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Noch etwas von der Fremdenlegion. Man schreibt der Tgl. Rosch.": Im Jahre 1899 hielt ein früherer ,, Legio­när" vor den Soldaten des Mannheimer 2. Bataillons Re­giments 110 einen Vortrag, angeblich zur Aufklärung über Die Fremdenlegion. Der Bataillonstommandeur sicherte ihm 15 Mart für diesen Vortrag zu. Am nächsten Tage waren drei es fönnen aber auch fünf Grenadiere ge­wesen sein, desertiert. Ihre Waffen und Montierungs­tüde fand man auf der Rheininsel! Der Vortragende war ein vertappter Werber, der es gut verstanden hatte, die ihm gebotene Gelegenheit, sich den Soldaten zu nähern, auszunutzen! So handelt die ritterliche" französische Na­tion! Gegen Stlavenhandel haben die Großmächte Front gemacht, gegen dies schamlose Treiben aber nicht! Warum nicht? Ich hatte in meiner Kompanie einen Unsiche= ren", der 7 Jahre in Tongking gedient hatte und dort sich zwei Tapferkeitsmedaillen erworben hatte; auch er, El­fässer, hatte betrunken den Schandvertrag unterzeichnet. Besonders die Kriegervereine im Westen könnten durch Vorträge sehr nüßlich wirken, auch bei den Kontrollver­Jammlungen manch warnendes Wort gesagt werden. Die Zahl der Verführten" im Westen ist viel größer als man im allgemeinen annimmt.

Der Domino mit dem Vitriolbecher. Auf einem Mas­fenball in Dünkirchen hat ein junges Mädchen an ihrem Verführer, einem großen Bauunternehmer namens Theo­bor Eloy, ein Vitriolattentat verübt. Als Eloy und eint­ge Damen vor dem Büfett standen, schlich sich eine in einen weißen Domino gekleidete Frauensperson heran, zog unter dem Rock einen Becher, der mit Vitriol gefüllt war, her­vor, und goß den Inhalt dem Bauunternehmer ins Ge ficht. Dieser erlitt schwere Brandwunden im Gesicht. Zwet Samen, die neben dem Ueberfallenen standen und ein Kellner erlitten ebenfalls Brandwunden. Die Attentä­terin ist eine junge Näherin Vollet. In der Verwirrung, die im Saale entstanden war, entfam sie, ging nach Hause, kleidete sich um und stellte sich dann freiwillig der Bolizei. Sie erklärte ihre Tat damit, daß sie von Eloy verführt und im Stich gelassen worden sei.

Der gefährlichste Falschspieler Europas. Das Wiener Sicherheitsbureau hat vor einiger Zeit ein Schwarzbuch ber berufsmäßigen Hasardeure und internationalen Falsch­Spieler angelegt. Man findet darin viele Hunderte von Personen angeführt, denen das Spiel Beruf und reiche Erwerbsquelle ist. Als der gefährlichste Falschspieler Europas und als König der Hasardeure" ist darin der Russe Stefan v. Römer angeführt. Kürzlich ist es nun ber Wiener Polizei gelungen, diesen internationalen Hoch­stapler, der keinen ständigen Wohnsitz hatte und ganz Europa bereiste, zu verhaften. Die römische und die Pa­riser Polizei verfolgten ihn. Besonders großes Interesse für ihn bekundeten aber die russischen Behörden, weil sich Römer in seiner Heimat in Riga große Betrügereien und Urkundenfälschungen. hatte zu schulden kommen lassen. Er ist der Nachkomme einer alten Adelsfamilie und wurde in der russischen Armee Kavallerieoffizier. Schlechte Ge­sellschaft hat ihn verdorben. Er wurde in schmutzige Af­fären verwideit und vom Gericht in Riga zu 5 Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Er flüchtete jedoch vor dem Vollzuge der Strafe und trieb sich in aller Welt umher. Er besuchte Spielhöllen und wurde ein Komplice von Falschspielern. Er gilt als Meister der Spielertrids. So­eben hat die österreichische Regierung die Auslieferung Römers an die russischen Behörden verfügt.

