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Sicherung der Bauforderungen.

Nachdem die öffentliche Meinung, sowett fie mittel­Handsfreundlich gesinnt ist, schon lange für eine Sicherung der Forderungen der Bauhandwerker und Baulieferanten eingetreten war, ist diesem Verlangen seinerzeit durch das Gesetz vom 1. Juni 1909 Genüge geschehen. Aber wie es nun einmal im menschlichen Leben geht, die unzufrieden­Heit höret nimmer auf, und wenn erreicht ist, was Millio­nen übereinstimmend jahraus jahrein gewünscht haben, dann finden sich zum Schlusse doch stets Kritiker und Nörg­Ier, die meinen, es sei im Grunde nichts erreicht worden. So passiert es auch dem Gesetze über die Sicherung der Bauforderungen, und damit wollen wir uns im folgenden ein wenig befassen.

Das fragliche Gesetz zerfällt in zwei Abschnitte. Der erste dieser Abschnitte umfaßt allgemeine Sicherungsmaß­regeln und ist bereits am 81. Juni 1909 in Kraft getreten. Diese allgemeinen Sicherungsmaßregeln bestehen in der Pflicht des Bangeldempfängers, das Baugeld für die Bau­Beteiligten zu verwenden, in der Pflicht des Unternehmers eines Neubaues oder Umbaues, ein Baubuch zu führen, und in der Pflicht des Bauleiters, bestimmte Tatsachen burch Anschlag auf dem Bauplatze zu veröffentlichen. Für Pflichtverletzung sind entsprechende Strafbestimmun gen festgesetzt.

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Ein Reservcarmeekorps für das Kaisermanöver. In dem diesjährigen Kaisermanöver wird, der Mil. Pol. Korrespondenz" zufolge, das Gardekorps aus aktiven und Reservestämmen ein Reservekorps bilden. Dieses Korps soll zusammen mit dem eigentlichen Gardekorps, als Teil der vom Generalobersten v. Kessel befehligten Armeeab­teilung verwendet werden. Das Garde- Reservekorps er­hält ein Generalfommando, es werden ihm technische Trup­pen, Trains und Kolonnen zugewiesen, und es tritt, neben anderer Feldartillerie, und schwerer Artillerie des Feld­heeres, zu einer seiner beiden Divisionen das Lehrregi­ment der Feldartillerie- Schießschule aus Jüterbog. Sein Führer soll Generalleutnant von Below werden.

Der zweite Abschnitt enthält die Bestimmungen über die dingliche Sicherung der Bauforderungen oder, um we niger juristisch und mehr laienmäßig zu sprechen, über die Eintragung einer Vorzugshypothek zur Sicherung der For­derungen der Bauhandwerker und Baulieferanten. Anwendung dieses zweiten Abschnittes des Gesetzes ist lan= desherrlicher Genehmigung vorbehalten worden und soll nur in der Gemeinden stattfinden, wo ein Bedürfnis hier­zu vorliegt, oder mit anderen Worten, wo der zu bekäm= pfende Bauschwindel sich zeigt. Es Itegt auf der Hand, daß dies nur in Großstädten der Fall sein wird. Bisher hat die Regierung von dieser Befugnis noch keinen Gebrauch gemacht; der zweite Abschnitt des Gesetzes über die Siche­rung der Bauforderungen ist also bisher nicht in Kraft getreten. Hieran hat die Kritik vorzugsweise angeknüpft. Das Gesetz sollte vorbeugend wirken, oder mit anderen Worten der Bauschwindel hat schon durch die gesetzliche An­drohung des Inkrafttretens unbequemer Bestimmungen eine starke Eindämmung in den Großstädten erfahren.

Polnischer Preußenhaß.

Deutschland und der englisch- amerikanische Schiedsver­trag. Das amerikanische Kongreßmitglied Hamill hat eine Resolution eingebracht, in der der Staatssekretär Knox ersucht wird, zu erklären, ob der vorgeschlagene englisch­amerikanische Schiedsgerichtsvertrag gegen Deutschland ge= richtet set. Die Resolution stützt sich auf eine Aeußerung des amerikanischen Generalkonsuls in London, die angeb­lich in diesem Sinne lautete.

