern sehr oft auch als regelmäßiger Tourenwagen in den Verkehr gestellt. Eine ganze Anzahl Kremser hielt dann an bestimmten Stellen zumeist vor den Toren, um abzu­fahren, wenn der Kremser genug Fahrgäste hatte. Sind diese Betten, da die Kremser eine Art Omnibusverkehr dar­stellten, längst vorüber, so wird der Gebrauch des Krem­fers auch bet gelegentlichen Ausflügen immer mehr einge­schränkt. Dies haben die großen Verkehrswandlungen bewirkt, die Ringbahn, die Einrichtung des weitverzweigten Vorortverkehrs, die Anlagen immer neuer Straßenbahn­linien und nicht zuletzt die große Ausbreitung des Fahr­rades. Nur bei den sogenannten Fabrikslandpartien und bei Ausflügen kleinerer Gesellschaften wird der Kremser febt noch benutzt. Mit einer Kapelle" und einem Faß Bier, das unter dem Wagengestell schwankt, fahren dann dte alten Wagen hinaus in die Umgebung und wenn dann abends betm Heimweg bunte Lampions angezündet werden, kann sich der Kremser wohl noch einmal über seine Ver­wendbarkeit täuschen. Aber dann steht er wieder tage­und wochenlang auf engen, finsteren Höfen zwischen al­tem Gerümpel und sucht sich mit seinem traurigen Schick= sal, vergessen zu sein, auszusöhnen.

Wissenschaft, Kunst und Literatur.

Ansteckung durch geheilte Diphtheriekranke. Fast noch wichtiger als die fortgeschrittene Heilbarkeit ansteckender Krankheiten ist die Sorgsamkeit, die auf die Verhütung wei­terer Ansteckungen durch die Erkrankten verwandt wird. Es gehört daher zu den strengsten Regeln der Krankenhäu­ser, ihre Pfleglinge nicht früher zu entlassen, als bis sie feine Gefahr mehr für die Umgebung darstellen. Diese Absicht wird in ihrer Wirkung freilich zuweilen dadurch verhindert, daß die Ansteckungsgefahr länger bestehen bleibt, als es nach dem Befund der Fall zu sein scheint. Am meisten gefürchtet ist die Verschleppung von Krankheits­feimen trotz aller Fürsorge bet Scharlach. Die Ansteckung durch entlassene Kranke ist nicht nur verhältnismäßig häu­fig, sondern in einem erheblichen Teil der Fälle lebensge= fährlich. Im Vergleich dazu steht es mit der Diphtherte in dieser Hinsicht besser, aber doch auch nicht so, daß man darüber hinwegsehen könnte. Professor Sörensen, der Leiter eines großen Krankenhauses in Kopenhagen, hat darüber in der ,, Münchener Medizinischen Wochenschrift" etne dankenswerte Aufklärung gegeben. Er hat in einem Jahrzehnt 82mal die Erfahrung gemacht, daß entlassene Diphtheriekranke zur Entstehung neuer Krankheiten die Veranlassung gewesen waren. Meist wurden die Neuerkrankten 4 bis 12 Tage nach der Entlassung der ersten eingeliefert. Zuweilen aber verlief eine weit längere Zeit, bis zu mehr als einem Monat. Dieser Umstand läßt sich nur dadurch erklären, daß jemand, der die Diphtherie überwunden hat, auch dann noch eine Ansteckungsgefahr bedeutet, wenn Diphtherieba­zillen durch die gewöhnlichen Mittel der Untersuchung nicht mehr entdeckt werden können.

Jm Sultanpalaft von Fez.

Der Weltreisende Pierre Loti ist auf seinen Fahrten auch nach Fez gekommen und beschreibt nun die Eindrücke, die er von dem Sultanpalast dieser Stadt gewonnen hat, auf die gegenwärtig die Blicke ganz Europas gerichtet sind. Die Zugänge des Palastes zeigen Mauern und nichts als Mauern. Es gibt eine ganze Reihe von finsteren Höfen dazwischen, die leer und groß wie Manöverfelder sind und beinahe eng erscheinen, so hoch sind die Mauern. Um von thren Abmessungen einen wirklichen Eindruck zu bekom­men, muß man die Menschen betrachten, seltene weiße Er­scheinungen, die sie durchschreiten, und die unendlich ver­tleinert aussehen. Als ich und mein Begleiter anfamen, ging die Sonne schon unter, und der erste der Gürtelhöfe war schon voll Schatten. Die düsteren, hohen Mauern, die alles verdecken, sperren plößlich das Licht ab, wie ungeheure Schirme. Mit ihren spitzen Krönungen machen sie einen drohenden Eindruck. Mitten in der hinteren Mauer ist ein spitzbogiger Torweg, der weiter in die Tiefe der Höfe führt, flanktert von viereckigen Türmen, mit Steinspißen gekrönt. Der Boden des Hofes ist mit Steinen, mit Abfall, mit Knochenresten und mit Löchern geradezu übersäet. Zwei oder drei Kamele gehen darin auf die Suche nach spärlichem