Ein Papagei als Lebensretter. Vater, komm schnell! Bater, komm schnell!" gellte es um Mitternacht durch das Haus der Familie Pett, die über einem Laden in einer Straße in London wohnt. Frau Pett erwachte von dem Geschrei und gewahrte, daß dicker Rauch aus dem Laden in die oberen Räume drang. Mit Hilfe einiger Nachbarn gelang es, ihren hilflosen kranken Mann, ihre Kinder und Papagei in Sicherheit zu bringen, der mit seinem Geschrei die ganze Familie vor dem Erstickungstode geret­tet hatte. Der Laden und die darüberliegenden Stock­werke wurden ein Raub der Flammen.

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Flucht vor der Ehe. Ein tragikomisches Ereignis wird aus Dunleer in Jrland berichtet. In der Ortskirche sollte eine Hochzeit abgehalten werden, und die beteiligten Per­sonen hatten sich bereits sämtlich in der Kirche eingefun­den. Der Priester wurde aber durch einen Zwischenfall veranlaßt, die Kirche für kurze Zeit zu verlassen, bevor die Zeremonie stattgefunden hatte. Diesen Umstand muß der Bräutigam offenbar als letzte Gelegenheit angesehen ha­ben, dem Chejoch zu entfliehen, denn als der Geistliche wieder zur Stelle war, um numehr die Trauung vorzu­nehmen, war es nicht möglich, den wankelmütigen Bräu­tigam aufzufinden; wie nachträglich erhoben wurde, hatte der Bräutigam sein Heil in der Flucht gesucht und den Ort längst mit der Bahn verlassen. Die Verzweiflung der Braut fann man sich denken.

Eine interessante statistische Zusammenstellung über die hygienischen Einrichtungen der Städte Rußlands fin­den wir in der letzten Nummer des Gesundheits- Jnge­nieurs". Man ersieht daraus, wie viel dort auf dem Ge­biete der Hygiene noch getan werden muß, bis die Be­lämpfung der alljährlich auftretenden Cholera und anderer Seuchen einen nachhaltigen Erfolg haben wird. Von den 762 Städten des europäischen Rußland haben nur 149 eine Wasserversorgung und gar nur 27(!) eine Kanalisation. Noch ungünstiger liegen die Verhältnisse im Königreich Polen; denn dort finden wir 121 Städte, von denen 9(!) Wasserversorgung und 5 Kanalisation besitzen. Daß es unter diesen Umständen in Sibirien geradezu trostlos aus­sieht, fann man sich nach den genannten Zahlen wohl vor­stellen. Dort kommen auf 50 Städte 2 mit Wasserversorg­ung, während man den Luxus einer Kanalisation dort überhaupt nicht kennt. Auch die öffentliche Beleuchtung läßt viel zu wünschen übrig. Jm europäischen Rußland finden wir nur in 57 Städten elektrisches Licht, in 23 Gas und in 631 Petroleumbeleuchtung; für das Königreich Bolen lauten die entsprechenden Zahlen 4, 8 und 102. Schlachthäuser sind zwar in ziemlicher Zahl vorhanden; man muß aber bedenken, daß sich auch diese Anstalten zum großen Teile in äußerst primitivem, der heutigen Hygiene otelfach Hohn sprechenden Zustand befinden.

Das Dorfmädel als Husar. Von einem Husaren mit gezogenem Säbel angefallen wurde vor kurzem in vorge­rfickter Abendstunde ein von Aschersleben nach Walbeck heimkehrendes Geschirr. Den angestellten Ermittelungen ist es nunmehr gelungen, den Husaren" in der Person etnes Dorfmädchens zu ermitteln. Dieses hatte im Auf­trage der Ehefrau des einen Insassen des Gefährts gehan­delt, die ihrem Ehemann die nächtliche Heimkehr aus Aschersleben für immer verleiden wollte. Ob thr das nun gelungen ist, wird die Zukunft lebren

