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Die militärische Karriere des Kronprinzen.

hältnissen empor. Er wurde im wärz 1835 zu Bracht m Westfalen als Sohn eines schlichten Bauern geboren. Nach­dem er in einem fatholischen Internat ausgebildet worden war und an der Universität Münster seine Studien er­ledigt hatte, wirfte er 30 Jahre lang als geistlicher Lehrer. Im August 1889 wurde er zum Bischof von Münster ge­wählt und er leistete diesem Rufe Folge obwohl er seine Beschäftigung als Lehrer ungern mit dem neuen Amte ver­tauschte. Als Bischof richtete er sein Hauptaugenmerk auf die Heranbildung firchentreuer Geistlicher. Auch er selbst war dem Papst treu ergeben.

Zu der angeblichen Beförderung des Kronprinzen wer den folgende Einzelheiten über seine bisherige militärische Karriere von Interesse sein. Die Einreihung des Thron= erben in die Armee fand am 6. Mai 1892 in besonders feter­ficher Weise statt, indem der Katser selbst seinen Sohn dem Offizierskorps vorstellte. Im Anschluß an die Feierlichkeit war Frühstückstafel im Marmorsaale des Stadtschlosses; der Kronprinz nahm an ihr als jüngster Leutnant tell und der Kaiser brachte das Wohl seines Sohnes in einem Trink­spruche aus. Das Fähnricheramen legte der Kronprinz am 20. Februar 1899 in Ploen ab, aktiven Dienst als Teut­nant tat er indessen erst vom Tage seiner Großjährigkeit ab, nachdem er in das Stadtschloß zu Potsdam übergefiedelt war. An diesem Tage seiner Großjährigkeit war er vom Kaiser a la suite des Grenadierregiments Kronprinz( 1. Ostpr.) Nr. 1 in Königsberg gestellt worden und am 30. Mat 1900 wurde er der zweiten Kompanie im 1. Garderegiments augeteilt. Am 1. September desselben Jahres erfolgte set­ne Ernennung zum Oberleutnant. Aber dann unterbrach das Studium in Bonn die militärische Tätigkeit und erst nach der Rückkehr vom Rhein nahm er sie wieder auf. Am 18. September 1903 zum Hauptmann und Chef der 2. Kom­panie des 1. Garderegiments ernannt, befehltgte der Kron­prinz diese bis kurz vor seiner Vermählung am 6. Juni 1905. Nach seiner Vermählung ward der Kronprinz, um nun auch die Retterwaffe fennen zu lernen, zu den Garde­duforps in Potsdam kommandiert, ohne fedoch in diesen Truppenteil eingereiht zu werden, und am 22. Oftober 1905, am Geburtstage seiner kaiserlichen Mutter, a la suite des Pasewalker Kürassierregiments Königin gestellt. Der Kronprinz wird auch a la suite des 2. Gardelandwehrregt­ments und des 1. Seebataillons geführt. Im Jahre 1895 wurde er vom Kaiser Nikolaus II. von Rußland a la sutte des russischen Leibgrenadierregiments in St. Petersburg and am 2. September 1897 vom Prinzregenten Luitpold von Bayern a la suite des 1. bayerischen Ulanenregiments Kai­fer Wilhelm II., König von Preußen, gestellt. Am 7. Sep­tember 1899 stellte ihn der König von Württemberg a la suite des Infanterieregiments Kaiser Wilhelm( 2. Württem­berg.) Nr. 120. Am 6. Mai 1900 wurde er zum Inhaber des österreichischen 13. Husarenregiments und am 16. Januar 1903 zum Chef des kleinrussischen Dragonerregiments Nr. 40 ernannt. Alle diese Ernennungen und Auszeichnungen gelten freilich mehr der hohen Würde des deutschen Kron= prinzen als nur setner Person als Sodat.

Die Beamten und die Politik.