Ausweisung eines deutschen Ingenieurs aus Marotto. Zu einer Meldung der B. 3. am Mittag" über die Aus­weisung des Ingenieurs Bertram der Mannesmanngesell­schaft durch den General Toutée aus Debdu meldet die Köln. 3tg." aus Berlin, daß die deutschen Behörden in Marokko nur die Weisung erhielten, den Tatbestand fest­zustellen. Zu der Angelegenheit wird man erst dann Stellung nehmen, wenn das Ergebnis der Untersuchung vorliegt.

wahlrechts zu einem ernsten Tumult, bei dem neun Ber sonen erschossen worden sein sollen.

Kleine Nachrichten.

Die Nachricht von der bevorstehenden Verlobung der Prinzessin Viktoria Luise mit dem Erbgroßherzog Adolf Friedrich von Mecklenburg- Strelitz wurde der Rhein. Weftf. 3tg." zufolge vom Oberhofmarschall Grafen zu Eu lenburg als erfunden bezeichnet.

Der 16. kirchlich- soziale Kongreß wurde am Dienstag in Nürnberg in Gegenwart von über 2000 Menschen durch Geheimrat Professor Seeberg eröffnet.

Eine Stiftung für arme Kinder. Ein ungenannter Wohl täter überwies dem Bonner Oberbürgermeister 15 000 M für arme Kinder.

Eine sozialistische Kinderversammlung lief am Pfingst­fest in Düsseldorf auf eine Demonstration gegen die Polizet hinaus. Knaben und Mädchen in Konfirmationsanzügen im Alter von 14 und 15 Jahren riefen beim Nennen des Namens Polizei: Bluthunde". Das Apollotheater, wo die Versammlung abgehalten wurde, war von mehreren Tau­senden gefüllt. Die Hälfte der Teilnehmer stand im Alter von 17 Jahren und darunter.

Der Anarchisten tongreß in Düsseldorf. In Düsseldorf hielt während der Pfingstfeiertage die anarchistische= deration Deutschlands ihren 9. Kongreß ab. Es waren 24 Delegierte aus 24 Orten vertreten, dazu kam eine Reihe ausländischer Gesinnungsgenossen. Im ganzen mögen an den Verhandlungen etwa 100 Personen teilgenommen ha= ben. Größer war dagegen die Besucherzahl bei der öffent­lichen Versammlung, die der Eröffnung des Kongresses vorausgegangen war. Hier mögen es etwa 600 Personen gewesen sein. Die geschlossene Delegiertenversammlung, zu der ebenfalls überwachende Polizeibeamte erschienen wa­ren, löste sich auf, da die Beamten der Aufforderung, die Versammlung zu verlassen, nicht Folge leisteten.

Was der polnische Preußenhaß zu leisten vermag, zeigt ein Pfingstartikel des Dziennik Berlinski", in dem es ut. a. heißt: Die allerverwerflichste Erscheinung des gegenwär tigen Zeitalters der Zivilisation" ist die nationalistische Krankheit, d. t. ein nationaler Wahnsinn oder das morali­sche Erbe der Menschenfresser. Dieses menschenfresserische Erbe ist den preußischen Chauvinisten in üppigstem Maße zugefallen. In ihren Sinnen ist eine solche Trübung der Auffassung eingetreten, daß sie das Verbrechen Recht und das Recht ein Verbrechen nennen.- Wahnsinnige Men­schen! Die Wahnsinnigen von ihrem eigenen Irrtum zu überzeugen, ist aber geradezu unmöglich. Gerade ihres Wahnsinns wegen bedeuten sie für uns keine ansehnliche Gefahr. Immerhin muß man stets auf der Hut sein, denn ein Wahnsinniger kann jeden Augenblick Schaden anrichten. - Ohne Hilfe des heiligen Geistes, dessen Fest wir heute be­gehen, können jedoch die preußischen Chauvinisten von ih= rer Krankheit nicht geheilt werden. Erheben wir daher an dem heutigen Tage unsere Gebete, damit die Gnaden des HI. Geistes auf die von Chauvinismus durchglühten preußi­fchen Sinne einwirken, sie erleuchten und gesund machen mögen."

