Einzelbild herunterladen

Die friegerische Strömung in Montenegro.

Troß der vollkommenen Uebereinstimung" Defter retch- Ungarns, Italiens und Rußlands, den Ausbruch eines trieges auf der Balfanhalbinsel zu verhindern, mobilisieren die Montenegriner einen Teil ihres Heeres und bedrohen die Türkei mit der Kriegs­erklärung. Da das fleine neugebadene Königtum un­möglich damit rechnen tann, daß es die mit einem star­ten Heere ausgerüstete Türkei besiegt, so legt man es offenbar in dem Felfennest Cetinje darauf an, eine möglichst große Verwirrung zu schaffen, um hernach im Truben fischen zu fönnen. Die Wiederaufrollung der faum beseitigten Orientfrage entspräche dem Wunsche ber Montenegriner und anderer Bölferschaften, die vor einigen Jahren nicht auf ihre Kosten gekommen sind.

Wenn augenblicklich ein Einvernehmen unter den zunächst interessierten Großmächten herrscht, den Frie­ben aufrecht zu erhalten, so ist das Balfanproblem doch immerhin derart gefährlich, daß nicht im voraus zu fagen ist, was nach den ersten Kämpfen herausspringt. Sollte das Deutsche Reich im Westen verwickelt werden, so wäre bte Lage für das uns verbündete Desterreich nicht gleich günstig wie zurzeit der bosnischen Krisis, weil es damals auf den Betstand der schimmernden Wehr" vertrauen fonnte. Die österreichische Politik ist deshalb auch mit aller Macht bestrebt, einem Kriege vorzubeugen. Man wirft von Wien aus auf die Türfet ein, daß es in dem Rassenstreite Entgegenkommen übt, aber allem Anschein nach ist es den Albaniern und Mon­tenegrinern gar nicht um Frieden zu tun, da sie alles Heil im Kriege suchen.

Die Spannung wächst dadurch erheblich, daß die aufständischen Malissoren und Mirditen, die die Fahne der Autonomie entrollt haben, durch die Mobilisierung der Montenegriner in ihrem Widerstande gegen die Türkei ermutigt werden. Der Unmut der Osmanen hat allmählich einen Grad erreicht, der ein ernstes Vor­gehen gegen das hetzende Bauntönigtum erwarten läßt. Sie sind der Ansicht, daß ihre bisherigen Mißerfolge bei Niederwerfung der aufständischen Stämme auf das Konto Montenegros zu setzen ist, und das läßt sich auch faum bestreiten.

Die Gesamtzahl der Truppen, die Monte­negro ins Feld stellen fann, beläuft sich auf etwa 36 000 Mann Infanterie und 1200 Mann Artillerie. An Ka nonen besitzt Montenegro 48 Gebirgs-, 36 Feld- und 44 Belagerungsgeschitze, sowie 20 Mitrailleusen. Wenn diefes Heer auch flein ist, so pocht man auf den Klein­frieg in den Bergen und Schluchten, in dem die Tür­fen bisher allerdings wenig Glitch hatten. Die russische Drobnote an die Türket hat den friegslustigen Mon­tenegrinern den Rücken gestärft, und deshalb sind sie entschlossen, den Kampf zu risfieren.

Durch die Einmischung Rußlands, das gern den slawischen Einfluß auf dem Westbalfan erweitert sehen möchte, sind die Wirren zu einer europäischen An­gelegenheit geworden. Griechenland meldet erneut An­fpritche auf Epirus an. Italien hat sein Augenmerk auf Albanien gerichtet. Desterreich- ingarn beruft sich auf sein Schußrecht über die katholischen Albaner. Sof= fentlich hält das Einvernehmen zwischen den drei Groß­mächten vor, sonst gibt es unruhige Sundstage, die ohne­hin schon hinreichend mit der Agadir- Frage belastet find.

Die Stimmung in der Türkei.

In türkischen Armeekreisen herrscht große Erbitte­rung gegen Montenegro. Man befürwortet ein atti­veres Vorgehen gegen Montenegro und ist gegen zu große Bugeständnisse an die Aufständischen. Diese sollen fest entschlossen sein, auf allen ihren Forderungen zu beharren.

