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schloffen. Die Morgue in Philadelphia ist gefüllt mit| Opfern der Hibe, so daß kein Plaz mehr vorhanden ist.

Durch eine Explosion wurde in Casablanca die französische Apotheke zerstört, wobet acht Versonen ver­wundet und dret getötet wurden. Der Materialschaden tst bedeutend.

Riefenunterschlagungen beging der Prokurist einer Hamburger Lotteriefirma. Die Veruntreuungen erret­chen die Höhe von 250 000 Mart. Er fälschte Sparkassen­bücher und andere Urkunden und verdeckte die Fäl­schungen durch falsche Eintragungen. Als er sich ent­deckt sah, verschwand er plöblich. Seine Leiche wurde gestern aus der Alster gezogen.

Die Schiffsfähnriche und Seekadetten des zurzeit in Kiel vor Anker liegenden nordamerikanischen Ges schwaders trafen gestern abend in Berlin ein. Die Ankunft trug einen rein privaten Charakter. Die Of­fiziere waren bereits mittags voraus gereist. Die Be­fucher werden die Stadt gruppenweise in Augenschein nehmen und Sonnabend mittag die Stadt wieder ver­laffen.

Eine Räuberbande nahm in der Nähe des Dorfes Gorsyt in Transfautasien sieben Gymnasiasten gefan­gen Der Aufenthalt der Räuber, die Lösegeld ver­langen, ist noch nicht ermittelt.

Volkswirtschaftliches.

Die Bentral- Anskunftsstelle für Auswanderer in Berlin W 35, Am Kalsbad 10, hat im zwetten Viertel­fahr 1911( 1. April bis 30. Junt) in 4195 Fällen fosten­lose Auskunft an Auswanderungslustige erteilt und zwar in 3823 Fällen schriftliche und in 872 Fällen mind­Itche. Beantwortet wurden insgesamt 5526 Anfragen über die verschiedenen Auswanderungs- Gebiete. Davon bezogen sich 2623 auf die Deutschen Kolonien, und zwar auf Deutsch- Südwestafrika 1033, Deutsch- Ostafrika 452, Kamerun 61, Togo 23, Samoa 73, Deutsch- Neuguinea 42, die Karolinen, Balau und Martanen 7, tautschou 71, auf die afrikanischen Kolonien im allgemeinen 174 usw. unter den fremden Auswanderungs- Gebieten steht Argentinien mit 508 Anfragen an der Spize. Es gibt kaum ein Gebiet der Erde, über das nicht An­fragen eingelaufen und beantwortet wären. Von den 2583 Anfragenden, die thr Alter angaben, waren 295 weniger als 20 Jahre, 1693 zwischen 20 und 30, 448 zwischen 30 und 40, 126 zwischen 40 und 50 und 26 über 50. Jahre alt, und von den 3227 Fragestellern, die An­gaben über ihren Personenstand machten, waren 2473 ledig, 732 verheiratet und 22 verwitwet. Nach dem Be­rufe waren unter den Anfragenden am stärksten Ste Kaufleute, Handwerker und Landwirte vertreten. Von den Anfragenden bezeichneten sich 351 als mittellos, während über 1100 zumteil über recht erhebliche Sum men verfügten; z. B. 45 über 10 000 M, 19 ber 15 000 Mark, 27 über 20 000 M, 14 fiber 25 000 M., 12 über 30 000 M., 13 über 50 000 M, 4 über 80 000 M, 9 über 100 000 M. usw. bis zu 500 000 M. hinauf.

Aus den Gerichtssälen.

In dem Prozeß wegen des Franenmordes am Humboldthafen in Berlin wurden sämtliche Angeklagte freigesprochen.