Bemerkenswert erscheint auch folgender Abschnitt aus dem Pfingstartikel des Kuryer Slosti":" Rings umher sehen wir nur Haß, die Menschenherzen sind von ihm er­füllt, eine fatanische Macht macht sich breit. Wir Polen flehen heute vor allem, damit der hl. Geist in den Herzen der Nation das Feuer der Liebe entfachen möge, denn mehr wie alle leiden wir infolge der sich breit machenden satani­schen Regierung, von welcher der Haß gegen uns in denje­nigen genährt wird, die uns schon so viel genommen haben und ihre Arme nach dem Reste unseres nationalen Besitz­tums, nach den teuersten Schäßen, was der Mensch auf die­ser Welt bestten darf, ausstrecken."

Der Banklehrling als Defraudant. Nach Unterschlag­ung von 35 000 Mark ist der Banklehrling Leon Kocha­nowsky aus Posen flüchtig geworden.

Ein neuer Flugrekord. Am gestrigen dritten Tage der nationalen Flugwoche in Johannisthal bei Berlin erreichte der Flieger Hirth mit einem Passagier eine Höhe von 1580 Metern und brach damit den Weltrekord, der bisher 800 Meter betrug

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Rettung verunglückter Luftschiffer. Von Fischern wur­den in der Nähe von Waddenserdeich an der Wesermün­dung dret Personen gerettet. Die Verunglückten waren Insassen eines Ballons, der am Montag abend in Berlin aufgestiegen war. Sie waren auf dem Weserwatt niederge­gangen und von der Flut überrascht worden.

Entgleisung des Blizzuges Mailand- Rom. Vor der Station Pistoja ist der Blizzug Mailand- Rom in einem Tunnel entgleist. Nach den bisherigen Meldungen wurde ein Passagier getötet; viele Reifende haben zum Teil schwe­re Verletzungen erlitten.

Neue gesetzliche Maßnahmen gegen die Spionage. Die Kommission, die seit dem 4. April im Reichsjustizamt unter Vorsitz des Geh. Regierungsrats Dr. Lucas über die Re­form des Strafgesetzbuches berät, wird, wie der Korrespon­denz Heer und Politik" von militärischer Seite geschrieben wird, auch neue gesetzliche Maßnahmen gegen den Verrat militärischer Geheimnisse festlegen und in kurzer Zeit ver­öffentlichen. Ueber den Charakter der neuen Gesezesmaß­nahmen, wie sie die Reform des Strafgesetzbuches bringen wird, verlautet, daß es sich in erster Reihe um Beseitigung von Mißständen handeln wird, die durch ein Versehen des Reichstages bei der Beratung des Gesetzes in die Vorlage hineingekommen sind und eine juristische Unmöglichkeit darstellen. Es sind nämlich für versuchte Spionage mil­dernde Umstände nicht vorgesehen, während bei vollendeter Spionage mildernde Umstände vom Gericht angenommen werden können. Demgemäß fann bei vollendeter Spio­nage auf Festungshaft erkannt werden, während der reine Versuch unter allen Umständen mit Zuchthaus bestraft wer­den muß. Durch die Reform, die von der Kommission aus­gearbeitet wird, wird besonders diese Frage einer Rege­lung unterzogen werden.

In diesem Tone geht es eine ganze Spalte fort:- Die Polen das harmloseste Völkchen, die Preußen die Bar­baren der Welt, das ist der Grundton der polnischen Pfingst= artifel.

Rundschau vom Cage.

Politisches.

