Ausgabe 
11.2.1911 Zweites Blatt
 
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unter den Indianern.

Ein Wüstenschis.

Wenn Garry jetzt ist er tot seine Memoiren hinterlassen hätte, so würden sie einen enormen Absatz gefunden haben. Oft erzählte er uns etwas aus seinem Leben. Bei den Puyallups habe ich auch einmal den berüchtigten Geistertanz" gesehen, ein etwas fragwürdiger choreographischer Genuß. Denn die halbnackten, grell bemalten und mit Adlerfedern geschmückten roten Gestalten springen wie die Besessenen herum. Dabei er­zählt jeder der Tanzenden seine glänzendsten Taten usw, wovon wir natürlich kein Wort ver­standen Originell war die Begrüßung bei den Puyallups. Näherte man sich z. B. dem alten Garry, so erhob er die rechte Hand mit der Fläche nach vorn, streifte dann mit derselben Hand von links nach rechts über die Stirn und noch einmal von rechts nach links über den Hals. Das bedeutete den Friedens­gruß". Ihre Toten nähen die Puyallups zuerst in Felle ein, dann werden die Leichen in eine Sängematte gelegt, die sich ungefähr drei Meter vom Erdboden befindet und durch Stangen gehalten wird. Andere Stämme, wie auch die Chippewas, begraben ihre Toten

nur

Die

in einen hohlen Baum und be­lassen sie dort, bis nur noch das Skelett übrig ist; dann wird dieses regelrecht begraben und die Stelle durch Kriegs. trophäen bezeichnet Puyallups haben eine eigen artige Vorstellung vom Leben nach dem Tode resp. dem Paradies oder ,, ewigen Jagdgefilden". Die Guten verbringen nach ihrer Ansicht dort die Zeit mit Tanzen, Spielen und Singen und leben von Champignons", die dort in Bülle und Fülle wachsen sollen. Die Schlechten werden gepeinigt und gequält und mussen, in wilde Tiere verwandelt, Disteln fressen. Steht die Hopfenernte be­vorim Staate Washington befinden sich ausgezeichnete Hopfenfelder dann zieht der Puyallup mit seiner Familie auf die Sopfenfelder und pflückt Sopfen. Die Ernte findet mit einem indianischen Ernte­fest" ihren Abschluß Durch die Beteiligung an der Hopfenernte verdienen die Indianer für ihre Verhältnisse ein schönes Stück­chen Geld. Die Mütter tragen ihre Babys" in einer furiosen Schaufelwiege. Das Baby wird auf ein mit Fellen oder Moos gepolstertes Brett gelegt und durch Riemen oder Bänder festgeschnallt. Am Kopfende des Brettes ist ein Bügel ange bracht, über den man ein Tuch oder Fell spannen kann, das das

"

Kind vor der Sonnenhite schützt. Diese Wiege" ist für die Mutter sehr praktisch. Will sie das Kind forttragen, so nimmt sie das Brett einfach auf den Rücken. Ist sie beschäftigt, wie 3. B. beim Hopfenpflücken, so kann sie die Wiege einfach an einen Baum oder eine Wand lehnen oder sonstwo aufhängen.

Ich bin unter verschiedene Stämme gekommen, habe jedoch gefunden, daß die Lebensweise und die Gewohnheiten der ein­zelnen Triebe nicht viel voneinander abweichen. Die Pueblo­

zu­

Indianer" im Felsengebirge schienen mir am unzugäng­lichsten. Als ich auf einem Ausflug nach den sogenannten " Cliff Dwellings" im ,, Manros- Canon", die etwa zwanzig englische Meilen von Manros- Station" gelegen sind, mit einem Trupp Pueblo­Indianern unvermutet sammentraf und die eigen­tümlichen" Blicke dieser Gent­lemen gewahrte, wurde ich doch etwas nervös" und brachte meine Hand in engen Kontakt mit meiner Sattel­tasche, in der sich mein Re­volver befand. Auch unser Führer, ein Salf- breed, meinte: " Den Brüdern ist niemals zu trauen" Einen geradezu harm­losen Eindruck dagegen machten die Seminolen in Florida, die zutraulich und von einer köstlichen Naivität waren.