Ueber die Absichten Deutschlands in Marokko aerbricht sich die Pariser Presse den Kopf. Man will von einer mit den 2bfichten der deutschen Regierung wohl vertrauten Persönlichkeit erfahren haben, Deutschland wolle der französischen Regierung bedeuten, daß es sich nicht länger durch Beteuerungen aut m besten halten Iaffe, als wenn Frankreich die Algecirasatte noch re­spettiere, während es in Wahrheit bereits Marotto als Schutzgebiet behandle. Diesem Beispiel fet auch Spa­nien gefolgt. Sprechen Sie mir nicht von der Alge= ctrasatte," babe der Staatssekretär Riderlen- Wäch­fer bet der Kissinger Begegnung zu Gambon gesagt, fie eriffiert nicht mehr für Frankreich. Wir wollen uns nicht in Agadir festsetzen, allein wir wollen direkt mit Frankreich in Unterhandlungen über die nötigen Kom­penfationen treten. So liegen die Dinge, und wenn man unterhandelt, muß diese Frage in Berlin, und zwar durch ein bindiges Abkommen entschieden werden. Dann werden wir in Marokko Frankreich fretes Feld zur Verständigung mit Spanien laffen."

Die Verantwortung für diese angeblichen Worte des deutschen Staatssekretärs muß dem Pariser Blatt überlassen bleiben, das durchblicken läßt, daß seine In­formation direkt von dem französischen Botschafter stamme.

8)

Jugendfreundschaft.

( Nachdruck verboten.)

Roman von G. v. Schlippenbach. Ja, die beiden batten sich immer etwas zu sagen, Tange gingen fie in dem schattigen Lindengang auf und nieder; die vor Mutterstolz strahlenden Augen Theklas weilten auf dem männlich schönen Gesicht thres ältesten Sohnes.-

Ich bin so froh über mein erstes selbstverdientes Geld," sagte der junge Arat, brauchst Du nicht etwas, ich meine, fitr Dich persönlich, ich möchte Dir gern etwas schenken."

Nein, mein guter Junge, ich habe wirklich gar nichts nötig," versicherte Frau Grotenbach gerührt.

" Jedenfalls stehe ich jetzt auf eigenen Füßen," rief Alfred, Du sollst sehen, Mutting, ich werde bald eine Masse Geld verdienen und dann sollt Ihr Lieben es besser haben."

Er recte seine kraftvolle Gestalt und seine Augen blitzten.

Obgleich Karla noch in dem findlichen Alter stand, das einem Dreiundzwanzigjährigen recht unreif er­scheint, konnte Alfred nicht umbin, das hübsche Mädchen allerliebst zu finden. Er neckte sie und behandelte ste bald als Backfisch, bald als erwachsene Dame mit etwas spöttischer Ritterlichkeit. Unter den Gästen war auch ein schönes Mädchen, die Tochter eines Generals aus Stralsund. Alfred Grotenbach fand Gefallen an ihr und machte ihr etwas den Hof. Das schon ziemlich ält= Itche Mädchen fühlte sich geschmeichelt, Karla aber är­gerte sich und war oft schnippisch gegen den jungen Arzt.

" Welch ein unangenehmer Mensch ist doch Dein Bruder," sagte Karla zu Evchen.

Alfred stand in der Nähe und hörte es; er trat vor. " Warum mißfällt er Dir?" fragte Eva empfindlich. Er ist einaebildet und"

Nach dem Matin" hat gestern Ministerpräsident Gaillaug den französischen Botschafter in Berlin, Jules Gambon, sowie eine größere Bahl einflußreicher dent­scher Persönlichkeiten in Barts, die dort eine amtliche oder halbamtliche Mission haben, empfangen und ihnen au verstehen gegeben, die französische Regierung set be­reit, mit Deutschland in Unterhandlungen über die maroffanische Frage einzutreten. Nur möge Deutschland seine Wünsche und Absichten bekannt geben.

Rundschau vom Cage.

Politisdies.

Der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes von Riderlen- Wächter war, wie Ende voriger Woche gemel­det wurde, auf zehn Tage nach Stuttgart und Heidel­berg abgereist. Der Staatssekretär bat jedoch, offenbar mit Rücksicht auf die maroffanische Angelegenheit, diese Urlaubsreise abgebrochen und ist, wie das B. T." er­fährt, gestern nach Berlin zurückgekehrt. Bekanntlich wird auch in dieser Woche die Rückkehr des franzöſi­schen Botschafters Gambon nach Berlin erwartet.

