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Deutscher Reichstag.

Das Haus erledigte in der Sitzung vom Donnerstag elne Reihe von

Rechnungssachen,

ohu daß es dabei zu bemerkenswerten Erörterungen fam. Es wurde anerkannt, daß die Rechnungslegung über den Haushalt der Schutzgebiete jetzt in ein relativ befriedigen­des Tempo getreten ist. Die Anträge der Rechnungskom­mission wurden durchweg angenommen und für die not­wendig gewesenen Etatsüberschreitungen Entlastung er= teilt. Es fand eine Resolution, die ebenfalls von der Kom­mission vorgeschlagen war, Annahme, die den Reichskanz ' Ier ersucht, dafür Sorge zu tragen, daß den mit der selbst­ständigen Leitung von Bauten betrauten Beamten erneut ( azur Pflicht gemacht wird, den ihnen zur Ausführung über­tragenen Bauplan und Kostenanschlag strengstens inne zu halten und abgesehen von dringenden Notfällen Abwei­chungen vom Plane und Ueberschreitungen des Anschlags nicht ohne vorherige Genehmigung ihrer vorgesetzten Be­hörde vorzunehmen." Dann folgten wieder

Petitionsberichte,

zunächst die Petitionen betreffend die Aufhebung der Bäckereiverordnung, die von Bäckermeistern und Hausbe­fizern eingereicht sind. Die Petitionskommission empfiehlt sie, soweit sie die möglichst schonende Durchführung der Berordnung bei bestehenden Betrieben wünschen, zur Er­wägung zu überweisen, soweit sie Entschädigungen verlan­gen, durch Tagesordnung zu erledigen. Aus dem Hause wurden außer von dem Abg. Goerce( natl.) und Frhr. von Gamp( Rp.) von Abgeordneten, die selbst Bäcker sind oder waren Schefbeck, Riefeberg, Gieshuts u. a. teil­weise beweglich Klage geführt über die Kosten und Be­schwerlichkeiten, die den nur gerade ihr Auskommen fin­denden Bäckern durch die Forderung baulicher Verände= rungen ihrer Räumlichkeiten bereitet würden. Die So­zialdemokraten ließen durch den Abg. Binder einen Antrag befürworten, über alle Petitionen zur Tagesordnung über­zugehen. Der Antrag der Kommission wurde angenom­men. Die nächste Petition betraf den Erlaß eines Reichs­theatergesetzes. Die Kommission beantragt die Eingabe zur Kenntnisnahme zu überweisen. Dieser Antrag wurde nach längerer Debatte angenommen. Der Allgemeine Verein für Altschrift fordert die Zulassung der lateinischen Schrift im amtlichen Verkehr und im Elementarunterricht der Volksschule. Die Kommission beantragte, die Petition zur Berücksichtigung zu überweisen. Ein Antrag Bindewald forderte Uebergang zur Tagesordnung. Nach längerer De­batte wurde über den letzteren Antrag durch Hammelsprung entschieden. Es erhoben sich für den Antrag Bindewald 85, dagegen 82 Abgeordnete. Das Haus war also nicht be= schlußfähig. Darauf vertagte man sich auf Freitag, wo die Reichsversicherungsordnung zur Beratung steht.

Vor den Schlachten.

Die Kämpfe um die Reichsversicherungsordnung haben im Reichstag begonnen. Die letzten Stadien der parlamen­tarischen Vorberatung der Reichsversicherungsordnung glet­chen dem in seiner Wirkung bis zur Lösung sich stetig stet= gernden Abschluß eines Dramas, dessen Entwicklung= gernd einsetzte und nur allmählich an spannendem Interesse gewann. Nur der genialen Kraft eines Bismard konnte es gelingen, den Riesenbau der Arbeiterversicherung gegen Krankheit, Unfall, Alter, Invalidität in wenigen Jahren aufzuführen: 1884 trat als erstes der Gesetze die Unfall­versicherung in Kraft, kurz darauf folgte die Krankenver­ficherung, 1887 stimmte der Reichstag mit geringer Mehr­heit der Invalidenversicherung zu. Schon nach kurzer Zeit aber zeigte sich die Notwendigkeit des Ausbesserns und Erweiterns. Unter beständigem Hinweis auf die große Reform wurden fünf Novellen und Notgesetze in den Jah­ren 1892-1903 geschaffen. Im Reichsamt des Innern ar­bettete man fast unausgesetzt an Reformplänen und noch in der letzten Zeit seiner Amtstätigkeit erklärte Graf Po­Sadowsky, das Werk sei so groß und schwer, daß nur ein Diftator es durchführen könne. Er mußte Ende Juni 1907 weichen, ohne daß die Vorarbeiten zu Ende geführt waren.

