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dicht besetzt war, schoben sich aus unaufgeklärter Ursache auf Der Fahrt plöblich ineinander, ohne daß der Zugführer von bem Unfall etwas bemerkt hatte. Zur rechten Beit wurde von den Fahrgästen die Notbremse gezogen. Die Fenster der dret letzten Wagen waren zertrümmert, mehrere Per­fonen hatten leichte Hautabschürfungen davongetragen. Die Bassagiere mußten auf freiem Felde in die vorderen Wagen des Buges umsteigen, während die zertrümmerten Wagen Bet der Station Neuhof abgehängt wurden. Der Unfall hat­te eine halbstündige Verspätung zur Folge.

Selbstmord in der Autodroschke. Aus Halle wird gemel­bet: Ein serbischer Student, der ein Polytechnikum in Cö­then besuchte, nahm sich, weil er von seiner Geliebten abge= wiesen worden war, in einer Autodroschke in Halle das Leben. Der junge Mann, der aus reicher Familie stammte, hatte seine Verhältnisse zuvor aufs genaueste geregelt und Briefe an feine Eltern und Bekannten geschrieben. Der Führer des Autos hatte den Schuß für einen plötzlich ein­tretenden Defekt am Radreifen gehalten und den Studenten bis zu seinem Bestimmungsort gefahren. Erst als der Fahr­gast nach mehreren Minuten das Auto noch immer nicht ver­Iteß, sah der Autofahrer nach und fand den Studenten er schossen vor.

Das Pferd im Orchester. In einem Londoner Hippo­drom ereignete sich beim Auftreten der Miß Anboth, die unter dem Namen Georgia Magnet spielt, ein eigenartiger 8wischenfall. Der Manager der Dampe Templeton war mit Traberpferden auf der Bühne beschäftigt, als das Pferd ausglitt und in das Orchester fiel. Die Musikanten fonn­ten sich durch Zurseitespringen retten. Das Pferd fiel auf ein Instrument, das vollständig zerstört wurde. Der Zu schauer bemächtigte sich eine furchtbare Erregung, und die Borstellung mußte abgebrochen werden.

Eine Revolte spanischer Landarbeiter. Aus Madrid wird gemeldet, daß in der Stadt Jerez große Aufregung herrscht. Mehrere tausend landwirtschaftliche Arbeiter, die in Weinbergen beschäftigt sind, haben die Arbeit niederge­legt und wollen gegen die Stadt ziehen, um gegen ihre ge­ringe Entlohnung zu protestieren. Ihr Tagelohn beträgt nach unserem Geld nur etwa 50 Pfennig, und sie erklärten, daß sie lieber Hungers sterben wollen, als weiter für einen so geringen Lohn ihre schwere Arbeit zu leisten. Sie wollen ben Kampf um einen höheren Lohn bis aufs äußerste füh­ren. 500 Gendarmen sind zum Schuße der Stadt abge­gangen.

Ein Nachspiel zum Niederdeutschen Bankkrach. Eine Versammlung von Gläubigern der Niederdeutschen Bank beschloß nach einer Meldung des Berl. L.-A., sich mit einer Eingabe an den Landtag und mit einer Bittschrift an den Kaiser zu wenden, es möge thnen für den durch den Zusam­' menbruch der Niederdeutschen Bank entstandenen Schaden vom Staate eine Entschädigung gewährt werden. Mehrere Gläubiger haben sich außerdem mit einer solchen Bittschrift an den Prinzen Heinrich gewendet und ihn um Befürwor­tung der Wünsche der geschädigten Gläubiger gebeten. Die Herren dürften mit ihren Wünschen wenia Erfolg haben.

Der Kronprinz von Siam in Lebensgefahr. Nach einem Londoner Telegramm der Morning Post befand sich an Bord des bet Nagasakt gestrandeten Dampfers Riafan" der siamesische Kronprinz und dessen jüngerer Bruder. Beide Prinzen sind, wie auch die gesamte Besagung und alle Bassa= gtere gerettet, dagegen ist die wertvolle Ladung des Schif­fes, deren Wert zwei Millionen Mark betrug, vollständig vernichtet. Inzwischen ist der Kronprinz von Stam zum Besuch des Barenhofes in Petersburg eingetroffen.

