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Regierungs- Schiffbauinstitut" viele Versuche gemacht, durch bie feine Härte festgestellt werden sollte, da der Erfinder Graf Piloggio darüber die großartigsten Versprechungen gemacht hat. Nach den gemachten Versuchen soll das neue Metall tatsächlich außergewöhnliche Eigenschaften der Wi­derstandsfähigkeit befizen. Ueber seine große Festigkeit wird mitgeteilt, daß es viel härter als Krupp'scher Pan­zerstahl set, und daß es in den übrigen Eigenschaften je­den Vergleich mit echtem Stahl aushalte. Es kommt hinzu, daß die Fabrikation dieses Goldes äußerst billig set und auch darin die Herstellung des Stahles übertreffe. Aus allen diesen Gründen dürfte es in erfolgreichen Wettbewerb mit dem Stahl bet Bauten von Kriegsschiffen, von Ma­schinen, Geschützen und Panzern treten. Eine Verrostung ist bei diesem neuen Metall ausgeschlossen. Es hat nur einen Nachteil, nämlich die hellgelbe glänzende Farbe. Während diese Eigenschaft des neuen Metalls für die Her­stellung von Hausgeräten, Schmucksachen und Einrichtungs­gegenständen einen sehr wesentlichen Vorzug bedeutet, ist es zur Bekleidung der Kriegsschiffe nicht zu verwenden, da es bisher eine Färbung noch nicht zugelassen hat. Trotz­dem scheint aber das neue Metall soviel Vorzüge zu haben, daß man mit seiner Verwendung wird sehr stark rechnen müssen.

Wissenschaft, Kunst und Literatur.

Ein Bakteriengarten. Einen zoologischen Garten, des­( en Tierbestand nur aus lebenden Bakterien besteht, wird das Naturwissenschaftliche Museum in Neuyork erhalten. Als Vorbild dient dabei die Batteriensammlung, die der Prager Professor Kral im Besitz hat und die bis­her als die reichste Bakteriensammlung gilt. Die Sammlung soll von zwei erfahrenen Bakteriologen geleitet werden und nicht nur als Schausammlung dienen, sondern es sollen auch in großem Maßstabe Beobachtungen vorge­nommen und außerdem alle vorhandenen Bakterien in sol-­cher Menge gezüchtet werden, daß jederzeit an Privatge­lehrte und wissenschaftliche Institute Bakterien zum Etu­bium abgegeben werden können.

Ein seltener Fund aus der Urzeit wurde in der Nähe von Chemnitz gemacht. Etwa eineinhalb Meter tief fand man zinen 22 Meter langen Baumstamm, an dem noch Reste von Wurzeln und Aesten bemerkbar waren. Telle versteinerter Bäume werden in dortiger Gegend oft gefunden; die um­fangreichste dieser Versteinerungen war jedoch nur zwölf Meter lang. Der gegenwärtig ausgerabene Stamm ist der längste der bisher in Deutschland gefundenen.

Vermischtes.

Ein Wettersturz von 20 Grad im Tagesmittel ist seit Sonntag eingetreten. In den letzten zwei Nächten fiel das Quecksilber bis auf 6 Grad Celsius unter Null! Ein so starter Frühjahrsfrost trat in Deutschland zum letzten­mal 1905 ein, damals gegen Mitte April. Trotzdem brachte jenes Jahr einen sehr warmen Sommer. Wir wollen hoffen, daß das auch diesmal der Fall sein wird und nicht etwa auf den viel zu milden, sonnenlosen und regnerischen Winter ein naßfalter Sommer folgt. Zurzeit leidet übrigens ganz Mitteleuropa unter dem Wettersturz, unter Frost und Schneefall. Natürlich hat die seit Mon­tag anhaltende und sich steigernde Kälte den Pflanzen teilweise argen Schaden zugefügt.

Die Schmuckfachen des Königs Manuel. Die provt­Jorische Regierung der portugiesischen Republik hat beschlos fen, dem Ersuchen König Manuels und seiner Mutter, der Königin Amelia, zu entsprechen und die ihnen persönlich gehörenden Diamanten und sonstigen Wertgegenstände, die bei der Flucht am 5. Oktober v. J. im Stich gelassen wor­den waren, nach England zu senden. Die königlichen Ef­feften werden unter der Obhut des früheren Leibarztes König Manuels nach Wood Norton gebracht werden.

