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Die schwarze Mamba.

vorstreckt. Außerdem hat Nymegen selbst so schöne An­

lagen, daß es zweifellos zu den schönsten Städten Euro­pas zählt.

Mittelpunkt dieses Landes und jedenfalls als das Zentrum unserer Reisepläne, von dem aus wir uns nord-, süd­und westwärts bewegen, um einen Überblick über die anderen

Wir betrachten daher Geldern gewissermaßen als den Provinzen zu erlangen.

Die schwarze Mamba.

Stizze aus Südafrika.

m, nicht schlecht, diese Geschichte," sagte Jim Forster, in­dem er sein einziges Auge fniff, was ihm ein abschreckendes Aussehen verlieb." Aber ich könnte euch eine Geschichte er. zählen, die mindestens doppelt soviel wert ist, eine Geschichte, wo noch' ne ganz andere Sorte von Schlangen vorkommt."

Wir saßen im Lustigen Digger",") wo wir einige geistige Nahrung zu und nahmen, und ich hatte eben ein Abenteuer zum besten gegeben, welches ich in den Kloofs" mit einer Viper bestanden hatte. Da aber an der ganzen Sache nicht viel dran war, batte ich meine Phantasie zu Silfe genommen, um die Geschichte so interessant wie möglich zu machen. Ich schmeichelte mir auch, die Situation mit solch einer Fülle staunenswerter und unerwarteter Zufälle ausgemalt zu haben, daß ich es für unmöglich hielt, darin übertroffen zu werden, ohne je den An­spruch auf Glaubwürdigkeit zu verlieren. Ich sah daher ver­wundert auf, als der einäugige Digger sich anbot, eine Geschichte, doppelt soviel wert als die meinige, zu erzählen.

Die wenigen Männer, die sich noch in der Wirtsstube be­fanden da die Nacht schon ziemlich vorgeschritten war und die Arbeit in den Diamantenfeldern zeitig beginnt, diese Männer, die mit angehaltenem Atem an meinen Lippen hingen, als ich zu der Stelle fam, wie ich die Viper aus meiner Hose zog, in die sie, während ich schlief, gefrochen war und sich um mein Bein gewickelt hatte, dieselben wandten sich jetzt, so recht die wankelmütige Volksgunst illustrierend, meinem Rivalen zu und forderten ihn, die Gesichter voll gespanntester Erwartung, auf, seine Geschichte loszulassen.

Am eifrigsten drang Dick O'Flicher auf den Anfang. Dieser rothaarige Sohn Jrlands benuste nämlich stets die Aufmert. samkeit der anderen, um sich des herumwandernden Schnaps. glases zu bemächtigen. Er stand daher von seinem Gige auf und während er den Whisky nicht aus den Augen ließ, sagte er: Bei St. Patrick, freue mich riesig auf die Geschichte; glaube im Sinne der anwesenden geehrten Gentlemen zu handeln, wenn ich versichere, daß wir sehr dankbar für den Genuß sein werden." End sich mit einer geschickten Handbewegung des Whiskys bemächtigend, tat er einen tiefen Schluck, der den Boden des Glases zutage brachte. Jim Forster, dem diese Aufforderung augenscheinlich schmeichelte, tat einige träftige Züge aus seiner Pfeife und begann:

Es mögen einige Jahre bereits her sein, als ich einmal in Marigburg zu tun hatte. Ich lebte damals in Campertown und benutzte zu meiner Reise eine treffliche Stute aus Charles Millers Zucht, die jeder, denke ich, in Natal tennt. Ich weiß nicht, ob ihr den Weg kennt, der von Campertown nach Maritz burg führt, fann euch aber sagen, daß die Straße gar nicht schlecht ist. Ich war schon eine gute Strecke geritten, als mein Pferd plötzlich scheute und mich beinabe abgeworfen hätte. Wie ich mich nach der Ursache umschaue, erblicke ich eine schwarze Mamba, die von einer Erdböbe langsam zu mir herabkroch. Ihr wißt, daß die schwarze Mamba ein so etliches Gewürm ist, als man nur in Natal finden kann. Wir haben davon ja auch eine ganz bübsche Kollektion aufzuweisen. Die ist nicht wie eine andere Schlange, die einen nicht belästigt, wenn man sie nicht reizt, die greift einen aus reiner Bosheit an, wenn man ihr zufällig in den Weg kommt. Ich kannte natürlich die Bosheit Dieser Bestien, aber da sie mindestens dreißig Yard von mir entfernt war, so ritt ich unbekümmert meines Weges. Ich war aber keine zwanzig Schritte weiter gekommen, als mein Pferd zu zittern und vor Angst zu schwißen begann. Ich dachte, es müsse eine andere Schlange sein, da ich aber vor und neben mir nichts erblicken konnte, wandte ich mich um, und was fab ich? Raum fünf Yard vinterdrein, uns verfolgend, so rasch sie nur vorwärtsschießen konnte, die Mamba.

