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Frankreich und die deutschen

Unternehmungen in Marokko.

Die Meldung, daß eine Expedition des Mannesmann­Wyndikats nach der Besetzung von Debdu durch französische Truppen von der französischen Militärbehörde aus ge= wiesen worden sei, wird von der Vertretung der Gebrit­der Mannesmann bestätigt. Die Gebrüder Mannesmann haben die deutsche Regterung von dem Vorgehen der franzö­fischen Behörde verständigt und die deutsche Regierung hat, wie wir hören, die Gesandtschaft in Tanger beauftragt, Erhebungen über die Vorgänge zu veranstalten und ihr Er­gebnis nach Berlin zu berichten. Dieser Bericht ist im Augenblick noch nicht eingetroffen. Welche Gründe die französische Militärverwaltung zu ihrem Vorgehen bewo gen haben, läßt sich bis jetzt noch nicht erkennen. Man wird nähere Berichte abwarten müssen, um sich ein endgültiges Urteil zu gestatten. Die Tatsache des Aufenthaltsverbots scheint festzustehen. Selbst wenn es den Franzosen gelin­gen sollte, einen der üblichen Vorwände für die Maßnahme aufzutreiben, wie z. B. die Verantwortung für das Leben und die Sicherheit der Expeditionsteilnehmer, so ergibt sich doch immer mehr, daß es auf die Dauer nicht durchführbar fein wird, bet andauernder französischer Besetzung des Lan­des praktisch die offene Tür für wirtschaftliche Unter­nehmungen anderer Nationen zu erhalten.

Man muß bedenken, daß der letzte Vorgang nicht ver­einzelt ist, sondern nur ein Glted in der Kette von Scht­tanen jeder Art, denen deutsche Handels- und Gewerbe­treibende in Marokko ausgesetzt sind. Nach dem Vorgehen der deutschen Regterung darf man wohl hoffen, daß diefe, sobald sie sich die nötigen Unterlagen verschafft hat, mit Nachdruck für die deutschen Intereffen eintreten wird.

Ein Urteil über den Reichskanzler.

Versen Samain verherrlichen und worin es heißt: 3it tert Tyrannen, und du, Kaiser! Unser Haß ist unauslösch­lich!"

Ein französisch- schweizerischer Schiedsgerichtsvertrag? Aus Bern wird gemeldet: Die französische Regierung hat beim Bundesrat den Abschluß eines Vertrages zwischen der Schweiz und Frankreich angeregt, nach dem alle zwi­schen den beiden Staaten entstandenen Streitigkeiten

durch ein Schiedsgericht zu erledigen wären. Die Kommis­sion des Ständerats bemerkt hierzu: Es frage sich, ob das Völkerrecht heute schon so ausgebaut sei, um den ver­tragschließenden Staaten zu gestatten, ohne Beeinträch­tigung ihrer Integrität sich vorbehaltlos auf eine schieds­gerichtliche Erledigung aller ihrer Zwiste einzulassen. Auch die Vollziehung der Schiedssprüche biete Schwierigkeiten.

Tod eines früheren französischen Ministerpräsidenten. Der frühere Ministerpräsident Rouvier ist gestern nach­mittag in Paris im 70. Lebensjahre gestorben. Im Jahre 1887 wurde er Ministerpräsident, trat aber bald wieder zurück. Die Jahre 1889 bis 1892, sowie 1902 bis 1905 sahen ihn als Finanzminister. 1905 bis 1906 war er wieder Ministerpräsident, übernahm auch das Ministerium des Aeußern, schloß mit Deutschland ein Marokkoabkom­men und setzte am 3. Juli 1905 das Gesetz betreffend Tren­nung von Staat und Kirche durch, trat aber wegen dessen übereilter Durchführung am 6. März 1906 zurüd.

der geifteskranke Stellmacher Pölle aus Kray festgenommen, der die Tat auch eingestanden hat.

