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Die Kur.
Die Kur.
Von V. Ratosi.
Seit meiner Studienzeit bin ich Staatsbeamter. Die Stelle im Ministerium ist mir in den Schoß gefallen, weil mein Vater gerade in dem Bezirk über 200 Stimmen verfügte, welcher so liebenswürdig war, dem Minister ein Mandat zu übertragen. Doch mein Avancement ging sehr langsam vonstatien. Wir waren viele, die für eine Beförderung vorgemerkt waren, aber es waren leider einige darunter, deren Vater über 300 Stimmen, ganze Bezirke, ja sogar Komitate verjügen konnten. Nichtsdestoweniger war ich nicht unzufrieden. Ich konnte von meinem Gehalt recht anständig leben, weil mein Smoting und Frack immer in Ordnung und ich somit bei den Jours immer meinen Mann stellen konnte.
Im Winter kostete mich das Abendessen keinen roten Heller. Pogatscherln, Sandwichs, Bismarckbrot war meine tägliche Kost, in Gesellschaft mehrerer chalen Tee. Die im Ministerium angestellte Jugend hielt zusammen und hielt zu Beginn der Saison eine Sitzung ab, in der gewöhnlich die Rollen verteilt wurden. Die wohlhabenderen jungen Leute nahmen auch an den bescheidensten Jours teil. Uns wurden jene Familien überlassen, die Schinken und kaltes Roastbeef auftischten. Dieses angenehme Le ben nahm jedoch durch meine Erfrantung eine traurige Wendung.
Sonderbar! Ich war schon sehr oft in meinem Leben nervös gewesen. Auch Magenbeschwerden hatte ich schon gehabt, namentlich, wenn ich auf nüchternen Magen 25-30 Sandwichs verzehrt hatte. Aber sonst war ich gesund wie ein Fisch im Wasser. Plößlich wurde ich krant; es war keine Nervosität, ich hatte auch keine Magenbeschwerden, und doch sagte der Arzt, ich hätte ein nervöses Magenleiden. Jch tat, was ich als fleiner Beamter mich niemals getraut hätte zu versuchen; ich verlangte einen Urlaub. Meine Kollegen lachten mich aus. Probier's nur, es fann dir nicht nützen und nicht schaden," sagten sie mir. Daß ich wegen eines nervösen Magenleidens Urlaub bekomme, war ganz und gar ausgeschlossen. Man wußte ja, daß das Ganze nur auf Einbildung beruht. Doch ich ließ mich nicht abschrecken und reichte mein Gesuch ein.
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„ Das
Sie werden ihr Leben lang dieses schwere Joch schleppen..."- „ Ich möchte aber doch einen Versuch machen..." tönnen Sie fun..."
Rodelfahrt.
Und während die Leute draußen ungeduldig warteten, war der Minister so licbenswirdig, alle Symptome seines Leidens aufzuzählen. Ich frohlockte. Das nervöse Magenleiden war Wir der Faden, der mich an den Exzellenzherrn knüpfte. sprachen davon, wie von einem gemeinschaftlichen Freund Der gute Gott tut doch nichts umsonst, und in seiner Hand entspringt auch dem Ungluck unendlicher Segen Ganz stolz begab ich mich in mein Zimmer: ich hatte ja etwas, was im ganzen Ministerium nur noch der Miister hatte; es war nicht eitler Rang, auch nicht ein vergänglicher irdischer Schatz( wie ein hohes Gehalt), nicht Popularität oder allgemeine Wertschätzung, sondern ein nervöses Magenleiden. Am nächsten Tage ließ mich der Minister wieder rufen und erkundigte sich, wie ich diese Nacht zugebracht habe. Als ich, ohne viel Federlesens zu machen, dankend gestand, daß ich die Nacht elend verbracht habe, spiegelte sich auf seinem Gesicht eine schwache Schadenfreude. Er dankte nicht, aber auch er hatte die Nacht elend zugebracht.„ Echauen Sie, Laschka, ich gebe Ihnen mehr als Urlaub. Ich gebe Jh..en ein Empfehlungsschreiben an meinen Arzt."- 3u demselben, der den Exzellenzherrn nicht furieren fonnte?"- ,, Zu demselben. Er behandelt jetzt nach einem neuen Seilverfahren." Exzellenz haben schon einen Ver. Nein, lieber such gemacht?" Laschka... Es ist noch von nieSie mandem erprobt worden werden der erste Patient sein... Sie werden das Versuchskaninchen sein... Von Ihnen wird man in allen europäischen Fad blättern sprechen... Sie werden auf dem Felte der Wissenschaft eine lei chtende Fadel sein Sie werden auch noch in späteren Jahrhunder." 20: Glück ten zuiert werden... ganz vernichtet, stand ich da, und ich erholte mich erst, als der Minister fortsetzte:
Komm! Schmieg' dich ganz nahe an mich an! Flechte die Arme mir fest um die Brust! Wie ein Silberband leuchtet die glitzernde Bahn Tannengesäumt in lautloser Luft.