Schlägerei zwischen zwei französischen Offizieren. Ein Aufsehen erregender Zwischenfall ereignete sich am Mon­tag in Saint Germain en Laye. Der Hauptmann de Gall traf auf der Straße mit dem Kommandeur der 6. Kürasster­Brigade, Ducheres, mit dem er seit langer Zeit in persön­licher Feindschaft lebt, zusammen. Die beiden Offiziere wechselten ein paar kurze Worte und gingen ein Stüd Weges zusammen. Als Hauptmann Gail, der sich in keine längere Unterredung einlassen wollte, Ducheres aufforderte, ihre persönlichen Zwiftigkeiten einem Schiedsgericht zu un­terbreiten, erwiderte ihm dieser: Offiziere geben sich Re­chenschaft mit der blanken Waffe! Darauf schlug Gail Duche­res ins Gesicht. Beide ergriffen ihre Stöcke und es kam za einem regelrechten Handgemenge. Gail erlitt eine Verletz­ung an der Hand. Er schickte noch am selben Abend an Ducheres seine Zeugen, mußte aber erfahren. daß sich Duche­res bereits nach Paris begeben habe. Der Polizeikommissar hat einen ausführlichen Bericht über diesen Zwischenfall an das Ministerium des Innern gesandt. Hauptmann Gail war einer der wenigen Offiziere, dte während der Hezze gegen Dreyfus auf seiten Dreyfus' standen. Er wurde dem Fürsten von Monako auf besonderen Wunsch als Flü­geladjutant zugeteilt. In dieser Stellung begleitete er den Fürsten auf seiner Reise nach Deutschland und war mit ihm Gast des Deutschen Kaisers in Potsdam. Er hatte sich damals einer besonders freundlichen Aufnahme durch Kai­ser Wilhelm zu erfreuen.

Pretiosendiebstahl in Karlsbad. In Karlsbad wurde aus einem offenen Kommodenkasten eines unverschlossenen Wohnzimmers in einem Logierhause an der alten Wiese einer als Kurgast dort weilenden österreichischen Aristokra­tin ein kostbarer Brillantschmuck und andere Kostbarkeiten im Gesamtwerte von etwa 50 000 M entwendet. Von den Tätern ist bisher keine Spur gefunden worden. Man ver­mutet, daß internationale Spitzbuben den Diebstahl aus= führten.

Unterbringung von Jugendwandergruppen in Kaser­nen. Durch eine Verordnung des sächsischen Kriegsministe= riums werden die Garnisonältesten ermächtigt, den Veret­nen für Wanderungen der Volksschul- und der schulentlasse­nen Jugend, die dem Zentralausschusse für Ferienwande­rungen der Volksschuljugend und dem Landesausschusse zur Pflege der schulentlassenen Jugend im Königreich Sachsen angeschlossen sind, Unterkunft in Ererzterhäusern und auch In den Kasernen zu gewähren.

Eine Herenaustreibung. In einem Orte bei Weißen­horn in Bayerisch- Schwaben wurde eine regelrechte Heren­austreibung durch einen als Herenmeister bekannten Mann porgenommen. Er wollte ein verhertes Haus" von dem darauf haftenden Zauber befreien. Dret Stunden lang trieb er seinen Hokuspokus im Hause, das von bewaffneten Dorfeinwohner, die die Here ergreifen sollten, scharf be= wacht wurde. Die Here ist jedoch unsichtbar entwichen". Man versteht es heutzutage mirklich nicht mehr, so bemerken Hierzu die Leipz. N. N.", wie es im deutschen Reiche noch trgendwo eine so zurückgebliebene Bevölkerung geben kann. Es ist dies ein würdiges Seitenstück zu der Teufelsaustret­bung, die Ende des vorigen Jahrhunderts auch in der dorti­gen Gegend, in Wernding, vorgenommen wurde.

