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In Gleßen.

Gießener Zeitung

Bezugspreis 50 Pfg. monatlich

( Neueste Nachrichten).

oierteljährlich 1,50 Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig­

Enthält alle amfl. Bekanntmachungen

der Großherzoglichen

ausgabestellen vierteljährlich 1,20 Mt. Erscheint Bürgermeisterei

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Mittags 3 Uhr. Redaktion: Seltersweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert.... Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H.

Nr. 157.

Telephon: Nr. 362.

Hessischer Landtag.

Die Erste Kammer trat gestern gegen 11 Uhr

des Großherzoglichen Polizei Amtes sowie vieler anderer Behörden Oberhessens Expedition: Seltersweg 83.

zu einer Sizung zuſammen und beschäftigte sich zunächst mit der Regierungsvorlage über die Errichtung einer Brikettfabrik mit elektrischer Zentrale bei Wöl=

fersheim. Nach dem Antrag des Ausschußreferen­fen beschloß die Kammer den Beitritt zum Beschluß der 3weiten Kammer. Sie richtete jedoch ein Ersuchen an die Regierung, das Unternehmen gegebenenfalls unter Beteiligung der Provinz Oberhessen auszuführen und bei der Anlage der Brikettfabrik vorerst nur zwei Bri­fettpressen zu errichten. Dem ablehnenden Beschluß der Zweiten Kammer bezüglich des Verkaufs des Boxheimer Hofes bei Bürstadt trat die Kammer bei. Dem Be­schluß des anderen Hauses bezüglich der Abänderung zur Städteordnung stimmte sie zu.

Die 3 weite Stammer frat heute bei Eröffnung der Sitzung in die Beratung des Antrags Fenchel, Leun u. Gen. über die Ausführung des Viehseuchenge= setzes ein und überwies den Antrag dem zuständigen Ausschuß. Der Antrag lautet: Nachdem durch Aus­bruch der Maul- und Klauenseu che in den Or­fen Ettinghausen und Holzheim im Kreise Gießen er­hebliche Schäden entstanden sind, beantragen wir, hohe Zweite Kammer wolle beschließen, Großherzogliche Re­gierung zu ersuchen, dem nächsten Landtag alsbald den nach§ 67 des Viehseuchengesetzes vorzulegenden Ge­setzentwurf über die Entschädigung einzubringen und da­rin vorzusehen, daß auch die im Großherzogtum nach dem 1. Januar 1911 eingetretenen Fälle nachträglich entschädigt werden."

Minister Ewald erklärte, nachdem Abg. Fenchel den Antrag begründet hatte, daß die Regierung dem Landtag in dieser Session keine entsprechende Vorlage mehr machen werde, da die Aeußerungen der Land­wirtschaftskammer noch ausständen.

( Haus Brüder Schmidt.)

Freitag, den 7. Juli 1911.

( Gießener Tageblatt)

Anzeigenpreis 15 Pfg.

die 44 mm breite Inseratenzeile.- Stellen­gesuche und Familienanzeigen 10 Pfg.- Die 90 mm breite Zeile im Reklameteil 50 Pig­Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungs­zieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Verlag der ,, Gießener Zeitung" 6. m. b. S.

Telephon: Nr. 362.

23. Jahrg.

Das vierte Abonnementskonzert| rant gegangen sind. Von hier aus fehlt jede Spur. unserer Infanteriekapelle fand gestern Abend in Steins Garten unter Mitwirkung des Posaunen- Virtuosen Paul Weschke, Kgl. Kammer- Virtuos und Lehrer an der