Ein preußischer Prinz als Landrat. Wie die Schle­fische Zeitung" meldet, ist Prinz Friedrich Wilhelm von Preußen, ein Sohn des verstorbenen Prinzen Albrecht, mit der dauernden Verwaltung des Landratsamtes Blanken­stein betraut worden. Der bisherige Landrat Freiherr v. Schirnding ist zum Oberverwaltungsgerichtsrat ernannt worden.

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3wei Kirschen an einem Stengel.

Schwere Gewitter mit Hagelschlag haben die Umgegend von Bonn und den Westerwald an den Pfingsftagen heimge­sucht. In Martenrachdorf schlug der Blizz in die Orgel der Kirche und zerstörte sie. In Kesselheim fuhr der Blizz wäh rend des Nachmittagsgottesdienstes in die Sakristet. Von den Kirchenbesuchern wurde niemand verlebt.

Bon der britischen Reichstonferenz. Nach einem amt­lichen Bericht über die Verhandlungen der Reichskonferenz hat diese es einmütig für wünschenswert erklärt, daß der unbillige Wettbewerb fremder subventionierter Schiffe mit der britischen Schiffahrt verhindert werde.

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Roman von A. von Liliencron. ( Nachdruck verboten.) Die Krante faßte sie bei der Schulter, auch aus ihren Zügen sprach quälende Sorge. Kind, Du mußt stehst Du es fönnte sonst sein, daß mein Junge elendig­lich zu Grunde ginge."

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Ein Cholerafall in Triest. Die bakteriologische Unter­suchung des in Triest an Bord des Dampfers Saxonia der Cunardlinie gestorbenen ungarischen Rückwanderers das Vorhandensein von Cholera ergeben.

Brand des Londoner Lunaparkes. In London hat ein Feuer ein unter dem Namen Lunapark eröffnetes Ver­gnügungslokal zum Teil vernichtet. Die Boltzet war schnell zur Stelle und räumte den Lunapark in wenigen Minuten von den Besuchern. Es gelang bald, das Feuer zu löschen.

Die Marottofrage ruft in Paris neuerdings Unbe­hagen hervor, namentlich die Haltung Spaniens, das of­fenkundig die Besetzung Tetuans anstrebt. Man fragt sich auch, wie sich Deutschland zu der militärischen Besetzung Marokkos bei deren längeren Dauer verhalten wird. Schließlich herrscht Unzufriedenheit über die Haltung Eng­lands, dessen öffentliche Meinung der neuesten französischen Marokkopolitik ungünstig ist. Auch die Geldfrage bereitet der französischen Regierung Sorgen, da die Expedition schon ein paar hundert Millionen verschlungen hat.

Kathi richtete sich empor, auf dem blassen Gesichte lag eine schmerzliche Entschlossenheit. Ich will tun, was ich fann ich versprechs- Gott helfe mir."

Die Kranke atmete erleichtert auf, aber nach der An­strengung und Erregung dieses Gespräches folgte eine gänz­liche Abspannung, die in zeitweilige Bewußtlosigkeit über­ging.

Kathi weckte ihren Mann, stumm saßen dann beide am Sterbebette der Mutter.

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Im Maschinenhause des Reichstagsgebäudes zu Berlin ereignete sich gestern morgen ein schwerer Unfall. Bei Re­paraturarbeiten stürzte der 35fährige Hetzer Karbski meh­rere Meter tief in den Kesselraum hinab. Er erlitt einen schweren Schädelbruch und eine Gehirnerschüterung.

Die Verfassungsrevision in Griechenland. Die Kam­mer hat am Montag unter lebhaftem Beifall in der Ge­samtabstimmung die Revision der Verfassung angenommen.

Absturz in der sächsischen Schweiz. Vom Heringstein stürzten der Dresdner Seminarist Krispar und dessen Freund ab. Krispar ist schwer verlebt.