Der gefesselte Strohhut. Kopenhagen ist vielleicht die­fenige Großstadt Europas, in der das Radfahren in höchster Blüte steht. Kopenhagen ist aber wahrscheinlich auch die stürmischste unter den Hauptstädten unseres Erdteils. Den Nachteil davon haben namentlich zur Semmerzeit die Stroh­hüte der Radfahrer, die man jeden Augenblick vom Winde getrieben über das Straßenpflaster fltegen sieht. Aber die Kopenhagener sind auch erfindungsreiche Leute, und einer der ihrigen, eir: bekannter Großhändler Fritsche, bringt an der Vorderseite des in fedem Hut enthaltenen Schweißleders einen Gummiring an, ähnlich den auf Selterswasserflaschen. Durch den leichten Drud des Windes auf den Hut saugt sich der Gummiring so fest auf der Stirn an, daß dadurch der But wie angenagelt sitt. Gewiß ein einfaches Mittel, aber ob auch ein angenehmes, das ist die Frage.

Mord im Hospital. In das amerikanische Marinehospt­tal von Yokohama waren vor furzer Zeit die beiden Ma­trofen Atkins und Saunders von dem nordamerikanischen

Kriegsschiffe Saratoga" eingeliefert. Am Montag gerieten fie im Krankenſaal in Streit. Atkins sprang aus dem Bett, ergriff ein Rasiermesser, stürzte sich auf Saunders und durchs schnitt ihm die Kehle. Nach einer Stunde war dieser eine Leiche. Die Frage ist jetzt, ob Atkins sich vor einem nord­amerikanischen Kriegsgericht oder vor dem japanischen Ge­richt in Yokohama zu verantworten haben wird. Der nord­amerikanische Botschafter und das Auswärtige Amt in To­fio sind bereits in Unterhandlungen darüber getreten, ob das Marinehospital als nordamerikanischer Boden zu be­trachten sei oder nicht. Wird in ersterem Sinne entschieden, dann wird Atkins noch im Hafen von Yokohama von einem Kriegsgericht an Bord der Saratoga" abgeurteilt werden.

Piraten an der Elbmündung. Am Montag traf in Curhaven aus dem am holsteinischen Elbeufer gelegenen Dorfe Kaiser- Wilhelms- Koog die telegraphische Meldung ein, daß dort zwei junge Leute ein Fischerfahrzeug gestoh­len und den Befizer, der in einem Motorboot die Verfol­gung aufgenommen hätte, erschossen hätten. Es wurde um bie Verfolgung der beiden, die sich seewärts gewandt hat ten, gebeten. Einer der Staatsdampfer in Curhaven lief Sofort mit bewaffneten Polizisten aus und traf an der Elb­mündung mit mehreren holsteinischen Fischerfahrzeugen zu­sammen, die die Verfolgung aufgenommen hatten, aber nicht an das Fahrzeug herankonnten, weil die beiden In­sassen mit langen Flinten zu schießen drohten. Dem Dampfer gelang es nach langem Manövrieren, das Fahr­zeug so zu stellen, daß sich die beiden Räuber ergeben mußten. Sie wurden gefesselt auf den Dampfer gebracht, der am Abend in Curhaven landete. Die beiden Ver­brecher wurden hier festgestellt als der 17jährige Fischer­tnecht Ernst Voigt, aus Wilster( Holstein) gebürtig, und der 17jährige Drogist Hans Tiem aus Wittenburg in Medlenburg. Der erschossene Schiffer Schmoener aus Kai­fer- Wilhelms- Koog hat von den beiden Burschen eine Schrotladung in den Unterleib erhalten, an der er bald darauf starb.