Sigl. akad. Hochschule für Musik in Berlin, statt. Als

erstes Stück spielte der Künstler mit vollendeter Technik die Konzert- Militaire" von Belde; die schwierigsten Pas­sagen überwand er mit spielender Leichtigkeit, dabei hlieb der Ton stets rein und angenehm. Auch Der Carne­val von Venedig", ein Virtuosenstück für Posaune, vor­getragen vom Komponisten, zeigte die souveräne Be­herrschung des schwierigen Instruments. Weitauseinan­derliegende Intervalle, die häufig und schnell aufeinan­derfolgten, traf der Künstler mit grandioser Sicherheit. Kam es bei diesen Stücken mehr auf den äußeren Effekt del'schen Liedes Wie berührt mich wundersam" und den an, so zeigte Herr Weschke mit dem Vortrage des Ben­beiden Zugaben: Gute Nacht, du mein herziges Kind" und Jm tiefen Keller 2c.", die sich das Publikum durch stürmischen Beifall erbat, daß ihm warme Empfindung eigen sind. Die Kapelle schmiegte sich in der Begleitung und künstlerisches Verständnis im höchsten Maße zu vortrefflich an. Ueberhaupt hatte die umsichtige Direk­fion für den gestrigen Abend ein Programm zusammen gestellt, dem nur ungeteilte Anerkennung gezollt wer= den kann. Ganz ausgezeichnet wurden die Duverture 3. Oper Fra Diavolo" und die Spanische Fantasie zu Gehör gebracht. Auch das Divertissement a. d. Oper Stradella" und der preisgekrönte Walzer aus der Woche: Zum " Prärieblumen" waren entzückende Leistungen. Zahnarzt Metz, mit dem Cösener S. C.- Marsch auf, Schluß wartete noch ein Gießener Komponist, Herr der eine beachtenswerte Leistung darstellte. Der Gesamt­eindruck des Abends hinterließ das Gefühl der künstle­rischen Befriedigung.

*

Alle Nachforschungen hier und in der Umgegend waren bis heute früh 7 Uhr erfolglos. Die Ermordete ist eine Frau in den 60er Jahren und wohnte in einer abseits des Dorfes gelegenen Straße.

-h Schotten, 7. Juli. Am 20. August ds. Js. soll hier die Generalversammlung der Vertreter der Krankenkassen Hessens stattfinden. Es wird dabei ein Ausflug in den höheren Vogelsberg unternommen.

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== Schlik, 6. Juli. Das Gauturnfest ist nunmehr in unmittelbare Nähe gerückt. Am 8., 9. und 10. Juli wird unser Städtchen die Ehre haben, 900 Turner aus allen Teilen des Gaues und der an­grenzenden Bezirke in seinen Mauern zu begrüßen. Auf dem Festplatze, der sich in nächster Nähe des Bahnhofes befindet, regen sich emsige Hände, um demselben ein der Größe des Festes entsprechendes Gepräge zu verleihen. Wohl selten wird man einen schöneren Festplatz finden, der, wie hier, einen anmutigen Ausblick bietet auf un­ser burgengekröntes, auf sanfter Anhöhe sich erhebendes Städtchen, das einem Panorama gleich vor uns liegt, von grünen Wäldern rings umsäumt. Durch das dan­Tenswerte Entgegenkommen der Stadtverwaltung ist es ermöglicht worden, den Festplatz in den Abend- und Nachtstunden in elektrischer Beleuchtung erstrahlen zu lassen, ferner ist der Festplatz an das Wasserleitungsnetz angeschlossen. Fünf große Festhallen mit über Sitzplätzen werden den Besuchern bei vorzüglichem Schlit­zer Bier und berühmten Schlitzer Fleisch- und Wurst= waren Stärkung bieten. Zwei große Tanzpodiums la­den die Jugend ein, nach den Klängen der Militärka­pelle dem Tanze zu duldigen. Auch an Vergnügungs­etablissements( Kinematograph, Schießbuden, Karous­sels 2c.) wird kein Mangel sein. Extrazüge sind fol­gende eingelegt: Samstag, den 8. Juli Gießen ab 11.50, Schlitz an 4.17 nachm. Sonntag, den 9. Juli Fulda ab 11.50, Schlitz an 1.10 mittags. 3ur Rückbe­

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Kaufmännische Fachschule u. Lehr­herrn. Die Inventur- Ausverkäufe bringen die Kaufförderung derjenigen Festbesucher, die bereits Sonntag

