Wie Kiderlen- Wächter arbeitet.
Nach Bismards Vorbild.
Der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, Alfred von Riderlen- Wächter, der augenblicklich durch sein tatkräftiges Vorgehen in Maroffo den Mittelpunkt des politischen Intereffes der Welt bildet, ist, wie uns aus Berlin geschrieben wird, ein unermüdlicher Arbeiter, Er fennt nicht sogenannte Bürostunden, während deren er arbeitet und andere Stunden, in denen er von feiner Arbeit nichts weiß und wissen will, sondern sein mt ist sein Leben, und sein Leben ist seine Arbeit. 3te es gerade jedesmal der Fall erfordert, so ist er bet Zag uno bet Nacht für seine Jbeen tätig, verschmäht es aber auch nicht, fich gründlich auszuruhen, wenn er nicht durch seine Bläne beunruhigt wird. Er hat schon Jetzt gezeigt, daß er zu den bedeutendsten Diplomaten ber Welt zu rechnen ist; nicht umsonst gilt er als einer der besten Schüler Bismards- und wie alle bedeutenderen Diplomaten betreibt er seine Tätigkeit nicht als Handwerfer, die ihr Tagemert fertigstellen, fondern wie ein Künstler, der ständig von seinen Joeen und Plänen erfüllt ist. Während seiner Gesandtentätig tett in Kopenhagen vom Jahre 1895 bis 1899 galt er als einer der besten Renner dänischer Verhältnisse, da er überall bestrebt ist, in das Wesen der Dinge vorzudringen. Während seines Aufenthaltes in Butareft hat er sich zu dem besten Renner der Wahlkampfverhältnisse entwidelt, weil er auch hier mehr war, als ein Vertreter des Reiches. Er wurde ja deshalb wiederholt mit der Vertretung des Freiherrn von Marschall, des deutschen Botschafters in Konstantinopel, während vieler Monate beauftragt.
Wenn man die Art, wie Riderlen- Wächter arbeitet, berüchsichtigt, dann muß man an hervorragender Stelle darauf hinweisen, daß er wie fetit Zweiter die Disfretion zu handhaben weiß. Er ist weit davon entfernt, sich nach der landläufigen Art mit tiefem Geheimnis zu umhüllen, sondern ist bei unwichtigen Dingen gesprächig und gibt gern über alle interefiterenden Fragen Auskunft. Ebenso offenherzig, wie er in diesen unwichtigeren Angelegenheiten des Lebens ist, so verschwiegen und unergründlich ist er, wenn er daran geht, irgend einen bedeutenden Plan zur Ausführung zu bringen. Da verrät er sich durch keine Miene, durch fein Wort und durch keine noch so gleichgültig erscheinende Handlung. Darum war auch die Ueberraschung bei der Entsendung des Panther" nach Agadir allgemein so groß. Es ahnte niemand etwas und fein Mensch konnte vorher geheimnisvoll munfeln. Es liegt nicht in setner Art, zu reden. Charakteristisch daffir ist ein gelegentlicher Ausspruch von ihm:„ Man darf nur reden, wenn man nichts plant." Er wartet den richtigen Augenblick ab, und wenn dieser gekommen ist, dann folgt bte Tat. Auch hierin ist er ein echter Schitler Bismards, der stets ltebenswürdig und gesprächig war und trotz der vielen Worte feinem Menschen etwas sagte, sondern im Dunkeln bie Tat beranreifen ließ. Kiderlen= Wächter hat sehr viele Freunde und begeisterte Verehrer, aber auch, wie es bei einem solchen Manne nicht anders sein kann, viele Gegner, die aber nicht verhindern werden, daß er noch lange und oft zum Segen des Baterlandes tätig sein wird.
Das politische Tagesgespräch.
England und die marokkauische Frage. Im englischen Unterbause gab Premierminister Asquith am Freitag über die marokkanische Frage eine Erklärung ab, in der er ausführte:„ Die britische Regierung ist der Ansicht, daß in Maroffo eine neue Situation entstanden ist, welche möglicherweise die Entwicklung der britischen Interessen direkter berührt, als dies bisher der Fall war. Ich hege das Vertrauen, daß die diplomatische Diskussion eine Lösung finden wird, an der wir Anteil nehmen werden. Wir werden dabei gebührende Rücksicht nehmen auf den Sch it i jener Interessen und auf die Erfüllung unserer Vertragspflichten Frankreich gegenüber, die dem Hause wohlbefannt sind." Die Worte des Premters wurden im Hause mit lautem Beifall aufgenommen.