Zum Schluß noch ein Wort über die Vertreibung Cherokee Indianer der aus ihrer einstigen Heimat. Als im Jahre 1815 ein kleiner Junge am Chestateefluß zufällig ein Körnchen Gold fand, war für den Staat Georgia das Signal gegeben, sich das ganze Gebiet östlich von Chestatee anzueignen Nach vier Jahren war dort kein Cherokee mehr zu sehen. Als später( 1826) auch am Ward's Creet, einem west­lichen Zweig des Chestatee, Gold gefunden wurde, war das Schicksal des unglücklichen Volkes endgültig entschieden. Der im selben Jahre erwählte Präsident Andrew Jackson war ein wütender Indianerhasser, der vor keinem Mittel zurückschreckte, wenn es galt, den roten Mann zu unterdrücken. Nachdem am 28. Dezember 1828 in Georgia ein Gesetz erlassen war, laut dem das in ihrem Staats­gebiet liegende Territorium der Cherokees als Eigentum des Staates Georgia erklärt wurde, begannen jene Feindseligkeiten gegen die Cherokee, die in der Weltgeschichte wohl kaum ihres­gleichen haben dürften. Nicht weniger als 18000 Indianer wurden zwangsweise nach dem Westen deportiert.

Ein Indianerveteran.

Ein Wüstenschiff.

em bisherigen Wüsten- Monopol der Kamele ist ein Ende bereitet worden. Ein erfinderischer Yankee- Kopf hat ein neues Mittel erfunden, die Wüste zu durchqueren, ein Ve­hikel, in dem es sich bequemer und sicherer reisen läßt, als auf dem schaukelnden Rucken der zweihöckrigen Trampeltiere. Allerdings fann das neue ameri­kanische Wüstenschiff nur bei einem günstigen Winde Ver­wendung finden, weil, wie aus unserem Bilde zu ersehen ist, die Fortbewegung des Schiffes von der Bewegung der Segel abhängt. Die Kamele sind da­her immer noch im Vorteil, weil ihre Transportfähigkeiten nicht vom Wetter abhängig sind. Das amerikanische Wüsten­

F. B.

schiff, mit dem bereits erfolgreiche Versuche in der kalifornischen Wüste Mogave angestellt worden sind, ist ein auf ungleichen

Rädern ruhendes Halbboot mit einem Vor- und Hintersegel. Während sich der Schiffsmast" zwischen den höheren Vorder­rädern des Vehikels befindet, wird die Steuerung des, Wüsten­bootes" von seinem hinteren Teil ausgeführt

Das amerikanische Wüsten­schiff gewährt einen sehr grazi­ösen Anblick und faßt eine größere Anzahl von Personen. Richtig genommen verdient die Erfin­dung nur ein sportliches Interesse, denn als ein wirkliches Trans­portmittel durch die Wüste kann es nicht ernsthaft in Be­tracht gezogen werden.

Monte Carlo.

Napoleons I., die berühmte Route de Corniche", fahren, eine Reise, die unter 60 Francs kaum zu machen war, oder er mußte einen alten Dampfer, die Palmaria", benutzen, dessen Kapitän, wenn das Wetter zu schlecht war, oder wenn sich die nicht genügende Anzahl Teilnehmer fanden, die Fahrt beliebig auf einen anderen Tag verschob. Mr. Blanc sorgte auch hier bald für einen neuen Damfper Charles III." und für bessere Verbindung.

Man fuhr von Nizza aus in drei bis

vier Stunden hinüber" und landete

im Hafen von Monaco. Die Rück­

fahrten fanden abends um elf Uhr statt, und Leute, die solche noch mitgemacht haben, erzählen von herrlichen Nächten unter Ster­nen und Mondenschein.

Zu diesen ersten Zeiten Blancs spielte man auch noch mit Spielmarken, und der ge­ringste Einsatz am Roulette betrug zwei Francs und am Trente- et- quarante fünf Francs. Die Spielmarken aus versilbertem Kupfer trugen die Inschriften ,, Cercle de Mo­naco" auf der einen und ,, Je­ton de deux Francs" auf der anderen Seite und hatten

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Stücke hören und gibt alle Wochen klassische Konzerte, in welchen die Symphonien der großen Tonmeister, die Meister­werke Wagners und der modernen Komponisten, aber auch die ersten Blüten junger französischer Talente zum Vortrag

kommen.