Wie man in Amerifa Reklame macht. In einer in Neuyork erscheinenden ttallentschen Zeitung stand Jüngst unter der pompöfen Aufschrift Herzoglicher Besuch" ein höchst merkwürdiges Eingesandt. Es handelt sich um den Herzog der Abruzzen, von dem das Italienisch- amerikanische Blatt folgendes zu erzählen wetß: Nachdem Seine König­liche Hoheit der Herzog der Abruzzen gelandet war, besich­tigte er in der 4. Avenue zu Brooklyn die Untergrundbahn­arbeiten. Als er sich vor der Schlächteret der Brüder Russo, Nr. 88 derselben Avenue, befand, blieb er ganz ent= zückt stehen: das elegante Lokal, das köstlich frische Fleisch und die vielen fetten Hühner erregten feine Bewunderung, und er trat ein, um für sich und sein Gefolge Einkäufe zu machen. Dann ging er die Avenue weiter hinauf und blieb vor dem Hause Nr. 212 stehen; hier befindet sich eine Filiale der Brüder Roffo, und der Herzog geriet in noch größeres Entzücken, da er in den Auslagen alles so wohl geordnet sah. Auch hier war das Fleisch blutfrisch und die Schweine­würstchen regten den Appetit an. Der Herzog wollte da­von essen und gab den Brüdern Ruffo den Auftrag, eine ansehnliche Quantität aufs Schiff zu schicken: der gute Her­zog wollte seine Leute mit diesen köstlichen Würsten be­glücken und die übrigbleibenden für seine nun schon so lange hinausgeschobene Hochzeit mit Miß Elkins aufbewah­ren. Das Publikum wird gut tun, wenn es dem Beispiel des edlen Herzogs folgt und in den hervorragenden Schläch­tereten der Brüder Russo Fleisch, Würstchen und fette Hüh= ner bestellt."

Alkoholfreies Bier mit Alkohol. Eine merkwürdige und vorläufig unaufgeklärte Erscheinung, die im Gefolge der alkoholischen Gärung auftritt, haf der Chemiker Over­beck entdeckt und zum ersten Male dem wissenschaftlichen Institut für Brauerei in England mitgeteilt. Der Fach­mann war mit Versuchen beschäftigt, ein alkoholfreies Bier dadurch herzustellen. daß er einem gewöhnlichen Bier durch einen Strom von Kohlensäure den Alkohol entzog. Auch wenn dies vollständig geschehen war, gewann das Bier nach einiger Zeit einen Teil seines Alkohols wieder zurück, nachdem es abgekühlt und wieder mit Kohlensäure durch­setzt worden war. Es zeigte sich beispielsweise, daß Biere, die nach der ersten Behandlung nur noch 0,2 v. H. Alkohol enthalten hatten, später wieder 1 bis und sogar bis 2 v. H. Alkohol besaken. Man könnte nun glauben, daß eine Nachgärung eingetreten war, aber die Flüssigkeit war in allen Fällen völlig frei von Hefe, so daß eine Erklärung nach dem bisherigen Stand der Kenntnisse unmöglich er­scheint. Overbeck meint, es könne nur angenommen wer­den, daß entweder ein rein chemischer Vorgang vorliege oder daß im Bier einige bisher noch unentdeckt gebliebene Fermente enthalten seien, deren Wirkungen unter den Be­dingungen fenes Erperimentes in die Erscheinung treten. Für die Braueretwissenschaft können diese Beobachtungen unter Umständen Folgen von großem Interesse haben.

Der Tabat und die Pekt.

Der Tabak hat nicht bloß seine Geschichte, feine Natur­wissenschaft und seine Literatur, erhat auch seine Hygiene. In letzterer Beziehung ist namentlich der einst herrschende Glaube an gewisse Eigenschaften des Tabakrauchs hervorzu­heben, die gegen Krankheiten schüßen sollen. Hier stehen wir eigentlich einem recht modernen Gegenstande gegenüber, mit dem sich zu befaffen die Wissenschaft erst neuerdings be­gonnen hat. Im Jahre 1888 wurden die ersten Versuche gemacht, die Wirkung des Tabakrauches auf frankheiter­regende Bakterien festzustellen. Es war damals der ita­lienische Arzt Dr. Tassinart aus Pisa, der die Keime ver= schiedener tödlicher Krankheiten wie Cholera, Typhus, Milz­brand in verschlossenen Räumen dem Einflusse dichter Wol­fen von Tabakrauch unterwarf. Dabet kam er zu dem Er­gebnis, daß die Entwicklung der gefährlichen Keime im Verlaufe von 100-150 Stunden ganz oder teilweise zum Stillstand gebracht wurde. Das beweist freilich recht wenig für den hngtenischen Wert des Rauchens, denn niemand be= hält den Rauch 100 Stunden in seinem Munde. Beiläufig fönnte man auch fragen. ob nicht der Rauch von brennen­der Kohle oder brennendem Holz die gleiche Wirkung aus­üben würde mie der des Tabaks. Jedenfalls ist es Tat­sache, daß früher weit und breit der Glaube oder Aber­glaube bestand, das Tabakrauchen verhüte während einer Epidemie die Ansteckung. Deshalb wurde bei der letzten großen Bestepidemie in Europa( 1680) in Sachsen an man= chen Orten sogar den Schulkindern erlaubt, während des Unterrichts zu rauchen. Die Totengräber und alle, die ihnen zur Zeit der Epidemie beistanden, haben fortwährend geraucht.