Ein Versuch zur Beilegung des französischen Winzer­fonflikts. Der Präsident der Republik hat ein dem Be­schlusse des Staatsrats gemäß abgefaßtes Defret über die Abgrenzung der Champagne unterzeichnet. Die Regie­rung beabsichtigt, eine Gesegesvorlage einzubringen, durch die den Besitzern von Weinbergen oder den Weinbausyn­dikaten, die sich durch die neuen Abgrenzungen in ihren erworbenen Besitzrechten geschädigt fühlen, Entschädigungs­flagen vor den Gerichtshöfen gestattet sein sollen.

In einem längeren Arteikel in der Pfingstnummer der N. Fr. Pr." gibt der berühmte Nationalökonom Professor Gustav v. Schmoller eine Würdigung der Persönlich­feit Herrn v. Bethmann Hollwegs im Rahmen einer Betrachtung der inneren Lage des Reiches. Professor v. Schmoller urteilt im allgemeinen recht günstig über den gegenwärtigen Reichskanzler. Er schreibt unter anderem: Bethmann ist der erste Reichskanzler und, mit Aus­nahme Manteuffels( 1850 bis 1857), der erste preußische kon­ftitutionelle Ministerpräsident, der der inneren Verwaltung entstammt. Er kann daher nicht dieselbe Kenntnis anderer Staaten haben, wie sie sein Vorgänger besaß; er überläßt die auswärtige Politik im ganzen mehr als dieser seinem Staatssekretär des Auswärtigen, v. Kiderlen Wäch­ter. Bethmann steht durch Erziehung, Karriere, Verwandt­schaft der ostdeutschen Grundaristokratie näher als Bülow. Auch seine wichtigste Charaktereigenschaft, vorsichtiges, ern stes Abwägen vor allem Handeln, hält ihn mehr und sicherer in hergebrachten Bahnen als jenen. Dafür sind seine staatsrechtliche und staatswissenschaftliche Bildung, seine große Diensterfahrung in der Verwaltung natürlich größer als die Bülows. Er ist Fachmann der inneren Politik, er ist zum Gesetzgeber geschaffen. Die Kehrseite seiner Gesetz­gebungstätigkeit liegt darin, daß er als Fachspezialist mehr wie als Volkspsychologe seine Aufgaben anfaßt. Er hat vielleicht nicht so viel Wirklichkeitssinn, nicht so starfes Empfinden für Volksseele und öffentliche Stimmung, wie es Bülow besaß; er mißt bei seinen Entwürfen nicht so ab, wie sie wirken, wie sie verstanden werden. Sein preußisches Wahlgesetz fiel, weil es zu künstlich war, zu ungewohnte Dinge vorschlug. deren Erfassen, deren Verständnis den Parteien und der öffentlichen Meinung nicht gelang; selbst die, auf deren Zustimmung er gehofft, versagten vielfach." Im allgemeinen rät Schmoller, auch hier das Urtetl der Geschichte abzuwarten.

Rundschau vom Cage.

Politisches.

Ein Salzsäureattentat auf einen Schuhmann wurde ge­stern früh in Berlin in der Ruppinerstraße verübt, als der Beamte einen Bierzapfer zum Antritt einer über ihn ver hängten Haftstrafe abholen wollte. Der Beamte ist im Ge­sicht schwer verbrannt und mußte ins Krankenhaus trans­portiert werden. Der Täter wurde verhaftet.

550 Schweine verbrannt. Ein furchtbarer Brand suchte gestern die Beckersche Schweinemästeret in Calbe a. S. Heim. 200 Schweine kamen in den Flammen um, weitere 200 mußten wegen der erlittenen Brandwunden totgeschlagen und der Abdeckerei überwiesen werden. 150 Schweine wer den noch vermißt und sind wahrscheinlich verbrannt. Fer ner wurden mehrere tausend Zentner Futtervorräte ver nichtet. Streifansschreitungen. Bei dem Streik der Lederarbet ter in Elmshorn in Holstein fam es gestern zu Zusammen stößen mit der Polizei. Es wurden Schüffe abgegeben und Steine geworfen.