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Der Erbonkel als Einbrecher verhaftet. Eine sehr amüsante Episode, die fast wie ein Witz anmutet, wird der Inf." aus einer kleinen Stadt Südfrankreichs geschrieben: In diesem Dertchen lebten die vielverzweigten Mitglieder einer Beamtenfamilie, bescheiden und ruhig, aber mit der Hoffnung, daß ein Erbonkel, der in jungen Jahren nach Australien ausgewandert und dort zu Geld und Wohl­habenheit gekommen war, sie dereinst als Erben einsehen würde. In dem Städtchen erschien eines Tages ein älterer gut aussehender Mann, mit etwas fremdländischem Ein­schlag, der bei dem Maire des Ortes Unterkunft und Pen­fion haben wollte. Dieser Maire Monsieur Forne, gehörte dem Familienzweige an, der auf des Erbonkels Vermächt­nis geduldig und hartnädig wartete. Nun fiel es ihm auf, daß sein neuer Hausgenosse so erschöpfende Frgaen über die einzelnen Mitglieder des Stammes stellte, und vor allen Dingen noch erschöpfendere Antworten über Nam und Art" verlangte. Das tam dem guten Maire verdächtig vor, und er beschloß, seinen neuen Hausgenossen etwas ein­gehender zu beobachten. Wenn dieser sich unbeobachtet glaubte, und in seinem Zimmer weilte, war gewöhnlich die ganze Familie des Maire auf Posten, um zu kontrollieren, was der neue und seltsame Hausgenosse denn für Dinge vornehme. Sie überraschten ihn eines Morgens ganz zei­tig beim Zählen großer Summen, deren Herkunft sie sich nicht erklären konnten. Sie sahen ihn eines Abends da­mit beschäftigt, einen Schmudgegenstand zu betrachten, der ihnen bekannt schien, und den die Frau des Maire ganz bestimmt als den Erbschmuck aus der Familie ihres Man nes erkannte. Da zögerte man nicht lange. Man holte die Polizei, um sich des Eindringlings zu entledigen, aber als dieser sich legitimieren mußte, stellte sich heraus, daß er niemand anders war, als Onkel Forne, der gekom­men war, um seine Angehörigen ein wenig kennen zu ler­nen, ehe er ihnen sein Geld vermachte. Die Bestürzung des Maire und seiner Familie kann man sich vorstellen.

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Ueber ein niedliches Kleinbahnidyll, das sich kürzlich auf der Strecke Eberswalde- Steinfurth zugetragen, wird der Eberswalder Zeitung" berichtet. Die Vassagiere hatten Platz genommen, die Maschine stand unter Dampf und der Train zur Abfahrt bereit. Da im letzten Moment machte sich bei einem kleinen Mädchen, das die Mutter auf dem Schoß trug, ein Bedürfnis bemerkbar, das die Kleine durch laute Ausrufe des ersten Konsonanten in unserem Abc energisch zu verstehen gab. Es half kein Vertrösten bis zur nächsten Haltestelle, und ein stilles Pläßchen im Zuge war nicht vorhanden. Nun war guter Rat teuer, denn der Zug konnte sich jeden Augenblick in Bewegung setzen. Doch Not fennt kein Gebot! Die Mutter nahm das Kind, riß unge­achtet des Protestieres des Schaffners die Wagentür auf und stiea ins Freie, und zwar gerade in dem Moment, als der Vorsteher das Signal zur Abfahrt gegeben. Angesichts dieser Situation, und um der Kleinen ihr Naturrecht nicht zu schmälern, hatte der gute Mann aber ein Einsehen. Er gab schleunigst Gegenbefehl und ließ den Zug halten. Nach wenigen Minuten bestiegen Mutter und Kind wieder den Train, der dann lustig flingelnd und mit verdoppeltem Tempo in den grünen Wald hineinfuhr.

Zweierlei. Sie sollten doch mal was recht Gutes schreiben." ,, Kommt schon noch; erst will ich viel Geld verdienen!" ( Meggendorfer BI.)

Wissenschaft, Runst und Literatur.

Römische Warttürme am Rhein. In der Gegend von Laufenburg im Kanton Aargau wurde letztes Jahr am sog. Sandrain eine römische Warte festgestellt. Durch wettere Sondierungen ergab sich, daß südlich davon, in dem Ein­schnitt der alten Talstraße, tief unter dem heutigen Straßen­bett ein altrömischer gepflasterter Wig lief. Etwas weiter unterhalb Laufenburg, bet der Einmündung des Kaiser­bachs in den Rhein, erkannte man im Rheinbette die Fun­damente eines zweiten Wartturmes, der bis zum Hochwasser des Jahres 1876 so gut erhalten war, daß er den Fischern als Unterschlupf dienen konnte.

In

Die größte juryfreie Ausstellung. In München ist im Ausstellungspark die größte furyfreie Kunstausstellung, die je veranstaltet wurde, feierlich eröffnet worden. ben zahlreichen Sälen sind Bilder und Skulpturen geschmack­voll und originell ausgestellt und bieten einen hochinteres­santen Ueberblick über alles, was Maler und Bildhauer an Kuriositäten in allen Teilen der Welt zu leisten imstande find. Es finden sich aber auch viele kräftige, ernsthafte Werke.