Sein Nachfolger, Herr v. Bethmann Hollweg, beschleu­nigte die Vorbereitungen, aber auch ihm war es erst gegen den Schluß seiner Verwaltung des Reichsamts des Innern vergönnt, sie zum Abschluß zu bringen. Im Frühjahr fom der nur an die Oeffentlichkeit und nach langer Beratung im Bundesrat ein Jahr später an den Reichs­tag, der ihn am 18.- 20. April in erster Lesung beriet und dann an eine Kommission verwies. Diese hat in 120 Sit­ungen ihre Arbeit vollendet und das Ergebnis ihres Flei­Bes in sieben Berichten mit rund 2200 Folioseiten dem Plenum vorgelegt. Dieses wird nun jetzt darüber zu be­finden haben.

Bon vornherein war man sich darüber klar, daß das Riesenwerk ein Kompromiß sein müsse, das unter Ver­zicht auf zahllose Wünsche erreicht wäre. In der Tat sind denn auch nicht nur die tausendfältigen Forderungen der Interessenten, der Unternehmer, Arbeiter, Aerzte, Apothe­fer, Angestellten, ebenso wie der Wissenschaft und der öf­fentlichen Korporationen unerfüllt geblieben, sondern die Kommission selbst hat im späteren Verlaufe ihrer Bera­

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Des Rätsels Lösung.

Roman von Ludwig Blümck e. ( Nachdruck verboten.)

Etmas beruhigt ließ sich Woltersdorf, der Schlimme= res erwartet, nieder. So, so, das vermuten Sie?"

" Ja, ich weiß auch, daß Sie nicht der erste Forscher find. Der Herr Rentmeister war bereits vor vier Stun­den hier und stellte es ähnlich an wie Sie, um zu hören, bei wem ich den Schein gestern erhalten. Ja, ja, jeder will die Prämie verdienen, die auf dem Spitzbuben steht. Also bei Berger drüben bekam ich den Schein und der hat ihn, wie ich eben erfahren, von Kaufmann Kroll. Weiter reichen meine Kenntnisse nicht. Doch Herr Raben dürfte bereits mehr wissen, denn er schien mir, wie er wieder zum Bahnhof ging, recht befriedigt."

,, Verflucht! Das kann mir an den Kragen gehn!" sprach der Inspektor zu sich selber. Da müßte ich zu­nächst wissen, was Raben ermittelt hat."

tungen frühere wichtige Beschlüsse wieder aufgehoben. Die Folge tst, daß eigentlich niemand jetzt mehr zufrieden ist: die Regierungen haben Zugeständnisse gemacht, die sie nicht freuen, die Parteien stehen mit Resignation oder Wider­streben vor ihrer Arbeit, die Unternehmer protestieren und die Arbeitermassen entrüsten sich.

