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Stellung und Einkommen.

Im Aprilheft der Deutschen Revue" behandelte Gene­ralfeldmarschall Freiherr von der Golß zum Teil auf Grund eigener Erfahrungen das sehr schwierige Problem, wie die Inhaber der höheren Kommandostellen in der Ar­mee ihr heute noch nach einer Kabinettsordre von 1814 bemessenes Gehalt mit den Ansprüchen der dienstlichen Re­präsentation in Einklang bringen müssen. Zunächst bemerkt der Verfasser, daß alle Lieferanten, Dienstboten usw. in einem kommandierenden General einen unermeßlich ret­chen Mann sehe.. Wenn solche Herrschaften nicht ein­mal bezahlen wollen, wer soll es dann tun? so etwa sagen diese Lente, und ein angemessener Preisaufschlag erscheint ihnen durchaus begründet.

Freiherr von der Goltz stellt folgenden Haushalts= plan für einen kommandierenden General auf, der ein Bruttoeinkommen von 30 000 Mark hat: Von diesem Gehalt von 30 000 Mark gehen nun aber sogleich 720 Mark Bureaugeld und rund 1200 Mark Steuern ab; dann kommen die Witwenkasse, die Lebensversicherung und die anderen Versicherungen; es folgen die Abzüge und Bei­träge aller Art für Wohltätigkeits- und gemeinnützige Zwecke. Sie sind meist nicht unerheblich. Kurz, ich glaube nicht fehlzugreifen, wenn ich den für Haus, Wirtschaft und Familie übrigbleibenden Nettobetrag auf höchstens 2000 Mart im Monat, also rund 24 000 Marf im Jahre, berechne. In den meisten Fällen wird weniger herauskommen. Da= von soll nun zunächst, außer den rein persönlichen Bedürf­nissen, eine Equipage unterhalten werden, zu der nichts vorhanden ist als das Futter und der Stall, das heißt nur ein geringer Teil des Ganzen. Die Anschaffung von Pfer= den, Wagen, Geschirren, Decken. Stallgerät und deren Un­terhaltung nimmt einen stettlichen Betrag in Anspruch. Für die Reitpferde ist eine besondere Stabsordonnanz da. Umsonst hat man sie aber auch nicht; der als Unteroffizier kann der Mann außerhalb seiner Truppe nicht von seiner Löhnung leben. Er muß eine Zulage haben, die nach dem üblichen Satz beim kommandierenden General 30 Mark monatlich beträgt. Selbst Unteroffiziere und Ordonnanzen haben heute mit den teuren Preisen zu rechnen. Der Kut­scher für das Juhrwerk muß gemietet werden. Er kostet in Berlin und anderen großen Städten jetzt 120 bis 150 Mark monatlich( der meinige erhält 135 Mark und 36 Mark Wohnungsgeld monatlich, da ein zuverlässiger Mann billt­ger in Berlin W. nicht zu haben war), in kleineren viel­leicht 80 oder 100 Mart. Ein Stallbursche kommt bei sechs bis acht Pferden gleichfalls noch hinzu. Selten wird im Stalle sehr gespart; denn wer soll bezahlen, wenn solche Herrschaften nicht einmal zahlen wollen". So geht es in allen Dingen: mit Beschlag, Sattelzeug, Stallgerät. Im Generalkommando sind ein oder zwei Ordonnanzen tätig. Aber sie müssen ernährt werden, und zwar reichlich: denn wenn der Soldat es nicht einmal im Hause seine fom= mandierenden Generals gut hat, wo sollte es dann ge= schehen? Auch sie erhalten eine monatliche Zulage aus Privatmitteln.