Raubüberfall auf eine Schloßherrin. Im Kreise Nimptsch in Schlesien wurde ein Aufsehen erregendes At­tentat auf die junge Gräfin Stillfried geb. Strachwitz ver­übt. Unweit ihres Schlosses Silbih unternahm die Grä­fin am Nachmittag einen Spaziergang auf der Chaussee nach Groß- Aniegnik; dort begegnete ihr ein Mann, der über sie herfiel, um sie zu berauben. Zwischen ihr und ihrem Angreifer entspann sich ein harter Kampf, es gelang aber der Gräfin, sich den Händen des Mannes zu eni­reißen, der dann verschwand. Nach dem Attentäter wurde sofort die ganze Gegend abgesucht, und es gelang, ihn in der Person eines Arbeiters zu ermitteln.

Vierzehn auf ein Bahnbillett. Eine Dame aus dem fanadischen Orte Highland, Frau Frank Scott, ist vor fur­zem auf ein Bahnbillett mit dreizehn Kindern nach Mus­fogee in Oklahama gereist. Dem entsetzten und lebhaft protestierenden Schaffner wies sie nach, und zwar aus der vorsorglich mitgenommenen Familienbibel, daß die drei­zehn ihre eigenen Kinder und keines über 4% Jahre alt war. Sie ist zehn Jahre verheiratet und hat 19 Kinder gehabt, darunter fünfmal Drillinge und zweimal 3wil linge. Die zwei ersten Drillingspaare sind gestorben, von den überlebenden Kindern sind drei 4%, zwei, drei 2%, dret und zwei 6 Monate alt.

Aus Ratibor

richt abfuhr, trotzdem der Stationsvorsteher schon mehrere Male das Zeichen zur Abfahrt gegeben hatte. Die Reifen­den erkundigten sich nach der Ursache der Verzögerung und erfuhren zu ihrent nicht geringen Erstaunen, daß der Zug­führer sich soeben in den cifrigsten Unterhandlungen mit einem Gerichtsvollzieher befände, der die Lokomotive im Auftrage der großen Eisenfirma Wilson 1. Co.- Dakotha pfänden wollte, da dieser Firma eine Forderung von eini­gen tausend Dollars an die Eisenbahngesellschaft zustand und sie bereits einen ausgeklagten Rechtstitel darüber in den Händen hatte. Der Zugführer aber wollte die Pfändung nicht zulassen und versuchte der Gerichtsvollzieher durch eifrige Reden zu überzeugen, daß so etwas unerhört sei, da vor allen Dingen einmal der Expreßzug abgehen müsse. Der Gerichtsvollzieher bestand aber auf seiner Absicht und legte unter dem Freudengeschret aller Passagiere ein großes Siegel an die Lokomotive an. Der Stationsvorsteher mach­te dem Streit ein Ende, indem er erklärte, daß er den Ge­richtssiegel zwar an der Lofemotive lassen wollte, daß er aber den Zug unter allen Umständen abfahren lasse, und sei es selbst mit einer versiegelten Lokomotive. Auf seinen Wint sette fich nun das fauchende Ungetüm in Bewegung. Der Gläubiger der Eisenbahn, der verdutzt da­stand und von tronischen Zurufen des Publikums begrüßt wurde. machte natürlich keinerlei Anstalten, den Zug auf­zuhalten, aber er legte Beschwerde beim Gericht ein, die in­dessen abgewiesen wurde.