Wer unbefangen die Gründe für und wider abwägt, wird schließlich aber doch zu der Ueberzeugung kommen, daß trotz aller Mängel, Lücken und Sünden die Verbesse­rungen der Reichsversicherungsordnung zugunsten der 20 Millionen versicherter Arbeiter und Angestellten groß ge= nug sind, um die Annahme des Entwurfs zu rechtfertigen. Eine Anzahl Konservative dürfte absplittern. Doch ist an­dererseits auch in der Fortschrittlichen Volkspartei eine starke Strömung für die Bewilligung. Im Zentrum haben sich die Arbeiterabgeordneten letzten Endes für die Ge= nehmigung entschlossen. Polen und Sozialdemokraten ſte= hen in der Opposition, aber da von ihrem Nein das Schick­fal des Entwurfes nicht abhängt, sind sie in einer günsti­gen Position. Die Gefahr besteht trop der großen Mehr­heit für die Vorlage in dem Riesenumfang und den tau­sendfältigen Schwierigkeiten des Gesetzes. Bis zum letzten Augenblick wird die Spannung dauern, ob es nicht durch fein eigenes Gewicht erdrückt wird. Darüber aber kann fein Zweifel bestehen: Scheitert diesmal die Reform, so tst fie auf ein Jahrzehnt mindestens tot und begraben.

In gleichgültigem Tone erwiderte er dem Wirt: Nun, das ist ja schön. Da kann ich mir die Mühe also sparen." Er bezahlte sein Bier, ließ anspannen und fuhr recht be­unruhigt zurück nach Wedelstein. Vor dem Wirtshaus Schirmers ließ er halten, um, wie er dem Kutscher sagte, dort noch einiges einzukaufen, in Wirklichkeit aber, um zu sondieren, ob Raben etwa bei seinen Forschungen bereits hierher vorgedrungen.

Schirmer, ein unsauberer Mann, dem das Laster der Trunksucht deutlich genug seine Zeichen aufgedrückt, kam ihm mit gar geheimnisvoller, Unheil verkündender Miene entgegen und nötigte ihn in sein Kontor", einen schmutzigen Winkel hinter dem Kramladen, den er neben seiner Gastwirtschaft besaß.

,, Sagen Sie mal, Herr Oberinspektor," sprach er, sich die Triefaugen wischend ,,, was ist das nur mit dem Hun­bertmarkschein? Ich habe den von Ihnen gekriegt, und

Rundschau vom Cage.

Politisches.

Reichskanzler von Bethmann Hollweg ist Donnerstag abend nach Karlsruhe abgereist und wird am Freitag dem Kaiser in Karlsruhe zum erstenmal seit dem mehrwöchent= lichen Aufenthalt des Monarchen auf Korfu Vortrag hal­ten. In Regierungskreisen rechnet man stark mit der Möglichkeit, daß Herr v. Bethmann den Kaiser auf seiner Reise nach Elsaß- Lothringen begleiten wird. Sollte das der Fall sein, dann dürfte man darin wohl eine besondere taiserliche Vertrauenstundgebung erblicken, die feststellen will, daß der Kaiser in der elsaß- lothringischen Verfas= sungsreform hinter seinem Kanzler steht.

Der amerikanische Botschafter Hill tehrt jetzt an Bord des George Washington" von Neuyork nach Berlin zurück, um seinen Hausstand dort aufzulösen. Hill wird, so nimmt man in diplomatischen Kreisen an, die Kieler Woche mit­machen, dem Kaiser sein Abberufungsschreiben an einem der letzten Tage des Monats Juni in Kiel überreichen und pünktlich am 1. Juli, seinem Abschiedsgesuch entsprechend, seinen Posten aufgeben. Während des Sommers dürfte die nordamerikanische Botschaft in Berlin durch einen Ge­schäftsträger geleitet werden. Im Gegensatze zu anderen Mitteilungen ist festzustellen, daß über den Nachfolger Hills noch keine Entscheidung getroffen ist. Ganz ernsthaft nennt man neuerdings in dieser Beziehung den Namen J. D. Armours, des Bekannten Chicagoer Millionärs, der erst kürzlich des Kaisers Gast in Korfu war. Aber in amt­lichen amerikanischen Zirkeln gilt John S. A. Leishman, zurzeit Botschafter in Rom, als der aussichtsvollste Kan­didat.