Ein Sohn, älterer Leutnant, steht bei der Garde und ist verheiratet. Er erhält 2500 Mart jährliche Zulage nicht glänzend für einen Hausstand aus den besten Krei­sen" in Berlin oder Potsdam, aber doch immer genug für den, der es von seinem Gehalte abgeben soll. Der zweite Sohn ist zur Linie gegangen, aber ein kommandierender General darf sein Kind doch nicht zu knapp halten; er muß ihn mindestens mit 1200 bis 1800 Mark fürs Jahr bedenken. Manchmal kommt ein dritter und vierter, oder es kommen ein paar verheiratete Töchter mit gleichen Rechten dazu, und es fallen bereits von der noch verbleibenden Jahres­einnahme rund 6000 bis 8000 Mark für die außer dem Hause lebenden Kinder fort, so daß nur noch 16 000 bts 18 000 Mart übrig bleiben. Es folgen die zärtlichen Ver­wandten", an denen es nirgends fehlt. In einem langen Dienstleben fettet man Herz und Gemüt auch an eine Reihe von Mitarbeitern und Untergebenen, von denen gelegent= lich der eine oder andere vom Schicksal verfolgt wird, und den man aus Dankbarkeit für geleistete Dienste nicht im Stiche lassen darf.

Da bleiben nur noch selbst wenn man die anderen gewährten außerordentlichen Unterstützungen nicht rechnet im günstigsten Falle 15 000 oder 17 000 Mark, von denen der gesamte Haus- und Hofhalt bestritten werden soll. Daß das nicht leicht ist, bedarf keiner weitläufigen Auseinander­setzung. Doch nun kommt die Geselligkeit an dte Reihe. Der kommandierende General beispielsweise ist ver­pflichtet, als die höchste Militärperson einer Provinz von mehreren Millionen Einwohnern zu repräsentieren. Dazu soll ja auch die Dienstzulage bestimmt sein. Er gibt entweder zwei große Bälle mit fißendem Souper" oder einen solchen Ball und ein paar zwanglose Tanzfeste. Dann folgt eine Reihe von kleinen und großen Diners, gelegentlich auch ein Sommer, ein Gartenfest oder die Einladung zu einem Ausfluge. An 1200 bis 1500 Personen, natürlich wenn man die öfter im Hause verkehrenden mehrfach zählt, wer­den wohl im Laufe des Jahres bewirtet werden. Nun ver­langen wir auch hierbei Einfachheit. Aber so einfach es auch hergehen mag, wird man Speise und Trank nebst Mu­fif, vermehrter Bedienung, Einladungs- und Tanzkarten, Kotillongegenständen usw. für die Person nicht unter 5 Mark berechnen dürfen. Da müssen die jüngeren tanzen­

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Des Rätsels Lösung.

Roman von Ludwig Blümt ck e.

( Nachdruck verboten.)

Da Raben in allem übertrieben ordnungsliebend und gewissenhaft, so fehlte es ihm nie an Beschäftigung. Ueber­rascht schaute er von seinen Büchern auf, wie plötzlich der General zu dieser ungewöhnlichen Abendstunde in das Zimmer trat.

,, Bleiben Sie sitzen, Herr Raben," sprach derselbe, sich bemühend, seinem faltigen, strengen Gesicht einen Zug von Freundlichkeit aufzuzwingen. Ich möchte etwas mit Ihnen besprechen, das mich mit größter Sorge erfüllt. Vor einiger Zeit teilten Sie mir sehr erfreut mit, daß Herr Woltersdorf Absichten auf Ihre Tochter Erna hätte. Wie steht es damit? Hat er bereits das Jawort?"

Raben schaute seinen Herrn sehr erstaunt durch die runden Brillengläser und erwiderte zögernd: Exzellenz, der Herr Woltersdorf ist zu zartfühlend, als daß er gar so ungestüm auf das von ihm so heiß ersehnte Ziel los­steuerte. Er darf wohl bestimmt hoffen, daß meine Toch­ter ihm keinen Korb geben wird, aber er will dennoch, daß Erna ihn erst genauer kennen lernt. Er ist täglich in meinem Hause und wir denken, daß demnächst die Ver­lobung gefeiert werden wird."

Der General schritt, die Hände auf dem Rücken, mit gesenktem Kopf ein paarmal um den grünen Tisch herum. Hm, sollte mich aufrichtig freuen!" sprach er dann, stehen bleibend: Nun tommt, was mir Sorge bereitet: Haben Sie etwas davon gemerkt, daß mein Sohn Hardi sich für Ihre Tochter interessiert?"