Der türkische Sultan in Saloniti. Der Sultan ist gestern nachmittag an Bord des Panzerschiffes Haired­din Barbarossa", dem das ganze Geschwader folgte, in Sa­loniti eingetroffen. Eine vieltausendköpfige Menschen­menge begrüßte begeistert die einfahrenden Schiffe. Der Sultan blieb gestern an Bord des Kriegsschiffes und begibt fich erst heute nach dem Konak.

Der Aufstand in Albanien. Der Angriff der Arnau­ten auf Alessio wurde von tausend Mann ausgeführt, die nur zur Hälfte gut bewaffnet waren, der Rest führte Dolche, Hacken und Revolver mit. Torgut Schewket Pascha fonnte bis jetzt nur zwei Bataillone in die gefährdete Ge­gend senden. Im Wilajet Stutari haben die Aufständi­schen durch Niederbrennen von Kasernen und Wachhäusern bis jetzt einen Schaden von über 20 000 türkischen Pfund angerichtet.

Die Nordlandsreise des Kaisers wird nach den bisheri­gen Anordnungen im Juni auf den Kieler Regattatagen thren Anfang nehmen und bis 3. August dauern. Der Kat­ser beabsichtigt nach der Rückkehr von der Nordlandsreise den im Anfang August in Altengrabow stattfindenden Ka­vallerieeyerzieren der Gardefavallerie beizuwohnen und alsdann in Wilhelmshöhe Wohnung zu nehmen. Die Kais Sermanöver sind auf den 11. bis 14. September festgesetzt, denen sich am 16. September eine Festungsübung bei Thorn anschließt, an welcher der Kaiser teilnehmen wird.

Eine süddeutsche Klassenlotterie. Nach einer Münche ner Meldung der Berl. Morgenp. will Bayern in Ge­meinschaft mit Baden und Württemberg eine Konkurrenz für die preußische Klassenlotterie schaffen und eine eigene Klassenlotterie gründen. Der bayerische Landtag wird sich demnächst mit dieser Angelegenheit zu beschäftigen haben.

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Unfall bei einer Beerdigung. Bet der Beerdigung et nes Angehörigen eines Kriegervereins in Waldenburg ent lud sich gestern bei der Abgabe der üblichen Ehrensalve vorzeitig ein Böller. Dret Mitglieder des Vereins erlitten schwere Verlegungen. Eisenbahnunfall. Bet der Einfahrt des Berliner Schnellzuges in den Staatsbahnhof zu Triest fuhr dte Lo tomotive mit voller Wucht auf den Prellbock, so daß dieser zertrümmert und die Maschine beschädigt wurde. Etwa zwölf Reisende und ein Schaffner erlitten leichte Verlez­ungen.

Roosevelt fandidiert nicht. Im Freundeskreise des Präsidenten Taft erklärt man, daß Roosevelt endgültig auf eine Kandidatur bei den kommenden Präsidentschafts­wahlen verzichtet hat. Er wird weiterhin am politischen Leben Nordamerikas regen Anteil nehmen, strebt aber, wie er dem Präsidenten Taft mittetlen ließ, nicht wieder nach der höchsten, vom nordamerikanischen Volk zu vergebenden politischen Würde.

Ein Lothringischer Märtyrer". In Frankreich ist für Samain, den Vorsitzenden der in Meg aufgelösten Lorraine Sportive, eine Sammlung veranstaltet worden, die angeb­lich 50 000 Francs ergab. An den Pfingstfeiertagen wur­den französische Flugschriften verteilt, die in dürftigen

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3wei Kirschen an einem Stengel.

Roman von A. von Liliencron. ( Nachdruck verboten.)

VIII.

Ein geständiger Mörder. Der Geschirrführer Jakob Saller in Erfurt, der am zwetten Pfingstfeiertage seine Che frau ermordet hatte, stellte sich gestern früh der Polizei. Er hatte vorher versucht, seinem Leben ein Ende zu machen.

Vom elektrischen Strom getötet. Bei Sevilla sah der 15jährige Franzisko Portillo auf der Landstraße einen wil den Stter auf sich zukommen. In seiner Todesangst er­Kletterte der Knabe eine Stange der elektrischen Leitung, wurde vom Strom erfaßt und getötet.

