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Dizinischen

in Gießen.

Gießener Zeitung

( Neueste Nachrichten)

Bezugspreis 50 Pfg. monatlich vierteljährlich 1,50 Mr., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig­Erscheint ausgabestellen vierteljährlich 1,20 Mk. jeden Werktag früh.- Die Humoristischen Blätter" Redaktion: Itegen wöchentlich einmal gratis bei. Seltersweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Herausgeber: Albin Klein& Otto Fischer.

Nr. 59.

-

Telephon: Nr. 362.

Freisinnige Agitation.

Es gilt längst als ausgemachte Tatsache, daß der heu­tige Freisinn aus purem Mandatshunger sich möglichst allen Verhältnissen anzupassen sucht. Da gibts Freisinnige, die z. B. in der Schutzzollfrage die verschie­densten Ansichten vertreten. Während man auf dem Asphalt der Großstadt den nackten Freihandel ver­tritt, singt man auf dem Land ein anderes Lied. Da braucht man Bauernstimmen, und man läßt denen ge= genüber gerne das heilige Prinzip", den entschiedenen Liberalismus" fahren.

Demgegenüber soll nur erwähnt werden, daß der Frei­sinn stimmte:

1879, 1885, 1887 gegen die landwirtschaft liche Schu33ollpolitik, 1880 gegen das Gesetz gegen den Wucher( Kre­ditwucher),

1892, 1901, 1907 gegen das Weingesetz und seine Verbesserungen,

Enthält alle amfl. Bekanntmachungen

der Großherzoglichen Bürgermeisterei sowie vieler anderer

des Großherzoglichen Polizei- Amtes Behörden Oberhessens

Expedition: Seltersweg 83.

( Haus Brüder Schmidt.)

Freitag den 10. März 1911

Juni wird die hess. Landwirtschaftskammer eine Sam­melausstellung von Gemüse und Obst 2c. für hessische Züchter veranstalten.

er

Gießen. Am Mittwoch fand in der Klinik für psychische und nervöse Krankheiten eine zahlreich besuchte psychische und nervöse Krankheiten eine zahlreich besuchte Versammlung der oberhessischen Vertrauensmänner des Hilfsverein für Geisteskranke statt. Prof. Sommer sprach zunächst über die Zusammenhänge zwischen Säug­lings-, Krüppel- und Jdiotenfürsorge; dann stellte er einen Ueberblick der jetzigen Fürsorge für Idiotie in Hessen. Nach den Ausführungen des Prof. Sommer gab Prof. Dannemann eine kurze Geschichte des hessischen Jrrenwesens; besonders eingehend sprach über den Bau und die Errichtung der neuen Irren- An­stalt bei Gießen. Im weiteren sprach Vortragender über die Mitwirkung der Vertrauensmänner bei den psychia­trischen Aufgaben, vor allem die Beschaffung geeigneten Pflegepersonals sei eine wesentliche Aufgabe derselben. Die Mitarbeit weiterer Kreise bei der Sammlung für den Hilfsverein sei besonders nötig. Beide Vorträge 1892 gegen die sanitären Vorschriften bei fanden bei der zahlreichen Versammlung lebhafte zu­Einfuhr von ausländischem Viehstimmung, die zum Schluß in der einstimmigen Fass­( Schutz des deutschen Viehbest anung der folgenden Resolution zum Ausdruck kam: Die des vor Seuchen), Versammlung erklärt es für wünschenswert, daß im Zu­sammenhang mit der Säuglings- und Krüppelfürsorge die damit eng verknüpfte Idiotenfürsorge speziell durch den Bau der für Grünberg geplanten Idiotenanstalt weiter gefördert werde. Es soll dabei auf dem Boden einer organisierten Säuglingsfürsorge soweit als mög­lich der Entstehung der Idiotie vorgebeugt und die Krankheiten, die zur Idiotie führen, schon im Beginn der ärztlichen Behandlung zugeführt werden. Ferner er­flärte die Versammlung eine Beteiligung weiterer Kreise an den Bestrebungen des Hilfsvereins, besonders auch durch Beiträge für die Kollekte derselben, für dringend

1893 gegen das zweite Wuchergesetz( Vie h- wucher, verschleierter Wucher 2c.), 1896 gegen das Verbot des Börsenter min­handels in Getreide,

1900 gegen die Untersuchung bei Einfuhr ausländischer Fleisch waren, 1902 gegen den neuen 30lltarif, 1905 gegen die Verbesserung des Gesetzes betreffend Haftpflicht des Tier­halters.