-

Dem amerikanischen Botschafter in Berlin, Dr. Sill, ist, wie verlautet, sein offizielles Rückberufungs­schreiben aus Washington noch nicht zugestellt worden. Es taucht nun in Verbindung damit in der amerika­nischen Kolonie Berlins die Ansicht auf, der Kaiser habe -während der Kieler Woche den Präsidenten Taft tele­graphisch ersucht, den Beschluß über die Rückberufung des Botschafters in nochmalige Erwägung zu ziehen. Jedenfalls ist es Tatsache, daß Präsident Taft David Hill am 1. d. M. telegraphisch ersucht hat, vorläufig bis Anfang August noch auf seinem Posten zu verbleiben.

Die Reichsversicherungsordnung liegt dem Kaiser zur Unterschrift vor. Man kann daher annehmen, daß die Verkündung des Gesetzes in allernächster Zeit er­folgen wird. Mit dem Tage der Verkündung treten zut­nächst nur die Bestimmungen über die Angestellten der Krankenkassen in Betracht. Im Einführungsgesetz zur Reichsversicherungsordnung sind hierzu Bestimmungen aufgenommen, die einen Schutz der nicht sozialdemokra Hschen Angestellten bei den Krankenkassen bezwecken. Hat ein Angestellter in der Zeit zwischen dem 30. Mat 1911 und dem Infrafttreten des Gesetzes seine Kündi­gung oder Entlassung erhalten, so muß, wenn er bis zum 14. Tage nach dem Infrafttreten des Gesetzes be­antragt, der Rassenvorstand erneut über die Kündigung oder Entlassung beschließen; die frühere Kündigung wird, falls sie nicht endgültig bestätigt wird, unwirksam.

Ein Gesetz über den Bostscheckverkehr wird dem neugewählten Reichstage im Frühjahr 1912 zugehen. Durch dieses Gesetz soll der Postscheckverkehr, der bis­her nur auf einer Verordnung beruht, durch Gesetz geregelt werden. Empfohlen wird u. a. eine Verein­fachung der Gebührenordnung, eine Vermehrung der Bostscheckämter zur schnelleren Abwicklung des Ver­kehrs, eine Erhöhung des Höchstbetrages der Schecks, die jetzt nur bis 10 000 Mark zulässig sind, und Erleich= terung im Verkehr durch Reichsbankgiro.

Zur Frage der Revision des preußisch- hessischen Eisenbahnvertrages nahm die zweite Hessische Kammer am Mittwoch einstimmig den Antrag an, die Regie­rung zu ersuchen, beim Zusammentritt des nächsten Landtags zur Klärung der seit Jahren über die Revi­fion des Gemeinschaftsvertrages in der Oeffentlichkeit behandelten Fragen dem Landtag vorzulegen 1) eine genaue Uebersicht über die auf den hessischen Linien der preußisch- hessischen Eisenbahngemeinschaft seit dem Be­stehen des Vertrages eingetretenen Betriebssteigerun­gen und die damit bedingte Werterhöhung, 2) eine ge­naue Uebersicht über die seit dem Bestehen des Ver­trages notwendig gewordenen Kapitalsaufwendungen Hessens, sowie über die in der nächsten Zukunft noch in Aussicht stehenden Aufwendungen.

Keine Erfaßwahl im Reichstagswahlkreise Göln­Land. Nach einer Mitteilung der Kölnischen Volks­zettung" wird für den Wahlkreis Cöln- Land keine Reichstagserfahwahl stattfinden, da der Reichstagsabge­ordnete Hamecher noch nicht zum Oberpostsekretär beför­dert, sondern nur mit der Verwaltung einer Oberpostse­fretärstelle betraut worden ist. Erst mit dem 1. Februar 1912 werde voraussichtlich die Beförderung zum Ober­postsekretär erfolgen, wo die Legislaturperiode des Reichstages zu Ende tst.

Ein englisch- französischer Geheimvertrag? Bekannt­Itch hat die französische Regierung in dem am 8. April 1904 mit England abgeschlossenen Vertrag erklärt, daß fte nicht die Absicht habe, den politischen Zustand Ma­

Jetzt trat Grotenbach auf die Sprecherin zu. Ersparen Ste sich ein weiteres Urteil," sagte er furz, die Ansicht einer so jungen Dame fällt noch nicht ins Gewicht."

-

Er ging davon, Karlas Augen blitzten, sie sagte sich: Gut, daß er morgen abreist."

-

Thekla," sagte Frau Haideck eines Tages, tch möchte ein ernstes Wort mit Dir sprechen!"

" Das klingt ganz feierlich," gab Frau Grotenbach lächelnd zurück.

" Ich habe eine große Bitte an Dich, aber ich weiß nicht, wie ich die rechten Worte finde, um sie Dir vor­autragen."