Exzellenz- das- das halte ich für ausgeschlossen! Der Herr Leutnant und meine Kinder waren früher treue Spielgefährten, er ist meines Sohnes guter Freund und wir haben ihn alle sehr gern, aber-"

,, Nun gut, Herr Raben, es ist leider so! Hardi ist ehrlich genug, mir gegenüber das nicht zu bestreiten. Er

den Herren schon in den entfernteren Nebengemächern die Sorte Speranza- Laßt sie dranken, ehe ihr eintretet" rauchen und mit dünner Bowle zufrieden sein, die ja auch am besten bekommt. Nun ziehe man diesen Betrag von 6000 bis 7000 Mark noch weiter vom Gehalte ab und was bleibt?"

Einen Ausweg aus diesen unlösbaren Widersprüchen sieht Freiherr von der Golz in drei Möglichkeiten: in einer Erhöhung der Gehälter entsprechend dem seit 1814 gesun­fenen Geldiert, wofür aber der Reichstag unter feinen Umständen zu haben sein werde, oder in einer radikalen Einschränkung der Repräsentationspflichten, die jedoch auch ihre Bedenken habe oder aber darin, daß nur reiche Leute solche Stellen erhielten, was aber zu einer verhängnisvollen Optimaten herrschaft führen müsse und alle Begab= ten, aber Unbemittelten von vornherein von solchen Stellen ausschließe. So sieht der Verfasser eine Erleichterung die­ser Schwierigkeiten in einer notwendigen Erhöhung der Gehälter in bescheidenem Umfange und in der Einfachheit in Aeußerlicheiten, vor allem in der sogenannten Reprä sentation.

Rundschau vom Cage.

Politisches.

Ueber den Einzug des deutschen Kronprinzenpaares in Rom am Mittwoch mittag heißt es in einer Privat­meldung der Franks. 3tg.": Der Bahnhof bot ein glän­zendes Bild. Erschienen war der ganze Hofstaat, die deut­sche Diplomatie, die Generalität, auch das Fürstenpaar Bülow, die Minister, alle in großer Uniform. Die Kron= prinzessin füßte und umarmte die Königin, der Kronprinz den König. Der Kronprinz war in Gardetürassieruni­form, die Prinzessin in lichtblauer Frühlingstoilette. Beim festlichen Einzug in die Stadt herrschte großer Jubel auf seiten des Volkes und der Deutschen in den Hotels; Hoch­und Hurrarufe wechselten mit Evvivas und Tücherschwen­fen. Die Häuser waren beflaggt. Die Frauen hielten sich zurück, bis sie die Kronprinzessin auf ihr Aeußeres geprüft hatten; als die Prüfung gut ausfiel, applaudier­ten sie. Die amerikanische Kirche ließ ihr Glockenspiel er­tönen. Nachher durchbrach die Menge die Kordons, stürmte zum Schloßplatz und klatschte, schrie und rief Hoch!, bis die Gäste auf dem Balkon erschienen, vor allen zuerst die Kronprinzessin. Noch einmal erzwang das Volk das Er­scheinen des Prinzenpaares, des Königs und der Königin, und wieder wurde besonders die Kronprinzessin mit freundlichen Zurufen gegrüßt.

Keine Herbsttagung des Reichstages? Dem ,, Lieg­niger Tageblatt" wird aus Berlin gemeldet, die vom Se­niorenkonvent beschlossene Herbsttagung des Reichstages werde nicht zur Ausführung kommen. Die verbündeten Regierungen hätten in der letzten Bundesratssitzung sich mit einem Vorschlag des Reichskanzlers einverstanden er­flärt, wonach die Reichstagswahlen für den Spätherbst 1911 vorgesehen sind. Diese Meldung des Liegniger Tageblatts" muß mit Vorbehalt aufgenommen werden, denn in dem Bericht des Reichsanzeigers" über die letzte Bundesratssitzung, die am 30. März stattfand, war davon mit feinem Wort die Rede.

