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Deutscher Reichstag.

die

gewiajen. Selbstverständlich sei es auch, daß die national­liberale Partei nicht in der Lage sei, eine Sammlungs­politik mit dem Zentrum und jenen Elementen mitzu­machen, die sie für reaktionär halte. Es gelte bei der kommenden Wahl die Frage, ob der Liberalismus im Reiche den Einfluß erhalten solle, der ihm gebühre und den er haben müsse, um einen Schutzwall zu bilden gegen Sozialdemokratie und Reaktion.

Zivil- und Militäranwärter in der Reichspostverwal­tung. Im ganzen sind noch rund 15 000 3ivilanwärter und 11 250 Militäranwärter, zusammen also noch 26 250 mitt­lere Beamte in etatsmäßigen Stellen bei der Reichspost­und Telegraphenverwaltung unterzubringen. Davon werden nach vorsichtiger Schätzung in den nächsten zehn Jahren etwa 12 000 in frei werdende vorhandene Stellen einrücken, so daß( vom Assistenten aufwärts) nach und nach insgesamt 14 250 etatsmäßige Stellen erforderlich werden. Hilfskräfte im Unterbeamtendienst mit 1 bis 10 und mehr Dienstjahren sind 32 128 vorhanden, während insgesamt 88 952 etatsmäßig angestellt sind. Für Hilfsleistungen im mittleren Dienst werden 1911 27,5 Millionen Mark, das sind 1 090 100 Mart mehr als 1910, aufgewendet werden, für Hilfsleistungen im Unterbeamtendienst 34 276 100 M.

Am Mittwoch wurde mit der zweiten Lesung des Posts etats begonnen. Die Beratungen der Budgetkommission Batten zur Annahme von Resolutionen geführt, in denen verlangt wird, daß von der Einberufung von Anwärtern für den mittleren und höheren Postdienst bis auf weiteres Abstand genommen und das Bedürfnis für die Vermeh­rung von Beamtenkräften durch die Einstellung von Un­terbeamten und gehobenen Unterbeamten befriedigt wird, daß dem Reichstag eine Denkschrift über anderweite Dr= ganisation der Beamten der Postverwaltung vorgelegt werde und daß den älteren Oberpost- und Telegraphen­afsistenten und Vorstehern zweiter Klasse eine persönliche Bulage gewährt werde. Um diese Beamtenwünsche drehte fich dann im wesentlichen auch die Debatte. Der Abg. Gröber vertrat eine Zentrumsresolution, in der eine Neu­regelung der Dienstverhältnisse der Reichsbeamten, Reform des Disziplinarverfahrens usw. verlangt wird. Für die fortschrittliche Volkspartei verlangte Abg. Eickhoff Maßnah­men zur Beseitigung der unberücksichtigten Härten, durch die Regelung der Bezüge der Postunterbeamten ge= schaffen sind. Abg. Eichhorn( Soz.) vertrat die Forderung auf Berücksichtigung nur tariffreundlicher Firmen bei Ver­gebung von Arbeiten und Lieferungen. Daneben liefen Einzelwünsche und Beschwerden sowie Anregungen hin­sichtlich des Dienstbetriebes. Nach dem Abg. Dröscher ( fons.) ging Staatssekretär Kraetke auf die vorgebrachten mannigfachen Wünsche ein. Ungünstige Eintragungen in die Personalakten würden jetzt schon den betreffenden Be­amten zur Aeußerung mitgeteilt. Die Prüfungen sollen, wenn es sich um Sein oder Nichtsein des Beamten handelt, wiederholt werden dürfen, nicht aber, wenn es sich um Beförderung handelt. Hinsichtlich der Berücksichtigung ta­riftrener Unternehmer fann ein Ressort allein nicht vor­gehen; schon jetzt werden nur solche berücksichtigt, die ihren Verpflichtungen gegen ihre Handwerker und Arbeiter nach­kommen. Ein einheitliches Weltporto kann nicht ein Land allein einführen; es ist nur durch allgemeine nationale Vereinbarung erreichbar. Es würden 10 Millionen Aus­fall eintreten allein für Deutschland, die sich nicht so bald burch Verkehrssteigerung ausgleichen; daher sind alle Staaten zurückhaltend. Die Beförderung von verschlossenen Briefen durch Privatposten fann nicht gestattet werden. Diese sind verstaatlicht und abgefunden. Hinsichtlich des Postscheckverkehrs sind wir noch im Versuchsstadium. Für das 1912 vorzulegende Gesetz werden Gutachten eingeholt werden. Abg. Stresemann( natl.) erklärte, die Erfolge des Fernsprechwesens sprächen gegen eine grundstürzende Aen­derung. Die sozialen Einrichtungen des Reiches sollten auch für die Postbeamten nubbar gemacht werden. Bei dem Wohnungszuschuß sollten die Härten der Besoldungs­ordnung gemildert werden. Die Frage der Reklassierung wichtiger Orte sei brennend. Abg. Linz( Reichp.) trug Wünsche aus den Industriestädten des Westens vor. Staats­sekretär Kraette entgegnete, in der Frage des Wohnungs­geldzuschusses seien Untersuchungen im Gange. Darauf vertaate sich das Haus auf Donnerstag.