Fertig!!
Leise knirschen die Kufen im Schnee, Langsam regt sich der Schlitten zum Flug, Schneller und wilder... herab von der Höh'! Fernen und Grenzen wie ein Trug
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Heraus aus dem schwarzen, tanzenden Wald, Die freie Bahn blitzt im Mondenlicht Und ich fühle deine junge Gestalt, Und dein Atem kost mein erhitztes Gesicht.
Und der Sturm springt uns nach und heult und bellt, In rasendster Fahrt fliegt der Schlitten zum Grund; und hält. Ins träumende Dörfchen, und stöhnt Liebling, küss' mir den heißen Mund!
Am nächsten Tage stürzte der Diener mit der Botschaft zu mir herein, der Minister wünsche mich zu sprechen. Dieses Glück hatte ich noch niemals, und so läßt es sich denken, daß ich über Hals und Kopf zum Minister eilte. Es war Audienzstunde, und es warteten viele Leute im Wartezimmer. Nichtsdestoweniger wurde mir sosort Einlaß gewährt.
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Der Minister erhob die Hand, in welche meine Zukunft gelegt war und drückte meine Rechte. Sie verlangen Urlaub?" fragte er, mich teilnahmsvoll musternd. Ich bin so frei..." ,, Und wirklich haben Sie ein nervöses Magenleiden?" , Wie sind Sie dazu gekommen?"-„ Ich „ Ja, Exzellenz!" habe keine Ahnung."" Und was sind die Symptome?" ,, Exzellenz zweifeln vielleicht..." ,, Ach nein, ich interessiere " Ich kann nicht effen."- Auch ich nicht." mich dafür." " Ich kann nicht schlafen."- Auch ich nicht."-" Ich kann nicht arbeiten." ,, Auch ich nicht."" Infolgedessen bin ich sehr nervös, und habe weder bei Tag noch bei Nacht Ruhe." " Der Minister erhob sich, ging einigemal auf und ab und fagte dann:
„ Ja, das ist ein nervöses Magenleiden. Daran leide auch ich." " Wie, Exzellenz?"
Der Minister nickte traurig mit dem Kopfe.„ So ist es, junger Freund. Als Minister habe ich mir dieses Leiden zugezogen. Es ist sicher, daß ich ein ganz anderes Leben führe, als Sie, und doch habe ich es bekommen. Machen Sie sich, junger Freund, keine besonderen Hoffnungen. Sie werden niemals gesund werden..."
„ Wie, ich bekomme also feinen Urlaub?"-„ Aber ja, ich wollte Sie nur aufmerksam machen, daß alles vergebens ist.
Hans Herbert Ulrich.