Bestrafte Rabeneltern. Vor dem Landgericht in Leipzig hatten sich der Stallschweizer Blaubach aus Gretthain und dessen Ehefrau wegen lebensgefährden­der Mißhandlungen, die das Ehepaar fortgesetzt an th= rem dret Jahre alten, außerehelich geborenen Knaben veritbt hat, zu verantworten. Die dem Knaben zuge­fligte Behandlung ist nach den Ausführungen des ärzt­Itchen Sachverständigen unbedingt als eine das Leben gefährdende anzusehen, denn zu der Zeit, als er den Angeklagten entzogen worden set, set das sind bereits ein halber Todesfandidat gewesen. Der Staatsanwalt bob in seinem Plaidoyer hervor, daß man anfänglich im Bwetfel gewefent fet, ob nicht Anklage wegen ver­fuchten Mordes zu erheben gewesen wäre. Das Ge­richt verurteilte schließlich den Angeklagten wegen ge­fährlicher Körperverlegung zu vier Jahren sechs Mo­naten Gefängnis und die Frau des Angeklagten zu zwei Jahren Gefängnis. Beiden wurde die zubillt­gung mildernder Umstände vom Gericht versagt.

Die Gefahren des reinen Indizienbeweises ent­hüllte eine Verhandlung vor dem Leipziger Schwur­gericht, die sich gegen die frühere Bäckersfrau Kögel aus Winnenden richtete. Das Ehepaar vermißte im Jahre 1906 einen Geldbeutel und beschuldigte eine Tischlersfraut, diesen gestohlen zu haben. Später fand aber die Bäckersfrau den Geldbetrag unter einem Bett und erinnerte sich, das Geld selbst dorthin gelegt zu haben. Sie genterte sich aber, thren Irrtum einzuge­stehen und das Verfahren gegen die Tischlersfrau nahm feinen Fortgang. Die Frau wurde zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Die Bäckersfrait bekam darüber Gewissensbisse, daß sie an die Behörde schrieb, die das Wiederaufnahmeverfahren gegen die unschuldig verur­teilte Tischlersfrau anordnete. Gegen die Frau Kögel wurde ein Strafverfahren wegen Meineids eingeleitet, den sie in der Verhandlung gegen die Tischlersfrau ge= letstet hatte. Das Urteil des Gerichtshofes lautete auf acht Monate Gefängnis.

Vermischtes.

Der Chef der Marinestation in Lebensgefahr. Wie erst jetzt bekannt wird, befand sich Admiral Graf v. Baudissin, der Chef der Marinestation der Nordsee, am Sonntag in großer Lebensgefahr. Der Admiral be­fand sich an Bord der Jacht Komet". Kurz vor dem Start wurde er von dem Segelbaum über Bord ge= schlagen. Bet dem heftigen Winde ging die See sehr hoch, so daß der Admiral in größter Gefahr schwebte. Ihm sprangen sofort ein Offtzter und etn Matrose nach, dte indessen bet dem hohen Wellengange an den Verun= glückten nicht herankommen konnten. Zum Glück war der Unfall von einer Lübecker Barkasse aus gesehen wor= den. Dieser gelang es, alle drei zu retten. Ste wurden ant Bord der Hohenzollern" abgesezt. Nachdem sie dort mit trockenen Kleidern versehen worden waren, begaben sie sich wieder an Bord threr Jacht. Der Katser scherzte beim Bierabend im Kurhause mit dem Admiral über dessen Kopfsprung in See. Dem Admiral hatte der Unfall nichts gefchadet; er hielt wacker bis zum Schluß bet dem Bierabend aus und lachte selbst am etfrtgsten über den Zwischenfall.

Verwendung der württembergischen Jubiläums= spende. Der König hat dem württembergischen Staats­anzeiger zufolge im Einvernehmen mit der Königin über die aus Anlaß der silbernen Hochzeit des hohen Paares gemachte Spende( 540 000) folgendes verfügt: Es werden verwendet zur Bekämpfung der Tuberkulose 100 000 M., für Jugendfürsorge 280 000 M, für die not­letdenden Weingärtner 50 000 M, für Kranken- und Wöchnerinnenpflege auf dem Lande 30 000 M., für die Zufluchtsstätten Württembergs 10 000 M, fitr den tsrae­Ittischen Unterstüßungsfonds Württembergs 10 000 M Alle Summen werden durch die Zentrallettuna den

Wohltätigkeitsvereinen und Anstalten zukommen, welche auch die für die Verwendung der 280 000 fitr Ju­gendfürsorge erlassenen Bestimmungen bekannt gibt.