Rundschau vom Cage.

Politisches.

Neue Kompromißanträge zur Fernsprechgebührenord­nung gingen der Budgetkommission des Reichstages am Mittwoch zu. Die Grundgebühr soll danach betragen: in Netzen bis zu 100 Anschlüssen 50 Mart, bis 1000 Anschlüs sen 60 Mart, bis 5000 Anschlüssen 75 Mart, bis 20 000 An­schlüssen 90 Mart, bis 70 000 Anschlüssen 100 Mark, für jede weiteren 50 000 Anschlüsse 10 Mark mehr, für jeden An­schluß, der nicht weiter als 5 Kilometer von der Vermitt­lungsstelle entfernt ist. Statt der Einzelgebühr von 4 Pfennig fann eine Pauschalgebühr beliebt werden und zwar für 3000 Verbindungen 80 Mart, bis 5000 Verbin­dungen 130 Mart, bis 7000 Verbindungen 170 Mart, bis 10 000 Verbindungen 200 Mart. Die Höchstzahl der von einem Anschluß aus zulässigen Gespräche beträgt 10 000 jährlich.

Zur Korfureise des Kaiserpaares. Der Kreuzer " Königsberg" ist am Mittwoch durch den Kaiser Wilhelm­tanal nach Venedig abgegangen, um während der Mittel­meerreise des Kaiserpaares als Begleitschiff der Hohen­zollern" zu dienen. Das Kaiserpaar mit Prinzessin Vik­toria wird die Reise nach Korfu gleich nach dem 20. März von Venedig aus antreten.

mender Offizier ließ den Hollander dann unter dem ver dacht der Spionage festnehmen. Inzwischen ist seine Fret laffung erfolgt.

280 000 Liter Wein auf der Straße. Einen empfind. Itchen Verlust hat die Firma Veprat in Genf erlitten. In dem Weindepot der Firma brach ein Feuer aus, das sehr rasch einen großen Umfang annahm. Zuerst barst ein La­gerfaß von 65 000 Liter Inhalt, dann folgten zehn Fässer von je 10 000 Liter, so daß sich ein ganzer roter Strom auf die Straße ergoß. Insgesamt gingen 280 000 Liter Wein verloren.

Knaben als Großfinanziers. Unter den Gläubigern eines falliten Neuvorker Bankhaufes befinden sich eine Reihe junger Bureauangestellter im Alter von 14 bis 18 Jahren. Ein 18jähriger hat allein eine Forderung von 50 000 Doll. angemeldet.