Die Nachtreiter von Kentucky und Tennessee.

Unter diesem abenteuerlichen, in früheren Meldungen schon öfter erwähnten Namen hat sich seit etwa zwanzig Jahren eine verwegene Gesellschaft zur Selbsthilfe auf wirtschaftlichem Gebiet zusammengeschlossen, gegen deren Ausschreitungen und Gewalttätigkeiten sich erst jüngst eine Scharfe Reaktion erhebt. Mit einem Blutschwur" fetteten Rich Tausende von Männern aneinander, und ähnlich wie bei der berüchtigten Mafia in Sizilien waren die amerika­nischen Behörden machtlos gegen die Uebergriffe des Bun­

des, dem die gesamte Bevölkerung der beiden Untonstaaten Vorschub leistete. So fonnnte es ungestraft geschehen, dah eines Tages in Princeton eine Nachtreitertruppe von 100 bis 150 Mann, sämtlich mit Masken vor dem Gesicht, viele mit falschen Bärten, in die Stadt einbrach. Zunächst wur den Schildwachen ausgestellt, dann das Telephonamt und die Eisenbahnstation besetzt und sämtliche Drähte in die Außenwelt durchschnitten. Als nun die ganze Stadt in threm Besize war, zerstörten die Nachtreiter Lagerschuppen, die etwa 100 000 Pfund Tabak enthielten. Dann ver schwanden sie.

Dieses tecke Reiterstücklein führt Dr. Ernst Schulke im Juniheft von Westermanns Monatsheften" neben an deren ähnlichen an. Immer haben oder hatten es die Nachtreiter auf die Lager und Fabriken des großen amea ritanischen Tabaktrusts, der britischen Tabaksgesellschaft und der europäischen Tabaksregien abgesehen. Gegen diese übermächtigen Großhändler des Tabakgeschäfts richten sich die Wut und der Haß der zahlreichen kleineren Tabakpflan­zer in Kentudy und Tennessee. Die in ihrer Existenz von den Trusts aufs äußerste bedrängten Pflanzer taten sich deshalb 1890 zu einem Bund zusammen, der sich bald ge­zwungen sah, alle Tabakpflanzer, wenn nötig, mit Gewalt zu Mitgliedern zu werben und zu pressen, sollte er erfolg= reich wirken. So boykottierte man zunächst die widerspen­stigen Farmer, dann tat man ihnen böswillig Schaden und schließlich wurden die Nachtreiter zu einer Gesellschaft, die sich selbst vor äußerster Gewalt nicht scheute.

Bald gingen sie nicht nur gegen die Tabaktrusts, son­dern maßten sich ein Urteil über das wirtschaftliche, poli­tische und private Leben ihrer Mitbürger an. So war 1908 in Tennessee ein Gesetz erlassen worden, das die Fi­scherei auf dem Reelfoot- See betraf. Zwei richterliche Be amte, die den Auftrag hatten, das an den See angrenzende Land zu verpachten, wurden von den Nachtreitern aus dem Hotel geholt, in dem sie abgestiegen waren; diese hängten den ersten an einen Baum und durchlöcherten ihn förm­lich mit Geschossen. Der zweite Richter, Mr. Taylor, ent­fam durch Zufall; doch hat er seine Rettung nur der nächt­lichen Dunkelheit und seinem ungewöhnlichen Mute zu ver­danken.

Dergleichen Gewalttaten, denen bald noch schlimmere folgten, sollten freilich dieser unheiligen Feme verderblich werden. Die öffentliche Meinung wandte sich gegen sie, und es scheint, als ob jezt geordnete Zustände wiederkehren wollen. Eins freilich haben die Nachtreiter erreicht: sie haben dem Tabaktrust Schaden getan, daß dieser sich zu wesentlichem Entgegenkommen entschlossen hat.

Drabtnachrichten und neuestes.

Das Kaiserpaar in Neustrelit.

Potsdam, 7. Juni. Der Kaiser und die Kaiserin sind heute vormittag im Sonderzug von Station Wildpark nach Neustrelitz abgereist.

Ein neuer Höhenrekord.

Berlin, 7. Juni. Der am Montag aufgestellte Hö­genrekord auf dem Flugplatz Johannistal wurde heute durch den Dorner- Flieger Schendel gebrochen, der 2010 Me­ter erreichte. In dieser Höhe ging ihm das Benzin aus, sodaß er im Glettflug herunterkommen mußte. Er wurde bei der Landung stürmisch begrüßt.