Dann beriet die Kammer über die Abänderungsbeleute, die Lehrlinge halten, vielfach in einen Widerstreit schlüsse der Ersten Kammer zu dem Gemeinde der Pflichten. Die Lehrherrn haben das größte Inte steuergesetz. Abg. Molthan empfahl die An- resse an der praktischen Durchbildung der nahme des Kommissionsbeschlusses; auch Abgeordneter ihnen anvertrauten jungen Leute. Aber auch die the o- Dr. Osann befürwortete die Zustimmung zu den Beretische Seite der Ausbildung soll nicht vernach= schlüssen der Ersten Kammer, während Abg. Ulrich lässigt werden, und deshalb schickt der Lehrherr seine erklärte, daß er mit seinen Freunden gegen die Vorlage Lehrlinge in die kaufmännische Fachschule. Bei den In­stimmen werde.- Das Haus stimmte dann den ein- ventur- Ausverkäufen, wo alle Hände voll zu tun sind zelnen Artikeln in der von der Ersten Kammer beschlos- und die Lehrlinge einen wichtigen Einblick in den Ge­senen Fassung zu und genehmigte den Teilantrag auf schäftsbetrieb bekommen, behält er sie gern zu Hause. Abänderung des Gesetzes über das Besteuerungsrecht der Dispens für längere Zeit gibt aber die Schule nicht. Kirchen und Religionsgesellschaften. Hält der Lehrherr die Lehrlinge vom Schulbesuche zu­rück, so verstößt er gegen die Schulbestimmungen, schickt er sie hin, so gerät er mit der praktischen Ausbildung der Lehrlinge und mit dem Interesse des Geschäfts in Kollision. Ein Ausweg ließe sich vielleicht dadurch fin­den, wenn die Unterrichtszeit in die frühen Morgen stunden gelegt würde, wie es in vielen Städten der Fall ist.( S. Eingesandt".)

Dann folgte die Beratung der Anfrage der Abgeordne fen Grünewald und Reh betr. den Neubau des Amtsgerichtes in Gießen. Staatsminister Ewald befürwortete die Anfrage dahin, daß sich die Notwendigkeit zum Bau des Amtsge richtsgebäudes ergeben habe. Nach einer sehr umständlichen Debatte erklärte er, daß er wegen der ganzen Angelegenheit noch eingehende Verhandlungen mit der Stadt Gießen pflegen werde.

Eine weitere Debatte entstand über den Ausschuß antrag auf Beitritt zum Abänderungsbeschluß der Ersten Kammer über die Landgemeindeordnung. Der Ausschußantrag wurde mit großer Mehrheit ange­nommen. Dann wurde noch über die Rückäußerung der Ersten Kammer hinsichtlich der Errichtung, einer Brikett­fabrik mit elektrischer Zentrale in Oberhessen beraten. Auf Antrag des Referenten erfolgte einstimmiger Bei­fritt zum Beschluß der Ersten Kammer.

Landtagswahlvorbereitungen.

* Ferien für Volks- und höhere Schu I e n. Wie uns von geschätzter Seite mitgeteilt wird, hat die Notiz in Nr. 153 unserer Zeitung, daß der Kreis­schulkommission Darmstadt von der obersten Schulbe hörde eine Verfügung zugegangen ist, daß die Ferien für Volks- und höhere Schulen gleiche Dauer erhalten, nur für Darmstädter Verhältnisse Gültigkeit.

== Hungen, 7. Juli. Bei den Meliorationsar­beiten in der hiesigen Gemarkung stießen die Arbeiter in der Tiefe von einem Meter auf Mauerre st e. Eine Besichtigung an Ort und Stelle ergab, daß man es mit römischen Gebäuderesten zu tun hatte. Die Erde war durchsetzt mit Scherben von den verschiedensten römischen Gefäßen, darunter Oberteile von sehr starkwandigen Am

liegt südöstlich von dem früher aufgedeckten Kastel Langs­dorf. Auch westlich von Lang- Göns wurde eine germanische Siedelung aus der späten La Tenezeit etwa 200 v. Chr. festgestellt. Zahlreiche Gefäßscherben sowie Stelett- Teile wurden dem Boden entnommen.