Ein Kriminalbeamter im Kampf mit Lehrern und Studenten. In der letzten Nacht gerieten vor einem Cafee in Königsberg t. Pr. Lehrer und Studenten in Streit, der bald in Tätlichketten ausartete. Ein hinzu­tommender Kriminalkommissar versuchte die Kämpfen­den zu trennen, nachdem er sich als Kriminalbeamter Iegitimiert hatte. Man hielt ihn aber für einen Schwind­ler und die Wut beider Parteien wandte sich nun gegen thn. Man drang mit Stöcken auf ihn ein, so daß der Beamte sich schließlich in der Notwehr gezwungen sah, von dem Dienstrevolver Gebrauch zu machen. Er schoß wiederholt auf seine Angreifer und verwundete dabet zwei der Beteiligten; der eine erhielt eine Kugel in den Unterleib, der andere etne ins Bein.

170 Millionen Mark für die Berliner Kanalisation. Mit der Eröffnung eines Notauslasses am Zirkus Busch tst der Ausbau dieses gewaltigen Unternehmens wie= der ein bedeutendes Stück vorwärts gekommen. Der Bau des Notauslasses hat rund 5 400 000 Mart ge= tostet. Er stellt natürlich nur einen verhältnismäßig Kleinen Bruchteil des riesigen unterirdischen Kanalisa= tonsnetzes dar. Die Kanaltsationsarbeiten begannen tm Jahre 1878, als Berlin erst 860 000 Einwohner hatte, die sich auf 14 200 Häuser mit 176 000 Wohnungen verteilten. Seit diesem Zeitraum hat der Ausbau der Kanalisation rund 170 Millionen Mark verschlungen. Die Kosten der Kanalisation ohne die mit ihr in engem Busammenhang stehenden und für sie notwendigen Rie­felfelder betragen rund 98 000 000 Mart. Ankauf, Ap­tierung und Drainage der Rieselfelder einschl. der auf thnen errichteten Bauten, kosten rund 72 Millionen Mart. Die Länge der bisher in der Stadt angelegten Kanäle beläuft sich auf 187,605 Meter, die der Tonrohr­Iettungen auf 875 487 Meter; das tst also eine Gesamt­länge von 1063 092 Meter oder 142 deutsche Metlen. Hierzu kommen noch die nach den Rteselfeldern führen­den Druckrohrleitungen, von denen 192 725 Meter fer­ttg und 25 880 Meter im Bau sind.

Englische Soldatenspieleret. In London nahm ge= stern der König eine eigenartige Parade ab und zwar über 35 000 Boys Scouts, die sogenannten Pfadfinder, die etwa den deutschen Jugendwehren entsprechen. Ste wurden von ihrem General, dem Generalleutnant Ba= den- Powell, dem Steger von Mafeking, angeführt. Die Jungens hatten sich auf dem Paradeplatz in einem rie­figen Quadrat aufgestellt. Als der König erschien, steck­ten sie thre Hütte auf die langen Pfadfinderstöcke, hoben ste hoch in die Luft und schrten gellend Hurra", ein Anblick, der so komisch war, daß sowohl der König wie die Königin und die anderen Prinzen sich auf das Köst­Itchste amüsterten. Von einem Signalforb aus wurden Signale als Kommando aufgehtßt, als der König mit dem Herzog von Connaught, Lord Roberts, Baden- Po­well und brittschen und indischen Offizieren vorbetritt. Die Jungens zeigten alsdann, was sie gelernt hatten. Alle Abteilungen, die der Bären"," Füchse"," Tiger", Adler" und dergleichen schrten threit besonderen Schlachtruf. Zum Schluß marschierten diejenigen Boys Scouts, die bereits ein Menschenleben gerettet hatten, sowohl die Boys Scouts aus den überseetschen Provin= zen noch einmal besonders vor dem König vorbei.