- Gießen, 9. März.( Für die Veteranen.) Das Offizier- Korps unseres Regimentes beab­

Diese einfachen, nüchternen Tatsachen sind auch durch die augenblidliche Landwirtschaftserforderlich." freundlichkeit der freisinnigen Agitatoren, die wohl nur bis zur Wahl anhalten wird, nicht wegzuleugnen. Ist die Wahl vorbei, dann wird wieder vom" Fleischsichtigt unter gütiger Mitwirkung von Herren und Da­und Brotwucher der nimmersatten Agra­rier" geredet und geschrieben. Diesen freisinnigen Agi­tationskunststückchen wird die christlich- soziale Aufklärung rüdsichtslo's entgegentreten müssen.

Reichstagswahlvorbereitungen.

Aus dem Kreis Wetzlar- Altenkirchen. Im Kreis Wetzlar- Altenkirchen haben in letzter Zeit viele christlich- soziale Versammlungen stattgefunden, die im allgemeinen gut, zum Teil sogar sehr gut verlaufen sind. Wenn die Gegner glaubten, durch ihre Agitation dem bewährten Reichstagsabgeordneten Behrens bei seinen Wählern in Mißkredit zu bringen, so ist diese Scharte wieder ausgewetzt, und was übrig geblieben ist, ist die Erkenntnis, daß die Gegner, insbesondere die Frei­sinnigen, teilweise mit Entstellungen und Verdrehungen gearbeitet hatten.

Redakteur Rafflenbeul- Bielefeld hat in Werdorf, Erda, Frankenbach, Mudersbach, Edingen, Greifenstein, Bissen berg, Tiefenbach, Burgsolms und Leun geredet und die freisinnige und nationalliberale Steuerpolitik beleuchtet, die dem Volke noch mehr indirekte Steuern auferlegen wollte. Der Referent setzte den Wählern auseinander, daß Behrens immer bestrebt gewesen ist, die Interessen des werktätigen Volkes zu vertreten.

Der Referent besprach auch die Forderungen und Ziele der christlich- sozialen Partei. Wir sind gewiß, daß viele Wähler zu der Ueberzeugung gekommen sind, daß die christlich- soziale Politik so gerecht und volksfreundlich ist, daß sie eine warme Unterstützung verdient.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 10. März

* Gießen. Der Großherzog hat am 4. März dem Lektor der französischen Sprache an der Lan­desuniversität Dr. Lucien Thomas den Charakter als Professor" erteilt.

== Gießen, 10. März. Unser Kreis steht heute unter dem Zeichen eines Vorganges, der mehr als alles andere geeignet ist, die Gemüter zu fesseln. Heute wird

es sich entscheiden, wer der vom Volk erwählte Abge ordnete sein wird. Die Wahlbewegung selbst erreichte mit den beiden gestrigen Wahlversammlungen in unserer Stadt ihren Höhepunkt. Die einzelnen Parteien machen heute noch einen letzten Versuch, politisch Gleichgültige aufzurütteln, ihnen die Notwendigkeit einer Wahl be­greiflich zu machen. Die Nationalliberalen bedienen sich hierbei eines recht originellen Mittels: Sie lassen einen Radler mit einem Plakat auf den in großen Lettern steht: Wählt Gisevius" durch die Straßen fahren. Gießen. Auf der Ausstellung der deutschen Landwirtschaftsgesellschaft in Kassel vom 22. bis 27.

