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torbenen Kaiser von Oesterreich stattfand." Am 12. März 1839, Jeinem 18. Geburtstag, erreichte Prinz Luitpold die Bolljährigkeit, und wenn ernste theoretische Studien ihn für das Waffenhandwerk bis dahin vorbereitet hatten, so follte er es jetzt praktisch kennen lernen. Er wurde bereits Im 1. Artillerieregiment als Hauptmann geführt, mußte aber die militärischen Obliegenheiten von unten auf fen­nen lernen. Das geschah am 1. April 1839, dem zweiten Osterfeiertage, zum ersten Male damit, daß der Prinz mittags zwischen zwölf und zwei Uhr in Hauptmannsuni­form, aber mit der Muskete im Arm in der Dienersgasse au München vor dem Hause des Generals von Zoller Schild­wache stand. Man wird dem Biographen des jetzigen bayrischen Regenten, Professor Dr. Hans Reidelbach, gern glauben, daß dieses Schauspiel eine Menge neugieriger Menschen herbeilocte. Des Prinzen Mutter, die Königin Therese, fuhr absichtlich durch die Dienersgasse, um ihren Sohn als Schildwache zu sehen und seinen vorschriftsmä­Bigen Gruß anzunehmen. Am Abend desselben Tages be­zog der Prinz von sechs bis acht Uhr die Wache von neuem, und diesmal drängten die guten Münchener Bürger so nahe an ihn heran, daß er Mühe hatte, sich ihrer zu er wehren. Für den militärischen Sinn des Prinzen( pricht es, daß er ein besonderes Zimmer, das man ihm für die Nacht anbot, ablehnte und mit den übrigen Wachtmann­schaften auf hölzerner Lagerstätte schlief.

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Aus den Märchen des Lebens. Man schreibt der Frkf. 3tg." aus Neuyort: Wie ein Märchen klingt die Geschichte eines Knaben, die soeben ihren Abschluß gefunden hat. am 28. Man wird sich erinnern, daß im Jahre 1900- September war es eine furchtbare Flutwelle sich über die Stadt Galveston am Golf von Mexiko wälzte und un­endliches Elend anrichtete. Was ihr im Wege war, wur de zertrümmert und fortgeschwemmt, so daß meilenweit landeinwärts der Boden nach Abfluß des Wassers mit Trümmern bedeckt war. Auch Menschen, lebende wie Let­chen, wurden in Massen fortgerissen. So fand ein Bauer, der das auf seinem Boden zurückgebliebene Wirrsal durch­suchte, einen etwa dreijährigen Jungen, der die meilen­weite Reise von Galveston aus nicht eben freiwillig an­getreten hatte. Sie schien ihm übrigens nichts geschadet zu haben, denn der kleine Kerl war äußerst vergnügt und spielte lustig unter den Trümmern. Da der Bauer nicht ermitteln fonnte, wohin der Junge gehörte, nahm er ihn in sein Haus und zog ihn auf als sein eigenes Kind. Ganz kürzlich hörte nun ein Reisender, der durch jene Gegend tam, von dem Findling und erzählte davon u. a. einem befreundeten Ehepaare in Kansas City. Die beiden horchten auf: auch ihnen war ja damals durch die Flut ihr Kind geraubt worden. Lange schon hatten sie es als tot beweint und waren dann von Galveston fortgezogen. Leuchtete da nicht noch einmal eine Hoffnung auf? Nach­forschungen wurden angestellt: Der Kleine hatte ein Me­daillon am goldenen Kettchen am Halse getragen, und auf einer Schulter hatte er ein Muttermal gehabt. Und wirk­lich, alles stimmte: Das Mal fand sich auf der Schulter, Medaillon und Kettchen hatte der Bauer sorgfältig aufge= hoben. Vor wenigen Tagen konnten die Eltern ihren Inzwischen stattlich herangewachsenen Sohn in die Arme schließen.

