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Nummer 4.
Welt
Illustrierte
15. Februar 1911.
O
undschau
Verlag der Gießener Verlagsdruckerei Klein& Fischer, Gießen.
Monte Carlo.
n Monaco ist jetzt die dem Fürstentum verliehene Ver
I faffung in Kraft getreten. Nicht allgemein dürfte
bekannt sein, daß Monaco früher ein Raubſtaat war. Die Geschichte erzählt, daß seine Bewohner ehemals zu den gefürchtetsten Piraten des Mittelmeers gehörten, zuzeiten der Schrecken der Meere. Der Anblick der heutigen Haupt- und Residenzstadt, die sich besonders von der Terrasse von Monte Carlo aus höchst malerisch ausnimmt, erinnert noch an jene Zeiten und an die frühere Bestimmung. Der rings steil abfallende, düstere Felsen, der die Stadt und den prächtigen Palast des Fürsten trägt, schiebt sich halbinselförmig in das Meer vor und ist durch eine tiefe Schlucht vom Festlande getrennt. So bildet er eine natürliche Festung, die nur durch eine schmale Straße, die am Hafen aufwärts durch Mauern und Tore in die eigentliche Stadt führt, zugänglich ist und den fleinen Hafen beherrscht. Indessen friedliche Zeiten verboten
das Handwerk des
Es existierte nur die alte Stadt Monaco, die außer ihrer malerischen Lage und außer ihrem schönen Klima nichts Anziehendes hatte. Dort, wo jetzt zwischen Monaco und Monte Carlo die Stadt Condamine ihr Häusermeer ausbreitet, waren nur Felder und Olivenhaine hinter wenigen Häusern am Hafen, und auf dem heute so herrlichen Felsen von Monte Carlo, damals ,, les Spelugues" genannt, weideten die Ziegen zwischen Lavendel und Thymian unter Kattus und Agavenstauden. Aber Nizza war bereits ein vielbesuchter Winterkurort der
Theater in Monte Carlo.
Räuberns. Doch verstanden es die Herrscher aus dem Hause Grimaldi, ihre Souveränität zu bewahren, die ihnen heute noch von der Republik Frankreichs garantiert wird. Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts aber verloren sie Roccabrunna und das schöne Mentone, und nun sah es um den Glanz des Herrscherhauses recht traurig aus.
Es ist nun interessant, festzustellen, daß die Idee, durch Ausbeutung der Spielleidenschaft eine neue Geldquelle zu erschließen, gerade hier auf fruchtbaren Boden fiel. An das Monte Carlo von heute freilich dachte damals noch niemand.
reichen und vornehmen Welt, und die Spekulation auf deren Zerstreuungsbedürfnis und deren Geld war nicht schlecht. Die Konzession zur Errichtung einer Spielbank war bald gegeben, aber die ersten Unternehmer Langlois und Aubert hatten kein Glück damit. Sie hatten ihre Roulette in einem Hause unweit des Hafens aufgestellt, welches heute noch als „ Villa Bellevue" existiert, und die Spielhölle führte den stolzen Namen ,, Palais de la Condamine". Aber
es fehlte an reichen Spielern; die Spielbank wechselte daher bald ihren Besitzer und kam in die Hände eines reichen Unternehmers, eines gewissen Mr. Daval.
Er konnte Kapital in das Unternehmen stecken und verlegte das Spiel in die Stadt Monaco in ein Gebäude am Place du Palais, das später zum Hôtel de Russie umgebaut wurde und jetzt als Kaserne der Leibgarde des Fürsten dient. Und Mr. Daval machte Reklame. Aber der Erfolg blieb aus. Mr. Daval verpulverte sein Vermögen und starb schließlich bettelarm in einem Hospital in Marseille.
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