men aus Zivilkreisen Ende April oder Anfang Mai in unserem schönen Theater zum Besten hilfsbedürftiger aus Gießen gebürtiger und hier wohnender Kriegsveteranen das Schauspiel Die Quizzows" von Ernst von Wilden­bruch zur Aufführung zu bringen. Durch das liebens­würdige Entgegenkommen des Herrn Oberbürgermeisters und des Theaterbauvereins wurde das Theater gegen Erstattung der Unkosten kostenlos zur Verfügung gestellt. Angesichts des guten Zwecks wird auf eine recht lebhafte Beteiligung aus allen Kreisen der Bevölkerung, vornehm lich auch auf Mitwirkung der Presse gerechnet, gilt es doch, daß jeder von uns sein Scherflein dazu beiträgt, den Männern aus Deutschlands großen Tagen einen Ehrensold zu überreichen, denen der Kampf des Lebens feine Glücksgüter in den Schoß geworfen hat. Die Ein­nahme wird einem Ausschuß der Vorstände der hiesigen Kriegervereine überwiesen werden, der bereitwillig die gerechte Verteilung an die wirklich hilfsbedürftigen Ve­teranen übernommen hat. Alles Nähere wird seiner Zeit durch Inserate im Gießener Anzeiger" und in der Gie­Allen Bener Zeitung" zur Kenntnis gebracht werden. denjenigen, welche verhindert sind durch Besuch der Vor­stellung die gute Sache zu unterstützen, aber doch zur Erreichung einer recht großen Einnahme beitragen wol­len, sei mitgeteilt, daß der Regiments- Adjutant Ober­

leutnant Jebens, Moltkestraße 18, bereit ist, jederzeit Spenden entgegenzunehmen und an den vorgenannten Ausschuß der Vorstände der Kriegervereine abzuführen.

Gießen, 10. März. Die sogenannte stille Zeit nimmt mit dem nächsten Sonntag ihren Anfang und dauert bis zum ersten Osterfeiertag. Während dieser Zeit sind öffentliche Schaustellungen, Tanzmusiken und ähn­liche Lustbarkeiten verboten, sofern der Regierungsprä­sident die Abhaltung nicht ausdrücklich gestattet.

* Lich. Herrn Emil 3 immer wurde das Eh­renzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuerwehren vom Großherzog verliehen.

Lauterbach. Hier wurde eine Zweigstelle der Zentrale für Mutter- und Säuglingsfürsorge eröffnet.

*

V

Friedberg. Die Erstaufführung des Volks­schauspiels Luther" hatte den gewünschten Erfolg. Die zahlreiche Zuhörerschaft folgte der Handlung mit andächtiger Spannung, einzelne Stellen lösten eine tiefe Bewegung aus und Weihestimmung beherrschte den Abend. Die Darstellung gelang vorzüglich und gereichte allen Mitwirkenden zur Ehre.

* Biedenkopf. Ein auf dem Oberbau der Neu­baulinie Raumland- Allendorf beschäftigter Arbeiter hatte dem Alkohol tapfer zugesprochen. Er kollerte den Ab­hang hinunter, geriet in die hoch gehende Eder und ertrant.

*) Herborn( Dill), 9. März. Auf dem heute ab­gehaltenen 2. diesjährigen Markt waren aufgetrieben 309

( Gießener Tageblatt)

Anzeigenpreis 15 Pfg.

die 44 mm breite Petitzeile oder deren Naum, auswärts 20 Pfg.; die 90 mm breite Petitzeile im Reklameteil 50 Pfg., auswärts 60 Pfg.; Tabellen mit 50% Aufschlag. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungs­zieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Gesamtleitung: Albin Klein.

Telephon: Nr. 362.

23. Jahrg.

Stück Rindvieh und 356 Schweine. Es wurden bezahlt für Fettvieh und zwar Ochsen 1. Qualität 88 his 90 Mt., 2. Qual. 85 bis 87 Mk., Kühe und Rinder 1. Qual. 83 bis 85 Mt., 2. Qual. 80 bis 82 Mt. per 50 Ferkel 36 bis 60 Mt., Läufer 70 bis 80 Mt. und Ein­Kilo Schlachtgewicht. Auf dem Schweinemarkte kosteten legschweine 85 bis 120 Mt. das Paar. Der nächste Markt findet am 6. April d. Js. statt.

Darmstadt. Der beurlaubte russische Minister­resident Baron von Knorring hat die Leitung der Ge­schäfte der hiesigen russischen Gesandtschaft wieder über­

nommen.

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Darmstadt. In einer Ausschußsitzung des Verbandes der Detaillistenvereine im Großherzogtum Hessen wurde angeregt, am Blumentage der Großher­30gin, der am 7. Mai stattfinden wird, eine allgemeine Schaufenster- Dekoration zu veranstalten.