Bis auf den Trauring ansgefleddert. Ett bö­ses Ende nahm eine Bierreise, die vorgestern abend ein Schuhmacher aus Rixdorf in Berlin machte. Der Mann hatte des Guten etwas zu viel getan, und als er spät nachts heimkehrte, fand er zwar sein Haus noch, nicht aber seine Wohnung mehr. Er kletterte bis zum Dach­geschoß hinauf, wo er sich vergebens mühte, die Boden­tür mit dem Schlüssel zu seiner Wohnung zu öffnen. Völlig erschöpft, setzte er sich schließlich auf die Treppe und schlief ein. Als er nach zweistündiger Ruhe gegen 3 Uhr erwachte, entdeckte er zu seinem nicht geringen Schrecken, daß ihm ein Fledderer zwet schwarze Por­temonnates mit etwa 220 Mart, die silberne Remon­toiruhr mit Kette und den Trauring weggenommen hatte. Diesen hatte M. auf der Bierreise in der Westen­tasche gehabt.

Der Dank des Entsprungenen. Ein Gemütsmensch scheint der Ingenteur Petersen aus Kopenhagen zu sein, der kürzlich auf Ersuchen der däntschen Behörden we­gen Betrugs in Altona verhaftet wurde, bald darauf aber aus dem dortigen Polizeigefängnis entwichen ist. Er schickte jetzt dem Gefängnisbeamten eine Ansichts­farte aus Schottland, auf der er sich für die gute und freundliche Behandlung während seiner Haft in Altona bedankte und hinzufügte, daß es ihm dort zu langweilig gewesen set; um sich zu beschäftigen, habe er aus einem Stück Draht sich in der Zelle einen Dietrich angefertigt, mit dem er die Schlösser geöffnet und dann das Wette gesucht habe. Er würde es sehr bedauern, wenn die Beamten wegen seiner Flucht Unannehmlichkeiten ge= habt hätten!

Ein französischer Deserteur als blinder Passagier. Auf dem Hauptbahnhof in Frankfurt a. M. wurde gestern ein Soldat des französischen neunten Dragoner­regiments in Luneville verhaftet, der im ersten von Ba­ris kommenden Zuge unter einer Bank von Nancy bis Frankfurt a. M. gereist war. Der Mann, der seine Uniform trug, war bei seiner Ankunft in Frankfurt völlig mittellos und hatte viel Hunger und Durst. Zu­nächst wurde er von Bahnbeamten mit Speise und Trank versehen, und dann ging es über die Poltzet­wache nach dem Untersuchungsgefängnis, wo der Dra­goner wegen Betruges, Obdach- und Mittellosigkeit ein paar Tage abzustzen haben wird. Der Deserteur ist gelernter Kellner, der außer Französisch auch Englisch spricht.

Eine echt amerikanische Diebesgeschichte. Bei einem Volksfest tn Sayre in Oklahoma war ein Taschendieb erwischt worden. Auf der Flucht so wird über Cht­cago telegraphtert- gewahrte er vor sich einen Ballon, der im Begriff war, sich zu erheben. Der Dieb sprang in den Korb und zwang den Aeronauten mit vorgehal­tenem Revolver, den Flug fortzusehen. Erst 50 Meilen entfernt, nachdem die teranische Grenze erreicht worden war, gestattete er dem Luftschiffer zu landen. Kaum be­rührte der Korb den Boden, als der Dieb heraussprang und davonltef.

Auch ein Grund..... Der Kaufmann Schacherl hat seine frühere Buchhalterin geheiratet?"- Ja, sie Lat ihm in seine Bücher eine solche Unordnung gebracht, daß er sich nicht mehr auskennt und da hat er fte ae­

Der Flug über die Heide.

