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Mit einer Tee- Karawane durch die Mongolei.

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Am Wegesrande.

Eine Erinnerung aus dem manschurischen Feldzug.

Ebe ich die kleine Geschichte, deren ergreifenden Schluß ich erlebte, schildern kann, muß ich auf ein Erlebnis aus der Zeit des Winterlebens auf den Stellungen bei Mukden zurückgreifen. Es war im Februar, ein falter Tag mit Schneefall und bedecktem Himmel, als ich von General Orlow aufgefordert wurde, mit zum Infanterie­regiment Pokow zu kommen und dessen Regiments­feiertag mitzufeiern. Ich leistete damals der Aufforde­rung sehr gerne Folge. Das Regiment stand auf dem Felde nördlich des Dorses, in dem es biwakierte, in Baradeaufstellung ohne Gewehr angetreten. Der Regis mentskommandeur ließ das Regiment stillstehen und meldete dem General Orlow, hierbei spielte die Kapelle bie Nationalhymne. Kurz nach dem Divisionskommandeur fam in seiner Troika, gefolgt von seinem Stabe, zu Pferde, General von Bilderling angefahren. Er schritt mit dem Regimentskommandeur und den Offizieren, die mit ihm gekommen waren, die Front des Regiments ab, hierbei den einen oder andern der Leute, der im Besitze bes Georgkreuzes war, mit ein paar Worten begrüßend. Nach dieser kurzen Parade traten die Kompagnien weg, bie Mannschaften erhielten Tee und Kuchen, die Offiziere gingen zu den Vorstellungen. Auf dem Hofe einer Fanse war ein Zelt errichtet, in diesem eine Bühne und in der Bühne Holzbänke aufgeschlagen. Die Vorstellungen be­standen aus Chorgesängen, bdie von einem Unteroffizier birigiert wurden, Theaterstücken und Tänzen. Bei allen Aufführungen fiel mir das frische und muntere Gesicht eines fleinen Soldaten auf, bei den Gesängen sang er die höhere Stimme, bei den Theaterstücken spielte er weibliche Rollen, und bei den Tänzen sprang er in russischer Nationaltracht mit Lackstiefeln, schwarzen, wei­ten Hosen, und einer roten Schärpe in der Mitte des Kreises der bärtigen, alten Soldaten, die die Melodien bes Tanzes sangen, herum. Auf mein Befragen wurde mir die Geschichte des fleinen Soldaten erzählt:

Er war der Sohn des Feldwebels einer Kompagnie; auf Wunsch seines Vaters war er, da die Mutter nicht mehr lebte, freiwillig, trotzdem er erst sechzehn Jahre alt war, eingetreten. Sein Vater wurde seit der Schlacht von Liao- yang, in der das elfte Regiment unter General Orlow auf den Höhen von Van- tai gefochten hatte, ver­mißt; das Auskunftsbureau über die Gefangenen hatte angegeben, daß ein Feldwebel des betreffenden Namens nicht gefangen genommen war, man konnte also ziemlich bestimmt annehmen, daß er gefallen war. Der kleine Soldat hatte also weder Vater noch Mutter mehr, und boch sprang er lustig, mit hochroten Backen umher, als ob in seinem Herzen lauter Freude herrschte, daß er seinen Vorgesetzten seine Kunst zeigen konnte. General bon Bilderling, der ebenfalls das harte Los des Kleinen fannte, winkte ihm mehrmals freundlich zu.

bie Schlacht von Mukden und ihre Beobachtung füllten Ich sah ihn seit diesem Februartage nicht wieder, alle Zeit aus, das Regiment Pokow war nicht bei der Division. Anfang April, als ich in Santschulia am Bahnhofe vergeblich nach einem Rumpan suchte, sah ich ihn noch einmal; er trug das Georgskreuz und lenkte dadurch meine Aufmerksamkeit auf sich. Das Gesicht kam mir bekannt vor, doch entsann ich mich nach den vielen verschiedenartigen Eindrücken der letzten Wochen nicht ich ihn genau ansah; trat deshalb auf mich zu und fragte mehr, wo ich ihn gesehen hatte. Er hatte gemerkt, daß mich, ob ich ihm nicht sagen könne, wo sein Regiment stünde. Da das Regiment verschiedene Leute zum Post­bienst abzugeben hatte, so wurde er, wie ich nach meiner Rückkehr zur dritten Division erfuhr, da einmal in Santschulia anwesend, dazu bestimmt. So war er wohl auch nach dem linken Flügel, wo seine Regiments- und Divisionsnummer unbekannt waren, verschlagen worden, um einen Transport der großen, mit Retten verschnür­ten, ledernen Poststücke hierher zu geleiten.