Die Schülerselbstmorde in Ratibor. wird zu den bereits gemeldeten Selbstmorden zweier Ter­tianer dortiger Schulen berichtet: In der Wohnung seiner Eltern hat sich der siebzehnjährige Obertertianer des Kö­niglichen Gymnasiums Guder, Sohn des Direktors der Ra­tiborer Zuckerfabrik, erhängt. Der Vater selbst kam hinzu und löste den Knaben los; alle Wiederbelebungsversuche blieben jedoch erfolglos. Guder war nicht versetzt wor­den. Der achtzehnjährige Obertertianer Janiecki, Sohn des Brauereibuchhalters auf Schloß Ratibor, hat sich in der Klasse selbst nach Bekanntgabe der Versetzungen erschos­sen. Er hatte mit den Schulkameraden nach Empfang der Zensuren das Klassenzimmer verlassen, ging aber nicht wie die anderen Schüler nach Hause, sondern begab sich In den Hof und kehrte von hier aus nochmals in das Klas­senzimmer zurück, in dem sich niemand mehr befand. Mit einem kleinen Taschenterzerol, wie es leider vielfach als Spielzeug benutzt wird, schoß er sich eine Kugel in die rechte Schläfe und brach sofort bewußtlos zusammen. Alle im Schulhause anwesenden Lehrer eilten sofort nach dem Klassenzimmer und bemühten sich um den offenbar schwer­verletzten Knaben, und man holte den Vater und einen in der Nähe wohnenden Arzt. Dieser stellte fest, daß die Verlegung tödlich sei und ordnete die Ueberführung in das Städtische Krankenhaus an. Der junge Mann starb aber schon auf dem Transport nach dem Krankenwagen.

Darf eine Lokomotive gepfändet werden? Eine inte­ressante Gerichtsverhandlung fand vor einigen Tagen in Neuport statt, in der die Frage erörtert wurde, ob eine Eisenbahnlokomotive, die für den Verkehr notwendig ist, furz vor Abgang des Zuges gepfändet werden darf. In Amerika befinden sich die Bahnen bekanntlich in privaten Händen. Vor einigen Wochen wurden die Reisenden eines Expreßzuges dadurch beunruhigt, daß der Zug, der zur Abfahrt bereit stand und mit Reisenden voll besetzt war.

Der motivierte Hausball. Besuch:" Was, schon wieder ein Hausball bei Ihnen, Herr Müller? Wozu geben Sie so viel Gesellschaften? Ihre Töchter sind doch schon verheira­tet?" Müller: Gewiß aber meine Schwiegermutter ist Witwe geworden."

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Hase und Fuchs.( Eine Fabel.) Zu einem weidwunden Hafen tam Reinecke, der Fuchs. Meine innere Stimme sagt mir, daß ich dir beistehen soll in deiner letzten Stunde," Heuchelte der Schlaue. Deine innere Stimme ist das Knur­ren deines Magens," hauchte das sterbende Wild.

Albanestiche Blutrache.

Der Mord des albanesischen Soldaten an dem Oberst­leutnant von Schlichting hat wieder einmal bewiesen, daß bel den Albanesen Jatagan und Pistole noch immer eine große Rolle spielen. Auch heute noch werden in Albanten, diesem Lande blutiger Fehden und Meuchelmorde, Men­schen auf den Straßen oder dem Bafar einfach niederge­schoffen. Die Veranlassungen dieser Taten sind häufig sehr fleinlicher Natur. Ein Streit beim Kartenspiel oder beim Anrempeln im Basar genügen oft, daß ein Mann auf ſet= nen Freund feuert und ihn totschteßt. Aber damit endigt die Geschichte nicht, denn jedes Mitglied der Familie des Ermordeten ist durch Ehre und Pflicht gebunden, den Mör­der aufzusuchen und niederzuschießen, wo er ihn auch im mer finden mag. Kann er den wirklichen Mörder nicht finden, so muß er dessen Bruder oder nächsten Verwandten umbringen, und hat er auf diese Weise den Mord gefühnt und dem Geiste des Erschlagenen Ruhe verschafft. so geht das Recht der Blutrache auf die Familie des ursprüng­lichen Mörders liber.

Eine furchtbare blutige Fehde zwischen zwei Familien von Gebirgsbewohnern entsprang daraus, daß ein Schwein des einen das Getreide etnes Nachbars abgefressen hatte, als das Korn eben in Aehren geschossen war. Der Beschä digte erschoß das Schwein und der Eigentümer des Schwei­nes erschoß augenblicklich den Mann, der sein Tier ge­tötet hatte. Viele Fehden entstehen daraus, daß ein jun­ges Mädchen ohne die Einwilligung ihrer Eltern entführt wurde, denn irgend eine Beleidigung eines Frauenzim­mers wird sogleich mit dem Tode bestraft. Ein hintergan= gener Ehegatte muß den Schimpf, der seiner Familie und ihm selbst angetan worden ist, durch Tötung des Beleidt­gers rächen, wenn er nicht lebenslang ein entehrter und schmachbedeckter Mann bleiben will.