" Ich bin sehr gespannt, liebe Anna."

Willst Du mir Eva hier lassen, damit ich sie mit Karla erziehe?"

Frau Grotenbach war so erstaunt, daß sie schwieg. Ich brauche Dir wohl nicht zu sagen, daß ich für Eva eine zweite Mutter sein will. Ihr musikalisches Talent mitßte ausgebildet werden; im Winter ziehe ich nach Berlin, es war immer mein Plan gewesen, Karlas Erziehung dort zu vollenden. Evchen paßt vortrefflich alt Karla; die beiden haben sich lieb gewonnen. Wenn Dein Mann herkommt, so berate Dich mit ihm und dann entscheide."

Lange schwieg Frau Grotenbach, dann sagte sie: " Ich sehe Deine Gründe ein; die Sache ist aber zu ernst, ste muß überlegt werden, Edgars Meinung soll den Ausschlag geben. Wenn wir unser Evchen jemand gern anvertrauen, bist Du es, liebe Anna."

An dem Abend stand Frau Grotenbach an dem Lager ihrer Tochter, die bereits fest schlief; der Mutter Blick ruhte liebevoll auf dem Antlitz der jungen Schlä­ferin, thre Lippen bewegten sich in heißem Gebet:

Mein geliebtes Kind," so lautete dieses stumme

rokkos zu ändern. Die Wiener Neue Frete Preffe" meldet nun, in politischen Kreisen set bekannt gewor den, daß Frankreich fich in einem geheimen Abkommen England gegenüber verpflichtet habe, nicht zuzugeben, daß irgendeine fremde Macht einen Hafen an der ozea= nischen Küste Maroffos erwerbe.

Die Erköniginwitwe von Portugal, Maria Pia, die Großmutter König Manuels, die sich im Schloffe Stu­pinigi bei Turin als Gast der Königin Margherita be­fand, ist nach schwerer Krankheit Mittwoch nachmittag gestorben. In dem offiziellen Krankheitsbericht der verstorbenen Königin Maria Pia heißt es, daß die nigin am Sonntag an einer heftigen mit Fieber ver­bundenen Leberkolik erkrankt set, wozu später eine Störung der Nierenfunktion getreten ist.- Maria Pia, geborene Prinzessin von Savonen, ist 81 Jahre alt ge­worden. Sie ist die jüngste Schwester des verstorbenen Königs Humbert von Jtalten. Im Jahre 1862 het­ratete sie König Ludwig von Portugal, der 1889 starb.

Kleine Nachrichten.

Die Familie. des Reichskanzlers von Bethmann Hollweg ist durch den Tod der jungen Frau Clementine von Flemming, oeb. von Pfuel, in Budom in der Mark in Trauer versetzt worden. Frau von Flemming, eine Schwester der Gattin des Reichskanzlers, starb an den Folgen des Wochenbettes.

Das ehrengerichtliche Verfahren gegen den sozial­demokratischen Abgeordneten Dr. Liebknecht, das be= fanntlich auf Wunsch des preußischen Abgeordnetenhau ses eingestellt worden war, wird nach Ablauf der Ge­richtsferien wieder aufgenommen werden. Das Ver­fahren geht bekanntlich von der Berliner Anwaltskam­mer aus und wird begründet durch Aeußerungen des Abgeordneten Liebknecht über den Hochverrat.

Die Prinz Heinrich- Fahrt war auf ihrer ersten Etappe von Homburg bis Cöln vom prächtigsten Wet­ter begünstigt. Prinz Heinrich traf als erster um 3.15 in Göln ein. Ihm folgte der Herzog von Connaught. Der Start zur zweiten Etappe nach Münster erfolgte heute früh zwischen 7 und 8 Uhr.

Jathos Amt sofort erloschen. Pfarrer Jatho hat, wie dem B. T." aus Göln gemeldet wird, vor eint gen Tagen noch an der Situng der Gölner Kreissy­node teilnhmen wollen: Das Coblenzer Konsistorium indessen, wie der Oberkirchenrat in Berlin, erklärten auf telegraphische Anfrage sein Amt fitr erloschen. Jatho fönnte infolgedessen an der Synode nicht feil­nehmen.

Glückliches München. Der Rechnungsabschluß der Stadt München für das Jabr 1910 schließt mit einem Reingewinn von 533 987 Mart. Münchens Reinver­mögen beträgt nahezu 227 Millionen Mark und hat sich im letzten Jahr um 22 Millioner Mart vermehrt.