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Er weiß, was er wert ist". An den Ufern des Ber­liner Landwehrkanals spielte sich dieser Tage eine selt­Jame Lebensrettung ab. Sprang da ein gut gekleideter Herr in das Wasser, schrie dann aber gleich um Hilfe. Ein Droschkentutscher sprang schnell von seinem Wagen und zog den Selbstmörder" aus dem Wasser. Am Ufer hatte fich inzwischen ein kleiner Menschenauflauf gebildet. Der Herr dankte seinem Lebensretter mit überschwenglichen Worten, zog ein reichgespicktes Portemonnate und gab dem Kutscher ein Fünfzigpfennigstück. Der Rosselenfer sagte dazu kein Wort, aber aus der Mitte des Publikums her­aus famen Worte wie: Filz! Geizhals!" Der Droschken­futscher wehrte aber die Zwischenrufe des Publikums mit den Worten ab: ,, Lassen Se man! Der Mann weiß jeden­falls janz jut, wat er wert is!"

Auswandererelend. In einer schrecklichen Verfassung wurden drei Auswandererinnen in der Residenzstraße zu Reinickendorf bei Berlin aufgegriffen. Die Unglücklichen waren vor mehreren Wochen aus Galizien nach Deutschland gekommen. Sie glaubten, in Berlin guten Verdienst zu finden, gerieten aber einem betrügerischen Agenten in die Hände. Dieser nahm den Frauen die Papiere und die wenigen Groschen, die sie besaßen, ab, und ließ sich dann nicht wieder sehen. Hungernd und obdachlos trieben sich nun die Armen in den Straßen Berlins umher, nächtigten auf Böden, und wanderten am Tage, Arbeit suchend, in den Straßen umher. Gestern brachen sie vor Erschöpfung zusammen. Sie wurden von der Polizei einem Kranken­haus übergeben.

Ein deutscher Luftriese von 100 000 Kubikmeter. Wie der Inf." mitgeteilt wird, wird von den Stuttgarter Luft­schiffingenieuren Wetzel und Schleibinger ein Luftschiff her­gestellt werden, dem wegen seiner besonderen riesenhaften Ausgestaltung die militärischen Kreise ein großes Interesse entgegenbringen. Das Luftschiff, das nach starrem System gebaut wird, soll nämlich einen Rauminhalt von 100 000 Kubikmetern haben. Man wird von der Größe dieses Luft­schiffes einen Begriff bekommen, wenn man bedenkt, daß der M. 3" 6500 Rubikmeter und der M. 4" 7500 Kubik­meter faßt. Der Größe des Rauminhaltes entsprechend ist auch die Motorkraft, die aus 2400 Pferdekräften besteht. Das englische Marineluftschiff, das über eine besonders große Motorkraft verfügt, ist dagegen nur mit 400 Pferde­fräften ausgestattet, so daß die Motorkraft des deutschen Luftriesen noch sechsmal so groß ist. Die Erbauer Hoffen mit dem Luftschiff eine Eigengeschwindigkeit von 25 Metern in der Sekunde zu erreichen. Die bisher höchste Geschwin­digkeit eines Luftschiffes hat der M. 8", der in einer Se­funde 16,4 Meter zurücklegt. Der neue M. 4" soll in der Sekunde 18 Meter machen können. Beide Geschwindig= feiten bleiben also noch weit hinter der des neuen Luft­riesen zurück, der dadurch von Wind und Wetter völlig un­abhängig wird und tatsächlich das Problem der Luftschiff= fahrt als erster gelöst haben dürfte. Mit dem Luftschiff follen nach den Plänen der Konstrukteure mehr als 300 Personen befördert werden können. Sobald das Kapital vorhanden ist, wird mit dem Bau begonnen werden, und man darf mit größter Spannung die praktische Lösung dieses großartigen Projektes erwarten. Es soll dadurch auch für unsere Heeresverwaltung die Frage gelöst wer= den, ob Luftschiffe von so ungeheueren Größenmaßen die Hoffnungen erfüllen, die man an sie knüpft.

General Booth, der Führer der Heilsarmee, dessen be­porftehende Erblindung vor einiger Zeit gemeldet wurde, ist trop seines schweren Augenleidens noch unermüdlich= ttg. Er ist jetzt auf dem Wege, um zum erstenmale in ſet= nem Leben in der ewigen Stadt eine Versammlung zu halten. Auch Neapel will er befuchen. Im Mai gedenkt er dann einem großen Kongreß der Sozialoffiziere" set­mer Armee zu präsidieren. Sein Augenleiden nimmt einen normalen Verlauf und die Aerzte hoffen, daß die Overa­

tion, die in einigen Wochen vorgenommen werden muß, bem Greis das Augenlicht wiedergeben wird.