Ich fühlte keine Furcht, nein, so wahr ich lebe, nicht eine Spur davon. Und warum auch? Ich war zu Pferde und falkulierte, daß keine Schlange, die man sich nur denken kann, es mit einem Pferde aufnehmen könne. So gab ich meinem Rosse die Sporen und trabte davon, gerade nur rasch genug. um das Reptil hinter mir zu lassen. So zehn Minuten war

*) Goldgräber, Diamantgräber.

ich nun etwa weiter geritten, als ich mich, ich weiß selbst nicht weshalb, umblickte, denn ich erwartete durchaus nicht, irgend etwas zu sehen. Bei meiner armen Seele, Freunde, die Schlange war wieder da, immer im gleichen Schritt hinter mir, vielleicht sogar sich etwas nähernd. Das schlug alles, was ich je gehört hatte. Ich war zwar noch immer nicht erschreckt, aber ich trieb doch meine Stute an, wobei ich mich umsab, was die Kanaille jetzt tun werde. Die ersten paar Ausgriffe meines Pferdes trugen mich wohl von ihr weg, und ich war eben im Begriff, die Hand zu schwenken und ihr zu sagen: Strapaziere dich nicht so arg, ich kann nicht auf dich warten, und nie soll ein Tropfen Whisky mehr in meine Kehle kommen, und ich will ewig verdammt sein, wenn ich nicht sah, daß die Schlange jetzt ihren Schwanz in die Luft hinaufbog, ihren Sals nach rückwärts drehte, die Spitze des Schwanzes in den Mund nahm und so hinter mir daherrollte; denkt euch nur um alles in der Welt, wie die Reifen, welche die Kinder treiben. Ihr könnt euch vorstellen, daß ich erstarrt war. Freunde, ich begann mich ganz elend zu fühlen und fürchtete nun beinahe wirklich, daß es mir nie gelingen würde, diesem elenden Gewürm zu entrinnen. Abermals drückte ich meinem Pferde die Sporen in die Seiten, aber so schnell ich dahinflog, die Schlange flog noch schneller. Das Pferd war mit Schaum bedeckt, die Hügel, das Gras, die Landstraße schienen an mir vorbeizufliegen, aber immer noch kam der schwarze rollende Reifen hinter mir her. Ich sprengte über die Brücke von Maritzburg und raste durch die Straßen. Ich konnte sehen, wie die Leute alle wie toll in die Säuser rannten und Türen und Fenster verschlossen. Sie hatten die Mamba mir folgen sehen. Einige stiegen auf die Dächer, um einen besseren Anblick der Jagd zu haben, und ich hörte Wetten auf die Schlange abschließen. Wie ein Blitz flog ich dahin; die Mamba, die genug Sport getrieben zu haben glaubte, ge­wann mehr und mehr an Terrain und plante augenscheinlich Böses. Auf einmal rief mir eine Stimme zu: Nehmt eine scharfe Ecke, Ihr Narr, es ist der einzige Ausweg!" Freunde, das Wort war eine Erlösung. Ich riß mein Pferd mit aller Kraft herum und bog in die nächste Querstraße ein. Die Mamba, welche sah, daß ich ihr entwischen mußte, streckte sich gerade aus und tat einen Sprung, aber sie fiel zu kurz und bloß einige Schwanzhaare meines Pferdes erhaschte sie noch. Jch ritt nun dabin, die Straßen durchkreuzend, und erst als sich die Schlange nicht mehr zeigte, kehrte ich um. ff! Es wird mir jetzt noch heiß, wenn ich daran denke."

Wir blieben still bei Beendigung dieser seltsamen Geschichte, und Jim Forster blickte umber mit herausforderndem Auge. Dick D'Flicher übernahm es, die Anerkennung der Gesellschaft zu äußern. Nachdem er den letzten Rest des noch vorhandenen Branntweins in seine unergründliche Kehle gegossen, schwenkte er die Hand graziös gegen den Einäugigen und sagte: Es scheint, daß mir die Pflicht überlassen bleibt, im Namen der sebr ehrenwerten Gesellschaft den Dank auszudrücken. Sehr interessante Geschichte, bei St. Patrick, sehr interessant, fast wunderbar."

, Eine sonderbare Geschichte, nicht wahr?" fragte Jim lauernd. Klingt ein wenig unglaublich? Kaltuliere, daß ihr sie so findet."" Allerdings," sagte einer, sie flingt ein wenig un­glaublich, beinahe. Dennoch ist sie wahr," sagte Jim,

so wahr als ein Evangelium, jedes Wort davon; hoffe, daß keiner von euch denken wird, ich hätte gelogen." " O nein, sicher nicht!"

" Weil," fuhr er unbeirrt fort, wenn irgendeiner von euch so dächte und dies vielleicht auch äußern möchte, er es nur ungestört tun soll. Wir könnten dann bald sehen, auf weffen Seite das Recht steht."

Bei diesen Worten begann er seine Semdärmel aufzuftreifen und zeigte ein paar braune, muskulöse Arme.

Wir alle waren fest überzeugt, daß Jim niederträchtig ge­logen hatte, aber sollten wir riskieren, uns durch den notorischen Raufbold in den Zustand seiner Einäugigkeit versetzen zu lassen, bloß für die Genugtuung, ihm das zu sagen? Es fiel das niemand ein. Wir überließen Jim seinen Triumph und begaben uns zur Nachtrube in unsere Zelte. B. Schidlof.