Der ständige Begletter Lindpaintners, Leutnan Haller, schreibt der B. 3. a. M." über den gefährlichen und von einem Motordefekt heimgesuchten Flug Line burg Hannover eine interessante Skizze. Ein trüber regenschwerer Morgen, so heißt es darin, brach an, als wir um 4 Uhr als erste den Flugplatz Lüneburg ver ließen. Der Regen, der uns anfangs in schweren Tropfen entgegenpeitschte, und die Wolkenbänke, die jedes Orien tieren auf weitere Entfernungen unmöglich machten, stimmten uns recht kleinmittig. Wir hatten wieder, statt den Schienensträngen der Bahn zu folgen, die Luft­linie gewählt, und diese führte uns bald von Lüneburg fiber die endlose, wegearme Heide, in der eine Notlan­dung zum mindesten die Bertrümmerung des Appara­tes zur Folge hat. Weithin eine traurige eintönige Fläche, auf der die Wälder faum hervortreten, durch zogen von sandigen, verfahrenen Karrenwegen, die sich an Tümpeln und Mooren vorbet durch die Heide schlängeln.

Auf uns hat das Stück Land deprimierend gewirkt, und ich bin fest überzeugt, daß Lindpaintners Er­schöpfung teilweise diesem Natureindruck zuzuschreiben ist. Freilich hatten auch die stürmische Fahrt und der Kampf mit den Winden ihr gut Teil Schuld daran. Heftiger Gegenwind mit Regenböen, die uns infolge der großen Eigengeschwindigkeit wie teselhagel ins Gesicht schlugen, wechselten mit stürmischen Windböen, die das Flugzeug wild hin und her warfen. Mit et­nem plötzlichen Ruck hob der Wind den Apparat, um ihn darauf in einer Sekunde wieder fünf bis zehn Meter so heftig nach unten zu werfen, daß wir von den Sitzen gehoben wurden. Der Motor arbeitet noch glänzend: Trotzdem fönnen seine 70 Pferdestärken dem Apparat feine Stabilität verleihen der wechselnde Winddruck ist zu heftig. Der Regen, der längst durch die Kleider­hüllen gedrungen, beschlägt die Brillen und verwischt mir die Karte, in die ich mit roter Tinte Luftlinie und Kilometermarken eingetragen hatte. Die Schwierigkett der Orientierung, die ohnedies über der Heide sehr groß war, steigert sich bedeutend.

Zusammengekauert und erschöpft fizzt Lindpaintner am Steuer: Mtr geht es sehr schlecht, ich kann nicht mehr, ich muß landen", ruft er zurück. Ich setze mein Sprachrohr an und rede ihm eifrig zu, alle Kräfte noch einmal zusammenzunehmen, wir hätten ja nur noch 40 Kilometer; auch könnten wir jetzt nicht landen, da die Heide unter uns läge, wir müßten weiter. In mei­ner Tasche finde ich einen klumpen erweichter Schoko­lade; ich gebe sie ihm vor, er nimmt sie auch, schittelt aber immer noch auf mein Zureden den Kopf. Doch sehe ich, wie der Apparat steigt und den nächsten Wald überfliegt; es geht seinem Führer also doch wieder bes= ser. Schon liegt Celle links vor uns und nur noch 35 Kilometer trennen uns von Hannover. Das Wetter hat sich etwas gebessert, wenn auch über den Wäldern noch heftige Böen den Apparat wie eine Barke auf stitrmt= schem See auf und nieder werfen.

Da plöblich geht es mit rapider Geschwindigkeit abwärts ein Zylinder hat ausgesetzt und fäht schteßt der Apparat aus 300 Meter Höhe herab; unheimlich pfeift es in den Spanndrähten, und die Geschwindigkeit nach abwärts nimmt zu mit dem Schwächerwerden der Motorarbeit. Der Zufall bringt uns über eine ebene Wiese, auf der in einer scharfen Kurve Lindpaintner durch eiserne Ruhe und erprobtes Können den Appa­rat in glatter Landung aussetzt. Wießenbruch, 4,5 kilo­meter westlich Celle!