Für den Religionsunterricht in ländlichen Fortbil­dungsschulen. Zu dem preußischen Gesehentwurf betref­fend die Verpflichtung zum Besuche der ländlichen Fort­bildungsschulen ist ein konservativer Antrag eingegangen, der die Einführung des Religionsunterrichtes in den ländlichen Fortbildungsschulen in einer dem reiferen Al­ter und den Bedürfnissen der ländlichen Bevölkerung ent­sprechenden Weise fordert.

Lord Roberts Verteidigungspläne bilden jetzt wieder den Gegenstand öffentlicher Diskussion in England, nach= dem das Oberhaus nach zweitägiger Debatte mit großer Mehrheit dessen Resolution angenommen hat, angesichts der veränderten strategischen Bedingungen Europas, die ernste Besorgnis über die ungenügende militärische Ver­teidigung Englands auszusprechen. Lord Roberts er= ilärte mit seiner großen Autorität, daß ein Feind, also Deutschland, nicht bloß, wie das Kriegs- und Marine­ministerium annehmen, mit 70 000, sondern mit 150 000 Mann eine Invasion vornehmen könne, und übte dann eine scharfe Kritik an der Territorialarmee, die sowohl an Zahl wie an Ausbildung hinter den Erwartungen zu­rückbliebe. Der Kriegsminister Haldane verteidigte seine Schöpfung der neuen Freiwilligenarmee mit Nachdruck. Indessen war auch seine Rede nicht ganz frei von Resig­nation. Was er zur Verteidigung des jezigen Systems anführte, kam darauf hinaus, daß es das einzige unter den englischen Verhältnissen mögliche set. Die von Lord Roberts verlangte stehende Armee mit einjähriger Dienst­pflicht sei nicht unter vierzig Millionen Pfund jährlich zu

ist in Ihre Tochter verliebt, und, wenn mich meine noch immer sehr scharfen Augen nicht täuschen, dann ist das Fräulein auch ihm mehr zugetan, als alte Freundschaft gebietet. Nun habe ich die große Bitte an Sie: Tun Sie das Ihrige, daß kein Unglück über mein Haus kommt, daß mir nicht des Lebens letzte Freude noch vergällt werde! So sehr ich Sie nun und die Ihrigen als freuz­brave Leute auch schätze, eine Verbindung meines Sohnes mit einer Bürgerlichen dulde ich nun und nimmermehr! Hardi würde totunglücklich werden und Ihre Tochter, Sie selber, wir alle würden es mit ihm werden.

Warnen

Sie dieselbe also, reden Sie ihr ins Gewissen, stellen Sie ihr das heillose grell vor Augen, was unbedingt herauf­beschworen würde, wenn sie etwa ihrem törichten Herzen nachgäbe. Sorgen Sie dafür, daß Herr Woltersdorf ener= gischer vorgeht."

Es war dem ehrlichen, alten Raben ganz unheimlich zumute geworden bei diesen in schrecklich erregtem Tone hervorgestoßenen Worten, die er bei seiner langsamen Dentweise keineswegs sofort zu fassen vermochte.

,, Meine Tochter. unsere Erna- sollte hinter un­serem Rücken-? nein, nein, das ist unmöglich!" stot­terte er schließlich, verlegen die Brille von der Nase rei­ßend und mit dem schneeweißen Taschentuch bearbeitend, als wäre sie in den Schmutz gefallen.

Aber der General fuhr fort und hielt eine lange Rede über die Bedeutung des Adels, über die Berechti­gung eines gewissen Adelsstolzes und über vieles mehr noch, das zu begreifen dem guten Raben so in der Ge­schwindigkeit nicht recht möglich war. Jedenfalls versprach er, seinem Herrn ganz zu Willen zu sein und in dieser Sache alles zu tun, was in seinen Kräsen stände.