Aber noch eine andere englische Rundgebung ist von hohem politischem Interesse: Nach einer besonderen Information des„ Daily Graph." wurde nach dem Kabinettsrat am Dienstag der deutsche Botschafter über die englische Politit folgendermaßen verständigt: England revidiert das englisch- französische Abkommen von 1904, in dem thm Frankreich alle feine Rechte auf Aegypten abtrat und in dem England Frankreich Marokko überIteß, dabin, daß es sich jeder Festsetzung Deutschlands an der marokkanischen Stifte widersetzt. Wenn die Mittellung des englischen Blattes richtig ist, fommt in der Agadir- Angelegenheit die erste Schwierigkeit nicht von französischer Seite, sondern von entgItfcher, wie denn fa überhaupt Frankreich seine Stellungnahme zu dent Eingreifen Deutschlands in Maroffo von der Meinung Englands und Rußlands abhängig zu machen scheint,
9)
Jugendfreundschaft.
Roman von G. v. SchItppenbach. ( Nachdruck verboten.)
Am Abend teilte Thekla ihrem Mann den Plan bezitglich Evas mit. Es wäre von uns ein Unrecht, aus Selbstfucht" nein" au sagen, Mutting," versetzte Grotenbach ernst, wir fönnen unserm talentvollen Kinde doch keine so gründliche Ausbildung in der Mufir bieten. Eva muß einst auf eigenen Füßen stehen wie alle unsere Kinder. Ich habe nur einen Einwand: wird sie sich nicht zu sehr an Reichtum und Wohlleben gewöhnen?"
" Ich habe schon dasselbe erwogen, aber Evas Charafter ist ein so liebnswürdiger, fügsamer, sie wird im mer mit derselben Liebe an ihrem schlichten Baterhaus hängen."
So gebe Gott seinen Segen," sagte Grotenbach bewegt und zog sein treues Weib an sich.
Am andern Tage wurde das wichtige Ereignis Eva mitgeteilt. Karla war felig, Eva geteilten Herzens; fie freute sich auf Berlin, auf die Musikstunden, aber die Trennung von Eltern und Geschwistern fiel thr schwer.
Noch ein zweites Familienglied sollte in Strandhof bleiben. Da die bisherige Hausdame zu frank war, um die Stelle wieder anzutreten, so erbot sich Lina, die Nachfolgerin zu werden, worüber Frau Haideck sehr froh war, bestimmte gleich das Gehalt.
Warum so viel?" sagte Thekla Grotenbach. " Lina ist unschätzbar, laß mir doch den Willen," entgegnete Frau Haideck, ich freue mich besonders für Evchen, daß die Schwester bei uns bleibt, vertraue mir Deine beiden Töchter an, Liebste."
Die letzten vierzehn Tage waren die schönsten; war doch bis auf Alfred die ganze glückliche Familie vereint, ette leise Wehmut mischte sich nur zuweilen in die
womit dann die Triple- Entente hier zum zwei-, ten Mal wirksam wird. Das erste Mal geschah das mit negativem Erfolge während der Orientfrisis, wo die dret Mächte vor der eisenflirrenden Rüstung Deutschlands und Desterreichs zurückwichen. Wenn nun aber der deutsche Botschafter bereits am Dienstag über die Haltung der englischen Regierung verständigt wor den ist, so hat der Kaiser ebenfalls am Dienstag Kenntnis von dieser Situation gehabt. Und wenn er seine Abreise von Kiel bis Donnerstag früh verschoben hat, so ist anzunehmen, daß auch die Antwort Deutschlands bereits in London ist und daß die politische Lage nicht als besorgniserregend angefehn wird. Aber auffällig bleibt bas englische Verhalten trotz alledem.
Die entscheidende Wendung
in der Maroffofrage tann vor Sonnabend nicht eintreten. Präsident Fallières fehrt erst Freitag nachmit= tag von Amsterdam nach Paris zurück, so daß vor Sonnabend fein Ministerrat möglich ist. Die Stimmung bleibt in Paris optimistisch. Man versichert, Frankreich werde den Zusammentritt einer Viererfonferenz awtschen Frankreich, Deutschand, England und Spanten entweder in Paris oder in Berlin vorschlagen.
Rundschau vom Cage. Politisches.