Eine Reichstonferenz über die Schutzpocenimpfung. Die Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: Am Sonnabend den 29. April fand im Ministerium des In­nern in Anwesenheit des Ministers eine Konferenz sämt= licher Regierungs- und Medizinalräte der Monarchie und der Vorsteher der preußischen Impfanstalten statt, zu der auch der Kriegsminister, der Staatssekretär des Innern und der Präsident des Kaiserlichen Gesundheitsamtes Ver treter entsandt hatten. Die Beratung bezog sich auf die Bedeutung und die Durchführung der Schußpodenimpfung und auf die Frage, ob und inwieweit eine Abänderung des Reichsimpfgesetzes zulässig erscheine. Diese Frage wur­de nach eingehender Erörterung einstimmig verneint und die Schutzimpfung als das unentbehrliche Mittel zur Ver­hütung der Pocken anerkannt.

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schen Ministerium des Innern eingeholten Erkundigungen erfährt die ,, Kölnische Zeitung", daß der französische Mini­sterpräsident Monis im Gegensatz zu den bisherigen Mel­dungen es in Abrede stellt, mit der unter Spionageverdacht in Cöln verhafteten Sprachlehrerin in irgendwelchen ver­wandtschaftlichen Verhältnissen zu stehen. Ebenso wird in Abrede gestellt, daß Fräulein Thirion irgendwelche Be­ziehungen zu französischen Nachrichtenburaus habe. Der Fall, so heißt es, liege flar zu Tage. Es handle sich offen­bar um eine krankhafte Veranlagung der Dame, welche die Aerzte mehr als die Justizbehörden beschäftigen sollten. Nationalliberal- fortschrittliches Wahlabkommen in der Provinz Sachsen. Nachdem die Nationalliberalen in Nordhausen die Gegenkandidatur gegen den Fortschrittler Dr. Wiemer zurückgezogen haben, ist zwischen den Natio=

meine Frau hat die Strichelchen auch gesehen. Woher hatten Sie den nur?"

Sehr ruhig erwiderte Woltersdorf, wohl erkennend, was auf dem Spiele stand: Ach, Sie wissen schon, Herr Schirmer! Der Rentmeister war hier, nicht wahr?" Allerdings! Und wäre ich nicht so ein alter Schlau­topf, dann säßen Sie jetzt gehörig in der Patsche!" Ich? Wie so denn? Ich verstehe Sie nicht? Na, na, Herr Oberinspektor! Ich glaube, wir ver­stehen uns!"

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Es wurde Woltersdorf doch unheimlich zu Mute. Er wußte nicht gleich, wie er sich verhalten sollte. Erzählen Sie, lieber Schirmer! Ich bin sehr neugierig. Sie hat­ten also den Schein?"

Ich hatte denselben am Tage nach dem Diebstahl von Ihnen bekommen und ihn am Abend noch an Nathan gegeben. Weil ich aber wohl erkannte, in welche Lage Sie kommen würden, daß man Sie sofort verhaften könnte, wenn ich nicht geistesgegenwärtig genug gewesen wäre

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,, Ha, ha, ha, Sie sind ein guter Kerl, lieber Schir­mer, habe ich ja immer gesagt. Das war nun freilich unnötige Besorgnis. Aber ich erkenne den guten Willen Also ich konnte, wie man ihnen so auf den Leib rückte, einzig und allein nur noch der Spizbube sein?" Ja, Sie oder ich selber!"

an.

Die Sache fängt wirklich an, interessant zu werden! Aber was sagten Sie dem Rentmeister?"

,, Daß ich mich nicht entsinnen fönnte, von wem ich den Schein, wenn ich ihn besessen haben sollte, erhalten hätte. Es wären in diesen Tagen viele Händler bei mir gewesen, die Scheine hätten wechseln lassen."

Also, das sagten Sie dem Herrn Rentmeister! Vielleicht war das recht klug!"

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nalliberalen und den Freifinnigen der Provinz Sachsen vereinbart worden, daß die drei Wahlkreise Torgau, San gerhausen und Erfurt den Nationalliberalen überlassen bleiben, dagegen die Fortschrittler in Wittenberg und Nordhausen von den Nationalliberalen unterstützt werden.