Erna war ganz allein zu Hause. Die Mutter und Hans besuchten an diesem Abend eine bekannte Familie

schaffen. Auf solchem Wege würde man aber zum Bante rott tommen. Außerdem bestritt Haldane, daß es möglich sei, die Offiziere für ein so großes Seer zu finden. Der Kriegsminister selbst scheint eine große stehende Armée hier in manchen Punkten für wünschenswert zu halten, setzte aber hinzu: Man kann nicht alles bekommen, was man möchte." Die wahrscheinliche Folge der Diskussion dürfte sein, einmal, daß die Agitation für die allgemeine Wehrpflicht große Dimensionen annimmt, und zum an­dern, daß die Ueberzeugung von der Notwendigkeit einer unüberwindlichen Flotte sich aufs neue vertieft.

Entdeckung einer Verschwörung in Indien. Bei einer am Mittwoch von der Polizei bei einem reichen Landbes sitzer in Kalkutta namens Anada Mohan Roy abgehal tenen Haussuchung wurden fünf Revolver und eine Quans tität verschiedener Sprengstoffe gefunden. Außer Ron sind noch drei andere Inder verhaftet worden. Wie es heißt, soll ein ganzes Verschwörernest entdeckt worden sein. In der Nähe von Dinapur entgleiste infolge böswilliger Ent­fernung einer Eisenbahnschiene ein Personenzug, wobet ein Inder getötet und 3 Europäer schwer verletzt wurden.

Kleine Nachrichten.

Die Aufschiebung der Hinrichtung des Rennfahrers Breuer hat der Verteidiger des Verurteilten in einem Jm= mediatgesuch an den Kaiser nach Korfu erbeten. Der Kaiser wird mit Rücksicht auf die ganze Sachlage gebeten, dem Ur­teil seinerseits die Zustimmung zu versagen, da auf Grund neuer zahlreicher Beweismomente das Wiederaufnahme­verfahren beantragt wird. Es sind aus den Kreisen, die dem angeblich Ermordeten nahestehen, neuerdings Beweise ange­boten worden, die wahrscheinlich machen, daß jener durch Selbstmord geendet hat. Breuer hatte es abgelehnt, ein Gnadengesuch zu unterzeichnen.

Ein Dachdeckergeselle als fünftiger Tenor. Ein 25 Jah­re alter Dachdeckergeselle namens Neu, der über einen sehr schönen Tenor verfügen soll, sang vor einigen Tagen in Wiesbaden vor dem Generalintendanten Grafen Hülfen. der den jungen Mann auf Kosten der Generalintendantur für die Königliche per ausbilden lassen will.

Eine Hundertzweijährige. In Meißen starb die Witwe des Nadlermeisters Bullrich im Alter von 102 Jahren am Herzschlag. Sie ist in ihrem Leben nie frank gewe­sen, sondern hat sich bis an ihr jetzt erfolgtes Ableben bes neidenswerter förperlicher Frische erfreut.

Eine ganze Familie vermißt. Seit Sonnabend wird die in Rirdorf bei Berlin wohnende Kaufmannsfamilie Wag­ner, bestehend aus Mann, Frau und einem 10jährigen Sohn, vermißt. Nach hinterlassenen Briefen ist anzunehmen, daß die Famlie einen gemeinsamen Selbstmord ausgeführt hat. Es wird nach ihr geforscht.

Festnahme einer Kindesmörderin. Die Düsseldorfer Kriminalpolizei verhaftete die Ehefrau Rau, die uneheliche Kinder gegen einmalige Abfindung annahm, dann aber auf verbrecherische Weise umkommen ließ. Bisher hat die Ver­brecherin neun Fälle eingestanden.

Beim Veilchensuchen ertrunken. Bei Lauffen a. N. fiel ein fünfjähriger Knabe beim Veilchensuchen in die Zaber, einem kleinen Nebenfluß des Neckars. Sein achtjähriger Bruder suchte thn herauszuziehen, fiel aber dabei selbst mit hinein. Beide konnten nur als Leichen geländet werden. Ein drittes Kind, das die Rettung versuchte, ein Mädchen, fonnte mit knapper Not noch gerettet werden.