Geheimnisvoller Leichenfund im Rhein, Bei Linz wur­de die Leiche eines etwa 50jährigen Mannes aus dem Rhein gelandet, die mehrere Stichwunden aufwtes. Der Kleidung nach war der Tote vermutlich ein Bergmann oder ein Schiffshetzer. Die Obduktion ergab, daß der Mann zuerst totgeschlagen und dann in den Rhein geworfen worden ist

Die meritanischen Wirren. Nach einer Meldung aus Tucson in Arizona sind bei Campania 28 Gegner Maderos, sogenannte Liberale, erschossen worden. Wie der Neuyorker ,, Times" aus der Stadt Mexiko gemeldet wird, führte dort gestern eine Kundgebung von Anhängerinnen des Frauen­

ren. Die könne man hier nur an das Spülfaß stellen, und dafür kriegte sie auch ein Abwaschweib, was nicht so fostspielig sei, als das Durchfuttern der Tante Jette."

Riesige Waldbrände in Schweden. Durch Schadenfeuer die an vier verschiedenen Stellen in Nord- und Mittelschwe den entstanden sind, wurden insgesamt 1200 Hektar Wall vernichtet.

Aus den Gerichtssälen.

Der Liliputaner als Offizier. Vor dem Amtsgericht in Kalkberge bei Berlin stand ein Zwerg, Mitglied einer jett in Weißensee auftretenden Liliputanertruppe, weil er durch das Tragen einer Offiziersuniform Anlaß zu Ver­wechslungen mit einem Offizier" gegeben haben sollte. Er war wegen dieser Missetat, die überdtes nur auf der Bühne verübt wurde, in eine Polizeistrafe genommen worden und hatte durch seine Rechtsvertreter gerichtliche Entscheidung bea anfragen lassen. Das Amtsgericht Kalfberge kam auf Grund der Beweisaufnahme der Zwerg ist 80 Zentimeter groß zu der Ansicht. daß der Angeklagte keine Veranlassung zu Verwechslungen mit einem wirklichen Offizier gegeben habe, und fällte deshalb ein freisprechendes Urteil.

In gekränktem Stolze hatte sich die junge Frau bei solchen Worten abgewandt; sie war nicht mehr der kleine Brausekopf, dessen Zünglein schnurstracks durchging. Sie hatte schon so manches ertragen gelernt und erfahren, daß fie die Sache nur immer schlimmer machte, wenn sie ihrem 3orne die Zügel schießen ließ. Nur einem Punkte warf sie sich mit der ganzen Energie ihrer kleinen Persönlichkeit entgegen, das war dem Hange zum Trunke, der bei Ju­lius, von der willensstarken und dem Sohn imponierenden Mutter gezügelt, Kathi früher nicht in die Augen gefallen war. Jetzt aber entdeckte sie ihn mehr und mehr. Ach, die Schwiegermutter hatte nur zu recht gehabt, und sie fühlte sich so unsagbar schwach diesem verderblichen Hang ihres Mannes gegenüber. Nachdem der erste Schmerz über den Verlust der Mutter vorbei war, dünkte sich der Sohn als Besitzer des Gasthauses doppelt frei, und da geschah es wiederholt, daß er nicht mehr Maß hielt und am Tische der Stammgäste sein bester Gast würde.

Noch einmal fladerten deren Lebensgeister auf. Sie brückte die Hand des Sohnes, die sie in der ihren hielt. Julius, sei brav- Deine Käthe tritt nun- an meine Statt versprich" Sie tam nicht weiter, krampf­haft schlossen sich ihre Finger um die des Sohnes, dann suchte ihr brechendes Auge die Schwiegertochter. Ein furzer Todestamps, dann war sie aus dem Leben geschieden. Die nächsten Wochen vergingen still im gleichförmigen Alltagsleben. Es lag ein schwerer Druck auf der jungen Frau, aber sie raffte sich zusammen, um feine ihrer Pflich­ten zu versäumen, die jetzt durch den Tod ihrer Schwieger­mutter sich für sie verdoppelt hatten, nicht nur, was die Arbeit betraf, sondern auch die Aufgabe, als Gehülfin thres Mannes. Sie hatte diesem den Vorschlag gemacht, ihre eigene Mutter zu bitten, nach Friedenau zu kommen, um ihr in der Wirtschaft helfend zur Seite zu stehen.