Eine in Berlin abgehaltene Versammlung von Industriellen beschloß einstimmig die Begründung eines Verbandes mitteldeutscher Industrieller, der sich dem Bunde der Industriellen in Berlin anschließen soll. Es wurde ein vorbereitender Ausschuß von 16 Industriellen aus Frankfurt, Darmstadt, Gießen, Cassel, Mainz, Worms, Wiesbaden, Marburg, Hanau, Hochheim, Friedrichsort, Rüsselsheim und Offenbach gewählt, der die weiteren Vorarbetten leiten soll. Auf Anregung aus der Versammlung wurde beschlossen, dem Präsidium des Hansabundes volle Zustimmung auszudrücken.
Das Bureau des Reichstages erläßt im Reichsanzeiger" folgende Bekanntmachung: Der Reichstag hat beschlossen, die zu dem Entwurf einer Reichsversicherungsordnung und zu dem Entwurf eines Einführungsgesetzes zur Reichsversicherungsordnung eingegangenen Petitionen durch die Beschlußfassung über die Gesetze für erledigt zu erklären. Eine weitere Benachrichtigung der Petenten erfolgt nicht.
Im Reichsjustizamte wird gegenwärtig ein neuer Entwurf ausgearbeitet, der entsprechend wiederholt im Reichstage geäußerten Wünschen die gerichtlichen Gebühren für Zeugen und Sachverständige erhöhen will. Ein erster Gesetzentwurf begegnete dem entschtedenen Widerspruche des preußischen Finanzministeriums, so daß er gar nicht erst an den Bundesrat gelangte. Bei dem neuen Entwurf tst man bemüht, den berechtigten Wünschen der Beteiligten wie den finanziellen Bedenken der Regierung Rechnung zu tragen.
Mit Eintritt der gefeßlichen Krankenversicherungspflicht für Dienstboten, die voraussichtlich Mitte nächften Jahres zur Durchführung gelangt, wird die Tätigkeit der jetzt bestehenden privaten Vereinigungen zur Krankenversicherung von Dienstboten thr Ende erreichen. Diese Vereine, die zum Teil über eine große Mitgliederzahl verfügen, hatten beim Reichstag und Bundesrat Schritte unternommen, um als gesetzliche Krantenfassen anerkannt zu werden, jedoch vergeblich. Krankenkassen für Dienstboten werden künftig nur auf öffentlich- rechtlicher Grundlage anerkannt. Die privaten Vereinigungen verfallen im Laufe des nächsten Jahres ihrer Auflösung, sofern sie sich nicht neue Aufgaben als Ersatzkassen stellen.
Ein Antrag auf Errichtung besonderer Gartenbau: kammern, den der Verband Deutscher Handelsgärtner gestellt hatte, wurde vom preußischen Landwirtschaftsministerium mit der Begründung abgelehnt, daß die Landwirtschaftskammern sehr gut in der Lage jeten, auch die Interessen der Gärtnerei zu vertreten.
Die entschlossenen Türken. Bei dem Besuch der türkischen Studienkommission bet der Firma Krupp in Essen erklärte auf eine Begrüßung durch einen Vertreter der Firma der Gouverneur von Pera, in dem er die Leistungsfähigkeit des Kruppschen Hauses hervorhob, mit Bezug auf die Vorgänge an der türkischen Grenze: Ste wissen, daß wir uns in Frieden weiter= entwickeln wollen und daß wir niemand in Verlegenheit bringen wollen. Wir wissen aber auch ebenso gut, daß es Faktoren gibt, die das nicht wollen, und sich unserer Absicht widersetzen. Da ist es gut, daß wir Kruppsche Kanonen haben. Nicht bloß die heutige Re
Freude ein, rückte doch der Abschied immer näher. Es regnete in Strömen, als die Abreise erfolgte, noch ein letztes Grüßen hin und wieder, Evas Augen standen voll Tränen, als die geliebten Gesichter verschwanden.
Drittes Kapitel.
Wieder daheim.
Grotenbachs waren nun wieder daheim und die Reise erschien ihnen oft wie ein schöner Traum. Wie es oft nach solchen Ferienzeiten geht, dauerte es einige Belt, bis sie sich an das tägliche Leben mit seinen Sorgen gewöhnten.
Eines Tages kam eine Geldanweisung an; Alfred schickte den Eltern dreihundert Mark.