Mainz. Ein Feldwebel riß sich an der vor­stehenden Hutnadel einer vorbeigehenden Dame eine tiefe Wunde unter dem linken Auge in die Wange. Die Dame suchte schleunigst das Weite.

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Offenbach a. M. Der Landesgewerbeverein für Hessen hält seinen Verbandstag anfangs November hier ab. Damit verbunden findet die 75jährige Jubi­läumsfeier des Verbandes statt.

* Aus Nassau. Der Nestor der nassauischen Lehrerschaft, Lehrer a. D. C. Denzer, feiert am 11. März seinen 90. Geburtstag. Er ist in Jostein geboren, tam als Waisenknabe nach Hadamar und wurde dann Lehrer, amtierte von 1866 bis zur Pensionierung 1892 in Nied.

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Kassel. Der Bundestag Deutscher Gastwirte fin­det vom 17.- 20. Juli in Kassel statt. Es werden zirka 400 Teilnehmer aus allen Gauen Deutschlands erwartet.

Soziales. Jugend- Vergiftung.

Um die Propaganda unter der Jugend noch inten­siver zu betreiben, geben sozialdemokratische Parteiblät­ter neben den besonderen Jugendorganen noch eigene regelmäßig erscheinende Jugendbeilagen heraus. In wel­cher Art und Weise hier die Erziehung" der Jugend be­trieben wird, davon liefert die Jugendbeilage der ,, Dort­munder Arbeiterzeitung, Der junge Kamerad" Nr. 3 vom 11. Februar 1911, ein abschreckendes Beispiel. Jm ersten, Katechismus überschriebenen Artikel versucht der Vater seinem Söhnchen, das zum ersten Male die Schule besucht, klar zu machen, daß beten gleichbedeutend sei mit lügen. Das Kind kann das nicht fassen, daß alle Menschen, welche beten, gleichzeitig lügen sollen und fragt erstaunt:

Der Lehrer auch?

Das weiß ich nicht. Jedenfalls muß er so tun, als ob er dran glaubte. Sonst kriegt er nichts zu essen.

Das ist aber gemein. Weißt du noch, Vater, wie ich die zwei Aepfel aus der Speisekammer genommen hatte, und nachher hab' ich gelogen, ich war es nicht? Ja, und Mutter hatte es doch gesehen.

Da hast du gesagt, wenn ich nicht sage, ich habe es getan, friege ich am Abend nichts zu essen. Ja, wer lügt, der kriegt nichts zu essen. Aber wenn der Lehrer lügt, kriegt er was zu essen? Ich will kein Lehrer werden.

Es gibt auch Lehrer, die nicht zu lügen brauchen. So? Wo denn, Vater?

Das ist in andern Ländern.

Jm weitern wird dem Kinde, nachdem ihm das Miß­trauen tropfenweise beigebracht, der Haß in derselben Quantität verabreicht. Der Zweck der Uebung ist er­reicht, das Kind leistet das gewünschte Versprechen, alle Nichtsozialdemokraten zu hassen, ehrlich zu hassen und nicht nachzulassen im Haß. In dem Schlußartikel ,,, Ka­puzinerpredigt" wider die Arbeiter- Jugend", vorgetragen auf dem lustigen Abend der Arbeiterjugend im Elber= felder Volkshause, finden sich folgende erzieherischen" Stilblüten:

Ins Zuchthaus sollt euch der Bethmann stecken, Da möget ihr faulen und verrecken(!) Und die Arbeiter- Jugend", eure Zeitung, Die gibt zu dem Frevel euch noch die Leitung, Die kann nur lügen, schimpfen und hetzen, Seht so, so reiße ich sie in Fezzen Und schmeiß' sie euch in die frechen Gesichter, Vermaledeite Bösewichter!

Und endlich gar hier, die Freie Presse", Die schlüg' ich am liebsten euch in die Fresse.(!)

Das ist keine Erziehung der Jugend, sondern Ver­giftung. Um der hier drohenden Gefahr vorzubeugen, gilt es die heranwachsende Generation in den konfes­sionellen Jugendvereinen und christlichen Gewerkschaften frühzeitig zu sammeln, damit sowohl auf religiös- sittli­chem wie wirtschaftlichem Gebiet der nötige Schutz und Rückhalt vorhanden ist.