Er aber hatte ihr unwirsch geantwortet, ob sie etwa denke, daß sie seine Mutter ersetzen könne; solche Frau, die ihr Leben lang auf dem Dorfe zugebracht, tönne man doch unmöglich tagein, tagaus seinen noblen Gästen präsentie=

Vermischtes.

Schnellzugsunfall auf der Strecke Dresden- Berlin Der Schnellzug 62 Bodenbach- Berlin erlitt am Dienstag mittag in der Nähe von Station Neuhof einen Unfall. Die drei letzten Wagen des Zuges, der mit Pfingstausflüglern

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sie Erquicung, Aufatmen, Stärkung. Kein Wort über ihren Mann fam ihr hier über die Lippen, und der Alte fragte auch nie nach ihm. Es mochte aber doch so manches über den jungen Gastwirt auch bis zu seinen Ohren ge­kommen sein, denn er hatte immer ein aufmunterndes Wort für sein Patenkind. Verlier' den Mut nicht, wenns auch mal durch dunkle Wege geht," pflegte er ihr wohl zu sagen, unser Herrgott lebt noch, schütte ihm nur Dein Herz aus und halte Dich zu ihm." Oder er erzählte davon, wie eins das andere, so gut es eben könnte, erziehen müßte. damit sie beide mitsammen den Weg zur ewigen Heimat fänden. Nur nicht nachlassen dürfte man im Beten und Arbeiten, wenn es auch oft scheinen täte, als wäre alles, alles umsonst!

Hin und wieder gelang es wohl seiner tapferen kleinen Frau, ihn nach einem Rausche zur Einsicht zu bringen und thn für kurze Zeit von der schiefen Bahn fernzuhalten. Aber die Rückfälle mehrten sich, und mit Entsehen wurde Kathi gewahr, daß ihre Macht über ihn sich abschwächte und ihr Einfluß schwand. Sie war zu stolz, um irgend jemand einen Einblick in ihre Lage zu gestatten, zu stolz, um zu klagen; es fonnte ihr ja doch niemand, niemand helfen!

Still ging sie ihren Weg, unermüdlich in der Arbeit, aufmerksam und freundlich für alle Gäste. Aber ihr Lachen, das lustige Vogelgezwitscher, war verstummt, und wer ein­mal tiefer hineingesehen hätte in ihre dunkel umränderten Braunaugen, der hätte darin auch etwas lesen können von der Trostlosigkeit, die sie oft ganz niederzudrücken drohte.

Hier und da ein Viertelstündchen mehr Zeit konnte sie dafür nicht erobern bei Onkel Leberecht, das war für

Die junge Frau fragte nicht, was er damit sagen wolle, sie hörte still zu mit empfänglichem Herzen und be­wegte die Worte in ihrem Sinne. Gebet und Arbeit wur den die Stützen bei dieser Wanderung durch das finstere Tal, und dabei gewann sie Trost und Kraft.

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Auch gegen ihre Mutter klagte Katht nicht, sie wehrte aber deren in Aussicht gestellten Besuch ab mit dem Ver­sprechen, später einmal selbst kommen zu wollen. Ihr Mutterle sollte nicht wissen, daß ihr Kind litt, und vor allem, ihr Mutterle wollte sie dem nicht aussehen, daß Sie von ihrem Schwiegersohn in der Tochter Haus getränkt Eine Nachricht, die Kathi gleich nach dem Tode der Schwiegermutter erhalten hatte, riß damals noch einmal in ihr mit aller Macht die alte Wunde auf und brachte zum Leben, was sie unter heißen Tränen begraben zu haben wähnte. Lene hatte ihr aus Hennigbach geschrieben: Wat seggst nu? Die Rosemarie hät richtig Sort makt, wannst de Kuckuck schrien dät, aberst nit mit Hans Ruland, sondern mit fin Fründ, dem Jürgen Haber mann. Schaust, da wären wie uf den Hulzweg west, und wat seggst nu?"

( Fortsetzung folgt.)

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