Die Kandidatur Bassermanns. Die am Sonntag in Saarbrücken von 2000 liberalen Wählern besuchte Ver­sammlung, in der der Kandidat für den Wahlkreis Saar­brtten, Bassermann, sprach, gestaltete sich zu einer lebhaf­ten Kundgebung für Bassermann, dem allseitig Unter­stützung des jungliberalen Vereins und der Industrie vet­sprochen wurde. Die Kandidatur Bassermanns bedeutet, wie in der Versammlung erklärt wurde, den Friedensschluß der Partei zwischen rechts und links.

Zum preußischen Kultusetat, dessen Beratung am Dienstag im Abgeordnetenhause begonnen hat, sind von der Budgetkommission folgende Resolutionen angenommen worden: Die Staatsregierung möge in Erwägungen ein­treten, wie die Oberlehrerstellen an den Volksschullehrer­seminaren in geeigneter Weise zu vermehren sind; 2. dte Staatsregierung zu ersuchen, dafür Sorge zu tragen, daß bei Einführung von Vermehrung von Turnstunden in Volksschulen die idealen Fächer, insbesondere Religion und Deutsch, nicht gekürzt werden; 3. die Staatsregierung zu ersuchen, in Erwägungen darüber einzutreten, daß auch bei vermehrter Einführung der Rektoren an Volksschulen der Einfluß der Kirche auf die Schule sicherzustellen ist.

Wie uns aus Berlin gemeldet wird, ist über die viel­umstrittene Frage, wie sich die Beamten in politischer Hin­ficht außerdienstlich" verhalten müssen, und ob eine polt­itsche Betätigung, die sich mit der bestehenden Staatsord­nung nicht im Einvernehmen befindet, außerhalb des Dien­stes geseßlich zulässig ist, vor einiger Zeit durch ein be­deutsames Urteil des preußischen Oberverwaltungsgerichtes entschieden worden. Das Oberverwaltungsgericht führte in feinem Urteil aus, daß es als eine Verlegung der den unmittelbaren wie den mittelbaren Staatsbeamten oblie= genden Pflichten anzusehen sei, wenn der Beamte auch in seinem außerdienstlichen Verhalten gegen die amtliche Pflicht des Gehorsams und der Treue gegen das Staats= oberhaupt verstößt. Die gleiche Verlegung der Beam­tenpflichten ist aber auch darin zu erblicken, wenn der Be­amte in der öffentichen Erörterung politischer Fragen von einer sachlichen Behandlung der Angelegenheit zu persön= lichen Angriffen übergeht, oder wenn er bei der Erörterung politischer Angelegenheiten und bei irgend einer anderen politischen Betätigung, die ihm feineswegs versagt st, sich zu Handlungen hinreißen läßt, die ihm das Vertrauen in eine gerechte und unparteiische Amtsführung entziehen. Wenn auch den unmittelbaren Beamten eine politische Be­tätigung durchaus frei steht, so bemerkt doch das Urteil des Oberverwaltungsgerichtes, daß drittens eine Ver­lebung der amtlichen Dienstpflicht auch darin Au erblicken ist, wenn der Beamte die Bestrebungen einer politischen Partei fördert oder sich mit ihnen einverstanden erklärt, die nach ihrem Programm die Staatsverfassung und die gesellschaftliche Ordnung bekämpft.

Rundschau vom Cage. Politisches.

Prinzregent Luitpold von Bayern hat aus Anlaß set­nes bevorstehenden 90. Geburtstages weitere Armeestiftun­gen im Gesamtbetrage von 55 000 M gemacht. Der Regent hat ferner eine Menge Verleihungen der Prinzregent Luitpold- Medaille an Angehörige der bayrischen Armee angeordnet. Der Urenkel des Regenten, der 9jährige Prinz Luitpold ist zum Leutnant im 1. Felartillerieregiment er­nannt worden.

Der geschäftsführende Ausschuß des Preußischen Lan­deslehrervereins hat eine eingehend begründete Petition in die maßgebenden Stellen gerichtet, in der um eine an­derweitige und günstigere Regelung der Bezüge der Lehrer­meriten gebeten wird. Auch hat der Ausschuß beschlossen. eine Petition um Anrechnung der Militärdienstzeit bef Bemessung der Orts- und Amtszulage an den Kultusmini ster einzureichen.