V

Eine Fahrt auf der Elbe.

Eine Fahrt auf der Elbe.

om deutschen Rhein fünden tausend Sagen und Lieder, der Ruhm der Elbe ist nicht im gleichen Maße in die Herzen aller Deutschen eingedrungen. Und doch bergen auch ihre Ufer Schätze an Schönheit, doch schlingt sich auch um sie ein Kranz aus Sage und Geschichte. Ich bin selbst ein Sohn des Rheins, und alle seligen Erinnerungen der Jugend werden in mir wach, wenn ich seiner leuchtenden Schönheit gedenke. Aber ich möchte doch einmal für die Elbe eine Lanze brechen und betonen, daß sie sich nicht zu bescheiden im Hintergrunde zu bergen braucht. Tausende grüßen ihre Quelle im Riesengebirge, das fleine Bächlein, das hell aus der Bergwiese hervorsprudelt Nur wenige hundert Schritt fann es den Lauf nach eigener Lust verfolgen. Dann, wie es sich übermütig von der Höhe schäumend ins Tal zwischen die stattlichen Tannen stürzen will, sperren Menschenhände es in Schranken. Der Reisende, der in wenigen Stunden vom Fuße des Riesengebirges sich vom Dampfroß nach Dresden führen läßt, sieht den munteren Bergbach als statt lichen, breit und etwas träg dahinflutenden Gesellen wieder, der auf seinem Rücken gewaltige Lasten schleppt. Viele Ausflügler fennen den Strom von einem turzen Abstecher nach der Säch. sischen Schweiz, durch die er von Böhmen hergezogen kommt. Aber wie genußreich die Dampferfahrt von Dresden über die Sächsische Schweiz hinaus ins Böhmische Mittelgebirge ist, wissen noch recht wenige.

Die Sächsisch- Böhmische Dampfschiffahrts- Gesell. schaft, die im Juli dieses Jahres auf ihr 75jähriges Be stehen zurückblicken konnte, hat von Dresden aus einen Dampfer­verkehr eingerichtet, der stromabwärts an den anmutigen Hängen der Lößnißberge vorbei über Meißen und Riesa bis Mühl­berg führt, stromauf bis nach Leitmeritz in Böhmen. Die Fahrten auf den Dampfern sind in jeder Beziehung ein Genuß. Gleich die Ausfahrt, die man am Fuße der weltberühmten Belvedere antritt, gibt den Blick auf ein reizendes Panorama frei. Am rechten ülfer dehnt sich die Altstadt hin, während

links hinter den Prachtbauten der Ministerien der Höhenzug beginnt, der sich zum Weißen Sirsch, dem berühmten Luft­furort, hinaufzieht, und weiterhin bei Pillnig im Porsberg seine höchste Erhebung erreicht. Besonders im hellen Sonnen­licht bieten die villengekrönten Höhen mit ihren sorgfältig ge pflegten Parts ein malerisches Bild. An den drei hochragenden Königsschlössern vorbei gelangt man in halbstündiger Fahrt nach Blasewis, das durch eine höchst eigenartige Brücke, das so. genannte blaue Wunder, mit dem gegenüberliegenden Losch­wit verbunden ist. Sier sieht man links auf halber Höhe das Haus, in dem einst Körners Vater wohnte und Schiller als Gast in den Jahren 1785-87 den Don Carlos" schrieb. Auch in Blasewitz erinnert der an der Dampferhaltestelle gelegene Schillergarten an des Dichters Aufenthalt, während das jetzt noch eristierende Restaurant, in dem einst die berühmt gewordene Gustel tätig war, weiter im Orte liegt und vom Dampfer aus nicht sichtbar ist. An Wachnitz vorbei, wo ein fönigliches Schloß inmitten von Reben von der Höhe herabwinkt, gelangt das Schiff nach Pillnig, wo wieder unmittelbar am Wasser der langgestreckte Bau eines Wettiner Schlosses sich binziebt. Auf der weiteren Fahrt bis Pirna fallen rechts die zahlreichen Riesen­schlote der Papier- und Zelluloſefabriken in und bei Heidenau auf. Pirna selbst ist ein hübsches altes Städtchen, das von einem alten Schlosse, dem Sonnenstein, überragt wird, in dem sich jetzt eine Zrrenanstalt befindet.

Unmittelbar hinter Pirna beginnen auf beiden Seiten die Höhenzüge des Elbsandsteingebirges sich zu türmen. Nackte Felswände und table Steinbruchbalden wechseln ab mit grünen Wiesenhängen und waldigen Berglehnen. Zwischen Weblen und Rathen springt hart wie die Lorelei die Bastei an den Strom vor, ein seltsames Felsgebilde, das von Rathen her auf einer Treppe, von Wehlen her, sehr bequem, selbst in Ge­fährten, erstiegen werden kann und einen wundervollen Fernblick bietet. Aber schon taucht vor uns das wuchtige Felsmassiv des

Herrnskretschen an der Elbe.

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