Die nervösen Großstädter. Der Stundenschlag der Uhr der neuen Chriftuskirche wird in der stillen Mannheimer Oststadt insbesondere zur Nachtzeit als ruheftörender Lärm empfunden. Die Anwohner klagten deshalb gegen die evan= gelische Kirchengemeinde und begehrten die Abstellung des Uhrwerks zur Nachtzeit auf dem Wege der einstweiligen Verfügung. Das Landgericht hat nun diesen Antrag als dem Hauptprozeß zu sehr vorausgreifend abgewiesen, der Kirchengemeinde aber ausdrücklich nahegelegt, die nicht zu verkennende Störung durch geeignete Maßregeln mit tun­lichster Beschleunigung zu mildern.

Los vom Zopf. Wie man weiß, haben fühne Neuerer in China damit begonnen, fich von der nationalen Haar­tracht, dem Zopfe, zu emanzipieren. Aus Schanghai wird der Frtf. 8tg." ein weiterer Schritt in dieser Bewegung gemeldet: Am 30. Januar, dem chinesischen Neujahrstage, konnte das europäische und chinesische Publikum der Stadt ein seltenes Schauspiel sehen. Etwa 300 reiche chinesische Kaufleute und Beamte Iteßen sich auf der Bühne eines eigens zu diesem Zwecke gemieteten Theaters die Zöpfe ab= schneiden, um ihren Mitbürgern ein Beispiel für die Ein­führung der europäischen Haartracht zu geben. Die Sitte, teinen Zopf mehr zu tragen, hat in Schanghai bereits eine große Anzahl von Anhängern gefunden. Der Hauptfaktor, der die Einführung der europäischen Haartracht erleichtert, ist der lästige Umstand, daß jeder bezopfte Chinese min= destens jeden zweiten Tag zum Barbier gehen muß, was thn monatlich etwa einen Dollar kostet; die Zopflosigkeit erspart ihm den größten Teil des Geldes. Aeltere Leute werden sich freilich wohl nie dazu verstehen, ihren Stolz, den geliebten langen schwarzen Zopf, aufzugeben, und so wird wohl die Zopflosigkeit in China erst dann vollkom­men sein, wenn die jetzige Generation ausgestorben ist. In Schanghai trägt gegenwärtig ein Prozent der Bevölkerung feinen Zopf mehr, die chinesische Kleidung hingegen wird beibehalten.

Aus dem Reiche der Technit.

Holzbeton. Anstelle der sonst allgemein gebräuchlichen Eisenanlagen zur Verstärkung von Betonkonstruktionen hat man neuerdings in England mit Erfolg versucht, Holzein­lagen zu verwenden, also in Holzbeton statt in Eisenbeton zu bauen. Das Verfahren ist von G. D. Case angegeben, und die noch nicht abgeschossenen Versuche haben bisher so günstige Resultate ergeben, daß man glaubt, der neuen Bau­weise eine große Zukunft voraussagen zu können. Natur­gemäß würde der Holzbeton da am Plaze sein, wo, wie 3. B. in den Kolonien, das Eisen sehr teuer, Holz aber an Ort und Stelle leicht und billig zu beschaffen wäre. In den Industrieländern aber wird der Holzbeton den Eisenbeton faum verdrängen können.

Das elektrische Auge.

Vor einigen Wochen wurde in sehr bestimmten Angaben die Kunde verbreitet, daß Professor Rosing in Petersburg eine Erfindung gemacht habe, durch die auf elektrischem Wege das Sehen auf große Entfernungen ermöglicht werde. Nach diesem Ziel haben die Physiker schon seit etwa einem Jahrzehnt hingestrebt, und manche Feder ist in Bewegung gesetzt worden, um die Folgen eines solchen Apparates für die Zukunft auszumalen. Professor Rosing hat nun wenig­stens tm Bulletin der Technischen Gesellschaft in Petersburg eine genaue Beschreibung seines Apparates gegeben, dem er den Namen des elektrischen Auges beigelegt hat. Fachleute werden also jetzt in der Lage sein, sich ein Urteil über die Erfindung und ihre voraussichtliche Bedeutung zu bilden.