Grase und sehen ebenfalls winzig aus. In einer Ecke ver­loren ist ein Lager von Zelten aufgeschlagen, das wie ein Pygmäendorf aussieht, und drei burnusbekleidete Gestalten, die gerade aus der Finsternis des großen Tors hervor treten, fommen mir wie Liliputaner vor. In der Luft schweben die unvermeidlichen Störche, die das Viereck freu= zen. Tausende, viele tausende von Vögeln hocken in Klumpen auf den Mauern, drängen und stoßen aneinander, Flettern übereinander und bilden wimmelnde Haufen, wie im Sommer die Mücken.

Ich wende mich zum Tor im Hintergrunde, durch das ich in den zweiten Hof gelange, der gewöhnlich lebhafter ist, wo sich jeden Tag die weiß gekleideten Wefire aufhalien, die dem Volke Recht sprechen..... O! diese arabischen Tore, deren rätselhafte Zeichnungen unendlich wechseln wie soll man den Reiz schildern, den ihr bloßer Anblick ge­währt, diese religiöse Melancholie, die Träume der Ver­gangenheit, die sie auslösen; aus der Umgebung der Mau ern hervorstechend, mit ihrer spitzbogigen, festonierten oder runden Form haben sie ein unbeschreibliches Etwas an sich, das ich immer von feinen geometrischen Ornamenten m rahmt gefunden habe. Der nächste der Gürtelhöfe, wohin dieses Tor durch eine dunkle Wölbung hindurch führt, ist ebenso groß, so mächtig wirkend und so düster wie der erste. Hier sind aber, wie ich erwartet hatte, viele Menschen, in den Zugängn zahlreiche Pferde und Maultiere mit Sattel­stühlen. Im Hintergrunde, unter den alten, nischenbilden­den Bogen, walten die Minister im Winde, mit Hilfe von wenigen Schreibern und sehr wenig Papier, ihres Amtes. In einer dieser Arkaden ist der Kriegsminister, in einer anderen erläßt der Justizminister Urteile, gegen die es fei­ne Berufung mehr gibt; um ihn herum zerteilen Soldaten mit fräftigen Stockschlägen die Menge, und die Angeklagten, die Kläger und die Zeugen werden ohne Unterschied alle auf gleiche Art ihm vorgeführt, indem zwei athletisch ge­baute Soldaten sie beim Kragen fassen und vor seinen Stuhl schleppen.

Weiter wagte Loti sich nicht, weil ihm das Gelände für einen Christen nicht besonders sicher schien. Uebrigens war, wie er hinzufügt, zur Zeit seiner Ankunft das eigentlich Sehenswerte schon vorbet. Die Minister bestiegen, unter­stützt von Dienern, einer nach dem andern ihre Maultiere, um heimzureiten. Mit ihren weißen Bärten, den langen, weißen Gewändern, den langen, weißen Schleiern, die sich von den roten Sätteln der hellen Maultiere abhoben, deren jedes vier weißgekleidete Diener führten, sahen sie prächtig aus, wie alte Propheten.

Drabtnachrichten und neuestes.

Der Kaiser in Wiesbaden.

Wiesbaden, 10. Mat. Der Kaiser, der mit Gefolge gestern abend im Hofzuge von Metz nach Wiesbaden abge­reist war, ist heute morgen 8 Uhr hter eingetroffen. Auf der Fahrt nach dem Schloß überreichten aus Anlaß des heute hier stattfindenden Blumentages zwei Kinder dem Kaiser Kornblumensträuße.

Niederlage der Kabylen in Marokko. Madrid, 10. Mai. Aus Tanger wird gemeldet: Nach einem Funkentelegramm aus Rabat griffen etwa tausend Kabylen gestern vormittag die Kolonne des Generals Mot­nier an, wurden aber mit schweren Verlusten zurückge­schlagen.

Blutige Straßenkämpfe in Merifo.

El Paso, 10. Mai. Bet dem Angriff auf Juarez ent­wickelten sich verzweifelte Straßenkämpfe. Die Aufständi­schen drangen von allen Seiten in die Hauptstraßen ein. Die Verteidiger feuerten aus Fenstern und Türen. Der Kommandant Iteß auf den Hauptstraßen und Straßenfreu­zungen Maschinengewehre aufpflanzen. Die Zahl der Tv­ten wird bereits auf 300 geschätzt, darunter 15 amerikanische Mitkämpfer.