Eine Verschwörung gegen den Mitado? Wie ein Te­legramm des New York Herald aus Tokio berichtet, ist in Nagoya ein großes Dynamitlager entdeckt worden. Die beiden Besitzer des Hauses wurden verhaftet, da sie mit dem im Oktober vorigen Jahres entdedten Komplott_ge= gen den Mikado in Verbindung gestanden haben sollen. Man befürchtet eine neue Verschwörung gegen den Mikado.

Es war März geworden, Ende März, und ein Früh­lingsahnen ging durch die Welt. Frau Käthe war durch einen neuen Schmerz gegangen, Anfang des Monats hatte sie ihrem lieben Onkel Leberecht dte müden Augen zu­drücken müssen.

Kleine Basisen.

Ein 57facher Mörder. In Bartzin in Rußland wurde ein Verbrecher nach der Ermordung eines Offizierbehepaa res verhaftet. Der Mörder gestand, 57 Mordtaten vollführt zu haben.

Tödlicher Absturz in der Sächsischen Schweiz. Bet Et land in der Sächsischen Schwetz stürzte der taubstumme Dresdner Tourist Richter ab. Er war sofort tot. 3wet an dere von der Herkulessäule abgestürzte Touristen sind schwer verletzt.

Ein Fnhrwerk vom Schnellzug überfahren. Zwischen den Stationen Imst und Roppen in Tirol wurde gestern ein Fuhrwerk vom Schnellzug überfahren. Der Sohn des Kut­schers und zwet Insassen des Wagens wurden getötet.

Eine unterirdische Telegraphenleitung von Berlin nach Magdeburg. Um die in den letzten Jahren vorgekomme nen häufigen Störungen der oberirdischen Fernsprechlet­tungen durch Unwetter zu verhindern, ist die Auslegung yon Kabeln auf wichtigen Strecken ins Auge gefaßt worden. Zunächst ist ein Fernsprech- und Telegraphenkabel Berlin­Magdeburg geplant, das später etappenweise über Hanno­ver nach dem rheinisch- westfälischen Industrierevier ver­längert werden soll. Es sind 50 Leitungspaare in Aussicht

Jezt aber strahlte ihr blasses Gesicht, verklärt von einem stillen Glüde. Die Mutterfreude war bei ihr ein­gezogen, und mit tiefer Dankbarkeit gegen Gott hielt ste das kleine, acht Tage alte Geschöpfchen auf ihrem Schoße. Neue Aufgaben, aber auch neues Lieben hatte ihr das Kind gebracht und damit in ihr Leben ein Etwas, das ihr un­endlich reizvoll erschien.

genommen.

Todesritt eines jungen Mediziners. In Freiburg in Baden wurde der Kandidat der Medizin Klemens Witten berg aus Effen bei einem Morgenspazterritt vom Pferd ab­geworfen und eine Strecke weit geschleift. Er erfitt einen Schädelbruch und starb nach kurzer Zeit.

Riefiger Waldbrand. Der Brand in den Lüthorner Tannen bei Segeberg in Schleswig- Holstein ist erneut aus­gebrochen. Bisher sind über 2000 Hektar Wald und Heide vernichtet. Die Flammen bedrohen den Rest der hohen Tannenwaldungen.

Ein Bad gepfändet. Des Bad Charlottenbrunn ist halb verpfändet. Ueberall hat, wie der Oberschlesische Anzeiger" schreibt, der Gerichtsvollzieher sein Siegel aufgeklebt. Die vor kurzem erst engagierte Kapelle ist wieder abgeretst.

Drei Personen in der Weser ertrunken. In Minden sind in der Weser beim Baden zwei Schüler und ein Schlachtergeselle ertrunken.

Ein geisteskranker Eisenbahnfrevler. Auf der Eisen­bahnstrecke Kray- Südwattenscheid wurde versucht, einen Personenzug zum Entgleisen zu bringen. Als Täter wurde

Vermischtes.