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,, An der Kassa beheben Eie mit dieser Anweisung 200 Kr. Sie verdienen diese außergewöhnliche Unterstützung. Sie hatten ja noch niemals Urlaub überglücklich taumelte ich h.naus. Am nächsten Tage meldete ich mich beim Arzt. Am druten Tage hatte die Kur begonnen. Das Heilverfahren war nicht sehr amüsant. Um sechs Uhr wurde ich aus dem Bette gerüttelt und in kalte Decken gehüllt. So mußte ich zwei Stunden lang liegen Kaum war ich in Schweiß geraten, wurde ich mit Eiswasser begossen, und so wurden meine Glieder wieder starr. Dann wurde ich wieder mit trockenen Tüchern gerieben, bis mir das Blut herausspritzte, dann wurde eine Migenmasseg: vor. genommen. Zwei zu diesem Zweck abgerichte e Ringtampfer bearbeiteten nich so sehr, daß ich mich zwei Tige lan, nicht rühren konnte. Die Exzellenz besuchte mich ost; wir gingen täglich zusammen spazieren und er erfundigte sich sehr eingele.id über die Wirkung der Kur. Die Wirkung war brillant. Nach Verlauf eines Monats schlief ich wie ein Murmeltier, aß wie ein Burstenbinder. Mein Glück wurde auch dadurch noch gesteigert, daß ich indessen ein Liebling des Ministers ce.vorden war. Das nervöse Magenleiden hatte den Grundstein zu men er Kariere gelegt. Nach beendetem Urlaub kehrte ich wie ein siegreicher Seerführer, mit heiler Haut, als Freund des Ministers ins Amt zurück. Der Minister stürzte sich mit geschlossenen Augen in den Strudel der neuen Kur und machte alle Qa en durch, die ich ertragen mußte. Allein, er war nicht so gluctl.ch wie ich. Und er ist von seinem Leiden nicht befreit worden! Mürrischer als zuvor kehrte er ins Amt zurück. Von meiner Eristenz hat er niemals mehr Notiz genommen. Der eige Faden, das nervöse Magenleiden, war entzweigerissen erau i}, aber gesund sente ich den Kopf über den Schreibtisch. wäre ich nicht kuriert worden, so könnte ich schon Ministerialrat sein.
Unter den Indianern.
Unter den Indianern. Persönliche Erinnerungen.
Die Völkerkunde pflegt überall da, wo sie dem Publikum vor Augen tritt, das größte Interesse zu finden; um so erstaun licher ist es, daß man wirklichen ethnographischen Kenntnissen nur selten begegnet. Nur eine Völkergruppe macht da eine Ausnahme: die Indianer. Vielleicht spielt dabei der Eifer eine Rolle, mit dem man in
jungen Jahren die Romantik wilder Indianergeschichten verfolgte. Selbstverständlich entsprechen die Vorstellungen, die dadurch von dem Leben und Treiben der Indianer hervorgerufen werden, in den seltensten Fällen der Wirklichkeit. Die Internationale Hy. giene Ausstellung, die in diesem Jahre in Dresden abgehalten wird, will sich durch Vorführung einzelner Objekte hier das Verdienst erwerben, die Kultur dieses vom Tode gezeichneten Volkes zu illustrieren. Aus diesem Grunde wollen auch wir uns heute einmal mit den Indianern beschäftigen.
Die Indianerzeiten, die uns Fenimore Cooper so wunderbar in
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schlägt gut an. Die Kinder in den Schulen machten durchweg einen guten Eindruck; sie zeigten sich aufmerksam, fleißig und wißbegierig Kurios sah es aus, wenn die tleinen roten Finger mit dem Griffel auf der Schiefertafel herumhantierten. Allerdings kommt es vor, daß solch ein an Freiheit gewöhntes Bürschchen durchbrennt.
Indianermädchen im Festkleide.
seinen Lederstrumpf- Erzählungen geschildert hat, sind heute vorbei, denn das unerbittliche Schicksal hat es gewollt, daß aus dem amerikanischen Wilden ein gesetzter Bürger aus dem roten Krieger ein arbeitssamer Mensch geworden ist. Der einst so verschlungene indianische Pfad ist in den breiten Weg der Zivilisation gemündet, und die Urbewohner der Vereinigten Staaten sind heute gezwungen,
unter gänzlich anderen Verhältnissen zu leben wie zu den Zeiten, in denen die Rothäute noch zu den gefürchtetsten Gefahren gehörten.