Bischof Dingelstad in Münster ist am Montag vormit­tag nach kurzem Krankenlager gestorben. Er war schon längere Zeit leidend, doch wurde sein Zustand erst in den letzten Tagen ernst. Bischof Dingelstad stieg, wie so man­ther Würdenträger der fatholischen Kirche, aus kleinen Ver­

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Das Familiengeheimnis.

Roman von 2. Walter.

( Nachdruck verboten.)

Das neue französische Kabinett über die auswärtige Politit. Die gestern nachmittag in der Kammer verlesene Regierungserklärung läßt zunächst die schwebenden inner­politischen Fragen Revue passieren und erklärt dann inbe­zug auf die auswärtige Politik, daß das neue Ministerium fest entschlossen set, an den Bündnissen und herzlichen Ein­vernehmen, die eine Garantie des Friedens sind, uner schütterlich festzuhalten. Die Regierung steht in einer starken Armee die sicherste Gewähr des Friedens und wird bemgemäß ihr Hauptaugenmerk auf eine weitere Umgestal­tung von Heer und Marine richten. Der bisherige Mi­nister des Aeußern, Pichon, soll für den Posten als Bot­schafter in Petersburg in Aussicht genommen sein.

Die Witwe war eine Frau von fünfundfünfzig Jah­ren, gesund und kräftig and in hohem Grade intelligent. Mit seltener Energie verband sie einen hohen Grad von Gutmütigkeit. Aber sie war eine praktische Frau, die bei allem, was sie begann, das Ende bedachte. Die Liebe ihrer Tochter billigte sie, da sie Karl al seinen braven jun­gen Mann schätzte und wußte, daß er eine Frau glücklich machen konnte. Karl war der Schüler ihres verstorbenen Mannes gewesen, der oft gesagt hatte: in dem jungen Halling stedt ein tüchtiger Kaufmann. Die Firma des­selben war eine zu geachtete, als daß Frau Bauer nicht wünschen sollte, ihr einziges Kind in die Familie Halling eintreten zu sehen. Mütterliche Eitelkeit und Sorgfalt hatten diesen Wunsch erregt und befestigt.

Nachdem Kari noch einmal seine Angst geschildert hatte, sagte Frau Bauer in einem Tone, der nicht verlegen fonnte, denn sie war auch eine gewandte Frau:

Kleine Nachrichten.

Persönlichkeiten angehören, die die Auswahl der Kinder treffen sollen.

Bei einem Zimmerbrande in etner Mansardenwohnung in Bamberg fanden die eindringenden Hausbewohner und die Sanitätsfolonne drei Kinder im Alter von 1 bis 4% Jahren in dem verschlossenen, mit dickem Rauch gefüllten Bimmer erstickt vor. Zwei davon waren Pflegekinder. Das älteste Kind hatte am Ofen Wäsche trocknen wollen und war dabet dem Feuer zu nahe gekommen.

Ein freudiges Familienereignis am großherzoglich­sächsischen Hofe steht nahe bevor. Die Großherzogin von Sachsen- Weimar sieht, wie aus Weimar gemeldet wird, in diesen Tagen ihrer Niederkunft entgegen. Die Großher­zogin hat seit einiger Zeit im dortigen Schlosse Wohnung genommen.

" Ich glaube Ihnen, mein lieber Halling, die Unge­wißheit mußte eine schreckliche sein, wie überhaupt jede Ungewißheit ein peinigendes Gefühl erweckt. Auch Auguste leidet und ich leide mit ihr."

,, Was ist es denn?"

Für eine Million Kaffee ins Meer versenkt. Auf dem Dampfer Hohenstaufen", der bei Bahta gestrandet, aber in­zwischen wieder flott geworden ist, find 750 Tons Kaffee im Werte von fast einer Million Mark und 180 Tons Kleie über Bord geworfen worden, um das Schiff zu erleichtern. Die Arbeit des Ueberbordwerfens wurde in Stunden voll­bracht.