Einige Zeit später ritt ich auf dem staubigen Feld­weg, der westlich von Heilungfiang um die Höhen führt, die sich wie ein Strand hinter der Stadt erheben, spazieren. Es war gegen neun Uhr morgens, keine Wolke stand an dem blauen sonnigen Himmel; unter den Strahlen der stechenden Sonne schien alles Leben erstorben zu sein. Ich war abgestiegen und ließ mein Pferd von dem Kosaken, der mich begleitete,( ohne Be­gleitung zu reiten ist verboten) führen. Ein Berghang war mit duftenden Maiblumen bedeckt, als ich mir einen Strauß davon pflückte, huschte nicht selten eine Schlange, die sich auf dem wie glühende Lava heißen Felsgeröli gefonnt hatte, unter ein schützendes Gebüsch. Tiefschwarze Schmetterlinge flatterten träge von einer Blume zur andern, sie fürchten den Menschen hier noch nicht, da sie von den Chinesen noch nicht verfolgt werden. An der nächsten Berglehne stieg der Weg höher den Berg hinauf, auf der einen Seite steil mit einem Hang von dreißig Meter Höhe zu einem kleinen Gebirgsbach ab­fallend, auf der andern Seite die hohe Felswand.

Der ganze Berg war mit mannshohen Büschen be­deckt, deren Zweige sich seit einigen Wochen mit dem jungen Grün des Frühlings geschmückt hatten. Die Stille der Natur, die durch keinen Laut einer menschlichen Stimme unterbrochen wurde, hatte etwas majestätisch Großartiges. Unter dem Hufschlag der beiden Pferde löste sich zuweilen ein Stein und rollte polternd, die feierliche Stille unterbrechend, in den plätschernden Back zu unseren Füßen hinab; eine Schar von Fliegen um­schwirrte die schweißbedeckten Pferde, die sich vergeblich durch Schütteln der Mähne und durch Wedeln mit dem Schweif der aufdringlichen Plagegeister zu wehren such­ten. Drei Geier 30gen langsam im blauen Äther ihre Kreise, bald nach rechts, bald nach links mit den weiß­gestreiften Schwingen sich wiegend. Der Berg macht eine scharfe Wendung nach Norden. Als ich um die Ecke biege, sehe ich aus einem Gebüsch zwei Stiefelsohlen hervorragen. Ich will den Schläfer wecken und schlage das Gebüsch auseinander. Da liegt mein Freund vom Regiment Polow auf dem grünen Rasen, die verglasten Augen sind starr auf mich gerichtet, der rechte Arm ist im Ellenbogengelent rechtwinklig gebogen und krampf­haft ausgestreckt. Ich trete näher an die Leiche des aus dem Hinterhalt Erschossenen heran. Fünf Kugeln haben ihm die Brust durchbohrt, davon hat eine das Georgs­freuz durchschlagen und mit der scharfen Ecke in die Wunde gedrückt. Ein sechster Schuß hat den Hals ge­streift, das hellrote Blut rinnt noch aus der Wunde. Ich drücke dem Toten die Augen zu und schicke meinen Begleiter nach dem nur eine Werst entfernten Rosaken­posten, um den Führer zu benachrichtigen. Dieser trifft mit drei Kosaken schon nach kurzer Zeit ein. Der Er­schossene hatte, wie mir der Kosakenunteroffizier sagte, vor anderthalb Stunden den Posten verlassen, um ein auf dem vorhergehenden Posten vergessenes Paket zu holen. Bei diesem Ritt war er erschossen worden. Man hatte ihm Gewehr und Patronen geraubt. Die Kosaken schaufelten schnell ein Grab auf der Wiese am Gebirgs­bach unten, und zwischen Maiglöckchen und blühendem, duftendem Ginster wurde der junge Soldat, der in treuer Erfüllung seines Berufes den Tod durch die Hand eines feigen Meuchelmörders gefunden hatte, zur Ruhe ge­bettet. Sollte man ihm das Georgskreuz nehmen, um es ſeinen Vorgesetzten zu schicken? Mir fielen die Zei­

len ein:

Das Ehrenkreuz am roten Band

Sollt ihr ans Herz mir legen.