Ein roher Frevel wurde Mitte Dezember an dem Mausoleum des Fürsten Pleß auf Schloß Fürstenstein in Schlesien verübt. Als Täter wurden jetzt, dem Breslauer Kreisblatt zufolge, eine Anzahl Oberrealschüler in der Nachbarstadt Freiburg ermittelt.

Die Mobilmachung von 20 000 Mann amerikanischer Truppen gegen Merito, die, wie gemeldet, begonnen hat, ist eine Folge der Monroedoftrin. Der englische Botschaf­ter in Washington hat von der amerikanischen Regierung den Schutz der englischen Interessen in Mexiko verlangt, andernfalls England selbst Schritte unternehmen müßte. Amerika will aber vermeiden, daß andere Mächte ein­greifen; daher die Mobilmachung eines Teils der Bundes­armee. Auch die amerikanische Flotte soll an der Demon­stration gegen Mexiko mitwirken und es sind auch bereits einige Schiffe mobil gemacht. Die Aufstandsbewegung in Merito breitet sich von Tag zu Tag mehr aus. Die Regie­rung ist nicht imstande, den Frieden wiederherzustellen. Die Situation für Fremde ist gefährlich, da sich an zahlreichen Plägen Räuberbanden bilden. Der Handel ist bei den un­sicheren Verhältnissen sehr ins Stoden geraten. Unter solchen Umständen ist freilich ein Eingreifen zum Schutze der Fremden notwendig, auch abgesehen von allen Sonder­plänen der Amerikaner.

Ueber die eljah- lothringische Verfassungsfrage wird heute aus Berlin gemeldet: Nach dem im Bundesrat ein­stimmig gefaßten Beschluß erhält Elsaß- Lothringen drei Bundesratsstimmen und zwar unbeschränkt für alle Ma­terien. Den Widerstand süddeutscher Staaten, die in die­sen drei vom Statthalter zu instruierenden Stimmen einen Zuwachs der preußischen Stimmen sehen, hat Preußen durch eine Konzession beseitigt, nach der in einem be­stimmten Falle die drei elsaß- lothringischen Stimmen nicht gerechnet werden. Den Beschlüssen der Kommission, die Elsaß- Lothringen zu einem vollen Bundesstaate machen und die Stellung des Kaisers in seiner Machtbefugnis gegenüber dem Statthalter abändern wollten, hat der Bun­desrat nicht beitreten können.

Der nationalliberale Parteiführer Bassermann hat am Sonntag in seinem Wahlkreise Saarbrücken eine bemer­fenswerte Rede gehalten, in der er auch auf den ihm ge­machten Vorwurf einging, als sei er der Vater des Groß­blocks, in dem Sinne, daß er die Partei aus ihren Bahnen gelenkt habe. Das sei nicht wahr. Er stehe auf dem Stand­punkt, daß die Politik im allgemeinen sich bewegen müsse auf der vielverhöhnten mittleren Linie, die doch allein einen stetigen Fortschritt gewähre, der in Wirklichkeit die dauernde Grundlage für die Partei sei. Von diesen Grundsätzen sei er weder nach rechts noch nach links ab­

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Das Familiengeheimnis.

Nachdruck verboten.)

Ein gefährliches Spielzeug. Ein 14jähriger Besizers­sohn im Kreise Rybnik in Posen brachte eine Schrotpatrone nach Hause, die er gefunden hatte, und legte sie auf die heiße Ofenplatte. Seine beiden jüngeren Geschwister stan den dabei und schauten neugierig zu. Plößlich explodierte die Patrone und alle drei Kinder erlitten durch Schrot förner schwere Verlegungen.

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Ein verhängnisvolles Festmahl. In dem finnischen Orte Delsbo sind gestern nach einem großen Festeffen über 200 Personen an Bergiftungserscheinungen schwer erkrankt. Das Essen war in einer Wirtschaftsschule hergestellt wor den. Die Speisen reste werden jetzt chemisch untersucht.