Das Luftschiff Parseval 6 soll dauernd im rheini­schen Industriegebiet stationiert werden. Das Luft­schiff trifft nächste Woche von Hamburg in Essen ein und unternimmt von dort aus Passagierfahrten.

Reiches Vermächtnis für die Armen Dresdens. Der verstorbene Fabrikbefizer Kommerzienrat Jedicke in Dresden vermachte der Stadtgemeinde etwa 250 000 Mark, deren Zinsen würdigen, über 60 Jahre alten Armen zufließen sollen.

Verhafteter Defraudant. Der Leipziger Ratserpe­dient Lipfert. der vor einigen Tagen mit 29 000 Mart einfassierter Gelder flüchtig wurde, ist gestern in Wien verhaftet worden. Es wurden noch 20 000 Mark in sei­nem Besig vorgefunden.

Ein Lehrling als Scheckschwindler. Gestern wurde in einem Gölner Vergnügungsparf ein Lehrling fest­genommen, der für eine Berliner Tuchfirma auf dem Postichecamt 4500 Marf einlöste, die er unterschlug. 2850 Marf wurden bei ihm noch vorgefunden.

Eine blutige Ehelragödie spielte sich gestern vor­mittag auf offener Straße in Mannheim ab. Der Ar­beiter Dittler traf dort seine von ihm getrennt lebende Ehefrau in Gesellschaft eines anderen Arbeiters, mit dem die Frau schon längere Zeit ein Verhältnis unter­hält. Es entstand ein Wortwechsel, in dessen Verlauf Dittler sein Messer zog und es seiner Frau in die Brust stteß. Die Frau titrate sofort tot zusammen, der Tä­ter wurde verhaftet.

Sieben britische Torpedobootszerstörer sind mit schweren Beschädigungen in Portland angekommen. Sie hatten bei schwerer See Versuchsfahrten unternom­men und dabei Geschwindigkeiten von 28 Knoten er­reicht. Infolge der Erschütterung durch die mit voller Kraft arbeitenden Maschinen hatten zahlreiche Vernie­tungen nachgegeben, so daß Wasser in die Boote drang. Opfer der Ginthike in Amerika. Infolge der au­Berordentlichen Hitze der beiden letzten Tage waren in Montreal 183 Todesfälle zu verzeichnen. Unter den Gestorbenen befinden sich 146 Kinder. Diese Zahl ist ohne Beispiel. Die Size dauert fort. Mehrere Fabri­ken, besonders die Eisenwerfe in Pittsburg, sind ge­

Flehen, möchte der himmlische Vater Dich auf allen Deinen Wegen behüten und segnen."

Thekla beugte sich über Evchen und füßte sie; eine Träne fiel auf die Stirn des jungen Mädchens, sie schlug die Augen auf.

" Mutting," lispelte sie und schlang den Arm um Frau Grotenbachs Nacken.

Im Nebenzimmer rief ein schwaches Stimmchen; Irma saß im Bett und verlangte nach der Mutter; lauschend hielt sie den Kopf vorgestreckt.

" Warum schläfst Du nicht, Jrmchen?" fragte Frau Grotenbach. Ich höre die Sterne miteinander reden, das Fenster ist offen, nicht wahr? Es ist so still und feterlich draußen, die Engel fliegen hin und her." ,, Und was sagen sie Dir, Liebling?"

" Ste sagen mir, daß ich sehen werde," versetzte das Kind letse.

,, Wie bald werde ich Dich hingeben müssen," dachte die Mutter und ihre Seele rang mit Gott: Herr, laß diesen Kelch an mir vorübergehen- aber nicht wie ich will, sondern wie Du willst."

Zwei Tage später kam Herr Grotenbach an. " Da seid Ihr ja alle," sagte er mit der letsen, müden Stimme, die sorgenvollen Lebenstämpfern oft eigen ist. " Ihr seht ja prächtig aus."

Er dankte Frau Haided in warmen Worten. " Dies ist wohl Ihr Töchterchen, nicht wahr?" " Ja, Eva und sie sind unzertrennlich." Evchen darf nie mehr fort!" rief Karla. Die Jugendfreundinnen sahen sich an, nun nahte die Entscheidung.

Ihre älteste Tochter hat sich meines Haushalts an­genommen," sagte Frau Haided, es geht alles so glatt unter ihre Leitung."

Lina soll auch bei uns bleiben," warf Karla etn.

( Fortsetzung folgt.)

Ip