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Der Apparat besteht aus zwet Stationen, die durch sechs oder auch nur durch vier Drahtleitungen miteinander ver­bunden sind. Die eine von ihnen schickt finematographische Bilder aus, und zwar mit einer Geschwindigkeit von vier­zig in der Sekunde. Dazu werden zwet Gruppen von dre= henden Spiegeln benutzt, deren Achsen aufeinander sent­recht stehen. Sie wirken auf ein sogenanntes Photoelement. Dics Element besteht aus einer Kugel, deren untere Hälfte mit einer negativ geladenen Schicht von Kalium, Natrium oder Rubidium überzogen ist. Die Masse hat die Eigen­schaft, sich unter dem Einfluß des Lichtes zu entladen. Die Entladung pflanzt sich auf einen Kondensator der Em­pfangsstationen fort. Während der Drehung der Spiegel wird außerdem durch Wechselstrom in Elektromagneten ein Bündel von Kathodenstrahlen erzeugt, die zur Uebertra­gung der Bilder wirken. Was dabei übertragen wird, sind die bet der Drehung der Spiegel vermittelten Schwankun­gen eines Lichtbündels von wechselnder Intensität, von ei­nem hellen Licht bis zu völliger Dunkelheit. Diese Ueber­tragungen geschehen in äußerst schneller Folge, die nach Millionstel Sekunden zu bemessen ist. Der Betrieb geschieht durch kleine Dynamomaschinen. An der Empfangsstation erscheinen die Schwankungen des Lichtbündels in gleich­zeitiger und ebenso schneller Folge, so daß sie für die Net­haut miteinander verschwimmen, und also das Auge ein fortlaufend sich veränderndes Bild zu sehen vermeint. Das photoelektrische Element scheint der wichtigste und entschet­dende Bestandteil des Apparates zu sein, und von seiner Bewährung wird es daher wohl abhängen, ob das elektri­sche Auge des Professors Rosing einen größeren und nach­haltigen Erfolg haben wird als seine Vorläufer.

Chinesischer Peftzauber.

Ein gelegentlicher Mitarbeiter schreibt der Frff. 3tg.": In den Meldungen über das Auftreten der Pest im fer­nen Osten hieß es zumeist, daß an der gewaltigen Aus­breitung der Seuche nicht zum mindesten die Stumpfheit und Tatenlosigkeit Schuld habe, mit der das Volk dem furchtbaren Uebel gegenüberstände. Diese Behauptungen sind jedoch irrig, denn einen derartigen Fatalismus, der die Dinge gehen läßt, wie sie wollen, findet man heute nur noch in Indien, wo von der Weltabgekehrtheit der dortt­gen Religionen aus eine fatalistische Suggestion ins Volk geht. Die Chinesen aber find niemals fatalistisch gewesen. Nach der Meinung des Volkes ist die Best ein Dämon, der in Gestalt eines Weibes durch die Länder geht und die Pest aus einer silbernen Schale schüttet. Gegen dieses Un­geheuer sind Medikamente natürlich wertlos, nur mit Zaubermitteln vermag man seiner Herr zu werden.

In Zeiten, in denen die Best außerordentlich wütet, tragen die Chinesen ein Pestamulett, und selbst bet hoch­gebildeten, sonst ganz vernünftig denkenden Personen fann man ein solches finden. Es besteht aus zwei Stückchen Stoff von blauer und gelber Seide, die beutelartig zu­sammengenäht werden. Darin steckt ein von einem Bau­berpriester bemaltes Zettelchen, das ein merkwürdiges Bei­chen enthält, dessen Deutung unserem bekanntesten Sino­logen noch nicht gelungen ist( wie sie überhaupt kaum eins der chinesischen Zauberzeichen richtig erklären können).

In Südchina wird das Pestweib verbrannt. Man ver­fertigt aus Stroh und Papier eine menschenähnliche Gestalt mit einer scheußlichen Fraße und einem langen Barte! Dieser Puppe werden Kleider angezogen, dann errichtet man einen Scheiterhaufen und verbrennt das symbolische Pestweib. Die Asche des Scheiterhaufens wird mit Schwei­neschmalz vermengt und hernach gegessen; es soll dies ein ganz besonders wirksames Gegenmittel sein. In einigen Städten wird die Puppe mit Del und Fett bestrichen, an­gezündet und in den Fluß geworfen, um die dienstbaren Geister der Pest aus ihm zu verscheuchen. Da die Peſt mit Vorliebe vor den Haustüren lauert. um dort den

unglücklichen Chinesen zu überfallen, so lassen reiche Leute, che sie das Haus verlaffen, Feuerwerkskörper auf der Straße abbrennen.