El Paso, 10. Mai. Die Aufständischen haben Jua­rez in Brand gesteckt. Da scharfer Wind weht, greift das Feuer schnell um sich und ist meilenweit zu sehen. Die Aufständischen setzen den Kampf fort.

Washington, 10. Mai. Der Umstand, daß der Füh rer der Aufständischen Madero die Gewalt über das Re­bellenheer verloren hat, verursacht hier große Unruhe. Wie aus San Diego in Kalifornien gemeldet wird, haben die Aufständischen einen Teil der merikanischen Stadt Tiajuana in Brand gesteckt. Auf beiden Seiten sind die Verluste groß. Folgenschwerer Theaterbrand in England.

London, 10. Mai. Bei einem Brande des Empire­Palast- Theaters in Edinburg sind mehrere Personen um­gekommen. Bisher wurden sieben Personen aus den Trüm­mern geborgen. Das Feuer hatte sich auf den hinteren Teil des Gebäudes beschränkt, der zusammenstürzte und mehrere Personen unter seinen Trümmern begrub. Schwerer Grubenunfall.

Zabrze, 10. Mai. Gestern abend wurden auf der Konkordiengrube sechs Mann durch niederbrechendes Ge­stein verschüttet. Drei Mann wurden getötet, die andern schwer verletzt. Eine serbisch- russische Familienallianz? Belgrad, 10. Mai. In serbischen Kreisen erhält sich das Gerücht über die für den Herbst bevorstehende Ver­lobung des serbischen Kronprinzen mit einer russischen Prinzessin.

Bandel und Verkebr.

Frankfurt, 8. Mai. Viehmarktpreise vom 8. Mat. Preise für 1 Zentner: Rinder: A. Ochsen: a) vollfleischige, ausgemästete höchsten Schlachtwertes, höchstens 7 Jahre alt ( Lebendgewicht) M 51-56,( Schlachtgewicht) M 93-97, die noch nicht gezogen haben( ungejocht)( Lebendgewicht) M bis M,( Schlachtgewicht) Mbis- M, b) junge flei= schige, nicht ausgemästete und ältere ausgemästete( Lebend­gewicht) M 46-50,( Schlachtgewicht) M 83-91, c) mäßig ge= nährte junge, gut genährte ältere( Lebendgewicht) M 42 bis 45,( Schlachtgew.) M 77-83. B. Bullen: a) vollfleischige ausgewachsene, höchsten Schlachtwertes( Lebendgew.) M45 bis 48,( Schlachtgew) M 75-80, 6) vollfleischige jüngere ( Lebendgew.) M 39-44,( Schlachtgew.) M 65-73. C. Färsen und Kühe: a) vollfleischige, ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwertes( Lebendgew.) M 45-50,( Schlachtgew.) M 81 bis 89, b) vollfleischige ausgemästete Kühe höchsten Schlacht wertes bis zu 7 Jahren( Lebendgew.) M 43-47,( Schl gew.) M 80-84, c) 1. wenig gut entwickelte Färsen( Lebend­gem.) M 40-43,( Schlachtgew.) M 77-83, do. 2. ältere aus­gemästete Kühe und wenig gut entwid. jüng. Kühe( Le­bendgew.) M 37-42,( Schlachtgew.) M 69-78, d) mäßig ge= nährte Kühe u. Färsen( Lebendgew.) M 30-36,( Schlacht­gew.) M 60-72, e) gering genährte Kühe und Färsen( Le­bendgew.) M 20-27,( Schlachtgew.) M 46-61. Kälber: a) Doppellender feinste Mast( Lebendgew.) M 00-00,( Schlacht­gew.) M 00-00, b) feinste Mast-( Vollmilch- Mast) und beste Saugkälber( Lebendgew.) M 59-63,( Schlachtgew.) M 92 bis 98, gering. Saugfälber( Lebendgewicht) M 50-68, ( Schlachtgew.) M 85-90. Schafe: A. Stallmastschafe: a) Mastlämmer und füngere Masthämmel( Lebendgew.) M 43 bis 46,( Schlachtgem.) M 90, b) ältere Masthämmel und gut genährte Schafe( Lebendgew.) M( Schlachtgew.) M Schweine: a) vollfleischige Schweine von 80 bis 100 Kilo gramm Lebendgewicht( Lebendgew.) M 47-49,( Schlachtgew.) M 60-62, 6) vollfleischige Schweine unter 80 Kilogramm Lebendgewicht( Lebendgew.) M 47-48,( Schlachtgem.) M.60 618 61, c) vollfleischige Schweine von 100-120 Kilogramm Lebendgewicht( Lebendgew.) M 47-49,( Schlachtgew.) M 50 bts 61, d) vollfleischige Schweine von 120-150 kilogramm Lebendgewicht( Lebendgew.) M 46-48,( Schlachtgew.) M 57% 616 60.