" Der gute Junge," sagte die Mutter, wie glücklich schreibt er über sein großes Geschenk."
Das so unerwartee Geld wurde für Extrafälle aufbewahrt.
Es war gut, daß es da war, denn trübe Zelten kamen über die Familie; eine Scharlachepidemie zog durch die Stadt, Frau Sorge schlich über die Schwelte und trat auch in das Grotenbachsche Haus. Klara, die schon früher die Krankheit gehabt hatte, half bei der Pflege der drei Jüngsten. Besonders der Kleine Kurt war übel daran und schwebte in Lebensgefahr, Jrma und Adam hatten den Scharlach leichter. Krankheiten haben immer viele Ausgaben im Gefolge, da war es gut, daß der älteste Sohn und Bruder die 300 Mark geschickt hatte. Der Weihnachtsbaum sah die zusammengeschmolzene Familie unter seinen Zweigen versam melt und noch bescheidener als sonst war die Bescherung; trotzdem sangen sie die alten Weihnachtslieder mit heller Stimme und waren in ihrer Einigkeit glücklich.
Klara hatte sich sehr herausgemacht, seit die ältesten Schwestern fort waren; sie war die rechte Hand der Mutter geworden und überwand ihre Träghett.
gierung steht hinter uns, auch die Nation wacht und deshalb braucht sie Kanonen. Die türkischen Artilleristen werden wohl bald für Sie Reklame machen müssen.
Die angenblickliche Lage in Berfien ruft in Peters burg große Beunruhigung hervor. Die dortigen russtschen diplomatischen Vertreter melden von Ruhestos rungen in sämtlichen Provinzen. Ueberall soll unordnung herrschen. Die Zentralgewalt werde nicht anerfannt.-Da dürfte Rußland bald Veranlassung nehmen, einen neuen Truppentransport nach Persien zu entsenden.
Kleine Nachrichten.
Ein Bahnhofsvorsteher im Dienste verunglückt. Als Donnerstag morgen ein Zug der Volmetalbahn in Schalfsmühle bei Hagen i.W. eingelaufen war, wollte der dortige Bahnhofsvorsteher Heger vor dem Zuge die Gleise überschreiten. In demselben Augenblick wurde der Zug etwas in Bewegung nach vorn gesetzt, wobet Heger von der Maschine erfaßt wurde. Er geriet unter die Räder und wurde sofort getötet.
Maffenanssperrung norwegischer Berglente. Dig norwegischen Bergleufe haben mit etwa 1200 gegen 7 Stimmen das leßte Friedensangebot der Arbeitgeber abgelehnt. Die Aussperrung, die 17 000 Arbeiter trifft, tritt deshalb am Sonnabend in Kraft.
Gefährliches Spielzeug. Auf einer Wiese bei Cöln fanden Kinder Carbid und gossen Wasser darauf. Das Carbid explodierte und drei Kinder wurden schwer vers Iezt; eins verlor beide Augen.
Drei Knaben ertrunken. Bei einer Bootsfahrt auf dem Geestefluß bei Geestemünde ertranten drei Schulfnaben im Alter von 10 bis 13 Jahren, darunter zwet Brüder.
Ein schreckliches Unglück hat sich in Königsberg t. Pr. ereignet. Ein Braueretarbeiter geriet mit dem Stopf in eine im Gange befindliche Waschmaschine. Der Körper wurde langsam hineingedreht und vollständig zerquetscht.
Durch Gas vergiftet hat der Fuhrknecht Hofmann in Kaiserslautern Donnerstag frith seine 46jährige Ehefrau und seine 13jährige Tochter. Er unternahm dann selber einen Vergiftungsversuch, konnte aber ins Leben zurückgerufen werden.
Ein schwerer Bootsunfall hat sich gestern nacht auf der Oberspree zwischen Köpenid und Grünau ereignet. Der Schleppdampfer Wilhelm" stieß in der Dunkelheit mit einem mit vier Personen besetzten Boot etnes in der Nähe von Grünau trainierenden Ruderklubs zu sammen. Das Boot wurde mitten durchgebrochen und sämtliche Insassen ertranfen. Die sofort vom Dampfer angestellten Rettungsversuche blieben erfolglos.
Wegen eines nervösen Leidens ertränkt hat sich der Regierungs- und Baurat a. D. Jnama v. Sternegg in einem der retßenden Bäche, die den englischen Garten in München durchfließen.