Auf der anderen Seite schließt der Chinese einen Ver­trag mit der Pest, indem er sich, als guter Geschäftsmann, sagt, daß ihr vielleicht mit einer großen Geldsumme ge= dtent sei, denn nach asiatischem Volksglauben sind die bo­sen Geister für Geld nicht unempfänglich. So werden denn in einzelnen Tempeln ganze Wagenladungen voll Gold­münzen verbrannt. Damit aber die Sache nicht zu teuer wird, verfertigt man das Opfergeld aus Pappe, die mit Schaumgold überzogen wird. Man kann das Opfergeld auch in normalen Zeitläuften im Tempel au kaufen bekom­chinesische Tempel muten wie Jahrmärkte an-, da es für besonders verdienstvoll gilt, den Geistern der Ahnen neben den Speisen auch Geld darzubringen, damit fie im Jenseits nicht in finanzielle Schwierigkeiten ge­raten.

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Auch die Schwanzfedern weißer Täuberiche gelten als Pestabwehrmittel. Sie kommen vielfach als Fächer in den Handel und find zur Epidemiezeit recht teuer. Der Glaube an ihre Heilkraft gründet sich darauf, daß die Tauben sel­ten die schmußigen Straßen betreten und sich meist auf den Dächern aufhalten; dann aber auch darauf daß Tau­ben, als Lieblingsvögel des guten Dämons Wu- pa- fut, fich des Pestweibes wohl zu erwehren wissen. Nur im Schlafe sind sie wehrlos; denn in der Nacht nimmt die Pest die Gestalt einer Fledermaus an und saugt den Tauben das Herzblut aus. Der in Nordchina hausende Stamm der Chungusen hält an der alten mongolischen Volksüberlie­ferung fest, nach der Lauch ein Schutzmittel gegen die Pest sein soll.

Drabtnachrichten und neuestes.

Preußen und der Vatikan.

Rom, 9. März. Im Vatikan hat der hierher gemel­dete Wortlaut der Kanzlerrede im preußischen Abgeordne tenhause über den Modernisteneid einen sehr ernsten Eins druck gemacht. Vor einem abschließenden Urteil will man jedoch authentische Nachrichten über die Sibung des Land­tages abwarten. Das päpstliche Organ enthält deshalb noch feinen Kommentar.

Erkrankung des Königs von Rumänien. Bukarest, 9. März. König Karol, der an einer leich­ten Influenza erkrankt ist, hütet seit einigen Tagen das Bett. Das Befinden des Königs gibt zu Besorgnissen kei­nen Anlaß.

Ermäßigung des Londoner Diskonts. London, 9. März. Die Bank von England hat den Diskont von 3% auf 3% ermäßigt. China und Japan.

Tokio, 9. März. Der japanische Gesandte in Pefing erklärte in einer Rede, die er in der asiatischen Gesellschaft hielt, Japan müsse zur Wahrung der Integrität Chinas je­des Opfer bringen.

Auflösung einer sozialistischen Jugendorganisation. Essen, 9. März. Die etwa 1000 Mitglieder zählende so­zialdemokratische Jugendorganisation ist aufgelöst worden. Die amerikanische Mobilmachung.

Neuyork, 9. März. Der Kommandant des Departements des Ostens, General Grant, hat gestern nachmittag aus Washington den Befehl erhalten, alle verfügbaren Mann schaften des Forts von Neuyorf im Hafen bereit zu halten, um sie heute nacht an Bord des Dampfers Jamestown nach dem Fort Monove in Virginia abgehen zu lassen. Ihre Zahl beträgt 1300. Es ist dies die größte Steitmacht, die seit dem spanischen Krieg Neuyork verlassen hat.