Der Besuch des Kaiserpaares in Neustrelit. Das Kats serpaar ist, wie bereits gestern drahtlich gemeldet wurde, gestern mittag in Neustceltz zum Besuche des Großherzogs von Mecklenburg- Strelit eingetroffen. Unter dem Jubel der Bevölkerung und unter Glockengeläut fuhren die Fürst Itchkeiten zum großherzoglichen Schloß. Im ersten Wagen hatte der Kaiser mit dem Großherzog Platz genommen, während im zweiten die Kaiserin, die Großherzogin und der Erbgroßherzog folgten. In der Stadt waren zum Empfang des Kaiserpaares bereits aus dem ganzen Lande Vereine, Gilden usw. usw. zusammengekommen. Der etwa Kilometer lange Weg vom Bahnhof zum Schloß war durch Girlanden, Flaggen usw. in eine Feststraße verwan delt, auf der außer dem Militär etwa 4000 Personen Spas Iter bildeten. Um 1 Uhr begann die Galatafel, an der auch die Großherzogin- Witwe teilnahm und bei dem zwischen dem Großherzog und dem Kaiser herzliche Trinksprüche ge wechselt wurden. Nach der Tafel hielten die Fürstlichkeiten Cercle und begaben sich um 34 Uhr nach dem Schloß Hohen­zierib, wo sie gegen 4 Uhr eintrafen. Sie besuchten das Sterbezimmer der Königin Luise. Nach einer Fahrt durch den Schloßgarten kehrten die hohen Herrschaften nach Neu­streltz zurück. Um 5 Uhr war im großherzoglichen Schloß Tee. Nach herzlicher Verabschiedung erfolgte gegen 6 Uhr die Abfahrt des Kaiserpaares nach Berlin.

,, Nun kommts an den Tag! Betrogen bin ich, schänd­lich betrogen! Um alles gebracht, was ich doch schon sicher zu haben meinte! Nun kannst Du Dich gefaßt machen, daß Du bald mit dem Balg da betteln gehst! Wirst es schon fertig bekommen, bist ja nichts anderes, als eine Bettel­prinzessin."

Vor ihr stand ein Krug mit gelben Tazetten. Frau Amrum hatte sie ihr geschickt, weil sie diese Märzenbecher", wie sie daheim genannt wurden, besonders liebte. Ge­dankenvoll zog die junge Mutter eine Blume aus dem Strauß und fuhr damit leise letse über das Köpfchen der kleinen Schläferin. Ein Gruß vom Großmütterte, sie hat sich so sehr zu Dir gefreut, und zu Deiner Tauf will fte tumme," flüsterte sie über das Kind gebeugt, als ob das kleine Wesen sie verstehen könnte. Mein Klein Mä­del, Vater war bös, daß Du nit a Jungel warst, aber ich bin froh, daß Du a Mädel bist, mein Mädel, das sin Mut­terle so ganz, so ganz gehöre tut." Völlig vertieft in ihr tosendes Plaudern mit dem Kinde hatte sie die raschen Schritte auf der Treppe überhört.

Die Tür wurde heftig aufgerissen, ihr Mann stürmte herein. Heller Zorn stand auf seiner Stirn und flackerte aus seinen Augen. Er stellte sich Mutter und Kind gegen­über.

Julius!" schrie sie auf. Sie war feines weiteren Wortes fähig, seine Roheit berührte sie wie ein Peitschen­schlag, und unwillkürlich preßte sie das Kind fest an sich, als müßte sie es gegen den eigenen Vater schützen. Der ließ sich durch den Aufschrei nicht Einhalt gebieten, sondern in blindem 3orne sprudelte er Drohungen gegen ste und den verstorbenen Onkel hervor.

Ein paarmal atmete er heftig, stoßweise, während Käthe ihn verständnislos anblickte. Dann polterte er los.

Die junge Frau hatte den ersten Schreck überwunden. Mit klarer, aber doch vor Aufregung bebender Stimme erklärte sie: Du mußt halt deutlich spreche, wennst ich Di verstehe süll."