*) Mainz, 6. Juli. In einer gestern hier statt­gefundenen Vertrauensmännerversammlung der Zen­frumspartei der Landtagswahlkreise Nieder- Olm- Gon- phoren, von Faltenbechern und Schalen. Die Fundstelle senheim und Kostheim- Bodenheim wurden die bisheri­gen Landtagsabgeordneten Kommerzienrat Molthan und Justizrat Dr. Zuckmayer einstimmig als Kan­didaten für die bevorstehende Landtagswahl aufgestellt. * Alzey, 5. Juli. Für den Landtagswahlkreis Wörrstadt wurde von den Sozialdemokraten Stadtver­ordneter Gruber aufgestellt.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 7. Juli.

* Aus dem Militärwochenblatt. Oblt. Sander im Inf.- Rgt. Kaiser Wilhelm wurde ven dem Kommando zur Dienstleistung bei der Landesauf­nahme enthoben.

-m- Nieder- Mörlen, 6. Juli. Raub mord. Als gestern abend nach Feierabend der Vorarbeiter Gg. Walter von der Ziegelbrennerei in Bad- Nauheim nach Hause kam, fand er seine Frau durch ein Taschentuch er­drosselt in der Wohnung vor. 350 Mark, welche in der Kommode lagen, fehlen. Der Tat verdächtig sind zwei Handwerksburschen, welche sich längere Zeit in der Nähe der Mordstelle aufhielten. Die Nauheimer Polizei ver­folgte durch einen Polizeihund die Spuren der beiden und stellte fest, daß die mutmaßlichen Mörder durch den Frauenwald nach dem Johannisberg- Restau­

wieder nach der Heimat zurückkehren, dienen außer den

fahrplanmäßigen folgende Sonderzüge: In der Richtung

nach Gießen mit Anschluß nach Grebenhain: Schlitz ab 10.10, in Gießen 1.07 nachts. In der Richtung nach Fulda: Schlitz ab 10.25 nachts. Seitens der Eisenbahn­verwaltung sind Nachtzüge in Aussicht gestellt, falls die vorgesehenen Extrazüge zur Rückbeförderung nicht ge= nügen.

Eingesandt.

Kaufmännische Fachschule und Lehrherrn. Wir Kaufleute sind bei den jetzt stattfindenden In­ventur- Ausverkäufen in einer sehr unangenehmen Lage. Die Arbeit drängt an allen Ecken und Enden, und in dieser lebhaften Geschäftszeit müssen wir unsere Lehr­linge an den meisten Wochentagen in der Zeit von 2 bis 5 Uhr nachmittags in die Fachschule schicken, wenn wir nicht Gefahr laufen wollen, daß die betreffenden Schüler ausgewiesen werden. Es soll hier keineswegs die Notwendigkeit einer gründlichen Schulbildung, die durch die Fachschule eine Vertiefung und Erweiterung er­fahren soll, abgeleugnet werden, aber ich meine doch, in Ausnahmefällen, wie sie z. B. die Inven= fur- Ausverkäufe darstellen, müßte eine Ausnahme ge­macht werden.

Wenn für die Zeit der Inventur- Ausverkäufe die Lehrlinge auch nicht ganz vom Fachschulunterricht dis­pensiert werden sollen, so könnte man wohl ermöglichen, wenn der Unterricht in die frühen Morgenstunden, et­wa von 7-9 Uhr eventuell von 7-8 Uhr gelegt würde, wo noch wenig Käufer erscheinen. In vielen Städten, seien sie groß oder klein, ist diese Unterrichtszeit in den frühen Morgenstunden( 7-8) eingeführt, und was dort möglich ist, ließe sich auch hier in Gießen ohne große Schwierigkeit erreichen.

Auch eine andere Frage soll nicht unerörtert blei­ben. Bei den Inventur- Ausverkäufen haben die Lehr­linge eine äußerst günstige Gelegenheit, sich praktisch zu betätigen und sich so für den späteren Beruf praf­fische Kenntnisse anzueignen. Wird aber der Lehrling, sei es nur zweimal in der Woche drei volle Stunden, seinem eigentlichen Berufe entzogen, so stellt das ganz abgesehen von der großen materiellen Schä­digung des Lehrherrn eine Schädigung seiner beruflichen Vorbildung dar, die nicht durch die besten theoretischen Erörterungen in der Fachschule aus­geglichen werden kann.

Es wäre zu wünschen, wenn sich auch von seiten der Fachschulkommission zu dieser brennenden Frage W. D. geäußert würde.