Der Landtag für Reuß f. L. beschloß die Gewährung von Ruhelöhnen an staatliche Arbeiter. Je nach der Dauer der Beschäftigung beim Staat beträgt der Ruhelohn 40 bis 80 Prozent des Diensteinkommens. Auch ein Witwen­geld in Höhe von einem Viertel, mindestens aber 200 M, ferner ein Waisengeld in Höhe von einem Fünftel des Witwengeldes, mindestens jedoch 60 M, für Halbwaisen, ein Drittel, zumindest aber 90 M, für Vollwaisen bis zum vollendeten 16. Lebensjahre mit der Maßgabe, daß Wit­wen- und Waisengeld zusammen 80 Prozent des Dienst einkommens nicht übersteigen dürfen, wurde bewilligt.

Die Lage in Merito wird mit jedem Tage bedrohlicher. Wie aus der Hauptstadt Merito gemeldet wird, zücken die Aufständischen mit 4500 Mann auf die Stadt vor. In Meriko herrscht Anarchie. Auch wird die Einnahme von Mazailan durch die Rebellen gemeldet. Nah Washington sind Telegramme des amerikanischen Botschafters gelangt, die bestätigen, daß die Lage höchst bedenklich sei.

,, Aber, Herr Oberinspektor, lassen wir das jetzt! Ihre Pferde sind ungeduldig. Womit kann ich Ihnen dienen? Darf ich Ihnen eine Flasche meines neuen Bur­

Kleine nachrichten.

Der Kronprinz in der Bornstedter Schule. In der Bornstedter Schule bei Potsdam, die auch Kaiser Friedrich öfters besuchte, erschien am Donnerstag vormittag der Kronprinz. Er fuhr auf der Rückfahrt vom Ererzieren bet der Schule vor, wohnte dem Unterricht bei und Iteß für den besten Schüler und die beste Schülerin je ein Dreimark­stück zurück.

Das für die deutsche Südpolarexpedition bestimmte Schiff Deutschland" hat Donnerstag morgen von Hamburg seine Ausreise angetreten. Vor dem Vorstoß ins antarkti­sche Gebiet wird die Deutschland" nur noch in Buenos Aires anlegen, wo die Ausrüstung vervollständigt werden und der Expeditionsleiter Oberleutnant Filchner an Bord gehen wird.

Die Verhandlung gegen die Margarinefirma J. H Mohr in Altona wegen der vor einigen Monaten vorge kommenen zahlreichen Margarinevergiftungen findet am 8. Juni vor der Strafkammer des Altonaer Landgerichts statt. Die Anklage lautet auf Vergehen gegen das Nah­rungsmittelgesetz und auf fahrlässige Körperverletzung. Der Kampf im Hamburger Holzgewerbe nimmt im­mer schärfere Formen an. In einer von 5000 Personen be­suchten Mitgliederversammlung des Deutschen Holzarbei terverbandes wurde eine Resolution des Inhalts angenom­men, in allen Betrieben, in denen die Forderungen der Ar­beiter nicht anerkannt werden, die Arbeit einzustellen.

Die Königin Elisabeth von Belgien unterzog sich am Donnerstag einer neuen ärztlichen Untersuchung, die er­gab, daß die wichtigsten Organe, besonders Lunge und Herz, gesund sind, daß jedoch zur Behebung des Schwächezustan­des eine monatelange Ruhe notwendig sein wird. Irgend­welche Lebensgefahr für die Pattentin besteht nicht.

Eine regelrechte Diebesschule hat die Kriminalpolizet in der Kl. Markusstraße in Berlin aufgehoben. In einem Kellergeschoß wohnte der Händler Serig, der schon oft mit dem Strafgesetzbuch in Konflikt geraten und bestraft war. Wie bei der Aufdeckung eines Einbruchs ans Licht kam, hat er seit Jahren entsprungenen Fürsorgezöglingen gegen Entschädigung Unterschlupf gewährt und sie zu tüchtigen Mitglieder der Langfingerzunft herangebildet.

