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Gießener Zeitung

( Neueste Nachrichten)

Bezugspreis 40 pfg. monatlich Enthälf alle amfi. Bekanntmachungen

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olerteljährlich 1,20 r., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig ausgabestellen vierteljährlich 90 fg. Erscheint Dienstags, Donnerstags, Samstags. Redaktion: Seltersweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H.

Nr. 221.

Telephon: Nr. 362.

Parteipolitisches.

Reichstagswahlen 1912. Staatssekretär von Lindequist Reichstagskandidat? Es besteht die Erwäg­ung, dem bisherigen Staa, ssekretär des Reichskolonial­amtes v. Lindequist ein Reichstagsmandat anzubieten. Homburg v. d. H. Die Nationalliberalen haben den Pfarrer Küster aus Höchst zum Kandi­daten nominiert.

Neustadt a. H. In einer Versammlung des nationalliberalen Vereins wurde einmütig Exzellenz Bürklin als Reichstagskandidat für Neustadt- Lan­dau vorgeschlagen.

Stuttgart. Die württembergischen Zentrums= abgeordneten Gröber und Erzberger sind in ihren Wahlkreisen wieder als Kandidaten zur Reichs= tagswahl aufgestellt worden; beide haben angenommen.

Paderborn. Im Wahikreise Warburg- Hör­ter stellte das Zentrum als Reichstagskandidaten ein­stimmig Frhrn. v. Kerkering- Borgrinkerode auf. -Wittich. Das Zentrum stellte den Kaufmann Jakob Ast or aus Bernkastel- Cues als Kandidaten auf.

Hessische Landtagswahlen 1911.

§ Der Vorstand des Hess. Bauernbundes wird heute in einer Beratung bezüglich der Stichwahlen und anderen Fragen Stellung nehmen.

§ Amtliche Ergebnisse der Land­tagswahl. Das amtliche Ergebnis der Landtags= wahl in Gießen Stadt mit Wieseck weist bei 3851 abgegebenen gültigen Stimmen für Fabrikant A. Klingspor( nail.) 1362, Professor Urstadt( freis.) 1256 und Redakteur Vetters( S03.) 1233 Stimmen auf.

In Großen Linden Heuchelheim ent­fielen auf Bürgermeister Leun- Großen- Linden( B. d. L.) 2804, auf Schneidermeister Diehl- Gießen( Soziald.) 1053 und auf Bürgermeister Kreiling- Heuchelheim( fort­schrittliche Volfsp.) 633 Stimmen.

In Lich erhielten Landwirt Fenchel- Oberhörgern ( B. d. L.) 2898, K. Häuser- Steinberg( S03.) 977 und Seminarlehrer Leuchtgens- Friedberg 820 Stimmen.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 9. November 1911.

n) Die gestrigen Wahlen zur Ortsfranken­tasse Gießen waren im Verhältnis zu früher we­fentlich lebhafter. Auf die Arbeitgeberliste sind insgesamt 136 Stimmzettel abgegeben worden, davon entfielen 118 auf die gemeinsam vom Kaufmännischen Verein und vom Gewerbeverein aufgestellten Kandidaten und nur 18 auf diejenigen des Gewerkschaftskartells. Von Seiten der Arbeitnehmer wurden 621 Stimmen abgegeben, die sämtlich auf die Liste des Gewerkschaftskartells fielen.

n Wegen Blutschande an seiner minder jährigen Tochter ist gestern ein hiesiger Familienvater verhaftet worden.

n Ueber den Zusammenbruch des Glau= bens spricht auf Veranlassung der Freidenker­Vereinigung der Schriftsteller E. Vogtherr heute Donnerstag abend im Hotel Einhorn.( Näheres siehe Inseratenteil.) Vogtherr ist einer der besten Redner der Freidenkerbewegung, was schon einen Besuch des Vor­trages lohnend macht, zumal das zu behandelnde Thema in unserer Zeit der religiösen Gährung sicher von In­teresse ist.

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r Gegen die Maul- und Klauenseuche scheint so schreibt ein landwirtsch. Blatt jede Absperrungsmaßregel vergeblich zu sein. Das mußten auch die Bewohner von Pellworm fahren. Die Pellwormer hatten trotz der meilenweit ent­fernten Lage ihres Eilandes vom Festlande alle mög­lichen Maßregeln zum Schutze gegen das Uebergreifen der Seuche getan. Der Dampfer expedierte seit Mona­ten kein Vieh mehr vom Festlande, und alle ankommen­den Personen mußten ihre Füße auf mit Lysol getränk­ten Wattematten abtreten. Trotzdem ist auf Pellworm die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen.

o Nieder Mörlen. Eine hier stattgehabte Bür­gerversammlung sprach sich für Errichtung eines Schwe­sternhauses, verbunden mit Kleinkinderschule, aus. Von sämtlichen 174 Bürgern haben sich bis jetzt 168 als Mitglieder mit einem Wochenbeitrage von 10 Pfg. in den neuen Verein eingezeichnet.

o Friedberg. In einer Versammlung von Ver­tretern der Kreisämter Büdingen und Friedberg, sowie einer Anzahl Gemeinden aus der Wetterau, wurde be­

der Großherzoglichen Bürgermeisterei

des Großherzoglichen Polizei- Amfes Behörden Oberhessens Expedition: Seltersweg 83. ( Haus Brüder Schmidt.)

sowie vieler anderer

Donnerstag, den 9. November 1911.