,, Vor kurzem ging tch," erzählt ein genauer Kenner albanesischer Verhältnisse, einmal durch eine Straße im Türkenquartier von Skutari, als ich einen Kopf und einen Flintenlauf um die Ecke einer Nebengasse unmittelbar vor mir herumschauen sah. Als ich zur Stelle kam, sah ich einen jungen Muselmann aus der Stadt ruhig auf einem großen Steine sitzen. In der Straße, in der ich eben ging, war der Eingang zum Hause seines Feindes, und der junge Mann hatte schon seit Wochen jeden Tag mehrere Stunden lang jene Haustür belauert. So oft er Schritte sich nähern hörte, schaute er um die Ecke, wie er getan hatte, als ich herankam; gewöhnlich aber fißt er auf dem Stein, von wo aus er gerade die Haustür sehen kann. Seine Familie steht in Fehde mit dem Besizer dieses Hauses, und das letzte Opfer, das in dieser Blutrache fiel, war sein Bruder, der erschossen wurde, als er eben nach seinem Laden im Basar ging. Der damalige Bluträcher ist ein hochgewach= sener, hübscher Mann von ungefähr 23 Jahren und wird geduldig warten, bis sein Feind oder dessen Sohn aus fenen großen Toren tritt, und wird dann seinen Bruder rächen. Der Feind ist ihm Blut schuldig, und so wird nie­mand auf ihn schießen, bevor er noch nicht geschossen hat."

Die Luft unserer Wohnungen.

Alle Bestrebungen zur Reinigung und Verbesserung der Luft sind, abgesehen von ihrem bisher geringen Erfolg, unnüß, wenn nicht dafür Sorge getragen wird, daß die Außenluft in geeigneter Weise auch in das Innere der Wohnungen eingelassen wird. Mit Ausnahme von öffent­lichen Gebäuden und von Räumen, die sonst zur Ansamm­lung einer größeren Zahl von Menschen bestimmt sind, fehlt in der Regel jede Lüftungsvorrichtung. Es wird zwar immer gesagt, daß durch das Mauerwerk ein genügender Luftaustausch sich vollzieht, aber die Tatsachen sprechen gegen die Richtigkeit dieser Behauptung.

Ein englischer Arzt weist darauf hin, daß in der Riesen­stadt Neuyork infolge der Maßnahmen zweier Hygienifer die Sterblichkeit an Lungenentzündung und einigen ande­ren Krankhetten allein dadurch herabgesetzt werden konnte, daß die Krankenbetten entweder ganz ins Freie oder in die Nähe der geöffneten Fenster gestellt wurden. Die Fach­leute sind auf Grund dieser und anderer Erfahrungen zu dem Schluß gekommen, daß alle bisher vorgeschlagenen Mit­tel zur Ventilation beiseite gelassen werden sollten und daß man sich an die einfachste Lüftung, nämlich an das Oeffnen der Fenster halten müßte. Leider wird diese Empfehlung in threm Wert dadurch fragwürdig, daß die meisten Leute, wenigstens bei uns, in einem ganz entseßlichen Grad gegen Zug empfindlich sind. Es ist gar fein 3weifel, daß diese Empfindlichkeit zum großen Teil auf Einbildung beruht, und man sollte, so lange es noch Zeit dazu ist, die Kinder und sich selbst dazu erziehen, etwas mehr Zug vertragen zu können. Man braucht nur an die Matrosen mit ihren tief ausgeschnittenen Joppen zu denken, um eine eindrückliche Vorstellung davon zu gewinnen, was die Gewöhnung in dieser Hinsicht zur Abhärtung gerade auch der bei den meisten Menschen anfälligsten Organe des Haljes bewirken fann.