Im Irsinn schlug in Groß- Strauscha bei Görlitz der 27jährige Sohn eines Landwirts mit einem Mangelholz seinen 70jährigen Vater und seine gleichaltrige Mutter nie der. Auch seinen Bruder verletzte er schwer. Nur mit großer Mühe konnte der plötzlich irrsinnig gewordene Mann von Nachbarn gefesselt werden. Der Vater ist seinen Verlegungen schon erlegen.

Die Lage in Marokko wird im Ministerium des Aus­wärtigen in Paris als sehr ernst angesehen. Speziell sei die Stellung des Sultans bei der Bevölkerung schwer er­schüttert, da er als Franzosenfreund und Verräter des Js­lams denunziert werde. Die Hauptstadt Fez ist von ihrer Umgebung durch Aufständische abgeschnitten. Der Bericht­erstatter des Matin" will am 1. März ein Interview mit dem Sultan gehabt haben, der sich über das Eingreifen der Franzosen beschwerte, das seinem Ansehen bei der Be­völkerung schweren Abbruch tue. Er bat Frankreich, die Niederschlagung der Aufstände ihm selbst zu überlassen und alles zur Wiederherstellung seiner Autorität zu tun, die auch im Interesse Frankreichs liege. Die Gärung in Zentralmeriko greift außerordentlich rasch um sich.

Roman ven L. Walter. ,, Sind Sie frank?" fragte teilnehmend die Witwe, die thm furchtlos näher trat.

Ich glaube. meine Kraft ist erschöpft... ein brennender Durst quält mich! Schon hatte ich keine Hoff­nung, die ersten Häuser zu erreichen..."

Er lehnte das Haupt zurück an die mit Weinreben bedeckte Wand. Das Licht des Mondes fiel in sein Gesicht. Es war ein bleiches, leidendes, aber regelmäßiges Gesicht, das einem Manne von vierzig und einigen Jahren an­gehörte. Ein voller dunkler Bart ließ die Blässe der Wan­gen und der hohen Stirn deutlich hervortreten. Die Au­genlider, die sich geschlossen, zuckten Schlaff hingen die Arme herab. An einem Finger der rechten Hand, die auf dem Knie lag, blizte ein großer Siegelring. Frau Bauer, die mit einem Blid erfaßte, daß der Unglückliche fein gewöhnlicher Mensch war, richtete teilnehmend einige Fragen an ihn; sie erhielt keine Antwort. Nun kam Auguste.

Kleine Nachrichten.

Aus den Gerichtssälen.

Die Tragödie eines Leutnants. Eine unsinnige Ges schichte, die sich schließlich zu einer Tragödie gestaltete, hat, wie bereits telegraphisch gemeldet, dem Leutnant Erb vom Metzer 130. Jnfanterieregiment nach zweitägiger Ver handlung vor dem Kriegsgericht eine Strafe von 1 Jahre 7 Monaten Gefängnis und Entfernung aus dem Heere ein­gebracht. Erb stammt aus einfachen Verhältnissen, sein Vater war Oberamtsdiener. Als er einige Jahre Offi­zier war, lernte er die Tochter eines Stadtrats kennen und bewarb sich um ihre Hand. Das Verlöbnis war aber noch nicht veröffentlicht. Um nun vor seinen zukünftigen Schwiegereltern seine bescheidenen Verhältnisse nicht dars Tegen zu müssen, kam Erb auf folgenden Einfall: Er schaffte sich von einer Fabrit in Saargemünd einen Geld­schrank an und trat mit einer Versicherungsgesellschaft in Verbindung, bei der er sein gesamtes Eigentum mit 60 000 Mart versicherte. Kurze Zeit, nachdem die Versicherung in Kraft getreten war, erfolgte bei dem Of­fizier ein Einbruch. Bei der Untersuchung wurde der Geldschrank offen und seines Inhaltes beraubt gefunden. Der Verdacht der Täterschaft lenkte sich zunächst auf ver­schiedene Soldaten, bald aber auf den Angeklagten selbst, namentlich als dieser ganz romanhafte Angaben über den Inhalt des Schrantes machte. In diesem sollten sich nach seiner Behauptung 50 000 M befunden haben. Auf die Frage, woher er diese für seine Verhältnisse bedeutende Summe habe, erzählte er, er habe Gelegenheit gehabt, einer reichen Dame das Leben zu retten, und diese habe ihm aus Dankbarkeit die 50 000 M geschenkt. Diese Be­hauptung erschien der Untersuchungsbehörde so unglaub haft, daß Erb sofort in Haft genommen wurde. Sofort nach Eröffnung der Gerichtssigung stellte der Vertreter der Anklage den Antrag, die Oeffentlichkeit auszuschließen. Der Gerichtshof beschloß demgemäß. Nach zweitägiger Verhandlung fällte das Gericht das oben mitgeteilte Ur­teil, und zwar erging es wegen versuchten Betruges, mili­tärisch- qualifizierter Unterschlagung und Erstattung einer falschen Meldung. Die Begründung des Urteils erfolgte ebenfalls unter Ausschluß der Oeffentlichkeit.