( Gießener Tageblatt)

Anzeigenpreis 15 pig. die 44 mm breite Inseratenzeile. Stellen gesuche und Familienanzeigen 10 Pig. Die 90 mm breite Zeile im Reklameteil 50 Pig. Extrabetlagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungs­zieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Bettreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Berbindlichkeit. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. w. b..

Telephon: Nr. 362.

23. Jahrg.

schlossen, dem Bau einer Eisenbahn Friedberg- Ranstadt| Futternot. Allgemein war man der Ansicht, daß die

näher zu treten.

o Wetter. In der Gemarkung Oberrosphe legte ein Förster einen vollständig weißen Fuchs.

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o Dorheim. Der Großherzog hat zum 8. Nov. dem hiesigen Lehrer Ferdinand Weitz zu Dorheim das Ritterkreuz 2. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.

o Reichelsheim. Die zu Beginn des vorigen Monats hier ausgebrochene Maul- und Klauenseuche hat namentlich an Großvieh viele Opfer gefordert.

o Nieder- Erlenbach. Montag nacht brannte die im vorigen Jahre neu erbaute Scheuer des Gast= wirts Schneider hier vollständig nieder.

o Büdingen. Eine Veteranenehrung beabsich­tigen Stadt und Kriegerverein dadurch auszuführen, daß am Rathaus auf einer Ehrentafel die Namen sämtlicher Kriegsteilnehmer angebracht werden sollen.

s Unser Erb großherzog vollendete gestern sein fünftes Lebensjahr. Mit den hohen Eltern nimmt auch unser Hessenland innigsten Anteil an diesem Tage in der Großherzoglichen Familie.

s Urberach. Mehrere Hunde fielen in eine nicht weit vom Bahnförper eingepferchte Schafherde ein. Diese durchbrach den Pferch und lief dem Scheine eines Per­sonenzuges entgegen. Der Zug fuhr in die Herde hin­ein, tötete 38 Tiere und verletzte eine Anzahl. Der Scha­den beläuft sich auf etwa 1500 Mt.

s Darmstadt. Die Hofhaltung wurde gestern nachmittag von Jagdschloß Wolfsgarten in das Resi­denzschloß verlegt.

! Ober- Ingelheim. Einen eigenen frei religiösen Lehrer erhielt auf Antrag beim Ge­meinderat die hiesige freireligiöse Gemeinde", die vor etwa Jahresfrist ein neues Bethaus erbaute.

Ernte fast überall fläglich ausgefallen sei. Um dem droh enden Futtermangei entgegenzutreten, wurde empfohien, im Frühjahr rechtzeitig Rotflee mit Grassamen, sowie Mais, Hirse oder Wicken auszufäen. Reichliche Herbst­düngung sei zu empfehlen. Landrat von Löwenstein zu Löwenstein berichtete über die Verhandlungen wegen Beschaffung von elektrischem Licht und Kraft für die Landgemeinden. In Betracht kämen die projektierten Ue­berlandzentralen der Edertalsperre und der Stadt Gie­ßen. Die Verhandlungen hierüber seien eifrig im Gange.

):( Frankfurt a. M. Handelsminister Sydow wird heute am Donnerstag hiesige Anstalten und An­lagen besichtigen. Soweit bis jetzt feststeht, wird der Minister die Börse, die Handelshochschule, die Gold- und Silberscheideanstalt, den Osthafen, eine Anzahl Lehran­stalten und mehrere Handwerksbetriebe besuchen, und zwar eine Bäckerei, eine Metzgerei, sowie noch einen drit­ten Betrieb; daran wird sich eine Besichtigung der Höch­ster Farbwerke schließen.

):( Frankfurt a. M. Ein radfahrender Bäcker­bursche wollte einen Wagen der elektrischen Straßenbahn überholen. Als er vor dem Wagen auf das Geleis ein­schwenkte, blieb er mit seinem Rade zwischen den Schie­nen hängen und kam zu Fall. Nur dem Umstande, daß er mit seinem Tragforbe am Puver hängen blieb und der Wagenführer den Wagen sofort zum Stehen brin­gen konnte, verdankt der unvorsichtige Radfahrer sein Leben.

):( Herbstein. In unserem Ort, der erst vor einiger Zeit durch einen verheerenden Brand heimgesucht wurde, hat wieder Großfeuer geherrscht. Es sind 12 Wohnhäuser mit Nebengebäuden abgebrannt. Men­schen und Vieh sind nicht umgekommen. 14 Familien wurden obdachlos. Bei dem starken Sturm waren die Löscharbeiten sehr erschwert.

):( Hettenhausen. Hier brach Dienstag vor­Schnelligkeit um sich griff, daß bis abends 6 Uhr be­reits 25 Wohnhäuser eingeäschert waren.