Bald war die Nachricht unserer Landung in Celle verbreitet, und in dichten Scharen strömte Militär und Bürgerschaft vor die Stadt hinaus. Die Schulen wur­den geschlossen und bald umstand unseren Apparat ein dichter Jugendkreis, der dankbar für den durch unsere Landung erlangten schulfreien Tag immer wieder in begeisterte Rufe ausbrach. Wir selbst waren weniger entzückt von unserer Notlandung, fanden aber in der unbeschreiblich herzlichen Gastfreundschaft des Pächters von Wießenbruch einen Trost in unserem Leid. Nach einem fürstlichen Frühstück verwahrte tch Lindpaintner sorgsam im Fremdenzimmer und nab telephonische Wet­sungen an unseren bewährten Mechaniker, der aus Lüneburg Ersatz für das geborstene Auspuffventil brachte.

Um 10 Uhr 30 Minuten starteten wir unter dem Jubel einer vielhundertköpfigen Menge, um auch das letzte Viertel der Etappe noch hinter uns zu bringen. Leider hatte sich der Himmel wieder verfinstert und schon nach wenigen Minuten fuhren wir in einen hef ttgen Regen hinein, der uns die lesten zwanzig kello­meter sehr fauer machte. zumal ihn mieder tückliche Windstöße begleiteten. Tief unten im Moos lag Voll­möllers Taube" mit Motordefeft; einige Stunden vor­her hatte sie unseren Landungsplatz überflogen; jetzt glich sie einem toen Falter, der in einen Ameisenhaufen gefallen ist so viele Leute hatten sich bereits um den Apparat versammelt.

Noch fünfzehn Kilometer! Durch den Regenschleier blinkt ein weißer Streifen in der Ferne- das müssen die Zelte des Flugplatzes von Hannover sein. Bald tommen wir in die Nähe und um.11 Uhr 15 Minuten landen wir nach einer eleganten Surve glatt vor den Tribünen, vom Bublifum lebhaft begrüßt.

Drabtnachrichten und Deuestes.

Auf der Suche nach Richter.

Saloniki, 6. Juli. Um einen schnelleren Nach­richtendienst nach dem entführten Ingenieur Richter zu ermöglichen, werden hundert Kavalleristen nach dem Olympgebiet abgehen.

Ausschreitungen streifender Seelente.

Amsterdam, 6. Jult. Als sich in der vergan­genen Nacht ein Bootsmann, begleitet von Schußleu­fen, nach dem Hafen begeben wollte, fam es zu schwe­ren Ausschreitungen, wobet Militär einschretten mußte. Sogar aus den Häusern wurde geschossen. Gegen fünf Uhr morgens war die Ruhe wieder hergestellt. Trup­pen bewachen den Stadtteil. Acht Personen wurden verlegt.

Straßenkämpfe in Lissabon?

London, 6. Jult. Wie die Blätter melden, soll es in Lissabon gestern zu einem Kampf zwischen Mi­litär, einem Teil der Bevölkerung und von monar­chistischen Agitatoren angestifteten Seeleuten gekommen sein. Die Truppen hätten schließlich die Oberhand be­halten.

Paris, 6. Juli. Mehreren Blättern wird zu den Vorgängen in Lissabon gemeldet, dort herrsche eine Panit. Die portugiesische Regierung habe die Nachricht erhalten, daß die Führer der Monarchisten Mil­lionen zur Förderung der royalistischen Sache erhalten haben.

Furchtbare Ehetragödie.

Prag, 6. Jult. Eine furchtbare Ehetragödte hat sich in Weinberge t. B. abgespielt. Dort erschoß auf offener Straße der Buchbinder Lutas seine Frau, einen Mann und eine andere Frau.