In einer 1783 erschienenen Abhandlung über Die Tu­genden der amerikanischen Tabakspflanze" wird ausdrück­lich behauptet, daß sich der Tabak als Schutzmittel während der Pest bewährt habe. Es heißt dort weiter: Als die Best endlich zum Stillstand gekommen war, begann man die Tu­genden des Tabaks zu untersuchen und fand, daß diejeni­gen Personen, die entweder durch Rauchen oder Schnupfen einen reichlichen Gebrauch von Tabak gemacht hatten, größ­tenteils der Seuche wundersam entronnen waren, denn ob­gleich sie die Zimmer der Kranken besuchten, auch zeitweise bei Begräbnissen zugegen waren, entgingen sie ganz un­erwartet der Ansteckung." Der Verfasser dieser Schrift ver­steigt sich sogar zu der Behauptung, daß die Epidemten be­deutend abgenommen hätten, seit in Europa das Tabak­rauchen aufgekommen wäre. Auch stellt er fest, daß die Tabakverkäufer gegen die Pest gefeit seien. Nach einem alten Glauben soll selbst die Umgebung von Tabaffabriken einen gewissen hygienischen Schuß genießen, wie es na­mentlich vor etwa achtzig Jahren angeblich ermittelt wor­den.

Einer streng wissenschaftlichen Prüfung würden diese Tugenden der amerikanischen Tabakpflanze" wohl gar nicht oder nur in geringem Umfang standhalten.

Carnegie über den Kaufmannsberuf.

Andrew Carnegie, der bekannte amerikanische Millio= när, von dem in letzter Zeit aus Anlaß seiner Fünfmillio­nenstiftung für Lebensretter ganz besonders die Rede war, hält den Beruf eines Kaufmanns nicht nur für den schön­sten, sondern unter allen menschlichen Beschäftigungen für einen solchen, der die umfassendsten Kenntnisse und Fähtg­feiten erfordert. Das erste Kapitel aus seinem weltbe­rühmten Buche Kaufmanns Herrschgewalt", das in der deutschen Uebersetzung von Dr. E. E. Lehmann in vierter Auflage im Verlage von G. A. Gloeckner in Leipzig er­schienen ist, hat die Ueberschrift Der Weg zum geschäft­lichen Erfolg" und enthält eine Ansprache des Verfassers an junge Kaufleute.

Carnegie hält es für junge Leute am zweckmäßigsten, wenn sie von der Pike auf dienen, und am Anfang ihrer Er Laufbahn die untergeordnetste Stellung innehaben. selbst hat als Lehrling oft das Geschäftslokal ausgefegt. Allerdings muß man von Anfang an sich das Ziel sezen, das Höchste zu erreichen. Sagen Sie", so schreibt Carnegie, stets au sich: Meine Stellung ist an der obersten Spize. Seten Sie König in Ihren Träumen. Geloben Sie sich selbst, diese Stellung mit makellosem Rufe zu erreichen, und fümmern Sie sich weiter um nichts, was Ihre Auf­merksamkeit von der Erlangung dieses Zieles ablenken könnte abgesehen davon, daß Sie, sobold Ste Teilhaber der Firma geworden oder zumindest zwei oder mehr Stufen höher gekommen sind, eine andere Teilhaberschaft eingehen mit der Liebenswürdigsten ihres Geschlechts."