Bei einer Dampffeffelerplosion in einer Ziegelbrenneret in Wladiwostof wurden vier Personen getötet und viele schwer verletzt.
Ermordet aufgefunden wurde in dem Dorfe Niedermörlen in Oberheisen eine 60jährige Frau in ihrer Wohnung. Allem Anschein nach liegt Raubmord vor; es werden 300 Mart vermißt.
Die Wohnungsnot in Wien nimmt beträchtliche Dimensionen an. Lofalchronif verzeichnet fast je den Tag Fälle von Verzweiflungsaften von Leuten, die zwar in der Lage find. die erorbitanten Mieten zu be zahlen, aber feine passende Wohnung finden können. Namentlich finderreichen Familien ist es fast unmöglich, eine Wohnung zu finden. Gestern fam es vor dem Ra Hause zu einer Demonstration gegen das Stadtbauamt.
Wissenschaft, Kunst und Citteratur.
Ein Triumph der Angenchirurgie. In der Versammlung der französischen Gesellschaft für Augenheilfunde hat der amerikanische Gelehrte und Augenspezialist Dr. Borsch eine bemerkenswerte Mitteilung ge= macht, die, wenn sie zutrifft, einen neuen Triumph moderner Augenchirurgie in fich schließt. Dem amerikanischen Arzt ist es gelungen, durch Verpflanzung eines Telles von einem Hundeauge auf einen Menschen Blindheit zu heilen, und zwar bei einem Battenten, der von Geburt an vollkommen blind gewesen ist. Die durch Augenentzündung hervorgerufene Blindheit hat in der Regel ihre Ursache in der Hornbaut, die ihre Durch fichtigkeit verliert. In solchen Fällen gibt es nur eine Möglichkeit, dem Kranten das Augenlicht wieder zu schenken: man muß die frante Sornbaut durch eine ges funde ersetzen. Dr. Borsch hat sein Erperiment mit Hunden begonnen. Nachdem er die Bindehaut zurüc geschlagen hat, nimmt er einen Teil der Hornhaut aus dem Auge und legt ihn in Blutferum. mit dem menschlichen Patienten die gleiche Operation vorgenommen, auch wird hier. an der Vorderseite des Auges eine der Größe der dem Hundeauge entnomme
Dann wird
Wie es Lina und Eva erging, erfahren wir durch die Brief, die am Weihnachtsabend ankamen und am besten die Eigenart beider schilderten.
Linas Brief mit der festen, steilen Schrift lautete: Berlin, Tiergartenstr. 103. Meine liebe Mutter!
Gott Lob, daß es nun besser bet Euch geht und die Kinder hergestellt sind. Ich dachte mit großer Sorge an Euch und hätte gern bet der Pflege geholfen; es ist gut, daß Klara Dir geholfen hat und sie ihre Trägheit allmählich ablegt.
Seit Anfang Dezember sind wir hier, Evchen und Karla nehmen Musikstunden, es kommen auch Lehrer her, die sie in Kunstgeschichte und Sprachen unterrichten. Tante Anna meint, daß ich hier einen Kursus in einem Krankenhaus durchmachen sollte, um später das Stift in Rügen zu leiten. Ich trete in diesen Tagen in das Elisabethkrankenhaus ein und hoffe recht viel zu ler
nen.
Du weißt, Mutter, ich führe das durch, was ich will, von jeher habe ich Sinn für solche Tätigkeit gehabt. Ich habe in Strandhof manches zugelernt, man focht dort anders wie in Ostpreußen. Zu Weihnachten habe ich Pfefferkuchen nach Deinem Rezept gebacken und sonst allerlei Süßes.
Wir haben hier mit Tante Anna einige Besuche gemacht und waren schon dreimal in der Oper und im Schauspielhause. Eva war so aufgeregt, daß sie gar nicht einschlafen konnte; ich hatte Mühe, fie zu beruht= gen, sie ist gleich eraltiert. Ich verstehe das nicht. BerIin ist ja sehr schön, aber um deshalb gleich außer sich zu geraten, dazu ist es nicht angetan.
Unser Haus bier ist nicht sehr groß, es hat aber hohe, schöne Zimmer und einen fleinen Garten, das soll hier eine Seltenheit sein. Tante Anna hat für mich, neben Eva und Karia ein hübsches Zimmer eingerichtet, auf meinem Schreibtisch stehen alle Eure Bilder. ( Fortseguna folgt.)
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