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Selbstmord einer Viernndachtzigjährigen. Durch Sturz aus dem Fenster hat die 84 Jahre alte Wittwe Pauline 3a­kaschewska, zu Pankow bet Berlin den Tod gesucht. Vor einiger Zeit verschwanden plötzlich 15 000 M aus der Woh­nung. Als die Diebe wurden von den Kindern aus erster Ehe die Stiefgeschwister aus der letzten Ehe beschuldigt. Frau 3. nahm sich die Sache sehr zu Herzen. Ste stürzte sich aus dem Fenster hinab und starb bald darauf im Kran fenhaus an den Folgen der erlittenen Verlegungen.

Sie war bis in die Lippen erbleicht und lehnte halt los im Lehnstuhle zurück. Also, gewußt häst, daß ich nit so arm war, wie ich selber meint, sondern daß ich mal was friegen tät," murmelte sie.

,, Gut, dann werde ich deutlich, ganz deutlich sein," antwortete er ihr und warf sich auf den Lehnstuhl, der ihr gegenüber stand. Sein Gesicht, das der Zorn gerötet hatte, trug einen finsteren, verbissenen Ausdruck. Wie Du furz vor Weihnachten vor einem Jahr in Hennigbach warst, sollte ich ja dem alten Kerl, dem Leberecht, das Käppchen hinüberbringen. Ich tats auch, denn ich mußte doch da vorbei. Als ich aber oben in seine Stube tam, fand ich ihn auf seinem Lehnstuhle ganz zusammengesunken sizen. Ein Schlaganfall war es wohl gewesen, ich sah das auf den er­sten Blick. Aber noch etwas anderes entdeckte ich: vor ihm auf dem Schreibpult lagen lose Blätter. Es war sein Testament, und gerade auf der letzten Seite hatte er eben geschrieben die Hypothek von 25 Tausend Mark, die auf dem Grundstück des P. Frello in Wilmersdorf steht, ver­mache ich meinem Patenkinde Katharine Amrum."

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Meinst, ich hätte mir' ne Bettelprinzeß aufgehalt, wenn ich gedacht, daß sie eine wäre," brummte er. Nein, Dein hübsches Gesicht hätte mich allein nicht fangen fön­nen, wenn nicht die 25 Tausend Mark dahinter gestedt hätten! Aber nun sind die futsch! Die Testamentseröff nung ist gewesen, und da kommts heraus, daß der alte Heuchler alles seinem Freunde vermacht hat." Er schlug dabei so heftig auf den Tisch, daß das Kind aus dem Schlafe fuhr und zu schreien anfing.

Er hielt an und sah ihr scharf ins Gesicht. Natür lich lag mir nichts daran, daß noch andere davon wüßten," fuhr er fort, ich klappte das Blatt zu, und dann holte ich den Arzt."

Mechanisch wiegte die junge Mutter die Kleine in den Armen, um sie zu beruhigen. Bald verstummte das Schreien denn auch, und es wurde so still im 3immer, daß man das Ticken der Uhr hörte.

Also Du hättst mich nit zur Frau genomme, wenn Du das von der Erbschaft nit gewußt?" fragte te tonlos, ohne ihn anzusehen.

Tempo ang Stelle tot.

Ich hätte mich wohl gehütet, mir mit Euch eine Last ans Bein zu binden, die ich nicht durchschleppen kann," gab er ihr voll Bitterkeit zur Antwort.

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Das war mehr, als sie ertragen konnte. Mit wan fenden Knien stand sie auf, das Kind fest im Arme. ,, Dann wärs gaut, das Kindel und ich täten Dir nit mehr als Last ans Bein hange," brachte sie mühsam hervor. ,, Das fannst Du halten, wie Du's willst," höhnte er Sie machte ein paar taumelnde Schritte vorwärts sant aber gleich darauf mit einem leisen Schrei zur Erde Ihr letztes, ehe sie die Bewußtlosigkeit völlig umfing, war noch gewesen, bei dem Falle das Kind zu schüßen, daß es nicht zu Schaden kam.

( Fortsetzung folgt.)

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