! Wöllstein. Nach einer Luftballonfahrt von Kreuznach nach Rheinhessen mußte die Luftschifferin Kät- mittag 11 Uhr Großfeuer aus, das mit derartiger chen Paulus aus Frankfurt in der Nähe von Gumbs­heim auf freiem Felde landen. Trotzdem sich Fräulein Paulus bereit erklärte, den Flurschaden bezahlen zu wol­len, erhielt sie einen Strafbefehl wegen Feld fre=

vels.

):( Wiesbaden. Der Entwurf der neuen Rhein­uferstraße von Rüdesheim nach Oberlahnstein bean= sprucht einen Kostenaufwand von 900 000 Mt.

):( Wiesbaden. Der Verkauf von Seefischen, Kartoffeln und Weißkraut bedeutet eine glückliche Lö­sung der Teuerungsfrage. Insgesamt wurden in den ersten drei Tagen des Verkaufs 58 700 Kilo Kartoffeln und 8665 Kilo Weißtraut abgegeben.

):( Frankenberg. Ein Einwohner aus einem Dorfe des Kreises Frankenberg, der ein von der Bahn überfahrenes und dadurch zu Tode gekommenes Reh sich angeeignet hatte, war wegen Jagdvergehens vom Schöf Röfengericht zu 50 Mark Geldstrafe verurteilt worden. Die von dem Angeklagten eingelegte Berufung wurde der Marburger Straffammer verworfen.

! Mainz. Ein Zahntechniker 30g einer Frau vom Lande sämtliche gesunden Zähne aus und schwatzte ihr dann um teuren Preis ein minderwertiges Gebiß auf. Die Mainzer Straffammer diktierte dem Mann 6 Wochen Gefängnis, nachdem die vorhergehende Instanz ihn zu 50 Mark Geldstrafe verurteilt hatte. Die Gemeinden ):( Aus dem Biebertale. Hermannstein, Naunheim und Waldgirmes sind schon seit einer Reihe von Jahren auf ihren Wunsch dem Amtsgericht Wetzlar zugeteilt. Bei den Orten nigsberg, Bieber, Rodheim und Fellings­hausen bestehen in der Entfernung zwischen den Amtsorten Gladenbach und Wetzlar gleichfalls bedeutende Unterschiede. Es mögen dieselben hier folgen: Königs­berg von Wetzlar 14,3, von Gladenbach 21,9 Kilomtr.; Bieber von Wetzlar 10,8, von Gladenbach 20,4 km.; Rodheim von Wetzlar 13, von Gladenbach 22,5 km., und endlich Fellingshausen von Wetzlar 16, von Gla­denbach 19,3 Km. Schon aus diesem Grunde erscheint der lang gehegte Wunsch unserer Bewohner nunmehr endlich mit Gladenbach bezw. der entlegenen Kreisstadt Biedenkopf durch eine Bahn verbunden zu werden, wohl berechtigt.

):( Vom Westerwald. Die Kartoffel= ernte des Westerwaldgebietes soll ganz vorzüglich aus­gefallen sein, besonders auf den tiefgründigen und schwe­ren Bodenarten. Die Landwirte bestätigen, daß die Kartoffelernte besser als die des Jahres 1910 ist. Der Durchschnittsbetrag für den Westerwald kann auf reich­lich 85 Zentner pro Morgen angenommen werden, von Sorten wie Alma oder Up to date reichlich auf 96 bis 100 3entner pro Morgen.

2):( Marburg. Kommenden Samstag wird in der Nordschule zu Marburg wieder eine Zusammenkunft der Turn- und Spiel- Vereinigung Marburg- Kirchhain" stattfinden.

):( Marburg. Der Wirkl. Geh. Rat Professor Dr. Exz. von Behring hat bei dem Deutschen Museum in München ein Kapital hinterlegt, dessen Zinsen jähr­lich einem Abiturienten des Gymnasiums Philippinum hier ermöglichen sollen, die einzigartigen Sammlungen des Museums zu studieren. ):( Marburg. In einer letzten Samstag hier abgehaltenen Versammlung des landwirtschaftlichen Kreis­vereins kam es zu einer interessanten Aussprache über die diesjährigen Ernteergebnisse und die Bekämpfung der

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):( Kassel. Eine von über 1000 Eisenbahnhand­wertern und Arbeitern besuchte Versammlung nahm am letzten Sonntag in Gegenwart von Abgeordneten und Vertretern der Eisenbahnverwaltung Stellung gegen die gegenwärtige Teuerung und ihre wirtschaftlichen Folgen. Die Versammlung erklärte sich gegen Teuerungszulagen und forderte allgemeine Lohnerhöhungen für alle Ar­beiter und Handwerker in den Eisenbahnbetrieben.

):( Siegen. Die Stadt Siegen hat bei dem Dorf Dreis- Tiefenbach ein Geiände angekauft, das eine Waj­fermenge von 3900 Cbm. täglich liefert.

! Bei den jetzt so teuren Zeiten nimmt die sparsonne Hausfrau Kathreiners Malzhäffen.

der Gehalt macht' 6!