Jch hielt es nicht für meine Pflicht, die Kosaken daran zu erinnern, das zerschossene Ehrenzeichen dem Gefallenen abzunehmen.

U.

Blid auf Moskau.

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In Moskau konzentriert sich der gesamte Zeehandel, der auf dem Wüstenwege von China nach Rußland vermittelt wird. Der eigenartigste Tee wurde mir bei den Kalmücken kredenzt. Sie bereiteten nämlich ebenfalls aus Ziegel­tee in einem großen Eimer eine dunkelbraune Brühe und würzten diese dann mit einer gehörigen Dosis Schafsfett sowie einer Prise Salz.

Sorten, die zumeist nicht einmal ins Ausland gehen, da das Mutterhaus schon in der russischen Aristokratie genügend Abnehmer findet.

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Die mit dem Versand von Tee verbundenen Ge­schäfte sind teilweise recht umständlich und zeitraubend. Es genügt nicht, daß der Kaufmann in Moskau für die Messe in Nishni Nowgorod bei seinem chinesischen Geschäftsfreund einfach soundso viele tausend Pud ( 1 Pud 40 Pfund) von dieser und jener Sorte Tee bestellt. Zumeist haben die großen Tee- Import­häuser ihre besonderen Kontore in Sibirien und ich nahm Gelegenheit, die Vertretung eines Moskauer Hauses in Tomsk( Westsibirien) aufzusuchen. Da war ich denn wirklich überrascht, denn ein galonierter Diener empfing mich am Hauseingang, erbat sich meine Karte, die er auf einem silbernen Teller in das Kontor trug und öffnete sodann mit einer tiefen Ver­beugung die lederbeschlagene Tür zur Privat- Office des Direktors. Ein Herr trat mir entgegen, in Grazie und Kleidung eine durchaus weltmännische Erschei­nung, aber mit der gewinnenden Herzlichkeit, die allen Russen eigen ist. Sein großer Diplomaten- Schreibtisch war mit einer Fülle von russischen und chinesischen Schriftstücken bedeckt, zumeist Kaufverträge, wie er mir während des Gesprächs mitteilte. In verschlossenen Glastuben standen überall die verschiedensten Tee­proben und mehrmals am Tage vermittelte der Draht die neuesten Preisnotierungen aus den chinesischen Produktionszentren, die nach Kenntnisnahme alsbald an das Stammhaus in Moskau weitergegeben werden. Den Geldverkehr besorgte für die Firma die Russisch­Chinesische Bank.

Der Direktor führte mich dann durch die übrigen Geschäftsräume, die durchaus nach amerikanischem Sy­stem eingerichtet waren. In einem mit Ventilations­anlage versehenen Lagerraume standen hochaufgestapelt mit Leder bezogene Kisten, die die von den Einkäufen des Hauses mitgebrachten Proben der letzten Tee­ernten enthielten. Man meinte, sich in einem Blumen­garten zu befinden, so berauschend war der Duft des Tees, sobald eine der Kisten auch nur ein wenig ge­öffnet wurde. Das waren nun freilich die allerbesten

Für den Abend wurde ich zu einem kleinen Jmbiß eingeladen. Dies gab mir Gelegenheit, auch die Woh­nung eines der Beherrscher des Teemarktes kennen zu lernen. Ich hatte mich gewiß schon daran gewöhnt, Kunstschätze auch in Sibirien bewundern zu können, aber die Ausstattung jenes Hauses übertraf doch meine Erwartungen. Zumeist waren es kostbare Seltenheiten aus China, die da zur Ausschmückung der Zimmer Verwendung gefunden hatten, aber auch echtes Kristall und Gemälde alter Meister waren mit großem Ge­schmack untergebracht. Fein ziselierte Kronleuchter, mit elektrischem Licht eingerichtet, die teuersten Damast­vorhänge und blinkendes Gold und Silber zeugten

vom Reichtum des glücklichen Spekulanten. Freimütig er­zählte mir dieser Krösus, wie noch sein Großvater und sein Vater eigenhändig die Kara­wanen leiteten, als einfache Rameltreiber, später als Führer und zuletzt als Kaufleute.

Wüstenbewohner beim Teefochen.