in der Menge und Art der Luftfeuchtigkeit. Die Feuchtig feit ist in der Luft in einer eigentümlichen Weise enthalten, nämlich in einer gewiffen Lösung von Wasserdampf. Bei den Untersuchungen über die Bedeutung des Feuchtigkeits­grades der Luft für die Gesundheit des Menschen ist bisher die Frage, ob diese Feuchtigkeit ebenso wirkt wie der Wasser­dampf selbst, noch nicht hinreichend beachtet worden. Wahr­scheinlich bestehen hier große Unterschiede. Dampf dehnt sich unter der Hitze aus, während die Luft bei einer Steigerung der Temperatur ihre Fähigkeit zur Feuchtigkeitsaufnahme erhöht. Auch ehe diese Rätsel ihre Lösung gefunden haben, fann man annehmen, daß der Feuchtigkeitsgrad der Außen­luft oder der sogenannten frischen Luft ſtests für den Men­schen geeigneter sein wird, als der Feuchtigkeitsgehalt der Stubenluft, und schon aus diesem Grunde sollte man bei der offensichtlichen Bedeutung der von der Feuchtigkeit aus­gehenden Einflüsse ein häufiges und ausgiebiges Deffnen der Fenster unter allen Umständen durchführen.

Worin die Verschlechterung der Innenluft der Woh­nungen hauptsächlich zu suchen ist, läßt sich gar nicht so leicht entscheiden. Keinesfalls beruht der Unterschied zwischen guter und schlechter Luft lediglich oder auch nur hauptsäch= lich in einem Mißverhältnis des Gehalts an Sauerstoff und Kohlensäure. Auch die Annahme, daß durch die An­wesenheit von Menschen in einem Raum eine Art Menschen­gift in die Luft überginge, ist in das Gebiet der Einbildung zu verweisen. Wahrscheinlich liegt das wichtiaste Moment

Drabtnachrichten und neuestes.

Das deutsche Kronprinzenpaar in Rom. Rom, 6. April. Das Kronprinzenpaar machte gestern nachmittag um 4 Uhr einen Besuch bei der Königin- Mutter, dann fuhr die Kronprinzessin von Königsfürassieren es­fortiert, in das deutsche Hospital, während der Kronprinz an den Königsgräbern im Pantheon Kränze niederlegte. Von dort begab er sich, von der Menge mit lebhaftem Bet­fall begrüßt, zur Botschaft, wo er die Spitzen der deutschen Kolonie empfing. Vor der Botschaft bereiteten ihm und nachher der Kronprinzessin, die später zur Botschaft fam, die Kinder der deutschen Schule eine Ovation. Nachdem das Kronprinzenpaar bei dem Botschafter v. Jagow den Tee eingenommen hatte, fuhr es zur Villa Malta zum Be­fuche des Fürsten Bülow. Abends veranstaltete der König einen Familienabend.

Gedenkstein für Kaiser Wilhelm.

Gölu, 6. April. Gelegentlich der in Gegenwart des Kaiserpaares am 24. Mai erfolgenden Einweihung der Göl­ner Hohenzollernbrücke wird in dem rheinischen Badeorte Honnef ein Gedenkstein zur Erinnerung an den häufigen Aufenthalt Kaiser Wilhelms während seiner Studienzeit im dortigen Hause des Anthropologen Professor Schaffhausen errichtet werden.

Politische Umtriebe in China.

Cölu, 6. April. In Frankreich sind nach einer Meldung der Köln. 8tg." sensationelle Gerüchte über Umtriebe am chinesischen Hofe in Umlauf, die auf den Sturz des jungen Kaisers hinzielen. Die Verschwörung sei indessen vorzeitig verraten worden, worauf einer der kaiserlichen Prinzen einen Selbstmordversuch begangen habe.

Türkisch- griechischer Grenzzwischenfall. Athen, 6. April. Eine türkische Patrouille griff gestern an der Grenze einen griechischen Posten an, der das Feuer erwiderte. Drei türkische Soldaten wurden getötet. Die Patrouille befand sich auf griechischem Boden.

Die portugiesischen Parlamentswahlen. Lissabon, 6. April. Der Ministerrat hat die Par­lamentswahlen auf den 28. Mat festgesetzt und das Wahl­gesetz dahin abgeändert, daß die gemeinen Soldaten. Unter­offiziere und Zivilpersonen, die des Lesens kundig sind, eine Stimme erhalten. Die Ueberführung der Leiche v. Schlichtings in die Heimat. Konstantinopel, 6. April. Die Leiche des Oberstleut­nants von Schlichting ist heute früh an Bord des Dampfers Samos der Levante- Linie gebracht worden, um nach Deutsch­land überführt zu werden.