Vor wenigen Jahren hatte man noch bezweifelt, daß sich der Indianer jemals an die Zivilisation gewöhnen würde, denn die ersten Indianerschulen erzielten nicht die erhofften Resultate. Aber nach und nach verfehlten der Triumph der Zivilisation, die Macht des Reichtums und die Wunder der Industrie auch auf den roten Mann ihre Wirkung nicht. Er wurde auf einmal von dem brennenden Wunsch erfaßt, es den Blaßgesichtern gleich zu tun und sich ihre Errungenschaften zu eigen zu machen.
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wieder Denn
Wald und Prä¨ie erscheinen ihm verlockender als die harte Schulbank und das ABC. Auch ist der Voll. blut Indianer viel schwieriger zu„ kultivieren" als der soge. nannte Half breed. Unter den letzteren findet man schon viele akademisch gebildete Juristen, Die ReÄrzte usw gierung stellt jedoch beide Rassen auf eine Stufe und bringt bei ihnen die gleichen Gesetze zur Anwendung. Dies geht schon aus dem ,, Whiskey- Berbot" hervor, denn keinem Indianer oder Halfbreed darf das, Feuerwasser" verabsolgt reip verkauft werden. Die Ursache des Vertotes ist in der gefähr lichen Wirkung des
Feuerwassers" auf die Indianer zu suchen. In der Häuslichkeit ist der Indianer schweigsam, was man von seinen Squaws nicht immer behaupten fann; manche verdienen sogar den Namen Klatschbasen! Vor einigen Jahren erließ die Regierung ein Gesetz, welches den Indianern die Polygamie verbietet. Das Gesetz wird jedoch noch allen
Regeln der Kunst" und mit echt indianischer Schlauheit umgangen. Bei einigen Stämmen tun die Frauen gar nichts, bei anderen müssen sie tüchtig arbeiten. In einzelnen Industriezweigen, wie im Korbflechten, leisten die Frauen und Mädchen einzelner Stämme ganz Servor. ragendes.
Am interessantesten war es am Sonnabend nachmittag in den den Reservationen am nächsten gelegenen Städten. An diesem Tage kauften die Rothäute ihre Lebensbedürfnisse ein und famen dann mit Kind und Regel" in die Stadt. Hauptsächlich wurde versucht, den ver. botenen Whiskey einzutauschen. Die Versuchung ist gerade ſo groß für die Roten wie für die Blaßgesichter. Einen Pony oder eine gute Winchesterbüchse für ein Fläschchen „ Feuerwasser", das nur einen Wert von 3 Mart hat, einzuhandeln, ist immerhin ein Geschäft! Aber die Strafe von vier Jahren Zuchthaus, die wie ein Damoflesschwert über dem verbotenen Whiskeyhandel schwebt, gebietet dem Weizen Vorsicht. Originell ist die Reitweise der Indianerinnen; sie reiten nach Männerart, immer drei bis vier hintereinandersizzend, auf einem Pferde. Man muß über einen solchen Beritt à la Saimonskinder lächeln, aber die indianischen„ Ladies" sind vorzügliche Reiterinnen.
Verteilung von Nahrungsmitteln an Indianer durch ein staatliches Proviantamit.
Im fernen Westen bin ich selbst viel unter die Indianer gekommen und so manche Stunde einem Wigwam" verbracht. In der unmittelbaren Nähe von Pendleton, einem kleinen Städtchen im Staate Oregon, befinden sich größere Indianer- Reservationen. Oft bin ich hinausgeritten und habe im Wigwam" mit den Squaws und Kindern geschäkert, sie durch Kleinigkeiten, wie eine billige Halskette, einen unechten Ring oder Sampelmann" in große Freude versetzt und mir ihre Freundschaft erworben. Auch so manche Nacht habe ich, wenn ermüdet von der Jagd zurückgekehrt, auf einem Bärenfell im Wigwam" zugebracht.
Im allgemeinen war man mit den Resultaten, die in der auf der Reservation sich befindlichen Missionsschule erzielt wurden, sehr zufrieden. Namentlich die jüngere Generation
Interessant war es auch bei den Puyallup- Indianern im Staate Washington. Ihren alten Säugtting, den fast 80jährigen Garry, habe ich noch persönlich gekannt. Da der Greis englisch sprach, so verständigten wir uns ganz gut.
worde
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