Ein allgemeiner Milchkrieg scheint sich in Westdeutsch­land vorzubereiten. Dort planen öte Landwirte einen allge= meinen Aufschlag auf die Milchpreise. Die Händler und Kon­sumenten wollen sich dagegen wehren und bereiten große Abschlüsse mit der Schweiz wegen Lieferung von Milch vor.

Aerztliche Untersuchung der Ehekandidaten. Das Par­lament des nordamerikanischen Staates Indiana hat ein Gesetz angenommen, wonach alle männlichen Staatsbürger verpflichtet sind, vor Eingang einer Ehe ein ärztliches Ge sundheitsattest beizubringen. Die Minorität des Parla­ments war gegen einen solchen Zwang. Die Annahme des Gesetzes erfolgte mit 51 gegen 38 Stimmen bei 16 Stimmen­enthaltungen.

Ein Generalausstand im Schiffahrtsgewerbe droht nach Meldungen aus Antwerpen auszubrechen. Eine Versamm­lung von Delegierten der Seemannsverbände beschloß, ein Ultimatum an die Reeder zu richten, in dem sie aufgefordert werden, bis zum 15. April eine Lohnerhöhung zu bewilligen, widrigenfalls ein Generalausstand aller Schiffahrtsgesell­schaften Belgiens, Hollands, Deutschlands, Frankreichs, Eng­lands und Amerikas beschlossen werden würde.

Wir beide möchten gern wissen, wie ihr Vater über Ihr Verhältnis zu meiner Tochter denkt. Ich liebe die Heimlichkeiten nicht... wahrlich, es gibt Stunden, in benen ich mir Vorwürfe mache, daß ich Sie nicht längst gebeten habe, mich mit Ihrem Vater bekannt zu machen. Es wäre ein harter Schlag, wenn die väterliche Genehmi­gung versagt würde."

Ein Wettlauf alter Männer von 70 Jahren und da rüber fand am Faschingsdienstag in Bogen in Nieder­bayern statt. Zu dieser seltenen Veranstaltung hatten sich 12 Konkurrenten gemeldet. 200 Meter Wegstrecke waren zu durchlaufen. Von den zusammen 874 Jahre zählenden Kon­furrenten konnten 11 mit Preisen bedacht werden.

Ein Bombenattentat wurde gegen die französische Gen­darmeriefaserne in Pontoise verübt. Das Attentat war gegen den Brigadier Lahore gerichtet, vor dessen Zimmer die Bombe explodierte. Er hatte schon tagelang Drohbriefe erhalten. Die Spur des Täters ist noch nicht ermittelt.

Schwere Vorwürfe gegen das Berliner Wasserwerk wurden in einer Versammlung der städtischen Wasserwerks­arbeiter erhoben. Einzelne Reservoire des Wasserwerks Müggelsee sollen acht bis zwölf Jahre nicht gereinigt sein, wodurch in einzelnen Leitungen Schlammassen vorgekom­men wären. Die Anklagen werden von der Leitung der Werke als unrichtig bezeichnet.

Fürchten Sie das nicht," entgegnete Karl mit be­wegter Stimme. Ich hatte mir vorgenommen, bei der Rückkehr von der Reise dem guten Vater das Geheim­nis meines Herzens mitzuteilen und von ihm die Einwil­

Von einer einstürzenden Mauer getötet wurde in Naunhof in Sachsen ein Landwirt, als er in seiner nieder­gebrannten Scheune mit Aufräumungsarbeiten beschäftigt war. Einer seiner Knechte wurde schwer verletzt.

Der Berliner Lehrerverein ist dem Bunde der deutschen Bodenreformer beigetreten. Der Beschluß wurde mit 9/ 10- Mehrheit gefaßt.