Die Leiche eines vermißten Referendars gelandet. Bonn, 6. April. Bei Unkel am Rhein wurde die Leiche des seit sechs Wochen vermißten Referendars v. Happe aus Koblenz gelandet. Die Taschen des Anzuges waren mit Steinen gefüllt. Man nimmt an, daß der Tote einem Ver­brechen zum Opfer gefallen ist.

Ränberhauptmann Stratmanns Helfershelfer. Essen, 6. April. Die Kriminalpolizei ermittelte wieder­um 9 Personen, die sich der Hehlerei und der Begünstigung des Räubers Stratmann schuldig gemacht haben. Es sitzen Jett 18 Helfershelfer des gefährlichen Ein- und Ausbrechers hinter Schloß und Riegel. Auch konnte wieder ein großer Teil von gestohlenen Sachen beschlagnahmt und den Eigen­tümern ausgehändigt werden.

Liebesdrama in einem Hotel.

Hamburg, 6. April. In einem hiesigen Hotel haben sich der 21jährige Chemiker Emmrich aus Breslau und ein etwa 19jähriges Mädchen, dessen Persönlichkeit noch nicht festgestellt ist, mit 3yankali vergiftet. Die Tat geschah, weil sich der Vater des jungen Mannes der Verbindung wider­setzte.

Der Tod im Grabenschat.

Forbach, 6. April. Auf dem Schacht Wendel bei Kleinrosseln wurden drei Bergarbeiter durch niedergehendes Gestein erschlagen.

Furchtbare Hungersnot. Petersburg, 6. April. Im ganzen Rayon von Jakutsk ist eine furchtbare Hungersnot ausgebrochen. Der Preis für Brot beträgt beretts 10 Rubel per Pud. Das Vieh geht wegen Mangel an Futtermitteln zu Grunde.

Die neue französische Uniform.

Paris, 6. April. Die Kommission für die Umge­staltung der Heeresuniform hat ihre Arbeiten beendet. Das Tuch wird für Offiziere und Mannschaften von hellarau­grüner Farbe sein. Der Helm besteht aus Stoff und ähnelt bem Feuerwehrhelm. Kriegsminister Berteaux will schon für die nächsten Herbstmanöver einige Truppenteile mit der neuen Uniform ausrüsten.

Furchtbares Lawinenunglück.

Paris, 6. April. Bei Modane an der französisch­italienischen Grenze wurden 12 Häuser eines Weilers voit einer Lawine verschüttet. Es gelang, die Lehrerin des Or­tes auszugraben, doch war sie beinahe bis zum Tode er­schöpft. Fünf Mitglieder einer Familie wurden tot aus dem Schnee herausgeschaufelt.

Pulverexplosion in einem spanischen Arsenal? Cadiz, 6. April. Im Arsenal der benachbarten Ort­schaft San Fernando soll eine Pulverexplosion stattgefun­den haben. Einzelheiten fehlen.

Trench und Brandon in Festungshaft. CLondon, 6. April. Die Blätter veröffentlichen einen Brief, den der Vorsitzende der internationalen Friedens­liga von den beiden wegen Spionage in Deutschland auf Festungshaft befindlichen Offizieren Trench und Brandon erhalten hat, worin sie sich sehr befriedigt über die Art der Internierung äußern.

Die letzten Opfer der Neuyorker Brandkatastrophe. Neuyork, 6. April. Die gestrige Beerdigung der sieben nicht identifizierten Opfer der Brandkatastrophe gestaltete sich zu einer gewaltigen Kundgebung der Arbeiterbevölke= rung. Hundert Arbeiterunionen hatten ihre Mitglieder mittags aus den Fabriken abgerufen, sodaß im Kleider­fabrikationsbezirk fein Rad in Bewegung war. Der Trauer­zug, dessen Teilnehmer verschiedentlich auf 70 000 bis 100 000 geschätzt wurden, bewegte sich in zwei Abteilungen, eine von der oberen, die andere von der unteren Stadt nach dem Washington- Plat. Stundenlang standen die schwei­genden Massen, die auf den Zug warteten, im strömenden Regen. Erschütternde Szenen spielten sich ab, als der Zug in die Nähe der Unglücksstätte fam. Viele aus dem Brande Gerettete Hatten Hysterische Anfälle, sodaß die Hilfe der Am bulanzärzte oft nötig war.