Oberschlesische Banditenstreiche. In Rydultau im Krei­se Rybnik in Oberschlesien drangen abends sieben ver­mummte Banditen, die mit Revolvern bewaffnet waren, in eine Gemischtwarenhandlung, bedrohten die Anwesenden mit Erschießen und plünderten die Ladenkasse aus. Dann verschwanden sie spurlos.

Ein Knabe vom elektrischen Strom getötet. Ein 12jäh­riger Schulknabe kletterte in Wüstenbrand bei Chemnitz auf einen Mast der elektrischen Starkstromleitung. Er er litt einen so schweren elektrischen Schlag, daß er sofort tot zur Erde stürzte. Beim Sturz riß sein Körper einen an­deren Jungen, der seinem Kameraden nachgeklettert war, mit herab. Der zweite Knabe blieb indes ynch

Tine amientasie hat sich in einem Hause der Schillerstraße in Magdeburg abgesptel. Der dort wohnende Tapezierer Scherer erschoß seine eigene 21jährige Tochter in Anwesenheit der Mutter und eines erwachsenen Sohnes, weil er mit Liebesanträgen von der Tochter zurückgewies sen worden war. Hierauf richtete er den Revolver gegen sich selbst und tötete sich dur chzwei Schüsse.

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Die Gefährlichkeit des Benzins. Nach einer von der Chemischen Fabrik Griesheim- Elektron aufgestellten Sta tistik sind im Jahre 1910 in Deutschland insgesamt 215 Unglücksfälle durch Benzin verursacht worden. Dabei wur­den 47 Menschen getötet, 210 schwer und 41 leicht verletzt.

Aus den Gerichtssälen.

Den nächsten Inbrud makt mi bi di, Herr Jericht!" Vor der Straffammer zu Altona spielte sich vor einigen Tagen eine humoristische Szene ab, die mit einer eigen­

gunders empfehlen? Haben Sie schon zu Mittag ge speist? Könnte Ihnen heute Rehrücken anbieten."

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,, Nun gut, ein Glas Wein könnte schmecken! Besor­gen Sie zwei Gläser und sagen Sie Friedrich, er kann fahren. Ich käme zu Fuß nach."

Schirmer rieb sich die Hände, was immer ein sicheres Zeichen für ein zu erwartendes gutes Geschäft bei ihm

war.

Er wußte jetzt, daß der schlaue Fuchs in seinem Fang­eisen saß. Ach, er wollte ihn nicht so leicht freigeben! Nachdem er den Wein gebracht und auf seines Gastes Wohl ein Glas geleert, sagte er, sich dabei wieder un=' willkürlich die Hände reibend: Herr Oberinspektor, wir sind gute Freunde und wollen ewig treue Freundschaft halten. Verzeihen Sie, wenn ich Ihre freundschaftliche Gesinnung schon wieder auszunuzen wage. Sie wissen, daß ich sehr in Schulden stede. Ich habe Ihnen Ihre dreihundert Mark ja ehrlich mit Wucherzinsen zeihen Sie den Ausdruck! zurückgegeben. Nun hätte ich gern auf einige Zeit fünfhundert Mart, aber zu mensch­lichen Zinsen. Würden Sie mir das Geld borgen können, Herr Oberinspektor?"

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Woltersdorf durchschaute den Mann, der gar zu stür­misch darauf losging, nur zu genau. Er fühlte, daß er sich in dieses Erbärmlichen Klauen befand, er wußte, was das zu bedeuten hatte. Schirmer würde ihn aussaugen bis aufs Mart, wenn er Stillschweigen von demselben verlangen wollte. Ja, seine Sache stand sehr schlecht. Jezt gab es nur noch einen Ausweg, und den galt es so schnell als möglich zu benutzen: Auf und davon! Retten, was noch zu retten war!

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Sind Sie schon wieder im Drud?" fragte Wolters­dorf auf des Wirtes Ansuchen. Weiß nicht, ob es mir möglich sein wird, Ihnen das Geld zu geben. Werde mir das überlegen. Morgen friege ich einige hundert Mart, von der Bank. Wollen sehen."

( Fortsetzung folgt.)

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