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Zwei Personen vom Starfstrom getötet. In dem Dorfe Stockt im Kreise Meserib wurde ein Gastwirt, als er einen gerissenen Draht der elektrischen Hochspannleitung Ueberlandzentrale von einem Kirschbaum mit einer Stange entfernen wollte, von dem Draht am Arm getroffen und vom Strom getötet; ein ihn begeitender Lehrer, der ihn in demselben Augenblick beiseite ziehen wollte, fiel gleichfalls auf der Stelle tot um.

Eine eigenartige Festlichkeit für die Krönungswoche hat König Georg von England in Aussicht genommen. Er wird ein Festessen für 100 000 arme Sinder veranstalten. Ein Komitee ist bereits gebildet, welchem der Schatzmeister des Königs, der Lordmajor von London und viele andere

ligung zu erbitten, die unter allen Umständen erforder= lich ist..

Warum haben Sie den Entschluß nicht ausgeführt, den ich aus voller Seele billige?"

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Einen graufigen Selbstmord beging in der Nacht zum Montag in Kiel der Arbeiter Nowak, indem er seine Kleider mit Spiritus begoß und anzündete, worauf er sich aus et­nem Revover, den die Leiche noch krampfhaft in der Hand htelt, dret Schüsse in den Kopf jagte, die seinen Tod herbei­führten.

Weil ich den Vater nicht mehr angetroffen habe." Der Schmerz überwältigte ihn, daß er nicht weiter sprechen fonnte; er nahm seinen Hut, der auf einem Tisch­chen stand und deutete auf den schwarzen Flor. Herr, mein Gott!" rief die Witwe.

" Karl, Karl," fügte Auguste hinzu, es ist ja nicht möglich!"

Er hatte sich gewaltsam gefaßt.

Als ich das Haus betrat, hatte man den Vater schon begraben!" murmelte er.

Die beiden Frauen weinten mit ihm.

Aus den Gerichtssälen.

Ein sensationeller Mordprozeß hat am Montag vor dem Schwurgericht in Magdeburg begonnen. Die Anklage richtet sich gegen den von Brasilien ausgelieferten Kauf­mann Otto Knitelius, der vor mehr denn zwei Jahren an dem Apothekenbesitzer Rathge in Magdeburg einen Raubmord begangen hatte. Knitelius entstammt einer an­gesehenen Kaufmannsfamilie aus Offenbach a. M. Schon in jungen Jahren war er jedoch nach Berlin und damit auf die schiefe Ebene gekommen. Er gertet dann in die Gesellschaft des Berliner Architekten Artur Nittert, der schon sehr früh ein Nichtstuer geworden war, und als Kni telius und Nittert vor Schulden nicht mehr ein und aus wußten, beschlossen sie, eine große Sache in Magdeburg zu " machen". Ihr Plan war, die auf der belebtesten Straße Magdeburgs, dem Breiten Wege, gelegene Hirschapotheke auszurauben. Sie benutzten den Vormittag des 25. No­vember, um den" Tatort" auszubaldowern und begaben sich dann gegen 6 Uhr abends in das des Sonntags wegen verschlossene Geschäft, das einen Hintereingang vom Haus­flur hat. Sie erbrachen die Hintertür und gelangten auch in den Bureauraum, der den Geldschrank enthielt, wurden jedoch beim Hinausgehen von dem Apothekenbesitzer Rathge überrascht, der noch einmal nach dem Rechten sehen wollte. Rathge stürzte sich zunächst auf Nittert und packte ihn am Ueberzieher. Nittert ließ diesen jedoch in den Händen set­nes Verfolgers und stürmte den Breiten Weg entlang. Nun warf sich Rathge auf Knitelius, dieser zog sofort eine Browningpistole und schoß Rathge in die Brust, so daß der Unglückliche noch am Sonntag abend verstarb. Nittert wurde nach kurzer Verfolgung festgenommen. Auch er hatte einen Revolver bei sich, konnte aber sofort nachweisen, daß er nicht geschossen hatte. Auf Knitelius hatte in der all­gemeinen Verwirrung niemand geachtet, er konnte sich viel­mehr ganz unbehelligt in das Hotel zurückbegeben und seine sowie die Sachen Mitterts zur Bahn schaffen. Nach Berlin zurückgekehrt, verfolgte Knitelius eifrig die Zeitungen, und als er die Nachricht fand, daß Nittert ihn als Komplizen angegeben hatte, begab er sich auf die Flucht. Nach län­geren Kreuz- und Querfahrten landete er schließlich An­fang 1909 in Rio de Janeiro, wo er als Sprachlehrer auf­trat und einen durchaus unverfänglichen Eindruck machte. Von dort ist er dann, wie schon gefagt, ausgeliefert worden, Das Urteil werden wir mitteilen.