Die Wiederwahl des Berliner Oberbürgermeisters Kirschner, dessen Amtsperiode bald abläuft, tst gesichert. Das Gehalt für den Oberbürgermeister wurde auf 36 000 Mark festgesetzt.

Mutter, ich habe dem Wasser ein wenig Wein bei­

gemischt."

Gut, recht gut! Gib!"

Die Witwe brachte das Glas an die zuckenden Lippen des Kranken.

, Erquiden Sie sich," mahnte sie freundlich.

Einer der Schöpfer des Bürgerlichen Gesetzbuches, der Geh. Justizrat Richard Wilke, ist am Mittwoch im Alter von 81 Jahren in Potsdam gestorben. Er war lange Jahre Rechtsanwalt und Notar am Kammergericht in Berlin und hatte an der Entstehung des Bürgerlichen Gesetzbuches, be= vor es als Entwurf an den Reichstag fam, einen nicht un­wesentlichen Anteil.

Die gemeldete Verhaftung eines holländischen Spions in einer Mülheimer Infanteriefaserne hat eine harmlose Aufklärung gefunden. Der seit Jahren in Ruhrort ansäs sige Mann war lediglich aus Neugierde mit einem bekann­ten Soldaten in die Kaserne gegangen, wo ihm ein Soldat aus eigenem Antrieb ein Gewehr zeigte. Ein hinzukom­

Der Fremde ergriff hastig das Glas und leerte es in einem Zuge. Dante, danke!" stammelte er. Gott segne Sie! Nun wird. mir besser! das war Hilfe in der Not! bte Besinnung fehrt mir zurück! Wo bin ich denn?" " In unmittelbarer Nähe der Stadt Memel." Rann ich sie noch erreichen?"

Kaum zehn Minuten ist das Tor entfernt." " Der Himmel sei gepriesen!"

sank er zurüd. Wie im Krampfe umflammerten seine Hände den glänzenden Knopf auf dem Rohrstocke. Es war ein Rätsel, daß dieser elegant gekleidete Mann allein in später Nacht und bis zum Tode erschöpft aus dem Felde kam. Seine bestaubten Schuhe deuteten an, daß er einen weiten Weg zurückgelegt hatte.

Er wollte aufstehen; die Kraft fehlte ihm. Aechzend

,, Sie sind frank, mein Herr!" begann die Witwe nach einer Pause Was können wir für Sie tun? Ihr Zu­stand ist derart, daß Sie die Stadt nicht werden erreichen fönnen."

" Ich muß! Ich muß!" rief der Fremde sich zusammen­raffend. Ach, es tommt viel darauf an..

Sie wissen doch, daß eine schreckliche Krankheit in der Stadt wütet!"