Effigsaure Tonerde als Mundwasser. Der 16jährige Sohn des Pastors in Waldau hatte, wie man aus Halle a. S. meldet, zum Mundspülen essigsaure Tonerde benutzt, die ihm als Mundwasser verkauft worden war. Nach wochen­langem, qualvollem Leiden infolge Verbrennens des Schlundes ist der junge Mann jetzt gestorben.

Einen eigenartigen Selbstmord hat ein Rentner in Altena i. W. verübt, der seit Oktober 1910 vermißt wurde. Jetzt ist seine Leiche in dem Garten seines eigenen Grund­stückes gefunden worden. Er hatte in eine tiefe Grube, die er selber gegraben, eine große Kiste gestellt, diese mit Erde bedeckt, so daß sie nicht leicht bemerkt werden konnte, war dann hineingefrochen und hatte sich erschossen.

Aus dem Reiche der Technik.

,, Künstliches Gold" für Panzerschiffe. Der italienische Marineoffizier Graf Charles Peloggio hat, wie der Korre­spondenz Heer und Politif" aus Marinefreisen geschrieben wird, vor kurzer Zeit eine Erfindung gemacht, die vielleicht für unsere Kriegsschiffe von großer Bedeutung werden wird. Er hat nämlich ein neues Metall erfunden, das er Radioro" nennt, und das sowohl durch seine Farbe als auch durch seine Eigenschaften von der Fabrik, die es erzeugt, mit dem Beinamen fünstliches Gold" belegt wurde. Das neue Metall Radioro" hat nämlich genau die Farbe des Goldes und ist den atmosphärischen Einflüssen gegenüber ebenso unempfindlich, wie das echte Gold. Es hat auch mit die­sem edlen Metall das Verhalten zu Säuren gemeinsam. Die wichtigste Eigenschaft, welche das künstliche Gold aufweist, ist aber seine hervorragende Härte. Es wurden in den letzten Wochen von der italienischen Regierung in dem

im Dorf. Sehnsüchtig wartete sie auf die Heimkehr des Vaters. Wo blieb der nur? Pünktlich 10 Minuten nach 7 Uhr pflegte er immer hier zu sein. Und heute war es fast acht Uhr. Länger litt es sie nicht in der Stube, wo das einfache Abendessen längst auf dem Tische stand. Sie warf ein Tuch um die Schultern und huschte durch die Dunkelheit behende dem Schloß zu. Wie sie von draußen des Generals laute, dröhnende Stimme, die üb­rigens der Hardischen ähnlichen war, vernahm, da wagte sie sich nicht in das Kontor, kehrte vielmehr beruhigt zu­rück. Es müßte etwas Besonderes sein, darum konnte der Vater eben nicht kommen. Sie griff nach einer Hand­arbeit und ließ ihren Gedanken freies Spiel. Natürlich spielte Hardi wieder in denselben die Hauptrolle.- Ach, Hardi, wie sie den verehrte! So recht ein Held, wie es in dieser armen Zeit nur noch wenige gäbe, schien er ihr. Sein Mut, sein Schneid, seine ehrliche Soldaten­art, alles entzückte sie. Und daß gerade er sie so aus­zeichnete, sie, das einfache Mädchen, das beglückte sie und hatte in ihr junges Herz den ersten süßen Traum der Liebe gezaubert.

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Noch wagte sie nicht, daran zu glauben, daß ein Traum zur Wahrheit werden könnte, noch genügte ihr das selige Bewußtsein: Du bist ihm nicht gleichgiltig!" Endlich kam der Vater. Aber wie sah er aus heute! So müde, so blaß und so abgespannt hatte Erna ihn nicht gesehn, seit die Nachricht von des jetzt verschollenen Bru­ders Unglück gekommen war.

Mein Kind, es ist gut, daß wir heute abend allein sind," sagte er, seinen Teller energisch fortschiebend, nach­dem er sich schwer in den Lehnstuhl hatte sinken lassen. " Ich habe keinen Appetit. Du hast hoffentlich schon ge= gessen?"

( Fortsetzung folgt.)

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