Drei Gefahren gibt es für den jungen Kaufmann. Die erste ist, nach Carnegies Meinung, verführerischer als alle anderen und meist der Ruin der jungen Leute: Die

Lust an spirituosen Getränken. Von der einmal angewöhn ten Trintsucht gibt es nur in den seltensten Fällen eine Heilung. Die zweite Gefahr besteht im Spekulieren. Der Spekulant und der Geschäftsmann, meint Carnegie, bewe­gen sich auf zwei ganz verschiedenen Wegen; der eine hängl von einer ganz plötzlichen Drehung des Glücksrades ab und ist heute Millionär, morgen Bankrotteur. Dagegen weiß der reelle Geschäftsmann, daß er nur durch fahrelange, ge­duldige und ununterbrochene Tätigkeit seinen entsprechen­den Lohn ernten fann. Die dritte Gefahr besteht im Ge fälligkeitsatzept. Sie ist um so größer als sie in den met sten Fällen in Freundesgestalt erscheint. Aus dem Schatz seiner Erfahrungen schlägt er ihnen vor: Bürgen Sie nie­mals, so lange Sie nicht Mittel besitzen, deren Sie für die Begleichung eigener Verbindlichkeiten nicht bedürfen, und bürgen Sie niemals über diese Mittel hinaus. Betrachten Ste überhaupt Bürgschaften als Geschenk.

Zu den Tugenden gehört neben der absoluten Ehr­lichkeit besonders der Ehrgeiz. Der kommende Mann muß mehr können und leisten, als es die Pflichten und Aufga= ben seines speziellen Ressorts verlangen. Er muß die Aufmerksamkeit seiner Vorgesetzten auf sich lenken. Selbst in einer kleinen Stellung fann ein Verladungsgehilfe et­nen Fehler in der Faktura entdecken, der der Aufmerksam­keit des davon Betroffenen entgangen ist. Wenn er die Wage bedient, kann er durch Zweifel an deren Richtig­keit und durch Verbesserung eventueller Fehler, obschon dergleichen in der Aufgabe des Mechanikers liegt, seinem Hause Ersparungen machen.

Welche umfassenden Eigenschaften Carnegie vom Kauf­mann verlangt, sett er im zehnten Kapitel desselben Bu ches, betitelt Geschäft" auseinader. Den Kaufmann führt sein Beruf dazu, sich mit stets verschiedenen Fragen zu be schäftigen. Er muß ein umfassendes Urteil besitzen. Für den Großfaufmann in unseren Tagen ist es die geringste Forderung, daß er sein eigenes Land gut kennt, dessen physikalische Bedingungen, Hilfsquellen, Statistit, Ernten, Wasserweg und Finanzpflege; er muß ferner nicht nur die Forderung der Gegenwart erkennen, sondern auch die Ge­staltung der Zukunft voraussehen. Wenn er internationa­len Handel treibt, so muß er die wichtigsten Daten über diese Länder im Kopfe haben. Alles muß für ihn Interesse haben: Politische Verwicklungen in Konstantinopel z. B., über das Auftreten der Cholera im Orient, das Auftreten der Koloradokäfer oder Fall eines Ministeriums. Schließ­lich bedarf er der seltensten Eigenschaften, die nicht häufig zusammen in einer Person vereinigt find: Menschenkennt nis zum Zwecke der Auswahl der Tüchtigsten aus den zahlreichen Angestellten, Organisationstalent, und dazu Ge­schicklichkeit für das schnelle und weise Durchführen seiner Pläne.

Drabtnachrichten und neuestes.

Die Rückkehr des Kronprinzen. Kairo, 7. März. Der Kronprinz traf gestern nach­mittag von Port Said kommend hier ein. Die Kronprin­zessin war ihm entgegen gefahren.

Der Prozeß gegen Rektor Bock. Berlin, 7. März. In dem Prozeß gegen den Rek­tor Bock ging heute die Beweisaufnahme zu Ende. Die Sachverständigen hielten Bock für einen förperlich franken Menschen, bei dem aber§ 51 St.G.B. feine Anwendung finde. Der Staatsanwalt beantragte in Rücksicht auf das überaus gemeingefährliche Treiben des Angeklagten gegen diesen eine Zuchthausstrafe von zwei Jahren und gegen den mitangeklagten Lehrer Knöfel ein Jahr Gefängnis. Das Urteil ist erst in den Nachmittagsstunden zu erwarten. Tobsuchtsanfall eines Angeklagten.