Wen das Spiel nicht in Versuchung führt, der wird die glänzenden Säle des Kasinos wie diejenigen eines Museums Surchschreiten, wirft aber sicher nebenbei einen verstohlenen Seitenblick auf diese geschäf­tige, fiebernde Menge mit glühenden Wangen, die beständig kommt und geht und sich um die Spieltische drängt.

Blick auf Monte Carlo.

Im Vordergrund der Taubensaießstand, darüber das Kasino von Monte Carlo, lints oben das Grand Hotel Regina, das mit Monte Carlo durch Zahnrad­bahn verbunden ist.

an der ganzen Reviera beinahe Münzwert. Von der Pariser Münze hatte man 200000 Stück herstellen lassen, als man aber eines schönen Tages Kassa machte, entdeckte man plötzlich einen Bestand von fast 300000. Der Rest war in dem französischen La Turbie" oberhalb Monte Carlos von

einer

Falschmünzerbande fabriziert! Die Spiel­marken verschwanden und zugleich wurden die heute noch bestehen­den Einsätze firiert.

Der Aufschwung Monte Carlos steigerte sich natürlich noch mehr, als die Eisenbahn an­gelegt war, und wenn früher die Croupiers nach Spielern Aus­schau gehalten haben, heute werden sie fast erdrückt von der Masse, die sich um die Spiel­tische drängt.

Man

Monte Carlo hat seine jährliche Kunstausstellung, die mit zahlreichen auserlesenen, modernen die Werke der alten Kunst vereinigt. Der Kunst­palast, in welchem sie statt­findet, enthält ebenfalls einen Theatersaal, wo die Meister des Vortrags Lorbeeren ernten.

Monte Carlo!- Schon der Name ruft die berückende Schönheit von Monte" in uns wach, wie es hingebettet liegt an der Côte d'Azur, wo See und Himmel um den Preis des Azurs streiten, und wenn die Sonne strahlend aus dem Meere emporsteigt, sie die Küste von Monaco bis Bordighera grüßt. Garten reiht sich an Garten; hängende Rosen, leuchtende Nelken, tiefvioletter Heliotrop und üppige Mimosen schütten ihren Duft über uns aus. Un

Das Kasino von Monaco.

schätzt die Zahl der jährlichen Besucher, von denen sich ein nicht geringer Teil mit dem Expreßzuge des Nord­deutschen Lloyd an die Riviera begibt, auf nahezu In dem auf das herrlichste ausgestatteten eine Million. Kasino, inmitten paradiesischer Gärten, das nach den Plänen Garniers, des Erbauers der Großen Oper in Paris, er­richtet ist, sieht man heute gekrönte Häupter inmitten der elegantesten Welt der Welt".

Dort treten die berühmtesten Schauspieler und Opern­fänger auf. Ein Orchester von 120 Musikern läßt die besten

dem Felsen von Mo­naco schlingen sich die Wege unter den Stein­eichen an den mit Kakteen und Aloe überwucherten Gehän­gen hinauf, und unten wandelt sich die tief­blaue Flut in weiß­schäumenden Gischt. Dazwischen aber hasten die Menschen, kaum gewahr werdend all der Schönheit. Sie eilen dahin zu dem blendenden Bau, dessen Türme weithin leuchten, und verschwinden hinter den Türen, wo die

Stille nur von dem klappernden Geräusch des Goldes unterbrochen wird. Eine Wolke süßlichen Parfüms und schwerer Luft umfängt den Eintretenden. Elegante Frauen rauschen in Glanz und Schönheit vorüber, stille, ehrbar dreinschauende Männer sitzen Stunde um Stunde am Spiel­tisch, um zu ergründen, welchen Weg die kleine Kugel jetzt und dann nehmen wird, und wie sie wohl am besten setzen. Ein Neu­ling legt schüchtern das erste Fünffrankenstück auf Rouge, erregte Augen blitzen über den Tisch, das Gold rollt, und die Scheine fliegen. Das ist Monte Carlo in Reichtum und Genuß.