Ich weiß es und deshalb ist meine Anwesenheit dort nötig. Nur eine Viertelstunde, nur zehn Minuten muß ich dort sein..."

Er versuchte noch einmal, sich zu erheben; es gelang. " Wem bin ich zu Dank verpflichtet?" fragte der Herr. ,, Sprechen Sie nicht von Dant, mein Herr; ich erfülle meine Pflicht, die mir die Religion vorschreibt. Gott neh­me Sie in seinen Schutz, wenn Sie nun einmal den Weg fortsegen müssen."

Welche Richtung habe ich einzuschlagen?"

Ich werde Sie begleiten, von hier aus läßt sich der Weg nicht genau beschreiben."

Vermischtes.

Wie Prinz Luitpold von Bayern zum ersten Male auf Posten stand. Als nachgeborener dritter Sohn hatte Prinz Luitpold von Bayern nach menschlicher Berechnung keine Aussicht, jemals zur Regierung zu gelangen. Er wählte mit Zustimmung seiner Eltern den Soldatenberuf. Jm Herbst 1838 schrieb sein Vater, König Ludwig I., daß Luit­pold entschiedene Reigung für Artillerie" habe und, wenn er volljährig geworden sei, den Dienst erlernen werde, mit dem eines Gemeinen beginnend, was selbst beym ver­

,,, wie groß wird meine Schuld Ihnen gegenüber Madame! Ich wäre umgekommen, hätten Sie mich nicht gestärkt! Nun kann ich gehen... Ihr Trank hat mich gelabt."

,, Auguste!" rief Frau Bauer. Mutter?"

Bleibe im Hause, ich komme gleich zurück." Laß mich nicht lange warten, Mutter!" Nein, nein!"

Die Witwe schloß sich dem Fremden an, der langsam weiter ging. Sie durchschritten die Pappelallee.

, Wie steht es in der Stadt?" fragte leise und mit Anstrengung der Fremde.

,, Nicht gut, mein Herr. In den letzten beiden Tagen sind viele Menschen gestorben. Wie man sagt, hat die schreckliche Epidemie noch nie so viele Opfer gefordert. Und der Tod tritt so rasch ein...

tot.

,, Rasch?" fragte wie zerstreut der Mann.

In sechs bis acht Stunden ist der Mensch gesund und Schrecklich! Schrecklich!"

Es sollte sich jeder vorbereiten, die Erde zu verlassen. Aber niemand denkt daran, so lange er gesund ist. Wie heillos sind die Verwirrungen, die ein plötzlicher Tod an­richtet!"

Der Mann lehnte sich an einen Baum, um zu ruhen. " Ist das Stadttor noch weit?" fragte er ängstlich. Nein, mein Herr. Schlagen Sie diesen Fußweg durch das Akaziengebüsch ein und Sie werden nach fünf Minu­ten das Tor vor sich sehen. Erlauben Sie mir nur, daß ich zurückgehe... meine Tochter ist allein, und da wir teinen männlichen Schutz haben... Ich möchte Ihnen gern noch nützen..."

Sie schwieg erschreckt, da der Fremde sie mit unheimlich glühenden Augen anstarrte. ,, Madame," sagte er, Sie flößen mir großes Vers trauen ein.... Ich bitte, nennen Sie mir Ihren Namen." ,, Witwe Bauer, mein verstorbener Mann war Lehrer. Ich wohne in dem letzten Hause mit meiner Tochter Wir kommen wenig mit der Welt in Berührung... Nicht weil ich Dank beanspruche, sage ich Ihnen dies; aber wenn ich nügen kann..."

Sie können es, Sie können es!" Stöhnte der Fremde. ,, Wie, mein Herr?" vielleicht

Jch trete einen gefährlichen Gang an... hat mich die Krankheit schon erfaßt... Und doch muß ic fort... Es ist gut, daß man seine Angelegenheit ordnet,"

( Fortsetzung folgt.)

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