Disziplinarverfahren gegen sächsische Lehrer. Dresden, 9. März. Auf Anordnung des sächsischen Mi­nisteriums des Kultus und des öffentlichen Unterrichts wurde eine große Anzahl sächsischer Lehrer vernommen, die am 31. Januar in Dresden teils als Zuhörer, tells als Debatteredner an einer Versammlung teilgenommen ha ben, die von den Sozialdemokraten zweds Stellungnahme zur Reform des Reichsvolksschulgesetes einberufen worden war. Wahrscheinlich steht die Einleitung eines Disziplinar verfahrens gegen zahlreiche Lehrer bevor.

Verhaftung eines Heiratsschwindlers. Leipzig, 9. März. Wegen Heiratsschwindeleien ist ein Architekt verhaftet worden, der sich mehrmals mit vermö= genden Damen verlobt und ihnen Beträge bis 16 000 Mark entlockt hatte.

Um Frau von Schönebeck- Weber. Berlin, 9. März. Das Entmündigungsverfahren gegen Frau von Schönebeck- Weber hat mit dem Entmündigungs­beschluß des Amtsgerichts Charlottenburg noch nicht sein Ende erreicht. Beim Landgericht 3 ist gegen den Staats­anwalt als die zuständige Behörde Klage auf Aufhebung des Beschlusses eingereicht worden.

Der Betrüger in der Falle.

Weißenfels, 9. März. Der 27 Jahre alte Buch­halter Albert Beck, früher Angestellter der hiesigen Ge­treidefirma Otto, fälschte im Dezember zwei Wechsel von zusanimen 25 000 Mart auf den Namen seines ehemaligen Prinzipals und fuhr mit dem Gelde nach Montecarlo, um sein Glück zu versuchen. Er verspielte dort die ganze Summe. Als die Wechsel fällig waren, fam der Betrug heraus. Das hiesige Bankhaus von Schulze, das die Wech­sel angenommen hatte, locte ihn unter einem Vorwande hierher. Bei seiner Rückkehr wurde er sofort verhaftet. Von dem Gelde besaß er noch 38 Mart. Beck ist verhei= ratet und Vater dreier Kinder.

Großer Fabrikbrand.

Lübeck, 9. März. Die große Delfabrik von J. Kay­ser ist gestern nachmittag bis auf die Grundmauern nieder­gebrannt. Bei dem Brande wurden sechs Feuerwehrleute derartig verletzt, daß sie nach dem Krankenhaus geschafft werden mußten.

Ein neuer Luftschiffhafen.

Thorn, 9. März. Die städtischen Behörden von Thorn genehmigten einen Vertrag mit dem Reichsmilitär­fiskus über den Verkauf eines Terrains von 90,844 Dua­dratmeter zur Erbauung eines Luftschiffhafens. Mit der Anlage, die rund 115 000 Mark tosten wird, soll schon in der nächsten Woche begonnen werden.

Bestien in Menschengestalt.

Wien, 9. März. In der Vorstadt Colaesti von Jassy in Rumänien ist ein entsetzliches Verbrechen verübt wor­den. Der Gemeinderat Costandache wurde von seiner Frau, deren Eltern und Brüdern ermordet. Die Frau des Er­mordeten wollte sich ihres Mannes um jeden Preis entledi= gen. Zu diesem Zweck hatte sie sich mit ihren Angehörigen verständigt. Ihr Vater, der Volksschullehrer Stan, lud seinen Schwiegersohn zum Nachtmahl ein und gab ihm so viel zu trinken, daß er vollkommen berauscht am Tische ein­schlief. Während er schlief, goß ihm seine eigene Fran Pe= troleum über den Kopf und zündete ihn an, so daß er unter entsetzlichen Schmerzen verbrannte. Die Eltern und Brü­der der Frau zerstückelten sodann den verkohlten Leichnam und vergruben ihn im Hof. Die entsehliche Tat passierte schon vor drei Tagen, gestern wurde sie aber erst entdeckt. Die Frau des Ermordeten, ihre Eltern und Brüder wur­den verhaftet. Nach anfänglichem Zeugnen legten sie schließ­lich ein umfassendes Geständnis ab.

Tödlicher Unfall eines Herrenreiters.

Prag, 9. März. Leutnant Spießny, einer der besten Reiter des Husarenregiments in Steinamanger, wollte von rückwärts auf das Pferd aufspringen. Das Tier schlug aus. Der Offizier erhielt einen Hufschlag in die Magengegend und verstarb nach wenigen Stunden.