Das ist hart! meinte die Witwe. Ach, hätten Sie doch die Reise unterlassen! Sie würden meiner Tochter qualvolle Tage und sich den Schmerz erspart haben, der jetzt ein doppelter sein muß. O, wie bedauere ich, daß ich gerade heute diesen Punkt zur Sprache bringen mußte. Verzeihen Sie mir, Herr Halling; Sie wissen wohl, daß ich als Mutter Pflichten zu erfüllen habe... Augustens Vater lebt nicht mehr...

,, Seien Sie von jetzt an auch mir eine sorgende Mut­ter!" rief bewegt der junge Mann. Ich bin Ihrer Teil­nahme nicht minder bedürftig als der Liebe und Treue meiner Auguste, von der ich nie, nie lassen werde, weil ich es nicht tann."

Die Tochter legte weinend ihr Köpfchen an die Brust des jungen Mannes; sie wollte Worte des Trostes spre= chen, aber heftiges Schluchzen hinderte sie daran.

Frau Bauer sagte würdevoll:

Der gute Christ fügt sich demutsvoll in das Unver­meidliche. Halten Sie sich unserer innigsten Teilnahme fahrenen Frau nüken können, wenn Sie mich als Ihre für versichert und wenn Ihnen die Ratschläge einer er­

zweite Mutter betrachten wollen, so biete ich Ihnen gern die Hand. Wir sind zwar arme Leute

Sprechen Sie nicht von Armut und Reichtum, von Dingen, die angesichts so ernster Verhältnisse teine Beach­tung verdienen! Nehmen Sie mich als Sohn auf und ich habe keinen Herzenswunsch mehr, dessen Erfüllung mein Glück begründen kann."

Die Mutter legte segnend die Hände auf die Häupter ihrer Kinder.

Amen!" flüsterte sie. Möge der Segen des Vaters zu Euch kommen, wie Euch jetzt der Segen der Mutter wird. Sie sind der Bräutigam meiner Tochter, Karl; ich gebe Ihnen das teuerste Gut, das ich bieten kann."

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Dies war die Verlobung Karls und Augustens. Man sprach noch einige Zeit über den jähen Tod des Kaufmanns, dann schied Karl, um die besorgte Tante nicht lange warten zu lassen, wie er ihr zugesichert hatte. Zum ersten Male begleitete ihn Auguste vor das Haus; sie durfte es jetzt, da sie seine erklärte Braut war. Arm in Arm gingen sie durch die Pappelallee. Der Mond verbreitete fast Tageshelle. Man sah die Türen und Häuser der Stadt, in der ein schrecklicher Gast hauste. Wie still und friedlich lag die Sommernacht darüber ausgegossen. Die Luft war ruhig geworden, fein Blatt erzitterte an den Bäumen, die lange Schatten auf die Erde warfen. Eine unheimliche Stille herrschte in der weiten Gegend. Die lange Allee war zu Ende. Das Paar blieb stehn.

Nun gute Nacht, Auguste!"

,, Jch begleite Dich noch!" flüsterte sie.

" Bleibe, Du sollst Dich nicht zu weit von den Häusern, entfernen, es ist schon spät."

,, Mir ist recht bange, Karl!"

( Fortsetzung folgt.)

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