22. Evangelisch- sozialer Kongreß. Danzig, 7. Junt. Im Artushofe, Danzigs altberühm­ter Festhalle, begann gestern mit einem Begrüßungsabend der 22. evangelisch- soziale Kongreß. Heute beginnen die eigentlichen Verhandlungen.

Genickstarre.

Cöln, 7. Junt. Bei einem Soldaten des Fußar­tillerieregiments Nr. 8, das zurzeit auf dem Schießplatz Wahn Uebungen abhält, ist Genickstarre festgestellt worden. Da die Leute in Baracken liegen, befürchtet man, daß be­reits Ansteckungen vorgekommen sind. Der Korpsarzt ist hier eingetroffen, um eine Untersuchung einzuleiten. Nürnberg, 7. Junt. Beim 21. Infanterieregiment in Sulzbach erkrankte ein Leutnant und ein Soldat starb an Genickstarre.

Im Rhein ertrunken.

0Cöln, 7. Junt. Sechs Ziegeleiarbeiter, die aus Posen zugewandert und auf einer Biegelei in Beuel be­schäftigt waren, badeten Montag abend in der Mündung der Sieg in den Rhein. Drei Arbeiter wurden in den Rhein getrieben und ertranken. Es sind junge Leute im Alter von 18, 19 und 20 Jahren.

Ein ganzes Dorf abgebrannt. Petersburg, 7. Juni. Das Dorf Wicszblond bet Archangel wurde fast vollständig ein Raub der Flammen. Viele Bewohner verloren dabei ihr Leben, darunter der Rabbiner mit seinen sechs Kindern.

Vom Gefangenen der Balkanräuber.

Saloniki, 7. Juni. Der Dragoman der deutschen Botschaft ist von Katinopli zurückgekehrt. Er äußerte, daß in der Angelegenheit des entführten Ingenieurs Richter vor 14 Tagen keine Entscheidung zu erwarten sei. Die Bauern von Kafinopli versprachen, eine Verbindung mit den Räubern herzustellen. Vielleicht gelingt eine solche durch die Vermittlung eines ehemaligen Bandenführers. Der Schlupfwinkel der Räuber soll bei Livadia sein. Von an= derer Seite wird ein griechisches Kloster oberhalb Spigi ge­nannt.

Neue Winzerunruhen in Frankreich. Bar sur Aube, 7. Juni. Die Winzer mehrerer um­Itegender Dörfer haben sich versammelt und marschieren auf die Stadt. Die Behörden haben sämtliche Läden schlie­ßen lassen.

Vermißter französischer Flieger.

Nizza, 7. Juni. Von dem Flieger Bague, der Mon­tag früh von Nizza nach Korfifa abgeflogen ist, sind bis jett feine Nachrichten eingegangen. Da Bague Brieftauben mitgenommen hat, befürchtet man, daß der Flieger verun­glückt ist und die Brieftauben nicht hat in Freiheit setzen fönnen.

Bandel und Verkehr.

Cassel, 6. Juni. Schlachtviehpreise: 1. Rinder. A. Och­fen: a) vollfleischige angemästete höchsten Schlachtwertes, die noch nicht gezogen haben( ungejocht) Schlachtgewicht M, b) vollfleischige ausgemästete im Alter von 4 bis 7 Jahren -M, c) junge fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemästete 80-82 M. B. Bullen: a) vollfleischige ausge-] wachsene höchsten Schlachtwertes- M, 6) vollfleischige junge 82-84 M. E. Färsen und Kühe: a) vollfleischige aus­gemästete Färsen höchsten Schlachtwertes--M, 6) voll­fleischige ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwertes bis zu 7 Jahren M, c) ältere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe und Färsen 78-80 M, b) Big genährte Kühe und Färsen 70-74 M. 2. Schweine: a) Fettschweine über 150 kilogr. Schlachtgewicht-' M, h) vollfleischige von 120-150 Kilogr. 57-58 M, c) vollflet­fchige von 100-120 Kilogr. 56-57 M, d) vollfleischige von 80-100 Kilogr. 55-56 M.