Berlin, 7. März. Zu einem vorzeitigen Abschluß gelangte eine Verhandlung, die gestern vor der 5. Straf fammer des Landgerichts III stattfand. Dort hatten sich fünf Verbrecher, die aus der Anstalt in Plößensee ausge= brochen waren, zu verantworten. Als die Personalien der Angeklagten festgestellt waren, begannen die beiden Arbei­ter Röhl und Stein auf der Anklagebank plötzlich laut zu toben und um sich zu schlagen und versuchten auch den Ge­richtshof zu bedrohen. Sie mußten von Gerichtsdienern gefesselt werden. Beide waren bereits in früherer Zeit in Irrenhäusern interniert gewesen. Die Verhandlung mußte abgebrochen werden.

Unter einer einstürzenden Scheune begraben. Oppeln, 7. März. Bei dem Abbruch einer Scheune stürzte ein Giebel ein und begrub drei Arbeiter unter sich. Zwei wurden getötet und einer erlitt lebensgefährliche Ver­legungen.

Ein holländischer Spion.

Mülheim( Ruhr), 7. März. In der Kaserne des 159. Infanterieregiments wurde unter Spionageverdacht ein Holländer verhaftet, der sich von einem Soldaten die Kon­struktion des Infanteriegewehrs Nr. 98 erklären ließ.

Ehedrama.

Om Cölu, 7. März. Der Bergmann Wölfinger in Für­stenhausen tötete seine von ihm getrennt lebende Frau in dem Augenblick, als sie um Mitternacht aus dem Hause eines Mannes kam, mit dem sie ein Verhältnis unterhielt, und erschoß sich dann selbst.

Explosion in einem Gymnasium.

Lemberg, 7. März. Beim Experimentieren im Gym­nasium ereignete sich eine heftige Explosion. Der Professor und sechs Schüler erlitten mehr oder weniger schwere Brand­wunden.

Eine monarchische Erhebung in Portugal?

Paris, 7. März. Ein in Vigo erscheinendes Lokal­blatt verzeichnet die Nachricht, daß in dem Hauptort des portugiesischen Kantons Arcos de Valle, nahe an der spa= nischen Grenze ein Aufstand ausgebrochen set. Die Auf­rührer hätten die Mitglieder der Behörden in die Flucht geschlagen und die königliche Flagge gehißt. Truppen hät­ten die Ordnung wieder hergestellt. Der ganze Kanton set militärisch besetzt. Die Nachricht ist unverbürgt und kann nur mit allem Vorbehalt weiter gegeben werden.

In der Trunkenheit ein Denkmal zertrümmert. Halle a. d. S., 7. März. Das in Königssee in Thü­ringen in der Altstadt stehende Denkmal des Fürsten Fried­rich Günther von Schwarzburg- Rudolstadt wurde in der Nacht vollständig zertrümmert. Mit Hilfe eines Polizei­hundes gelang es, die Täter in drei Weißgerbern zu ermit­teln, die die ganze Nacht hindurch gezecht hatten.

Der Brand im Kinematographentheater. Petersburg, 7. März. Der furchtbare Brand in einem Kinematographentheater auf der Station Bologoje im Gou­vernement Nowgorod brach infolge einer Benzinerplosion aus, während der Zuschauerraum mit Erwachsenen und Kin­dern dicht besetzt war. Da die Fensterläden des großen Holzhauses, das nur einen Ausgang besaß, geschlossen wa­ren, gelang es nur 40 Personen, ins Freie zu kommen, während alle anderen in den Flammen umgefommen sind. Wie bis jetzt festgestellt werden konnte, sind 120 Personen verbrannt. 82 Leichen wurden bereits aus den Trümmern hervorgeholt. Unter den Umgekommenen befand sich auch der Besitzer des Theaters und viele Bahnbeamte.

Ein Krawall in der türkischen Kammer. Konstantinopel, 7. März. In der Kammer kam es ge­stern zu außerordentlich heftigen Lärmszenen, zu denen der Deputierte Ismail Kemal Bey den Anlaß gab. Als dieser dem Großwesir vorwarf, er habe Prozente von fremden Ge­sellschaften erhalten, stürzte Hakki Bey wütend auf Kemal los und schlug ihn unter unverständlichen Zurufen ins Gesicht. Ein anderer Abgeordneter schlug gleichfalls auf Kemal ein. Die Szene löste einen ungeheuren Tumult aus. Nur mit größter Mühe konnte die Ruhe wieder hergestellt werden.